Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1016 (27.11.1921)
- Date
- 1921-11-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 1016 Men. Sonntag SBEcwcs Msrgrrrz-Lrtrzng 27. November 1921 Seite 6 TelegrsrMme. Abschaffung der ExLerritoriaULat in China. Paris» 26. November. (Tel.-Komp ) Der „New Bork Herald" meldet» daß China auf der Washingtoner Konferenz einen großen Erfolg errungen habe. Die Vertreter der neun Möchte haben China ein wichtiges Zugeständnis gemacht, und zwar wurde, einem chinesischen Vertrage zufolge, die Abschaffung der Exterritorialitäten in China anerkannt. Die Annahme dieser Forderung bedeutet, daß die Ausländer in China der chinesischen Gerichtsbarkeit unterstehen. * Das Mansche Bureau mckdrt aus Washington, daß der ttuteraussckuß, der vom Aussckuß der Ko> ferenz für drn fei uro Osten ernannt wu>de und dessen Vorsitzender Senator Lodge ist, g sich mit der Frage der E? territorial'tat in China zu bei ssrn | beabsichtigte und den Entwurf einer Entschl eßrrng, betreuend d e Ernennung ener i n t e r n»a t i o n a i e n m m i s s: o n - vonJuriste«. ausarbeiten werd', die sich «ach Ctnna - begeben soll, um das chinesische N e ck t s s y si e m zu u n 1 e r s« ch e n und fesizustellen, ob d'cses Shsienr genügend - entwickelt sei, um die Abhebung der Exlerriiorirlitätsrechte der ’i Ausländer zu rechlfertigen. % Ereil rmd Asquith für eine Revision s? der WeltPvltttk. , Lsndsir ,ÄZ. November. (Wolss.) Lord Robert Ce eil trat in einer Rede, die er in Croydsn hielt, für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund cin; doch müsse i» dieser Flage Frankreich bic Führung übernehmen. » Nerveastle, 25. November. (Wolfs.) Asquith erklärte in einer Rede, der Wieder Herstellung Europasei nur rnögl ch. wenn drei Maßnahmen getroffen würden: die Revision?. Ve 5 S er t r a g e # von BersaillrZ, deAnnrillierung, t{r\ux alliierten Kriegsschulden und die Besritignug der Zo l I* -ich ranken. Deutsch-polnische Konferenz. - Gerrf» 26. November. (Wolfs.) Die deutsch- ..polnische Konferenz kam heute zu dem Beschluß, daß 'die-Unterausschüsse ihre Sitzungen in Oberschlesien abhalten. Der griechisch-türkische Konflikt. Lsvrdon» 25. November. (Harras.) Wie die ..^imes" melden, habe die englische Regierung für den Monat Jänner die Einberufung einer Konferenz 5ur Regelung des griechisch-türkischen Konflikts angeregt. Ein Ltalienisch-franzöfifcher Zwischenfak. Paris, 25. November. (Funksvruch) Wie aus T a r i n gemeldet .l i.d,dlangrn mrsefädr 10V Studeutcu, die wegen der augeblichen Rede BriandS über die italieudche Armee erregt «arm, m das französische Konsulat ein und zerstörte» dieEinnichtungrq e g s n st ä » d e. Die Polizei zerstreute die Demonstr anten. Der italienische Botschafter « Paris hat sei« lebhaftes Bedauern über die Vorgänge i« Turin anszesprochen. Bouuevey erklärte, daß die englische Regierung die Urheber der Zwischenfälle besiursen werde.! l Samt und Saids1 sowie hochfeine StoWrest® ksult man am billigsten bei | KANN £ FRIED, »lMMm««.« j Die Kreditverhandtnngen in DrntschlanS. Berlin, Növcmbcr. ^Tel-Kowp.f Ein endgültiges Resultat über die bi-lnrig'n Krcd tv rbariv.ungm der Reicksretzicrnrrg nut der Jndust-ir liegt noch nickt vor. Man glaubt, daß die Vorder«lüngen, die m t den Finanz und Icwustriekleiscn stattgrsanden haben, sich anfangs nächster Wocke zur Bildung der orplanten Kommission verdichten we ben, da bis dchin endgültige Nachrichten über die Bedingungen der Industrie zw ckS Gewährung eines Kred 18 beka nt geworden s in werden. In Industriekrenen wächst de Urberzeuoung. daü die Bedingungen der In» dnstue auf A'tstaatl clmng d r Er .ubahnru sich nicht mehr a u f r e ch t h a l l e n lassen. BraLLonN mb die ZuÄerr. BAkaresL» 24. November. (Jüd. Korr-Dur.) Der gewesene Ministerpräsident Vratianu hat anläßlich der Regierungskrise in einer Versammlung der nationalliberalen Partei die nationalen Minoritäten, insbesondere die Juden, zur Mitarbeit mit den Liberalen eingeladen. Er erklärte jedoch, daß feine Partei nicht geneigt sei, sich im Falle der Uebernahme der Regierung für die Unterstützung zu irgendwelchen Rekompensationen oder Zugeständnissen zu verpflichten. „Matuirea* repliziert auf die Einladung Bralianus und erklärt, daß die rumänische Iudenheit einem Kurswechsel im Sinne des Liberalismus freundlich gegenüberstehe. jedoch der liberalen Partei gegenüber eine abwartende Stellung einzunehmen wünsche. In jedem Falle bestehe die rumänische Iudenheit aus der Erfüllung ihrer nationalen Minoritälsrechte. DjesnaL Pascha ermordet? Konstantiiropel, 25. November. (Havas.) Der ehemalige Marineminister D j e m a l Pascha, der während des Krieges Metzeleien in Syrien angeordnet, hatte, soll in Kabul e r m o r d e t worden sein. Attentat ans de« Mar-ische« Firmrrz- Minister. Korvno. 26. November. (Havas.) Der Finanzminister ist durch eine in feine Wohnung geworfene Bombe schwer verletzt worden. Prager RhZesrdrretLrcharrs. Die Lage im Kshlengebiet. — Sie MmLertzeite» stimme« «egs« öaS Brrdget. Prag, 26, November. Am Schluffe der Budgetdebatte im Abgeordnetenhaus erklärte Minister für öffentliche Arbeiten Tvöny zum Konflikt der O st r a n e r Bergarbeiter mit den Grubenbesitzern: Die Lage ist ernst, und es kann in diesem Augenblick nicht vorausgesagt werden, ob der Konflikt friedlich gelöst werde« wird. Die Differenzen im Ostrauer Revier sind durch di« auf unserem ganzen Wirtschaftsleben last enden Depression hervorgerufen worden. Der Minister betonte schließlich, die Eine Marannenstadt in Portugal. Vo« Dr. Arie! Benziou. Dr. Ariel Benz io n, der wahrend ' 1 des Krieges Obercabbiner von Monastir war, - '! dann einige Heit in Wien wissenschaftlich ' ' , arbeitete, bereiste in den letzten Monaten ' ' ■. Portugal und Marokko im Aufträge des Keren Hajessod. Nach seiner Rückkehr schilderte Dr. Benzion seme Reiseeindrück: im „Jewish Chronrcic", bene» wir die folgende Skizze entnehme: - Ueber meine Reise in Portugal brachten auch die portügiesischLn Blätter größere Aufsätze. Eines Tages suchte mich ein älterer Herr in meinem Ljssaboner Hotel auf, der i*»Lud) die Mitteilungen der Zeitungen von dem Zweck meiner Keise erfahren hatte und mir den Antrag stellte, mit ihm, wenn ich.. Interesse dafür hätte, einen Ausflug in ein in der Umgebung von Lissabon gelegenes Städtchen zu unternehmen. Er wolle mich mit einer Gemeinde bekanntmachen, die wohl nicht faktisch und ausgesprochen jüdisch ist, deren Mitglieder jedoch sich nach jüdischer Art führen und nach jüdischer Weise leben. Die Mtterlung des alten Herrn erloerftc. mein Interesse. Ich nahm die Einladung an und machte eine großartige Entdeckung. In dem bezeichneten Städtchen fand ich' eine etwa .^hntausend Köpfe zählende Gemeinschaft vor, in welcher sich die Lebensweise der Marannen aus der Zeit der Inquisition erhalten hat. Mir war, als ob vor meinen An gen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts mit .Dom Manuele ausgetäucht'wäre, wie er dre Königm Jfäbella durch Bitten bewegt, die Vertreibung 'der Jiiben aus Portugal anzuordnen. Damals wurden viele Juden ,unter der Bedingung m Portugal belassen, daß sie daS Christentum aunehnmi und sich Christen neunen. Tausende Juden blieben so in Portugal zurück, wo sie unter dem Namen „Conversos" (Uebergetretene) oder auch. „Christaos novos" (Nenchristen) lebten, und es steht außer Zweifel, daß diese Neuchristen auch heute noch in Portugal dorhcMden sind. DaS erste, was meine Aufmerksamkeit auf sich' lenkte, tvar die Beobachtung, daß diese Gemeinschaft die jüdischen Festtage m traditioneller Weise begeht und daß sie von einem tiefen religiösen Gefühl erfüllt. ist.. Aber als. wenn sie noch imnrer, die Folterwerkzeuge der Inqu isitoren am Halse spüren würden, umgibt: ihr religiöses Leben in starkem. Maße der Schleier des Mystrzismus. Nichtsdestoweniger weiß jeder im Unllreis der Gemeinde, daß sie von Juden abstammen, und ihre Kinder werden in den Schulen von ihren Schulkameraden wegen ihres Judentums verhöhnt wie etwa im alten Rußland, Polen oder anderwärts. Ich konnte <ut Ort und Stelle feststellen, daß die Annahme, baß dieses kleine Volk tatsächlich jüdisches! Ursprungs ist, durchaus nicht auf einem Irrtum beruht. Sie heiraten im allgemeinen »inr untereinander und haben ihren alten klassischen sephardischeu Typus bis ans den heutigen Tag bewahrt. Sie sind sehr stolz auf ihr jüdisches Volkstum und haben ihre jüdischen Nebcrlieserungen strenge bis in die Gegenwart herübergerettet. Sie heiligen bLn Sabbat, entzünden am Freitagabend Oellämpchen und tveihen den Samstag der Ruhe und der Andacht. Andererseits ist ihnen die Zrrkümzision Mlbekannt. Sie wissen, daß der Genuß des Schweinefleisches verboten ist, und die Aelteren unter ihnen würden es auch um nichts i» der Welt genießen. Ebenso enthalten sie sich des Genusses grätenloser Fische und Heringe. An Festtagen essen sie ungesäuertes Brot, welches sie bas Brot des Festes nennen rmd zeremoniell mit einem Segensspruch anschneiden. Ihre reftgiösen Gebräuche sind von einem Mystrzismus umgeben, dessen Einzelheiten vom Vater auf den Sohn überliefert wurden und dessen Wesen den jüdischen Ursprung außer allen Zweifel, stellt. Dabei sind sie sehr verschlossen" und jedem Fremden gegenüber zurückhaltend.' Es ist deshalb sehr schwer, in ihr Zeremoniell und ihr religiöses Leben Einblick zu gewinnen., Zum Glück gelang es mir, in dieser Richtung ihr Vertraüen zu gewinnen. Am Freitagabend und am Sabbai versammelt sich die Gemeinde abwechselnd ln dem Hanfe eines. GlaubMsgsnossen Regierung sei entschlossen, die entsprechenden Maßnahmen zrr treffen, damit die Kohlenförderung nicht durch einen Streik gestört werde. Das Haus nahni sodann den Voranschlag für das Jahr 1922, das Finanzgesetz und das Jnvefü'tionsbudget in erster Lesung mit den Sümmen der tschechischen Parteien gegen bi«. 6 ti m in e n d e t Deutschen, derUngarnund derKo nrm u n ist e ron. Die sortschrittlichen Sozialisten und die Mitglieder der slowakischen Volkspartei waren während der Abstimmung nicht im Saale anwesend. Da die Regierungsparteien ihre Abänderungsanträge zurückgezogen hatten, wurde nur über die deutschen Abänderungsanträge abgestimmt, die sämtlich abgelehnt wurden. Die Resolution wurden dem Budgetausschuß zugewiesen. Der Präsident ^illej sodann mit, daß die zwölf slowakischen Abgeoroneten, darunter Dr. Juriga und H l i n k a, ihren Austritt aus dem Klub bei* tschecho-slowakischen Volkspartei angemeldet und einen neuen Klub der slowakischen Volkspariei mit HlinKa als Präsidenten gegründet haben. Der Lschecho-sLorVÄkL?che GefMÄts hi BÄLs^e?L. Prag, 26. Novembtt. (Tcl-Kornp.) Wie die „Tribima" ersährk, wird zum ersten tschecho-slowa^schen Gesandten m Büdapest der Legationsrat Wenul P a l l i c r, bisher Mitglied der tschrcho-slowakischm Repsrationskommissio» in Wien, ernnnit w'rben. Auch der BesZPViMer Mschsf.str btr* . ksnseMOMÄeN FröedeK. Aus Budapest w rd unS berichtet: Nach der Fürder'.S» rede des FürKpnmas Es« r noch erg resst mm auch dc^ katholische Bischof vorr Vesrprim, Dr. Ferdinand R o i f, das Wort für die Wiederherstellung d-Z Friedens unter den Konfessionen. Dcr Stellungnahme de3 Deszpruüer Bischofs gebühit deshalb besondere Bcachtung. weil sie unmittelbar na:b snner Rückkehr ans Nom erfolgt, wo Bischof Dr. Notr grrade während des Königsputsches weilte und anläßlich seinr^Jbjährigrn Priesterjubiläums besosiderer Ehren i« Vatikan teilhaftig wurde. Bischof Dr. Nott sagte den ber ihm erschienenen Abvrdmmgen unter anderem: In der Geschichte dcr Völker dürfte derFall vereinzrit dastehl«, daß eine Nation genötigt war, ihren gesalbten König de« Fernde ouZmlirfern, und wenn zu allem diesem Nebel am'» «och auf dem Gebiete der Religion Nucmigten und Zwiste treten, so müßte dies den Untergang der Nation bedeuten. Ich kann imt Bervhigrmg der Tatsache Ausdruck verkeiheu, daß die kacholische Knche den anseinandrrstrcbendem Tendenzen immer feind war. D e r Ka t h o l i z i s mu s i st eine p o s i t i v e L c h r c; s ei a e « W e s e n widerspräche der A n g r i'f f «der dieBerletzu u g a n d e r e r B e! c n n t« i s s e- Die katholische Kirche tat vud tut auch nur eines, sie verteidigt den Glauben, verkündet die ans bem Glauben folgenden Pflichten, eifert zu Lttbc zu Gort und den Nächsten und pflanzt dre BaterlandSliebr in die Herzen ihrer Gläubigen. Ich werde samt rnciner Geistlichkeit dieses vom Katholizismus, untrennbaren Prinzipien Iren blecken.__ * . : m Ei» öfterreichisch-deNLsches AbKvMMLrr. Beeki«, 26. November. (Wolff.) Zwischen der dentkchen und der österreichsschen Regierung ist ein Ueberemkvmmrn abgeschlossen worden, wonach RerezerrLrüffe der östcrreichischrn Mittelschulen und der deutschen höhere» Lehranstalten segenfehioj anerkannt «erden. zum Gottesdienste. Ihre Gsbetsspra-che ist portugiesisch, mit hebräischen Worteer und Zitaten vermischt. Das Jom-Kipur-Fest wird von ihnen bas Fest der Königin Esther genannt und es ist wahrfchEinlich, daß sie t» mit bem Fasttag Esthers verwechseln, obgleich ich. der Meinung bin, daß in ihren Traditionen sowohl. Esther. als aych, Daniel 'bis Rolle von Natioualhelden spielen. Eie haben ■ den Tag Esther mit dem Fest der Versöhnung zujcrmncrl^ gesponnen. Die Gebete, welche sie an diesen« TagL verrichten, entsprechen strenge den Trabttionen dieses Fcsttages. Soweit ich es beurteilen konnte, besitzen sie für diese Gelegenheit kein geschriebenes Rituale. Das Peßach-Fest nenscen sie „Festa Smtta" ^heiliges Fest). Jhr/Sederzeremoniell ist sehr interessant und abwechslungsreich, wober jedem Mitglied der feiernden Familie oder der Festgesellschaft eine besondere Rolle zufeilt. Ich habe die merkwürdige und beachtenZwerie Beobachtung gemacht, daß'sie heilig daran'glauben, daß ihre'Häuser i-u' dieser Nacht an der Straßenecke von überirdischen Wächter:: bewacht werden. Juteressarit ist, daß sie an den ersten z>oet' Peßach-Tagen keine Mazzoth essÄr und erst am dritten Tage damit beginnM. Es ist mir nicht gelungen, über den Ursprung dieser Sitte Anfklärung zu erhalten. Im übrigen essen sie au diesenr Feste vovuehmlich bittere Pftauzen. In ihren Gebeten beten sie für die Rückkehr nach Zion, welche Sehnsucht auch m ihren fynagogalen Gebräuchen zunl Ausdmü kommt. Benz io n schließt feinen Aufsatz: Wie erwähnt, wird dieser Judenstamm mit dem Namen „Neuchristen" Venauu.t und. sie selbst halten sich auch dafür, während die wirtticheu Katholiken „Altkatholiken" g>mannt werden. Der Zweck dieser Ausführungen ist nebenbei auch der, daß jeder mögliche BrrsM gemacht tverden sollte, diese vom Judentum losgerisstueil Brüder mit Sympathie und Wohlwollen aus, ihrer sonderbaren Lage zu befteien und in die große Gemeinschaft des Judentnms zurttckzuführrn. Ich würde es als eine .Schuiach' empfinden, wenn nicht wenigstens ein Versuch in dieser Richtung uutersrommen würde. O