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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-26 · Heft 1015 (26.11.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1015 (26.11.1921)
Date
1921-11-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Bt 1015 Wien. Samstag Wrsner MorgettAeiLunA 26. November 1921 Seite T Tine Entrrvne Mafaryk—Hninisch. Aus diplomatischen Kreisen verlautet, das; im Dause des Monats Dezember eine Entdue des Prasib-eaten Dr. Masary k UW des Bündespräsidenten Dr'. Harnisch auf Schloß Lana stattfinden wird, wo der Präsident der tschecho-slowakischen Republik voraussichtlich die Win ternro wate verbringen wird. Die Zusammenkunft war bereits bei den Besprochnnglm in Hallstatt vorgesehen,, konnte aber infolge', dürr politischen Ereignisse nicht stattftnden. Int Zusammenhang damit dürfte auch eine Besprechung zwischen dem tschecho-sloivakischen Ministerpräsidenten Dr. Bene sch und dem Bundeskanzler- Schober stattfinden. Der Zweck beider Besprechungen ist die Erörterung Tschecho-Slolvakei, hexen Grundlage diesmal voraus sichtlich die Resultate der Konferenz v v u V o r to ro se bilden werden. - - ___ T KereK-Kajesisd-KoKfereKZ irr .. -.,'!Skrw-Dork, 23. November. (Jüd. Korr.-Bnr) Di? L.'.ndesfodssrenz der Vertreter der amerikanischen Kercn-Hajessüd- KonliteeZ 'und der zionistischen Organisationen wurde m Anwesenheit von 453 Delegierten aus 37 Staaten'und der Zionistischen Delegation eröffnet. Mitglieder der letzteren hielten eindrucksvolle Reden, in denen, sie die Wichtigkeit des Keren Hajessvd darlegten. Es wurde beschlossen, eine große Kampagne zur Aufbringung von 9 Millionen Do tla. r, die drei Viertel des b's Jänner 1923 zu deckenden Palästma-Vndgets ausmacherr, aufzunehmen. Zu diesem Zwecke soll auch eine, freiwillige Sammelarmee für Sammlungen von 'Haus zn Haus aufgestellt werden- Das ganz: Land wird in 18 Distrikte mit eigenen Leitun gs- und Kontrollämtern '-eingetcilt. Die Spesen der Kampagne werden mit LOAProz-ent der eittgebrachttn Gelder festgesetzt. ’• . * . Nach 'den ersten begeisterten Manifestationen, die die «riÄÄkanische Judenschaft der zweiten zionist schm D l^at.'ou bereitLte, wurde das Arbeitiprogramm entworfen und dir Arbeit in Angriff genommen. DaS Land wurde in Distrikte kmgebrilt, die von einzelnen Delegatiimsmitglftdern. bereist wexdW sollen. Nahnm Svtolow uno Dr. Goldstern werden die Oststateu, die Pazifik-Küste und Krnada. Professor Warb u r g, Wladimir I cs B o t in s l y uv.b Colonel P a t terson -den Mlttelwefk'n und die Südstaaten bereiten. Viele Provinzen, die in das zu bereisend-e Gebiet nicht e'.nreichlossrn wurdM, Haberl nur den Besuch dar Dclegcriroirömitglieder gebctsn. In allen Kreisen ist g r o s; e B e g e i st e r n n g zn .bemerken. Man erwartet von diesem zweite»'. Besuch der zionistischen Delegation außerordentliche Erfolge für den Ker«r Hoiessod und die zionistische Arbeit in A.nerika überhaupt O.sküV SLrKSLS, PrirsiderlL der «nnerL- .'karrischeK ALrüstungskvMlsössiore. Waihinztou, 24. November. lJüd. Äocr'Bar.) Der hier Acsch.rssen>n SptziaUomnussion zur Unterstützung l rr amerikanischrn R-g'.erinrg in dcr Abrüstungs'rage gehören auch mehrere Juden an, darunter Samuel G o m p e rZ, Sr. Stchhrn W r s r und OZ!ar Straus, rer gem sene amerikanische Botschafter in Konüantinopel. Letzterer würde auch .mm Volsitzmden der öHblkrmifsiorl gewählt, die vom Präsidenten Harbins destiUrgt wurde. ■ Me deut?ch-pÄ!RLsche KV^ferenz. 91. November. (Wolfi) Die deutsch-polnische uioufcr-mz hielt heute nachmitiagS eine v-erstünbigr Sitzung ab. E» wurde folgende ärmliche Mitteilung ausgefeben: Der devtiche Bevollmöchtrgte Rrichsminister a. D. Schiffer gab in längerer Rede dir NuhtUnsrn der deutschen Auffassung wirdrr. Er wie§ vornehmlich auf die vberschlesische Eigenart hin und betonte, daß es notwendig sei, sich nicht nur ans dir finanziellen und rvntsck aitlichen Fragen einmst-llrn, sondern auch den geistigen GesrchtZpurrkrcn Rechnung zu tragen. Die Koirftrcnz erörterte die Grundlinien drS ArbciiSplanck. Die Verteilung de- ArbeitSsioffes auf die Unlerkonunissivven im Sinne Ui Note ist nunmehr beschlossen. DaS ^Journal de Genöve" erfährt, daß die Kommissionen in Oberschlesien selbst arbeiten sollen. Konzertbureau dos „HARUACH“ ir 11., T&berstram 1—3 Mittwoch den 30. November, halb 8 Uhr abends PüttSerer Konzerthaussa&i Jüdischer Humor Mitwirkend: Mali Picon Lea Weintraub-Graf ü. Kalich J. Reissmann S. Natan Karten sind erhältlich: an den Konjerthauskassen, III, LothiingiTüfrasse. Kasso der „Wiener MorgenzeUung“, Taborstrasse 1, Buchhandlung R. Löwif, I., Rotenturmstrasse 22, Koruertbureati ..A'idau, II., Taborstrasso 7 0877 Der Generalstreik xn Trieft. Mailand, 25. November. (Trl.-Kvmp.) D^r G'ncralüre k dauert »n den meisten Fabr ken I u l i s ch - B c n e?, i e n s8 fort. Auch un T r i e st e r Hofen wurde d'e Asbest noch nicht wieder aufgenonlnren. Di: Streikleitung liegt swkscht-evlich in km Hauben der Konrm.misten, mährend die Sop.ilistm und Arbtistsmossen bereitstre'ckmüde sind. In T r i e st wurde auf den Prändcuten und den Sek-.etär deS Buchdruckerverbandes von zwt'. Unlekunntei'. aus dem HlNtcrhalt g'-schossen. Ter Plästdcnt w.ir aus der St-lle toi, sein Sekietur tvu.dr schwer verletzt. t JiSfr ,2C. iin&etttfiing des rumiirrische« ParlKMerrLs. 1-' Brr-arrft, 2b. November. DaS Parlarnent ist zu seiner v'.denlllchen Tagung für den 25. November einderufen worden. RekonstruLtiosr des Belgrader Kabinetts. Prsg, 25. November. DaS tscheche-slowakische Preßbvreau iiy.Wd auS Belgrad: In dem gestern abzehnltrne« zwei» stündigm M i n i st e r r a t wurde durch persönliche Emwirknug dW.MrnisterPlilstdenten Pa sic zwischen den AabmcttSmrtgliedern eine Verstkndiguug i« dem Sinne erzitlt, d»y daZ weitere Verbleiben der Regierung im Amte gesichert erscheint. D:e M-nisterkrise soll durch eine «nw-.sentlichr Rrkonsirnktro» des Kabluettr beigelegt werden. Heiteres vö^r „errrsterr MbrlfsrschLra" UKÄ erasten PolMLern. Bor kurzem wurden dis Wiener durch Straß-enplakLl-e zu einem Vortragsabend „ernster Vibelsyrs-Hrr" in freit Sophiensaal geladen. In -allen Zerren großer Weltkrisen, wie wir deren^ leider gerasjetzt eine ö>r trübsten und schwersten durchleben,,Md Propheten auf-- -getrelen, die das nach Erlösung^ vom jäh . herein-, gebrochenen Uebel lechzen.de Volk mir irgönd-eineNr bevorsrc Heu den Hei! zn tröste:- suchen. Und so hat denn auch der Wiener Sophiensaal, dics2 traditionelle Pflegestiitw deS Fnschingsulks, heuer schon öfters.solche Propheten iu seinen Mauern gesehen. Merkwürdigerweise spielt in den ZnknnstSvisiouen all hie sec Wundermänner „daxxr Jud" die größte Rolle. Während aber beispielsweise' die Propheten des Aniisemiienbimfres Juda als den Quell allen Unheils ansehen, sind die obenerwähnten „ernsten Bibelforscher" der evtgegeugesetzten Dteinung. Sie verkündigen: Der Zusannnenbrnch der heutigen -<^'esellschaftöordnnng ist die Geburtswehe des neuen mesfianischen Reiches, der Heilszeit, des „Millenniums". Wie ein Fels im Meer, von Wogen des Hasses umbrandet, wird nur das Volk Israel die Jahre der Trübsal überstehen, so seinen göttlichen Ursprung bezeugend. Mit der Ausrichtung des Reiches ist die Zeit der Erfüllung der Verheißung an „Israel irn Fleische" gekommen; die weltgeschichtliche Sendung Israels, welche die Propheten verkündet haben erfüllt sich: Die Inden, nur untertan Gott, dem-Messias und den Engeln, werben an der Spitze der Völker stehen; sie werden Könige und Priester sein in den Länderw der Erde. Wer „das eigene Leben mit seinen Interessen und Zielen" zu opfern bereit ist, wird mit Unsderblichkeit — hier aus Erden! — belohnt werden. Millioirxn Menschen werden nicht mehr sterben, auch den bereits Gestorbenen wird noch Gelegenheit zum Erwerb der Seligkeit durch Betreten des ,H»hMveges der Heiligung" gegeben werden. Wer sich aber der nennt Wieltvrdnung widersetzt und den Hohenweg nicht betritt, der tvird mit Leib und Seele vernichtet werden; den trifft der zweite Dod." Man begreift es, daß eine solche Heilslehre den Herren vom Antisemitenbund tvenig Trost und Erbauung bietet. Zwar sind sie selbst seit Jahr und Tag-eifrig am Wer^e, den. Glauben an eine baldige Beherrschung der Völker durch das Volk Israel, zu wecken, aber in eine in viel weniger trostreichen Sinne als die „ernsten Bibelforscher". Es ist also kein Wunder, daß! sie deren Bilelanslegung als eine Schtnutzkonkurcenz ärgster Sorte ernpfindert und ihre Autoren als „eine der gefährlichsten Geheimorganisationen Alljudas" entlarven. Die „Deutschösterreichische Tageszeitung, die sich erst tags zuvor darüber biti-colich beklagt hat, daß sich ihre eigenen GesmnungsgeiVfsen im „Deutschen- Reiclie" über sie lustig machen, meint allen Ernstes: „Es ist ein zwingendes Gebot, daß die christliche Geistlichkeit inr Vereiir mit den völkischen Verbänden den schweren Gefahren eutgegentritt, die von diesen „Bibelforschern" drohen." Vorträge Djaen bet de» Wiener Sephardim. Der spamolische Schriftsteller Herr Sabetaj I. D j üelk, hielt im Kreise der Wierier Sephrrdim mehrere Vorträge,- so im akademischen Verein „Esperanza", in der „Union; Spagmrola" und int sephardischen Tempel, der bis auf das das letzte Plätzchen gefüllt war. Die Borträge Dja-ens,-weühs das Theama: Vergangeuheik, Gegenwart und Zukunft des Juderttnms, behandelten, übten eine starke Wirkung. D j a e n ist der Verfasser mehrerer literarischer Werke, welche jüdischr Stoffe m spaniolischer Sprache behandeln, so eines Jephthü- Dramas, welches im Belgrader Stadttheater aufgeführt wurde-- und einer „Deborah". Zehn Prozent des Ertragnifses hat Djaen dem Keren Hajessod gewidmet. Die mucn Fernsprechgebühren. Mit Gültigkeit vom 1. Dezember d. I. erfahren auch die Femgespräche eine Erhöhung der Preise unr 300 Prozent. Ein Ortsgespräch wird künftig 20 Kronen (bisher 7 Kronen) kosten. Die Tarife in der zweiten Sprechzoue (Mödling,. Pcrchtvldsdors, Klosterneuburg, Kritzendorf, Korneulmrg, PUrkersdorf, Rodau«, Mauer, Liesing, Laxenburg, Langenzersdorf, Gießhübel, Guntramsdorf, Kalksburg, Hadersdorf, Mcrdlmgau usw.) betragen c>5 1. Dezember 66 Kronen (bisher 22 Kronen) für 3 Minuten Sprechzeit. In der ersten Fern-- zone (Tulln, St. Pölteu, Wiener-Äleustadt, Styckerau) wird die Sprechgebühr von 30 auf 90, in der zweiten Fernzons (Horn, Gars, Gsöhl, Krems, Gloggnitz, Payerbach, Semmering, PoySdorf, Pirrgstall, Pögstall, Persenbeug, Luudenburg, Znaim, Preßburg ufw.) die Sprechgebühr von 45 auf 135 Kronen, , in der dritten Fernzone (Linz, Klageuftrrt, Graz, Salzburg, Ebenfce, Ischl, Gmunden, Prag, Brünn, Budweis, Zwittau, Tastnwäld, Ra'ab, Sternberg usw.) von 75 aus 225 Kronen; in der vierten Ferrrzoite (Innsbruck, St. Anton, Bludeuz, Bregenz, Berlin, München, Dresden usw.) , von 120 auf 360 Kronen urrd in der fünften Fernzone (Hamburg, Frankfurt usw.) von 150 auf 450 Kronen erhöht/ Nach Deutschland geltrn die inländischen Tarife. Nach den Orten der Tschecho-SlowaSrr gelten die Jnlandstarif« mit.einem Zuschlag von 90, Kronen für die erste, 100 Kronen für die zweite, 110 Kronen für die dritte und 120 Kwnen für die vierte Fernzone. Nach den Orten der Schweiz wird die Sp rech gebühr auf 1360 Kronen (bisher 56.0 Kronen), nach Italien auf 2000 Kronen (bisher 357 Kronen), nach Triest auf 3800 Kronen (bisher 1850 Kronen) per drei Minuten erhöht. Nach Budapest wird die Sp rech gebühr auf 750 Kronen (bisher 370 Kronen) erhöht. Nach Jugoslawien (Marburg, Pettau >rmd Crlli) wird die Sprechgebühr .auf 2000 Kronen, (bisher 910 Kronen), nach Laibach, Brod an der Sare, Agram 2400 Kronen (bisher 1092 Kronen) erhöht. In der Praxis werden fast für alle Stationen die dreifachen Gebühren zil entrichten sein, da einfache Gespräche kaum Aussicht haben, au die Reihe zu kommen und fast ausnahmslos nur sogenannte dringende Gespräche ab gewickelt werden, zumal der Spreck)verkehr auch zur Nachtzeit kein wesentlich geringerer ist, als während der Tagesstunden. Nach' Polen werden die treuen Tarife erst festgesetzt werden. Unstttttchkeit. Jpr der „Prager Presse" widnret Oskar Bie (Berlin) dem abgelaufenen „Reigen"- . . Prozeß m Berlin eine Betrachtung, der wir folgendes entnehmen: Der „Reig-r5"-Prozeß ist abgeschlossen. Ich. glaube^ wenn der Freispruch nicht erfolgt wäre, hätte es eine Revolution der deutschen geistigen Welt gegeben. Vielleicht einen Boykott sämtlicher Theater und Schrift.- steller, bis diese Schande wieder ausgelöscht worden wäre. Heute lacht man über die Dummheit, die da zutage gefördert worden, ist. Es ist aber nötig, auch, ein ernstes Wort dazu zu sagen, denn es hat sich ein solcher Abgrund von Unbildung und Urteilslosigkeit geöffnet, daß es an der Zeit ist, diesen Zustand einmal prinzipiell .;u prüfen. Der „ReigEn"-Prozeß war schließlich, nur' das wichtigste Glied in der Kette von allerlei Anklagen. die aus derselben KenntuislosigLeit hervvrgehen. Es schadet'nichts, noch einmal im allgemeinen darauf -u f)nva)cn zu kommen. Von der Jurisprudenz weiß ich nicht viel. Aber ich verstehe nicht, wie nran die Mitglieder der verschiedenen Jünglings- und Jungfernvereine, die an dem Stücke Anstoß nahmen, Zeugen nennen kann. Das sind nicht Zeugen, sondern Toren. Bezeugen kann ich nur, daß eine Tatsache existiert.. Schon daß eine Tatsache nicht existiert, kann ich kann: bezeugen. Daß ein Drama sittlichen Anstoß erregt, kann niemals eine Tatsache sein, fonfretu ist nur eine Meinung. Meinungen abev sind Line Zeugen in einem so variablen Gebiet, wie es die Sittlichkeit ist. ' Innerhalb des Begriffs der SittlichLit können nur Menschen, die aus der Höhe der Zeitbildung stchen, beurteilen, ob ein Anstoß vorliegt oder nicht. Denn sie sind «s, die diese Grenzen ziehen. Itrid wenn ein Zurückgebliebener Zuschauer sich innerhalb dieser Grenzen nicht zurechtsiudet, so muß er belehrt und erzogen werden. M^rr es ist kein Zeuge wider den besiegten Geist. Ich will noch Ive't*-?' zurückgreifen. Was ist SittlichLit? Sittlichkeit ist Idealismus, ist ein Prinzip, das das Gewissen der Märschen reguliert und einem höheren Zwecke dient. Und es ist klar, daß die Zeiten, die das geschlechtliche Leben nicht verheimlichen, weniger Herr erstklassig und bilügsfe §m ^arsnSsaus Bfädtr Schiffmann ISS!!.'L

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