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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-15 · Heft 1034 (15.12.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1034 (15.12.1921)
Date
1921-12-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seife »_Wien, Donnerstag_WIENER MORGENZETTUNO_I51Dezem6er 1921 ffr. 1034 Polnisch-litauische Unterhandlungen. Wilna, ii. Dezember. Wie das Wil-naecr Tagblatt »Unser Tag« erfahrt wnd aiueh , durch Warschauer Blätter bestätigt wird,: iiat^e', der als Delegierter Litauens in- Warschau, weilende; Unteus'taatssekretär Rose n b a u m eme;la«igere Konferenz mit dem Chef des politischen Departemente August Zaleski und dem Chef der .Verwaltungsangelegönheiten der Ostgebiete, Grafen Kosakowskä. Das Ergebnis dieser -Konferenz wurde dem Außenminister Ski r ni u>-n t referiert, der dann selbst mit Rosenbouin eine kurze Ubterredung hatte. Beide Teile anerkannten,' daß die' 'Möglichkeit für direkte Unterhandlungen’ zwischen Litauen und' Polen, welche die Fragen der konsularischen und K-cmni uni ka-tiontsibe£i ehtmge-a beider Staaten .sowie die W i 1 n a er. F r age .betreffen sol'eu. Minister Ski-rniunt nahm bloß, die. Frage der Pan!ameivtswaMen m Wilna vdn eventuellen Verhandlungen aus. Diese Unterhadid- (tragen sollen au einem neutralen Orte stattfinden, in erster Reihe wird Danzig gemeinrt/ Krakau, der Sitz der oberschlesiächen Schwerindustrie. Krakau, 14. Dezember. @ntel.) »IHustrowany Kurjer Godzlenny“ meldet, daß in einer Sitzurig .der, Krakauer Handelskamner bekanntgegeben wurde, daß Krakau der Sitz der oberschlesischen Schwerindustrie sein wird. Die bezüglichen Aemter werden ihre» Sitz nach Kra’cau verlegen. Von Krakau . nach Kattowitz wird eine elektrische Bahn gebaut werden. Ungarn. Wie es mit der Preßfreiheit ^bestellt ist, Budapest, 14. Dezember. Io Besprechung der von der Regierung verfügten Aufhebung der Zensur heben die Biätier einmütig hervor, daß von einer. Preßfreiheit keine Rede sein könne, da der Minister des Innern auf Grund der Kriegsausnahmsverfügung noch immer das Recht habe,, nach seinem Belieben Blätter e i n z u s t e 11 e n„ was einen noch gefährlicheren Zustand als die Zensur bedeute. Trotz der scheinbaren Wiederherstellung der Preßfreiheit müsse daher die Presse eine noch größere Vo rsicht bekunden als bisher, da das Damoklesschwert der Blatteinstellung über ihrem Haupte hänge. Palästina. Errichtung des AgrikuHuriiistituts. Jerusalem, 12. Dezember. (Privat) In Ueberein- Stimmung mit dem Kongreßbeschluß, schreitet die' zionistische Exekutive an die Errichtung eines Instituts für 1 a n d w i r t s c h a f 11 i c h e F o r s c h u n g i n Jerusalem. Als Leiter der einzelnen Abteilungen-. noch nie einen meiner Mitarbeiter gehindert, seine Ueberzeugung auszuaprechen ... Aber die .Wahr*, -heit ist etwas sehr Relatives und jedenfalls jäßf .sie sich auf verschiedene Arten ausspreohet»: Scharf oder mild — und es bleibt doch immer die Wahrheit. Man kann Goldkörner finden, sogar im Quarz, und auf solche Goldkörner hinzu weisen wider spriphit keiner heiligen Pflicht, wie Sie sich früher auszu. drücken beliebten...« Und Abendstern muß über Kaietan günstig schreiben. Da ist der Politiker FüllmanS. Er hat mit jener sehr gedämpften Forschheit, zu der ihn die Schule der »Gegenwart« erzegen hat, gegen die Parfarnentsrede eines im Aufstieg befindlichen Feudalen geschrieben. Der Chef stoßt den Artikel zurück und lenkt den gekränkten und entrüsteten Füllmann anf die Vorgänge in Albanien ab. Die ganze Redaktion weiß es, daß er um seine Entlassung ansüchen, aber doch wieder bleiben wird. Da ist der ehemalige Offizier und gegenwärtige journalistische Erpresser Styx, dessen sich der noble Herr Satan von der »Eleganten Welt« bedient, ihn mit Vorschüssen an sich fesselt, aber schon daran denkt, ihn rechtzeitig fallen zu lassen, weiler mit einem Konzern in Verbindung getreten ist und bei dem großen neuen klerikalen Tagblatf den Entgleisten nicht gut wird unterbringen kötlnen.' Und da ist der Abgeordnete Graf Gisbert Niederhof, der schließlich Fliedenbusoh zu seinem Ad latus macht und meint: »Die Rechnung ist klar: Sie haben’ zwei Ueberzougungen — ich keine.« Fliederbusch, der kluge Raisonneur, erwidert: »Stimmt das auch ganz gewiß, Herr Graf? Sie könnten sich am Eiide täuschen — in uns beiden.« Worauf der Graf prompt antwortet: . »Auch diese Möglichkeit haibe ich "in meine Rechnung eingestellt...« Nicht herzuzählen, wieviele köstliche Wendungen, scharfgeschliffene Worte und fröhliche Erkenntnisse dieses ins Archiv gejagte Spiel enthält. sind in Aussicht genommen: Professor Warburg als Chef des Instituts und Leiter der Abteilung für Botanik, Agronom I. W i l k a n s k y, Leiter der Versuchsstation für das Farmwesen, Dr. Boden* heimer . für;Insektenkunde, Dr. Treidel für Chemie, ebenso Ingenieur M. W i n i k, Dr. Feiner und Dr. Fei c h e j t - für Pflanzenkunde und schließlich Ingenieur-Agronom Z e m a c h als Redakteur der Publikationen des Instituts. Professor Wä rb u-rg dürfte iin nächsten Frühjahr nach'Palästina; übersiedeln und die Leitung des Instituts, ' welches vorläufig in der Abteilung für Kolonisation der palästinensischen Exekutive untergebracht ist und dann seinerzeit eine Abteilung der Universität In' Jerusalem bilden soll, übernehmen. Schon im Vorjahre wurden in Benschemen, Merchawia und Dagania Versuchsstationen errichtet, deren Arbeiten unter der Leitung WilVanskys standen. In Merchawia übernahm das Institut tausend Dunam Boden von der Regierung für Versuchszwecke und binnen kurzem dürfte eine ähnliche Versuchsstation in B ersehe b a errichtet werden. Der neue Schulinspektor. Jerusalem,!!. Dezember. (J. C. B. An Stelle des nach Amerlka^zurückkehrenden bisherigen Schulinspektors Dr. D u s h - wurde Mr. G i n s b e r g, ein Sohn A e.h.a^d- H a a m s> zum Inspektor der jüdischen Schulen im . Rahmen x des Bildungsdepartements der palästinensischen Regierung ernannt. Die Aufforstung. . Jerusalem, N. Dezember. (J. C. B.) Der High Commissioner ernannte ein Komitee zur Ausarbeitung von Vorschlägen und Plänen für die Aufforstung der Dünen u fl. dr Küsten Palästinas. Dem Komitee gehören nebst einem Regierungsvertreter und dem Leiter des zionis t i,s eben K o l o n i s.a t i o n s a m t e s, Ingenieur Ettinger, ein Jude, ein Mohammedaner und ein Christ an. Gegeti den palästinensisch-syrischarabischen Kongreß.; Jaffa, 12. Dezember, (Privat.) In den ägyptischen Blättern hat der Emir She.kib Arslau vo? einiger Zeit mit einer Agitation zur Einberufung eines palästinensi-sch-sy risch-arabischen Kongresses begonnen. Der Kongreß soll nach dem Appell des Emirs die Proipaga-rada für die >Befrehrng’i Palästinas« in die Wege leiten. Der Emir verspricht sichvon diesem : Kongreß' eine .starke Wirkung , .auf die arabische Bevölkerung' im Innern u-hd auf .'die öffentliche- Meinung- «i Westeuropa. Dieser Auffassung sowohl wie aivoh der Idee des Kongresses überhaupt tritt der Notable 'A:r i f Tukan aus Sichern im hiesigen arrhisoheu..Blatte rA 1- A c h b a r« durch einen offenen Brief am den Emir Sliekifb Arslau entgegen. o-Vor allem« — führt. Arif Tinka-n aus — ist der.Emtr iin .Unrecht, wenn er glaubt, daß ein Kongreß tatsächlich die syrische u>nd palästinensische Bevölkerung repräsentiere. In W'ahrheilt ist das Gegenteil der Fall, besonders was den palästinensischen Kongreß betrifft, in dem mi-r eine bestimmte Jener Kajeta-n, pier Bühnenautor, ist gleichzeitig Verfasser’ von Entrcfilets, Plaudereien, Sck-mircknotizen und Nachrufen auf Vorrat. Alles gegen Zeilenhonorar. Ein Vorbericht über ein Gartenfest ini Pärk einer Fürstinwird vom 'LokalredaSkteur stark gestutzt: »Habe tnlf'erlaubt, zu streichen. Das wissen wir eh, daß im Park Gwendolin die Vögel zwitschern und der Flieder .duftet.« Der eifrige Kajetan hat m den' fünfunddreißig noch nicht »fälligen« Nachrufen, die bereits im Reda/k-tionspult liegen, einen neuen gebracht, der. einen Minister betrifft. Er gibt sofort die Erklärung für das Manuskript, -das bei dem Gesündheitsziustand des Minister« verfrüht erscheint: »Gestern Ohn-machbsanfalU Zucker! 6Y2 .Prozent. KannV nimmer lang machen. Habe mit seinem Hausarzt gesprochen. Diskretion Ehrensache! Sichere Angelegenheit.« Un-d.Leuchter, der väterlich: gestrenge Chef, gibt seinem politischen Redakteur folgende Belehrung: »Merken Sie sich, in der inneren Politik kommt es vor allem auf das richtige Maß an. Wir sind nicht dazu da, die Gegensätze zu verschärfen, wir sind da, die Gegensätze auszugleichen. Pas erscheint mi>r als die vornehmste Aufgabe eines wahrhaft demokratischen ,Organs.« Wir . verabreichen diese, kleinen Kostproben, -UM ziu mahnen, wie schade es ist, daß diese Komödie, eine der besten, die in den letzten Jahrzehnten gelang, nicht aufgeführt wird. Die Gegenwart ist: doch nicht so reich an wertvollen, amüsanten, zugleich erzieherischen Bü-linenwerken, als daß wir auf »Fink und Fliederbusch« verzichten könnten. In einem Wiener Abendblatt schrieb ein Theaterreferent,,Freytags »Journalisten« sei ein veraltetes Stück, eine Ansicht, die wir nicht teilen. Er wünschte gleichzeitig, daß ehestens eine moderne, zeitgemäße JouTnalistenkomödie geboren würde. Wir gestatten uns, zu .bemerken, daß Schnitzler sie anno 1917 geschrieben hat. Otto Abel es. Gruiptpe . der Bevölkerung vertreten erscheint. Die Kongreßdelegierten vpn Sichern wurden, m einer Vexv, Sammlung .gewählt,Zain welcher bloß 25 Measohen teil-# nähmen,, tind die in . An Wesenheit, der. Intellektuellen-,, der Sphäiki wnd'der Nota'beln abgeh alten wturde, "Im übrigen 7'ief. es äiitdh nicht wahr, daß' die Verwalitiuihg des Landes - schlecht sei, 'sie ist jedenfalls', viel besser äis sie zu jener Zeit'war, d-a Palästwiemser-die Verwaltung.: in ihren Händen hätten. All die Leute, dii-e die Forderung der völligen 2Befreiung Palästinas und Syrien sc. an Stelle rt, sind entweder kurzsichtig oder-sie haben kein Verständnis für dlie gegenwärtigen Beziehungen zwischen den verschiedenen Gruppen der Bewöhneffschaft.- Diese Fordern,mg nach einer völligen Befreiung arbeitet vielmehr in die Hände der europäischem Mächte, als sie den Pa-lästin-omsern helfen könnte, denn sie .wird unausweichlich die Versklavung dieses Landes * herbei führen, als eine natürliche Folge unserer Unfähigkeit, uns vollständig selbst zu “-verwalten.« Telegramme. Die Frage der WeltfinanzeiL! \ 1 Ein Plan Lloyd Georges. New York, 13. Dezember. (Reuter.) Der „Asso* ciated Preß* wird aus * Washington gemeldet, einige der auswärtigen Diplomaten, die an der Washingtoner Konferenz teilnehmen, hätten Weisungen erhalten, die sie. dahin auslegen, daß LI.oy d George .sieh darauf vorbereite, die Initiative in den weltwirts c h a f 11 i c h e n F r a g e n zu ergreifen, da die von den Vereinigten , Staaten vorgenommenen Untersuchungen ihn überzeugt hätten, daß Amerika nicht die Absicht habe, eine Wirtschaftskonferenz einzuberufen, wenigstens nicht in. der ^nächsten Zeit . Den Informationen dieser Diplomaten .zufolge soll der Plan. Lloyd Georges die Annullierung d e t Kt i e gs s.c fi u i d e 11, .die von Frankreich, Italien, Belgien und.Rußland; sowie von den kleinen Balkans Staaten an England geschuldet..werden, in. Betracht ziehen.: Die: S t r e i.c h.u n g t ieser an Großbritannien geschuldeten Beträge soll unter gewissen. Bedingungen erfolgen, deren eine die ist, daß Frankreich die Schulden streicht, die es von den alliierten Ländern zu fordern hat. Eine weitere Bedingung wäre, daß die von Deutschland' an Frankreich geschuldeten Reparationen auf 13.500 Millionen Francs herabg e s z t würden, / . , ( Äbkcifn;ittiens.' WLshinAo"? ..14. Dezember. .(Wolff.) Die- U ter« Zeichnung ' d^s' yier-Mchte-Abko'mmens wurde .um ' 11 Uhr 2Ö Minüten beendet. Das. Dokument wurde in das Weiße' Haus' gebracht und wird dem Senat vor- gelegt werden-. Senator L a f 0 Nette von der Parte! der Mversühnlichen erklärte,, das Abkommen enthalte alte, Nachteile der ’Völkerbundsatzungen ohne einen ihrer Vorteile^ Er werde sich bemühen, die Ratifizierung des Abkommens zu verhindern. Englische Thronrede, London, 14. Dezember. (Reuter.) Heute fand die feierliche' Eröffnung der neuen Parlamentstagung durch den König statt In der Thronrede des Königs heißt es : Ich habe Sie berufen, sich hier zu dieser ungewohnten Zeit zu versammeln, damit die Bestimnvungen des von meinen Ministem und der irischen Ab rdnung unferzeich eten Abkommens Ihnen sogleich zur Gutheißung vorgelegt werden. Mit herzlicher- Freude habe ich von dem Abkommen erfahren, das hach mohatelangen Verhandlungen geschlossen wurde und das nicht nur die Wohlfahrt Irlands berührt, sondern auch die der britischen und der irischen. Rasse in der ganzen Welt Es ist . mein innigster Wunsch,,daß durch dieses Ihnen nun unterbreitete Abkommen ein . Streit der jahrhundertelang gewährt hat, ein En e finden und Irland als freies Mitglied, der,Gemeinschaft , der Nationen, die das britische - Reich bilde ', . die Verwirklichung seiner nationalen Ziele erreiche« möge. .„Morning Post“ zufolge wurde gestern abends die Antwort Ulsters auf das letzte Schreiben Lloyd- Georges von'Craig und dessen Kabinett entworfen., Die Antwort soll auf eine endgültige Weigerung hinatts? laufen, dem irischen Freistaat beizutreten. Die Keren-Hajessod-Äktion. in Amerika* New York, 12. Dezember. (J. C. B.) Colonel Pater so«, der bekannte christliche Förderer des Zionismus in England, ist hier eingetroffen und schloß sich der Sokolow-pelegation als ordentliches,- Mitglied an, um die gegenwärtig im Zuge befindlichezionistische Kampagne, in den Vereinigten. Staaten zp unterstützen. Professor W a r b u r g und Jabo-' t ins k y bereisen mit Erfolg die entlegenen Teile Amerikas und dürften morgen wieder nach New York zurückkehren. Die gesamte zionistische Delegation ist für dio nächsten Tage zu einem Diner bei der J e w i 8 h eS&maditsvarkaiaf in STOFFEN Konkurrenslos in Qualität ,090 und Preisen! Hin 13-12, IJätfsaus l

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