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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-24 · Heft 1013 (24.11.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1013 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien Donnerstag Wiener «r»r§eirzeiLrrrzA 24. November 192$ im. 1913; sicheren Meldungen aus Kasan werden viele Hunderttausende Hungers zugrundegehen, wenn nicht sofort Hilfe geleistet wird. Die gesamte Bevölkerung Mittelrußlands ist vom Aussterben bedroht, große Gebiete werden Wüsten werden. Die dringende Notwendigkeit sofortiger Hilfe kann nicht übertrieben werde«. Das Resultat der Ahrrrftmrgskonfererrz. Paris, 23. November. „Echo de Paris" meldet nus Washington, es sei wahrscheinlich, daß die Debatte über die Abrüstung zu Lande durch einen in einer geheimenSitzungderRegierungsch e f s gefaßten Beschluß beendet werden wird. Danach soll die Verminderung der Militärmacht der verschiedenen Länder als wünschenswert bezeichnet linb hinzugefügt werden, daß die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Effektiostandes der französischen Armee ^>urch die Umstände vollkommen gerechtfertigt sei. Abbruch der englisch-ägyptischen Verhandlungen. Lon-ron, 23. November. (Funkspruch.) Die Verfiandlungeri zwischen der englischen Regierung und den Vertretern der ägyptischen Nationalisten sind deshalb abgebrochen worden, weil letztere das Verlangen stellten, die englische Besetzung solle sich nur auf das Gebiet des Kanals von Suez erstrecken. Rom, 23. November. (Funkspruch.) Die ägyptische Abordnung, die die Verhandlungen mit der englischen R'gierung geführt hat, ist in Kairo eingetroffen. In Vuer Proklarnation an das Volk teilt die Abordnung mir, daß die Verhandlungen wegeil der Unnachgiebigkeit der Englischen Regierung abgebrochen werden '-rußten. " Die Kämpfe in Marokko. London, 23. November. (Funkspruch.) Nach amtlichen Meldungen aus Mellila habet: die Spanier am Sonntag Razmedna gestürmt und genommen. Kongreß der jüdischen Gemeirrden in Jugoslawien. Agram, '22. November. (Jüd. Korr.-Vur.) Heule wurde IjiDi* der Kongreß sämtlicher jüdischen Gemeinden Jugoslawiens eröffnet.' Der Vorsitzende bezeichnetc die ^Zusammenfassung aller jüdischen Gemeinden im S. H.S.-Staate, die bislang unterschiedlichen sprachliche: und sonstigen Einflüssen verschiedener Länder und Völker unterworfen waren, in eine einheitliche legale Organisation, als die Hauptaufgabe dieser ersten allgemeinen jüdischen Tagung in Jugoslawen. Die jüdische Presse Jugoslawiens begrüßt den Kongreß in wärmster Leise und drückt den Wunsch aus, daß diese Tagung den Grundstein einer ständigen allgemeinen Repräsentanz der jugoslawischen Judenheit bilden möge. Eine FloLtmachungsaktion für die polnische Zndnstrie. Warschau, 23. November. (Tel.-Komp.) Im Landtags» a-bäude fand eme Konferenz des Mm:stkrpiäsldenten,des Finavz-- ministers und Innenministers sonne des HondelSmiuistcrs »rt dem Delegierte« deS polnischen GewerkschastSverbandes statt. Die Ksnierenz gslt der Frage einer Fiottmachvng der polnischen Tertll- «nd Metrllmdustrie. Der Fmanzmm'ster berichtete über die von der Regierung »eranlaßte« Maßnahme«. Die Regierung verzichtet auf die Emhebung der Kohlensteuer, setzt di« Eisenbahnbcihntanfe herab und wird auch skr erne ausgiebige Kredit« erleilung au die Industrie Sorge trage«. Ti» franzöfisch-polnisches Wlrtschaftsabkom«e«. Paris, 23. November. (Tel.-Komp.) Gestern ist im Ministerium des Aeußem das französisch-polnische Wirtschaftsabkommen über Oderschlesien unterzeichnet worden. Obwohl die offiziellen Kreise darüber größtes Stillschweigen bewahren, verlautet aus informierter französischer Quelle, daß das Abkommen sowohl für Polen wie für Oberschleflen bedeutende Vorteile materieller Art enthält. Die Wahle« 1« das Wil«aer Parlament. Wilna, 81. November. (Privat.) Die Ausschreib««- der Wahlen skr das W luaer Parlament wurde verl Heben, anüblich, nm die Wahlattio» in den Ätetfea von Lida und 'Zrasiaw mit Ler im Wilnaer Gebiet in Einklang zu bring««. Generalstreik in Trieft. Gwaz, 23. November. Die „Tagespost'" meldet Ms T r i ' fr Der Generalstreik greift immer weiter um 'ich. Die gesamte Arbeiterschaft der Schiffsbaurv erste und aller größeren Jrldustrieunternehmungen. be'iudet sich im Ausstand, ebenso jene der Gas- und Elektrizitätswerke, so daß die Stabt vhue Licht uni) elektrische Kraft ist. Es besteht die Gefahr, daß, bi' Stadt auch bald ohne Trinkwasscr sein wird,!o• i(. sich gestern nachts auch die Arbeiter dev Wasser- .iw’rio dem Streik angeschlossen haben. Im Hafen ruht die Arbeit vollkommen. Auch die Druckereien arbrüen nicht, so daß die Zeitungen nicht erscheinen A« die geehrten Abonnenten «nd Leser der Wiener Tageszeitungen! Neueilicht in der letzten Zeit eingetielene enorme Verteuerungen alter zur Herstellung der TageSze'tungen uotwenöigm Rohmaterialien, insbesondere die horrende Erhöhung der Papierpieije iowir die fortgesetzte Steigerung der Gehalte u«d Löhne, zwingen d e W-cne'c TageSzeitungrv, die Adonnemmt» und Verschlrißpreise abermals zu erhöhen. Die ackert gte Velemignng hofft, daß die geehrten Leser der Wiener Tageszeitungen d:e nur durch zwingende Gründe notwendig gewordene Erhöhung der Abonnement- und Drrlchlcißpreise entsprechend würdige» werden, und gibt der angenehmm Erwartung Ausdruck, daß die P. T. Abonnenten und Leser ihrer gewohnten Tageslrklüre trotz der geänderien Verhältnisse Treue bewahren werden. DieVereinigurrgder österreichischen Tageszeit« «gen. * Demzufolge sehen auch wir unS genötigt, die Bezugspreise der „Wiener Morgenzcilrmg" jür Wien und bic österreichische Provinz —für das Ausland bleiben sie u nv e r 8 n d e r t — zu erhöben. Die Erhöhung erfolgt nur in dem unbedingt nowendigen Ausmaß. Bezugsbedingungen ab 1. Dezember 1921 Abonnement für Wien (zmn Abölen im Exredit oder in den B-rschleißstellen) monatlich Kr. 500. — Oesterreich monatlich.. 560. — Tschecho-Slowadei monatlich.Kö. 18. — Polen monatlich. Jugoslawien monatlich. . . Dinar 15.— Dentschland M ••••••« . . Mark 20 — Rumänien SO.- Bulgarien „ ....... 30. - Holland 1.50 Schweiz n ....... . . Fred. 3. — England n ...... . , sh 3. — Italien n ♦*...* . . Lire 6.— Amerika —.50 Frankreich, Belgien monatlich. . . . Fres. 6poln. Mark 500. Ernzelverschleitzpreisab 28. November irr Wien Kr. 20.—. Zahlstellen: Oefterreichisches Pvstfparkasienkonto (Wien) 15V.LS3. Tschecho-slow. Postsparkasienkonto (Prag) 5S.S51. Polnisches Postsparkafsenkonto (Warschau) 180.227. Deutsches Postscheckkonto (Berlin) 108.722. Rumänien (Ezrrnowitz): Allgemeine Depositenbank, Filiale Tzernomitz. Jugoslawien: Postsparkasienkonto (Agram) 40.085. Italien: Soelsti Itailaaa di' Crediio oannerelal«, Triest Via tlazzlai 30. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" Wie», II., Taborstratze 1-3. Telephone 43.3-10, 44-0-38. köMVN. Zwischen Faszisten Und Kommunisten ist es an einigen Stellen zu scharfen. MseimudersetzunLeNr gekommen. - _> Tagesbericht. _ Theater in Washington. Ford will die Weltflotte als altes Eisen kaufen. — Foch kriegt eine« Ehrensädel. Der bekannt« amerikanische Automobilsabrikanl Henry Ford, nebenbei bemerkt der derzeitige Führer dier antisemitischen Bewegung in den Vereinigten Staaten, hat der Regierung in Washington den Antrag gestellt, ihm die Kriegsflotten der ganzem Welt zu verkaufen. Er ist bereit, deir Marktpreis für altes Eisen zu bezahlen. Etnem Mitarbeiter der Londoner „Daily Mail" erklärte Ford: „Mein Vorschlag ist sehr ernst. Die Regierung könnte glauben, baß ich die nötigen Gelder nicht ausbringen werde. Ich bin «aber in dev Lage, alles zu bezahlen. Mit Hilfe von Sauev-- stoffgeblasen und. elektrischen Maschinen werde ich die Kriegsschiffe in Stücke zerschneiden und sie zu la ndwirtschaftlichen Mas chinen und anderen nützlichen Werkzeugen umwvndeln. Ich bin bereit, alle amerikanischen und fremden Schisse zu kaufen, deren Zerstörung beschlossen werden wird. Man hat seinerzeit eine große Zahl deutscher Schisse versenkt. Das war ein Verbrechen. Wenn die Diplomaten Sinn für Geschäfte haben, bann werden sie mein Anerbieten aunehmen. Wenn die Mächte darein willigen, mir ihre Flotten zu verkaufen, dann werde ich sie in die Lage versetzen, das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen. Wenn dis FlotM mir gehören, werde ich Millionen von Arbeitern beschäftigen, die aus ihnen Pflüge und der Menschheit nützliche Maschinen machen werden." — Herr Ford legt, wie man sieht, nicht nur Geschäftssinn an den Dag, sondern auch ein naives Vertraue,: in bis Macht feiner Regierung. Er glaubt, daß die Rüstungsfragen tatsächlich erledigt sind, daß der Wunsch des Präsidenten Harbing genügt, um aus den Flotten altes Eisen zu machen, um bas biblisch« —— — ' ----^ Wort vom Schwerte, das M Pflugschar wird, wahr zu machen.! Nun gibt es in Amerika ab»rr noch andere Lieute. welche bessere Bibelkemwr als Ford such und weniger zuversichtlich erscheint. Das sind die Herren Jesuiten. Eine Meldung aus Washington besagt, baß die Vertreter der von den Jesuiten erhaltenen Kollegien und Universitäten in den Veveinigtew Staaten den französischen General Foch in Wachrngtoiy ausgesucht uub ihm einen Ehrensäbel überreicht haben. Abrüstungskonferenz und die Patres.S. F. mit dem Ehrensäbel in der Hand! Die Dagesgeschichte feilet' sich doch noch gute Scherz«. Die geistlichen Herren haben also symbolisch, aber deutlich, pt Msdruck gebracht, daß ihnen die Macht des Sabels noch immer, gesicherter erscheint als. die Macht der Wafhürgtoner Abrüstungskonferenz. Sie sind also anderer Meinung als Ford. Amerikanische Automobilsabrikantrn sind ungeheuer kluge Leute. .Wer Jesuiten sind auch nicht dumm.; ■ : st. Dr. Gers»« Zipper gestorben. In Lemberg ist vorgestern der Führer der zioutstl» scheu Bewegung, Redakierlr der „Chwila", Dir. Gersou Zipper, gestorben. Zipper, der ein Alter von 53 Jahren erreichte, war in Tarnopol geboren. Als junger Strident hat er zusammen mit Stand, Doktor Thon, Dr. Brandes und Dr. Ehrenpreis in den Achtzigerjahren die zionistische Bewegung in lizien gegründet und!var einer der eifrigsten Mitarbeiter de^ ersten zionistischen Wochenblattos in Aemberg „Die Zukunft (Wschod). Nach dem Auftreten Herzls hat ec sich der Herzlschen Richtung angeschbossew und zählte zu den eifrigsten Mtarbeitern der zionistischen Bewegung. Zipper war einer der ersten, die die Notwendigkeit der Betätigung auf dem Gebiet der Laudespvlitik anerkannten, und schon m de« Achtziger-- jahren hat er gemeinsam mit Dr. Malz ein aus--! sührliches Programm für die landespvlitische Betätigung!^ ausgearbeitet. Im Jahre 1907 leitete er die erste zionistische Wahlkampagne. - Zipper hat das größte Verdienst ww das ZufianderommLn des hebräischen Gymnasiums in I e r u s a l e m, für welches er in Galizien eine großzügige Propaganda entfaltet und größere Geldsummen gesammelt hat. Nach dem Lemberger Pogrom am 22. November 1918 hat er m\iet den schwierigsten Bedingungen die „Chwila", das erste zionistische Dagblatt in polnischer Sprache, in Ostgaüzien gegründet und die Redaktion bis zu seinmn Lebensende geführt. Mit ihm hat der Zionismus einen seiner hingebnngs- * vollsten Mitarbeiter und VvrkÄrlPftr verhaven. Bcrdyezewski gestorben. Aus Berlin wird geinelbet, daß dortselbft der bekannte hebräische Schriftsteller Dr. M. F. Ver d y c z e w s k i am 18. d .M. gestorben ist. Berdyezewski wurde int Jahre. 1865 als Sohn des Rabbiners von Berschad geboren und genoß eine streng orthodoze Erziehung. In fti'rhen Jahren wandte sich Berdyezewski der schriftstellerischer Tätigkeit und schon in seinem 20 ^Lebensjahr erschien fein erster Artikel in der Revue ,Hakerem" über die Jeschävah von Woloshin. Berdyezewski brachte in die hebräische Literatur sowohl als Belletrist wie durch seine Aufsätze einen neuen Zug: Er nahm mit großer Letdmschast den Kamps gegen die spiritnalistische Auffassimg des Judentums aus, wie sie Ach ad Ha am vertrat und setzte dieser ferne Anschauungen entgegen, die sichern Nietzsches Jdeengangerr Lewegteir. Diese Nicht,mg tritt sowohl "ln seinen vielen publizistischen Arbeiten als auch in seinen erzählenden Werken, wie „Machwloirn", „B'ajarath K'tanah", „Urwah parach", deutlich hervor. In den letzten Jahren hat er sich der Bearbeitung der jüdischen Legendenwelt zugewendet, und einige Bände dieser Sammlirng, die von Berbyczewskis Wissen und Fähigkeiten aus diesem! Gebiet zeugen, sind sowohl in hebräischer wie in deutscher' Spräche (tat Jnselverlag, Verlag Nisten u. Loening und R. Löwit) erschienen und haben eimüberaus günstige Ausnahme gesunden. An der Vollendmrg dieses Werkes hat /Berdyczewsü bis in die Letzte Zeit gearbeitet. Eine größere Erzählung aus seiner Feder, ,Mrjam", erscheint gegen-- wärtig in der „Hatekusa^. Horthy amnestiert die Mörder »on Diszel. Jvdenpogrome in Unga»n straffrei. Wir berichteten gestern über den Begimr Monsterprozesses, in welchem die Helden des Pogtours von Diszel bei Zalaegerszeg sich zu verantworten ge« habt hätten. Es hatte den Anschein, baß man in Ungarn doch gewillt sei, wenigstens zum Schein Rechtsord-nung zu spielen, Ivo bei wir allerdings unsere Beftlrchtung nicht unterdrücken konnten, baß muh in diesem Falls nicht alle Einzelheiten, ganz besonders aber die Vorgeschichte der Pogrome, in dic Oeffentlichksit gelangen und ün besten Falle die uvfchuDigen Verführten nicht aber ihre 'Verführer der gerechten Strafe zugeführt lvürden. Die Angst vor der Preisgabe drr geistigen Urheber dieser und vieler anderer Judenmetzsleie n in den Letzten zwei Jahren des Mer-UiidPelziiaus ersten Ranges JAC. MATER Wien II Taborst«*Bsso 44 Eigene Werkstätten VVRVRBy HBb Fernruf 41-6-34 . 3 Grosse Sperlgasse Np0 29 für Kl6id6T Fernruf 46-8-21 Gloojkejiiiasse 24=s=: und Pelze /

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