Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-11-12 · Heft 1002 (12.11.1921) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1002 (12.11.1921)
Date
1921-11-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980081--09351-2995592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Rr 1002 Wien. Samslagk Wumt MyrgSMerrrrttK 12. November 192! Seite k Der englische Kredit an Polen. Warschau, 11. November. Das englische Unterhaus hat das Projekt der Erteilung eines Kredits ir. der Höhe von 2 Millionen Pfund an Pole:-, akzeptiert. Ein neuer polnisch-russischer Krieg? Moskau, 11. November. (Funkspruch.) Der Vorsitzende des revolutionären Kriegsrates der Roten Arme« imd Flotte hat einen bei allen Abteilungen zu verlesenden Befehl erlassen, in dem mit Rücksicht aus die provokatorische Haltung der polnischen Militärpartei unter Führung Pilsudskis, die im Gegensätze zum Wllen der arbeitenden Bevölkerung Polens und zu den offiziellen, aus friedliches Zusammenleben mit Rußland gerichteten Bestrebungen auf den Krieg hinarbeite, zn erhöhter Kampfbereitschaft aufgefordert wird. TschiLscherLn für friedliche Arbeit. Moskau, 11. November. (Funkspruch.) Anläßlich kes vierten Jahrestages der Oktoberrevolution empfing T s ch i t s ch e r i n beit. Besuch der Vertreter einer Reih.- von Staaten. In seiner Begrüßungsansprache wies .Tschirfcherin darauf hin, daß sich seit dem Vorjahr d''e Zähl der Mächte vergrößert habe, die mit Rußland Verträge abgeschlossen haben. Er drückt« den lebhaften Wunsch aus, au friedliche Arbeit heranzutreten und mit alten Ländern in friedlichen wirtschaftlichen -Beziehungen leben zu können. Es sei. zu hoffen, baß die friedlichen Bestrebungen auch von jenen Reichen geteilt werden, die bisher in keine Beziehungen zu Ruß" land getreten seien. .Weitere ArLfrmhme Mrairrisch-Mischer FlüchLLirrge irr Rumömie«. Msche«ew» 10. November. (Iüd. Korr.-Dur.) Das, hiesige Hilfskomitee erhielt aus Bukarest die telegraphische Verständigung, daß der Chef der Sicherheitsbehörde das beßarabifche Landesinfpektorat telegraphisch angewiesen habe, von .der Zurücktreibung der über den Dnjeftr «ach Beßarabien herüberkommenden jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine u n bedingt Ab ft and zu nehmen. . Das MLesrLkt im Bukarester Senat. Bukarest, 11. November. (Funkspruch.) Die Urheber des Bombenattentats im Senat sind entdeckt worden; sie standen mit russischen Kommunisten in Verbindung und erhielten reiche Geldunterstützungen aus Rußland für die Ausführung ihrer verbrecherischen Pläne, i Selbstmord des Präsidenten. der rumänischen NaLiimslLarrk. Vnkarcst, 11. November.' (Funkspruch.) Der Präsident des Verwaltungsrates der Nationrlbsnk hat wegen Schwierigkeiten der Bank Selbstmord be- - gangen. st.'ll.' umjj, «i;r: Dreizehnjährige, in den Hort lijtb vlickt n'ii>-cx*fitUt in die hellen, freundlichen Säl-.' hi'iwnr. Wo.i'o viü jüdisches Elend beisammen ist, fehlt ss/!bstverstäudlich d.as M ittelstandselend nicht. /Der Elias uitb die Reg ine sind Kinder eines galizischen -(^lehrten. Bor den: Krieg« studiert^ er den Talmud und lebie samt Weib und Kind von einem kleinen Besitz. : Vorwau dt an gaben nstv. Bor dem Krieg« konnte man io Fetzt bringt er sich mühselig als Schreiber i'no Bnr.'nudiener durch. Er bezieht 5000 Kronen inr Mount, voll denen zwei Erwachsene und vier Kinder leben müssen. Als man aber ein« sehr „wohltätige" Dame tat, .i\": Familw zu billigem S-chnhwerk zu. verhelfen, iehnt-e.sie diese Zumutung entrüstet «ab. „Wenn man 5000 Krollen verdient", -sagte sie, „dann braucht man. seine Geschellte." Obwohl diese Dame selbst wahrscheinlich nicht einmal drei Tage mit dem Betrag ihr Aus-' längen fände. e Der kleine schwarze Kerl ist das Kind eines arbeitsso>en Mittelsclmlprosessors, sein Nachbar zur Rechten dtzr Sohn eines Musikers, der Primas bei einer! waschechten Zigeunerkapelle ist. Die beiden blonden Mädelch-n - sind Doppelwaisen nach einem Kaufmann. Daneben sitzen .Kinder von jüdischen Metallgießern, Fabriksarbriteru und Handwerkern. Auch der „kleine" .Schieb'erstaud ist vertreten, armselige „Hamsterer", winz'ge Valuleuschieber, die gerade so viel, verdienen, - eaß-iinicht verhungern müssen mit ihrer Familie, aber beiweitem nicht so viel, daß sie satt'werden. - Zwischen den Judenkindeon sitzen hie und da kleine Chrisienkinber. Man konnte sie nicht abweiseü und lvollte sie nicht abweiseü. Elend verbrüdert. Jetzt singen sie die kleinen. -Liedchen mit, '«erneu das Mgriißungsgedicht fiir das Chanuka-Fest, beten tavser das „Schma Jisriiel" mit und es ist bisher noch nichts darüber bekannt geworden, daß sie Schaden all ihrer Seele genommen hätten. Die- Kinder lernen übrigens alle verblüffend rasch und bas liegt vielleicht auch daran, daß in diesem Kindergarten nicht das mechan siche Auswendiglernen, die Kinderdressur der meisten fl HHLitSl & C'@b MiMMMt-w. is. d. H„ L, Seiler» 3 Palas« (Coburg m Ledermöbel und überpolsterte Fauteuils Antike und moderne Kunsimöbel, Dekorationen! Stoffe und Tapeten Kein geheimer MMtLrverLraK zWischere GNgiLnd rm- Zspan. Londs«, 10. November. (Tel.-Komp.) Auf die Anfrage eines Abgeordneten im Unterhause, ob zwischen Großbritannien und Asparr ein Geheimabkommen über militärische oder Marinefragen bestehe, das über einen Bündnisvertrag hinausgehen und die englische Delegation in Washington binde» könnte, hat Lloyd George verneinend geantwortet. Refsrm des e«Klische» Oberhauses. Lsndvsr, 10. November. (Tel.-Komp.) Lloyd George hat auf eine Anfrage im Unterhause mitgeteilt, die Regierung beabsichtige, bei Beginn der nächsten Parlamentssetsion dem Unterhause eine Gesetzesvorlage über die Aeform des Oberhauses zu unterbreiten. Vor eine« Streik im Ostrarrer Revier. Mährisch -Ostrrm, 11. November. (Tschecho-slow. Preßbur.)Nach dentzeltrigen mißlungenen Verhandlungen zwischen den Bergarbeitern und den Bergwerksbesitzern wegen eines Uebereinkommms wurde heute auf atzen Schichten eine Kundmachung affichiert. worin die Bergwerksbesitzer die gegenwärtige Situation im Revier und die zur Beseitigung der Krise unternommenen Schritte darlegen. Die Bergwerksbesitzer berufen sich auf Vereinbarungen der gemeinsamen Enquete in Prag «nd setzen neue Bedingungen für die Zeit seit dem 6. d. M. bis Ende dieses Jahres fest. Für die Regelung nach dem 1. Jänner 1922 werden neue Bedingungen gelten. In der Kundmachung heißt es, daß die Situation eine solche ist, daß über eine weitere Beibehaltung der Löhne ohne erhöhte Arbeitsleistung nicht verhandelt werden^ kann. Für Samstag vormittags wurde eine Sitzung der Betriebsräte des Ostrau-Karwiner Steinkohlenreviers einberufen, die über das weitere Vorgehen der Bergwerksarbeiter entscheiden wird. Im ganzen Revier ist unter der Arbeiterschaft Erregung zu bemerken. Im offiziellen Bericht des Sekretariats der! Bergwerksarbeiter heißt es : Der Streik ist an einem kritischen Punkt angelangt vnd da keine Hoffnung aus eine friedliche Beilegung besteht, dürste es zu einem ganztägigen Streik und wahrscheinlich zu einem Bergarbeüerstreik in der ganzen Republik kommen. «anderen Anstalten, gepflegt wird, sondern man bemüht ist, den kleinen Leuten von Anfang an das Denken beizub ringen. Da sollen sie zum Beispiel „müllern". Die Leiterin erfindet eine, ganze,Geschichte. Sie friert und man muß ihr Strümpfe strichen. Erst Wolle wickeln, dann stricken, den Strumpf Ausziehen, sooo lang . (sie strecken sich nach Leibeskräften), den Strumpf waschen! die Seife ist hinunter gefallen habt ihr sie schon?. „Ich Hab' son", meldet ein,-rothaariger possierlicher. , Knirps. Dann blasen sie wie der Wind —' hu, welchfürchterlicher Wind! und ziehen begeistert die imaginären Strümpfe erst aufs rechte, dann aufs liuA Bein. -Es ist sehr lustig und selbst der erwachsene Zuschauer vergißt füreinen Augenblick, welche. Fülle von Elend, von gegenwärtigem und zukünftigem Jammer in diesem Hellen Zimmer vereinigt ist. - Selbstverständlich müssen die Eltern zu d«n Kosten der Anstalt einen kleinen Beitrag leisten Und ebenso - .selbstverständlich ist er lächerlich gering. Zwei Kronentäglich — bei einem Monatsbudget zwischen 40.000 und 45.000 Kronen. Den Fehlbetrag muß der Vevei-w decken, dessen Mittel rapid znEnd« -gehen. Die Knttusgemeinde Wien subventioniert den'' Volkskindergarten« nnt 2000 Kronen. jährlich. Es reicht nicht einmal für drei Kartoffelsuppen, denn «eine" Rostet 800 Kronen, seitdem man dem Verein hie Lieferung billigere^ Lebecrsnnttel plötzlich eingestellt hat. 2000 Kronen für die Versorgung und Pflege v«on 150 kleinen, hilflosen, jüdischen Kindern — man weiß nicht, vb niän weinen oder lachen soll. Und die Allgemeinheit ahmt das Beispiel von „oben" getreulich nach. Die Kinder der reiche^ Judeit, die haben Pflege und Aufsicht, ein sicheres Heim und forgsante Leitung — was kümmert diese Reichen die Angst der jüdischen Mutter, die in; die, Arbeit geht und ihre Kinder allen Zusälleir -der Straße« auSfetzen muß. Ist diese Auffassung gehässig? Dann geht hin und beweist es, ihr besitzenden jüdischen Mütter und Väter, berveist es.durch Anteilnahme an diesem Werke der Volkspflege, durch Auteilnahme an der Erhaltung des Volkskindergartens. Klara Mautner. Tagesbericht. Das EaaitStswese« in PalSstina. Vo" Dr. M. Bornchow. Nach dem Beschluß des Karlsbader Kon-' gresses übernimmt die zionistische Weltorganisation das Eanitätswescn ' in Palästina, soweit es bis jetzt in bm Händen der amerikanischen Gesellschaft „Hadassah" lag. Zu diesem Zwecke soll bei der Zionist: Commission ein besonderes Gesundhertsämt eingerichtet werden. Dr. M. Boruchow widmet in der Neujahrsnummrr vion ,Haarez" der gegenwärtigen Lage der Sanitätsarbeiten einen längeren Artikel, denk wir folgendes enMehmen: ' Seitens der „Hadassah" ist im letzten Jahre sehr viel getan worden, um den Chaluzim, die Chausseearbeiten verrichten, hygienische und medizinische HM zukommeir zn lassen. Die weitverzweigte Tätigkeit bestand in regelmäßiger Verteilung von Chinin/ vorbeugender Impfung gegen Bauchtyphus, Errichtung! von Verbandstationen und Versorgung der Vrrnnglückten mit Pflegepersonal, Filtrierung von Wasser^ Lieferung von Arzneien, hygienischer Aufsicht über« Müllabfuhr u. ä. Alldas geschah durch einen Stab von: Aerzten, Sanitätern, Krankenschwestern und Feldschern, Trotz all der Mühe und Kosten sind aber die Folgen nicht adäquat. Es fehlt noch immer an einem nmfassenderr Plan und an einer zentralen Leitung. Was nützt die Krankenschwester der' „Hadassah" mit ihrer Feldapotheke, wenn eine Arbeiter grupp e tagelang unvry Umständen ohne nahrhafte Verpflegung und ohn^ warmes Getränk zubringen muß oder wenn ein Kranker nicht Eier und Milch, ja sogar nicht einnral eine Matratze bekommen kann, weil ^für die Lebensmittel-^ - lieferung ein anderes Amt zuständig ist? Auch di« Küchen sind zwar besser als -früher, sind aber/noch . immer nicht auf der Höhe.-Man versteht nicht, die« Landesprodnkte der: Jahreszeiten entsprechend zu der- - wenden. Gerade im Hochsommer werden Bohnen und' Erbsen und ähnliche Produkte dauernd gebraucht, während Obst und Gemüse sonderbarerweise nicht verabreicht! werden. Kurzuln, der Mangel einer Zentrale, die den! Arbeitergrrlppen zugleich Lebensuriticl,. Kleidüngssiücka und Arzneien liefert, verursacht überflüssige Vergeh düng von Energien und gibt die Gesundheit d«r Arbeiter dem Zirsall preis. So zmn Beispiel waren imtey 125 Arbeitern einer Gruppe im letzten Monat nur? drei Kranke, dagegen unter 250 Arbeitern einer anberew Gruppe im selben Monat 90 Krankheitsfälle. In einen dritten Gruppe, die bloß wenige Kilometer entfernt be-> schäftigt ist, sind fast 40 Prozent arbeitsunfähig.; kämpfung der Malaria in der Urngegend des Kiuereth- J:zr Mril begannen SanierungZarbeiLen zur. S?«* Sees. Ohne viel Aufhebens zu machen und ohne, es« an die große Glocke zu hängen, gelang «s, Daganiah/' Bethaniah, Kinereth, Medschhel und andere Kolonien, und Sivrlppen südlich und nördlich des Kinereth-SeeA mit einenr Sanierungsgü' tel zu urrrgeben. Die ganze % rbeitgQschah an f Priv a tko st e n v o.nBrapL--.- e i s. Die Erfolge sind - sehr erfreulich. An all 'dießeu Stellen komnlcn jetzt Malar.iafäLle nur vereinzelt vor, und gerade in Medschdel, das von Malaria verseucht! war, kam überhaupt kein neuer Malariafall vox/dfo« daß' viele von den Arbeitern d«ort -keine Adoskitonetze: mehr geöranchteil. ' In diesem Jahrv.erlebte die- Kran'keuschwesterfchula der „Hadassah" die erste Generation der-Absolventinnen.. 22 Mädchen verließen die Schud-,'ansgestattet mit theoretischer und praktischer Vorbildung, und sollerr deutschen und amerikanischen Schwestern an Ausbildung nicht nachftehen. Diese Tatsache ist nicht nur vom medizinischen Standpunkt bedeutend. Wird doch dadurch eine zweite Position von der jüdischen Frau erobert. Nach der hebräischen Kindergärtnerin inarschjertdie' hebräische Krankenschwester, di« die hebräische Sprache, -in.die Krankenhäuser trägt. Die hebräische.Krankenschtvester macht ihre Aufzeichmmgen iibe.r bcu Verlaust der Krankheit und . ihre Symptome in hebräischen Sprache und. zwingt häufig den -schwerfälligen- Ad/; dje hebräisthe Tw'miiwligi.' zu Leiiützen und auszübilden. . - i In den Städten macht das Krankeuhansweseir weitere Fortschritte. In Tel-Awiw ist di« Zahl deo - Betten vermehrt' tvorden, das Laboratorium .Krankenhauses ist vergrößert und selbständig gemacht: « worden, während es noch im vorigen Jahr« auf. bi* «Laboratorien in Jerusalem angewiesen ivär. In Tiberias' - ist.der Grnndsieul zu in -Bau eines Kraulenhauses gelegt. Dagegen ist in Haifa nichts getan.würden, um das Krankenhaus zn ertoeitern, das den: Andrang krankev Einwanderer und Chaussee-Arbeiter nicht/ gewachsen ist. In Jerusalem ist ein spezielles Anibülätorium für Schüler eingerichtet., worpen. B^im^^ .Ambulatorium istj > «in heißes Brausebad. Für n.nbemittchje Schüler wird' Seife unentgeltlich verabfolgt. Die Frauenvereinigüng in Jerusalenr beschäftigt sich eifrig mit miedizinischcr Hilfe für. werdende Mütter und WöchneriuNLN. Die Stadt ist in Bezirke eingeteilt. J^'der Bezirk untersteht einer Bevollmächtigten der Vereinigung. Airß^r medizinischer Hilfe bekommen mitjel- Md wie vor die billigsten ■ Herbst - ....„■«„na.......in i,n„ „iiirTui.Mi.. ii MT Unvei Winterstoffen UnvergleichU che Qualität. >... „ 11-K.!., MUri. S -,’SCK :: 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.