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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-24 · Heft 1013 (24.11.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1013 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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BBSS2_il. M. 1013 ASim. Donnerstag Wie««r MorgoirzettrrKS 24. November 1921 Seite 5 HorHy-Regimes war in dirr DaL stärker «als, das Rechtsgefühl. Nach' einer-' Meldung aus Budapest wurde näcklich die Hcruptverhandlung gegen die Mörder und Plünderer plötzlich abgesagt, da derselbe Staatsanwalt, der in seiner von uNsZ-auszugswelse wieder- ' gegebenen Anklageschrift in so überzeugender Weise die Schuld der Angeklagten, aber noch mehr die Schuld der nicht angeklagten Agitatoren Und Aufreizer nachwies, sich plötzlich erinnerte, daß die als 'Grundlage der Verhandlung dienenden Verbrechen nach dem Sturz /des Kommunismus begangen wurden,-und der. neue Amnestieerlaß Horthhs auch auf die Beschuldigten dieses Prozesses Anwendung finden müsse. Die Pflicht ' des Staatsairwalts sei — so wird ausgeführt — nicht nur die belastenden, sondern auch die Mgchn'sten der BeschMigivn sprechenden Umstände in Bewacht zu ziehen, weshalb er auf dem Standpunkt stehe, daß er nicht mehr in der Lage sei, die Anklage zu vertreten. Dev Gerichtshof machte sich i>iese Auffassung zu eigen, und so werden auch diese im Aufträge Hovthys und seiner Detachements vollbrachten Mordtaten uu ge sühnt bleiben. Tine Konferenz der jüdische» Schriftsteller «nd Jonrnaliste«. Nrver Initiative der jüdischen Schriftstellei- und Iourrtttlistrnverbande m Wilna und Warschau findet in . der Zeit t>oM 24. bis 26. Dezember d. I. eine Konferenz der jüdischen Schriftsteller und Journalisten von Polen, Litauen, Weißrußland «sw. statt. Aus der Tagesordnung dieser Konserenj, bei welcher ewige interessante Referate von Wissel 3 e i fc I i n, Srlman Reisen», a. gehalten werden sollen, steht unter anderen die Gründung einer Weltorg anisation der jüdischen Schriftsteller und die Sinbrmfnug ewer W e l tk o n f e r e n z derselben. Gömbör kontrahiert he« Oberste« Wolff. Bttdgpeft» 28. November. Wie „Szvfzat* nreldet, ließ das Mitglied der ungrüschenNationalverMinilmig, Julius G 8 mbös, dm österreichischen Obersten Gustav Wolff wegen eines in dem Organ der österreichische» Schwarzgelben erschienenen Artikels, der das Verhalten Gömbös' ivahrend des Konigsputsches ablällig kritisiert, im Wege seiner Bevollmächtigten, des Husarenrittmeisters a. D. Delatiny-Brau» und des Chefs des Pressebureaus i« Ministerpräsidkvu Dr. Eckhardt, telegraphisch fordern. ' / Berhast««gen 1a Pretzbnrg. Preßbukg, '23. Noverriber. (Tschecho-slow. Preßbur.) Die hiesige PoUzeMEiou ist Verbrechern auf öre Spur gekommen, di« mit unterschlagesierr Geldern ein verschwenderisches Lkben geführt und ein Atten tat auf führende politische Persönlich keitsn der Ischecho-slowakischen Republik vorbereitet haben. FM Zusammenhang damit wurden der Oekonomiebemnte Bela Jalre vom Gütshof Beln bei Konrorn, der städtisch^! Beamt« in Preßbnrg, Wilhelm Kaiser, und der Beamte Ladislaus Fekete, unter der Beschuldiguilg verhaftet, das Attentat vorbereM zu habm.. Gleichzeitig wurden die Eltern des Kaiser in Haft geauunmen. Der Vater des Kaiser ist Führer der Pvehburger Magyarisch-Christlichsozialen. Durch' die Untersuchung wurde festgestellt, daß sich Bela Jalic vom Chauffeur Arpad Stedry l^/s Kilogramm Dynamit oder Ekrasit, rventnell ein« Höllenmaschine, die „bange Händel' habe, beschaffen wollte, um sie Wilhelm Kaiser zu übergeben. Die Polizei hat diesen Tatbestand festgeftellt, indem sie dem Chauffeur, der bei ihr die Anzeige erstattete, ein unschädliches Dynamitfalsisikat übergab. Bei dem Verhör wurde Kaiser auch eine Unterschlagung bei de« städtischen elektrischen Bahnen in der Höhe von 19.975 Kronen nachgewiesen. Da Kaiser befürchtete, daß seine Unterschlagungen an das Tageslicht kommen würbe»:, wollt« er nach seiner Angabe Selbstmoxd begehen rmb vorher ein Attentat entiveder aus den Preßburger- Polizeipräsidenten Sl a v i ee k oder fecat Minister Dr. Mr'cnra oder den Münsterprasideuten Dr. B.« ne sch aussühren. .. _ Die Gehaltrforderongen der Ko«zipie»te«. In der unter Vorsitz des Präsidenten Vr. Schäfer ftattgefundenen Mßerorbentlichen Generalversammlmrg des Niederösterreichischeri Konzipientenvereines wurden nach Erstattung der Referate durch die Vereins-Vizeprösibenten Doktor Artur B.er l. und Dr. Ludwig Mat tausch die folgenden Nesolutronsanträge einstimmig zürn Beschluß erhoben: 1. Die Vollversammlung beschließt, angesichts der sprunghaften Aeildcnmg aller PreisurÄ Wertverhaltnisse, «nd von dem Bestreben geleitet, die Entlohnuutzsverhältnisse der Standesaugehörigm auf eine Exmemrde anpassungsfähige Grundlage zu stellen, folgende Mndestgehaltsätze, deren Durchsetzung bei sonstiger Kündigung den Anwärtern zur Standespflicht gemacht wird: a) Für Anfälliger Monatsgehalt tm Ausmaß der stiveiligen. Monatsgesanrtbezüge eines außerhalb der Pflichtvraxis stchendm ledigen Nechtsproktikanten (Oktober 18.000 itroneii); b) für substitictionsfähige Rechtsanwalts anwärter die >im 33,93 Prozent erhöhten Bezüge ad a). Der Konzipientensereinsausschufi wird beauftragt, für die jeweilige Verlautbarung des Ausmaßes der Bezüge der Rechtspraktikanten Mitteilungen aus dem Publikum. Statt ieder besonderen Anzeige 1 ' Ernst Schwarz Vflma Rohn Papier-Exporteur Wien (ErzsSbetfalva) Wien (Vägujhely) Iir., Radetzkystrasse 22 '•_ Verlobte__ Herrn CharasGli und Frau gratuliert herzlichst anlässlich ihrer Vermählung Henenmoitbsns &. Eorenstetn & Co. 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Derselbe muss Schochet sein und ausserdem könnte ihm die Sekretärstelle übertragen werden. Sonstige Bedingungen: lediger Stand, tschecho-slöwakische Staatsbürgerschaft. Offerten mit mit Angabe der Gehaltsansprttch? an die lsküsl. lEuKusgsmvinils in Brüx 5020 WÖLL" UND SE5DENJAGKEN „STRUMPFWELT“ VII*, Kirchetigaase Nr. 12 (Ecke Lindengasse) sm m, Fernruf 35238 ------- Sorge zu tragen. 9. Der 'Ausschuß bes NieberösterreichischKl Konzipientenvereines wird ermächtig^ für die nächste Phase der Uehaltsaktwu ein geineinsämes Vorgehen mit der ^Gvhilfeuschaft, d. h. mit dem Reichsverband her Advokatnrs-- MtariatsanMtelltM Oesterreichs^ M leiteil. Der Börsestreik. DaS Monsksmitee teilt mit, daß von offizieller Seite noch keine Stellungnahme zu der in der gestrigen Versammlung der BLrsebs'ncher gssaßtm Resolution erfolzt ist. Sollten keine unvorhergesehenen Ereigmsse eintreten, dürste der Börseverlehr am Freitag den 25. d. M. wieder aufgenommen werden. Entscheidende Beschlüsse werden hirrtiber im Laufe des morgigen Tazes gefaßt werben. , Sp»rsaMkettsb«i«Lrott. Die Angstkäufe haben Msgehött. Zumeist zrW, weil die Argmnente der Zeitungeir rmd der Volksvertreter Eindruck gemacht haben, sondern weil die Kasse leer ist. Man kann in den Geschäftsstraßen der Stadt wirtier ungehindert vorwärtskommen und bekommt m den Läden wieder Auskunft: und Antwort, wann man nach-einem Preis fragt. Soweit wäre Mes gut. Aber die Sparsamkeit hat Schifsbvuch gelitten, am dreimal heiligen Dogma von der „Eiarteilnng" ist gerüttelt worden:. Männer kömmr gar nicht verstehen, lvelcher Umsturz damit im .Gemüt der Frauen erfolgt ist. Bon frühester Kindheit an hat inanV gehört, die Mutter lehrte es die Tochter, auf daß dis «s Weitergabe zu. ihrer Zett, das unerschütterliche Gebot dev Sparsamkeit: Keinen Kreuzer ansgeben, her nicht imbedingt ausgcgeben werden mußte, keine Anschafsnng machen, die ßich noch durch irgend* tvefche Kniffe verschieben ließ, mit dem' Gegebenen Haushalten. Solange der Kamm noch drei Zähne hatte, dachte eine Hausfrau nicht daran, ihn in Pension zu schicken; war der Rücken des Hemdes burchgeweht, so wurde aus dem Vorderteil ehr Polster-„Spiegel", ans den Aerinelrl ein Staubtuch. „Wer sich' nicht freiten fa&ut,- der kann nicht lvirtschaften^, sagt ein - altes Wiener Hausfraneuwvrt. Wir haben uns „gefrettett^, weiß Gott.. Zu .Kriegszeiten nahmm die hauswirts^äftlichen - Listen lutd Ränke oft groteske Formen an und dev'Kampf um die Erhaltung des Hausrates ohne „NachschafsMg" wurde mit wahrem Heldenmut, gekämpft. .Jetzt zeigt sich, baß das Ganze ein Mißgriff war, ein grober Irrtum, ein strategischer Fehler. Die wirklich guten Hausftauen haben eingekauft, soviel sie nur konnten, sie haben nicht gespart, nicht erspart, sondern nach Hause getragen, eingeheimst. Der Fuß- - labstreifer ist zerrissen — nicht mit Bindfaden stopfen, her mit einem neuen! Damals war er „teuer" und kostete.-. 50 Krvneu, jetzt ist er auf 600 Kronen hinaufgeklettert.. Der Wäschekorb hat ein Leck — nachschasstul Jetzt zahlt man ' das Zehrusche. Wer sich 'mit. dem Emflechtm geplagt hat, war bec Narr unserer Währung, und wer etwa gar Geld erspart hat, pfählt sich jktzt als Dummkopf. Man wird es anders machen von nun an. Keine Mutter wird cs wagen, die Töchter zur 'Sparsamkeit anzuhalten. Kaufen, solange ma« eine» Kreuzer in der ' Tasche weiß, solange man die Preise bezahlen kann. Denn eine Ueberteugung hat sich unerschütterlich nn Bewußtsein der Frauen aufgerrchttt: Morgen ist alles >eurer. Die volkswiltschsktliche Bedeutung dieses neuen Haussraucn-Credos wird der Allgemeinheit in ihren WiikMgen auf das Alltagsleben nur allzu bald imd allzu traurig klar werden. Die Wiener Frauen waren ihren. Männer» zumeist viel zu sparsam, viel zu „genau". Vielleicht kommt es jetzt anders und die Zeit ist nicht mehr ferne, da sich der Wiener Hausvater seinr. »alte Plag'" sehnsüchtig zurnckwünscht. Mo««me«te für Mische Dichter i« R«tzla«d. In Hömel und Witebsk wurden Denkmäler fftt I. L. P erez und in Kiew für Schalam A l e i ch e m md Mendrle Mocher S e s o v i m errichtet. ’* Die jüdische Gefahr. Ein ganz Gescherter hat bl Entdeckung gemacht, daß es m Oesterreich eme Religionsgemeinschaft gibt, die bedenklkcherweise einen Staat im Staate bilde. Nun . gibt es in Oester eich wirklich Bekenner eines Glaubens, dessen geistj. liches Oberhaupt außerhalb Oesterreichs residiert und mit den Welt-. lichcu Behörden dieses wie aller anderen Staaten durch osfiüell aktte-! ditierte diplomatisch Bevollmächtigte vertehrt. Besagter ganz Gescherter j meint vielmehr mit seiner Anschuldigmrg das Judentum, und zwar i deshalb, weil dessen Bekenner eine eigene Kaltussteuer zahlen und, das Emheben einer Steuer doch das Privilegium einer staatlichen Oberhoheit sei. In solche Konkurrenz mit dem österreichische« i Staate lassen sich allerdings die Bekenner der anderen »ben.i erwähnten Konfession, die mit einem diplomalischen Zlpparat im" Stile der selbständigen Großmächte arbeiten, nicht ein. Sie; besitze« so viel Zartgefühl, keine eigene Kulürsstruer zu zahlen,! sondern sich ihre religiösen Bedürfnisse aus den allgemeinen fiaati sichen Stenereinkünfteu decken z« lassen. Nur die intriganten i Inden bezahlen nicht nur ihre Geistlichen Ms eigener Tasche,; sonder« mit ihren Trennleistungen an den Staat auch noch . die! Geistlichkeit der anderen. Woraus ihre Gefährlichkeit wieder' eimnal erschreckend deutlich exhellt... * Eine interessante „echaologMe Ttttdeckung. Ans dem Westabhang des römischen Monte Mario wurden hochinteressante Ausgrabungen einer prähistorischen Wohnstätte ge-! macht. Die gefundenen Gegenstäde zengen davon, daß die Wohnstatten auch von spateren Generationen bewohnt wurden; sie ge»! hören sowohl der ersten Eisen-- als auch der Bronzezeit an. Die! Wohnstätten find voneinander weit emfernt und befinden sich auf einem aroßm Flächenraum. In ihrer Nähe dürfte sich auch ein. Friedhof befinde», wie ans den vsrgesandeaeu Urnen zu schließen^ ist. Es handelt sich um die ersten Wohnsitze der Ureinwohner bet; Stadt Rom. Dre Ausgrabungen sind beste im Anfangsstabimn und wer weiß, was für Nebkrraschnngrn sie ans Tageslicht fördern werden. Soviel ist aber sicher, daß man nicht mehr behaupten, fcm», daß die Wohnstätte der Ureinwohner R-«s nicht bekannt sei * Schadenersatz für Requisitionen im Kriege. K l ansenburg wird uns berichtet: Das Siebenbürgeri Staatsfekretarrat für innere Angelegenheiten publiziert eisten Er-! laß, m welchem die Bewohner von Klrnsenburg awgefortierti werden, ihre Ansprüche auf den Ersatz für die von der ehemalige»! Säerreichisch-ungarischen oder deutschen oder ungarischen Armee! wahrend des Krieges requirierten Dere, Robvrodukte, Lebens-! mittel oder sonstiges bewesüches Gut. bis Ende d?S MonatS/ November anzumelden, sofern sie bisher noch nicht befriedig^ wurden. Der Ersatzanspruch muß durch einen anläßlich der Requisition auSgefolgtm md bisher nicht emgelösten Bon nach-! gewiesen werdm. * Ver»Shl«»s doS Königs Alexander von Serbiens Der „Epoea" zufolge sei, gegen Jähresschluß die Vermählung! des Königs Alexander mit einer französischen Aristokratin zu gewärtigen. Zwecks Erledigung gewisser Formalitäten werde M der König binnen kurzem wieder »ach Paris begebe». * Ghrruzeichr» filt Verdienste nm dis Republik Oesterreich. Nach einer gestern im Nationalrat eingebrachteni Vorlage sollen Verdienste um die Republik Oesterreich limftig-j durch die Verleihung von Ehrenzeichen gewürdigt werden.^ Drei Ehrenzeichen können nach Maßgabe und Art der Berdienstd; abgestnft werden. Die Ehrinzeiche» verleiht der Bundes^! Präsident aus Vorschlag der BandeSregierung. In der B ej grün düng wird ansgrführt: Die wirtschaftliche Rotlage! oer Republik hat es mit sich gebracht, daß m zahlreichen ans-! läudischen Staaten charitatrve ÄkÜonen veranstaltet werden, umi die. Leiden unserer Bevölkerung zu mildem. Wohl ohne weiteres! könne behauptet werden, daß eS einem He^enSbedürfnis dert breitesten Oessentlichkeit' entspräche, denjeiiiae» Personen, welche^ sich um die Hilsstätigkeit besondere Verdienste erworben haben.! den Dank unseres Staates in sichtbarer Weise auszudrücken. Es! dürfe aber nicht übersehm werden, daß auch im Jnlandr Verdienste vm die Republik erworben wurden. Damit der Volks-? Vertretung die notwendige EmfiußnshMe auf die Lösung derartiger! Fragen gewahrt bleibe, soll daS Statut des zu schaffenden Ehren-! zeichens mit Zustimmung des HauptanSschnffes des Natioualrats! mr Berordnnngswege erlassen werden. Die Bundesregierung glaubt,; llnZeseliwäckte Zugkraft üben die an Qualität und Preis konknrrenzlo^en Herbstu. Winterstoffe der Stadt-Elesten-Messe Wie«, l., WeihburggasselO—12 &J0aBUmß -M» i 1806

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