Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1023 (4.12.1921)
- Date
- 1921-12-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 WIENER 4. Dezember 192! Wien,- Sonntag Nr, T023 Aus den ungarischen Gefängnissen. Budapest, 2. Dezember. (Privat.) Gestern ist der Zweite Transport der an Rußland zu übergebenden politischen Verurteilten abgegangen. Der Transport besteht aus 59 Mann. Die russische Regierung hatte die Uebergabe von insgesamt 410 Verurteilten verlangt Die ungarische Regierung'hat gea ntwortet, daß mehr als 120 dieser Verhafteten verschwunden seien.. Sie seien in den Gefängnissen nicht auffindbar und entweder geflohen oder gestorb en. Ein Hirtenbrief der Bischöfe. Budapest, 3. Dezember. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Anläßlich der Weihnachtsfeiertage beschlossen sämtliche ungarischen Bischöfe, einen gemeinsamen Hirtenbrief zu erlassen, der an einem Sonntag von den Kanzeln aller ungarischen katholischen Kirchen verlesen werden soll. Der Hirtenbrief mahnt zur Geduld und Ergebung, empfiehlt Versöhnlichkeit und Ausschaltung aller inneren Zwistigkeiten und befürwortet wärmstens den konfessionellen Frieden. Jugoslawien. Demission der Belgrader Regierung. Belgrad, 3. Dezember. (Tschecho-slow. Preßbur.) Die von den Demokraten aufgestellte Forderung,' daß P r i b i c e v i c as Portefeuille für Inneres weiterbehalten soll, stieß bei den Radikalen auf entschiedenen Widerspruch. Nachdem die Demokraten weiters auf der Schaffung eines parlamentarischen Ausschusses für Aeußeres, auf der Neubesetzung des Ministeriums des Aeußern und auf einer gesetzlichen Regelung der Agrarreform beharren und die Erledigung des Wahlgesetzes an die letzte Stelle des Regierungsprogramms stellen, überreichte Ministerpräsident Pasic nachmittags dem Kö ig die Demission des Gesamtkabinetts. Graz, 3. Dezember. Die „Tagespost“ meldet aus Belgrad: Der König hat die vom Ministerpräsidenten Pasitsch überreichte Demission angenommen. Im 'Laufe des Nachmittags empfing der König mehrere politische Persönlichkeiten, darunter den Präsidenten der Skupschtiria Dr. Hribar, der, wie verlautet, dem König vorgeschlagen habe, Pasitsch neuerlich mit der Kabinettsbildung zu betrauen. Telegramme. Einberufung einer Orientkonferenz. London, 3. November. Das Reutersche Bureau bestätigt, daß Lord Curzon dem französischen Botschafter Saint-Auläire den Vorschlag gemacht habe, eine Präliminarkonferenz bezüglich des Orients einzuberufen. Die Konferenz solle aus den Ministern des Außen Frankreichs, Italiens und. Englands bestehen und ein Regiemeint ausarbeiten, das dann dem Obersten Rat unterbreitet werden würde. Die Mandate. Genf, 3. Dezember. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die Unterkommission für d i e M a n d a t e, die vom Völkerbundrat beauftragt worden war, bei den Regierungen der Mandatarmächte eine Untersuchung über die Nationalität der Bewohner.der.Mandatsgebiete anzustellen, hat ihre Aufgabe erfüllt. Sie hat sich nach Paris, London und: schließlich nach Brüssel begeben, wo sie mit den Vertretern der Außenministerien und der Kolonien konferierte.; Ihr Bericht wird dem Völkerbundrat bei seiner nächsten: Sitzung, unterbreitet werden. Irland — Dominion. London, 3. Dezember. (Reuter.) Nach dem Regierungsvorschlag zur Regelung der irischen Frage soll das Statut der britischen Dominions 26 süd- und westirischen Grafschaften verliehen werden. Die Grafschaften von Ulster sollen diesen 26 nicht angegliedert werden, solange Irland ihre Angliederung nicht verlangt und die Autorität des allirischen Parlaments nicht anerkennt Hunger und Cholera in Rußland. Moskau, 3. November. (Funkspruch.) Die Ernährungslage in der Tatarenrepublik ist äußerst kritisch. Es werden 4000 Todesfälle von Erwachsenen und 948 von Kfndern gemeldet. Die Lage wird täglich schlechter. Die Bevölkerung stirbt familienweise aus. Im Kreise Pugatschew im Gouvernement Samara hat der Hunger ganz außergewöhnliche Ausdehnung gewonnen. Im Kreise Huzulüsk tritt nach Aufhören der Cholera Typhus und Disenterie auf. Arbeitslosigkeit in England. London, 3. Dezember. (Wolff.) Die Zahl der Arbeitslosen hat sich in der letzten Woche auf 1,832.400 erhöht Englische Truppen hach Oedenburg. London, 3. Dezember. (Wolff.) Die englische Regierung hat zur Ueberwachung der VoLsabstimmung in Oedenburg 150 Mann aus Oberschlesien entsandt UgSt Wea«« WeSne* Regien 1^®"* kaufen Sie billig und gut im PELZHAUS BRAININ Wien, Bli, Glockengasse S 487 Großes Lager in Pelzwaren aller Art cn gros und en detail Tagesbericht. Ruhe in Wien. Vierzig Plünderer stellig gemacht. — Die Siegesfeier. Au-cih der gestrige Tag i»st im veiler Ruhe verlaufen. Im vorgestrigen Arb eit errat zollibe Dar. Fritz Adler im Rsurmon eines Referats über die politische Lage den Wachleuten für ihre Geduld tmd SdibstÜberwindung seine Aineikenmumg., 134 Verhaftete seien sahon au£ freiem Fuß. Sie seien politische Demonstranten und.hätten (keine weiteren Folgen zu 'befürchten. 15 wurden ipoi'izeiUclh bestraft und sind aiu'di sdho-n auf.freiem Fuß. Gegen 145 liegt - aimdh der Meinung der. Polizei etwas vcir, was eine Anzeige ain die Sibaats'anwal'tisabaft bedingt,. aber ancih sie wenden auf freien Fuß gesetzt. Es blieben 40 übrig,-die dem Landesgeniebt eingeliefert wunden, weil sie an einer Plünderung beteiligt vviaren oder bei denen etwas gefunden wurde. Wir. müssen von der Regierung fordern daß sie die G e s e t ze, die sie in Aussicht gesteift bat,' Ll-sbakd im Parlament' einbringe, Es warne der schwerste ipolitiiisöbe Fehler, wenn - wir sagen. wollten, wir übernehmen die Regierung, um dem Bürgerhum die Kastanien aus dem Feuer zu holen. D r.- Otto -B a u e r, derhierauf das Wort ergriff, erikdätte, daß die Besdhlaigmaibme der >Roten Fahne« eine Diummdieit war. Weiters führte er aus, daß die Lebensmittelzuschüsse mehr, als 25 Milliarden Kronen ausmaohen. Die Kinderversioherung werde verwkilplidbt yverden, das sei ein Erfolg 4'?s Kampfes. : Von seiten der Poiäzei wind geltend gemacht, •daß sie vielleicht die Möglichkeit gehabt hätte, die Plünderungen zu verhindern, dracih hätte sie in diesem Falle von den D d en s tr e vol vera Gebrauch; machen müssen, -wodunoh sie.möglicherweise auch nO'Oh den be-sennen gebliebenen Teil der Arbeiter*. .Schaft gegen sich aufgebracht hätte. , Es,sei kein Zweifel, daß. die -Vorfälle auf kommustische Agitation zurüdkigeheny die gegenwärtig .in Berlin eine Zentrale habe, die mit russischem Geld arbeite. Während-die Kaffeehäuser wahllos zerstört und daher auch solche betroffen wurden, deren Staminigäsite den Söh^elbergesehäfitein; . förni3töhen,; . erfreuten sich .die \Vein^feiben, die - zum Teil deri Rendezvousoxtd£r.ärgsten^SIchleiohhänidiler äfogeiben, der wohlwollenden Scfboiii'mng der Exzedenteh. Io einer dieser Weinstuben wurde Donnerstag abends eine förmliche Siegesfeier -veranstaltet, bei der der Wein in Strömen floß. Eimer der »Sieger« machte eine Zeche von 6000 Krönen'und bezahlte mit einer Zeh n.taus endkr ernenn ote; -; Viele Kreise fürchten,daß, die- Exzesse den großstädtischen Glanz, - durch den Wien bisher die Hauptstädte der anderen Nachfolgestaaten übertroffen habe, endgültig ausgelöscht haben. Den« einerseits wunden alte Kunistsahätze vernichtet, an deren Ersatz überhaupt nicht zu dtenlken sei, andrerseits würden die ängstlich .gemachten Kaufleute sich' in Hinkunft hüten., die , Auflagen so •prächtig. . auszu'statten, wie dies .bisher für das Straßenbild Wiens . charaiktcristisoh war. : ... - . Interessant -ist der Umstand,' daß zu den von den Plünderungen am--ärgsten. Betroffenen der antisemitische : Wirtschcftsverhamd deir.'Beiufeg.aigi.steng'ehÖTit, der im’ Schwarzenberg-Kasino seinen Sitz hat. Sein Präsident, der Abgeordnete Kollarz, wurde .verprügelt und hatte' somit die Genugtuung, die Popularität des von seinen- »Frontkämpfern« propagierten ipolitiselben Arguments - praiktisdh festste 11 eh zu 'könhen. ■ Natürlich war es" aiber reiner Zufeil, daiß auch -diese judenreine Gesellschaft in Miililcid-omscihaft gezicge-ü. würde. Denn während zum Beispiel aiüf der Mairiähilf er Straße zwei jüdische Geschäfte beschädigt . wurden, bl leben die von böl'gkeb-kierilkiailem Kapital unterstützte »Große Fabrik« von Stephan Esders und die christlicheotzlale Bajuemtbaink der Herren G eßmamm und' Sch ö pF er unversehrt. Wein einer antiklerikalen Spitze der »Demonstration« kann also keime Rede! sein. Die Herren nahmen wahllos, wo sie. etwas, fanden, und ein Gast des Hotels Bristol konnte nur; dadurch einen Teil seines Eigentums retten, daß er sich an der Plünderung seines Hab und Guts — beteiligte und mit den Ei drinigl fragen um die; Wette zntciriff. ' ■ 1 Die Polizei hielt aüch geistern strenge Bereitschaft. Starke Patrouillen durchstreiften die Straßen. Von der Verhängung deis Standrechtes ist man im Hinblick auf die. eingetretene Beruhigung abgekommen. Zur Feststellung de>s Schaden« wird eine Schätzungslkommission auis Veritreteirn der Behörden, der Kaufman-n'schaft -und der Gastgewerbe gebildet werden. In informierten Kreisen wird der Schaden an Glas auf mehr als eine Milliarde Kronen geschätzt. Im Hotel B r i s -t o I allein wurde für mehr als 100 Millionen" Kronen Glas vernichtet, darunter Spiegel-, deren Qualität nicht mehr zu ersetzen ist. *Die Plünderungen. Beim Stadtkommissariat wurde eine Reihe weiteret Anzeigen über Plünderungen, denen Hotelgäste und Straßenpassanten zum . Opfer fielen, erstattet. Der in Lausanne ansässigen Privaten Klara Morpurgo (Hotel Bristol) wurden Gegenstände und eine kostbare Perlenkrawattennadel inj Werte von etwa 10 Millionen Kronen geraubt. Dem Karlsbader Arzt Dr. Martin Harden (Hotel Bristol)und sei er. Assistentin Hedwig Kramer wurden Gegenstände imi Werte von I 5 bis 20 Mil 1 i ö n e n. Kronen geraubt. Der Kunsthändler .Louis Eichberger aus Bad Ischl hatte im Vestibül des Hotels eine Vitrine mit verschiedenen Kunstgegenständen ausgestellt. Die Vitrine wurde ausgeraubt. Der Schadee beträgt 2 bis 3 Millionen Kronen. In der Kärtnerstraße wurde dem Fouragehändler Alois W 01 f.s b e r g e r aus Perchtoldsdorf von Plünderern eine Brieftasche mit K 108.000 geraubt Der im Hotel Bristol wohnhafte schwedische ✓Ingenieur Axel Charles Aggla fuhr am 1. d. M. um etwa 3.Uhr im Automobil gegen den Aspernplatz. Beim Hause' Stubenring 6 wurde das Automobil von Plünderern angehalten. Der Chauffeur wurde vom Sitze heruntergerissen, Aggla arg mißhandelt, so daß er am Kopfe eine Rißwunde, an der linken Hand mehrere Wunden erlitt und aus dem Munde blutete. Die Demonstranten entrissen ihm die Brieftasche mit 5 0. englischen Pfund und 200.000 österreich i sehen Kronen und die goldene Uhr mit Lederkette. Der Repräsentant der Allgemeinen Versicherungs- A.-G., Filiale Prag, Bruno Raab e, I., Schottenring 13, fuhr am 1. d. M. gegen V46 CJhr abends in einem. Privatauto, durch die Universitätsstraße. Ein Haufen Plünderer "hielt ihn an und raubte den Autopejz, die Brieftasche mit tschech. K 5000, einigen tausend deutschösterreichischen Kronen, und die goldene Doppelmanteluhr. Der. Schaden beträgt zwei Millionen Kronen. Doppelt beraubt wurden der Autobesitzer Hermann Marbach, VI., Fillgradergasse 9, und seine Frau, die Tänzerin Paula Marbach. Er fuhr mit ihr und dem Stubenmädchen irn Auto über den Opernring. Da wurde das Auto von Plünderern angehalten. Die drei Personen wurden v e r p r ü g e 11 Der Frau stahlen sie. eine goldene Handtasche und K 4000, dem Stubenmädchen K'6000. Indessen stahlen die Plünderer des Schwarzenberg - Kasino seiner Frau aus der Damengarderobe Kleider im Werte von K 130.000. Die Christlichsoziaten über die Vorfälle. *. Die Christlichsoziale Vereinigung versendet durch .die Korrespondenz Austria einen Bericht, in -welchem sie sich über die Ereignisse vom 1. Dezember äußert: Inter- : essant daran-ist, daß die christlichsoziale Partei „mit Entschiedenheit alle Versuche zurückweist, Regierung und Parlament vom der Straße her in ihren Entschließungen beeinflussen zu wollen. Sie verhehlt sich nicht, daß die gerade inder letzten Zeit ins Ungemessene ansteige de Teuerung inj Zusammenhalt mit den Vorgängen an der Börse, die trotz aller Maßnahmen der Regierung immer noch der Spekulation ungeheure .Gewinne ermöglichen, die notleidende Bevölkerung aufs höchste erbittern muß. Die Partei stellt aber fest, daß S t r a ß e n d e m 0 ns t r a t ionen.das; ungeeignetste Mittel sind, die wirtschaftliche Lage irgendwie zu verbessern, sondern im Gegenteil das Vertrauen zu unserem Staat und unserer Wirtschaft im In- und Ausland noch mehr erschüttern müssen. Diese Vorfälle sind umso beklagenswerter, als sie in eine Zeit fielen,, in der Regierung und Parlament ihrerseits das Menschenmögliche tun, um auf dem Wege der. Selbsthilfe den drohenden finarzieilen Zusammenbruch zu verhüten.“ Das steht in einer Mitteilung der christlichsozialen Partei. Das jüdische Kinderdorf Kefar Giieadi. Von Dr. Hugo Bergmann, Kustos der Nationalblbliothek Ifl Jerusalem. . . Am äußersten-.m-ördilidhien- .Funkte. Ptailastiimiäs, welches heute modi untter frarazöaiisiclbör Sdluuibzibeinröclbaft sfceih’tty aibei* 'blmmein. kurzemdem-brildsdhein Teriri'toriLim ■ an-gegliodert werden soll-,..'.-liegt- ... das. Jkilei'ne jüdi&chie Dicirf-; Kefar Giieadi. Es iisil sch/ade, daß die chlshschW- Touiriisitein m PsilsslMis.'.nöirid-" 1-iioh nickt wei-tea*. ' aJte,.;-. bia. -Rosdh-Piniaih oder Safod f.lkio-m'miein. .umd darin iiaimfkehren, wie# sie elmen kleinen Riiit, dürcili.; dais .wil-de uind nidl-it sefturwegsaime Gabiiel sdheuen. Und do^E'i.1 hegininit hier ein Stück neues Paiä»ü'na. ., ZaihlUos^-.^Qiuellen , eaitepri'nigen (hier dem .Gola-ngeiblrge und-eohmen ilbren raudben Laiuf. „iu deii Menomsee, dessen ICüsiten. mit schwer 'beladeneu Oeilbäumien umsäuimr sind. Weiitlm ist der sebneebedeckte Gipfel des Herrnon siüht'bair, der seim-Q Schaitten über die grünen Gewisser aiuisbreit-et. Die mäcibsiie Idmigebiutnig yedoidh ist vioin Stidipflanizen uimd wildem Wein bedeckt, Je jmelhir wir den Weg, der 7Aim Kefar Gileaidii fiühint, ainsitedgen umd uin.s dem Dorfe nälbe-nni, desibo kühler -umd reiiner wird die Luft und d-a.s Klima gesünder. Baldwird mian d:as lang* gestreckte, .«niedere, Ziegc-Miauis von Tel - Clhiai ge* m Jac. Mayer Sli Tafeorsüraße m 1 Fernruf 41-6-34 Große -SperS^asse Nr. LS Fernruf 46-6-21 im Glockengasse Nr. 24 ■■■■ Eigene Werkstätten für i3! Kleider und Wäsche *