Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1012 (23.11.1921)
- Date
- 1921-11-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■t» '*[ Me», ^rcmwocy - I»»,W» > ■ I m!■■»■■ ■ ■■—"!■■ i.y.. Melegramme. '-Aus Palästina. Eine «e»e jüdische SchiffahrtsgeseLschsft. j AeMfalem, 20. November. Md. Korr -Bur?/ Brüder Cogan aus London haben eine neue Schiffahrtsgesellschaft gegründet, die den Verkehr zwischen'!ddn Häfen Palästinas, Syriens und Aegyptens bestreiten-!M. Der erste in England erworbene Dampfer „Id i t h" hat bereits vor Haifa Anker gelegt. Der Zweck der -Gesellschaft ist die Erleichterung des Exports palästif- Ensischer Bodenerzengnisse nach Aegypten. Der Sraugeaharrdel. JrEaleM, 20. NovÄnber. (Jüd. Korr.-Bur.) /Zwischen Vertretern Baron Edmond de Rothschilds uno^ Der American. Palüstiue Fruit Orowers .Assvcianvu wurde ein Virrtrag abgeschlosserr, demzufolge letztere. Den ganzen Ertrag der Orangengärten in Petachj Tikwah zur Verpackung und züm Verkauf zu übernehmen hat. Es verlaufet, daß ähnliche Verhandlnrigcn auch betreffs der Orangenpflanznngen anderer Roth-- Mildschar Kolonien im Zuge seien. Der Getreideexpo et. London, 21. November. (Jüd. Korr.-Bur.) Das Ministerium für Kolonien läßt offiziell feststellen, daß hie Behauptungen, als sei der Export von Brotscüchten aus Palästina zwischen August 1920 und Juli 1921 jaus dem Grunde eingestellt worden, um die einwan-. hernden Juden mit Vorräten zu versorgen, jedweder Grundlage entbehren. Diese Maßnahme mußte mit Rücksicht auf die ernste Lage getroffen werden, die dadurch entstanden sei, daß sämtliche vorhandenen Vorräte infolge der hohen Weltmarktpreise aus ge führt wurden, so daß die Regierung die ausgeführten Brotfrüchte zu. extravaganten Preisen hätte importieren und für die Bevölkerung dsirch staatliche Lebensrnittellager abgeben müssen. Deshalb habe sich die palästinensische Regierung entschlossen, den Export der wichtigsten Zetealien zu verbieten und nur die Ausfuhr minder wichtiger Getreidefrüchte unter eigener Kontrolle zu gestatten. Aehnliche Maßnahmen seien auch in Syrien und Aegypten getroffen worden. Chinas Unabhängigkeit. Gin Washingtoner Beschluß. Paris, 22. November. (Wolff) Wie der Sonderberichterstatter der „Agence Haoas" in Washington berichtet, habe die Kommission füc den fernen Osten folgende Entschließung angenommen: Die Vereinigten Staaten, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Holland und Portugal geben ihre feste Absicht stund: Die Souveränität, die Unabhängigkeit und die territoriale und Derwaltungsintegrität Chinas zu respektieren; China die vollkommenste Möglichkeit und die vollkommenste Freiheit zu geben, sich zu entwickeln und eine feste und wirksame Regierung zu bilden; ihren Einfluß darauf zu verwenden, daß der Grundsatz der Gleichheit für Handel und Industrie für alle Nationen auf dem gesamten Gebiete Chinas fichergestellt werde, und sich zu verpflichten, aus den augenblickliche« Amständen keine Vorteile zu ziehen, um Sonderrechte oder Privilegien zu verlangen, die den Rechten der Untertanen der befreundeten Staaten Abbruch tun könnten, sich aber auch jeder Handlung zu enthalten, die die Sicherheit der genannten Länder bedrohen könnte. Die Apaxage für Exkönig Karl. England trägt die Koste». Lsrrdrm, 22. November. (Tel.-Komp.) »Daily Mailbespricht in seinem Leitartikel die jüngste Meldung von der Botschafterkonferenz, wonach vorläufig England die Unterhaltungskosten für den gewesenen Kaiser Karl von Oesterreich in der Höhe von etwa 20.000 Pfund pro Jahr bestreiten dürfte, insolange eine Einigung über diesen Punkt mit den Nationalstaaten nicht erzielt sei und wendet sich scharf gegen den Gedanken, daß aus dem Gelde britischer Steuerzahler die Lebenskopen des gewesenen Monarchen gedeckt werden sollen. »Daily Mailverweist schließlich auf die Tatsache, daß der .gewesene Kaiser Wilhem auf Schloß Boom eine jährliche Apanage von 100.000 Pfund bezieht. Da Oesterreich-Ungarn nachweislich von Deutschland in den Krieg gedrängt wurde, wäre es nach dem »Daily Mall" bloß ein Gebot der Gerechtigkeit, wenn man die für den Unterhalt Karls erforderlichen 20.000 Pfund von der Apanage des gewesenen deutschen Kaisers abziehen würde. Jedenfalls dürste England Leinen Penny für den Exkaiser Karl ausgeben. Dar Bombenattentat im Bakarester Senat. B«ka*«st, 82. November. (Orient-Radio). Der Haupt» ^chrbu des n» Senat verübte» Bombrrnttentats, Max Goldst e i», ist gestern ans der Rückreise au§ Bulgarien nach verzweifeltem Kampfe gegen die ihn verfolgende» Gendermw m GlMgüwo festgenommen worden. Goldstern erklärte, er sei gekommen, um die jüngst verhafteten Mitschuldigen zu rächen und gab seist Verbindungen mit den terroristischen Organisationen M*t*. SBDdLfJfau . Wiener MorsenzeituuK Mitteilungen ans dem Publikum. Erstklassige?r«!se, grösster Käufer von 6509 Brillanten, Perlen, Juwelen, Platin, Gold, Silber f&laohe Zähn« kauft, von Händlern, Jnwclieren, Zahnärzten und Privaten mr Leitfirma Juwelier RABINOWITSCH “W S«j MaMerstrasse Nr. 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November. (Ukrainischer Pressedienst.') In dtr Nacht vom 16. auf den 17. d. M. haben starke Abteilungen der ukrainischen ausständischeu Armee die Ctadt S ch m e r i n k a erobert. Die 23.. bolschewikifche Division, die zur Verteidigung der Stadt airfgtbvten war, wurde zersprengt, die ukrainischen Teile dieser Division find zu .fcm Ausständischen übergegangen. Durch die Eroberung von Schmrrircka, des wichligsten Eis e ub a h u k u o t e n p um k t e-§ in der westlichen Ukraine^ sind sämtliche größeren Eisenbahnlinien in der rechts vom Dnlepr'.gelegcnen Ukraine in ukrainischen Händen. Der Generalstab der ukrainischen auiständrschen Armer hat feinen Sitz von Winnitza nach Schmennka verlegt. — Zu dieser Meldung ist zu bemerken daß sich alle bisher verbreiteten Nachrichten über den Ausstand in der Ukraine als übertrieben hcrausstcllten und in keinem Falle bestätigt wurden. Wir verzeichnen .auch die obige Nachricht nur mit allem Vorbehalt und müssen die Verantwortung dem Ukrainischen Pressedienst überlassen. (Die Red.) Rußland hungert. Die Menschen sterben. Moskau» 22. November. (Funkspruch.) 28.000 Personen warben aus den Hungergebieten nach Petersburg gesendet. Aus Schweden sind in Petersburg zwei Dampfer mit 425 Tonnen Lebensmitteln für die Hungemden angekommen. Im Goavernement K a z a n sind 207o der Kinder infolge Hungers erkrankt; die Sterblichkeit beträgt bis zu 44% der Erkrankten. In der Tatarencepublik sind 17.500 Personen an den Folgen der Unterernährung und des Hungers erkrankt. Die Zahl der hilfsbedürftigen Kinder in der Tatarenrepublik beträgt 1,304.000. Dir Verhafteten ungarischen Abgeordneten. Keine Äerletzung der Immunität. 9 Budapest, 22. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Immunitätsausschuß der Nationalversammlung setzte heute die Verhandlung der Immunitätsüngelegenheiten der in Haft befindlichen Abgeordneten fort. Der Referent Somogyi beantragte, die Verletzung des Immurntätsrechtes der betreffenden Abgeordneten auszusprechen, weshalb die Regierung von der Nationalversammlung angewiesen werden möge, für deren sofortige Enthaftung Sorge zu tragen. Dem gegenüber beantragte Abgeordneter R ub i n e k, der Ausschuß möge aussprechen, daß das Jmmunitätsrecht der betreffenden Abgeordneten nicht verletzt worden fei. Nach eingehender Debatte wurde in namentlicher Abstimmung mit einer Mehrheit von einer Stimme der Antrag Rubinek angenommen. Wiederelne Niederlage der ungarische« Ehristttchnattauale«. Budapest» 22. November. (Ung. Korr.-Bur.) Bei der am Sonntag und Montag im Wahlbezirk Doroa voraenommenen Stichwahl wurde Kolomän 23. November 1921 Rr. 1012 Meh ely (Liberaler Block) mit einer Mehrheit von 210 Stimmen gegen den gewesenen Generalkonsul Ernst Ludwig (christlichnational) zum Abgeordneten der Natio*alversanmilrmg gewählt. Tagesbericht. Der Börsestreik. > Gestern vormittags u,n 11 Uhr ist hi; Wiener, Börsekammer unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Popper-Artberg zu einer Plenarsitzung zusaimrien-- getretien, um über dieweiterien Schritte in her Nngcle^enhirit der Golidabgabe der Börsebvsuicher zu beraten.. Diean anderer Stelle publizierte Eingabe an den Nationalrat wurde einstimmig genehmigt. Hierauf wurde in die Beratung der Gegenvorschläge ein gegangen, die. der Regierung und bcni Nationalrat unterbreitet werden sollen. Einmütig wurde der Anschauung Ausdruck gegeben, daß vor allem das .Prinzip der Ko pfste ner als diffamierend fallengelassen werden müsse. Die Plenarsitzung einigte srchi auf den Vorschlag, daß an die Stelle der geplanten Abgabe eine Znfatzsteuer zur Effekten- und V>a lntennmfatzste ue r treten soll. Es wurde ein . Komitee, birstehend aus den Börseräten .Wortmann, Tugendhat, Simon und Modern gjNvählt, dem d.rS Material zur Verfügung gsstellt werden soll,-das -die Ermittlungsgrundlage-n zu sichern Habs- Schließlich wurde auch!beschlossen, vorläuflg. ke i n e Börsever sa m m lang a. b zu ha lten. Falls Freitag die Börse abgehalten unrd, konnte dassArrangenu'nr am Montag stattfinden. Ein Privatverkehr hat gemäß den criciucn Weisungen nic!)t statt gefunden. Eine Protesttznndgebnng der Börsenbesucher. Im großen .Saale der Wiener Warenbörse fano geistern eine von Angehörigen aller an der Börse veveinigren Verbände und Gruppen Massenhaft besuchte- Versammlung ftatti Der Vorsitzende, Vizepräfitant Börserät. Tuge ub» l)tit vom Verband der Wiener Bank-und KonunissionSfirmen, betonte in feiner Eröffnungsansprache, daß die heutige Zusamni'mkunft' den Zweck habe, gegen Lw Schjntach, die in dem-Gesetzentwurf über die. Kopfsbeuer . der Börscbesncher ihren Ausdruck findet, zu protestieren! Mb über jene KNaßregeln zn beraten, die nun. zu lunternohmen seien, um dieser Schmach wirksam bsgegneni zü kSniven. Redwrr' bezeichnete es als eine. UügeLchtigkeit ärgster 2lrt, daß stets die Börse nnd ihre Besucher für das Sjteigirn der Devisen Und Valuten und . für den Rückgang der Kwnir der Straßen Etzenii^r toix* ■ anÄvortlich' gÄinacht werdM. Die Börsenhesucher es müsse n'chr einmal gesagt werden — fchvn nicht' die . Honjiunkturgewinner — dvrise befinden sich, außechach der Börse — an,erreichbar für den Finanzminister. (Lebhafter Beifall.) / > 1 i Bankier Eib en sch ütz brachte hierauf. das Me-, morandum, welches die Börsenkammer an den Nativ-, nalrat und an den Finanzminister gerichtet hat, '.m> welcher in wohlmyttvierter Form Md' .Überaus energischer Weise Verwahrung gegen eine derckrtitze Besteüc-, rnng erhoben und' der Gesetzentwurf als 'svlcher 'in seiner gegenwärtigen Fassung in. entzschfedener. WeHe,. abgelehnt wird, zur Verlesung. . Bankier Ernst Straßer (Verbünd der'.Devischi't und Valutenhändler) betonte, daß Mf die' Bötsen-' besucher ein Attentat versucht wurde,'welches dre Existenz jedes einzelnen auf das Höchste gefäh'chv,- Vor diesem Diktat des Finanz'miürsiers 'dürfe: sich die Börse nicht beugen. Mdner beztzichn?-te den Gesetzentwurf als diffamierend^ und bezüglick) bz* Ziffern, mit welchem in diesem Gesetzentwurf operiert werde, könne man wohl mit Recht sagen, düß.'sie eiuein krankhaften Gehirn entsprungen sein dürften. Redner schloß unter lebhaftem Beifall dLv VersaMmlüng Mit der. Bemerkung, daß die Börse allein d^m' Staate mehr an Steuern abführe, als die gesamte Landwirtschaft ■ Oesterreichs, die un gehe u e r l i ch e G'e» winn» einheimse. '' ' . . . Von lebhaftem Beifall begrüßt, ergriff sodann her Vizepräsident der Wiener Börsekammer, Sternhüb-'l,. das Wort und gab eine Schilderung dar gestrigen Beratungen in der Börsekammer. > Er teilte mit, daß Kammerpräsident Popper schon am Sonntag den ganzen Tag über sowohl mit dem Finanzminister Dr. Gürtler als auch mit dem Generalrat Dr. Rosenberg verhandelt habe, um beiden klarzulegen, daß ein solches Gesetz einfach unhaltbar sei. Sodann wurde über Antrag des Präsidenten Straßer vom Verbände der Valuten- und Devisenhändler nachfolgende Resolution unter lebhaften. Zustimmungskundgebungen einstimmig angenommen: Die im Gesetzentwurf vom Finanzministerium der. Nationalversammlung in Vorschlag gebrachte Börsenbesucherabgabe. wird als eine diffamierende Kopfsteuer und als von der großen Mehrheit der betroffenen Börsebesucher materiell unaufbringliche Abgabe entschiedenst a b g e l e h n t. Die Börsekammer wird ssr-, sucht, ihre ablehnende Haltung mit aller Ent-, schiedenheit au frech 1 zue r halt fc it. Die AnwösSnden erkennen die Notlage des Staates Und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, Konjuukturgew'inM steuerlich zu erfassen. Sie müssen aber verlangt»,.btaft eine. .Auferlegung dieser neup.rli.chep LaW in'gepech^v