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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-22 · Heft 1041 (22.12.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1041 (22.12.1921)
Date
1921-12-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. 104$ ffiten, VoimerÄSZ Festgeschenb National kalencler Herausgegeben von Otto AvGSss und Ludwig DstH Reicher belehrender und belletristischer Inhalt. Beiträge der bedeutendsten jüdischen Schriftsteller. Vornehm ausgestaltet und illustriert Als Chanuka-Gabe für die reife JtieS. lugend besonders geeignet Zu beziehen durch den Verlag »Wiener S4org@nxe!taftgu Wien, II, Taborstrasse l a Preis K 150, einschließlich Porto K 180 w Milderung der Einwandernngspolitik in Kanada. Montreal, 20. Dezember, (j. C. 6.) Der Sieg der Liberalen zu den Parlamentswahlen wurde hier mit großer Befriedigung aufgenommen. Man erwartet einen neuen politischen Kurs, der sich vornehmlich in der Milderung der Einwanderungsgesetze manifestieren werde. Der einzige jüdische Deputierte, Mr. S. W. Jacobs, wurde mit einer Mehrheit von einigen tausend Stimmen wiedergewählt Nach seiner Wahl erklärte Mr. Jacobs in einer von Juden, Engländern und Franzosen 'massenhaft besuchten Versammlung, daß die Tore Kanadas in Kürze der Einwanderung wieder geöffnet werden würden. Kemalistische Massakers. Athen, 20. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen- Leitung.) Ueber vierzig Intellektuelle, die Spitzen der griechischen Gelehrtenwelt, richten an alle Intellektuellen der zivilisierten Welt einen Aufruf, um gegen die in den letzten Tagen an den Küsten des Schwarzen Meeres durch die Kem^listen verübten Niedermetzelungen von Christen energisch zu protestieren. In der Stadt M e r z i f u n wurden sämtliche christlichen . Einwohner getötet, ebenso in Tripolis, K er a ssund und 0 r d u. In der Kirche zu Elezli wurden 535 Griechen beim Gottesdienst überrascht, sieben Priester wurden am Kirchentor mit dem Beil geköpft, 168 Notabein aufgehängt. Die Frauen wurden geschändet und die Kinder getötet. Massen von Flüchtlingen, meistens Armenier, Juden und selbst •Türken überfluten die Inseln und die Städte Griechenlands. Pogrome in Sibirien. Riga, 20. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Hier sind Nachrichten über Judenpogrome eingelangt, die in letzter Zeit in Sibirien stattgefunden haben. Genauere Einzelheiten fehlen. Die Lage der dortigen fudenschaft ist eine verzweifelte. pas Moskauer Budget Moskau, 21. Dezember. (Funkspruch.) Der Rat der Volkskommissare hat den Voranschlag für das Budget Jänner bis September 1922 angenommen. Die Einkünfte betragen 1.551,940.789, die Ausgaben 1.877,118.703 Goldrubel. Die Londoner Konferenz. Einberufung einer internationalen Konferenz? London, 21. Dezember. (Havas.) Gestern setzten B r i a n d und Lloyd George die Prüfung der Probleme für den Wiederaufbau Europas fort Englischerseiis neige man zu der Absicht eine internationale Konferenz einzuberufen, auf der die große und die kleine Entente, alle ehemals feindlichen Staaten, ferner Rußland und die europäischen neutralen Staaten vertreten sein sollen. Man hält es für möglich, daß Briand hiezu .unter bestimmten Vorbehalten, insbesondere bezüglich der vollen Aufrechterhaltung der deutschen finanziellen Verpflichtungen, bald seine ZustitnmuBg geben werde. Paris, 31. Dezember. Wie der „Petit Parteien" aus London meldet, hätten die beiden Regierungschefs beschlossen, über die Ergebnisse der ersten Zusammenkunft S c h wei.gen zu b e w.a h r e n. Die Aussprache der Sachverständigen über die. deutschen Zahlungen ,im Jänner und Februar habe noch zu kein e.m greifbaren Ergebnis geführt. . "WIENER MOTtGSHfZEmraO Dezember «S» SQte '3' ««uv»' '.<"■■ ' - ■■—■■■■ I II ■—■»»»»,—in»nw<lr ' ■■■■ >».,».»».» » i ■ i<j'| Das Wiener Gemeindebudget Gettte&tderat Br. Pteschkes über Ge SteHtt&g der Juden. Ln dter SLbsumg des Wiener Gemeinde raitets vom ig. Dezember präzisierte, wie s'dhon kurz berichtet, der jüdtechniaitiilotnialle Vertreter Dr. Leopold Plascfhkes dien StarwfpnnJkit dter jüdischen Retmöeeiriainig Wiens zu dletn aktuellen Fragen- Seine Ausfüfhjruai'gea, die in ihrer redhuerfiscban AtasfähiPtaog sich die schärfste Aufmerk- ■siaanikeifc dies Antdiltoriirnis erizwaungoi, gaben eine lückenlos gescihüiossemie Dar-, •steltang de* politischen SteiUlung des Jmididnttttns, seiner Kritik und Fotricfeiningein an die O Öffentlichkeit der . Reicbsharuptt Stadt. Gemeinde,rat Doktor P1 a; s c hi k e s führte im Wesentlichen dlais folgendes aiuter IcH bemerke zunächst namens meiner Partei, daß wir nicht unter Bedingungen, sondern ganz unbedingt für dieses Budget stimmen, weil wir der ’Meinung sind, daß dieses GerneindewBiU'dget von 32 Milliarden., trotz seines Defizits von 7V2 Milliarden, noch immer eine Leistung ist, weiche nach unserem Dafürhalten eine ganz 'besondere Eignung derjenigen voraussetzt, die mit der Führung der Finanzgeschäfte dieser Stadt betraust sind. Für bessere Zeiten müssen wir uns absolut Vorbehalten, in eine Finanzkritik ein zugehen. Wir hoffen auf Besserung der Verhältnisse, weil wir Be jäher Oesterreichs sind. Gerade die letzten Tage und vielleicht die letzten Stunden geben mir; das ruhige Bewußtsein, daß dieses Oesterreich «nicht verloren ist, wenn es auf dem Wege fortschreitet, der 'bis jetzt eingeschlagen wurde. Das ist die Frage des Zusammenschlusses in wirtschaftlicher Beziehung mit den Sukzessionsstaaten und die Vereinbarungen von, Lana und Frag. Wer das Werk begonnen hat, ist gleichgültig. Jeder verdient das neue Ehrenzeichen der Republik, wenn er jene Länder, die, wie ich sagen muß, nicht aus Not, sondern durch frivoles Auseinaind'erreiBea 'zerfallen sind — obwohl sie in sich die (Notwendigkeit ihrer Zusammengehörigkeit fühlen — in irgendeiner Form, nicht etwa auf Grund eines Schnitz- und Trutzbündnisses, nicht auf Grund einer politischen Zusammenlegung, sondern weil es wirtschaftlich notwendig ist, wieder zusammenbringt. (Lebhafter Beifall.) Diese wirtschaftliche Notwendigkeit wird jn allen anderen Sukzessionsstaaten' anerkannt werden. 'Mit der Tschecho-Slowakei ist ein günstiger, verheißungsvoller Anfang gemacht und es werden die anderen bald folgen. Ich bin nämlich sogar der Meinung, daß trotz der Frivolität, die wir in Oedenburg gesehen haben, und trotz der Banden-, die dort ihr Unwesen treiben,, auch mit Ungarn als Sukizession-sstaat h^ird Z'ttr wirtschaftlichen Vereinbarung kommen müssen, natürlich möt einem besseren' Ungarn, unter anderen (politischen Verhältnissen und unter einer anderen als der mörderischen Horthy-Regier-umg, denn mit den Elementen, die durch ihre Banden die Juden morden und plündern und die Abstimmung in Oedenburg beeinflussen ließen, wird sich ein wirtschaftliches Abkommen nicht treffen lassen. Aber hier haben Sie ein Beispiel, daß sehr wertvoll ist, sowohl für die ■Herren von der christHchsozialen als auch für die von der sozialdemokratischen Partei. Zuerst sind die Banden auf den Juden losgegangen' und dann auf Oesterreich, weil die antisemitischen Banden aller Länder «und Zonen auf die losgehen-, die sie für wehrlos halten. (Rufe: iBefe Kun ist auf die .Christen losgegangen!.) Das ist — ich blut kein Schützer Knaus —- unwahr. Jedenfalls diejenigen Christen, die ganiz besonders* zu vertilgen wären, hat er nicht erwischt. (•Heiterkeit. — Zwischenruf des Genreind-erats Angel,'.) Daß eine ganze Reihe der Führer des Kommunismius, eines Systems, dais ich absolut nicht befürworte und daß ich insbesondere auf die österreichischen Verhältnisse ,nicht übertragen sehen möchte, Juden waren, kommt rtelieicht daher, daß unter den Leuten, die in Ungarn revoltiert haben, vom Grafen Karolyi herunter nur die paar Juden so intelligent waren, die revolutionären, Ideen zu (vertreten. Ich werde nicht sagen, daß der Kommunismus in Ungarn gut war, aber die Geschichte müssen wir studieren tmd sagen, daß wir stets vor revolutionären Ideen Achtung haben müsssen, ob es die I-dee Bete Kuns oder die des Jesus von Nazareth, ist. Wichtig ist, dtaß revolutionäre Ideen in der Regel von den geistreichsten Menschen ansgehen. Wenn das in Ungarn gerade Juden waren, ist das unanu genchm, aber keine Schande. Also, auch mit Ungarn werden wir ein Abkommen treffen wüssen, die Verstimmung^ die aus der 'Oedenburger Abstimmung Ji er-vorgekommen ist — ohne Rücksicht darauf, ob Zusammenbruch des Horthy-SysteHts talachi aitfe icteri Welt geschafft werden. Das Wesentlichste aber tstj daß unsere Politik im Staate «nd in der Stadt auf friedlicher Benelnba-nung alter mit allen' gerichtet sein muß, auf Völkerfrieden und Völkerversöhunng. Nur das kann das Heil für Wien, das Heil für deal Bundesstaat bringen^ wenn wirkliche Freiheit und wahre Demokratie ihre Grundpfeiler bilden. Dark* jedoch wird zdemkdh viel gesündigt, und zwar von! beiden Seiten. Es muß schließlich dazu kommend Frieden und Versöhnung auch auf dtejeuigeit' amzu* wenden-, die ich m v-ert-reten die Ehre habe. Di« Judenfrage soN ja1 in der nächsten Zeit aufgeralft werdert, We'ttzk wir den Ausführungen des Großdeutschen Professor' Ze idl er und dem Antrag der Herren Pölze-p und Morgenstern auf dem sozialdemokrati-l sehen Parteitag Glauben schenken oder Erfüllung! wünschen dürfen. Wir Zionisten sind damit völlig, einverstanden, die Erörterung und Lösung der; Judenfrage ist für alte Parteien mraufsdttebbar gev worden. .L Das Wichtigste kt eben zunächst, -sich K la-r2^ heit über die J u d e n f r a g e zu verschaffen s Diies kann nicht in Beschimpfungen' oder Verleumd düngen oder Lobpreisungen, sondern nur ia ernstetj Aussprache geschehen. Diy Judenfiage soll nicht eiri Gehein-aiis einiger Juden und Nichtjuden sei», siel soll von allen offen besprochen werden, die guten! Willens sind, die Judeurfrage, die nun, einmal existiert,’ zur Lösung zu bringen. Wir wünschen Verständi-T gung. vbn Volk zu- Volle, und da wende ich mich be-! sonders an die Cbristlichsoizialen. (Zwischenruf desf Gemeinderats Rotter.) Nairi, es handelt sich darum,! Sie einmal zu überzeugen, daß Sie restlos dafür sein; müssen, einen gerechten Ausgleich in der Juden4 frage zu schaffen, aber nicht in der Weise, wie Sie,1 sich einen Ausgleich vorstellen: Ein Drittel taufend ein Drittel erschlagen und ein Drittel ausweisen.—> diesbezüglich hilft Ihnen übrigens Herr -Lever —1 sondern auf Grund der bestehenden Gesetze und ins4 besondere auf Grund der Bestimmungen des F-rie-. densVertrages über Minderheitssch-utz und national^ kulturelle Autonomie. Ich glaube, daß wir in dieser} Frage ehebaldigst -miteinander ein ehrliches offene.^ Wort sprechen müssen und es wird gut sein, mit! allen, die guten Willens sind, ein Einvernehmen, mx& pflegen. Das will ich nicht bloß den nichtjüdk' ■sehen Sozialdemokraten, sondern insbesondere deqr Herren von der rechten Seite nahelegen, vielleicht' kommt doch etwas heraus! Sonst müßte ich detj Meinung sein, daß man sich die Juden1 uimnter4 ,brechen als Prügelknaben behalten, will, um auf siei die Schuld für diejenigen -abzuwälzen, die 'das'- xStahlbad der Völker« angerichtet haben. -Es würde* sich aber auch erweisen, daß die Antisemiten sich, nicht bemühen wollen, von jenem geistigen Niveau? wegzukommen, welche^ in jedem Hakenkreuz den! Ausdruck höchster Weisheit und in T ag-or e einen» Rabbiner sieht. (Lebhafte Heiterkeit.) Oder wollen^; die Antisemiten auf dem Standpunkt derjenigen^ bleiben, welche die Albernheiten verbreiten,' die inl den '»Protokollen der Weisen von Zion« nieder-j gelegt und in d'er ^'Reichspost« kräftig a'-usge-, schrottet sind? Das ist das (Niveau derjenigen, die' sich auöh durch den verlorenen. Krieg, nicht über-', zeugenlassen wollen^ -die nicht Frieden, ■sondea-nj Krieg mit den Juden haben wollen, 'bei denen Haßt und grundlose Verachtung so tief ins Herz eingefressen ist, daß es eine Verhandlung mit ihnen nichß gibt, Verhandeln ist doch besser als vor die Börsemarschieren und ein kleines Pogrömdien ■arrangieren, der Kurs von Zürich läßt sich durch Herrn1 P r e y e r nicht beeinflussen, wenn auch die Herren mit Waffengewalt auf den Schotteuring gehen undi ein. paar Fensterscheiben einschltagen. Aber die Herren wollen ja nicht lernen von uns, die wir Ihnen! friedliche Auseinandersetzung bieten, sondern lieber, aus den Pogromen in Polen, der Ukraine und Ungarn. (Gemeinderat Angeld: Mit den Wiener Juden-: würden wir uns schonabfindem) Auf das Abfind'e.ri. mit den Wiener Juden komme ich schon noch 'zurück. Herr W aber findet sich ja auch mit dert- Wiener Juden ab, nämlich in gleicher' Weise wiemit den polnischen Juden, oder die Bürgermeister^' von Eferding, Mattsee -und Großmugel, die eine Ein- - .reiscbewilligung für Juden unmöglich finden und' sich nicht darum kümmern, ob der Jude atu-s Brod^v aus Wien- oder gar ein Landsmann des Herrn Angeli ist. We-rni ich früher. vom Bürgermeister vom Eferding und Mattsee gesprochen haibe, der dem Juden keine Aufenthalt Bewilligung erteilt, so gebe, icli ihnen allerdings recht,' daß iSie als Ghristlich-. soziale nicht allein daran schuld1 sind. D-a hat Ihnenes (ich glaube nicht daran.) zur Wiederholung der Abstimmung kommen wird — muß seinerzeit bei der stramme Sozialdemokrat Sever dien Weg* gz*- wiesen und eine billige und gute Ausr-ede verscha|.f5J RIBÜSHDIB3-H a R A DBA A'A B H BA B-B U B B lsvgU B'BAB l-IB'B B ri.flB'-B B ffl I qg * Grosser Konzerthaus- Saal » BBAB« B-0 Hfl RBBR« K9 »BR« ABA AB BJB U B Bf B'B RIOBI« « B-flSB Bffl B S B R-B-B B B «Bl HLA-B AI B B ■ B-IA-I BQ! *1 Bl RestHclie Kart«» an den Konzerthaus- *■ kassen, 1H., Lothringerstraße, an der H; Kasse der „Wiener Morgenzeitung", *; II., Taborslraßc 1, in der Buclihand- ® M ” B lung Löwit, I., RotcntinmstiaBe, und q'. 4U n iml'PF Mil«wirkMir»rr ' hipritfniifP!V?ripr Rtmsfhp5Sffo « imKartenboreauAida, n.,Taborstraik? »- mr MEUTE ■» 7 Uhr abends 1 Abschiedsabend NAU PICON-J. KAUCH! unter Mitwirkung bedeutender Ktmstkräfte

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