Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1014 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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4K ~****>*‘«m« SIT 1014 rVisrr'sr Msre;enzeitu:iq 25. November 1921 Etwa. 700 magyarische Hoch schüfe r sind bc.e'-tS En die Abstiinmungslisten eingetragen. Das Gerücht Über nngarfreundliche Aussprüche höherer italieu ischer Offiziere hält sich Andauernd. Die Bevölkerung, die in weitüberwiegender: Mehr- HE deutschösterreichisch gesinnt ist, steht der. Abstimmung mit großem Aii. ß.t ran.e.n gegenüber. Die rWgyarischen Drohungen, Oedenburg unter alley Umständen zu behaupten, schüchtern viele ein. Der Uetzerchachüngsdienst der magyarischen. Behörden hat in deck letzten Tagen eine abermalige sichtliche Verstärkung erfahren. Aus Güns und aus SLeinamanger sind ah.ernzals Beamte der Staatspolizei nach Oedenburg transferiert worden. Fremde Personen werden schärferer Beobachtung unterzogen.. . . Angesichts der vollkommenen Handlungsfreiheit, die den magyarischen Behörden in Oedenburg und Umgebung durch die interalliierte Generals- Mission gelassen wird, ist die freie und geheim« Abstimmung in diesem Gebiete aufs schwerste gefährdet. Wenn die interalliierten. Mächte die Verpflichtung, die sie utit dem Venediger Protokoll übernommen haben, nicht emlösen wollen, wird die Komödie in Oedenburg einen sehr tragischen Schluß -haben. Jedenfalls besteht bei einein Teile der Alliierten noch, immer die Absicht, mehr als 300.000 Deutsche um das Recht nationaler Eigenkultur zu betrügen. Eine französische Stimme Äber Horthys Bande». Paris, 23. November. Das „Journal des Debüts" bespricht die Besetzung des Bnrgenlandes durch Oesterreich und führt aus, auf den ersten Wink von Budapest haben die Banden folgsam das Burgenland verlassen. Dies bewerfe nmso deutlicher die Mitschuld der ungarischen Regierung an den bisherigen Schwierigkeiten und man wisse jetzt, welchen Glauben die Versicherungen des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen und des Oberkommissärs Grafen Sigrah verdienten, als sie erklärten, die Oedenburger Legionen nicht aufhalten zu können: Das Blatt schildert weiter den Einmarsch der österreichischen Truppen, die genau an der Grenze Halt gemacht haben, die für die Volksabstimmung vorgesehen ist, und betont mit Genugtrumg, daß die Bevölkerung überall ihrer Sympathie für Oesterreich und der Freude Ausdruck verlieh, von der Bedrohung der Banden endlich befreit zu sein. Die Hast Ungarns, bqs Plebiszit in Oedenburg vorzunehinen, erkläre sich, ans dem Wunsche, die Früchte der lang vorbeleitetem Propaganda und des Druckes der Behörden nicht zu verlieren. Run werfen dieselben Ungarn den Oesterreichern vor, sich unlauterer Mittel zu bedienen und die Abstimmung durch die Nähe einer starken Truppenmacht zu beeinflussen. Das Blatt nimmt schließlich an, daß das Plebiszit in den rrstek Tagen des Monats Dezember stattfinden werde. Konzertbureau des „HARUACH'f I!.; Tator«-iras*e 1—3 Mittwoch don 30. November, halb 8 Uhr abends MittCerer KeazerthatsssaaE jüdischer Humor Mitwirkend: Mali Piöon Lea Weintraub-Graf J. Kalich J. Reissmann S. Natan Karten sind erhält!ich: an den Konzerthauskassen, III., Lothringerstrasße, Kasse dor „Wiener Modenzeitung“, Taborstrasse 1, Buchhandlung R. Löwit, I, Rotenturm- "strasse 22, Koniertbureau „Aida“, II., Taborstrasse 7 9J77 rn ttlerwcile in Wien cingcholten Informationen eine entgrgenlommeudt Erklärung abgegeben. Es handelt sich also, w:c ausdrücklich seflgeftellt wird, um eine Antwort auf eine konlret gestellte Frage. _ Oesterreichs Bertretnng in Lettland. Der BundeSpräsideiu hat Herrn Ingenieur Franz Sb einer zum Honorarkonsul der Republik Oesterreich in Riga mit Amt§- wirksamkeit im Gebiete der Republik Lettland brstellt. Miliz statt Ar««. Der Finanz- und Budgetausschuß trat gestern vormittag in sie Spezialdrbatte über das Kapitel .Heereswesen" rin, über das Abgeordneter Dr. S ch 8 rf f ei« eingehender Referat erstatteie. Nach Besprechung der einzelnen Budgetposten verweist der Berichterstatter auf die Fehler uud Mäugel, die de« Söldnersystem anhasten, und ersucht die Regierung, gemäß dem seinerzeitigen Beschluß des NationalrateS bei den Alliierten zu erwirken, «daß endlich die Einführung d e r M i l i z gestaltet werde. . Die Schl»tzsttz««g in Portorose. Pvrt»«»sa, 33. November. In der heutigen S ch l « tzfitzu n g der Konferenz von Portorose wurden alle die Eisenbahnfrage« betreffrndm Anträge angenommen. Die französische, die polnische, dir tschecho-slowallsche «nd die jugoslawlsche Delegation erklärte« den französischenText allein ölbindend. Colonel Smith protestiert» gegen die Aufwerfung der Sprachenfrage. Hierauf folgten in herzlichem Ton gehaltene Schlußrede«. Morgen werden die Abkommen Unterzeichner Werden. Portorose, 23. November. Die BerkehrSlommissioa hat sie Ueberrinkommen fert'»gestellt, durch die der freie Umlauf der noch nicht ansgeteilten Wagen des vprmalS gemeinsamen Vagenparks, die Rückstellung der Partei- «nd Privatbahnwagcn sowie die Wenstitigr Aushilfe tmt FahrberriebSmitteln uud bei her Durchführung von Fahrparkreparaturrn geregelt wird. Sie hat ferner die Einsetzung einer Kommission der Nachfolgrstaasen beschloffen, die die wichtigsten Belriebsbedürsniffe der Eisenbahnen, namentlich an Kohle, Schmiermittel«, BelmchlunMoffen, Schwellen und dergleichen feststellen uyd dir geeignetsten Mistel für eine möglichst ökonomische Deckung dieser Bedürfnisse prüfen wird. __ Die Verlegung des Völkerbundes «ach Wie«. Bern, 28. November. (Schweiz. Dcp.-Ag.) Zu der Nachricht. wonach der Delegierte der österreichischen Regierung beim Internationalen Arbeitskongreß Dr.Otto Lederer dem Sekre" thr des Völkerbundes Sir Drummond einen Brief gesendet hatte, worin er das Sekretariat des Völkerbundes einlud, die Frage der U ehe rfiedlungnachWienzu prüfen, teilt die österreichische Gesandtschaft mit: Der österreichische Delegierte best» Zntttnati ovalen AcheitSkongreß wurde von maßgebender Seite brftagt, ob seitens der österreichischen Regierung ein Entgegenkommen hinsichtlich der-Beistellnng geeigyeterBanlichleiten für den Fall erwartet werden könnte, als die Btrlegung des Sitzes de- Völkerbundes «ntz d «8 I «t e r n ationalen A r b e i t S a rn t e s nach Dirn ernstlich ins Auge gefaßt werden sollte. Lediglich m Beantwortung dies« Aufvage hat Dr. Le d e, r r «pf Grand der v»» ibm Telegramme. Die englische« Juden gegen die Hsrthy- Gesetzgeb«ng. London, 23. November. (Tcl.. der ,Morge«zeitung".) Das doint koroign Lomrnittee des llervish Board »k Oexuties und der Anglo Jewish Association Haben an den Völker bundrüt ein Schreiben gerichtet, in welchem auf das von derungarisch e n Nationalversammlung im Jahre 1920 beschlossene Volks sch ulgesetz airsnikrkiam gemacht - wird, da§ eine krasse Veiletzung der Minorltatsklauseln drs Friedensvettrages von T r i a n o n d.rrstellt. Die demagogische Baude. B»daprst, 24. November- In btr gestrigen Sitzung der Slcr^dtverordnetenversammlung gab es einen großen Tumult zwischen der christlichnationalen Majorität »nd den Minoritäten. Es wurde über das ablehnende Verhalten der G r o ß b a n l ttt gegenüber einer hauvtstäduschm Anleihe verhandelt, wobei die Redner der Majorität von j ü d ichenG roß banken sprachen. Bankdneltoe E b'e r t erklärte, die Majorität, he in höchstem Grade voreingenommen sei, möge sich an die christlichen Banken wenden. Der Führer der Majorität, Wolf, ries: Das ist die Sprache einer jüdischen Rassenpolitik. Ihr verwaltet das Gut der Nation!' Eberl: Wenn es mich das Gut der Nation ist. es ist unseren Händen anvertram und nicht Ihnen! Der demokratische Abgeordnete B a r a c z rief: Ihr seid nicht die Natron, sondern eine d c m a gogische Bande! Mehrere Mitglieder der Majorität sprangen auf ihn zu. Tätlichleittn konnten jedoch verhindert werden. Abschluß eines englisch-asghanischeu Vertrages. , London, 23. November. Das Reutersche Bureau meldet aus D e l h i: Iir Kabul ist ein zufriedenstellettdec e n g l i s ch - a 1 g h a n i s ch e r V e r t r a g unterzeichnet worden. (Wenn sich die Meldung bewahrheiten sollte, dann ist es den. Engländern gelungen, den Einfluß der Bolschewiken in Afghanistan zurückzudrängen. Der englische Erfolg wird natürlich die indische Politik mitbestimmen. Die Red.) Die Wahlen in Belgien. Brüssel, 24. November. iHavas.) Auf Grund der Neuwahlen wird die Kammer aus 82 Katholiken, ><36 Sozialisten. 33 Liberale« und 5 Mitgliedern der FronMmpferpartei bestehen. Menerliche KLmpfe in Belfast. L«nd*ck, 24. November. (Wolff.) Dlättcrmeldnngen ous Beliaft znfolge betrugen die Verluste bei dem gestrigen Zusammenstoß in Belfast Il Tolr und etwa 100 Verwundete. Heue nachmittags wurden bei nrren Schießereiest eine Frau . getötet v»d vier Personen verwundet. Mehrere Slraßenbahnwazen wurden van Schpffen dntchsiebt. DAtzli«, 24. November. Wolsf.) Im Gefängnis von Gallewiah unternahmen heute vierzig politisch- GeEangenr einen Ausbruchsversuch, nachdem sie zuvor einen Brand gelegt hatten. Bei dem Kampfe wurde» fünf Gefangene und fünf Wärter vckwnndet. Py«tzo«, 24. November. (Wolsi.) 45 politische Gefangene sind andem Gefängnis von Jllelly durch einen von ihnen gegrabene» unterirdischen Gang au-gebrochen. Ei«e Erklärung des polnische« Fi«a«zminister» kder die Der«Sse«sabgabe. Warschau, 24. November. (Tel.-Komp.) Der „Kurjer Warszacksli" veröffentlicht eine Nntecredung mit dem Finanz- Ätwiffcs Dr. MickaUki. k, der dicjex unter anderem sagck: ,/^'ch hat? ans allen T.'ii.'ri Rekch?s so vrrla. Zustimmuugstundgebangeil zur Ver„rögsusabgate erhalten,. daß ich allen Grund habe, optimistisch iu die Zukunft zu blicken. Es ist ganz flax, daß die rasche Einzahlung, der VerinvgÄn's- ' ab gäbe die materielle Situation der einzelnen Staatsbürger bessern wird. ^Die Abgabe, werden in-erster-Linie die Landwirte zu tragen' haben, was sehr weitgehende - Folgen nach ' - sich ziehen muß. Die Landwitcke werden, um-sich Bargeld'-zu. verschaffen, Getreide, Milchprodukte und Vieh verlausen müssen. Hiedurch wird natürlich eine ständig sinkende Tendenz "der ’ Preise hervor gerufen. Mit anderen Worten: Die Abgabe wird gewisser,näßen der Hammer sein, unter dessen Schläge« die hohen Preise stürzen werden. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen sprach Finanznniiister Michalskr. über die Möglichkeit einer Wiederherstellung des budgetären Gleichgewichtes. Erst nach der Herstellung dieses Gleichgewichtes werde es Möglich sei«,, eine Emissionsbank zu gründen und endlich vollwertiges Geld in Umlauf zu bringen. Sowjetrntzland beruft eine AbrLstungs^ Konferenz ein. Zekstngsors, 21. November. (Privot.) Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die S o w j e tregierung Einladungen zu einer Entwaffnungs- Konferenz ergehen lasses, welche in Irkutsk stattfinden soll. Bisher haben sich die Regierungen von I a p a n, China »nd Korea hereit erklärt, diese Konferenz durch Delegierte zu beschicken. Stinkbomben im prentzifchen Landtag. Berlin. 24. November. Die gestern mittags begonnene Sitzung des preußischen Landtags hat bis heute früh um Vs6 Uhr gedauert. Die Obstruktion der Kommunisten gegen die Weiterberatung der Geschäftsordnung wurde durch 64 namentliche Ab* stimmunMen niedergekämpft. Schließlich wurde eine neue Geschäftsordnung unter großem Lärm der Kommuni ft en endgültig angenommen. Im Laufe der Sitzung kam es zu stürmischen Auftritten, wobei die Kommunisten den Präsidenten Leimert mit Beschimpfungen überhäuften. Ein Kommunist warf eine Stinkbombe in den Saal, die explodierte. Ein kommunistischer Antrag, das Rauchen zu gestatten, wurde abgelehnt. Trotzdem wurde gegen den Einspruch des Präsidenten von männlichen und weiblichen Kommunisten «i t dem Rauchen begonnen. Die Repräsentanz der englischen Indens heit und das Jüdische Hilfswerk. Dockdon, 23. November. (Jüd. Korr. - Bur.) Soeben fand eine Sitzung des Jewish Board of Deputles statt. Mr. Lucii»n Wolf erstattete den . Bericht des Joint Foreign Committee, der unter mrdercm auch seine Genfer Mission im Zusanlmenhang mit der zweiten Tagung des Völkerbundes behandelt». Der Bericht tvlnrde angenommen und seine Veröffentlichung genehmigt. In derselben Sitzung wurde ein von der rumänischen Judensch!Lft eingelangtes Telegramnr betreffs der.Evakuierung der jübis ch e n F l ü ch t l i n g e in Rumänien bespwchen. Diesem Telegvcunm zufolge seien mindestens 2 0 Millionen Lei, außer den von der rumänischen Judenschaft zur Verfügung gestellten Mitteln, erforderlich, um die Ver- . pflichtungen erfüllen zu können, die der rumänischen! Jndenschaft aus der Verordnung der rumüinschen Regierung betreffs der Uebecsiedlnng der russisch-jüdischen . Flüchtlinge aus den -Grenzgebieten nach einem! bestimmten Gebiet Alttumäniens erwachsen. Der Joint-Direktvr für Flüchtlmgsw>rsen, Doktor Bernhard Kahn, erklärtL, er könne nicht verstehen, tvarnm die rumänische Judenschaft die ihr anferlegten - Verpflichtungen übernommen habe. Der Joint habe beschlossen, keine finanzielle Hilfe zur Durch-- führnng dieser Verordnung zu gewahren, da er.diese Verordnung der rumänischen Regierung als - nn-. - gerechtfertigt betrachte. Er würde aber allenfalls das Flüchtlingshilfswerk unterstützen, jedoch erst nach deren Uebersiedlung. Uebcr die allgemeine Lage der rumänischen- Inden berichtet!-: Mr. Lücien W-olf. Er führte aus, daß de facto ihre Lagr sich zwar seit Kriegsende gebessert habe; dadurch aller habe sich die Lage nicht wesentlich geändert und, in manch>rr Hinsicht haben die rumänischen J^ldcn Grund zur ernsten Klage. Mehrcrr. Deputierte erhoben scharfen Protest gegen das Vorgehen Mr. Luci-en Wolfs, der in einem an.. Dr. Frithjof Nansen gerichteten Briefe darüber Klage) führte, daß das von der jWischen WelLhilfskonscrenz mit der litauischen Regierung vor kurzem, geschlossene Uebcremkommen betreffs des Durchwandernngsrechtes - der jüdischen Auswanderer aus Sowjetrußland seine Arbeit erschwere. Mr. Lucien'Wolf verteidigte., seinen Schritt damit, daß das Abkommen unit der litauischen Regierung die Massen der Flüchtlinge, für die sofort gesorgt werden müsse, per mehr e und daß dies fitt die seit langem wartenden Flüchtlinge unbillig sei. Wenn diesen die Möglichkeit zur Auswanderung nicht gegeben wäre, so müßten sie repatriiert tverhen, was viel schlimmer sei. Lord Rothschild trat für Mr. Lucixn Wolf ein, indem er darauf hintvies, daß es sich hier um 2 5' Q.0 0 0 Flüchtlinge gegenüber SO.000 handle, die vom U'Löereinkvmmen ntrt der litauischen Regiprung bettoffen seien. M. i •t’!. < UL