Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1002 (12.11.1921)
- Date
- 1921-11-12
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Rr. 1002 Wien, Samswst Wiener MorsenzerLrrnK 12 November 192t7 Die „DSn«eh". Jtt Saloniki gißt es bekanntlich' eine Sekte von Anhängern Sabbatai Zwis, die „Dönmeh" (vom Judentum Ab gefallene) genannt deren Zahl etwa 10.000 be- 'trägt. Die Sekte entstand in Smyrna, von wo die fünfte 'Fvair des' Sabbcktai Zwi stammte.^ Wie bekannt'- hattv eo sich' von' seinxn beldeir ersten Fvanen scheiden lassen und erneschyne-^Fran aus '• Polen, Sarah, geheiratet, i tvelche /jedoch-T;trz nach dein Uehvrtrrtt- Sabattai Zwis zum Jilmn./staOi Die vierte Fr.an des falschen Messias war. eineTMkin, die ihm der-Sultan zunr Geschenk umchts,. und übeMes heiratete Sabbatai. die Dochte^ eines Smyrnaer Pabbiners> namens Joseph, mit dem Beinamen, der Philosoph. Als Sabbatai Zwi gestorben war,-Keigtelseine jüdische Witwe aus Smyrna wenig Migung, 'das gute Leben, welches sie wahrend der M'ssi'aszejt ihres. Mannes gehabt Hatte, anfzngebeu. Äe. verfiel nun. aus eine sonderbare. Idee. Ihren sechsjährigen- Bruder, der nach dem' Tobe seiner Mutter hei ihr erzogen wurde, gab sie jn Smyrna, bei den. Anhängern Sabbatai Zwis als dessen und ihren Sohn aus, den ciuzigeri Erben des Messias. Sie und das Mnd wurden.von Len Gläubigen mit großer Freude aüfgerwmmeu. Es entwickelten sich-bald ganze kabbalistisch.; Theorien,.welshe mit allerhand Zahleuspielereieu nachwiesen, daß das Kvrd, welches, in Wirklichkeit Jakob Dürreid'ov hieß und Vvn seiner Dante dann den Namen .Jakob. Zivi'erhielt, in sich' zwei, große Seelen, die des Messias Heu-,Joseph und des Messias ben Dawid, vereinigtF. ‘ ' . Alfmählich'.ftvtichs die. Zahl her' Anhänger dieses jungen Messias'.'immer mehr. Seine Ratgeber yer- - chreibrten . übrigens in -seinem -Namerr dis Lehre, die . Welt, welche schlecht und sündig--sei, könne erst dann erlöst werden, bis alle Menschen Sünder .Mn. Die folgen dieser Heilslehre, welchelebhaft an das „Snnilia sunilibns curare^ des Begründers der Homöopathie erinnert, ttwitejt in den jüdischen Gemeinden von Smyrna, serirer non Äonstantinopel urrd Salv'.riiki^ ivohin sich die Lehre des Jakob Zwi bald verbreitete, sehr traurig. D.ie Anhänger dieser Lehre verübten die 'ärgsten Aussch^oeistmgen u.nd die türkisch^ Regierung mußte gegen diese Sekte mit schweren Strafdr-ohungml einschrriien. Daher beschlossen diesoge- ^iMMton „Sündigen", das Judentum gänzlich' zu verfassen und den Glauben der Türken anzunehmen. Zulsanrnvrn nnt ihrem Messias Jakob Zwi traten 400 seiner Anhänger zunr Islam über und um ihre Ers-gebenheit dem nerren Glauben zu Leweifen, unter» ..nahmen sie eine Pilgerfahrt wachs MKa. Auf der Rückji'eifc starb ihr Messias. I- Nach' seinem Tode trat sein Sohn Be rach ja des Bakers Erbe an; die blürdgläubigsn Mhänger zweifelten ßricht an seiner ererbten Svndung. Der neue Messias Konnte sein heiliges Amt durch volle 45 Jahre, von .<1695' bis 1740 ausüben, also viel länger als sein Water Und' dessen Morgänger Sabbatai Zwi. Die Zahl -ffeiner Anhänger vermehrte sich noch immer, da seine!nrit dem Namen Mbbatai Zwi verknüpfte Sendung «eine gerader magische Anziehungskraft ansüble. Wera'chja war der Gründer der ,/Oönmeh". Diese lebten abgesondert Und mieden jeden Verkehr mit den Juden oder Türken. Sie h-rirate-en auch nur imlereimmder. f Der HariptgLmbenssatz der ,^)önmeh" ist, daß Sabbatai Zwi. wieder auftrstehen, sich erst bann in -seinem volle« Glanz« zeigen und die Erlösung der Welt bringen werter. Ihre Gebräuche sind ein Gemisch von jüdischen Und türkischen Riterr, Nach außen sind sie Türken und besuche: hie und da auch die mohammedanischen ' Gotteshäuser; außerdem aber verrichten sie in geheimen Versommliungen ihren sonderbaren Gottesdienst und ihr eigenartiges Mtnal uw) beten um die Wiederkehr Sabbatai ■ Zwis. So existiert diese Sekte in Saloniki bis zUm heutigen Tage. Obwohl sie ihre Bräuche geheim'hält, ist es doch bekannt, baß sie sich in drei.Klassen teilt, die untereinander nicht allzu, freundschaftlich leben, weil jede andere Anschauungen irler den Messias hat. Ihr Gottesdienst ist das einzige Band zwischen den drei Klassen.; In der letzten tzpenerationseit etwa 30 Jahren —- verringerte, sich die »Zahl der „Dönmeh". Ihre Intelligenz' assimiliert sich in immer stärkerem Maße der türkisch-n. So bürsten bi-?, letzten Anhänger einer M-eisiäs-Beweguyg, wrlche einst dys Judentum der ganzen Welt in Erregung setzte, wohl m absehbare»: Zeit spurlos verschwinden.! V«N Mdischerr FamrliennameK. Die bekannte scherzhafte Einteilung der Juden in zoologische, botanische, mineralogische und geographische läßt zwei große Nameflsg rupften mrberücksichtigt: die Bernfs- Unddie UnsugNMen. In die erste Gruppe gehört somancher Name, bol beino-das nicht sofort klar ist: „Klemperer" (in Ge.Üzrrn .sehr beHrejtet), Schuster, Schneider, Tischler, Geiger w'e'snr - filbsspexMi^lich auf Berufsarbeit hm, aber auch ,,Mautner''"(bj<; hMnische Maut war säst durchwegs an Juden verpachtet), „Golhschmieb", wie überhaupt die meisten Zusaunnensctzungen mit „Gold" und „Silber", »mb .Masserluvum", der jüdische Wasserträger der kleinen polnischen und mährischen Städtchen, dessen Tätigkeit in „Rnssisch"^PoIen noch heute nicht zu Errde ist. Daß die Juden sich vielfach ,uU dem Brauhewerbe beschäftigten, geht <m§ dem Namen „Bräuer" hetvor, ebenso wie „Gerber", ^kaufman«", „Schächter", „Kantor" und „Singer" . selbstverständlich als ÄerufSname«. ^pzüHrschesN Hch, > waren die Juden wohl selten, haben aber dafür schon frühzeitig Fischhandel getrieben. Von den zoologischen Rarnen sind manch; nicht das, was sie scheinen;' so dürften sümtlichr so zahlrsichrn Zusammensetzungen mit „Löw" -.und „Löwen" nicht ans den König der Wüste, sondern auf „Levy/ zurückznsühre.l sein. Wolf, Beer mro Hersch s'-d alte jüdische Vornamen. Di« Farben Rot, Blau, Schwe .'. Weiß, Grün sind nn. allgemeinen als Verlegenheitsname: Zusehen. Der Name „Gelber" dürste 'wahrscheinlich von der jüdischen F-arbbezeichnung „g«l" (gelb) für Rötlich stammen; die Ableitung -.Gelber" von der noch heute an manchen mährischen Gegenden üblichen Bezeichnung „der Gelber" für. einen Bronzearbeiter wäre auch nicht von der Hand zu weisen. ■ Bon den b otan i sch eu Jirdenuamen gehört'ein guter Teil in bas Kapitel Unfug. Die übermütigen Beamten fanden cs sehr witzig und spaßhaft, Juden „Veilcheilduft" (davon alle Zusammensetzungen anit Feigel) oder „Mandelbanm" zu nennen. Daß «sämtliche einheimischen Obstsorten bis aus Pfirsich und Aprikose unter der Jubenschaft vertreten sind, ist bekannt. Neben Apfel-, Birn-s Nnßbaunr gibt es auch noch Pflauinenstingl und Weintraub. Wem» ein. Jude &eu Namen „Kyrieeleison" führt, so ist die boshafte Absicht klar. „Frankel" ist ein verkappter Ortsnanle, „Winkler" war wohl der Winkelkrämer. Der Name „Nappaport" soll ursprünglich spauivlisch gewesen sein und von her portugiesischen Stadt Oport^ herrühren. Jrn Ausland sind ja überhaupt häusrg bodenständige Judeunarueil zu firrden, nicht nur kunstvolle „Verschouerirngen", wie Kalnmr, Kelemen, Räppee, Pallado usw. Namentlich italienische Juden haben häufig rein romanische Namen. -Daß viele jüdische Namen Zusammensetzungen mit Edelsteinen (Diarnant, Rubin, Perlen) bilden, ist auf die Tätigkeit der Juden als Juweliere und Juwelenhändlcr zurürkz^suhren. Die Ableitung des Namens „Rothschild" von denc roten Geschäftsschild ist allgemein bekannt und wenn matt Juden deutsch benannte, so wies das irr östlichen Gegerwett wohl ztcmeist an; „moderne" Gesinnung hin, lote ja die polnischen Inden den „Modernisten" heule noch einen „Deutsch" nemtcrr. RitteilMgen aus dem PnblikUR. ^L86klL8^tM v. L08^Fxs!lv (L0klllZ6LLr-) WIEN,!., KOHLMARKT 5. KOMPU;TXE BRAUTAUSSTATTUNGEN VOMEHMSTEN GENRES. PRÄMIIERT: PARIS,LONDON 1901. TBL.9307. 198 ' Netti Thaler Chaskel Sparer empfehlen sich als Verlobte Wien, im Oktober 1921 5587 Erna Necker Lemberg Max Granek CzenstocKatt Verlobte 569G Wien, im November 1921 teMste GlMvünsctie znr Yeriobnng des Fräulein Sali Lillan, Villach, mit Herrn Ernst Schreiber, Wien, II., entbietet 5559 Heinrich Uli an, Wien, IX. Möbelfabrik J. Spira F«n. 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