Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1009 (20.11.1921)
- Date
- 1921-11-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 1009 Sßteit, Sonntag ^t£«e.r NttsrHLnzsurrttH 20. covernder iv25 Seite S' Kongreß der 'irischen Kuttusgeme!nden Jugoslawiens. Von Dr. LavoSlav Sic, BuevrMent der Israelitischen KnltuLgemeinde in Zagreb. Der 22. Novenrber wird ein F^ubentag für das Judentum der kroatischen Metropole sein — ein wichtiger Moment für die Gesamtjudenheit der Serben, Kroaten und Slowenen.• Die Statuten des Bundes der hebräischen Gemeinden sind genehmigt — und der erste Kongreß tagt in unseren Mauern. Mehr als 200 Delegierte aus allen Teilen unseres Staates wollen zur ernsten Arbeit znsammentveten. ' ' Freude und Stolz erfaßt uns bei dem Gedanken an diese Zusammenkunft — vergessen sind die Schwierige Seiten des Alltags,. all der Hader und Streit — es geht ja vorwärts und der Weg, den wir seit vielen Jahren eingeschlagen, scheint doch gut zu sein und zum Ziele zu führen. Im Sabor-Saat findet die Tagung statt — in je ne in! Gebäude, in dem vor drei Jahren die Unabhängigkeit ausgesprochen wurde — und man findet es hier selbstverständlich, daß für den Judenlandtag dieser Saal eingeräumt wurde. So werden wir im Zeichen - k >ns:sfioneller Duldung, am Markusplatz tagen — neben den: Wahrzeichen unserer Stadt, der Markuskirche — Juden der verschiedenen Riten und Abstimmung. Dalmatinische Nachkommender Märanne,: neben zahlreichen Deputierten aus Serbien- Belgrad, Nisch, Schabatz, Obwnovac, den BertreMü der hebräischen Nation. Denn „Jevreji" nennen sich stolz die Juden in Serbien, die, seit ihre sephardischen'Ahneä Spanien verlassen haben, nie ihre jüdische - Nation /verleugnet haben, die aber auch immer als vollgültige Mitglieder des serbischen Staatsvolkes betrachtet wurden.! Jüdisches Volksleben herrscht in den noch jüngsttürkischen Provinzen Plevlje, Nodipola, Skopljew und Monastir, u-rL> auch' sie senden ihre Vertreter, Irelche die Pflege jüdischen Wissens und jüdischer Lehre fördern. Unter' den Inden Bosniens — oh sephard: scher oder aschkenasischer Mstammung — herrscht kräftig pulsierendes jüdisches Leben, und mag es in den letzten; Jcchren auch' manche schwere Stunde gegeben haben, Mmen auch an verschiedeneil Ortze:: antisemitische Ullürrn nciederer Verwaltungsorgane zum Borschein —!die Hoffnung auf unsere Zukunft ist da. j i: Heute sind die meisten Gemeinden Kroatiens und! Slawoniens jüdisch'national organisiert,-ja auch in der Kojvodina, in. der Bacska, im Banat und irr der Baranja ist der jüdischüationale Gedanke siegreich. f\ Es wäre ja auch katastrophal, wenn wir heute Unter den Juden unseres Vaterlandes solche serbischer/ kroatischer, ungarischer, deutscher,. rumänischer, spanischer, slowakischer, italienischer usw.' Nation hätten, wenn jetzt die Assimilation in verschiedenen Sprachen das Wort führen würde. j! Wir sind selbstbetvußte Juden und haben das größte Interesse an der Wiederbelebung d6r hebräischen Sprache, an jüdischer Kultur. Wir uüissen dem Juden- Die zionistische Delegation in Amerika. Slew-Bork, 17. November. (Jüd. Korr.-Bur.) 3m Hotel Astor fand ein großer Empfang zu Ehren der zweiten zionistischen Delegation statt. Am Bankett nahmen 1200 Personen teil. Unter jben Anwesenden befanden sich Louis M a r s h a l l, Julius R s s e n w a l d, Richter Dannrnbaum, Jeffcrson, Seligman, Rabbi Kraus und Harry Fisch kl. In einer eindrucksvollen Rede sagte Mr. Samuel Unterm e h e r, daß a l l e I » d e n — Zionisten und Nlchtzivnistcr: — sich nunmehr vereinigen könne», um für den K e r r n H a j e s s o d und den Aufbau Palästinas zu arbeiten. Als zweiter Redner trat Mr. Nahum S o k o l o w auf, dem die Anwesenden eine begeisterte Ovation bereitete«. Er sagte, er wünsche, daß Palästina dielebendrgeBihel werde. Er legte schließlich dir Grundsätze dar, auf denen der moderne Zionismus aufgcbaut ist, und forderte alle auf, zur Realisierung feiner Ideale beizuiragen. Hierauf sprach Rabinner S i l v e r m a n, der früher als Zionist und Führer des Reformjndemun's m beit Verein'gtm St-aten bekannt war. Er erklärt sich bereit, daS Wiederaufhauwerk für Palästina zu unterstützen. Professor Marburg schilderte die Kolonisterrm^Zlnbeit in Palästina und die Pläne tür b;c zllkiinflige Tätigkeit in dieser Hinsicht. Ec eillinle, daß alles sich günstig entwickle, Amerika müsse aber die Mittel zur Fort-ührung der Arbeit geben. Nlexand:r Goldstern sprach von den Leiden der Juden in Osteuropa und sagte, die Augen der ganzen Welt seien auf Amerika gerichtet. Mr. N o t.h e n b e r g appcll erte air die Zionisten, Tic mv.reri der Sache gleiche Opfer bringen w'e dir Ehaluzim in P a l äst i n a. Rrbbiner Bert iHn sprach hebräisch im Nam'.rr der M i s r a ch i - Organisation unr versprach die Unterstiltzung des orihodoren Judentums. I a b o t1 nskhS Rede klang darin aus. daß säiiittzche zionistischen Probleme vom Keren Hajefsod gelost werden können. tum in unserem Staate mit seinen mehr als 150.000 Bekennern soziale und kulturelle Zentren schaffen. Unsere blühenden Jugendorganisationen, Lese- und - Gesangvereine, Turnhallen -mV Mensa, müssen die Unterstützung der jüdischen Gemeinde erhalten. Gewiß ist die religiöse Grundlage unserer Gemeinde zu hegen, fern von jeder religiösen Intoleranz muß jede Richtung, sei es fortschrittlich oder konservativ, vollste Befriedigung erlangen. Trennung von Kirche Und Staat steht bevor, die Zwangsbesteuerung wird aushören — ^md doch öübsen wir uns nicht von der Zukunft bange machen lassen. Statt der veralteten Kulmsgemeinde mit nur widerwillig struerzahlenden Mitgliedern müssen wir die Gemeinde des jüdischen Volkes schassen, das heißt aus LVirns'ch der serbischen - und bosnischen Gemeinden: Den Verband der Hebräergemeinde. Große Verbände freiwillig zu gemeinsamen!. Ziel arbeitender Menschen — eine Vereinigung aller, die jüdisch' fühlen, sei es im religiösen, nationalen, kulturellen und sozialen Sinne, das ist die Ausgabe, welche dieser Kongreß zu lösen haben wird. /iiiffle Rundschau. KoaliLioKSdestrehrmgerr in Rrchremd. Aus Reval wird' uns mitge teilt: - Seit einiger. Zeit finden hier Besprechungen zwischen Vertretern) - der russischen Sowjetregiermrg und der Opposilions-! > parteierr Rußlands -statt, welche dem Plan gelten, emvni möglichst reibungslosen Ablauf der inneren Krise zw sichern. Die Verhandlungen, die unter dem Borsiß Joffes stattfinden, bezwecken eine totale Umformung - des Regierungssystems sowie die Bildung einer russischukrainischen Union. Die Besprechungen sind schon ziep:- lich weit gediehen- und es verlautet, daß zu Beginnt-, des nächsten Jahres eine neue Regierung die Geschäfte Rußlands übernehmen soll, die sich aus Vertretern sämtlicher Parteien mit Ausnah me der bürgerlichen Gruppen zusammen setzen soll. Die Regierung soll aus zwölf Ministern gebildet werden, die teils den Bolschewiken, teils den M e n s che-w ikeu, teils den Sozialrevolutionären entnommen werden. Eme vollständige Liste konnte noch nicht gebildet werden, doch verlautet, daß Kerenski als. Minister des Jnnerw und Burzew als Arbeitsminister fungieren sollen. Das Ministerium des Aeußern soll in drei Sektionen geteilt werden, wobei Litwinow die Agenden des Handels, Martow die politischen Agenden und W a s s i l e w s k i die Vertrogsverhandlungen. mit den: Ausland leiten sollen. Als Minister für den inneren- , Handel. fommt' Krass: n, der bisherige Vertreter ist London, in Betracht, während an die Spitze des Finanzressorts Her gewesene Direktor der Bank für answätigen' Handel in Konstantinopel, Herr Fuchs, ein Wiener^., treten soll. Der derzeitige Leiter des. KriegsresforLS,s. Trotzki, ist als Gesandter für London auser-' sehen, wählend Lünatf.chars ki, ler gegenwärtig Hie . Angelegenheiten des Unterrichts und der Kunst verwaltet, auf den Stockholmer Posten kommen soll- Lenin ist. als/Präsident der föderativen russischukrainischen Republik ausersehen. Die Groß-Ukraine soll mit Rußland durch Rea lunion verbunden werden imb hätte die vollständige' Autonomie. Nur die Finanzen, Landesverteidigung und auswärtige "Politik werden gemeinsam. Zur Kontrolle der Regierung will Rußland" wieder zum Pars-amentarisnms zurnckkehren, und dies durch Einberusurg der alten Kerenskischen Konstituante dokumentieren. Me rMischeN SchNlÄerr. . Einer Mitteilung der Prager Sowjet-Handelsdelegativn zuso-lce äußerte sich der gegenwärtig in Stock-. Holm weilende Vertreter Volkskommissars für Auswärtiges, Litwinow, in einem Interview über die ru ssi'chen Vorkrieg?schulden -folgendermaßen: In unserer an Amerika,- Japan ü:w die übrigen Ententestaaten ge-:' richteten Note haben wir unsere Bereitwilligkeit, einen Teil der.Staatsschulden sofort anzuerkennen, bestimmt erklärt. Eine Kategorie der Schulden wirft jedoch eine Reihe pvlitiischer Fragen ans, deren Lösung nur auf internationalenc Wege nrij glich ist. Daher hüben wir, Regenmäntel SFSZSEZ Brüder Schiffmann Das andere Amerika Bon Zakob Fingermann. verzärtelt, ihrer Rechte bewußt, vor: Fürsorge gehegt Selbst &«£ gebildete Mittelem'opäer hat von dem gewaltigen Staatenkomplex, der h>«i:te dominierend Weltpolitik und Weltwirtschaft bestimmt, nur eine vage Vorftellung. - Mit ihren gewaltigen Reichtümern, den schien innÄ'schöPflrchen Hilfsquellen und ihrer technischen Ueberlegenheit haben.' die Bereinigten Staaten im Kriege den- Ausschlag gegeben und in der Folgezeit den: verblutende:: Europa eür wirtschaftliches Diktat aufertegt, dessen Dpuck selbst das reiche England nur-mit Aufbietung! aller Kräfte. abzuwehren vermag. An:enta kontrolliscb als Gläubiger der europäischen Staaten ihre Industrien iund Märkte, hat an den Staatseinkünften teil und' verniag, tverm es auf seinem Schein besteht, unheilvoll Krisen auszulösen. Die Wirkung seines.Diktats mrchij sich in den besiegten Ländern und in d^n neugebildete-n: Nationalstaaten mit noch größerer Schärfe fühlbar und! zeitigt Zustälche, an deren BeMimg die fähigsten Köpfe, scheitern. ' - Das Bild Amerikas, wie es allgemein gelärrsigj ist, wird einerseits, durch die fühlbaren Wirkungen seiner wirtschaftlichen Expansionskraft, andererseits nach oberflächlichei: Schilderungen gestaltet. Bon feiner staatlichen und sozialen Struktur wissen die Massen herzlich M-nig «rrd man sieht gewöhnlich durch die gefärbten,- Gläser einer verlogener: oder leichtfertigen Berichterstattung eine Mischtmg von Bluff und Dollars, von, der. die Angen, tränen. Amerika: Das ist doch' das^ Land, der Kohlen-, Fleisch-, Leder-, .Mtreide-, Eisen- und Petroleumkönige, der GeldmaguMn, der großziigigen -sozialen Institutionen, bas Land der Freihejt, diee Dollarstraßo, die Wiege großer Männer, bas Heim der Mrfiuder, Wegbereiter, die Zukunft aller Zivilisation. Dür. -Anrerikaneri:. Das ist bekanntlich der M-ntteman, behend, kühn, tatkräftig, Pionier und Kaufmann, auf der Höhe der Zivilisation, sozial eingestellt, vomrteilslvs,'-weitherzig, gegen Kastenwvse::, gegen pvlitischeTl und' RvMouszMng. Und die an:^rihauisiche Frau?. .Geachtet, lmd oft exzentrisch, wenn ihres Mann-Sklaven Mittel es^ erlauben. Und über allem Dunst, der uns da vorgemacht wird, bleckt der Schein des Goldes, des gesegneten Dollars. Da komrnt Npton Sinclair,-scheucht mit schinerzlichhartem- Lache>r das Liigengespinft fort und zeigt uns das anders Amerika. Da sehe:: tvir ein Volk in Not, in harter Fron, nutzer der Sklavenpeitsche taumelnd, zu iminer neuem Robot mit taylodsstischem Raffinement augetrieben, Millionen in einer Tretmühle, auf die Galeren der Arbeit geschmiedet, belöge::, verraten und verkauft. Eine verschwägerte 'Oberschicht, die alle Macht und allen Reichtum des :u:ermeßlichen Landes, in ihren Händeir hält, die ihre Rechte und» Privilegien eifersüchtig hiitet 'und rücksichtslos verficht, schmarotzt am Blute eines Huubertmillionenvolkes,' dem- Scheinfreiheiten und leere politische DsrnonftratioNLn hre Kraft zur sozialen Tat nehmen. .Bon dem Elend und der Ohnrnacht dieses mchere»:- des unbekannten Amerika, Mgt Sinclair irr starken Werken, die ihm Haß und Verfolgung der M-achthaber ctngeträgen haben, was aber den bewunderungswürdigen Äkann von seiner hohen Mission nicht ab geschreckt hat. Ms ev seinen „Sninpf" herar:sgab, die furchtbare Anklage gegesr den Flcischtrust, wurde er verfemt und boykottiert. Zeitungen, die seine Mitarbeiterschaft geschätzt hatten, wiesen Plötzliche seine Artikel zurück, nm picht die gutbezahlten Annoncen der Schweiuekönigo zu verlieren; gekaufte Individuen beftcheltzen in der gelber:-Presse sein Privatleben' seme telephonischen Ge- Mache: wurden überwacht, seine Post stand sunter geheimer Zensur. Er hatte es gewagt, gegen geheiligten Raub aüfzntrcten, nun nmNammerte ihn rachsüchtig ein Polyp von Spitzeln, Agentei: und skrupellosen Häschern des sich bedroht fühlenden.Kapitals. Bes feinen folgenden Büchern: „Der Jndustriebävon", „Der Börsen spielet, „Samuel der Suchendem , und« „Metropolis", die mit unbestechlichem Bekennermut in dies Abgründe einer beispiellosen politischeil unL sozialen Korruption, die selbst im korrumpierten Europa unmöglich! erscheint, hineinleuchten, wiederholten sich n:it noch größerer Vehemenz die giftigen Abwehrmaßnahmend«r amerikanischen Oligarchie. Sinclairs „Jimmie Higgins" (deutschbei Gustav' Kiepenheuer, Verlag, Potsdam) ist der leiderche Mensch Amerikas, ein ausgesaugter Lohnsklave, der um dews Dollar seine Knochen zu Markte trägt. Jimttfte Higgins,s! der Arbeiter, ist der Rechtlose, gegen den Politiker^ Richter und Polizei eine geschlossene Phalanx zum Schützt des Großkapitals bilden. Jinunie Higgins, der Sozialist,! ist der Dünger, aus dem Anrerikas bessere Zrr'Lunftj sprießen wird. Dieses Werk und Sinclairs neues -Buch! „100 Prozent, Roman eii:es Patrioten" (Malik-Verlag,; Berlin) find scharfe Proteste gegen das Busineß-Raub-.! rittertuin, dessen unersättliche Beute gier in Washürgton! sanktioniert wird. Sinclair hat kürzlick)' in einer umfangreichen Schrift' „The Braß-Check" (deutsche Ausgabe: „Der Sündenlohn", eure Studie über den Jouvrmlismns, Verlag „Der, neue Geifp^, Dr. Petzer Neinhold, Leipzig) die Raub--' züge der Trusts, die Käuflichkeit der Politiker und Be-l Hörden und die grenzenlose Verderbtheit einer., prosti-' tuierten Presse geschildert. Was ist der Sünderckohn?.! Sinclair sagt: „Der Sündenlohn fftchet sich'jede Woch^ im Briefumschlag, der das Gehalt jener birgt, Mz unsere Zeitpngen und Zeitschriften schreiben, druchrch und expedieren. Der Sündenlohn ist der Preis füü! die Schande derer, die d^n reinen Körper der Wahrheit! packen und ihn auf dem Markt verkaufen, die die! jungftänlichen .Hosfnrurgen der Menschheit an . das ekel-! haste Bordell des grvßen Geschäftes verraten.' Unds! unten im Kafsenztnnnec sitzt die „Madames^, die aus; jener Schande Profit zieht, ivcnn sie nicht zufällig^ in Calm becvch' oder Neroport sichbefindet und ihren Edelsteinen und Miherr: prunkt. Ich! behaupt^ daß der Sünde::lohn, der im dem berüchtigten Hause? „der Preis für eines Weibes Schande iß", sowohl inj seiner moralischen Bedeutung als in seinen: g?Mschaft-j lichen Effekt genau :y:d gleich, dasselbe ist,