Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1020 (1.12.1921)
- Date
- 1921-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Donnerstag < WIENER MORGENZE1TUNC »1. Dezember 1921 Nr. 1020 -— .- . .." .--r -I" T-.-mr -...' * '* — —— ■ — » - — - - ...... ' - , —„n, * Keynes und Poincare. Aus Paris wird gemeldet: Der bekannte englische Volkswirtschaftler Keynes, der Deutschlands ' Bankrott für den Monat April des nächsten Jahres verausgesagt hat, hat an den „Temps“ einen Brief gerichtet, worin er die Beschuldigung Poincards widerlegt, als ob er in seinen Berechnungen die Entwertung des Geldes nicht berücksichtigt hätte. Er schreibt: „Kann ich eine Frage stellen? Läßt sich die französische Öffentliche Meinung wirklich noch immer von der Rhetorik Poincarös beeinflussen? Es scheint fast unglaublich, daß die ganze Intelligenz so vollständig kapituliert hat? * Die neuen Tarife. Heute, Donnerstag, treten die; neuen Postgebühren und Telegraphentarife in Kraft. Wie wir bereits früher berichteten, beträgt nunmehr die Gebühr für einen gewöhnlichen Brief K 10, füreinen Lokalbrief K 7.50, für eine Postkarte K 5 und die Einschreibgebühr K10, Ausländsbriefe K 25. Bei Wertbriefen ist die Wertgebiihr mit K 1.0, für je K6000 bemessen. Bei Postanweisungen sind für je K 1000 oder den angefangenen Teil davon K 5; zu entrichten. Die Gebühr für Pakete steigt von K 50 für- 1 kg und K 100 für 5 kg bis auf K 500 für 20 kg. Für die Zustellung eines Pakets in Wien hat der Empfänger dis - 5 kg K 30, über 5 kg K 50 zu zahlen. Bei Telegrammen beträgt im Inlandverkahr die Gebühr für jedes Wort K 10, die Mindestgebühr für ein Telegramm K 100. Für alle an Sonntagen nach dem Inland aufgegebenen Telegramme ist die dreifache Wort- und ebenso die dreifache Mindestgebühr zu entrichten. * Begräbnisse am heutigen Tage. Alter Friedhof: 10 Uhr Mandelik Marie, 10 Uhr 30 Min. Wessely Paula. Neuer Friedhof 9 Uhr Apter Nathan. * Wetterberichjjt. Das Wetter ist in Oesterreich verwiegend heiter, nur auf wenigen Stationen hielt der Morgennebel auch tagsüber an. Voraussage: Vorwiegend heiter, zeitweise neblig, etwas wärmer, südöstliche Winde. * Einstellung der Annahme von Frachtstückgütern ftt den Stationen Wien-Westbahnhof und Wien-FTanz- Josefs-Bahnhof. Wegen Ueberfüllung der Magazine wird in den Stationen Wien-Westbahnhof und Wien-Franz-Josefs- Bahnhof die Annahme von Frachtstückgütern in der Zeit vom 1. bis einschließlich 3. d. M. eingestellt. Zugelassen bleiben nur Lebensmittel. - * Das arbeitende Palästina. Das soeben erschienene erste Heft der von der Zentralverwaltung des Palästina- Arbeiterfonds herausgegebenen Monatsschrift „D a s arbeitende Palästina“ hat folgenden Inhalt: 1. Die Aufgabe, S. Rub'aschow; 2. Von Haifa bis jetzt, B. Katznelson; 3. Oeffentliche Arbeiter, D. Hos; 4. Die , Werkzeugsammlungsaktion in Amerika, H. Ehrenreich; 5. Widerhalle, L Arbeiterschutz, A. Heimischer; 6. Unter der palästinensischen Arbeiterschaft: a) Die . Gewerkschaftsbewegung in Jaffa; b) Die Krise in der Telegraphen- und Telephonarbeit; 7. Palästina-Aroeiterfonds; 8. Für die Arbeiterbank; 9. Aus der Pionierbewegung; 10. Einwanderungschronik; 11. Literarische Notizen: a) „Hamaza“ von J. Ch. Brenner, D. Schimanowitz; b) Das Sammelbuch Hachel, R. K. Preis K 50. Redaktion: Wien, XIX., Sieveringerstraße 26/4. Administration: Wien, II., Obere Donaustraße 111/55. Vereine, Vorträge und Versammlungen.* . JugendgruppeEsra. Heute, 7 Uhr abends, In Bayers Restaurant, II;, Venedigerau. Vorlesung B. Landau. Gäste willkommen. — Jüdische Tischgesellschaft Landstraße. Heute, 8 Uhr abends, Zusammenkunft im Cafe Gartenbau, Souterrain lokal. Programm:!l-. Wochenschau, 2. Geschichtlicher Vortrag Dr. Gelber. * Gäste herzlich willkommen. — Zionistische Sektion Innere Stadt. Heute, 8 Uhr abends, Cafe Rabl, Wien, L, Wallnerstraße 2, Dr. Karbach, Zeitungsreferat. — Zionistische Bezirkssektion IV. /V. Heute, . 8 Uhr abends, Cafe Margareten, -V.. Wiedner Hauptstraße 87, Ausschußsitzung. Bericht über den außerordentlichen Parteitag. — T h e o 1 o g i a, Verein jüdischer Hochschitier an der israelisch-theologischen Lehranstalt in Wien, ln der ersten ordentlichen Generalversammlung am 22.- d. M. wurden die folgenden Herren in den Ausschuß gewählt: Manfred Papo, Präsident; Hirch Taubes, Vizepräsident; Josef Wahrhaftig, erster Schriftführer; Egon Levin, zweiter Schriftführer; Mordko Gionsteln Kassier; Joachim Wilhelm Hirschberg, NationalfondskommissSr. . „RembrandtundseinejüdischeUniw e 1 t“. Samstag den 3. Dezember um 7 Uhr spricht Universitätsprofessor Dr. Max Eisler im Rahmen eines vom Verein für -jüdische Geschichte und Literatur veranstalteten Vortragsabends über „Rembrandt und seine jüdische Umwelt“. Karten: Kasse der „Wiener Morgenzeitung“, II., Taborstraße 1/3, Buchhandlung Löwit, I., Rotenturmstraße 22, Kartenbureau Aida, II., Taborstraße 7. Urania. Heute, Donnerstag, 5 Uhr (Großer Saal) Der Kampf mit dem Berge. I. In Sturm und Eis. — 726 Uhr (Kleiner Saal) Sektionschef Dr. Hans S c h I i 11 e r: Geheimbünde im XIX. Jahrhundert, IV. — V26 Uhr (Kurssaal) Professor Dr. Robert M ö c k e 1: Begabung, Schule und Beruf, I. — V»6 Uhr (Klubsaal) Dr. Susanna Schmida: Das Problem des Tragischen, III. — */,8 Uhr (Großer Saal) „Die Bildschnitzer“. — „Erde“. (Wanderbühne.) — 7s8 Ohr (Kleiner Saal) Primarius Dr. Bernhard S p e r c k": Die Sozialanthropologie. — V28 Uhr (Kurssaal) Dr. Gustav ,Strakosch-Graßmann: Hungersnöte und Währungskrisen, V. — 7*8 Uhr (Klubsaal) Dichter der Neuzeit, V. Dr. Erich Fortner: Rudolf Heubner. Ernährung. Der Marktbericht. Weitere sprunghafte Preiserhöhungen für Fleisch, Fett, Gemüse und Obst. Gestern sind abermals sprunghafte Erhöhungen für die lebenswichtigsten Artikel auf den Wiener Märkten eingetreten. In der Großmarkthalle verteuerten sich im Großhandel Rindfleisch um K 60, Rindsbraten um K 120, Speck und Filz um K 150, Kalbfleisch um K 10, Kälber ünt K 40, Schafe um K 10 bis K 70 per Kilogramm. Diese Preiserhöhungen traten auch im Detailhandel in Erscheinung und es wurden hinaufgesetzt: Vorderes Rindfleisch um K 60, Hinteres um K 80, Bratenflcisch um K 30, Speck utld Filz um K 100 per Kilogramm. Im Detailhandel galten in der Größniarkthalle folgende Preise: Vorderes Rindfleisch K 480 bis 680, hinteres Rindfleisch K 500 bis 720, Bratenfleisch K 680 bis 780, Speck und Filz K 1200 bis 1700. Auf dem Fischmarkte wurden auch die Preise für lebende Karpfen um K 20 per Kilogramm erhöht, so daß sich ein Kilogramm uuf500 bis 800 stellte. Das Angebot an Rindfleisch Nur wir allein sind die Billigsten in hochfeinen Stoffresten, Seldenresten, Samten, Chiffonen und Futterwaren ICANN & FRIED VI., Unke Wienzeile 40 (im Hofe) reichte weit über den Bedarf, es standen über 115.000 Kilogramm zur Verfügung. Aus Ungarn waren neun Waggons mit insgesamt 58 Tonnen Rindfleisch, Kälbern, Schafen und Schweinen angekommen. Trotz der enormen Preise gestaltete sich der Verkehr lebhafter als an den Vortagen. Auf den Grünwarenmärkten war die Beschickung schwächer ausgefallen. Der Naschmarkt war infolge der Kälte bloß von neun Gärtnern besucht. Der Verkehr hielt sich jedoch in engen Grenzen, so daß mit den Vorräten das Auslangen gefunden wurde. Infolge der neuen Frachttarife werden von heute ab die Preise für Kartoffeln, Kraut und Gemüse, die von auswärts kommen, neuerlich in die Höhe gesetzt werden. Inländische Kartoffeln kosten von heute .ab auf den Märkten K 66, in $en Bezirksgeschäften K 69 per Kilogramm, der Preis für Weißkraut wurde mit K 38 auf den Märkten, mit K 40 in den Bezirksgeschäften per Kilogramm festgesetzt. Eier fehlten. Ein weißer Wecken — 148 Kronen. Die Bäcker werden ab heute 148 Kronen für einen weißen Wecken fordern. Dies wird mit der Erhöhung der Löhne der Bäckergehilfen und den erhöhten Gestehungskosten des Mehls begründet. FREIE JÜDISCHE VOLKSBÜHNE Gastspiel Im LUSTSPIELTHCATER 7 Uhr abends: DER DORFSJINti ““'.Ä Kobr““” MT DAS THEATER IST GEHEIZT! -M, Bühne und Kunst. Leosch Janaceks neue Oper „Katja Kabanowa“. Von Max Brod (Prag). . Ostrowski, der russische Dramenklassiker (1824 bis 1886), von Dostojewski häufig zitiert, ist bei uns so gut wie unbekannt. Die einfachen naiven Linien seiner Lustspiele gemahnen an Raimund. Nur wird viel Schnaps getrunken und Hochstapelei getrieben. Einige dieser interessanten Stücke sind jetzt durch die Wandertruppen des Moskauer Künstlertheaters nach dem Westen gebracht worden, ohne sonderlich zu zünden. In Rußland sind sie der feste Stock jedes Theaterrepertoires. Nun aber ein Ereignis: Dem bedeutendsten Werk Ostrowskis, der Tragödie „Sturm“, hat Leösch Janacek das Buch seiner neuen Oper „Katja Kabanowa“ nachgeformt. Eine russische „Madame Bovary“. Weniger kunstvoll, aber reiner, adeliger im Gefühl. Zugleich ein großartiges Symbol des zarischen Rußland, heute glücklicherweise schon von ' h i s 10 r i s c h e m Wert. Die Despotie, und Volksverdummung vöti obenher setzt sich in j£de einzelne Familie als unerträgliche Tyrannis des stärksten Familienmitgliedes fort. So leidet die zarte, religiös-romantische Katja unter der dunklen, gewalthaberischen Mutter ihres schwachen Ehegatten. Sie sucht den Weg in Liebe und Freiheit hinaus. Aber ihr Gewissen erträgt den Ehebruch, die Lüge, nicht. Ohne äußeren Anlaß, won niemandem in die Enge getrieben, freiwillig, gesteht sie vor allem Volke ihre Sünde und springt,dann in die Wolga, die — Symbol der trägen Unaufhaltsamkeit, der fühllos hinströmenden Masse in jenem alten Rußland — alle sechs Bilder der Oper, und alle Takte ihrer Partitur durchflutet. In dieser Partitur hat Janacek die geschlossenste Arbeit seines Lebens geschrieben. Janacek' ist durch die Aufführung seiner „Jenufa“ an der Hoföper in Wien und durch den starken Erfolg in K ö 1 n nun auch deutschen Bühnen kein Fremder mehr. Unter den lebenden tschechischen Komponisten die stärkste Eigenart. Da er durch, und durch ein Eigener ist, kann er unter die Gruppen der musikalischen Moderne schwer eingereiht werden. Unabhängig von Musorpski, fast gleichzeitig mit ihm hat er den Weg der volkstümlichen Rhythmen, des dünnen Orchestersatzes, der magisch verfärbten, dunklen Harmonien genommen. Durch jahrzehntelanges 8ichversenken in den Schatz mährischer Volksmelodien hat er das Geheimnis eines neuen, keuschen, einfachen, natürlichen, akzentreichen Musikausdrucks gehoben. Rhythmen von verzehrender, fast barbarischer Kraft wechseln mit zartestem Ariosö. Es gibt eine Episode sordjnieiter Streicher, im Abschiedsduett Katja-Boris knapp vor ihrem Tod, da stockt einem vör Seligkeit das Herz. Und oft und oft erreicht diese Musik die Grenze, hinter der man schon den Eintritt In das mystische Reich des Alles und Nichts erahnt ... In Brünn, am 23. November, gab es bei der Uraufführung einen beispiellosen Erfolg. Nach jedem Akt wurden die Darsteller, mit dem tüchtigen Kapellmeister Neumann (ehedem in Frankfurt) an der Spitze, soyie Janacek wiederholt gerufen. Der menschlich tiefrührende Text wird vielleicht mithelfen, dieser Meisteroper den Siegeszug über die deutschen Bühnen zu bahnen. Mach sechzig Jahren voll vön Mühe und zähen Kämpfen gege1 eine meist widerspenstige Umgebung ist dem Komponisten der glücklich^ Zufall des wirksamen Textbuches von Herzen zu gönne . Doch seine Musik allein hätte genügen müssen (ginge es auf dieser Welt mit rechten Dingen zu), ihm n 0 c h bei Lebzeiten eine Weltberühmtheit, ähnlich der Puccinis, zu schaffen. Volksoper. Wohlabgetönte Aufführungen von „Tosca“ und „Madame Butterfly“ gehören bereits zum eisernen Bestände der Volksoper, die nun mit einer durchwegs gelungenen Einstudierung der „B 6 h ö in e“ ihr Puccini- Repertoire weiter äusgebäut hat. ln der „Boheme“ weht noch der frische Luftzug der Jugend und ihr Gesang wirbt; noch nicht sö zärtlich schmeichelnd Wie späterhin. Zu den gutgezeichneten Gestalten des Poeten, Musikers, Malers und Philosophen, die in Freud und Leid ihren Künstler*, frohsinn bewahren, kontrastieren glücklich die todgeweihte' Mimi, die nach dem .Leben strebt und die bei aller Leichtfertigkeit gutherzige Musette; in der Musik vereinigen sie sich alle in einem breit dahinfließenden Melodienstrome. Herr Ritte'rsheim als Poet und Frau de D e b i c k a als Mimi verbanden ihre schönen Stimmen zu schönster Wirkung und Frau Gero sowie die Herren Tauber,! Brand und Baum a n n stellten sich mit aller künstlerischen Wärme in den Dienst der Aufführung, die, von Herrn Gruder-Guntrain geschmackvoll inszeniert und von Kapellmeister de Ster mich schwungvoll geleitet, einen vollen Sieg errang. flb* Aus den Theatern. ' Im Burgtheater gelangt heute, Donnerstag,’ „Madame Legros“ zur ersten Aufführung und morgen, Freitag, zur Wiederholung. In der Staatsoper gelangt morgen, Freitag, „Lohengrin“, mit Kammersänger Fritz Fejnhals vom Münchener Nationaltheater als Telramund, zur Aufführung. — In der heutigen Ballettaufführung „Die roten Schuhe“ im Operntheater ist die Hauptrolle zum ersten Male mit Fräulein Buchinger besetzt. „ . In der Volksoper geht heute, Donnerstag, „Aida“ unter musikalischer Leitung von Direktor Felix Weingartner, mit Frau Pfiffer In der Titelrolle, in Siene. Als Anuieris gastiert Madame Charles Cahier, als Radames- Herr Karl Fischer-Niemann vom Operntheater. Die übrigen Partien sind mit Fräulein Huber und , den Herren Lazer,, Kaplan, Brand und Dr. Kroegler besetzt. Beginn 7 Uhr. Im Deutschen Volkstlieater gelangt Artur Schnitzlers ans vier Einaktern bestehender Zyklus „Lebendige Stunden“ neu 'einstudiert und inszeniert Mittwoch den 7. d. M. zur Aufführung. Spielleiter Dr. Heinz* Schulbaur. . In den K a in m e r s p i e 1 e 11 findet die Uraufführung des Nocturno „Morphium“ von Ludwig H erz 2 r Dienstag den 6. d. M. um 10 Uhr als Nachtvorstellung statt.! In Hauptrollen sind beschäftigt Frau Wagner und die Herren Beregi, Homma und Brady. Spielleiter Dr. Heinz Schulbaur. In der Neuen Wiener Bühne wird heute, Donnerstag, „Die fremde Frau“ („LafemmeX“) zum ersten Male aufgeführt und morgen, Freitag, bis inklusive Sonntag, wiederholt. In der Roland-Bühne (JtidischeBllhn e), II., Praterstraße 25, gelangt heute, Donnerstag, und morgen,! Freitag, L. Jungwirths Volkstück in vier Bildern' „Der Meine! d“ („Gott’s Mispel“) zur Aufführung. Jüdisches Volkskonzert. Bei einem von PröfeSsor Ehrlich veranstalteten jüdischen Konzeft durfte. man wieder des launigen, nuancenreichen Liedvortrages der Frau Mali P i c 0 11 unddes aus der Tiefe des Gemüts schöpfenden Gesanges des Herrn Isaak D e u t s c h-. froh werden. Dazwischen spielte Professor Ehrlich eigene Klavierkompositioncn; er begann verheißungsvoll mit dem. „Sabbatabend beim Rabbi“, der jüdische Melodien wirkungsvoll gestaltet, Die -späteren Stücke enttäuschten: Der „jüdische Walzer“, der keinen Walzertakt bat, der „Jüdische Bettler“, der im Drehofgelmotnreinen matten Abklatsch von Schuberts „Leiermanu“ bietet, ein weiteres! Stückchen, das sich „Palästina“ nennt und wohl in seinem- Quartenmotiv eine ungestillte Sehnsucht ausdrücken soll, sind technisch all zu primitiv gestaltet. Der Beifall war stark und galt wohl auch der dankenswerten - Energie, _ mit der sich Ehrlich für Erforschung und Verbreitung ostjüdi-i scher Volksmusik einsetzt. flb. Vorträge Blanka Glossy. Sonntag den 5. Dezember,; 7 Uhr, wird Burgschauspielerin Blanka Glossy im Volksheim, XVI., Koflerpark 7, Schwänke vortragen und heitere Lieder singen. Karten von K 10 bis 90 beim Hauswart. Buchausstfellüngen. In den fciurnen der Buchhandlung R. Löwit, I., Rotenturmstrasse 22, finden regelmäßig Ausstellungen der Gesamtproduktion bedeutender deutscher, Verlagsanstalten statt. Vom 1. bis 16. Dezember stellt die Buchhandlung den R i-c-ol-a-Verlag aus; vom 16. bis 31. Dezember den Propyläen - Verlag, vom 1. bis 15. Jänner 1922 den D r ei-Masken- Verlag und vom 16. bis 21. Jänner 1922 den Piper -Verlag. Zwang-j , lose Besichtigung ohne Kaufzwang ist erbeten. Eine Sammlung Von 4000 jüdischen Liedfern.' Der bekannte Historiker der jüdischen Musik, A. Z. I d e 1 s 0 n, > wird, wie die „Zionist Review“ mitteilt, eine Sammlung von 4000 jüdischen Liedern herausgeben, die er seit 15 Jahren aus allen jüdischen Zentren zusammengetragen hat. In einem längeren Artikel behandelt Idelson die Musikpflege jit. Palästina und kommt zu dem Schluß, daß nur die neue, in Palästina geborene Generation imstande sein wird, einen von ihrer semitischen Umgebung beeinflußten Stil zu entwickeln, der sich an 'die alte hebräische Musik anschließt und neue Schöpfungen hervorbringt. Gerichtssaal. Eine Mutter, die ihre Töchter verkuppelt' Vor einem Schöffensenat des Landesgerichtes H unter. Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Dr. W i 1 h e 1 m hatten sich die 36jährige Monteursgattin Cölestine Kern wegen Verleitung ihrer beiden unmündigen Töchter zu unsittlichen Handlungen, der Gesellschafter der. Wiener Wach- und Schließgesellschaft Gustav H ä r t m a n n wegen Mitschuld an diesem Verbrechen und der gewesene Beamte der, Wiener Polizeidirektion Leopold Hopp wegen Notzucht zu verantworten. Der Erstbeschuldigten lag zur Last,.in; ihrer Wohnung am Neubaugürtel gewerbsmäßig Unzucht getrieben zli haben. Diesem lasterhaften Leben hat die Angeklagte auch ihre beiden Töchter, diedamals noch schulpflichtig waren, zugeführt. Gustav Hartmann, der mit der Angeklagten ein Verhältnis unterhalten hat, wußte von. diesem Treiben und hat es norii dadurch unterstützt, daß er schamlose Bilder von der Mutter und ihren beiden Kindern herstellte und mit den Mädchen Gasthausbesuche il- Jat. Mayer l|fSAM || Taborstraße 44 Fernruf 41-6-34 Große SperSgasse Nr. 29 Fernruf 46-6-21 ■ ■hh Glockengüsse Nr, 24 Eigene Werkstätten für Kleider und Pelze 13I