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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-12 · Heft 1031 (12.12.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1031 (12.12.1921)
Date
1921-12-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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W. 1031 'Wien, Äonta^ '#IEÄr I^6RG^N2^lTtmti' fi Dezente» t92T -2L« Mitteilungen aus dem Publikum.' Echte JSgerwSsche w Alberfi Halzner, Wien ,1., Kohlmessergasse 8 setze hiezu die Möglichkeit bieten, keine zweite F ra u zu nehmen. * Schwere Erkrankung Idelsons. Der Chefredakteur des zionistischen Zentralorgans „Haolam“ in London, A. Idelson, Ist während seines Berliner Aufenthaltes an einer Grippe mit bedenklichen Komplikationen schwer erkrankt Der „Jüdischen Rundschau“ zufolge wird der Zustand des Kranken von den Aerzten als äußerst besorgniserregend bezeichnet. (J. C. B.) * Professor Clark in einem zionistischen Gymnasium. Aus T e m e s v a r wird uns berichtet: Der englische Professor Clark, der behufs Studiums der Lage der nationalen Minderheiten in Rumänien das Land bereist, kam dieser Tage buch nach Tetnesvar, wo er die wirtschaftlichen und kulturellen Institutionen der verschiedenen Nationalitäten besuchte und sich über deren, Lage informierte. So besuchte er in Begleitung des Schuleninspektors Popovics auch das hiesige zionistische Gymnasium* in welchem. er die Vorträge in den verschiedenen Klassen anhörte und auch an die Schiller Fragen richtete. In einer mit dem Lehrkörper abgehaltenen Konferenz wurden der Lehrplan und die durch denselben zu erreichendes Ziele eingehend besprochen. Ünlversitätsprofessor £1 ark sprach sich über die Ergebnisse dieser Anstalt, die er eine jüdischnationale Musteranstalt nannte, mit großem Lob aus. ... * Der Friedenspreis. Aus C h r i s 11 ä n i a wird gemeldet: Offiziell wird mitgeteilt, daß das Nobelpreiskomitee des norwegischen Störthings den Friedenspreis für 1921 zur Hälfte dem Staatsminister Branting. und zur anderen Hälfte dem Generalsekretär des Interparlamentarischen Verbandes, Lange, zuerkannt hat. * Ein Revolverkampf mit einem Kanaleinbrecher. Heute um 1 Uhr früh kam einer. Jener Unglücklichen, die keine feste Wohnung haben und nachts im Kanal Unterschlupf suche«, ein sogenannter „Kanalstrotter“ atemlos in das Wachzimmer Brigattabrücfce und teilte dort, mit, , daß soeben Einbrecher sehr wertvolle Beute, die aus Stoffen, bestehe, in den Kana! geschleppt haben und sie wahrscheinlich bald abholen würden. Der Kommandant der Wachstube, Revierinspektor Czerny, begab sich sofort mit zwei Oberwachmännern seines Postens und einem Revierinspektor der Brigittenau mit drei Oberwachmännern vom Einstieg aus in den Kanal. Sie fanden eine große Anzahl Stoffballen im beiläufigen Werte von zwei Millionen Kronen. Diese wurden in die Höhe und in das Wachzimmergeschafft. Revierinspektor Czerny stellte Posten auf, um die Einbrecher, falls sie die. Beute abholen sollten, festzunehmen. Tatsächlich sah- Oberwachmann Thuiuer gegen 6 Uhr früh trotz der herrschenden Dunkelheit einen Mann * vorsichtig' 'zum Kanaleinstieg sich schleichen. Er wollte ihn anhalten, eheer den Schacht bestieg,; doch der Mann wehrte: sich und zog eine Pistole aus der Tasche. In diesem Augenblick kam ihm Oberwachmann Thuiuer zuvor; er hatte seine Dienstpistole gezogen undeinen Schuß auf./den Strolch abgegeben. Dieser sank, in den Unterleib getroffen,' schwer verletzt zusammen. Ein auf/Vorposten aufgestellter Stadtschutzmann sah einen Genossen dieses Einbrechers auch heranschleichen. Er wollte ihn ergreifen, doch in längen Sätzen jagte der Mann davon. Er vermochte im Dunkel des .Wintermorgens zu entkommen, obwohl auch ihm der S.tadtschutzmann einen Schuß .nächgejagt hatte. Der Verletzte gab an, er sei der 36jährjge Provisionsagent Theodor M ä g y e r a, Erdbergstraße 93 wohnhaft. 'Die Rettungsgesellschaft verband ihn und brachte ihn in die Unfallstation, wo sofort eine Operation an ihm vorgenommraaBsoEurmen werden mußte. Die Stoffe sind, wie sich später heraus-, stellte, in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag im Geschäfte „zum Steirer“, Währingerstraße 103, von Einbrechern, die . vom Kanal aus nach Durchbrechung der Kellerdecke eingedrungen waren, gestohlen und durch den Haus-,Straßen-und Sammel kanal bis an den Fundort geschleppt worden. Der Eigentümer des Geschäftes kam heute früh in die Wachstube und stellte fest, daß von der Beute nichts fehlt. Dife Nachforschungen nach den Diebsgenossen sind eingeleitet. * Ein Ring um sechs Millionen verschwunden. Dem Privaten Leo Kramer aus Kairo, im Hotel Sacher wohnhaft; ist am 9. d. M. zwischen 3 und 5 Uhr nachmittags entweder im Hotel selbst oder während der Fahrt im Einspänner vonder Kärntnerstraße zum Hause Mollardgasse 85 A und zurück zum Grand Hotel ein. Platinring mit sechskarätigem Brillanten im Werte von sechs Millionen Kronen abhanden gekommen. Auf die Wiedererlangung sind außer dem gesetzlichen Finderlohne 250.000 Krönen ausgesetzt. * Dienstdäebin. Die 17jährige Hausgehilfin Therese Riedl, VI., Münzwardeingasse 11, wurde am 9. d. M. dem Landesgericht ein geliefert, weil sie ihrer früheren Dienstgeberin, der Kaufmannsgattin Charlotte K e 11 e r m a n n, Wertsachen um K 100.000 gestohlen-hat. Die Beute wurde bei ihr gefunden und der Eigentümerin ausgefolgt. . ' * Ein Bubenstreich Sn der Grillparzer straße. Ein ähnlicher Bubenstreich, wie er kürzlich im Kursalon und in der Canisiusgasse verübt worden ist, hat gestern abends in der Grillparzerstraße einiges Aufsehen erregt. Gegen V*8 Uhr wurden die Parteien des Hauses Griüparzer-; straße 5 durch eine heftige Detonation erschreckt und zu gleicher Zeit waren das Vorhaus und die Stiege vollkommen in' Rauch, gehüllt. Der im Hause wohnhafte ArZt Dr. J e k e 1 s verständigte die Sicherheitswache und Revierinspektör Kann begab sich in das Haus und stellte fest, daß der Hausbesorger und Dr. Jekels beim Haustor ein Lachen .und einen Pfiff gehört haben, denen sofort die Detonation folgte. Der Hausbesorger eilte , sofort auf die Straße, konnte jedoch niemanden sehen. Die Täter dürften einen Sprengkörper durch das Haustor in die Einfahrt geworfen haben und sofort davongelaufen sein. Im Flur wurde nichts beschädigt, einige Blechstücke, die wahrscheinlich von dem Sprengkörper herrühren, wurden gefunden. Es scheint sich um einen sogenannten „Kanonenschlag“ zu handeln. Die Sache dürfteein Bubenstreich sein, der nur darauf berechnet war, die Hausparteien zu erschrecken. * Der Versuchung erlegen. Am . 5. d. M. hat der Briefträger Martin Rapf <^es Postamtes Hetzgasse einen rekommandierten Brief aus Brüssel der Frau Rosa Dicker, Löwengasse 6, zuzustellen gehabt. Obwohl die Adresse sehr deutlich geschrieben war, ' irrte sich der Briefträger und stellte den Brief einer in einem Nachbarhause wohnhaften Medizinerin, deren Name etwas ähnlich lautet, zu. Dort blieb der Brief bis zum,nächsten Tage 6 Uhr abends liegen und wurde dann durch den Bruder einer Untermieterin, einen .Schlossergehilfen, zugestellt. .Als nun die richtige Adressatin, Frau Dicker, den Brief am 7. d. M. übernahm, stellte sie fest, daß aus ihm 290 belgische Franken (etwa K 150.000) fehlten. Das Kommissariat leitete Erhebungen ein und die Untermietern, eine Bedienstete, leugnete, von der Sache zu wissen. Am 8. d. M. erschien die Medizinerin selbst bei dem die Amtshandlung führenden Kommissär Dr. Musil und legte in tiefster Erschütterung ein volles Geständnis ab. Sie hatte den Brief, ohne die Adresse zu sehen, geöffnet und darinnen die 290. Franken gefunden. Sie schieß das Kuvert wieder und machte der Bankbeamtin und ihrem Bruder Mitteilung . von ihrer Entdeckung. Der Schlossergehilfe schlug nun vor, sich das ‘Geld' anzueignen und die Medizinerin und die Bankbeamtin öffneten nun neuerlich das Kuvert, entnahmen die Franken,,gaben.dem.Schlosser 20 Franken,.hoben, den Rest auf' und schickten den Brief durch den Bruder der Bankbeamtin zur Post Noch am Abend des 7. d. M. hat die Medizinerin, von' Reue erfaßt, die 270 Franken und K 10.000 der Frau Dicker zurückgestellt Die K 10.000 sollten die fehlenden 20 Franken ersetzen. Der Schade ist also zur Gänze gutgemacht, ehe das Kommissariat von dem Verschulden der Medizinerin Kenntnis erhalten hatte, weshalb die Amthandlung gegen 9ie eingestellt wurde. W HEUTE den 12. Dezember 1921, 7 UStr ebenda FESTVORSTELEiUNG anläßlich des einjährigen Bestandes der Fi Volksbühne. F9©iS@n$f@3ft® (Von der SMe ßls m Run: 5 Bilder unter Mitwirkung des gesandten Ensembles.! 1. BUds Die Brodyer Sänger. 2. Bild: Szenen aus „Meschlachs Zelten") 3. Bild: Gott, Mensch und Teufel (1. Akt). 4. Bild: Vom Glück ver* . gessen. Von David Pinskl. 5. Bild: Tklas Kal (5. Akt) j Bühne und Kunst. L Tanzabend. In ihrer deutschen Heimat gilt V SfgfffcV. Ge r t als anerkannte Künstlerin. Wenn bei ihrem Auf-, treten in Wien dennoch einige zischten — woran lag! das wohl? Die Gert hat ihre eigene Note, das Groteske,! Realistische, die Karikatur, sagen wir ruhig — das Häß-’ liehe'. Auf der Bühne wäre ihr Fach das der komischen! Alten. Eine tanzende komische ..Alte goutiert man aben nicht ohneweiters. Und dabei ist die Gert! weder alt noch komisch, noch — tanzt sie eigentlich im gewohnten Sinne des Wortes. Es ist Mimik mit Musikbegleitung, gelegentlich untermischt mit wilden! Sprüngen und mit tänzerischem Getrippel. Sie verulkt die! TangosentimentaUtät, sie verhöhnt die Zierlichkeit des Walzers das geht uns natürlich nahe. Gelegentlich bewundere man dennoch die zersetzende Schärfe ihrer Beobachtungs«^ gäbe — und sehnt sich nach einer Elsie Altmann, die auchl nicht tanzen konnte, oder einer Karsavina, die allzuviel konnte. Negativer, kritischer Tanz? Wir sind mehr für das11 schöne Positive. - - M.-^' Ein Aufsatz Isadora Duncans. Die Tanzkünstlerin' Isadora Duncan, die bekanntlich gegenwärtig in Sowjet-;' rußland weilt, veröffentlicht in. den. „Izwjestija“ eineiji. flammenden Artikel unter dem Titel: „Kunst für die Masse“# Sie bekämpft die bürgerliche Kunst.’ Man solle eine Operl .wie „Eugen Onegin“ ja nicht mehr aufführen.' Das Prole4.: tariat brauche keine seichte, oberflächliche, unterhaltende^ dekadente Kunst. Selbst.das Ballett .müsse sich den Stirn-! mungen der revolutionären Epoche anpassen. In Bewegung# Wert und Musik müsse der revolutionäre Kommunismus! zur Geltung kommen, Der russische Staat dürfe es hichif zulassen, daß der Zutritt zu den Theatervorstellungen bezahlt werden müsse. »Ich verließ Europa“, schließt sie| „weil, die Kunst dort einen kommerziellen Charakter ange-;: nommen hat. Es wäre für mich eine große Enttäuschung# wenn ich in Rußland vor einer neuen Bourgeoisie tanzen* müßte!“ >is ■\>-j Das Ende des deutschen Theaters in Preßberg.; Öas Preßburger städtische Theaterkomitee beschloß, dem, Ansuchen des slowakischen Theatervereines, weitere, vier» Monate, also bis Ende April, int städtischen Theater zu spielen, stattzugeben und dieses Ansuchen der Gemeinde-: general Versammlung befürwortend vorzulegen. Bei diesem Beschluß waren nur wenige Gemeinderatsmitglieder anwesend. Die Generalversammlung wird auch zu beschließen; haben, ob die restliche Spielzeit dem deutschen oHer ungarischen Direktor vergeben wird. Stenerfragekasten. . ., j: : Konto. Gegen die sicherstellungsw&Se SpbitfH ihres Kontos können Sie den Rekurs bei der Steueradministration' Ihres Bezirkes Einbringen und geltend machen, daß eine! Gefährdung der von Ihnen zu zahlenden Steuern nicht besteht! und daß überdies der sichergestellte Betrag Im Verhältnis* zu Ihrer voraussichtlichen Steuerschuldigkeit zu hoch ist A. W. Die Ueberiragutigsgebühr beträgt bei Häusern, deren« Wert K 40.000 übersteigt, 6%» Hiezu kommen noch ein städ-‘ tischer Zuschlag. von einem Zehntel dieses Betrages uhd; Gebühren für die Eintragung ins Grundbuch, die von der] Höhe des Kaufpreises abhängen. Die Wertzuwachsabgabe?, deren Prozentsatz progressiv mit der Höhe des Wert-j zpwachses steigt, trägt, wenn nichts anderes vereinbart ist Max-Reger-Fest. I In einem dreitägigen Müsikfeste haben die Gesellßchaft der Musikfreunde und die Wiener Konzerthäusgesellschaft das Andenken Max Regers geehrt. Nicht eine in Lorbeer postierte Marmorbüste' des Meisters, noch ein in Blätterschmuck gehülltes Podium und Festkleidung des Publikums haben diesmal die Festlichkeit der Konzerte bewirkt, sondern lediglich der tief sittliche' Gehalt dieser Musik, die Meister-- haftigkeit der Darbietungen und die Ergriffenheit der Zuhörer. — Max Reger war im modernen Tonschaffen eine viel zu singuläre Erscheinung, um schon jetzt in weiteren musikalischen, Kreisen unbefangene,, gerechte Würdigung oder; .gar Popularität erlangen zu können. Unbekümmert um den Geschmack der Welt, schuf er in seinem kurzen, meteorgleich aufleuchtenden Erdenwallen Werk auf Werk, schier unerschöpflich an Zahl und an Gehalt Fast' auf jedem Gebiet musikalischen Schaffens hat er sich versucht, nur das bunte Getriebe der Bühneriwelt lag ihm ferne. Umso wohler mochte er sich: am Klavier oder an der Orgel fühlen, wenn ' der freien Phantasie immer neue Einfälle und Kombinationen zuströmten. Seit den Tagen des alten Bach, dessen Jünger er sich wähnen durfte, hat wohl kein Meister nt Öhr eine solche Vorliebe, aber auch eine solche schöpferische Fülle für die Varationenform aufgebracht. Am Klavier und auf der Orgel, im Orchestersatz und in der Kammermusik verrichtete er wahre Zyklopen- , arbeit im Varationensatz mit Fugenkrönung, gestaltete den einfachen Gedanken in schier endloser Steigerung allmählich immer komplizierter um und machte so. aus der. Tugend der Inspiration mitunter die Not der musikalischen Ueberbarocke, nicht hur in der polyphonen, sondern auch in der harmonischen Struktur. Aber wie weiß Reger, der große Melodiker, andererseits in den ,»schlichten Weisen" und anderen Liedern wie auch In der chormäßigen Bearbeitung von Volksliedern den einfachen Volkston zu treffen und welch milde Güte, welch rührende Zartheit und Demut spricht zu uns aus seiner geistlichen Musik. Daneben besitzt die Ku st dieses vielseitigen Meisters auch kernigen Humor, der namentlich in seiner Kammermusik jäh Auffahren kann und auf seine frohe Münchner Zeit hinweist, in der er mit Gambrinus trauliche Zwiesprache pflog. Das dreitägige MusikfLst vermochte nur einen winzigen Ausschnitt aus Regers Hiesigem Lebenswerk zu bieten, gestattete aber immerhQ durch seine Gliederung in Kammerkonzert, Orchesterkonzert und geistliches Vokalkonzert sowie durch die glückliche Auswahl der Werke manchen Einblick in Regers künstlerische Werkstätte. Das in üppiger Melodienfülle breit dahinfließende A-Moll-Streichtrioj op. 77 b, wie das von tiefster Innerlichkeit erfüllte; Es-Dur - Streichquartett, op. 109, fand bei. dem klangfrohen Mairecker- B u x b a u m - Quartett die vorzüglichste Wiedergabe und für die von technischen und kontrapunktischen Schwierigkeiten strotzenden „Variationen und Fuge über ein Thema von Beethoven für zwei Klavieren B-Dur op. 86“ konnte man sich keine besseren Inter- ' preten wünschen als Prof. Franz Schmidt und Dr. Paul W e i n g a rt e n, deren künstlerische Disziplin zwei Herzen und einen Schlag auf dem Klaviere vereinigte. Die „Variationen und Fuge für Orchester über ein Thema von Mozart, A-Dur op. 132“, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen, erweckten in der Aufführung der Philharmoniker unter der ganz prachtvollen Führung Leopold Reichweins einen ganz seltenen Jubel der Begeisterung. Das Klavierkonzert F-mojl op. 114 möchte man den Klavierspielern kaum empfehlen, da es nicht so bald ein verständnisvolles Publikum finden wird, freilich auch nicht so bald einen so verständnisvollen, im Dienste des Kunstwerkes selbstlosen Pianisten wie Herrn Steuermann. Im Orchestergesang op. 124 „An die Hoffnung“ spendete Frau Kittel aus ihrer voll Iiinigkeit dahinfließenden Altstimme dein reichen Quell Regerscher Melodik frische Nahrung, Herr A a ga r d-0 e s t v i g sang mit ergreifendem Ausdruck einige Lieder und Choralgesänge und Professor Franz Schütz meisterte die Riese orgel des Großen Konzerthaussaales, deren mystisches Fernwerk die irdische Begrenztheit des Raumes vergessen ließ. Ihm gebührt, ebenso wie dem neugebildeten, klangvollen „Wiener. Konzertchör“ und seinem umsichtigen Dirigenten Dr. Alfred W o I f rückhaltlose Anerkennung. Des Tages.- Arbeit mag sich in den sauren Wochen der Einstudierung für die Veranstalter der Konzerte gehäuft haben, dafür haben sie ein frohes Fest zu einem frohen Ende geführt und manche träge Seele aufgerüttelt und für Max Reger gewonnen. Auch sonst fand in letzter Zeit Regers Musik erfreuliche Pflege. Herr Karl Walter, der die Orgel mit voller Meisterschaft beherrscht, spielte Regers Orgelt Senate D-Moll op. 60, deren „Invocation" zu Regers herrlichsten Eingebungen gehört Mit Fräulein Erny i Alberdingk,deren herbem.mädchenhaftem Geigenspiele die Klangmischung mit der Orgel wohl anstehtj spielte Walter Handels D-Dur-Sonate für Violine und Orgel. Regersche Musik gab es auch an dem Sonaten-! abend Josef P ei s ch er-Stephan Aschk.ena-s.el Der seelenvolle Ton des Geigers und das Temperament1 des Pianisten steigerten sich im ersten Satze von* Regers C-Moll-Sonate op. 139 zur echten Leidenschaft-) lichkeit, im Largo und im Variationensatz zu jener Vergeistigung, die der Musik innewohnt * : \ Hans Du hati arbeitet unermüdlich' weiter ait der . Veredlung seines edlen, fast schlackenfreiem Organa Er hat die männliche Kraft des Fortissimo! wiedergefunden und sich sein verhauchendes PiariissimoJ bewahrt ln Brahmsschen Liedern bot er wahre Kabinettstücke lyrischer Vortragskunst —.'In einem schwedischen Konzert, in welchem Olaf W1 b e r g h mit prächtigem! Schwung und. brillanter Technik Griegs A-Moll-Klavier-j konzert spielte und der junge Stockholmer Kapell-, meister Tor Mann mit viel Geschick Sibelius’ erstes Symphonie dirigierte, machte man die erfreuliche Be-j kanntschaftder Stockholmer Sängerin Maja Kind erg. Die Arie »Ah! perfido“ sang sie recht frei nach Beethoven: mit Griegs „Solvejgs Lied“ und mit „Die Gefangenen“] von Rangström, der sich hier als nordischer Puccinq entpuppt, stellte sie sich auf den Boden der Heimat1 und wußte ihrer wohlgepflegten, schön timbrierteni Stimme stärksten seelischen Ausdrück zu verleihen) — Frau Elisabeth . O h 1 h o f f weiß ein wenig ergiebiges Material geschmackvoll zu verwerten. Neuei Lieder von Evelyn F a 1 t i s, die bei aller Anspruchslosigkeit warm* empfunden sind, fanden in ihn eine vorzügliche Interpretin. — Fratil Hedwig Kan ner-Rosentha 1 gab einen Schülerabem# an dem das Können einzelner Sängerinnen so vorge-j schritten war, daß die Bezeichnung „Schülerin“ käüra mehr zutreffend ist: Frau Marianne Thur köiintiäj einen eigenen Liederabend wagen und der helljauclw zende Sopran .von Mia R ti c k e r s würde mancher Bühne zur Zierde gereichen. Emmy H e r n i ck isl ein koketter Cherubin, auch Grete Brunner ver-, steht sich auf den Mozart-Gesang und schließlich seied die hübschen Stimmen der Damen Holzer, B e t-j hauer, Nejepsa, Csygel, Spitzer unck Retters erwähnt. Vom Klavier aus begleitete Frau Kanner-Rosenthal, beruhigend und anfeuernd zugleich» den Erfolg ihrer Schülerinnen, der zugleich einen Erfolg ihrer L.ehrm&lhod.e bedeutet ' Dr. Erwin H c-lb-^L

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