Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1023 (4.12.1921)
- Date
- 1921-12-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6_ Wien, Sonntag Gerichtssäal. Einvernehmung von Zeugen in Palästina. Der Arzt Dr. Max Buchs bäum hatte vor seiner Einrückung der Aktion Anitta Müller unentgeltlich seine vier Villen in Hütteldorf unter der Bedingung überlassen, daß keine böswilligen Beschädigungen daselbst stattfinden. ]m Sommer 1917 und 1918 winden die Villen von der Aktion yur Unterbringung von Kindern benützt. Es wurde streng darauf geachtet, daß die Kinder keine Schäden anrichten, dagegen wurden die Villen von Einbrechern heimgesucht, die vandalisch in den Gebäuden hausten. Als nun Dr. Buchsbaum aus dem Felde zurückkehrte und die Sachschäden in seinen Villen sah, klagte er Frau Anitta Müller beim Zivillandesgericlit auf Ersatz des Schadens von X 27.600. Der Geklagtenvertreter Dr. Herbatschek bestritt die Ersatzpflicht der Frau Anitla Müller,, die ebensowenig wie die „Soziale Hiüsgemeinschaft“, welche die Kinder in den Villen in Hütteldorf unterbrachte, für die durch Einbrecher verübten Schäden verantwortlich gemacht werden können. Gleichwohl biete er dem Kläger im Ausgleichswege K 25.000 an. Der Kläger ging darauf nicht ein und erklärte, den Prozeß durch alle Instanzen führen zu wollen. Der Richter Hofrat Doktor F a n t a' drückte seine Verwunderung darüber aus, daß der Ausgleich von K 25.000 scheitere. Dr. Herbatschek beantragte nun die Zeugeneinvernehmung der seinerzeitigen Aufseher, die aber jetzt zum größten Teil in Palästina als Funktionäre der Auswanderungsaktion weilen. . Die Zeugen seien im Requisitions-, beziehungsweise diplomatischen Wege in Palästina zu vernehmen. Der Richter gab diesem Anträge Folge und vertagte daher die Verhandlung. Erkenntnisse des Venvaltungsgerichtshofes „über die Mietzinsabgabe, Der Verwaltungsgerichishof hat sich in der letzten Zeit mit drei interessanten Beschwerden gegen die Bemessung der Mietzinsabgabe befaßt Im ersteren Falle handelt es sich um zwei Eheleute, welche im eigenen Hause wohnen und dort das Hotel- und Gastgewerbe betreiben. ihre Auffassung ging dahin, daß die Mietzinsabgabe ' getrennt von den Mietwerten für Wohnung, für das: Restaurant und für die einzelnen Stockwerke des Hotels zu bemessen wäre. Der Verwaltungsgerichtshof hat sich dem Standpunkt des Magistrats angeschlossen, daß die Hausstiege ausschließlich den Beschwerdeführern, ihren Gästen und Besuchern zur Verfügung stellt, also keine Trennung dereinzelnenWohnungenundsonstigeaGruppenvonRäumlichkeiten voneinander herbeiführt. Es liegt ein einheitliches Objekt vor. Im zweiten Falle wurde vom Beschwerdeführer, der vom Hauseigentümer eine möblierte Wohnung gemietet hatte, die Gesetzlichkeit der Vollzugsamveisung zum Mietzinsabgabegesetz bestritten, die ausdrücklich anftihrt, daß das Entgelt für mit der Wohnung gemietete Einrichtungsgegenstände in die Bemessungsgrundlage für die Mietzinsabgabe einzubeziehen sei. Der Verwaltungsgerichtshof hat die Rechtsgültigkeit dieser Vollzugsanweisung vollkommen anerkannt. Im dritten Erkenntnisse des Verwaltungsgericlitshofes handelt es sich um die Einbeziehung des Entgeltes für die Benützung des mit der Wohnung gemieteten Gartens. Auch hier wurde die Auffassung des Magistrats bestätigt, daß die Mietzinsabgabe nach dem Gesetze d e n gesamten Aufwand des Mieters für. die Befriedigung seines Wohnbedürfnisses zu treffen habe. Verurteilung des Londoner Komraunistenblattes. London, 3. Dezember. (Reuter.) Das Londoner kommunistische Organ wurde zu einer Geldstrafe von 2000 Pfund Sterling verurteilt wegen Schädigung der Interessen des Deputierten Thomas, da es ihn beschuldigt hatte, als Sekretär der Eisenbahnergewerkschaften die Sache der Arbeiter während des Kohlenarbeiterstreiks verraten zu haben. WS©», VI«, sosis HEIKE 0TSFF1STE üäaft »am billigsten bßi Hälft i Firne L.MSLL WIkNZESILE 40, W HOFE Sport. Die Meisterschaft. In der ersten Klasse stehen nur fünf Spiele auf dem Programm un 1 unter den pausierenden Vereinen befinden sich auch Hakoah und A m a t e u r e. Dadurch hat der Sportklub Rapid, der auf der Hohen Warte gege Admira antritf, günstige Aussichten, wieder die Führung im Meisterschaftsrennen an sich zu reißen. Die Admira ist wohl mit der erstklassigen Spielweise bereits vertraut geworden, doch ist sie noch zu spielschwach, um Rapid die Punkte streitig machen zu können. Der Sportklub Hertha hat auf dem Rennweger Sportplatz (de Simmeringer zum Gegner. Letzterer Verein hat heuer im allgemeinen nur geringe Fähigkeiten beit un et, so daß man ihm für den heutigen Kampf* keine Siegesaussichten einräumen lassen kann. Auf dem Dornbacher Sportplatz stehen einander Sportk 1 u b und Floridsdorf gegenüber. Die Dornbacher sind die technisch Besseren, die Floridsdorfer die Energischeren. Ein unentschiedenes Resultat würde nicht überraschen. Auf dem Hütteldorfer-Platz spielt der Wiener Associations-Fußballklub gegen Ostmark. Die beiden Mannschaften sind einander gleich wert, so daß der Ausgang des Treffens: ungewiß ist. Die Rudolfs litigier haben die Vienna zu Gaste. Nach der Papierform, gewertet, sollten die Hausherren Sieger bleiben. In der II. Klasse stehen folgende Spiele auf dem Programm: Ottakring—W. A.‘ C. (Ottakringer- Platz), Slovan-S. S. V. (V. A. S.-Platz), Gersthof— Blue Star (Gersthofer-Piatz), Germania—Bewegungsspieler (Schwechater-Platz), Donaustadt—Red Star (Straßenbahner-Platz), Nußdorf— Cricketer (Nußdorfer- Platz), Sturm 1914—Rennweg (Sturm-1914-Plaiz). Von den kleineren jüdischen Vereinen werden folgende Meisterschaft .»spiele bestritten: j. A. C.— Unitas (Sturm - 1914-Piatz), Achdutk—Zentralerem (Feuerwehr-Platz) WIENER MORGENZEITUNG --“T“.. .... Die Ringm eisterschaff. Der Oesterreichische Ringsportverband bringt heute die 'Meisfersehaften im Ringen für das Jahr 1921 in der . Halle > des Wiener Sportklubs, XVII., Rötzer- .gasse 6, zur Austragung. Da über 100 Ringer au den Start gehen, mußten die Vorkämpfe im Feder- und Lejchf-; gewicht bereits.gestern durctigeführt werden. Für heute ist folgendes Programm festgesetzt: 8 Uhr: Vorkämpfe im Leichtmittelgewicnt; 10 Uhr : Vorkämpfe im Schwermittelgewicht; 3 Uhr: Vorkämpfe Ini Schwergewicht und Entscheidungskämpfe in allen Gewichtsklassen. Die Hakoah tritt mit zahlreichen vorzüglichen Ringern an, die die Farben unseres größten jüdischen Vereines würdig vertreten werden. R e i c fi ni a n n und Grünspan haben, gute Aussichten; insbesondere .ersterer wird bestimmend in die Ereignisse Eingreifen. Ihre gefährlichsten Gegner sind ßoukal (Ostmark), Herschmann (Polizei) und Raus (Sportklub), -r Im Leichtgewicht sind die Hakoahner*- Sebestyen und Hübsch aussichtsreiche Konkurrenten. Aber auch sie treffen in Hans Zaloüd (Sportklub), Koderitsch (Ring-: und Stemmklub' Graz) und Sesta (Herkules) 'auf schwer bezwingbare Gegner: Iih Leichtmittelgewicht tritt der jugendliche Herkules der Hakoah S e 1 z e r an. Seine Rivalen sind Pankratz (Ostmark), Grilka (Polizei) und Stockbauer (Germania). Im Schwermittelgewicht und Schwergewicht haben die Hakoahner wenig Siegesaussichten, doch dürften sie sich auch in diesen Gewichtsklassen wacker halten. Das Wien-Meeting. Gestern wurde %die Veranstaltung des Schwimmkjubs Wien begonnen, die‘einige Ausländer am Start sah. h der Sporthalle des Diana-Bades hätte sich ein zahlreich _j Publikum eingefunden, das aber von den gebotenen sportlichen Leistungen nicht sonderlich befriedigt wurde. Bundespräsjdent Dr. Michael h ainisch wohnte dem . Meeting als Ehrengast bei. Die Tsemerkehswertesten Resultate waren: M ä de h e n - Br u s tschwi m me n 6 6s/3 Meter: Bienenfeld (Hakoah) 1:11 1. H e r r e n - S c h w! m ni e n 100 M e t e r: Groppa (Augsburg) 1:08'I 1., . Staudinger (Amateure) 1:20 2., Klein (Hakoah) 1:28'5 3. Massige Zeiten der Wigner, denen ein rationelles Wintermeeting fehlt. Klein ist schon viel bessere Zeiten geschwommen. Dam e n J u n i oren - La genstaffel: Wien 3:40 1., Hakoah 3:52*5 2, Damen - Rückenschwimmen übel 200 M e t e r : Buchbinder (Danubia) im Alleingang und Rekordzeit (3:41*2) 1: Herrin-Lagenstaffel 4X338/s Meter: Amateur 1: 31*6 1., Austria 1 :31*8 2., W. A. C. 1:34 5 3. Bei der Hakoah, die in ihrem Vorlaut Zweite geworden war, zeigte Klein in der Rückenlage ein ausgezeichnetes Crawltempo. Was s e r b a.l 1 s p i e! e: Donau—P. A. C. (Preßqurg) 3:0 (1:0), Amateure—Slavia (Prag) 3:Ö(1:0), .W. A. C. 11-Häkoah II 3:0 (0:0). —~ Städtische Subventionen an Sportvereinigungen, Der Ausschuß für allgemeine Verwaltung der Stadt Wien hat in den letzten Tagen unter Vorsitz des Gemeinderates Hellman n*(Berichterstatter Stadtrat Richter) beschlossen: Dem, Verbände der Arbeiter- und S o l d a t e n s p' o r t v e r e i n g u n g e n Deutsch-; Ö' S t e r r e i c h s wird zur Ausgestaltung seiner Schmelzer Sportanlagen eine. Subvention von K 650.000 gewährt. Dem österreichischen Hauptverbande für Körpersport wird zur Bestreitung seiner Verwaltungsauslagen und der Auslagen für Vergebung des österreichischen Sportabzeichens eine Subvention von K 70,000, ferner dem ö s t e r r e i c h i s c h e n F u ßballverbande zur Subventionierung von Vereinen für Platzbauten und Platzerhaltungen eine Subvention von K 120.000, dem W lener R e g a t .t averein zum Bau einer Tribüne mit Bootslialle eine Subvention von K 40.000, - der Sektion Wiener, w a 1 d des O e s t e r r e i c h i s c h e n T ourls tenklu bs eine Subvention von K 40.000, zusammen K 960.000 gewährt. Die österreichische Hockey-Auswahlmannschaft für das Spiel gegen Süddeutschland wurde -wie folgt aufgestellt : Hoffmann (V. f. B.), F. Revy (W. A. U.), Dr. Matz, P. Groß, Goldschmied: (Amateure), P. Groß, Neudörfer (W. A. C.), Wilclam, Waschnitius (V. f. B.), Pollatschek (Amateure), Müller (V. f. B.). f Wohltätigkeits-Wettschwimmen. Heute, 4 Uhr nachmittags, veranstaltet der S. C. Wien ein Wohltätigkeits- Wettschwimmen, dessen Reingewinn der Rettungsgeselischaft zufließt. Zahlreiche. Hakoahner gehen an den Start, doch weiden sie gegen vorzügliche inländische und ausländische Konkurrenten einen schweren Stand haben. Jüdischer Arbeiter-Sportklub. Es.wird hie mit bekanntgegeben, daß ein Jüdischer Arbeiter-Sporldub gegründet v/uide. Anmeldungen werden täglich von 8 bis */310 Uhr abends im Caf6 Magnet, 11., Gaußplatz, entgegen genommen. M. ROHATYN Wien, i» Bszl k, Maria Thereslenstrasse 10 Telephon 20-3-63 424 Telephon 20-3-63 Durchführung sämtlicher Bank - Transaktionen. An- und Verkauf sämtlicher Devisen und Valuten. Volkswirt. Gestempelte Krone —.10 Centimes. Auszahlung Wien « —.15 Centimes. Rückgang der Mark und Auszahlung Wien. In Zürich notierte: die österreichische Krone —.15 die österr. gest. Krone . . —.10 die tschechische Krone . . 5.70 die Mark ....... 2.40 Agram .... . . , . . . 1,80 Bukarest ....... —.— Budapest .—.75 Warschau.—.14 (—.17 am 2. Dezember) (—.10 am 2. Dezember) ( 5.80 am 2. Dezember) ( 2.55 am 2. Dezember) ( 1.85 am 2. Dezember) atn 2. Dezember) (—.80 am-2. Dezember), (—.15 am-2, Dezember) Vor neuen Schwierigkeiten. Die neuen Budgetziffern, die der Finanzr.jEEXr Dr. Gürtler dem Nationalrat vorgelegt 1 hat, sind insofern erfreulich, als se eine beträchtliche 4. Dezember 192t Nr. 1023 Erhöhung der Einnahmen zeigen: 208 gegen 93 Milliarden, also einen Zuwachs um 115 Milliarden; die Ausgaben dagegen sind von 258 auf 345 Milliarden, das jst nur um 87 Milliarden, gestiegen. Bliebe es nur bei diesen Ziffern, so wäre das Defizit nicht hur wettgemächt, sondern der Staatshaushalt hätte sogar eirt Plus von fast 30 Milliarden zu verzeichnen. Eine derartige Leistung in solch kurzem Zeitraum wäre nicht gering einzuschätzen. Allein es kommt die unheilvolle Ziffer des Kursverlustes hinzu, die die Regierung mit 100 Milliarden angesetzt hat Dieser Betrag ist viel zu niedrig gegriffen. . Infolge der außerordentlichen Kurssteigerungen der ., Valuten während der letzten Wochen dürfte eine Ziffer von 200 Milliarden weit eher in Betracht kommen. Damit aber stiinden wir wieder vor einem Defizit von etwa 170 Milliarden und es hätte sich gegen das vor kurzem genannte Defizit trotz der erhöhten Einnahmen ' im Grunde gekommen so gut wie nichts geändert. Die Mehreinnahmen wären einfach durch die Kursdifferenzen aufgezehrt worden. Es verstellt sich «von selbst, daß der. Staat, auf' solche Weine nicht weiterwirtschaften kann. Er mtiß're endlich, wie dies bereits so oftvvon der Regierung' versprochen wurde, "allen Ernstes zu sparen-beginnen. .Den Anfang müßte er mit dem Abbau des Be amtenpersonals machen: Aber nach dem ersten Anlauf, der sich Übrigens nur auf rein theoretische Ziffern beschränkte, ist die Ausführung des überaus wichtigen Projekts wegen des vom Beamtenköper dagegen geltend gemachten Wii'erstancfes aufgeschoben worden und ein neuer Plan wird ausgearbeitet. Eine Reihe wertvoller Wochen ist wieder .ungenützt vortibergegangen. Nicht nur beim Abbau der Siaatsangestellien hätte Dr. Gürtler radikal und energisch zugreifen sollen, auch die Emission einer inneren Anleihe müßte endlich herzhaft in Angriff genommen werden. Hier würde sich dem Staate eine neue Einnahmsquelle und die Möglichkeit zur Abschöpfung des Notemnaterials eröffnen. Aber Doktor Gürtler und Dr. Rosenberg haben sich in dieser Hinsicht1 bisher passiv verhalten. Dagegen kündigten beide Herren in der letzten Zeit die _ eventuelle Notwendigkeit von Zwangsmaßnahmen an, um besonders der Valutenspekulation endlich einen Damm zu setzen. Auch wir sind der Ansicht, daß jede neue Steigerung der Valute preise unseren Ruin beschleunigen und unter allen Umständen^ verhindert werden muß. Ob jedoch Doktor Gürtler den richtigen Weg dazu wählte, indem er dem Publikum die Spekulation in Effekte i empfahl, 'kann in Zweifel gezogen weiden. Der Finanzminister mußte sich von vornherein sagen, daß eine Hausse in Wertpapieren naturgemäß, eine Hausse der fremden Zahlungsmittel nach sich zieht Es gibt kritische Zeiten, wie die gegenwärtigen, wo Zwang unvermeidlich scheint — .und doch, haben sich solche Maßnahmen, besonders in der Anwendung gegen einzelne, im Wirtschaftsleben bisher stets gerächt. So verlockend für manche zum Beispiel der Geda ke einer. Goldbeschlagnahme ist, so dürfen doch der Eindruck und die Wirkung im Ausland keineswegs außer acht gelassen werden. Man muß mit Dr. Gürtler durchaus übereinstimmen, wenn er den gewissenlosen Valutenspekulanten das Handwerk legen will. Aber der Finanzmir.ister müßte den Mut haben, dasUebel.an der Wurzel zu fassen und mit den Großbanken anzufangen, die aus der Not des Volkes ihre Riesengewinne pressen. Zweifellos, die Börse verdient ihre Unbeliebtheit reichlich. Aber die Aufmerksamkeit .der Massen von der ruinösen, staatsfeindlichen Tätigkeit der führenden Banken abzulenken und sie auf die freilich skrupellose, jedoch ungleich weniger schädliche Gesellschaft der kleinen Spekulanten zu konzentrieren, erinnert gar zu lebhaft an* die kläglichen Prozesse während des Krieges gegen die .unbedeutendsten Preistreiber, während die' großen Herren ungehindert das ganze Volk auswuchern durften. Der Finanzminister hat vollkommen recht mit seiner Behauptu g, daß die Krone in Wien am geringsten bewertet sei. Aus einem Londoner Blatte ersehen wir, daß die Krone in der britischen Hauptstadt am 26. N vember mit 13.000 notiert war, während inan sie am gleichen Tage bei uns mit über 26.000 bewertete. Sache der Großbanken . wäre es, ihre während des Krieges so oft und viel gerühmten Patriotismus endlich auch im Frieden zu offenbaren. Und die Regierung müßte sich en lieh dazu aufraffen, mit ihnen ein ernstes Wort zu sprechen. Der geradezu groteske Fall Duim hat ihre Tätigkeit in grellem Licht enthüllt Für den Handei- und Gewerbetreibenden wird es von Tag zu Tag schwieriger, einen Bankkredit, zu erlangen, da diese Institute einen großen Teil ihrer verfügbaren Kapitalien in den Dienst der Devisen- und Valutenspekulation stellen, anstatt mit ihnen die einheimische Industrie zu stützen. Selbst bei einem Zinssatz-von 20% ist Kapital nur sehr schwer-aufzutreiben und die Erhöhung der Bankrate und des Lombardzinsfußes hat die Kreditfrage noch verschärft. Wir wollen abwarten, wie weit Dr. Rosenberg sein in einem Interview geäußertes Versprechen, er werde die Banken veranlassen, ihre Gelder der Spekulation zu entziehen, in die Tat umzusetzen imstande sein wird. v Die letzten Tage haben mehr als zur Genüge bewiesen, in welches Elena die Selbsthilfe der Straße führen kann. Unser Ansehen und Kredit im Ausland sind dadurch alles andere eher denn gewachsen. Wir haben neuerdings die außerordentliche Gefahr erkannt, die das Herumschleudern mit demagogischen Schlagworten, das Losstürmen auf einzelne, oft ganz Unschuldige, im Gefolge hat Wir müssen diese Erleb isse als Warnung ansehen. Andererseits sollen wir uns vor übertriebenem : Optimismus hüten. Selbst wenn es* gelingt, die