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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-07 · Heft 1026 (7.12.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1026 (7.12.1921)
Date
1921-12-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Mittwoch WIENER MORGENZEIWNG 7. Dezember 1921 Nr. 1026 jftwitai im Oederubiw^er Gebiet Erwähnung tot und üausi öber das staate-bürgerliche Verhältnis schreibt: »Indem ich sdur gerne diesen neuerlichen ‘Anlaß henüte, um Ihnen für Ihre Bemühungen . itn Interesse der bevorstehenden Abstimmung wärmst-ens zu danlken, nehme!üh im Hinbliak auf idie in Ihrem Schreiben aufgeworfene Frage Leinen Anstand, meiner Auffassung d«ahte Ausdruck zu Verleihern, daß auch die im Albstimmuihgsgebiet (Oedeolburg und Umgebung) heimtutberedh- •tigten Personen — darunter aUo jene jiüdiikiher .Konfession — durch das Inkrafttreten der Sbaatswerträge von Saimt-Germain und Trianom im Sinne *der im ersteren Staats vertrag enthaltenen Staats*, bürgerschaftsibestiminnungön die’ österreichische ,S t a afsh ü r g ersetra ft erlangt 'haben. Als österreichischen Staatsbürgern stehlt aber ihrer Freizügigkeit im Bereich-des österreichischen. Bundesstaates — selbst in dem angenommenen Falle Rdnes für Oesterreich, ungünstigen Abstimmungsergebnisses — kein gssetzlich.es Himlernis im ^Wege, insofern sie ihr Heimabrech't im. Abstimmungsgebiet einwandfrei nachiznuweisen in der ü.age sind. Ich hoffe, daß bieditsreh die seitens der Oedeniaurger Juden geäußerten Bedenken zerstreut werden, und wäre Ihnen sehr verbnmden, wemm Sie in diesem Sinne für eine baldige Aufklärung der in 'Betracht kommenden Kreise Sorge fragen wjpiiu ten. Em-pfangen Euer Hoohwoh-lgeboren den. Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung Schober m. P. tW ien, am 3. Dezember 1921. Dieser von der verantwortlidhen Stelle abgegebenen. unzweideutigen Erklärung ist zu entnehmen, daß die J-uden YVe-stungams einschließlich [•des Abstimmungsgebietes das österreichische Staats- 'fbürgerrecht bereits besi t z ea und demnach ■vor Schikanen und Vexationen der Wab ersehen Art verschont bleiben. Oesterreich. Die Entrevue von Lana. , " Im Laufe der nächsten Woche wird voraussichtlich itCe neuerliche Begegnung Schober-Benesch stattfinden. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest Wenn irgendwie möglich, soll die Konferenz mit der Entrevue zwischen den Präsidenten H a i n i s c h und M a s a r y k auf Schloß Lana zusammenfallen. Das Konferenzprogramm ist bereits in allen Details fertiggestellt Es ist im allgemeinen unpolitischer Natur. )Wie wir von informierter Seite erfahren, setzt sich das Programm aus folgenden Punkten zusammen: 1. Inkraftsetzung des provisorischen Handelsßbereinkommens vom 4. Mai d. J. 2. Bestimmungen des Abkommens über die Handhabung der Ein- und Ausfuhrverbote. 3. Abbau der Ein- und Ausfuhrverbote. 4. Exportprämien und differentielleFracht- Sätze für Kohle (sieheArtikel244 desFriedensvertages). 5. Enteignung österreichischen Grundbesitzes in der Tschechoslowakei 6. Doppelbesteuerung. 7. Inkraftsetzung des Uebereinkommens über die Durchführung beiderseitigen Transitverkehres. 8. Paßerleichterungen. 9. Schiedsgerichtsverträge. Prag, 6. Dezember. Die tschechoslowakische nnd die österreichische Regerung haben sich dahin geeinigt, daß der Besuch des Bundespräsidenten Hainisch beim Präsidenten der tschecho-slowakischen Republik in den Tagen des 15. und 16. Dezember in Lana erfolgen wird. Gleichzeitig wird Bundeskanzler Schober in Lana und in Prag eintreffen, um mit dem Ministerjpräsi enten und Minister des Aeußern Dr. Benesch aktuelle politische und wirtschaftliche Fragen zu erörtern. Auf beiden Seiten sind zu diesen Beratungen bereits Vorbereitungen getroffen worden. Die Besprechungen der Finanz- und wirtschaftlichen Fachleute werden wahrscheinlich am 9. Dezember beginnen. Der Beamtenabbau. Der Finanzausschuß des Nationalrates wird die Beratungen über das Beamtenabbaugesetz noch in diesem Monat aufnehmen. Die Regierung wird trachten, das Gesetz so rasch als möglich zu verabschieden. Die Verhandlungen mit den Organisationen werden, wie dies schon wiederholt geschehen ist, auch diesmal vom Ausschuß direkt geführt werden, so daß das Gesetz wahrscheinlich schon in den Ausschußberatungen seine endgültige Form annehmen wird. Der Abbau der Lebensmittelzuschüsse. Die mit dem geplanten Abbau der staatlichen Lebensmittelzuschüsse zusammenhängenden Regierungsvorlagen sind im Bundesministerium für Finanzen [bereits ausgearbeitet und werden am Freitag dem Budgetausschuß zügewiese 1 und dort zur Vorberatung einem Subkomitee übermittelt werden, das auch die notwendigen Verhandlungen mit den verschiedenen Interessentengruppen durchführen soll. Die bisher vorliegenden Richtlinien, die gestern auch in der Wiener Handelskammer zur Erörterung kamen, werden in vielen Punkten noch einer Ergänzung bedürfen. Das Arbeitsprogramm des Nationalrates erfährt durch die Verhandlungen über den Abbau der Lebensmittelzuschüsse eine außerordentliche Belastung, zumal ja die Regierung gleichzeitig mit der Erledigung des Budgets auch die Verabschiedung einer Reihe von Steuer Vorlagen -wünscht, so daß es fraglich erscheint, ob das ganze . Arbeitsprogramm noch vor Weihnachten erledigt werden kann. Italienisches Militär für Oedenbttrg. Wie uns aus Leobschütz (Oberschlesien) mitgeteilt wird, ist gestern ein italienisches Bataillon nach dem Abstimmungsgebiet abgegangen. Ein neuer serbischer Gesandter in Wien. Belgrad, 6.'Dezember. (Privat.) Der bisherige Vertreter des Ministers des Aeußern, Tihamer P 0 p 0 v i c, ist zum serbischen Gesandten in Wien ernannt worden und wird sich in den nächsten Tagen auf seinen neuen Posten begeben. __, Tschecho-Slowakei. Die Bergwerksbesitzer nehtnen die Forderungen an. Prag, 6. Dezember. (Tschecho-slow. Preßbur.) In der Sitzung des Abgeordnetenhauses teilte Arbeitsminister T u c n y die heute nachmittags aus Mährisch- Ostrau im Arbeitsministeriuni-eingelaufene Antwort der Bergwerksbesitzer mit. Sie beinhaltet eine bedingte Annahme des Sta dpunktes der Arbeiter, für den sich der Arbeitsminister eingesetzt hatte, und lautet: Wir stimmen dem Vorschläge der Arbeiterschaft, der von der Regierung unterstützt wird, in folgendem Wortlaut zu, der zur Klärung cer Lage beitragen soll: Bei auf 6 7 Meterzentner erhöhter Arbeitsleistung soll der durchschnittliche Arbeitslohn per Schicht auf K 56 erhöht werden, , Falls .die Produktion über oder unter diesem Qua-.tum sich bewegt, wird der durchschnittliche Arbeitslohn um so viel mehr oder weniger betragen, um wieviel die Arbeitsleistung gegenüber dieser Ziffer gestiegen oder gefallen ist In demselben Verhältnis muß sich auch -der Erwerb aller anderen Bergarbeiter bewegen. Am Zeitlohn wird nichts geändert Den Arbeitern, die infolge der Regelung der Gedinge in November dieses Jahres einen geringeren Lohn erhielten als den ihnen nach dem Kollektivvertrag vom Jahre 1920 zukommenden, werden die Löhne, sofern sie den in dem vorhergehenden Absatz ausgewiesenen Betrag nicht erreicht haben sollten, bei unverkürztem Gedinge bis zur Höhe dieser Verhältniszahl für die im November bereits vollbrachten Leistungen, nachträglich ausbezahlt Der geltende Kollektiwertrag bleibt %iit diesem Zusatz längstens bis Ende Jänner 1922 in Geltung. Wir stellen die Bedingung, daß der neue' Kollektivvertrag spätestens' am: 1P.- Februar 1922“ angenommen wird und auf der Annahme einer um 20% erhöhten Arbeitsleistung seitens der Arbeiter basieren soll. Polen. Oberräbbiner Pöznanski gestorben. Warschau, 5. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg.“) Oberrabbiner Dr. Samuel Pöznanski ist heute früh gestorben. * Mit Dr. Poznans kl verliert die jüdische Wissenschaft einen Ihrer erstrangigen Vertreter, der Zionismus einen trefflichen Vorkämpfer. Dr. Poznanski, der über 70 Jahre alt wurde, stammt aus 'Warschau, wo er durch mehr als vier Jahrzehnte als Prediger wirkte. In der jüdischen Wissenschaft war er als Historiker und Bibliograph bekannt; sein Spezialgebiet war die Erforschung des Karäer turas und nebst Ha r k a w I war er auf diesem Gebiet eine fder größten Fachautoritäten. Er hat eine ganze Reihe von alten Schriften der karaitischen Literatur herausgegeben und sein einziges Werk in Buchform — Poznanskis Arbeiten und Glossen erschienen größtenteils Inder „Monatsschriftfür Geschichte und Wissenschaft des Judentums“, „Revue des Etudes Juifs“, den „Frankfurter Mitteilungen für hebräische Bibliographie“ und anderen — ist eine Geschichte der Karäer und ihrer Literatur. Auch eine seiner letzten größeren Arbeiten, welche in der Warschauer Wochenschrift „Hamisrachl“ erschien, befaßt sich mit der Geschichtsschreibung der Karäer. Poznanski war einer der wenigeh jüdischen Forscher, der auch viel in hebräischer Sprache (ira „Hoschiloach“ und anderen wissenschaftlichen Zeitschriften) schrieb. Er gehört auch zu den Begründern der Gesellschaft ,M e k i z e ni rd a m i m“, welche sich die Herausgabe alter hebräischer Schriften, besonders Handschriften, zur Aufgabe gestellt hat. Dr. Pöznanski schloß sich noch vor 40 Jahren der Chowewe Zion-Bewegung an, er'war ein treuer Anhänger des zionistischen Gedankens und hat als Prediger in Warschau noch zur Zeit, als dort die Assimilation herrschte, stets den jüdisch nationalen Gedanken mutig, auch von der Kanzel herab, vertreten. Er wirkte als Prediger im sogenannten aufgeklärten Tempel in Warschau. Als während der deutschen Okkupation die neue jüdische Gemeindeordnung in Polen eingeführt werden sollte, trat Dr. P 0 z n a n s k i für die Organisation der jüdischen Gemeinden auf nationaler Grundlage ein und nahm an der Aktion der Zionisten hiefür kräftigen Anteil. Als das Obcrrabbinat in Warschau zur Neubesetzung kam, wurde Dr. Poznanski von den Jüdischnationalen kandidiert und vom Vorstand der Warschauer jüdischen Gemeinde auch berufen. Nun setzte von den Orthodoxen agudistischcr Färbung eine starke Gegenaktion ein, die auch bis zur Regierung ging; um die Bestätigung Poznanskis als Oberrabbiner zu hintertreiben. Erst einige Tage vor seinem Tode wurde Pozuanski von der Regierung ln seinem Amt bestätigt Er hat es leider nicht lange führen können, Sein Tod ist ein schwerer Verlust fllr die nationale Judenheit ln Polen. _________ Ungarn. Der Kartoffelprinz freigegeben. Budapest, 6. Dezember. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Wie der fester Lloyd“ erfährt, hat die tschechoslowakische Regierung dem ihr auf diplomatischem Wege übermittelten Ansuchen der ungarischen Regierung um Freigabe des zur Zeit des Königsputsch es verhafteten Prinzen Ludwig Windischgrätz stattgegeben, so daß Prinz Windischgrätz in den allernächsten Tagen heimkehren wird. Palästina. Protest palästinensischer Arbeiter. London, 6. Dezember. (Privat.) Das Londoner Bureau der Poale-Zion erhielt von der palästinensischen Arbeiterpartei Achduth-Haawodah ein Telegramm, in welchem gegen die über die drei im Zusammenhänge mit den Unruhen am 2. November verurteilten Juden verhängten Strafen Protest erhoben wird. In dem Telegramm heißt es: Verständiget die Lab our Party, daß drei Juden unter Anklage der Teifoahme an der Verteidignng gegen die arabischen Aufrührer in Jerusalem am 2. November vor englischen Richtern wegen Mordes angeklagt und zu Zwangsarbeit von elf, zehn, beziehungsweise, sechs Jahren verurteilt wurden. Diese Urteile stellen den gesetzlichen Selbstschutz von Helden auf eine Stufe mit den Handlungen von Aufrührern und Mördern und berauben die Juden des Rechts zum Selbstschutz, während zur selben Zeit die Regierung unfähig ist, die Sicherheit des Lebens und des Eigentums zu gewährleisten. Diese Urteile sind eine Schande der Menschheit Gemeinsam mit allen palästinensischen Juden fordern wir die Widerruf u n g der Urteile. Telegramme. PräsidentWeitzmann kommt nach Wien. London, 6? Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Der Präsident der zionistischen Organisation Profelsor Chaim W e i t z fn a n n hat seine Absicht, nach Amerika zu reisen' und äh der Keren-Häjessod- Propaganda teitzunehmen, aufgegebe'i und wir i gegen Ende Dezember in Wien eintreffen, um an der Sitzung des Aktionskomitees teilzunehmen. Konferenz der kanadischen Zionisten. London, 5. Dezember. (J.C.B.) Wie aus Montreal gemeldet wird, hat dort vor einigen Tagen eine Konferenz der Zionistischen Föderation Kanadas stattgefunden, die sich vornehmlich mit der weiteren Keren-Hajessod-Arbeit befaßte, Der Sekretär Mr. G 01 d m a n n teilt mit, daß bisher 400.000 Dollar gezeichnet wurden und daß Schritte unternommen worden sind, diese Summe gemäß den Verpflichtungen der kanadischen Zionisten auf rund eine Million Dollar zu bringen. Die Reparationen. London, 6. Dezember. (Wolf.) Die „Times“ berichte« 1 Der Finanzausschuß, des britischen Kabinetts wird gegen Ende der Woche seine Beratungen über die ihm vom Schatzamt unterbreiteten, die deutschen Reparationen betreffenden Vorschläge wieder aufnehmen. Ein Beschluß in dieser Frage wird erst gegen Ende der Woche erwartet Dies soll did Von den Staatsmännern am meisten begünstigte Lösung sein, doch werde sie nicht ohne vorherige Beratungen zwischen den Alliierten, geregelt werden. Die Konferenz zur Regelung der Orientfragen. London, 6. Dezember. (Funkspruch.) Der französische Botschafter hat den Außenminister im Namen seiner Regierung verständigt, daß die französische Regierung grundsätzlich einer Konferenz der Außenminister der drei verbündeten Großmächte zur Regelung der Fragen des nahen Orients zustimme. Kämpfe in Arabien. Kairo, 3. Dezember. (Privat) Der Sultan von Nedscfuf (Mittelarabien) Ibu S a u d hat die Truppen des Königs der Hedschas angegriffen und ihnen mehrere Kanonen abgenommen. Er hat zwei Städte eingenommen und näher! sich der Stadt El Taref. König Hussein organisier! hastig Gegenangriffe; er will auch Flugzeuge verwenden, die er vor einiger Zeit von den Engländern erhielt Vor einigen Monaten . erhielt Sultan Ibu Saud von det britischen Regierung das Versprechen einer jä.hrlichenSubsidie von 60.000 Pfund Sterling unter der Bedingung, daß er das Land des Königs Hussein oder seines Sohnes, des Königs Faisul von Irak, nicht angreife. Sultan Ibu Saud war ein Rivale des Königs F a i s u 1 auf den Thron von Irak. Proteststreik der französischen Bergarbeiter. Rom, 6. Dezember. (Funlcspruch.) Die französisch« Bergarbeitergewerkschaft hat beschlossen, zum Zeichen des Protests gegen die Lohnverminderung M die Dauer von 24 Stunden iy den Ausstand zu treten.

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