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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-18 · Heft 1007 (18.11.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1007 (18.11.1921)
Date
1921-11-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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KBWffr Nr. 1007 Wien. Freitag Wiener MorgesrzTitNNg sHeini. Me NgtifiLation bann deshalb, in der vvrliegvnden Form'nicht erfolgen. Der Oedenburger Helmatdienst und die Mische« Stimme«. Zu der von uns am Mittwoch gebrachten Mbl- Idung teilt di« Preßftelle der Oedenburger Heimat- * bienftes mit: „Mit Bezug aus eine in der „Wiener Morgen-! zeitung" erschienene Notiz, betreffend eine antisemitische ^Tendenz des Oedenburger Heimatdienstes, erklärt der Oedenburger Heimatdienst, daß, wie sich im Einvernehmen mit der „Wiener Morgenzeitung" herausgestellt hat, der in Betracht kommenden Notiz eine irrtümliche Ausfassung ihres Verfassers Zugrunde liegt. 2m Fragebogen für Abkimmungsberechtigtigte ist selbstverständlich bei Frage Nummer 18 als erster Punkt die Frage nach Geburts- oder Taufschein gestellt. Im übrigen muß bei dieser Gelegenheit nochmals festgestellt werden, daß. der Oedenburger Heimatdienst es sich zur Aufgabe gemacht hat. die Sache der Oedenburger Abstimmung ohne Rücksicht auf Nation und Konfession zu fordern, was auch durch die Tatsache erhärtet wird, daß alle in Oedenburg verretenen Nationen und Konfessionen, also auch die Juden, im Oedenburger Heimatdienst zusammen arbeiten." Das östliche Burge«la«d besetzt. Wie«, 17. November. Amtlich wird verlautbart: Die ittilitänsche Besetzung des LandeßteileZ östlich des Neusiedlersees .ist beendet, Unsere Truppen haben die Orte Jllmch, Pam- >Hagen und Andav nächst der Sadgrenze diese- Landesteiles erreicht. Lüge« des »«garische« amtliche» Pretzb«reaus. Wien, 17. November. Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Das Ungarische Telegraphen-Korre- ^spondenz-Bureau hat in der Form des Berichtes eines Spezialkorrejpondente» aus Oedenburg Mitteilungen über de» Vormarsch unserer Truppen im Burgenland veröffentlicht, die von mehreren Budapests Zeitungen wiedergegeben wurden. Diese Mitteilungen erneuern die hundertmal widerlegte Behauptung, daß Oesterreich die Herrschaft des Kommunismus im Burgenlande aufrichte. Es wird von der Einsetzung einer Militärdiktatur, von der Verwendung roter Fahnen, von Gewalttätigkeiten, von einer Versagung aller gewählten Gemeindefunktionäre und ihrer Ersetzung durch Kommunisten, von Reqisilionen und Zerstörung von Elsenbahn- und Telegraphenlinien erzählt. Der Zweck dieser neuerlichen Verleumdungen, würde ohneweiters auch dann klar erkennbar sein, wenn der Bericht nicht ausdrücklich einen Hinweis auf das Schicksal enthielte, das den Oedenburger» im Falle eines Anschlusses an Oesterreich angeblich drohe. Die Erfahrung der letzten Monate hat gezeigt, daß der ungarische Propagandadienst den Mangel an Wahrheitsliebe durch Beharrlichkeit im Erfinden wett- Zumacherr trachtet. Gegenüber diesem neuesten, ebenso illoyalen wie ungeschickten Versuche, die Bevölkerung im Abstimmungsgebiete gegen Oesterreich zu beeinflussen, steht der österreichischen Regierung ein einfaches Mittel zur Verfügung. Es sind eben jetzt ausländische Journalisten, denen die Möglichkeit gegeben war, unsere vorrückenden Truppen zu begleiten und die Verhältnisse an Ort unb Stelle zu studieren, aus dem Vurgcnlande zmäckgekehrt und es fehlen uns daher nicht die einwandfreien Zeugen, um das In- und Ausland über das wahre Wesen des ungarischen Nachrichtendienstes aufzuklären. Die B«dgetberat»«g im Fi«a«za«rfch«tz. Der Finanznnd Buzetausschnß srhte gestern die Generaldebatte über den Bundrsvoranschlag fort. . Berichterstatter Dr. Waiß reienerte sodann über die Kapitel „Oberste Bolttorgane", „Gerichte öffentlichen Rechts* und „Rechnungshof*. Er beautlagt eine E'Höhung der Post „Bibliothek d«S RationalratrS* von K 300.000 ans 400 (00. Bei der Abstimmung wird daS Kapitel „Oberste VollSo'gane" angenommen. Dir Notation der Bibliothek des Nation alrat:s wird auf X 500.000 erhöht. Bei Kapitel 2 (Gerichte, öffentliches' Recht) urgiert der Abgeordnete Schulz die endliche Regelung bei Berwalmugs" sirasrechtS. Bei der Beratuug über das Kapitel Rechnungshof kritisierte der Abgeordnete Dr. Ellenbogen den Umstand,, daß der Staat-- rechnungShof teil dem Jahre 19t« keine« Rechnungsabschluß vorgrlegt hat. Der Präsident dieses Rechnungshofes sollte seine Bestrebungen darauf richte», de« Rechnungsabschluß endlich vor- Zttlkgt«. Die Kapitel Gerichte, öffentlich« Rechte und Mchnung-Hvf werden sodann angenommen. Der »Kampf «« de« Rabbi«er". Wie voransWsehLn war, beginnt, sowohl den Christlich sozialen als auch den Sozialdemo traten vor den Folgen ihrer: eigMen TaM in der Frage der tonfesstoirellcn Birilstinunvrr im Wiener Schulrat bange zu werden. Bekanntlich . waren die Christlich sozialen für die Beiziehung uou Vertretern' aller drei 5tmisesst »neu — der katholischen, projestantischen.und j ü d t f $ e a •*- während die Soziatdemoganz zn. Falle, bringen konnten, sich damit begnügten, den Vertreter des Judentums zn elimlniereu. Die Christlichsozialen blieben bei der Abstimmung „für den Rabbiner" allein, ivas den Sozialdemokraten sehr luftig vorkam. Inzwischen ist ihnen aber das Lachen vergangen, da ihnen offenbar von ihrer keineswegs rassenreinen Wählerschaft der- Unterschied zwischen prinzipiell „antiklerikaler" Politik und der Benachteiligung einer einzigen gesetzlich anerkannten Religronsgenossen schaft gegenüber beu übrigen expliziert worden ist. Der sozialdemokratische Jude kann es begreifen, daß kein konfessioneller Vertreter in den Ortsschulrat zugelassen werden soll; daß aber gerade der jüdische und nur dieser ausgeschlossen sein soll, wird ihm weniger, einleuchteu. Um diese Wähler zn beruhigen, haben die Sozialdemokraten' ihren Antrag, über die jüdische Virilstimme getrennt abstimmen zu. lassen, so daß die klerikalen Christen die Möglichkeit erhiettsir, ihre Vertreter allein durchzubrlngen, damit begründet, daß das . so zustande gekommene Gesetz vom Bnndesrat znrückgetvi^sen werden müsse. Dabei rechnen sw auf den Antiklerikalisntns der Großdentschen, der sich auch gegen die im Nationalrat bereits durch gedrungenen christlichen Religionsvertreter wenden würde». Nun haben aber auch die Christlichsozialen vor ihren Wählevn eine Schlappe gutzumachen: ihr vielbelachtes Eintreten „für den Rabbiner". Gleichzeitig wollen sie retten, was für sie zu retten ist, und so appellieren sie ihrerseits an den Antisemitismus dm Großdeutschen, bei denen dir Entscheidung liegt, und beschwör«! sie, sich mit ihrem Siege über den Rabbiner zu begnügen und sich im Bundesrat der Entscheidung des Nationalratrs zu fügen. Sozialdemokraten und Christlichsoziale harren also gespannt darauf, ob die Großdentschen ihrer „Los von -R o m!"- oder ihrer „Los von Juda!"-Parole größere Zugkraft auf ihre Wähler beimessen. Im ersteren Falle werden sie das Gesetz neuerlich an. den Nationalrat zurückleiten, womit alle drei Religionen nur ihre Vertretung gebrächt wären, im anderen Falle lverden sie das'Gesetz in der Fassung des Nationalrates akzeptieren und so den sozialdemokratischen Sieg über den Rabbiner zu eimrn endgültigen machen. Wie werkig erbaut die S e v e r - Genossen über diese höchst aussichtsreichen Siegeschmlcen ihrer Partei slnd, geht aus dem Toben ihres Zentralorgans zur Genüge hervor. Sie werfen-den Christlichsozkalen, weil nun auch diese den „Rabbiner", fallen lassen wollen — „Talnrndist r!" vor/ beweisen aber durch diese geschmackvolle Terrninologie nur neuerlich, wie sehr es ihnen schon zur Gewohnheit geworden ist, ihre Kämpfe *— mag es sich um wirkliche oder um bloße Manöver handeln — auf dem Rücken des Judentums austrageu. Das muß auf alle Fülle so st ge halten werden, wie immer der groteske „Kampf"um den Rabbiner" schließlich ausgeheu wird! Exodus der SoMlÄemokraten aus dem Zunsdrucker GemeinderaL. Jlnusbrnik, 16. November. Wie die „Volkszenung" meldet, belichtete m hn gestlisien Sitzung des Jnnsdrucker Lta trates Bürgermeister Grell über die au» Antrag der Sozialdemo raten emgeltitkte Unteilueliung w^gen deS Vorgehens einz-lner Stadtschutzlkute b i dm Ausschreitungen anläßlich deS jüngsten K e l l n e r st r e r k s und.wegen des ÄuftreienS des Leikers - ver städtischen Polizei, PölzenateS Dr. Brix. Dir sozialdemokratischen Stadträle erktärien sich mu der Antwort des Burgermeisieis nicht einverstanden und Bizrvürgrlmerster Rappoldi stellte den Antiag, gegen einzelne Wachleute wegen ihrer Ausschreitungen und gegen de» Polizeirat Dr. Brix wegen einer von ihm in der Gastwirteversammiung gehaltenen Rede das Disziplinarverfahren einzuleilen. Da dieser Antra abgelehut wurde, erklärte Büebkrgrrmristrr Rapvoldr. daß es dm Sozialdemokraten angksichtS dieser Haltung der Mehrheit des Stadtratrs unmöglich sei. an den Sitzungen des Sradtrates leilzuriedmcn, und verluß mit dm sozialdemokratischen Etadträlen den S.tzmtgsssal» Polnisch-österreichische Verhandlungen Warschau, 17. November. (Tel.-Komp.) Am 30. d. M. trifft hier eine östeiwchische Kommission ei«, um die Verhandlungen aufzunehmeu, die den Abschluß eines polnisch-österreichischen HandelSve, träges zum Ziele haben. Ans ö^erreichischer Seite werden die Brrhanblungen vom Gesandten P»st geführt. Telegramme. Die Abrüstungskonferenz. Die Lnftschissahrt. Washington, l7. November. (Funkspruch.) Die Abrüftungsoorschläge Amerikas betreffen die L u f ts ch i f f a h 11 nicht, weil eine Beschränkung derselben eine Behinderung der WeiterentwiMnng des Lustfahrwesens zur Folge haben und die Handelsinterrffe» schädigen würde. Französischer Mitzersol-. Paris, 17.November. Pertinax meldet dem „Echo de Paris", in Washington trete gegenwärtig immer deutlicher der große, diplomatische Erfolg Englands zutage» der durch die Tätigkeit des Botschafters Sir Auckland G e d d e s vorbereitet worden sei. Es dürfte dem Londouer Kabinett wahrscheinlich gelingen, das Bündnis mit Japan ohne Verstimmung aufzulösen. Eine Bündnispolitik, wie sie den Wünschen Frankreichs entspräche, habe wenig Aussicht aus Erf olg; ebensowenig biete sich, eine Möglichkeit, die Rolle eines Schieds- Lichters Mische» Amerika «ndEuglaud zu' spiele«. 18. November 1921 Seile 3 „Offene Tür itt Ehirra". Washington, 17, November. iReuter.) In seiner; Ausführungen in der ersten Sitzung der Kommiffior' für den f e r n e n O st e n trat der chinesische Gesandte für die Aufrechterhaltung des Prinzips der offener Tür i n C h i n a und für die BefeMgnng der ge» Heimen Verträge, betreffend dieses Land, ein. Tagung des Jüdischen Rationalrates für Litauen. Kowno, 16. November. (Jüd. Korr.-Bur.) In deö 6. Session des jüdischen Natimvalrirtes für Litauen stattete der Minister für ' Mische AnMegenheiteu Dr. A. Solvwejtschik. einen 'Bericht 'über die politische Lage, der unter <m£>ctem auch /Mitteilungen über die von der litauischen Mgierüng pem Bölter. bund unterbreiteten Gegenvorschläge/betreffend die Sprachen frage .in' 'ZentEitüMN/,Mlhält. Diese Gegenvorschläge verlangten die Anerkennung des Litauischen, Polnischen, Jiddischen und Weißrussischen alo offizielle Landessprachen. Die litauische Delegation in Genf habe jedoch die ihr' von der Regierung erteilten Vollmachten überschritten und eigenmächtig-' die Auer- . kennung bloß zweies Sprachen als offizielle'Landessprachen, und zwar des Litauischen urch Pplflischen, beschlossen.-Der Präsident der litauischen^ DMegation iu Genf, Galwanowski, erklärte, Mß 'dieser 'Ent-, schluß mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse gefaßt werden müßte, daß aber die jiüdif-chen Rechte - hi>chnijch' nicht vergewaltigt,worden seien. Doktor Solvwejtschik fügte hinzu, die litauische Regierung sei nlit der v-on ihrer GenftL Delegation kin^enoinmenen Haltung unzufrieden. FilialerSffnung der Jüdischen Kslsnialbank in Amerikn. New-Bo«k, 16. November. (Jüd. Korr.-Bur.) In der gestrigen Sitzung der amerikanischen zionistischen Exekutive teilte der Schatzmeister Mr. Pater Schweizer mit, daß ein bekannter jüdischer Financier Amerikas die*Leitung der demnächst zu eröffnenden Filiale der Jüdischen Kolonialbantz - übernehmen werde. Sin Keren-Hajeffsd-Monat in Amerika Re«-Bork. 16. Novembex. (Jüd. Korr.-Lur.) Die Föderation polnischer Juden in Amerika beschloß, den Mongt K Siew (Dezember) zam Sammrlmvnat iür den Keren Hajeffod unter a'!en in den Bereinigten Staaten lebenden polnischen Juden zu proklapijexen. Zue DurchführrrngKampagne wurde tm sünfzehngliedriger Arbeitsausschuß eingesetzt. Die englisch-ägyptischen Vorhandlnngen. London. 17. November. (Tel.-Komp.) Die englischägyptischen Verhandlungen, die seit einigen Wochen in London stattsiktden, haben eine äußerst ernste Wendung genommen. Die ägyptischen Delegierten sind der Ansicht, daß das von England ausgearbeitete Statut für Aegypten, das die Beibehaltung englischer Garnisonen im Suezkanal vorsieht, dem Versprechen einer Aufhebung des Protektorats, das Lloyd George gegeben hat, nicht entspräche. Der Führer der ägyptischen Delegation hat gestern mit seiner Abreise und dem Abbruch der Verhandlungen gedroht, sich jedoch im letzten Augenblick bestimmen lassen, kommenden Freitag mit Lord Cmzen nochmals zu verhandeln. Aufftäxde in Z«die«. W-fhiugt»«, 17. November. (Fwkspruch.) Stärke M oplah-Bandr» gnffeu »euerüch euglischr Truppm an; die Aufffändlschkn versügen auch über Artillerie. Die rrrglische» Truppe» haben vier Tote und 31 Berwandete. st. Yr Washingto», 17. November. (Frnkspruch.) I« K a l k n 1 t« kam es a«l8ßliL eines Auslandes der Straßenbahnbediensteteu zu blutige« Z»sam«ensioßen. Biele Polizifte» wnrde» schwer verwundet. Italieuischer Einspruch gege« de» fr»«zöfische« A«gora-Bertr«g. No«, 17. November. (F«»kspr«ch.) Auch die italienische Regierung hat in Paris gegen den franiösischen Beitrag mit den Kemalistkn Ginwendungen erhoben. Telegramme auS Konstantrnopel melde«, daß die itülienisch-tlirkischen Berhandlnage» in Angora förtschreiten. daß aber eine Bttz8g««ng der AbschlusseL des Vertrages z« ci* warte« sei. Die alba»ische Frage. Paris, 17. November. Der Bölkerbundrat hat beschloffe«. die «lbamsch-jvgostawtfche Angelegenheit in öffentlicher Sitzung zn berrtr«. „Petit Parisieu* «fährt, die Botschafterkonfereuz habe eiu« Depesche der B e l g r a d e r R e g i e r n n g erhallen, worin die Enffcheidung über die neve Grenze a n g e n o m in e u uKt mitgeteitt wird, daß die jugoslawischen Truppe» das brsrtztr albamschr Gebiet unvnzvgllch ranmen wttde». St«», 17. November. iFnnkspruch,) Die itnüemfchL Re« giernug Hai d'.e albanische Regieiung anerkannt. Der Bölkerbsnd w rd eine ll u t e r f »ch u u ü 1' 1» ».«• f | i i» uach Albs«« - ' jh!; ■3.! ■'■r

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