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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-09 · Heft 1028 (9.12.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1028 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seftc‘4 Wien, Freitag Rathenau bleibt in London. London, 8. Dezember. (TeL-Komp.) Ratheiwru hat gegen seine ursprüngliche Absicht, London gestern zu verlassen, seine Abreise neuerlich verschoben, Mit Rücksicht auf die bevorstehende Ankunft Loucheurs m London. Nach Meldungen aus Paris wird LpMcheur zuerst mit Sir Robert Home allein, später mit diesem u»d Dr. Rathenau verhandeln. Die bisherigen Besprechungen zwischen Rathenau und Sir Robert Home wurden für streng vertraulich erklärt. Clemenceau dementiert Paris, 8. Dezember. (Tel.-Komp.) Der frühere Ministerpräsident Clemenceau dementiert auf Befragen die Meldung, wonach er beabsichtige, bei den Senatscrsafzwahlen im Departement Mose Ile zu kanditieren. Die irische Frage, London, 8. Dezember. (Reuter.) Die nächste Tagung tfes Parlaments wird der irische» Angelege nb « i t gewidmet sein, worauf sich das Parlament vertagen und erst im nächsten Jahre wieder zasammenfreten wird. Wie „Daily Expreß* erfährt, werde Bonar Law die Regierung bei der Debatte über den irischen Vertrag unterstützen. C a r s o n und Harry Wilson sprächen sieh gegen die Bestimmungen der Vereinbarung aus. Im Ulsterparlament in Belfast kündigte der Ministerpräsident C r a i g an, er werde nach London reisen. Er erklärte ferner, Ulster habe sich über seine Vorschläge nach keine eigene Meinung gebildet. Die Wahlen in Kanada. Keine Wiederwahl des Ministerpräsidenten. Ottawa, 8. Dezember. (Reuter.) Bei den Wahlen das kanadische Parlament wurden 122 Liberale, 59 Progressiven, 60 Konservative (Regierungspartei) und 2 Arbeitervertreter gewählt Mehrere Minister, darunter Ministerpräsident M e i g h a n, sind unterlegen. Feu erkämpf mit Militärdienst- Verweigerern. . Kanea, 8. Dezember. (Havas.) Eine Anzahl ICretenser verweigerten den Dienst in der griechischen Armee. Sie sammelten sich und b edrohten Kanea. Königliche Truppen stellten sich 3hrem Vormarsch entgegen und eröffneten das Feaer. ■ Revolution in Batum? Paris, 8. Dezember. (Funkspruch.) „Journal des Öebats“ meldet, daß Enver Pascha in der Gegend wen Batum ansehnliche Kontingente kon zentriert habe und eine rege Propaganda für die .Schaffung einer Partei für „Einheit und Fortschritt“ entfalte, die mit den Kommunisten Hand in Hand gehen solle. Mit Vorbehalt aufzunehmer.de Gerüchte ^deuten an, daß in Batum eine Revolution ausgebrochen und die Regierung g e s t ür z-t worden sei. seeisdfren ijüdiarihfen laridwrtsdhaftfächön Siedlniing'etr, utnid izwar dii-e foedetstendisteii, wie ibeispoeliswoiee die a r g e n t a»5 s c 1» e si Koiosrien, focsUJeJbew lMUniebiMlid* atfe Cfoe&scmtsdNein (uwd iKoftomästea. Seit dfem Jaßite ^r8 jkjdoldi öegairtöi sidi die Dage der Kfoftaman in raschem Tempo m vierscMirrnnei«». Im' J«5ifre 1918' srkvhbem sie giratasaroe Pogirorae, die tuizäMige Meaednertkfeeii dJaHninitaßften, viel lebende» «usid totes Inventar . ver- »idh.teitöni. Einige Kd'onien. tm GpirvewmameaEt Jefe^aiirioislaw wuirdt^itoftai aufegepilünderfc mrad itnre B«völäceriMig‘ wasrde getötet. I« rije&em Jafhrrc wurden, die -Kalomen Arön dimer vtöll ständigem! Mißernte hei-mge sucht; D-uffdi .den Mangel an Vivriräten wiarde die Mrßerhfce zu einer walhrött KlataistfQpfoe. 'Die eing^stalehene Lldbienisrndttoeifotalä, . das FefhUen von Sam dreien und Fetter »zwängen däe Bevöikeru.ng deir. Kolonien zur A u s w a n der m ffii g. Die Kofkmis.fcan verlassen in /didhften Sdhiaren die Ircrmatilidien. Dörfer. SoüHrtm im. dMerdiäctoster Ztu- Ikftjfiiift keerte energisdhen Maßnahmen zaar Steuerung der Not ergriffeni werden, so dnoflit diesem. Siedhmgen ein restloser Uniteirgaaig. Deinatrtige Zustände ibürdm aföen jüdisidhein Orgvind saitiotien gebieterisch dis Pfflidbt auf, aMBePordesätSidhe Hilfsumd AbweSÄntaßregeikn :rasdh zr«i> treffen. , .Es darf nacht aiußer acht gelassen werden,. daß es .mach ek?am ZassemMnenfbrndi d«r südnassifsdieai Säedkmgen mrad einer Zerstaemöng der jikHsdhen 'Kolonds.ten nsnmögilküs sein wird, diese Siedhängen wfedenan«faüs»ticin «md die alte wppofete Saoidwintsduaif-tfiii-ohe . Bevölkerung dortihlim mrüchzu- ' bringen. faiddlgedessefn. rrauö die gesellsdha^ddhie Hifsaiktfcian für die Kcdomsten sidh wach &%andera Pflane ■vxaüizidben'i Vorsörgirng der- Kdonieöevo^kiertulng mvt Löbeosmittein. Ibis izstsr Ernte des Jahres 1922, mit Sämereien, mit Futter. für dss Vieh und *n#t dem ndstigeini Isrndwi rUschm8Ärc4ven Xmvenrtjar-. Zur Ver\virMi«dhiing sdl diesser Maßregeffai faiaft dse Gesellschaft Ort (jüdische Gessefösdh.^ft zm Förderung^ von i Acfceribiaiu iumd Hatnidweröc fei Rußland) die mutigen Schritte uinitemtcnmiiÄn, uotdtem Äe •die cüfeprediemdem Yerhamdhi-iigeir mit :dietn1 weste uirotpäisdHieai tfend €W3i'eiri6cam»sichjen Ortgiainiisaitftöneöi antkmü'pfßte. Einige dieser Org^iisat-ioiuen. haben, schon die' enförderlidiiein: Betrage afesigniert. Andererseits veiiiandelt die GeseSlschflft mft dien örtlkh.ai5Ausschüssen m Rußliaod, wie amt den Vertretern der So w j etregierung, zwecks Regelung versdhiedemefr formier Bedingungen und Transp o.nbftragem. Es Ärnd hereüts' in dieser BeziejhjUög viele vgreifbareiResulfratfe^ enzieöit wd-'Wege ■atjr e-rfolgreidiieh’' Durchführung der umtem-ammdthm Schritte an^ebaßimt'"■worden. •' '• Der erste"Trcmsjpönt vom Sämemem wir-d bereits ist dem nächsten Wochen aibgehein. Revolution in Guatemala. Der Präsident «nd die Minister gefangen. Washington, 8. Dezember. (Reuter.) Amtlichen fttelduitgen zufolge ist dort am 5. d. M. um Mitteröaeht eine Revolution ausgebrochen. Die Generale zwangen den Präsidenten zur Demission, indem sie ihn in seiner Wohnung gefangen hielten. Die Minister wurden ein- Zwölf Personen sind im Verlaufe der worden. gekerkert. tifeignisse getötet Verunglückte Forscher. Chnstiania, 8. Dezembei'. (Havas.) Ein russischer (Ptmkspruch meldet, daß die Leichen der norwegischen S?orscher Tassen und Knadsen an der Mündung rdes Jenissei aufgeiunden wurden. ^Tagesbericht. j Die Hungerkatastrophe in Rußland urid -die Notlage der jüdischen Kolonien^ i Die Ojfeciscwfer und Jekatterince^aY.’er Kaltem^ i 'Vals 38 Siedfcngern bestehend:, zollen imr ‘tigefin :A«geiBb4!ck lurngsK«? 100.000 ein^ehnisdhle -uMF zugew^dente »Pesrecfmen UDd ungeßSar 70.000 . DHU feofcOTöu. AmhftW^ädhc. Diese KoJosmciW maschten.; im W etcteti&c, Wrer En'nvhM-umg E^LLedsnsHägs ^<W8«r^ dnivdh, die 1zeii°welse w-wSsQU-Äftilicher WM-, / «-«IweKe den Lebensbedingrjinfgetn. derr Kvl'oHHt1 'sdbsit HiiervoTgemfenwarte. Die Urs-a-dtem! U«Lse,n! ’^agen, ei-aersoits in demfeiödseligett1, •s ■< ä d t i s ü 3» c m J «den ibcfi ihr em ixu deo ttengewdhn.ten Beschäftigungen, enrd ÄMtzW ^Venscstetwordcn in gaasz n-eare-VerÖtn:Lss-e IbÄii^. pkfHc diese Hindernisse und Heämnriiiisse jedicbh W'u^ WeiTi von deSi *Kolc«nnsten glüddidi übierwiuir^cfen/vsb!-/ Maß sie in teteter Zeit -wofeflgeordoKre!fiandw*k>sdröi#^'' ISirehc Siedkung-m bildeten, kr denpn F c 1 d wintscjialü G -afr.it c nLultiur in hoher Blüte Ständen1. Die, k^sfcwsDn»r und JeÄcateerioöfsfl.'awer 'Koüoniem hsMsüdn/ bprn jerher utrrd 'bas awf dear heutigem' Tag -wahrte, 7^-»Eisi<te<r>-0C'iiu \ e.n!jii d i s.c.h!er ll1 atm d wi’n*iö->rc b a if ili 5 i c h' e r 'K. o-l o n i s i c r. u ,11 g für 'f^'nwam.fleTiURigsiändcr, so . daß ma-.? -kaum eitn-em. Ttecfe des von Juden, landwir»l'sic1iiajftflielhicai ^BswSon-s d^,m Er de n.r-end finden wird, der unter ■ Bewrjfh'nem keirie AtriswaJndcrer saife? dem »üd Religiöser Sozialismus in Palästina. Es ist nicht uninteressant, daß sich in Palästina in der letzten Zeit. unter der jüdischen arbeitenden Jugend Anfänge eines religiösen Sozialismns zeigen, während bisher der Sozialismus gerade in der jüdischen Welt am stärksten irreligiös war. Bemerkt muß werden, daß es sich in Palästina nicht tun blutleere religiöse . und,, sozialistische Abstraktionen handelt, wie man ihnen öfters als Literateukuudgebungen begegnet, sondern um den wirklichen jüdischen ReHgionsinh^t in Verbindung mit lebendigem Sozialismus- Unter den neuen Chalüzim finden sich solche, welche Sozialisten und zugleich religiös sind; sie sind über ganz Palästina verstreut; manche gehören den bestehenden Arbeiterparteien an; . der größte Teil von ihnen aber hat sich in J a f f a, P et ach-Tikwah und Jerusalem konzentriert und in diesen drei Orten haben sie im letzten Jahr eine eigene Organisation unter dem Namen „H a p o c 1 Ila m i s rachi1' geschaffen. Durch den zweiten Teil des Namens wird angedeutet, ' daß diese Gruppe in religiösen Fragen mit dem Misrachi Zusammengehen wollen. Mitglied des Hapoel Hamisrachi kann jeder werden, der religiös ist und von seiner eigenen Arbeit lebt, ohne die Arbeit eines anderen , zu exploitieren. . Die , Mitglieder des Hapoel Hamisrachi dürfen nach dessen Statut keiner anderen Arbeiterpartei angehören. Der Hapoel Hamisrachi hat während seines halbjährigen Bestandes bereits in den drei Orten, wo sich das Gros seiner Anhänger befindet, eine Anzahl von Arbeiterküchen, Klubs/ Lesehallen und Hilfskassen geschaffen, welche fast zur GSnze w$ eigenen Mitteln erhalten 'werden. v' , Eine andere Erscheinungsform religiösen Sozialismus in Palästina ist die jetzt im Aufbau befindliche Genossenschaft G e u i a.t, die aus Siedlern besteht, welche ans B e r s c h a d in Podolien stammen. Obwohl die Genossenschaft als solche frei von religiöser Tendenz ist und sich unter ihren Mitglieder» Orthodoxe und Freidenker befinden, verdient sie doch'hier erwähnt zu werden, sowohl infolge der Person ihrgs Gründers afs auch wegen des starken religiösen Elements unter ihren Mitgliedern. Der, Gründer ist ein Berschader Kaufmann namens Menesch; seine Genossen erzählen von ihm, daß er seinen religiösen Ueberzeugiungen nach der Agudath Jisroel, seinen sozialistischen Anschauungen nach dem extremsten sozialistischen Flügel angehören könnte, der Wirklichkeit ißt er ein sozialistischer Zionist, welcher den Sozialismus in seinem eigenen Leben verwirklichen will. Die Propaganda für die Gründung der Genossenschaft begann er vor drei Jahren in seiner Heimatstadt, deshalb wird die Genossenschaft such „Berschader Kooperative“ genannt. Der Gedanke dieser Genossenschaft aber hat weit in der Ukraine Einklang gefunden und •. KsAsAL'LL -Wb'en scÄ'Ttc. Anhänger-vn einer ..sy&dfca Zahl ,-von St&dtat. „ Der P. Dezember 1921 ,Nr. 1028 ..^>■1^.I. . .-u...yr-1-f--f- - |.,, Genossenschaft gehören vornehmlich solche Personen an^ welche sich mit Landwirtschaft beschäftigen wollen, aber^ auch Vertreter verschiedener Gewerbe, darunter auch Ingenieure sowie Angehörige der freien Berufe. Das Prinzip dieser Genossenschaft jst, daß der Verdienst , jedes Mit* gliedes In eine gemeinsame Kasse fließen muki and jeder einen gleichen Anteil davon erhält, mag er nnn einfacher Arbeiter oder Ingenieur sein. Bisher , haben, sich der Genossenschaft etwa1 150 F a m I! i e n angeschlossen, die etwa 800 Seelen zählen. Davon sind bis jetzt etwa 30 Familien in Haifa eingetroffen, .die bestimmt sind,, für. die Nachfolgenden alles Nötige vorzubereiten. Sie suchen jetzt einen passenden Ort für Landkauf. Die Platzfrage ist noch nicht entschieden. Es ist möglich, daß sich die Genossenschaft in der Gegend von Haifa einkaufen wird, viele Mitglieder aber treten, für Landkauf in der Nähe von A k k o n ein, weil es dort noch keine jüdische Siedlung gibt und es daher wichtig wäre, dort den Grund für eine ansehnliche jüdische Siedlung zu legen, um an die Nordgrenze Palästinas Wirtschaft»! lieh vorztfdringen. .Es ist interessant, daß die 30 Familien, welche den Eindruck einfacher jüdischer Menschen machen, schon jetzt ln Gemeincigen t u m leben, übrigens auch auf ihrer Reise so gelebt.. haben. Unter ihnen herrscht strenge .Disziplin und sie sind für ihre Idee sehr begeistert. Die blinde Frau friert. Das keine Kämmerchen, in dem die blinde Strickerin wohnt und das für sie Küche, Schlaf-, Wohn- und Eßzimmerist, ist so blitzsauber, daß gar manche sehende Frau sich an der Reinlichkeit ein Muster nehmen könnte. Jeden Sonntagvormittag, im Winter wie im Somnier, wird zun* „Grühdlich-Reinmachen“ verwendet und am Donnerstag abends für den Sabbat „nachgeputzt“. Da kriecht die Blinde in jeden Winkel, tastet mit den Händen, ob nur jedes Fleckchen gerieben ist, fegt, wischt, scheuert, daß - jedes Hausfrauengemüt sich erhoben fühlt. Diese emsige Arbeit, welche sie tut, ohne je dis Hilfe mitleidiger Nachbarinnen in Anspruch zu nehmen, ist gewissermaßen das Lebensprogramm der Blinden. Als sie vor 15 Jahren, noch nicht 40 Jahre alt, durch eine Starerkrankung das Unglück traf, zu erblinden, da hielt sie in dem1 grenzenlosen Jammer der ersten Zeit nur ein Gedanke aufrecht: nicht betteln müssen. Wenn so mancher andere ,viel geringere Gebrechen zu einer Einnahmsquelle zü machen versteht, so wollte diese Frau durchaus nicht von ihrer Blindheit leben. Sie war das Almosennehmen ja so ganz und gar nicht gewohnt, war in der Hut zärtlicher! Eltern, im Frieden eines angesehenen Kaufmannshausee aufgewachsen und der Fürsorge eines braven, tüchtigen Gatten übergeben, eines Gatten, der ihr zwar kein glänzen-: des Los, aber doch ein sorgenfreies, behagliches Leberi . schaffen konnte.: Mit blicklosen! Augen- -ins-Teere starrend* erzählt sie von jenen besseren Tagen mit ihren bescheidenen Genüssen, ein wenig Geselligkeit, einmal ein Theaterbesuch, eine kleine Reise, und dem Glück einer stillen, sonnigen Häuslichkeit. Es fand durch den plötzlichen Tod des Mannes ein jähes Ende. Dann kam der weitere schwere Schlag, der Verlust des Augenlichtes. Und die in wenigen Monaten l?Iind gewordene Frau behielt den Kopi oben und verlangte von wohlwollenden Menschen nur die Möglichkeit zur Arbeit. Sie lernte Maschinenstricken und binnen kurzem hatte sich die Nachbarschaft daran ge-, wöhnt, die Strümpfe bei der Blinden stricken zu lassem Dann kam der Krieg. Im Anfang ging es ganz*gittj aber als die Teuerung einsetzte, trat die Not in die kleine Kammer. Die Pfründe der Gemeinde Wien, der kleine Zuschuß eines Frauenvereins machen zusammen hundert Kronen , im Monat aus — nicht einmal das . Brot kann sich die Frau damit bezahlen. Eine Strickstube, die die Blinden gemeinsam, errichteten, mußte wegen Mangels an Brennstoffen und Material wieder geschlossen werden und die Frau sah sich gezwungen^ wollte sie nicht Hungers sterben, Arbeit in einem „sehen- , den Betrieb“, wie sie sich ausdrückt, anzunehmen. Die^d Arbeit ist schwer und nervenaufreibend für eine Blinde nnd matt verdient damit just so viel, um jeden Tag einmal sptt essen zu können. Des Morgens gibt es nur eia Stückchen Brot, das muß bis zum Mittagessen reichen, . das Essen aus der Kriegsküche, gegen das sich die fromme Jüdin lange genug gesträubt hat, bilde! die Haupt-i Mahlzeit und das Abendessen ist, wenn’s gut geht, em Butterbrot. Aber die Entbehrung besserer Kost ist noch; lange nicht das Aergste, was die Blinde zu erdulden hati; Viel schlimmer ist die Kälte. Die letzte wärmende Wäsche ist ‘in Fransen zerfallen, der - dünne Mantel übel einem unzählige Male gewaschenen Kleide ist zwaÜ sauber und ordentlich geflickt — aber warm, nein, warm isi er nicht Der Wind zerrt an den dünnen Hüllen, bis in die Seele friert die Blinde. Und'kehrt sie abends müde, durch-! froren in das Zinimerchen im Kellergeschoß heim, sei wartet neue Kälte auf sie. Einheizen ist ein Luxus, dea sich ein arbeitender Mensch in Wien so leicht nicht erlauben darf. Kohlen sind unerschwinglich, mit Holz muß gespart werden, als wäre es Geld. Die blinde Frau kriecht in ihr Bett, hüllt sich iii alle Decken, die sie besitzt urid kann noch vor Kälte nicht einschlafen. Still liegt sie, starr! grübelnd in die ewige Nacht, in die trostlose Einsamkeit' Die blinde Frau friert’. Klara Mautner. Bischof Majlath, Patron einer sephardji sehen judengemeinde. Die Biuidaipcster «wämnck'Kdbsn: Juden; icferew :'.Za!M im Kriege stark a-ntgewadisen ist, vereinigtdn ' 'Srclr zu einem Bcthtfitsvcrewi nnd gehen daran, eins ' eigene. Styntagoge zu oifeuen. Um die Kosten: fiiri den'-'Baiu aufzvjfarinigen', wandte s'iali die Gemeitfudö . a.n - den ^ehcnfoürgrsah‘011 römi'sol^kiajtihotliiisdieü . Bischof G r n f G «us t Ä >v M a j La. t h mm eine jaibtr- -liehe Subvention'. Auns dem Wort laut <le<> GösiucIicä - ctgilibt sich die historisch intwessariite Taitsedhe, daß

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