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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-20 · Heft 1009 (20.11.1921) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1009 (20.11.1921)
Date
1921-11-20
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Ni. 1005 Wien, Sonnten’ Tagesbericht Ehren für den toten Juden. Zrrm Tode Fznaz GoldzihcrS. Wir haben bereits kurz über das Ableben des weltberühmten Orisntalisten und Umversttätsproftssors 'Dr. Ignaz Goldzjher in Budapest berichtet. Sein Leichenbegängnis/ welches am 16. d. M. in Budapest stattfand, -gestaltet.; sich, zu einer Art politischer Demonstration der liberaleren. christlichen Gelehrten gegen die pseudogelehrten Söldner des christlichen Kurses. Als der weiße Terror in Ungarn >am wütendsten tobte und ihn: eine Unzahl von Juden zum Opfer fiel, da mußte a uch. Dr. Goldziher allen fernen.Stellen in Ungarn entsagen. Jetzt, selbst nach seinem Tode, hat die Universität ihm die Ehre versagt, die Bahre in der Aula dc.r Universität aufstellen zu lassen, woraus die Akademie de'-: Wissenschaften damit antwortete, daß sie die Leichenfeier in der Halle der Akademie veranstalten ließ. Es u i aL ja sein, daß das Rektorat der Budapester Universität der „erwachenden" ungarischen Studentenschaft nicht sicher war und sich ihr gegenüber für zu schwach hielt. Immerhin mußte sie es, schon mit Rücksicht auf das Ausland, über sich bringen, eine offizielle.Parte ans- Mgeben, deren Wortlaut die tzrößG Anklage gegen Ungarn ist, in welchem Dr. GoldziMr in den letzten zwei Jahren so schmählich behandelt wurde und schließlich unter den größten Entbehrungen sterben mußte. In de.r Parte werden sämtliche Akademien und wissenschaftlichen Gesellschaften äufgezählt, denen Goldziher' als ordentliches -oder als Ehrenmitglied an gehört hat,!Nnd es ergibt sich aus dieser Aufzählung, daß es tatsächlich käme Gelehrten--rganisativn von irgendwelcher Bedeutung in der Welt gibt, die sich nicht selbst dadurch zu ehren beeilt hätte, daß sie Goldziher in ihre Reihen ansnahm. Dr. Goldziher wurde 1850 in Stuhlweißenbürg geboren, wo er auch'seine Gymnasiialstudien beendete. Seine Hochschulstudien absolvierte er in Budapest, bLziehnntzstheffe'»Berlin, Lejden und Leipzig. Seine erste aussahenerregende Arbeit zur Island-Forschung, auf welchem Gebiete er bis an sein Lebensende als unbestrittener Meister wirkte, brachte er im Alter, von 20 Jahren in Leipzig heraus. Mit 22 Jahren habilitierte «er sich an der Budapester Universität und bald, daraus erhielt er von dem damaligen Unterrichtsmiinster Baron Josef Eötvös ein Reisessipendium, welches ihm Studienreisen im 'Orient ermöglichte, auf beiren'«rr bas in seinen späteren Werken verarbeitete! Material sammelte. 35 Jahre lang mußte Dr. Goldziher selbst unter der liberalen Aera, obzwar er von allen Gelehrten der Welt als der bedeutendste Orientalist anerkannt wurde, auf seine ordentliche Professur an der Budapester Universität warten. Während dieser Zeit und auch nachher hat er alle Berufungen an anslvärtige Hochschulen, unter anderen solche nach Straßburg, Oxford, Moskau und an mehrere reiche Universitäten in Amerika, zurückgewiesen. Es war ein patriotischer 'Trotz des in seiner Ehre gekränkten Juden, der ihn abhielt, Budapest zu verlassen, Als dann der Zusammenbruch und nach ihm die Revolutionen kamen, der weiße -Terror ins Land zog, da mllßte auch dieser „Stolz Angarus" daran glauben, daß es einem Jllben gegenüber wohl Dankesschuld, aber keine Dankesverpftichtnng gibt. Go ldziher ist den niedrigsten Kränkungen aussctzt gewesen, und wenn wir hier einen Auszug der Reden all seiner Bahre wiedergeben, tun wir es nicht, weil lvir an die Ehrlichkeit der in ihllen zum Ausdruck gebrachten Gefühle glauben, sondern bloß, um historisch sestzllhalten, baß man in Ungarn sich, dem Ausland "gegenüber trotz allen Widerwillens schämt, der „Zierde Ungarischer Wissenschaft und Kultur" auch die letzten Ehren zu verweigern, nachdem man ihn während seines Lebens Unausgesetzt moralisch mißhandelt hatte. In der Halle der Akademie hielt Oberrabbiner Dr. Fischer den Nachruf; nach ihm sprach namens der Kultusgemeinde das Vorstandsmitglied Feleki Worte des Abschieds, worauf der Generalsekretär der Akgdemie der Wissenschaften Dr. Jenö Balogh die Verdienst; Gvldzihers namens der Akademie beleuchtete. „In Ignaz Gowziher — sagte er unter anderem — ist M Mensch wenn möglich noch größer g«)r>esen als der Gelehrt;. Um Goldziher warben die bedeutendsten Hochschulen der Welt. Er aber ist hier geblieben, weil er wüßte, daß der Arbeiter an der ungarischen Wissenschaft hier leben, hier: arbeiten und, wenn es notwendig ist, auch hier entbehren und endlich sterben muß." Auch der Dekan der philosophischen Fakultät an der Budapester Universität, Sieg>;scu, machte in ähnlicher Weise eine Anspielung auf die Behandlung, die Goldziher in Ungarn erfahren mußt,;, indem ersagte: „Wir hier können gegenüber den nachbarlichen Nachfolgestaaten uns immer auf unsere kulturelle Ueberlcgeuheit berufen, indem wir auf unseren Ignaz Goldziher Hinweisen. Goldziher wurde mit glänzenden Anboten an ausländische Universitäten gelockt und hätte er diese angenommen, so hätte er sicherlich sein Leben unter freudvolleren Umstündeü beschlossen. Wir hatten die Wsicht, binnen wenigen Wochen sein fünfzigjähriges Tätigveitsjubilämn im Rahmen einer großzügigen Veranstaltung' zu feiern'. Wir machtou unsere Vorbereitungen im geheimen, weil er, wenn er davon erfahren hätte, sicherlich gegen die Feier Einspruchs erhoben hätte. Nun ist er tatsächlich jeder Huldigung ausgeivichen. Aber er konnte >es. devWch mcht vsrhMtyt, buch vm E SK»lz dGM 7', Ä-'.Lnrr Mor>,rnzetru«g Hinweisen, daß der bedeutendste OrtertaNst der Welt ein Ungar war." Solange er lebte und' besonders in den letzten Jahren, durfte jeher „erwachende" Lausbub von diesem Manne sagest, daß er als Jude nicht würdig, sei, ein Ungar genannt zu werden und Ungarn lehren zu können. Damals lvaren alte, die jetzt den toten Inder: für sich reklamieren, stumm und zurückhaltend, und -ließen dir Ehre Ungarns besudeln, indem sie Ungarns bedeutendsten Mann kränken.und besudeln ließen. Die TerrerurrgsweNe. Neuerliche Erhöhung des Brotpreises. In der gesikrir abends in der Volkshalle abgehaltenen Versammlung der Bäckergchilfen refeüerte Gehilfeuobmann Zipper über das Ergebnis der gestrigen Verhandlungen mit der Bäckergenosscr.schaft betreffend die Lohnforderungen der Gehilfen. Die Genossenschaft habe die F orderungen angenommen, sie wolle aber diesen Anlaß benützen, um aw Kosten der Konsumenten einen Extraprofit für die Unternehmer hcrausruschlagrn. Uibcr die Verhandlungen wurde ein Protokoll verfaßt, in welchem die Gcnvssristchaft - erklärt, die Fordenmg nach einer 76'/qigen Elhöhung der Lohnsätze a b 27. No v e m b e r anzuerkennen, wenn bis rn dielem Termin eine der Erhöhung der Löhne und der Sachregien entsprechende Regelung der Brotpreise durch die Landesregierung erfolgt. Die Versammlung nahm den Bericht einstimmig zur Kenntnis. Die Verhandlungen, betreffend die Festsetzung der neuen Brotpreise, beginnen beim Bürgermeister Neumann Dienstag den 22. d. M. Wie wir hierzu erfahren. wird das rayornerte Brot, das bisher *K 3t per Lab kostete, K 54 kosten, der Preis des weißen Weckens wird von K 84 auf K 105 erhöht. Möbel. Wie die Genossenschaft ler Tischler milteiü, ist den Tischlrrgehilfen eine neuerliche Lohnerhöhung von K 100 pro Staude bewilligt worden, weshalb eine wertere Verteuerung der Möbel zu erwarten rst. Erhöhte Gintrittapreise in den Theatern. Die neuen Gagenfordcrungen der Bühnen ungehörigen. über die zurzeit verhandelt w rd, werden wahrscheinlich vom Verband der Theaterdirektorm angenommen werden. Dies wird, wie von sachlicher Seite mitgeleilt wrrd, eine bederrleirde Erhöhung der Eintrittspreise in den The-rt-rn zur Folge haben, so daß der Mittelstand wohl ganz vom Theaterbesuch ausgkschaltet fern wird. Mitteilungen ans dem Publikum. WÄSCHESALON I). ROSENFELD (KORITSCHAN) WIEN, I., KOHLMAR&T 5. KOMPLETTE BRAUTAUSSTATTUNGEN VORNEHMSTEN GENRES. PRÄMIIERT: PARIS, LONDON 1901. TEL. 9307. 123 ' _ Die Jüdische Volksbibliothek ZION“ wünscht ihrem Mitgliede JOSEF BAYER anlässlich seiner VERLOBUNG itzit Fräulein FRIEDA WIPPELS einen herzlichen Maseltow. HERR ISAK CHARASZ und FRAU BETTY LOFFELHOLZ laden hlemit alle Verwandten und Bekannten zu ihrer ayi Dienstag den 22. d. M. um 6 Uhr nachmittags, "I. Judengasse 7, Tür 21, stattfindenden TRAUUNG ein. mir 1 Ausserstande, jedem einzeln unseren Dank abzustatten," entbieten wir auf diesem Wege allen Verwandten, Freunden und Bekannten für die ans anlässlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten herzlichsten Dank. 4m» Markus Sass und Frau, Möbelfabrik J. Spira Feine WiBRfVIli, wi1lli3 Wohnuagseinrichi ungen ei» (Ecke Kart Sclmlgliiftrgisst) n» RESTAORAMT OFERER Wien, XL, Taborstrasse 12 .. LrsMusstxS Kzich© / Spezialität: TÄglioh. polnisohe B Fisohe / Tokayer und Szamorodner Weine fMnnahmt tob Heebzeiten ui Dinors 6rosser u.kleinerSaal für Unterhaltungen etc. ZDTorgebeH 20 November 1921 WiEN, l.9 TUCHLAUBEN 16. 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