Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-12-07 · Heft 1026 (7.12.1921) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1026 (7.12.1921)
Date
1921-12-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980105--09584-2995849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 Wien, Mittwoch WIENER MORGENZEITUNG 7. Dezember 1921 Nr. 1026 Aus den Theatern. Im Burgtheater, gelangt morgen, Donnerstag, »Der Schwan“ zur Aufführung. In der S t a a t s o p e r wird morgen, Donnerstag» „Der Barbier von Bagdad“ und Jahres* zcitenderLiebe“ aufgeführt. In der Volksoper gelangt heute, Mittwoch, „D c r P r o p h e t“ zur Aufführung. In dieser Aufführung werden Madame Charles Cahier als Fides und Herr Kammersänger Leo Slezak in der Titelrolle gastieren. Ferner wirken mit die Damen Pfiffer, Linke, Bieckmann und ciie Herren Fälbi, Tauber, Dörich und Brand. Dirigent Herr Dr. Weiricti. Beginn 7 Uhr. Im Deutschen V olksthe ater beginnt die heutige Erstaufführung von Artur Schnitzlers neu einsti'.dlerteni und inszeniertem Einakter-Zyklus „Lebendige Stunden“ pünklich um 7 Uhr. Zu spät Ein.treffende könnten erst nach dem ersten Stückchen zu ihren Sitzen gelangen. Freitag den S d. M., 7 Uhr, wird Strinabergs Kammerspiel »Oer Pelikan“ wiederholt. — Morgen, Donnerstag, geht nachmittags 1 »3 Uhr „I m weißen Rößt" und abends.? Uhr „Lebendige Stunden* in Szene. In den Kammerspielen wird morgen, Donnerstag, nachmittags Vs3 Uhr „Einsame Mensche n“, abends 7 Uhr „DerPapierreifea“ und um 10 Uhr „Morphium“ gespielt Im Wiener Stadttheater verbleibt das gegenwärtige Repertoirestück „Potasch und Perlmutter“, mit Eugen Pensen und Ludwig Stärk in den Hauptrollen, auch die nächste Woche allabendlich aut dem Spielplan. Donnerstag den 8. d. M. (Feiertag) und Sonntag den 11. d. M., nachmittags l/*3 Uhr, Gastspiel Heinrich Eisenbach in dem Wiener Volksstück „Lolos Vater“ von Adolf PArronge. . , , In der Renaissance-Bühne gelangt .heute und die loigenden Tage „Rach e“ zur Aufführung. Anfang 7 Uhr, Ende' Vrt0 Uhr. Samstag den 10 d. M., nachmittags 3 Uhr, „Rotkäppchen“. Sonntag den 11, d, M„ nachmittags 3 Uhr, „Geständnis“. •ronzert-Akademie. Der Sportkub Kadimah veranstaltet heute, r/.8 Uhr abends, im Hotel Post,!., FJeischmarkt 24, eine A k a d e m i e mit anschließendem Tanz. Unter anderen treten folgende Kunstkräfte auf: Georg Mark! (Staatsoper), Hermann F r i s c-h 1 e r (Volksoper), Oskar B e r e g i (Deutsches Volkstheater), / Franzi Ressel und Robert Stolz (Hölle), Max B r o d (johaun-Strauß-Theater), Frau Alice Mertens (Staatsoper, Berlin) und Fräulein Riki N e u m a n n (Tanz). Karten bei allen Mitgliedern erhältlich. zwischen den großen und kleinen Vereinen entstanden ist, Beide Parteien hängen sich wohl bewußt oder unbewußt alle möglichen bunten Mäntelchen um, die die Oefrentlichkeit täuschen. Das pedränge ln der Sackgasse ist derzeit lebensgefährlich, geworden. Wer weiß, wie viele Führer und Geführte auf der Strecke bleiben, bis sich eine überragende , Persönlichkeit oder ein einsichtsvoller Verein findet, der das Kommando „zurück“ gibt. Die wenigen großen Klubs mögen sich. als Professionalvereine etablieren und Sportpropagandadienste leisten. Die große Masse aber muß ' umkehren . und ihre Hauptaufgabe darin erblicken, Massensport zu pflegen. Höchstleistungen werden sich dann von selbst einstellen. Die Vertreter von Staat und Stadt haben dann zu beweise^ daß sie den Wert des Sports als Erziehungs- und Ertüch.tigungsmittel des Volkes erkannt haben. Nur mit ihrer tatkrätlgsten Unterstützung können die Amateurklubs ihre dem Staate und dem Volke Menende Tätigkeit entfalten. f. b. Die Generalversammlung des Niederösterreichischen FuSbailverbandes findet am 28. Jänner 1922 statt. Die Mitglieder des Straf- und Meldeausschusses werden in Hinkunft durch eigene Abzeichen gekennzeichnet sein. Suspendierte Vereine, Zahlreiche Vereine, die ihre Beiträge bis zum 30. November nicht entrichtet haben, wurden vom Fußballverband gesperrt. Unter diesen befinden sich folgende jüdische Klubs: Hectiawer, Heros und Judäa. Erich Juhn, der frühere Mittelstürmer der Hakoah, befindet sich auf der Durchreise in Wien. Juhn ist in Luxemburg ansässig, wo er sich auch sportlich betätigt. Hasmonea. Die dritte ordentliche Generalversammlung findet am 17, d. M. um 7 Uhr abends im Klubheim statt. Anträge sind bis zum 14. d. JVL beiin Obmann Emärme! Fiskus, IL, Ybbsstraße 3, Tür 28, einzubringen. —* Die Mitglieder Königsberg und Upper werden aufgefordert, am kommenden Samstag bei der Vollversammlung der akademischen Sektion zu erscheinen. Gideon. Donnerstag, 7 Uhr, Aasschußsitzung im Caf§ Drei Läufer, IX., Alserstraße 34. Samstag Spieler- Versammlung im Caf6 Radetzky. Hechawer. Donnerstag Leitungssitzung und Komitee- Sitzung. Alle Mitglieder wollen unbedingt erscheinen. Sportsektion der Zeirci Misrachi, II., Praterstraße 43/11. Heute, 7 Uhr abends, erste Mitgliederversammlung. Einschreibungen täglich von 7 bis 9 Uhr abends» Kamtnermusikabend. Die rührige Zionistische Bezirkssektion X/XI eröffnete den Reigen ihrer diesjährigen Veranstaltungen mit einen Kammermusikabend. Es gelangte zunächst Mendelssohns D-moll-Klaviertrio, op. '4§, unter Mitwirkung des Konzertmeisters Z i m b I e r zur Aufführung, der wieder herrlich geigte. Philharmoniker A ois Won drak entzückte die Zuhörer durch sein meisterhaftes Spie bei der E-moii-Sonate, op. 6, fürJContrabaß und Klavier. Den größten Anklang fand Schuberts Forellenquir.tett. Es wären noch Philharmoniker Gehringer (Viola) und Kar! Teschitz (Celio) zu nennen, ferner der Pianist Erich Lustig, der in allen drei Vortragsstücken eine überragende Technik zeigte. — Ein gutes Programm, erstklassige Musiker, ein vollbesetzter Saal angeregter, aufmerksam lauschender Menschen, mithin ein äußerst gelungener Abend. Moderne westjüdische Dichtung. Dieses Thema Ist der Inhalt eines sehr interessanten Abends, den die Zionistische Bezirkssektion Landstraße am 13. d. M., 7 Uhr; im Festsaale des Gewerbevereins, 1., Eschenbachgasse 11, unter Mitwirkung von Mirjam S c h n a b e 1-H o e f li.e h und Oskar Beregi veranstaltet. Karten in der „Morgenzeitung“ und bei Löwit. Lea Vfeintraub-Graf wird bei der am 12. d. M., 7 Uhr, im Mittleren Konzertiiaussaa! stattfindenden Akademie zugunsten des Hiifsvereines jüdischer Blinder mit jüdischen Liedern Mitwirken. Uebardies wirken mit: Professor Storch fOrgel), Miriam Schnabel-Hoeflich (Rezitatioh), Quartett E i g e n f e 1 d (Hakoah), Ernst Tauber (Volksoper). Karten ab Donnerstag an den Konzerthaus» kassen, in der Buchhandlung Löwit, Rotenturmstraße 22, an der Kasse .der- „Wiener Morgenzeitung“, 11., Tabor- "traße 1/3, und im Kartenbureau Ai'da, Taborstraße, -■ Die Sackgasse. Der Fußbaüsport erlebt in allen Ländern des Kon-, tinents böse Tage. Fast täglich meldet die Fachpresse von Krisen, die einmal in Italien oder Spanien,' dann wieder in Holland oder Ungarn ausgebrochen sind. Die gewählten Regierungen, die Fußballverbände, befinden sieh auf einem Vulkan, der sich alle Augenblicke entlädt. Nur mit Mühe können die Ausbrüche eingedämmt werden, wobei dem Sporte jedesmal unermeßlicher Schaden erwächst, Die Entwicklung des Fußballspqrts ist in falscher Richtung vor sich gegangen. Er ist in eine Sackgasse geraten, aus der es für die Masse der Vereine hur ein zurück und kein vorwärts gibt. Der schmale Pfad, der ins Freie führt, ist nur für wenige, und zwar nur für die größten und finanzkräftigsten Klubs gangbar. Dem Fußballspiel wohnt die eminente Urkraft Inne, der Volkssport im wahrsten Sinne des Wortes zu sein oder zu werden. Das Fußballspiel darf aber nicht um seiner selbst willen betrieben werden und so zur Schaustellung herabsinken, sondern es muß als Erziehungsmittel dem Volke Dienste leisten. Die Vereine, deren Existenz derzeit nur durch die Einnahmen bei den Wettbewerben gesichert ist, mochten wohl anfangs ideelle Bestrebungen gehabt haben, heute hingegen können sie sich fast ausschließlich nur von geschäftlichen Interessen leiten lassen. Sie ziehen Gladiatoren oder Artisten heran und, da nur ein geringer Prozentsatz der Spieler die notwendigen Eignungen mitbringt, sind die ausübenden Sportleute selbst bei den größten Vereinen numerisch ^ir schwach. Nichts ist nahe- Segender, als daß die Spieie^un finanziellen Gewinn, den sie bringen, partizipieren wollen, wodurch die Berulsspjelerirage aufgerollt erscheint Da aber nicht nur die Spieler der ersten Klasse Forderungen stellen, sondern auch die der unteren Gruppen, so drängen die Klubs, die sich nicht in der vermeintlichen Sonne befinden, nach vorne. Letztere »lauben nämlich, daß mit dem Prädikat „erstklassig“ sich, äie Einnahmen vervielfachen. Die Erbgesessenen des Oberhauses furchten nun die Konkurrenz, wodurch die Fehde Gestempelte Krone - Auszahlung Wien --- ln Zürich notierte: die -österreichische Krone —.13 die österr. gest. Krone . . — die tschechische Krone. . 5.70 die Mark ....... 2.25 Agram ........ 1.90 Bukarest.. Budapest,....... -.70 Warschau....... -.— —.— Centimes. —.15 Centimes. (—.13 am 5. Dezember) am 5. Dezember) ( 5.60 am 5. Dezember) ( 2.30 am 5. Dezember) ( 1,80 . am 5, Dezember) (—■ am 5. Dezember) (—.70 am 5. Dezember) am 5. Dezember) Der Abbau der Lebensmittelzuschiisse. In der P-lenarsitzaimg der Handel skammcir bespeadh GcneralditcikttGT Ingenieur' T a u s s i g die Ve'on'ajn,d,J'Uing'&n über die Auifhjc'buHhg detr LeUxmtstnwtt cl zu sch üss e, die eir als Wontfü:hfrer dear Arbeitgeber mihgenradhifc ha’tjtie. Als die wichtigsten Leih> sät'ze wumäen die folgender* ^e*itge.ste4f.ii:: Angestellte und soTistige Arbsiintehnt er edbailtem für siah ■umd ühme aiiiehjt orweufbsitätige Frau vom denn Arbeitgeber Je einem ZuseSruß zu ifcmeh bisherigen Bezügen, dessen Höbe'dar Differenz ©n.t«prkjht zwisefoem den aim 15. Dezember 1921 festgesetzter* Fneite-en d«r ‘bisher r a f i q n i e <r x e $ Monge wd den Preisen d«ar gifticlbop Menge diei^TMsnsmit'tel am 1, Jämmor 19&2, Die ernste AuotzahKuig erfolgt für Adbm'hev und Angestellte, welche die DnOohlnu-NT ini Nadithdw'i'Q vorscdmi-ßwci'^e für düe folgende D«htD(peri'ode am 3t, Dezemte 1921, Für Arbeäöer und AngesitelUte, denen Lörtloihntyng durch K'dle.'kd'vvertrage mit gleitender Teneiwgszu‘1 aige auf Gru>nd einjer InduxH'Ste geregelt ist, wird die Indexziffer sipatJesfcein« iln der dritten Wocitoe einies jedem Monaib.% das erste Ma'l atu 15, Jammer 1923, (besitinnrat. Um den Zuschuß zu Gemessen, wimd eine ipatrilätisdie K-omniiswom eir'gesetzt, die aus adjut'Mitgliedern 'besteht. Die tm*tier die Zu'.schuöbtestbmimniingeu faltenden Artmlmdhaner mäninilidhian Geschköhitis ihalbeai für jedes in innrer Versargruirig stehend«; eMiobe oder uneßwUche Kind uimter vierzelhp Jateen Am^rudh rnf die AuszalhUiuing d-eg, Zuschusses. "WefbH'che A^tbeitsnehmer halben muir dann Anspruch aitsf diesem Zuschuß für Kiintder,, wenn niem.and .au^derer zu deren Versorgung gesetzlich verpflichtet Ist. Besondere Regelungen betreffen Personieu, die im Gemusse des Kranlkengeldes oder einer Rente atis dör Pcm«i'Otnsversldheruiig srtdhen,, Frivaitpensfotnistem um Imiva'Hde.nirehitmieT. Bedürftige 'Persom*en - deuitschQ^terreiichi,scher Staa'tsibürgers'oh'afit oder bedürftige Ausländer (Studenten), weldhc schon vor dem 1. Jänner 1917 ihren ■ständigen Wohnsitz in Deujtsdiöstenreich■ gehabt •haben, können diese Zuschüsse aiu<f Grund eines bei der zuständigen GemeLncle (Magistratisches Bez rksamt) eingebrach'ten Stempel freien Gesuches erhallen. Die Kosten trägt -der Staat. Auf diesen Zuschuß aus staatlichen Mitteln haben Studierende deutschösterreichisdier Staatsbürgerschaft Ohne Unterschied des Geschlechts vom vollendeten 14. 1>ls zum vollendeten 24. Lebensjahre Anspruch, wenn sie nicht erwerbstätig sind, ein Mittellosigikeitszeugnis ihrer Ekern und eine Bestätigung ihTer SdiulibeiiÖide über die Fortdauer ihrer Studien 'beibringen. Zu den Leitsätzen erklärten die A'rbeitnch'mervertreter, daß «ie n»ur dann gelten, falls der Abbau der Staat!lohen Lebensmi'ttel'ZfU'S-dhüsse mit 1. Jänner, 1922 einsetzt. Sie sollen nur so lange Geltung halben, als' die Auswirkung des Abbaues der staatlichen Lebensnii'ttelzusdhüs'se' in den Kosten der - Lebens» haltung fühlbar sein wird. Die. Vertreter der Arbeitnehmer überlassen es der Nationaliversammliung, über die G elüungsdauer der gesetzlichen Regelung ' sowie darüber zm entscheiden, ob der Abbau auf ein»; mal oder in Etappen erfolgen soll. Die Vertreter der, Arbeitnehmer geben ihre Zustimmung zu der in den ■ Leitsätzen vorgesehenen Regelung der Kinder Zuschüsse nur unter der Voraussetzung, daß die Regierung unverzüglich einen Gesetzentwurf über d.ie Kin'Clerversi’cherung ausanbeiten läßt. - In der Debatte wandte sich Kammerrat Kandl gegen die sofortige Aufhebung, die besonders für den Mittelstand ruinös sei. Auch müßte die Arbeitszeit verlängert werden. Gegen ihn polemisierte Kamm errat Fried mann. Die Leitsätze wurden angenommen. _ Die Neuregelung des Devisenverkehrs« Anforderung oder Kontrolle? Der Finanzminister hat bekanntlich eine Nett» regelung des Devisen- und Valutenhandels angekündigt. Die Grundzüge, nach denen diese Neuregelung zu erfolgen hat, stehen noch nicht fest, doch werden — wie das „Neuigkeits-Welt-Blatt“ erfährt — in maßgebenden Kreisen ‘ folgende weitgehende Maßnahmen in Erwägung gezogen:; Sämtliche fremdländischen Geldsachen, Guthabungen inr Ausland und Schecks sind vomStaate a n gesprochen. ' Die Eigner solcher Werte haben sie bei den staatlichen Stellen zu deponieren, respektive' anzumelden, u*d zwar gegen Amtsbestätigung. Diese Bestätigungen sind im Falle dringenden Geldbedarfes^ der nachgewiesen werden muß, bei der Oesterreichisch» ungarischen Bank lombardierbar. Später werden die Bestätigungen gegen österreichische amortisable Staatsobligationen, die auf die erlegten Währungen zu lauten haben, umgetauscht. Bankgeschäfte und Wechsler dürfen weder Valuten noch Devisen verkaufen. Reisenden darf gegen Vorweisung des Visums der von den Gre zbehörden gestattete Betrag inr fremder Währung verkauft werden. 'Dieser Verkauf ist. neben dem Visum von der verkaufenden Bank im Paß zu notieren. Industrie und Händel verlangen sämtliche notwendigen fremden Zahlungsmittel von der Devisenzentrale gegen Faktura, die nach Einlangen der Waren in den Zollämtern, von der. Devisenzentrale an die betreffenden Firmen direkt ausgezählt oder überwiesen, wird. . . Man rechnet, daß durch Ausführung dieses- Vor- ' Schlages der österreichische Staat sofort in den Besitz von etwa 30 Milliarden: ausländischer Valuten .käme, denn so hoch schätzt man den hiesigen Valuten? besitz ein. . ’ . Durch ]dia Erfassung der ausländischen Werte würden sich die geplante innere Anleihe und vielleicht auch die 'Zwangsanleihe erübrigen lassen und damit die Folgen einer Geldknappheit. Ob der Staat heute freilich die Macht hat, die Anforderungen der Valuten auch praktisch durchzuführen, muß freilich dahingestellt bleiben. Auch bleibt bei den Erfahrungen, die man bisher mit der Staat-* liehen Bewirtschaftung gemacht hat,, zu,befürchten,, daß die Maßnahmen nur zu einer neuen Schikanierungdes Handels führen werden. >c Wie wir erfahren, steht der Finanzminister Doktor Gürtler selbst auf dem Standpunkt, daß eine staatliche Kontrolle der Verwendung der fremden Valuten hinreichen würde, um den schädigenden Ausschreitungen der Spekulation zu begegnen. Zur wirtschaftlichen Krise in Ungar^L Der „Prager Presse“ wird aus Budapest berichtet: Wohl selten hat der Verlauf einer Ministerkrige Juden breiten Schichten der Bevölkerung, namentlich in den Wirtschaftskreisen des Landes, so wenig Interesse hervor» gerufen als die ihrem Ende?uueigende, Aktion, welche der gewesene und vom Reichsverweser neuerlich designierte Ministerpräsident Graf Bethlen eingeleitet hat Per liberr wiegende Teil der Bevölkerung ist sich darüber im reinen, daß, welche der beiden Parteien immer -r Christlichnationale oder die Landwirte — das Rückgrat, der neuen Parteigestaltung sein wird. im Grunde genommen, ein organischer Wechsel in der Behandlung der wirtschaftlichen und finanziellen Fragen von der heutigen Nationalversammlung nicht zu err warten ist Pas ist auch der Grund, weshalb die Wirt» schaftskreise, den Verlauf der Krise mit einer beispiellosen Indifferenz verfolgen, Man ist sicheren von vornherein dessen bewußt, daß eine Beruhigung nur von einer Regierung zu erwarten ist, welche schon in Ihrer Zusammensetzung eine Gewähr dafür bietet, daß sie zur. Sanierung der heutigen trostlosen Wirtschaftslage des Landes die entsprechenden Maßnahmen treffen werde. Nach dem Fiasko der von Roland Hegedüs Inaugurierten Finanzpolitik und dem katastrophalen Sinken des Kronenkurses, nach dem maßlosen und ungerechtfertigten Anwachsen der Getreidepreise und der dadurch bewirkten, außerordentlichen Teuerung und im Hinblick auf die wirtschaftliche Notlage, in der sich Ungarn derzeit befindet, kann nur eine großzügige, konsequent durchgeführte rationelle Wirtschafts- und Finanzpolitik das Land vom vollständigen Ruine retten. Dazu muß mit der Politik der Schlagworte endlich gebrochen werden. Graf Bethlen erklärte wohl in seinem Programm, man müsse her strebt sein, die demokratische Entwicklung zu fördern, und dürfet die Einheit der Nation durch konfessionelle Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.