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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-08 · Heft 1027 (8.12.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1027 (8.12.1921)
Date
1921-12-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite Wien, Donnerstag WIENER MÖ'RGENZEIttmd und Nichtzionisten ergeht die berechtigte Frager Was, haben wir nun erreicht? Was können wir tun, um auf unserem Wege weiterzukommen?. Wann wird der Fortschritt auf dem Wege zum'Ziele sichtbar werden? So berechtigt diese Fragen sind, so kann die neue Leitung der zionistischen Organisation die entmutigenden Konsequenzen nicht anerkennen, die häufig aus der Beantwortung solcher Fragen gezogen werden. Aus' der gegenwärtigen Stimmung darf sich nur die eine Parole ergeben: I n t e n s i v i.e r u n g a 11 e r Akt i o n-e n d e s Z i o n i s m u s, Anspannung aller Kräfte, damit der Zustand, welcher solche Fragen und Stimmungen erzeugte, aus der Welt schwindet Selber von dieser erklärlichen, durchaus zionistischen und fruchtbringenden Unzufriedenheit erfüllt, will die in Karlsbad eingesetzte Exekutive folgendes Programm verwirklichen: a) Fortsetzung der politischen Aktionen zwecks endgültiger Ee stlegung unserer Ansprüche auf Palästina, Sicherung der bereits bestehenden Positionen in Palästina im weitesten Sinne, insbesondere Schutz des Jischub im Sirine. der . bereits gefaßten Beschlüsse, Erringung unbeschränkter rechtlicher Möglichkeiten für eine große Einwanderung nach Palästina und Besiedlung de,.s,landes, . b) Reorganisierung der zionistischen Organisation, A u fr ü t tl un g der Bewegung dort, wo sie im Erlahmen begriffen ist, Beeinflussung des gesamten jüdischen Volkes zum Anschluß an die zionistische Organisation. c) Regelung des Aufbaues Palästinas, sowohl, der Aktionen, welche von der zionistischen Organisation ausgehen, als auch derer, die gemeinsam mit anderen jüdischen Kreisen unternommen werden. Durch systematische und-programmatische Aufbauarbeit soll es erreicht werden, daß alle Schichten im Judentum am Aufbau Palästinas arbeiten und daß sie zu der zionistischen Organisation vollstes Vertrauen haben. Es soll erreicht werden, daß die Arbeit in .Palästina durch sich selbst ein Mittel der Propaganda werde, es soll erreicht werden, daß durch wirtschaftliche Leistungen immer neue wirtschaftliche Leistungen hervorgerufen werden. d) Es soll erreicht werden, daß jede Aktion im Jüdischen Leben vom Geiste der zionistischen Ideenwelt beeinflußt werde. Im Bewußtsein, daß das jüdische Leben eine organische Einheit ist, muß der Zionismus bestrebt sein, über alle Aktionen, in denen sich das jüdische Leben äußert, die ideelle Kontrolle zu habe-. Denn .aus der weitverzweigten Fülle der Aktionen, welche zur Erhaltung des Judentums in der gesackten Welt dienen, wollen wir ein einheitliches Ganzes schaffen, das zu gleicher Zeit dem Volke wie dem Lande nützen soll. •An euch, Gesinnungsgenossen, ergeht darum unsere Mahmung: Organisiert von neuem alle eure Gruppen und Verbände, schafft die intensivste Aktionsfähigkeit auf allen Gebieten, denn groß und weit ist das Programm des Zionismus, welcher ebenso die Zukunft des jüdischen Volkes zimmert wie an der Erhaltung der jüdischen Gegenwart wirkt. Erneuert den 'ideellen Gehalt eurer Organisation. Tretet in nahe B ezi e h u n-g zu dem jüdischen Leben in sei n e r G e s ä m t h e i t und b e einf 1 u ß t d i e s e s durch eure Idee. Tretet in engen Kontakt mit der von euch in Karlsbad gewählten Exekutive der zionistischen Organisation. Von hier wie von dort soll in gleicher Wdse der Wille ausgehen, zwischen allen Organisationen des Zionismus'einen engen Zusammenhang herbeizuführen, alle Teile unserer Bewegung informativ, aufklärend und anspornend zu beeinflussen und alle lebensfähigen Kräfte des Zionismus für den Dienst der Bewegung mobilzumachen, .damit Palästina aufgebaut werde und die zionistische Bewegung überall als ■entscheidender Faktor den jüdischen Volksmassen und den jüdischen Führern zum, Bewußtsein komme, Macht alle Fonds ausfindig, wefche für unser Ziel nutzbar gemacht werden können* rafft alle Kräfte, die aktiven wie die latenten, zusammen, entzündet den Feuereifer in allen jüdischen Herzen und setzt euch selbst mit allem, was ihr leisten könnt, ein, um das jüdische Palästina zu schaffen. Mögen alle Juden wissen und dessen eingedenk sein, daß. jetzt das Schicksal des jüdischen Volkes von ihnen selbst abhängt! 1921. London, im November Jerusalem, Die Exekutive Chaim Weitzmann Joseph C o w e n Georg H a l p e r n Leo M o z k i n Bernhard Rose nblatt Josef S p r i n. z a k der zionistischen M. D. Eder Wladimir J a b o t i n s k y Isaak N a i d i t s c h Artur R u p p i n Menachem Ussischkin Organisation: Nahum S o k o 1 o w . Berthold F e i w e 1 Richard L i c h t h e i m Hermann Pick M. Soloweitschik Der irische Freistaat. Der englisch-irische Ausgleich, der in den ersten Morgenstunden, des 5. Dezember in London abgeschlossen wurde, ist ein großer Triumph der englischen Politik, die unter Führung Lloyd Georges einen Kampf beenden konnte, der fast durch zwei Jahrtausende angedauert hat. Das Uebereinkommen, dessen Inhalt soeben in London bekanntgegeben wird, besagt: Mit einem kleinen Vorbehalt wird Irland in dieselbe Lage versetzt wie Kanada, Australien, Neuseeland und Südamerika. Es wird den Namen „Irischer Freistaat* erhalten. Stidirland ist somit Herr im eigenen Hause. Man wird den Versuch machen, Irland auf derselben Grundlage einzurichten, die in Südamerika mit. Erfolg angewendet wurde. Die Vertreter der Sinnfeiner sind bereit, dem irischen Parlament mitzuteilen, daß der neugebildete irische Freistaat nicht einen Vertrag mit dem britischen Reiche abschließt, sondern in das britische Reich eintritt. Die Treue des irischen Freistaates zur britischen Reichsgemeinschaft, und zum König Georg wird in klarer und unzweideutiger Sprache in seiner Verfassung zum Ausdruck kommen. In Finanzfragen hat das südirische Parlament die Führung. Irland wird mit einem angemessenen Teil ati den nationalen Schulden und Kriegsausgaben teilnehmen. Der Betrag wird durch einen Schiedsrichter festgestellt. Wenn Ulster innerhalb eines Monats nach Annahme des Gesetzes entschlossen ist, seine bisherigen Vollmachten beizubeli alten, so kann es sie behalten. Wenn Ulster beschließen sollte, die Vertretung i ra britischen Unterhaus zu behalten, so würde dieser Beschluß geachtet werden. Wenn Ulster nicht bereit ist, in ein a 11 i r i s c h e s Pariam e n t _ Vertreter zu entsenden, so würde es berechtigt sein, diese Haltung weiterhin eitizunehmen, und dabei geschützt werden. Die Streitkräfte des britischen Reiches, werden den Schutz der Küsten Großbritanniens und Ir-’ lands bis zu dem Augenblick sichern, wo die irische R e g i e r u n g den eigenen Schutz wird durchführen können. Die irische Regierung wird den britischen Streit-, Kräften in Friedens- und in Kriegszeit zur See und in der Luft jene Begünstigungen gewähren, die die britische Regierung verlangen wird. Die Häfen Großbritanniens und Irlajids werden den Schiffen beider Länder gleich offen stehen. Die militärischen Streitkräfte Irlands werden das Ausmaß der militärischen Bestände Großbritanniens, entsprechend der Stärke der Bevölkerungen der beiden Länder, nicht überschreiten. Es ist also die vollste Autonomie für den neuen irischen Freistaat erzielt worden, wobei die hohe politische Einsicht der irischen Führer den Ansprüchen der Ulster-Opposition sehr weit entgegenkommt. Allerdings liegt in der Gewährung einer lokalen Autonomie ffcr Nordirland eine gewiss! Konfliktgefahr für die Zukunft Es ist unklar, wie das Verhältnis zwischen Nord- und Südirland geregelt werden soll. Der schwache Punkt des Uebereinkommens hat auch gestern den Schatzkanzler Chamberlain zu einem nachdrücklichen Appell an die „Ulster-Rebellen“ veranlaßt Das englische Parlament ist für den 14. Dezember zur Prüfung des Abkommens einberufen worden. Sollte der Vertrag nicht genehmigt werden, so wird die Entscheidung den Wählern überlassen werden. Die letzten Verhandlungen iti der* frischen “Frage wurden auf Seite der Regierung von Lloyd George, Ghamber- 1 a i n, Lord Birkenhead und Churchill und auf Seiten der Sinnfeiner von C o 11 i n s und Barton geführt Politische Rundschau. Die Affäre Jabotinsky. Seit geraiumer Zeit bildet ein angeblich zwischen der Zionistischen Weltorganisation und der ukrainischen. R evötoti on s 1 e ituing (Petlj.uira-Regienuing) abgeschlossener, gegen die Sowjetregieuung geridilteter Vertrag den Gegenstand einer ausfüihr- ■liehen nind heftigen D.kkm'&sibin im der jüdischen und', in der allgemeinen amerikanischen, russischen, ukrainischen und poto,Ischen Presse. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hat sahon v-or Wochen eine, aiuich in der »Wiener Morgenzeitiung« erschienene - Erklärung veröffentlicht, welche auisspracb, daß ein solcher Vertrag nie abgeschlossen wurde. Aber die Diskussion ist n-iohlt verstummt und unter Bezugnahme auf einen, inzwischen bekannt gewordenen Vertragsentwurf, weicher etner- , seits vom Mitglied« der ■zioniis'tischeh Exekutive' , Wladimir J aibotin'&ky persönlich und Herrn Slavinsky als Verbreiter der Petljura-Regierung in Prag gezeichnet dauert die erregte Auseinandersetzung fort. - - Die Anklagen .richten sich.vor. allem dagegen, daß die Zionistische Organisation in irgendwelche Verbindung mit einer Regierung gebracht ■ wird, deren Armee die blutigsten Pogrome vollfuhrt hat. ■ Speziell von zionistiisjch-sozialistischer und demokratischer Seite wird, unbeschadet der Gegnerschaft gegen dien Bolschewismus, dagegen Protest-einge- , legt, daß die zionistische Firma für die vonreaktionärer Seite her, gegen die Sowjetrepublik gerichteten Angriffe -benützt werde. Schließlich wird auf die ungeheure. Gefahr verwiesen, welche durch einen derartigen Vertrag über die unter der Sow.jetiherrschaift lebenden - Juden im allgemeinen und die Zionisten im 'besonderen heraufbeschworen wird. Herr Jabotiosky, der derzeit in Amerika weilt, hat, wie aus den Zeitungs,stimmen zu entnehmen ist, das Vorhandensein einer von ihm gezeichneten Abmachung zugegeben. Er erklärt aber, die Verhandlungen nicht im Namen der Organisation, sondern als ukrainischer Jude im eigenen Namen, im Auftrag einer Gruppe .von Landsleuten und ihm persönlich bekannten, den Juden gut gesinnten ukrainischen Politikern geführt zu haben. Die Abmachungen hallten auch nicht politischen Charakter, getragen, sondern lediglich den Zweck verfolgt, neuerliche Pogrome beim Vormarsch der Ukrainer zu verhüten. Diese Antwort hat aber nicht befirie- _8. Dezember 1921 _.Nr. 1027 digt und unter Anerkennung des guten Willens; und der ehrlichen. Absicht Jatbotiimskys, wird ihm leichtfertiges Handeln, und 'Stbräf'k’cihe Ausiseraditlasstumg der Rücksicht auf seine offizielle Stellung als Mitglied der Exekutive zum Vorwurf gemacht; Angesichts dieser -Umstände.- erläßt nun.' die Exekutive in London neuerlich eine Erklärung, in welcher, jede Verantwortung' der Organisation füij die Handlungsweise Ja'botinslkys. abgelehnt wird.' Von den Abmachungen Jabotirnskys mit Slawinsikyj wird gesagt, daß sie wohl nur den Zweck verfolg« haben, die jüdische Bevölkerung in der Ukraine voll- Pogromen zu schützen und des Charakters einet Eiomiischimng in den Bürgerkrieg entbehren. Die Exekutive hält es aber trotzdem für notwendig, festzustellen, daß di# Verhandlungen JaJbotimsikyiS pri vater Natur waren, und daß weder die Zionistische Exekutive als Ganzes noch eine» ihrer Mitglieder, m*it Aust ahme Jabatiuskys selbst, von1 diesen Verhandlungen irgendwelche Kenntnis gehabt hat. Oesterreich. Die Abstimmung in Oedenburg. Am 13. Dezember. Paris, 7. Dezember. (Havas.) Die Botschafterkonferenz beschäftigte sich mit der Organisierung der Volksabstimmung in Oedenburg und beschloß, daß dieselbe spätestens am 13. d. M. stattfinden soll. *. Die inttöriaJltliiert'en Truppen' für Oedenlbuipg befinden ©idh bereits, auf dem Wege, Uefoer den? Zeitpunkt ihres Eintreffens ist noch'nichts bekannt. •' Die Abs timmumg: düffite aber keinesfalls am. iu. Dezember Sbabtiftodeini;- - da nach - der Auffassung dient BotsöhuReiikciniferem», wie nunmehr bekannt wird,- ’ der Stichtag für die; -"achttägige■ W'arteifrisit bis zum Pllefbiisziit miidbt von der Meflidung von dter erfoHgibenk Paizifiizieuumg, sondern vom.Eintreffen, der Bnltietaitfökomitimgente abhängt; Diese Kontinganite werden übrigens nicht, muh; die Durchführung der Abstimmung ziu siebera haben., ihre Aufgabe wird es auch, sein, die.; Vorbereitungen zu komchroillieren. . .. Aus Oedenburg wird gerne!dev: Die Die* markationslink wird. ungarischers etffcs äußerst scharf bewacht. Burgenländer Bauern die mach! Oedenburg fahren wollen., werden zum Umkehiren gezwungene, wenn sie; nicht im Besitze einer in Oedenburg aiusgestellliten Besobeimdgiuinig sind. Neben! den Gr&mzisoldate.n.' halten F re Ls c.h ä r 1pr die Verbindung von Posiben .zu Posten aufrecht. Wert die Demä.nkäitipn’Slinie übersohFeiftet,. wird: n'a4i..Flug- ' schiriftein unitersucht und über die politischen Veir-J hältinisse in Oesterreich auisgefragt. Die StadJieingänige . sind mit Eirftanufcbi deir' Dunkelheit durchwegs von Statiken F eid wachen! besetzt, die aus Freischärlern bestehen und mit Gewehren, Stöckan, Fokoischori usw. bewaffnet, sind. Jedem. Wachmann, und vielfach auch den Gendarmen sind bewaffnete S t u d e n ib e n zu>- gebeiiljfc. Unrichtige Abstlmmtmgslisten. Oedenburg, 7. Dezember. Diie österreichisches Abstämimiungsk0mmissicineu halbem hiauite den Präsis; dienten, ihrer .Kommission eine Erklärung übergeben^ ■ dn der darauf hingewiesen wird, daß bei der Uebetrprüfung der A b s >t i m m u tri g s 1.! &.f e «1. derairtigb; 'Unr ichtdgk ei t eu feisitgesbeUt werden konnten^;daß diese ,Listen .edner Uelberprüfung bedürfen'.; Werbers wird aufm-erkisara gemacht, daß eine kom- ■'missionelle Aufnahme aller Abstimmuing&b'eiredh- Itigtennotwendig sein wird. Anhaltung eines österreichischen Abstimmungskommlssärs. Oedenburg, 7. Dezember. Ein Österreichs* scher Abstimmungskommiissär wurde gestern, auf eiiticm dienst liehen Gang angdheilten und in ein! Kollier lökall gebracht, wo er duirdh'SU'cfhlt wurde. Sodann wurde ca* tos Rathaus abgefühtnb, wo 21m ein PolizeibeaimteT anisfragte,' Die AbsfimnmmgsiHisite'n -waren ihm von der BLinde abgeniommsn woirdety :uinid er konnte' sie auch ruidhlt wieder erliangenu Wie die „Politische Korrespondenz“ erfährt, sind die interalliierten Truppen bereits abgegangen .und werden im Laufe des 8.; Dezember in Oedenburg eintreffen. __ Ein Abkommen mit der russischen und ukrainischen Sowjetrepublik. Wien, 7. Dezember. Nach Abschluß der seit längerer Zeit zwischen der Regierung der Republik Oesterreich einerseits und der Regierung der russi- 8chen sozialistischen föderativen Sowjetrepubik sowie der ukrainischen sozialistischen Sowjetrepublik andererseits gepflogenen Verhandlungen sind heute im Bundesministerium für Aeußeres von den Bevollmächtigten der' .genannten Regierungen zwei Abkommen unterzeichnet worden. Das Hauptabkommen erweitert das Tätigkeitsgebiet der bereits bestehenden Delegationen für die Kriegsgefangenenfürsorge dahin,;daß diese Delegationen nunfnehr als bevollmächtigte V.e rtretungen mit der Wahrnehmung der Interessen ihrer Staatsangehörigen betraut werden, und weiters die Ermächtigung erhalten, gewisse konsularische Befugnisse , (Paßausstellung, Paßvidierung, Legalisierung usw.) vorzünehmen. Zur Pflege der Wirtschaftsbeziehungen za

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