Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1013 (24.11.1921)
- Date
- 1921-11-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1013 Wien. Donnerstag Wiener MorgenzöLrung 24. November 1921 Seite 3 System in ein monarchistisches umzmvaydeln, um -ctJt die Spitze des Staates einen Habsburger zu. stellen, wird zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Wenn ein Angehöriger der Familie Habsbnrg ohne Erlaubnis des Ministeriums des Innern tschecho-slowakischen Boden betritt, begeht er ein Verbrechen, das mit ■ fünf bis zehn Jahren Kerker bestraft wird. Wer von dein Betreten tschecho-slvwakischen Bodens durch einen Habsburger Kenntnis hat und dies nichtzur Anzeige bringt, wird zu einem-Jahre. Kerker verurteilt. Wegen Monarchismus verurteilte Ausländer werden für immer ans der Tschechv-Skowakei ausgewiesen, eigene Staatsangehörige unter Polizeiaufsicht gestellt. Außer den angeführten Strafen haben die Schuldigen die Beschlazuahine ihres Vermögens zu gewärtigen. Csernoch mahnt z«m Frieden. Seit zwei Jahren wird in Ungarn i,n Namen d-rr chriZtlichLn Religion und der christlichnativiralen Kalter gemordet, geplündert und jede Schändlichkeit verübt, die gegen die Moral überhaupt verstößt und das Oberhaupt der katholischen Kirche in Ungarn hat kein energisches Wort zur Ablehnung oder gar zur Geißelung dieser Schandtaten gesundeu. Jetzt.endliche da dieser „christliche" Kurs sich übernommen hat! ' und zusammenzubrechait droht/ hält es Fürstprimas Kardinal 'Johann 'Escrn och für zeitgemäß, seine Stimme für den Frieden nuten den Ko n s d s sio n e n zu erheben. Er. äußerte-sich dem' Mitarbeiter entes -ungarischen Abendblattes? gegenüber wie folgt: „Wer heute zwischen den verschiedenen Konfessionen Zwiespalt hervorzurufen trachtet, leistet.dem Vaterland keinen guten - Dienst. Meine Ueberzeugung ist, büß nur derjenige dem Wohle' des Landes in Wirklichkeit dient, der den. Gedanken des Friedens unter den Konfessionen verkündet. Jede Konfession -möge'in ihrem Kreise ihre Pflicht getreu erfüllen, um §nr Lösung der Ausgaben beizutragen, vor denen das Ungartum in der heutigen traurigen'.Zeit steht. Mein Wunsch and mein Wtle ist die Friedfertigkeit auf Grund .gegenseitigen Verstehens". Lon welcher guten. Wirkung wären diese Worte, aus dem Münde, des einflußreichsten Christen in Ungarn gewesen, renn sic im Laufe dieser zwei traurigen Jahre auch nur riilmal erklungen wären! Oder war vielleicht, auch seine erz- 'lischösliche Eminenz in dieser Zeit des „weißen BolschewiomnZ",. wie der weiße Terror im ungarischen Parlament genannt wurde, so unfrei, daß er diese Friedensverkündung erst heute wagen darf? Der Budapester Berichterstatter der „Reuen Freien Presse" verurteilt und vor der Internierung. Budapest, 22.* November. Wie , „Az Est" »nichtct, hatten sich Samsta« vor der Budapesier Po.izei zwei Jouruaüsteu wegen Verbreitung von Älarmnachrichien zu verkutworlen.. Es handelt sich uur eine in der „R^iren Freien Presse" am vorigen Dienstag erschienen Nachrrcht über die Berlinsiiing..unverantwortlicher Elemente. Die Prcssiabtrilnng des Ministcnums. des Acußern stellte .fest, daß diese Nachricht von dem, Berichterstatter der „Neuen Freren Presse" in Budapest, Kars Morgenstern, stammt. D.eser behauptete, die dieser Meldung zugrunde liegende Jwormaüon von dem Journalisten Michael Ü e v tt t bekommen zu haben. Beide Journalisten wurde« der Verb,c-tang von Alarmnachrichten iiic schuldig befunden und zn je 1p Tagen Hart und zu 8t20 0 Geldstrafe verurteilt. Außerdem wurde gegen Morgenster«. der Ansländer rst, da< Jnternnrnngsverfahren anhängig gemacht. Die Lage in Deutschland. Mlaßnahmeu gegen den Wucher. Berlin, 23. Mvember. Der. „Freiheit" zufolge erklärte Ncichsjustizminister Radbruch, daß sämtliche ivl'gen politischen Vergehen gefällten Urteile noch einmal überprüft werden würden. Dabei würde besondere Rücksicht auf die Jugendlichen genommen werben, die bestimmt alle amnestiert tvürden. Die in Berlin anwesenden ArbeitLrdelegationen ans dein Reiche sprachen beim Reichsjustizrninister Rad- Jjvucf), wegen der Freilosjung der politischen Gefangenen vor. Die Delegationen haben sich zu einer provisorischen Körperschaft konstituiert. Es soll ein allgemeiner deutscher Betriebst ätetongreß und sämtliche Parteien und. Gewerkschaften in kürzester Zeit nach Berlin einberiJen werden. Gestern wurde sowohl au MichstvirtschastSinini-- steril,in wie auch in der Reichskanzlei die durch die Teuerung und infolge der Plünderung von Geschäftslüden in-Berlin entstandene Läge eingehenden Besprechungen unterzogen. Das Reichs kabinettwird auf Grund der Besprechungen die zu ergreifenden Maßnahmen g cgeu den Wucher erwägen. > Kii«pse in Belfast. Bclfaft, 23. November. (Wolfs.) Heute kam es wieder i« der Stabt zu zahlreiche» Schießereien. Sechs Personen wurden getönt, viele andere verwuaret. Zwei Perwnen wurdm erstickt in Schlafzimmer ausgesmchen, da eine Kagel die Gaste'tnng zerstört hatte. London, 23. November. (Tel.-Komp.)' Infolge Lines Bombenattentats ans einen Eisenbahn zu g kam es gestern neuerdings zu SbraßenkämPfau in Belfast. Bisher sind 30 Tote und zahlreiche Verwundete zu verzeichnen. Konzeribureau des „HARUACH" Mittwoch den 30. November, halb 8 Uhr abends Mittlerer Konxerthaussaal Jüdischer Humor Mitwirkend: Mali Picon Lea Weintraub-Graf J. Kalich J. Reissmann S. Natan Karten nind erhält'ich: an den Konzerlhauskassen, III, Lothringorsbasse. Kasse der „Wienei' Mo-rgenzeiVung“, Taborstrasso 1, Buchhandlung H. Löwit, I., Ilotenturmstrasse 22, Koruertbureau ..Aida“, II., Taburstvasse 7 PS77 Inland. Wo stecken Oesterreichs Diplomaten? Auiarns -LügenseldMg gegen Dssterrsich. Der Pariser „Temps" dringt unter der Spitznrarlre „Die Oefterreicher im Burgenland" faltende Meldung aus Budapest: „Die Oefterreichsr find' kn Sie Gemeinden West. Ungarns, rote Fahnen tragend, eingezogen. Sie haben das Krregsrechr verkündet, serjagen alle Beamten und ersetzen sie durch Kommunisten. Sie zerstören' Eisenbahnen «nd TelephonUrrren. Sie berauben die Warenlager und Viehbestände und bringen die Beute nach Wien. Die Bevölkerung ist verzWüselt." Die Horthy-Banditeu verwenden das in Ungarn und dem Burgenland den Juden geraubte Geld recht gut. Was ihnen ein schwelgerisches Räubecleberr übrig läßt, benützen sie für die „Ausgestaltung" des ausländischen Pressedienstes. Die größten Blätter des Westens wimmeln von Nachrichten gleich der vorstehenden. Von einer Widerlegung der faustdicken Lügen, deren, ständige Wiederholung schließlich eine für Oesterreich verhängnisvolle Wirkung auslöst, ist mder mächtigen Auslandsprefse nie etwas zu merken. Wo bleiben die österreichischen Auslandsvertreter? Wozu erhält das arme Oesterreich einen nicht billigen diplomatischen Apparat?.... Die Abstimmung inOedenburg. Die BotschafLerkonsereuz besaßt sich. Paris, 23. November. (Havas.) Die Botschafterkonferenz. befaßte sich mit der Organisation der Volksabstimmung in Oe denburg, insbesondere mit der- Frage, in welcher Weise die Ordnung hiebei gesichert werden könne. Keine Ratifizierung des Protokolls vor Abzug der Horthh-Truppen. Wie»r, 23. November. Bo» ungarischer Seite wird berüglich der Ratisijiei urig der sogenannten Venediger Protokolls aus die österreichische Rerurung ein starker Druck auszuüben verncht, der den Zweck verfol-t. sowohl aus der Abstimmung als auch ans der Natlfiziei»ng eine bloße Farce zu macken. Es. wird uns an kompetenter Stelle neuul-ch versichert, daß. eine Ratifizierung ohne Regelung der Frage der Räumung des Gebietes von ungarischen Truppen und Behörden ganz a n s g e s chlossen crschanp Es wäre der Negierung unmöglich, in dieser Angrlegevhnt an das Parlament hecarrzutreten. Ungarn bereitet sich vor. Wteneir-NsustM, 23. November, Sonntag b»rmirfags wurdm in Agcndorf sämtliche am Samstag aus Oesterreich kommenden Arbeiter verhaftet und einem strsngen Verhör unterzogen, da in dieser Nacht irr dcr Ortschaft ziemlich viele österreichische Flugzettel gefunden wurden. Sie wurden nach einem Verhör nach, ettva ztvei Stunden wieder, fteigelassen. In.Brenn--, berg ist die 17.' Maschinengewehr-äbteilung sowie Jnfanterieverstärkrmg zu den bisher dort dislozierten.fünf* hundert *Mann Besetzung eingetr'offen. In. der Richtung? Zinkendorf finden große Truppenverschiebungen; statt- Es ist noch nicht festgestellt, ob es sich bei diesen ununterbrochen stattfindenden ' Bewegungen umr Ein-- schüchterungsversuche oder Täuschungsmanöver harchelt, die mit der Abstimmungsaktion der Magyaren im' Zusammenhang stehen. * Wie mau 'S braucht. Der VertlmMngsgerichtshof hat wieder etir Ootionsurtxil. gefällt. Er hat einen Optanten ab gewiesen, weil unter seinen Dokumenten das Volks schul-. zengnis fehlt. Wir kennen Fälle, wo ein solches Zeugnis und alte übrigen Dokumente vorhanden waren, aber irgend>rin anderer -Fehler gefunden wurde, der in. das Schema von Rasse und Sprache paßte ... lieber den-Fäll wird uns berichtet: Der bei d-rr Firma Josef Jnwalb A.-G. irr Wien beschäftigt-r Jakob Taubes hat den Anspruch auf Anerkennung der österreichischen St-aatsangehörig-' Seit geltend gemacht. Das Bundesnrinisterium für Inneres hat den Anspruch des in Stamslau geborenen Taubes mit der Begründung ab gew iesen, daß er nach Rasse- und Sprache nicht zur deutschen Mehrheit der Bevölkerung Oesterreichs gehöre. Gegeir diest Entscheidung wurde die Beschwerde mr den Verwaltnngsgerichtshos eingsbracht, der unter Vorsitz des Senats- Präsidenten Hillirr-Schönaich die Beschwerde, abgewiesen hat. In der Begründung wird unter anderem gesagt: Der Beschwerdeführer hat ein Zeugnis über den Besucheiner H an b e l ssch u le mit deutscher Unterrichtssprache in Stanisl.au beigebracht, und sich auch auf bas Zeugnis von ztvei namhaft g.»- machten Personen berufen. In Borerledigung seines Ansuchens wurde sr von der belangten Behörde aufgefordert, den Nachweis seiner Zugehörigkeic zur deutschen Mehrheit, der Bevölvevnng Oesterreichs durch Bei«, bringung eines Volksfchulzeugnisses zn erbringen. Dieser Aufforderung ist er ndchtinachgekommen. Die Aussagen zweier namhaft gemachten Zeugen, daß er sich stets der deutschen Sprache bedien«, schien dem Bnndesunv'stertwu für Inneres unzureichend, ebenso das Zeugnis über den Besuche der Handelsschule in Stanislau. Ein Zeugnis über den Besuch-einer deutschen Volksschule hat der Beschwerdeführer nicht zu erbringen vermocht. Eine Mangelhaftigkeit des Verfahrens liegt nicht oor, da die Beweiswürdigkeit im freien Ermesse n der belangten Behörde liegt. * Arstzerordentlicher zionistischer Parteitag. Der außerordentliche zionistische Parteitag findet am Sonntag den 27. d. M. um 9 Ühr vormittags im Nlederösterreichischen Gewerbeverein, I., E s ch e n b a ch g a s s e 11, statt. Die Delegierten werden ersucht, pünküich zu erscheinen. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. Die Konfere«z von Portorose. Ans P o r t o r o s e wird gemeldet: Heute soll der Schluß der Ksnfelm; erfolgen. Die Delegierte» haben sich nur noch mit dem rumänischen Antrag zu beschäftigen, eine gesamteuropäische Eisenbahnorgamsation zu bilde». Neuer amerikanischer Gesandter in Wien. Aus Washington wirb gemeldet: Präsident Harbing wird voraussichtlich Theodore Vrentain, den Oberrichter des Obersten Gerichtshofes von Illinois, '' zum amerikanischen Gesandten in Wen ernenmn. * Telegramme. Judenpogrome der Aufständischen in der Ukraine. Lemberg, 22. November. (Privat.) Me die „C h w i l a* meldet, habe» aufständische Banden in der Ukraine das Dörfchen Michapole in Brand gesteckt; m N t k o l e j w und D e r < f n a haben sie einen Judenpogrom veranstaltet. Auf der Bahnlinie Kiew—Korosden hielten die Aufständischen einen E i s e n b a h n z u g auf unter dem Borwand, daß sie nach Sowjetbeamten fahnden. Dabei wurden 85 jüdische Passagier«, darunter Frauen,Greise und Kinder, ermordet Die Kommunikationen zwischen den einzelnen Städten wo aufständische Banden Hansen, ist infolge der Lebensgesahr für die Reisenden gänzlich unterbunden. So wurden aus dem Wege von D e r e s n a nach Hesibucz eine Anzahl von Auder ermordet. Petlj»ra geschlagr«. Moskau, 23. November. (Funkspruch'.) „Vestnik' meldet: Die Nachricht von der Einnahme der Stabs Kiew durch Petljuro ist vollständig unbegründet Die Banden Petljuras, die, aus Polen kommender» die Ukraine eingefallen sind, sind bereits vernichtet Versprengte Banden, die sich: der Gefangemvahme bishe entzogen, haben, iverden eifrig verfolgt. Moskm, 23. November. (Funffpruch.) Am l'L.d'.M . wurden die Hauptkräfte Tiutiunyks geschlagen Ueber 500 Banditen wirrden gefangengenommen, üb'-' 200 getötst. Der Stab, viele Maschinengewehre un! große Beute fiel in die Hände der roten TrupWn. Appell «« da« Weltgewisie«. Millionen Menschen v»m Hungertod bedroht. London, 23. November. (Funkspruch.) Di Kinderhilfsaktion erhielt aus Moskau folgende! Funkspruch Nansens: 20 dir 30 Millioue Menschen leiden in Rußland Hunger; etwa 10 M'r lionen von diesen sind direkt vom Hungertode j droht. Die Verhältnisse verschlechtern sich ständig. Nae^ Regenmäntel »S Binder Scbiffmann