Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1034 (15.12.1921)
- Date
- 1921-12-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5034 V5«>, Donnerstag WIENER MORGBNZEITTJNQ 15. Dezember 1921 Seite 3’ Zugleich wuide ein Gesetz über die Pensionen der katholischen Seelsorger in Beratung gezogen. Von den jüdischen Seelsorgern hört man weit und breit kein Wort, wie überhaupt das Milliardentmdget von der Existenz des Judentums keine Kenntnis nimmt Polnisch-österreichische Verhandlungen Warschau, 14. Dezember. (Tel.-Komp.) Der österreichische Gesandte in Warschau wandte sich 'wegen der Anknüpfung von einleitenden Verhandlungen zwecks Abschlusses eines Abkommens zwischen Oesterreich und Polen an die polnische Regierung. Diese Anregung wurde mit Zustimmung ausgenommen und der polL nische Gesandte in Wien erhielt den Auftrag, 'die entsprechenden Schritte in Wien einzuleiten. Das geplante Abkommen soll sich nach dem Muster des letzten polnish-tschechischen . Vertrages gestalten. Tscheche »Slowakei. Die beschlagnahmten Güter. Prag, 14. Dezember. Auf Grund des Gesetzes vom 14. Februar 1920 ist im VerwaUucgsbereich des Staat-' liehen Bodeuamtes in Trencsin-Teplitz die ständige Aufsicht Über die beschlagnahmten Großgrundbesitze des Ludwig Windischgrätz, Julius Andrassy, Stefan Rakovszky und des Georg Apponyl, sämtlich in der S l o w at e!, eingeführt worden. Konopischt —- Staatseigentum, Prag, 14. Dezember.'Wie „Vecemy CeskeSloVo“ meldet, wird am 1. Jänner Konopischt, das ehemalige Besitztum des Erzherzogs Franz Ferdinand, in ,das Staatseigentum übergeben. Schlußsitzung des sozialdemokratischen Parteitages. Tetschea, 14. Dezember. (Tschecho-slöw. JPreßbttreau.) In der heutigen Schlußsitzung des sozialdemokratischen Parteitages ergriff Abgeordneter Gzec h zum Punkt »Wiederaufbau der Internationale“ das Wort. Er erklärte. die Beschlüsse der W i e n e r A r b e i t c r s c h a f t, der ' dreizehn Parteien ängeschlossen und zu der sieben neugemeldet’ sind, für y e r b i n d 1 i c h für die deutschen Sozialdemokraten* in der Tschecho-SIowakei. Redner sagt,, er glaube feststellen zu können, daß. der Kommunismus heute seine Werbekraft bereits verloren habe.' Zürn Schluß trat er für die Erkämpfung einer Einheitsfront des Proletariats in der Tschecho-Slowakei durch Vereinigung der deutschen und der tschechischen, Sozialdemokraten sowie der Kommunisten ein. v- Sodann erfolgte die Wahl des Parteivorstaiides; Zum Parteivorsitzenden wurde einstimmig Abgeordneter G z e c h gewählt Hierauf wurde der Parteitag .geschlossen. . . •’v.\-< Polen. Die Forderungen der Juden in Ostgalizien. Eine Deputation beim Ministerpräsidenten. Eine aus Dr. Leon Reich und Redakteur M. Frostig bestellende Delegation der zionistischen Landesexelkutive für Ostgalizien überreichte in Warschau dem polnischen Ministerpräsidenten : Großer Konzerthaussaal s B I.II i min ■—1.1. ■hi.hih-.i «— -. B ■ Donnerstag den 22. Dezember 1921 « ® 7 Uhr abends «* I Abschiedsabend! i HaSg PIc®ü J |. .. 1 Kalteh . . f ■ unter Mitwirkung bedeutender Kunstkräfte « ® Der Kartenverkauf feegSnnl heüie « n atl den Konzerthauskasseu, III., Lothringerstraße, an der Kasse S « der „Wiener Morgenzeitung“, IL, Taborstraße 1, in der Buch- « lian4!ung LCwit, Rotenturmstraße, and im Kastenburtau « 3 A'ida, U., Taborstraße 7 414 BSBBBSRBIBB1BBIBBB BHBBBBBBBBBBBBliBHHBBIB iP o-n ikowsly ein Memorandum, welches eine Reihe von Wünschen und Beschwerden-der jüdischen Bevölkerung enthält. Diese beziehen sich auf die Frage der N i ch t ä«u £n a h m e -der jüdischen Studenten an der Ü «n i v e r s i t ä t L e m b e r g, die Massenenteignting jüdischer ‘ Gutsbesitzer und Pächter, die 'Nichfcberücksichtigung jüdischer Otfizialisten 'bei der Bo de apar ze 1Her-u n g, auf die Ausschaltung der jüdischen Trafikanten, die illegale Verwaltung der jüdischen Gemeinden durch Regierungskommissäre, die Beeinflussungen und Üngesetzlichkeiten während der: letzten -Volkszahlung, wie auch diestete Schikanierung jüdischer . öffentlicher Institutionen und- --zionistischer Vereine du-rch staatliche Behörden. Der Ministerpräsident erklärte, däß 'er sich bemühen werde, im nächsten Halbjahr "•den jüdischen Studenten die Aufnahme an der Universität zu ermöglichen und daß er zu diesem Zwed^e’ eine spezielle R e k t-o r e n (k an f er eri z embeir-üfen werde, da Platzmangel seiner' Meimmg nach keineswegs einen entscheidenden Grund für die Ausschließung jüdischer Studenten bilden könne. Bezüglich der Frage jüdischer Trafikanten und der Nichtzutesstmg von Ju den bei -der Bodenparzellierung, werde er jeden einzelnen Fall prüfen und darüber entscheiden. In der Angelegenheit der jüdischen Gemeinden werde er sich mit den Referenten für jüdi- 'sche Gemein-deangelegenheiten im Ministerium verständigen. Ferner versprach der Ministerpräsident, gegen die ihm namhaft gemachten Beamten, welche sich bei der Volkszählung Uebergriffe hätten zuschulden kommen lassen, sohärfstens vorzugehen. Er finde es unverständlich, -daß die Regierungsbehörden zionistische Vereine audlösen, oder daß solche Sdhikanierungen arusgesetzfc seien, da seines Wissens der Au-sn ahmszustand schon, längst aibgesohafft worden sei und er bitte die Deputation, ihm jeden Fall telegraphisch mitzuteilen. Der Aussprache wohnte auch der Direktor der politischen Abteilung im Ministerium bei. Außerdem wurde den kompetenten Faktoren ein Meraorand u m über die Forderungen der jüdischen Bevölkerung Ostgaliziens bezüglich der ..nationalkulturellen Autonomie und ihrer Wünsche als dritte Nation im Lande überreicht. Es ist abzuwarten, inwieweit die Warschauer Regierung die Beschwerden der jüdischen Bevölkerung Ostgaliziens berücksichtigen und deren Wünsche erfüllen wird, zumal in den letzten offii ziel len Autonomieprojekten nur von einer polnisches* und ukrainischen Nation die Rede ist. Die neuen jüdischen Sejmabgeordneten.! Warschau, 14. Dezember. (Privat,) Als Nachfolge^ des verstorbenen Sejmabgeordneten Rabbiner H a l p er» hat. dessen Mandat H. Mendelsohn übernommen und bereits die Angelobung geleistet. In einem Interview mit: einem jüdischen Sozialisten erklärte H. MendelsoTm, daß etj im Sejm in allen Fragen, die auf die Verteidigung der. jü^ bischen Interessen Bezug haben, mit den übrigen jüdischen1 Sejmabgeordneten Zusammengehen werde. In re«-' Hgiösen Fragen werde er den Standpunkt seiner Partei* (Agudath Israel) vertreten. In der Schulfrage fordere er; die Anerkennung der Chedarim als Volksschulen. Die Wahlen zum Wilnaer Sejm. Warschau, 11. Dezember. (Tel. der »Wiener Morgenzeitung“.) Die politische Kommission der Wilnaer jüdischen Gemeinde hat beschlossen, den Juden die Enthaltung von der Wahl in den Wilnaer Sejm zu empfehlen. Wilna, 14. Dezember. (Privat) Wie „Unser Wort“ meldet, hat die jüdische sozialdemokratische ' Partei „Bund“ auf ihrer letzten Plenarsitzung, im. Gegensatz zum Beschluß der jüdischen politische# Kommission auf Enthaltung von den Wahlen, 'beschlossen, sich s: den Wahlen zum Wilnaer Sejm aktiv zu beteiligen. „Unser Wort“ bringt auch eine Erklärung des Führers der Wilnaer Litauer Michael B i r s i s k a, daß die litauische Bevölkerung' Auf keinen Fall an den Wahlen teilhehmeit werde. Die russisch-jüdischen Flüchtlinge. Warschau, 13. Dezember. (J. G. 8.) Das Ministerium des Innern wies die Bürgermeister der an der russisch-ukrainischen Front gelegenen Städte an, die dort befindlichen jüdischen Flüchtlinge aus dem Osten, sofern sie im Besitze von Pässen sind, nicht über die Grenze zurückzuschicken. Die jüdischen Sejmdeputierten bemühen sich bei der Regierung um die Zuerkemmng des Asylrechtes auch für diejenigen jüdischen Flüchtlinge, die nicht im Besitz ihrer Aufenthaltsbewilligungen sind, aber um deren Erlangung bereits eingereicht haben.. Die Westukrainer und Petljttra. Die Westiulvria'iini-siche Piresseageuturr ersucht Hirns um Aufnahme «nacbsitehe-iider Feststellung:-Bei jieidem Auftreten d-es: Petl.jmra-Regimes ifeaitüdhen immer wieder Gerüchte 'auf, daß die west* iu k r ai n i s c h.e , Regie r«u n g die Bo-litilk Pefc- Ijlutras umterstüttzt.' Wir sind ermächtigt, testeusfcellen, daß diese Gerüchte'glatte Erfindungen sind*, da die westiulkiraitiische Regierung mit der Petlj'ura- Akticn. nichts Gemeinsames hat und auch nicht halben will. Sie steht auch jeder reaktionären Bewegung gaiivz fern, ebenso wie der bolschewikisehön. Vielimel.tr geltet sie den. Weg der Demokratie ntnd des Völkerfriedens. Das ukrainische -Volk Ostg a.l i z i e n s hat jederzeit die Pogrome im d e r, Großukraime aniif das schärfste «verurteilt tsnj ist das einzige Volk Osteuropas, welches keime jüdischen Pogrome auf dem Gewissem hat. ' Schnitzlers „Fink und Fliederbusch*. 7m den merkwurdiigston Ereignumgen im.literarisch en Wien — wenm man -sicih nicht schämte, alus däesem Anlaß patriotisch ziu werden., müßte' man teagen: zu den tnaiuirigsten — gehört wohl die Ab-: ©ihlaichtmng und schleunigste Einschairruing- ' einer Komödie, die während des Krieges im Deutschen- .Volkstheaiter zur Uraufführung gelangte uüTid -rajsdli wieder verschwand. Ein hochgeehrter, ( voij . der- Presse ansonsten respe.ktiviollgt behaandelitcr' Wiener Poöfc'' hatte diesmal, wenn man den Blätterstimimen' üroiuon konnte, ^rundlichst versumgen. Die 'Zement 'ermahnten Artur: Sclmitizilier, * 1 näclis^en-s wieder bei'; der Erotik m bleiben, die and&rm fandeia sein jüings-tes Opus lächerlich schlecht, dilettantisch ztisammeai'ge&topipelt, einfach stümperhaft. Alle aber- «erklärten uaiisono: Langweilig,’ eiMtsotelich faid-.-'. . Fehlte nür noch die Warnung, hinei'rcziigeheni 'Ein jverdächtLger'Failll ’ ..Wea* heute die köstliche Joiffrmlistönkojnödie >Fiink utn-d Fliederbusdi« liest, wird die Animosität, mit dor sie behamdek, den Eifer, mit der dais Sitiickabgetkrageit' wurde, Ikaum rensitehen. Main sieht in Rediaktioiiss'öuben. Hiimein; und main «sicht .ihre- Insassem. Sie .sind aum guten TeiF nicht gerade Tugendibolde. Aber Sdirnitzler, der gcrvchmackvolle Maipci, der niemals abzüglich wird t«n<d stets imanchrn?A aiilau gütig ist, hat Gestalten von _Fleisch und Blut geformt, hot sie während seiner Arbeit liebgewoimen, wird sogar Ihr Anwalt, v,-o Cr sie geißeln kömtte, uind-er weiß manch merkwündiigen- F>all vK)«n Gesitwuttnigslosigkeit, kl«ebrig«ör Geschäftigkeit und Feigheit nueinschlidh zu erklären. EsWäre vornehmer'gewesen, za rufen - >Tiefer häwgöa!«,. sitatt diesen überaus gökmgecen Redaktians- und- Jcuirnölistemspiegei mit dem Banosibrah! au belegen. Umd cs wäre klüger gewesen, sich nicht getroffen zu fühlen. Der Held des Stüclkes schreibt als >Finik« in der feudal-katlliiolis-chcra »Eleganuten Weit«, umd bekämpft seine Artikel mit Kraft «rnnd Temiperament unter■ seiin«em richtigen Namen »Fl'iederbuisch«'in der xlenrokraitischen« mindenkaitholischen '»Gegenwart«, - d'ie in dar »Eleganten Welt« ein Judernblatt genaimnt Wird. SdWitzler gewinavt zunächst-'unsere Symipartnie für diesen Rechtsumd Links Schreiber.- E;r läßt den talentvollen jungen Mann; vorerst sein Armeik'uibe- ■ lieim in der 'kleinen' Schiffcoutsgasse ' schildern, bevor er ihn an der, Arbeit zeigt. Er läßt ihn von s'ehiera Vater» einem henubgekommeinen jüdischen Kaufmann, sagen, - daß ’ er ihn bewundere. »Eine beneidenswerte Narötar^ or gliaiubt am sich.« FHederbusdi juir.'ictr, der mit erstaun.!idhem Erfolg die Kunst, geübt hat, jede Spur zu verbergein, die an s'öinic' He'rkumft aiuis der Schiffamtsgasse erinnern könnte, der gute Figur macht uaid n der feudalstem Gesellschaft willkommen ist, glaubt nicht an sich rind macht sich über seine Gesinmaragslosigkeit nicht die geringstem Sknuipel. Die Beschaffenheit seiner jlO’U'ro&H'Stischen Umwelt und die Gesellschaft, die ziu deuR beiden feindlichen Redaloticmen Bezieihumgen pflegt, geben, ihm beinahe recht. Die Kol legem von der »Eleganten Welt« drängen. Herrn -Finik mit Behagen dazu, Herrn Flicderbusch-wegen eimes beleidigenden Artikels zu einem Duell auf Leben uinid Tod zu foirdern, tnn-d die Kollegen von d«eir »Gegenwart-'. geben Herrn Fliederbusch eiligst «preis. So kommt es zu dem merkwürdigen unblustigen Duell zwischen 'Fink und Fliededbusch 'ü/iud Fliederbus oh, der sich selbst ailis Duellant entgegemtmiitit, sagt zu dau teils ^rdiutzt.on«, teils -srötlidh e-mlpörten Kiebitzen des pikanten Waffenganges: »Mir ist meine Ge- SLtHHaung nicht feil, ich muß mir das Recht Vorbehalten, jedem Tag zu denken und z-u schreiben, was ich will! Au.f eine Udbenzeuguing mim, kh -aio nichit fesü-egon.« Zwei -M-adithaibeir vcilt Piresseorganeai,-Herr Sataai vom fetudalem' Wioclh.ei«Miaiüt umd . Herr Leuchter vom demokratischem. Tagbliatt . (siü k’-ommenrin dem -.Stüdk am schledhitesücn weg, . Ed > es.ist Peinlich, d<arauf hiniLU'we'isem,' daß die Abl^hinev | deri' Kom’ö die eigentlich nicht ihr-e Sache, -sondenif die :ihrer Chefs vertreten hiaiben), sind «b-egeiistcrt vort dpn Fähigkeiten ■ - des gerinnnngslosen,. aiber federgewandttein. Fliederbtnsch aacs der Scliifiamtsgaese;; Sie , wollen ihn für sich gewineon, begingen zu li-zi* tieren, überbieten einander i-n«faibeF.:iaft«en Gehalifcsz«usagen, und Herr Leuchter ruft entzückt - ans; »Wissen. Sie, was sie getan ‘haben? Sic halbem atd atbsurdum geführt. Ich weiß «zwar noch imicbt gtai&r genau, .wats — alben Sie haben l . . .« Es ist nicht das einzige gelungene Worit dieser «bunten, figurenreiclien und geistvollen Komödie, in der sie uns alle leibhaftig begegnen.: Die kleinen Zeilenschinder und die großen Erfolgmacher, die f empörten, aber .frühzeitig geknickten Gharakter- I festen, die in der Journalistik gelandeten Entgleisten «der Gesellschaft, ärs Geschäftsleute mit der olurnen* >i'e:ehen, warmen Feder, die Revolverherren mit «den Skandaigeschichten in der Schreibtischlade. Das Völk-chenis«t vollzählig- und «— das war vielleicht von Schnitzler unbedacht — es rekrutiert sich nietet bloß aus den Bekennern einer Konfession.... Alle beleuchtet der Dichter scharf und breitet doch - vor. die meisten seine schützenden Arme, bringt uns bei, daß alles begreifen alles verzeihen heißt. Da sst der Kritiker Abendstern. Ei. möchte dais Stück seines Redaktion sik old egen Kajetan -nach- Gebühr verdonnern, wie er überhaupt;n temperamentvollen Ausbrüchen seinen Schmerz darüber-kundtut, daß er nicht die Wahrheit schreiben darf. Aber was ist zu tun! Sein Chefredakteur, Herr Leuchter, meint warnend: »Mein lieber Abendstern, iah habe GEMZW'M EÄ LSÜMMS im Warenfims Schiffmann