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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-23 · Heft 1042 (23.12.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1042 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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WIENER MOROENZEITUNO 23. Dezember I92t_ /Seite Sj_ Das Wiener Gemeindebudget. Gemeinderat Dr* Plaschkes über die Stellung der Juden. flrTlö$2 Men, Freitag von bleibendem Werfe sind die Östmiciiisclra Bas-Lose} J Jährlich 2 Haupttreffer von je K 5,000.000*— | « Jedes Los gewinnt. ® 8 Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und J 1 einkommensfeuerfrei! i ® g Preis: K 1220für ein ganzes Los und § J K 305*— für ein Viertellos. | « -.» § MT Erhältiieh beim Postsparkassen-Amte sowie % 2 bei allen Banken, Bankiers, Wechselstuben u. dergl. 2 « Z juristischen Sekretär, der als gerechter und rechtlich denkender Mann bekannt ist, der keine Bevorzugung von Personen kennt und von allen Gerichtsbeamten, die seine wertvolle Tätigkeit zu schätzen wissen, hochgeschätzt wird, in Schutz zu nehmen. Eine kleine Schar Menschfen jedoch hat es sich zum Ziele gesetzt, die Autorität dieser Gerichtshöfe herabzusetzen, um dadurch den Weg freizubekommen, die Korruption in diese Gerichthöfe einzufiihren und die durch ihre Agitation etwa freiwerdendeil Stellen mit Leuten zu besetzen, die zu ihrem Exekutivkomitee in enger Fühlung stehen. Sie nennen dieses Komitee das »Komitee des moslemitischen Volkes“. In Wahrheit j edoch hat es mit dem Volke nichts gemein. Die Angriffe des „Al Sabah“ bilden für mich und meine Freunde, die Richter, eine Ehrverletzung, ich fordere daher, daß der verantwortliche Redakteur des „Al Sabah“ Kamel El BudeiH verfolgt werde und daß dieses Blatt, welches die Bevölkerung auf reizt und dessen Führer das Land in furchtbarster Weise korrumpieren, eingestellt werde. Im Namen de> gerechten und gläubigen Mitglieder der Nation protestiere ich gegen dieses Journal. Telegramme. Amerika und der Zionismus. New York, 20. Dezember. (Eigenbericht der „Wiener -Morgenzeitung“.) Angesichts derfreundlichen Stellungnahme Hardings dem Zionismus gegenüber stellen jüdisch-amerikanische Zeitungen fest, daß die zionistische Bewegung in der letztdn Zeit in den Kreisen der jetzigen Regierung eine ga ze Reihe von Freunden gewonnen hat Zu den Förderern des Zionismus gehört auch der jetzige Aussenmiiiister Charles Hughes. Hughes' stehe der jüdischnationalen Idee mit ungemein großer Sympathie gegenüber und ist auch Uber die Ziele, Zwecke und Fortschritte der zionistischen Bewegung aufs genaueste informiert In den verschiedensten Departements, der Regierung, wie auch im Senat und Kongreß begegnet man einer ganz stattlichen Anzahl von Beamten, Senatoren und Abgeordneten, deren Sympathien für die zionistische Bewegung aufrichtig sind. Zu den größten Freunden der Bewegung zählt unter anderen der Senator Charles C o u r t i s, Vor einiger Zeit erklärte er einem jüdischen Pressevertreter, daß die Rückübergabe Palästinas an die Juden eine gerechte Sache sei und alle Amerikaner mit all ihren Kräften dazu beitragen müssen, den Juden die Erlangung des ihnen gebührenden Platzes unter den Völkern zu ermöglichen. — Ein ebenso ergebener Freund unserer Sache ist auch der sehr einflußreiche Senator P. Spencer, der die Bekanntschaft Sokolows mit dem Sekretär des Außenministers Fletcher vermittelt hat. Auch er vertritt den Standpunkt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten unbedingt den Juden' bei der Verwirldickung ihres Volksideals behilflich sein müsse. Fast alle einflußreichen und bedeutenden Mitglie er der republikanischen H a r d i n g-Partei sind ebenso aufrichtige Freunde des Zionismus wie die früher am Staatsruder stehenden Demokraten und es ist sicher, daß sie der Bestätigung des Palästina-Mandats keine Schwierigkeiten entgegenbringen, sondern mit all ihren Kräften 1ie Verwirklichung des Zionismus unterstützen werden. Amnestie in Deutschland. Berlin, 22. Dezember. (Wolff.) Der Reic’njustizminister wird noch vor den Feiertagen einer großen Zahl von Verurteilten, die auf Grund von Urteilen von Sondergerichten Strafen bis zu einem Jahre zu verbissen haben, Strafunterbrechungen zuteil werden lassen mit der Aussicht auf bedingten Straferlaß nach Prüfung der einzelnen Urteile. Ein Attentat gegen Kunduriotis. Athens 22. Dezember. (Wolff.) Admiral Kund u r i o t i s, der eine Zeitiang die Regentschaft geführt hatte, ist das Opfer eines Attentats geworden. Einige ehemalige Kriegsteilnehmer, die in einem Bureau für Kriegsbeschädigte Beschwerden vorbrachten, gaben im Laufe eines Wortwechsels auf den zufällig .eintretenden Admiral Schüsse ab, die ihn im Unterleib schwer verletzten«, Tm nachfolgenden geben wir den ' ScMviß der Ausführungen des Gemeilnderate-s Dr. Plaschkes wieder. Wir bemerken, daß durch einen Druckfehler itu gestrigen Bericht ein Teil der Rede dem Gemeinderat Untermüller zugesohiri-eiben wurde, einem Oliristliebsoz Maiit dem wohl niemand das Streben nach Gerechtigkeit gegen Wabe ,f zium-uiten wind. Gemeinderait F l a s -c h lc e s (fo-rtfaihremd): Ich glaube, dieser Rabbiner wird noch manchen Mandat an der S oiz i atld emo k raiten zu Grabe geleiten, am dem hat noch vielleicht der Sever zu Tode gesiegt. Dif Juden werden endlich die Augen Öffoon -uind seihen, daß sie Hier wie dort, rechts und lindes, hur die Kannlikd sind, und daß ihnen niemand ehrlich hilft, als ihre jüdischen Brüder. Ich laistse inir nacht eimreden, daß die Katholik en und Pno 'testan-tein einen Re-ligic ins Vertreter halben dürfen,, die Juden aber keinen, -weil, der Sever wieder eine glänzende Idee hat. (Gemeinderat - T L u b 1er: Wir wollen ja üfoerlhiaiuipt keinen!) Aber Sie haben mach dem Primziiip der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit dem Juden d-ais verweigert, was die Katholiken uind Protestanten’ gegen Ihrem Willen bekommen haben.! Itfh könnte mich auf den .§ 48 des Herrn Täubler so unangenehmen' Rekhswlks- ■sdliuilgesetzös vorn Jahre'1883 stützen, weinin ich sage, daß sogar genäse Gründe vorliegem,'weslbalb Reiligtouisvertreter im Stadtschulrat sitzen sollen. : (Zwischenrufe.) t . . . Alber mich interessiert dass Jetzt nicht! Mich interessiert j'etfct der Rel-igicosivertirete-r nur ails Vertreter der jüdischen Bevölkerung Wieinis, mafiezu ein Achtel de/f Gesam.tbeVöl'kenuing, die ihre Kinder im der Schule hat, ohine Rücksicht auf die Religion! Da wir Juden sdhion die einzige äiuitCmome Institution in der Kulitusgemeinde h'ribeih, so soll -sie auch einen geeigneten Vertreter entsenden. Der Sieg über den Rabbiner im Sitadtstihüilrät wird Ihnen künftig erspart blei-ben-! '' V * Wir brauchen uniseren Vertreter auch aus dem Gründe, -weil wir wissen, daß das Schulwerfk der wi'chitiigsite Teil der. n^tiöiuail*en Kiuil%r .ist. Wir haben die feste Absicht, unser völkisches Schulwerk im Rahmen der bestehenden Gesetze auszubaiuen, und erwarten von diesem Vertreter im Bezirksschulrat eine gewisse Förderung. (Zwischenruf.) Unser Schul werk muß gefördert werden» ob es Ihnen recht ist -oder nicht, nud.dazu brauchen wir Verschiedenes. Im Rahmen dieser Gemeinde brauchen wir vor allem von den vielen leerstehenden oder leergewordenen S chulhäu&om e i n e i nz i g b s S c h ü 1 h a u1' s. Es handelt sich*' nicht darum,, daß Sie es ums schenken, sondern gegen guten Zinis sollen Sie es uns überlassen. (Zwischenruf.) Bei den Tschechen sind Sie dafür, weil Sie müssen,, nur bei den Juden sind Sie dagegen. (Zwischenruf ' Gemeinderat S c h o r s c h : Wir wollen eben nur einheitliche Schulen!) Ja, wieder nur den Juden gegenüber, weil Sie sich da trauen! Unsere Jugend wollen wir nach unseren Ideen umd Idealen als ehrliche Juden erziehen. Wir verlangen daher nnsere eigenen Schulgebäude, damit unsere Schulen nicht zerrissen sind, daß zwei Klassem in der Tdbors-traße und zwei auf dem Judenipilaifaz umitorgehracht wenden müssen. Sie werden das natürlich im Sinne des Fried eins Vertrages tun müssen. Sie worden sehen, Herr Gemeinderat Taufakt, Sie werden dazu kommen, daß der Artikel 66 des Frieden s'vertrag>e.sauch gegen Sie zur Durchführung gelangen wird. Wir wollen ohne Berufung Auf die gesetzlichen Bestimmungen giut das eine durchsetzen, daß 111ms eine Sdhuile vermietet werde', was doch infolge der angeblichen Vemiiinidtaruing der Kin-derz-afhl leicht möglich wäre. (Gemeinderat Tau bl er: Wir brauchen Fort- Tagesbericht. Josef Fopper-Linkeus* In der Nacht auf gestern ist Josef Popper-, Linken s, 84 Jahre alt, gestorben. Er hatte schon seit längerer Zeit an Arteriosklerose gelitten, was ihm -aber weder die geistige Frische noch die beschauliche Ruhe stören konnte. Er sah vorgestern abends noch Gäste bei sich. Am Morgen wurde er tot in seinem Bette aufgefunden, Die Beisetzung des großen Denkers findet am Sonntag den 25. d. M. um 12 Uhr mittags in einem von der Kul'usgemeinde gewidmeten Ehrengrabe auf dein' israelitischen Friedhof (erstes Tor) statt. . s Popper-Lynkeus war .in K oli n am 21. Februar 1838 als Sohn armer Eltern geboren. Nach Absolvierung der Mittelschule wandte er sich der Technik zu und erwarb sich bereits in verhältnismäßig jungen Jahren den Ruf eines ungewöhnlich begabten Ingenieurs. Er war der Erfinder der Kesselsteineinlagen sowie eines Kondensators, der namentlich in Bergwerksbetriebeil sich dauernd bewährte. Er war seinerzeit der einzige in Deutschland, der für Robert Mayer eintrat, als sich gegen das von diesem gefundene Gesetz von der E rh a 11 u n g der E n e r.g i e die ganze Geiehrtenj weit wandte, was den unglücklichen großen Denker Hon* Täuibler, letzthin haben Sie ge Jammer wir werden sie sipennetn müssen, (heute sagen- Sie das Gegenteil. Sie wissen nicht, was Sie gestern! gesagt halben. Entweder sind . die F-ortbilduingssdhtulem passiv, uund Sie brauchensie nicht, -dami* lassen Sie sie auf. (Zwitschmrutf.)- Wenn, Sie dieselben alb er brauchen, dlainai geben Sie das Geld dazmhör. - ■ ' , ■ , Icfe mistche auch’ dairaiuif auf merksam, daß uniserel K i n d e r h e i m s f ä t t e im , Frater in detl Wiilhelmislkasiertne delogiert war-den ist iund wir bis heute nidht in der'Lage waren, ein passendes Lokal für sie zu finden. Wir mußten sie daher in einem Wirtshaus im Pratef üntenbringein. Febneij mache ich aufmerksam, daß es uns ni-cJbt gelungen/ ist, die Autsspeise- und Mil-chtTinikfiaille der Ftnati Anitta Müller in der Mdhrenigatsse 3 b, übeir welche d-ais Auforderungisverfatlren geschwebt halt, wie'deii zu bekommen. Ich lenke nun Ihre Aufmerksamkeit auf zwei* gewerbliche Fragen Das ist die A u s g ä b e der, Ha u s i e >r tb ü c h e r anläßlich der Enuieaierung bi<sl r. August und die Zulassung von Ausländern zui den freiert Gewenben duröb den Maigisitirat. Bezüglich der eusiteren Frage mache idi aufmerksam, daß? den 'jüdischen Hauisierenni, wie ßiir mitgeteilt wurde, Hindernisse in den Weg gelegt werden-, daß si4 ihre Bücher wegen der Nichtbezahlung der gering gen Differenz von ro bis 20 Kronen nicht be-: kommen bialban-. Im der zweiten Beziehung macheich darauf aofmerikisa-m, daß der Vorgang »albsoilKUti gesetzwirdig ist. Bei Ausländem, welche sJcfn) ink Besitze einer besonderen Aufenthaltsbewilligung befinden oder sonst das . Recht haben, sich hier auf-! .zubalten und das Gewerbe auszuüben, wirddie Ber« willigupg davon abhängig gemacht, daß eine for-i male. Zulassung des Zentral Magistrats erfolgt. Öasi ist eine kühne Gesetzwidrigkeit, die. ich deshalb .alf( sehr ernst ansehe, weil sie auch auf andere mißliebige Bewerber ausgedehnt werden könnte, später, einmal auf Wiener Juden. Wenn mau sich, einmal! außerhalb des Gesetzes begibt, dann kann es passiej ren, daß es nicht nur .gegen Juden, sondern auch gegen andere angewendet, wird. Schließlich möchte ich auf die Wohnungsfrage kommen, die scho-n seitens des Herrn Gemeinderatsi Kun-schak. gestreift wurde, insbesondere auf die; Frage des Mieterschutezgesetzes. Ich bin seiner Men mmg, daß es -zu einer gewissen Erhöhung -der Miet«^ zinse kommen muß. Die. Mieterschutzverordmungj muß im übrigen voll und ganz aufrechterhaUeni bleiben. Heute muß schein Protest erhoben werdeni gegen alle jene geplanten Bestimmungen, welche! allenfalls den Grundsatz der Unmöglichkeit deq Kündigungen, oder aber die -übrigen Grundsatzes? welche sich im Mietexschutzgesetz so gut bewährt( haben, insbesondere bezüglich willkürlicher Zins* Steigerungen, irgendwie verändern könnte. Denn? da-s Mieterschutzgesetz ist eine, ich möchte sagen; kleine Perle aus der Kriegsgesetzgebuug Oester-» reiebs, das einzige Gesetz, welches sich wahrhaft' zum Segen der Bevölkerung bewährt hat. Wenn i-ch meine Ausführungen kurz zusamt menfasse, habe ich zu erklären: Wir verwahren un-si dagegen, daß die Juden als Staatsbürger oder Men* sehen zweiter Klasse -betrachtet werden, wir fcap dern die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz. Von Ihnen, meine Herren, .von defl sozialdemokratischen Seite, verlangen wir voti allem, daß Sie, auch wenn es si-ch um Juden handelt, Ihre rote Fahne nicht einrollen, sondern Ihren Grundsatz von der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auch den Juden gegenüber beobachten, von allen aber, daß unsere ehrlichen Absichten unter-: stützt und unsere berechtigten Wünsche erfüllt! werden. (Lebhafter Beifall.) in den Wahnsinn trieb- Nicht minder ist bekannt, daß Popper in der Theorie der L u f t s c h iffa hrt Hervorragendes leistete, und ebenso, daß er lange vor Desprez, schon zu Anfang der Sechzigerjahre bei der Wiener Akademie der Wissenschaften unter Verschluß eine Denkschrift hinterlegt hat, welche, als die erste elektrische Ausstellung in München eröffnet wurde, den Beweis ergab, daß Popper damals schon, wie gesagt, zu Beginn der Sechzigerjahre, das Prinzip der elektrischen Krafttib ertrag u n g gefunden und beinahe bis ins Detail durchgearbeitet hatte. Das hervorragendste Stück seiner Lebens* aröeit leistete P 0. p p e r - L y n k e u s aber auf sozialem Gebiete. Im Jahre 1878 veröffentlichte er aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages Voltaires seine in aller Welt berühmt gewordene Schrift „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben“, in der er zum ersten Male die Forderung nach Einführung der allgemeinen Nährpflicht aussprach» in der er dann in seinem 1911. erschienenen Buche „Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage“ bis in die entlegensten Verästlungen des Problems hinein entwickelte. Unvergessen ist auch, welches Aufsehen der in seiner geistigen Spannkraft bewunderungswürdige Mann mit seinen zuerst unter dem Pseudonym Lynkeus erschienenen „P n a n t a s i e n c i n e s R e a 1 i s t e n“ erregte, die bilduif.gs'scliulen mn-d haben keinem -Platz dazu!)

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