Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1001 (11.11.1921)
- Date
- 1921-11-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Rr. 1001 Wie». Freitag «Lswer «»rgewzettwttg fu mowmcret tmez\ Die Sowjetwahlen in Petersburg. Wie die polnischen Blatter berichten, fandm am 28. Oktober in Petersburg Neuwahlen in den Sowjet statt. Gewählt ,wurden 584 Delegierte, darunter 498 KomMNÜsi«, 87 Nnp«. teiische und Sszialrrvolutionäre. Montenegro — Sowjetrepublik? Nom, 10. November. (Tel.-Komp.) Hier emßeiroffmm Meldungen zufolge hat der Führer einer nationalistischen Gruppe, Markowitsch, Montenegro zur Sowjetrepublik arrsgernfrn. _ Der Vertrag von Angora. London, 10. November. (Funkfpruch.) Die Behauptung französischer Blatt r, daß der Vertrag von A.n g o r a fast dem gleich lei, der im Frühling mit S a m i B e 11 r B e y hätte abgeschlossen werden sollen, und daß damals die englische Rrgierung gegen diesen Vertrag keine Vorstellungen erhoben habe, wird als nicht den Tatsachen entsprechend bezeichnet. Im April 1919 erhob Lord Curz o n ernste Vorstellungen gegen den dama!s beabsichtigten französisch-türkischen Vertrag und dee Frage wurde erst fallen gelassen, als der Vertrag durch die Weigerung der Angora-Regierung, ihn zu ratifizieren, wertlos wurde. ' Frankreich gibt Kerrral Geld. London, 10. November. (Tel.-Koinp.) Der Korrespondent der „Times" in Konstantinopel erfährt, daß die N a t i o n a lv e r l a m m! u n g von Angora die Regierung ermächtigt hat, in Frankreich eine Anleihe -von 6 Millionen türkischen Pfund uufzunehmen. _ Inland. * Die Getriiukefteueruovklle. Der Nationalrat hat gesternt die Getränk^steuecsnvvelle samt dem Gesetz über das vorläufige finanziell^ Verhältnis zwischen Bund, Ländern und Gemeinden Mpr Beschluß erhoben. Für das Inkrafttreten beider Besetze wurde ein Junktim her gestellt. Jene Länder «und Gemeinden, die auf die Erhebung von Zuschlägen auf alkoholische Getränke sowie auf eine Reihe anderer Steuerzuschläge verzichten, erhalten aus dem Erträgnissen der erhöhten Ge trän leabga.be Ueberweisnngen. Der Finanzminister Dr. Gürtler versicherte, daß er sich bei der Erteilung von Vorschüssen an die Länder uwd Gemeinden strikte an die mit dem Finanzausschuß getroffenen Abmachungen haltet: werde. Dia Sozialderwokraten, welche die Mtränkesteuer bekämpften, beantragten, daß ein Zehntel des Erträgnisses der Getränkesteuer für die Bekampfun'g'der ,Tr unk sucht verwendet werde.! Abgeordneter Schiegl beziffert das Geschenk, das den Landwirten durch die Aufrechterhaltung des Steuerprivilegs gemacht werde, mit insgesamt eineinhalb Milliarden, es betrage beim Branntwein 700 Millionen oder, auf den Kopf des Landwirtes umgervchnet, über 28.000 Kronen, beim Wein über 400 Millionen Kronen. Er verlangt, ebenso wie seine Parteigenossin Prost, die Notierung des Alkoholzehntels. Das Alkoholzehntel wurde abgelehnt, dagegen eine Resolution Schneider angenommen, welche die Regierung auffordert, 50 Millionen zur Bekämpfung der Trunksucht zu verwenden. > Im dringlichen Wege wurde hierauf beschlossen, diefür Dezember dieses Jahres in Aussicht genommene Volkszählung bis' nach der Ucbergabe des Burgenlandes ^zu verschieben. ' Nächste Sitzung: Mittwoch den 16. d.-M., 3 Uhrnachnnttags. _ $er Abbau der LebensmMelzuschLfse. Gestern hat im Budgttsaale drS Natronalrates unter Vorsitz r>ks BundcsministerS für Handel und Gewerbe Dr. Gründe r g e r m Vertretung des Bundesmirüsitrs für Finanzen eine Beratung über den Abba« der Lrtensmittelzrlschüffe stattgesunden, an der außer den Vertretern der beteiligten Ministerien sowohl Vertietec der Unternehmer wie der verschiedenen Organisationen d-r Arbcitn hmer reilgenorrimln haben. Es wurde nach löngerrr Diskussion die Einsetzung einer Unierkonwmsion beichloffen, die auS je sechs Vei'retcrn der beiden Gruppen besteht und bereits morgen m die Beratungen eingehcn w,rd. Polen und Oesterreich. Warschau. 10. November (Tel.-Komp<) Die Blätter der« ösfentl'-chen eine Unterredung des Wiener BertretuS der Polnische« Telegr.rpbenngentur mit dem ncuernannten österreichischen Gesandten '.ür Polen, Nikolaus Post. Auf di« Frage, wie er sich die poluisch-österreichischkn Beziehungen vorstrlle, erwiderte der Gesandte: Die Beziehungen zwischen diese« beiden Staaten waren niemals durch irgendwelche Interessengegensätze gefährdet. Die polnische Negierung hat in Oesterreich k-inerlci Rekriminatiomn aus der Vergangenheit erhoben, und während der FriedrvSverhmdlrmgm fanden wir nirgends eine Spur irgendwelcher polnischer Einflüsse, die hinter den Kulissen gegen uns gearbeitet hätten^ Der Gesandte betonte, daß er die weitere Aufrechterhaltni'g guter Bcziebnngen für seine Hauptaufgabe ansehe. Telegramme. «er»'», Bericht der Antersuchunr»Lo«Misfio« für die Mai-Ausschreitu«gen i« Jaffa. Lsads«, 9. November. (Jüd. Korr.-Bur.) Soeben wurde hier der Bericht der zur Untersuchung der Mai-Ausschreitungen in Jaffa eingesetzten Kommissien veröffentlicht. Der Bericht ist von Sir Thomas H. Haycroft, dem Oberrichter Palästinas H. L. L u k s, dem Gehilfen des Gouverneurs von Jerusalem und I. N. S t u b s vom Justizdepartemrnt unterzeichnet. Sämtliche waren Mitglieder der Untersuchungskommission. In einem an das Ministerium für Kolonien gerichteten Begleitschreiben zum Bericht erklärt Sir Herbert Samuel, daß Maßnahmen zur Verbesserung der palästinensischen Polizei bereits ergriffen wurden. Betreffs der im Bericht erwähnten Klage, daß die Araber keine der Zionist Commission ähnliche Körperschaft haben, die einen Einfluß zu ihren Gunsten ausüben könnte, erklärt Sir Samuel, daß ein aus den führenden christlichen und mohammedanischen Notabeln bestehendes Beratungskomitee gebildet wurde, das stets in enger Verbindung mit dem High Commissioner bleiben wird. Mr. Churchill erklärte, er betrachte den Bericht als sehr geschickt verfaßt, klar und logisch. Der Bericht beweise klar die Notwendigkeit einer Revision mancher Vorschriften für eine polizeiliche und Militäraktion im Falle ähnlicher Geschehnisse in Zukunft im Hinblick aus die während der Mai-Ausbrüche gemachten Erfahrungen. Die Verpflichtungen Ungarns in der Hakskurger-Frage. : Drag, 10. November. Das tschecho-flowakifche Preßbureau meldet: Die Gesandten der Ententemächte Bordonaro, Clark und Couget erschienen Heule abends beim Ministerpräsidenten Dr. Be ne sch und teilten ihm die letzten Vereinbarungen zwischen der ungarischen Regierung und den Alliierten über die Habsburger-Frage mit. Die ungarische Regierung habe sich verpflichtet, die Königs frage nicht ohne Zustimmung der Alli - irren zu lösen; sie habe sich verpflichtet, die Entscheidung der A l 1 i t x t c n auch hinsichtlich der N i ch t w ä h l b a r k e i t der Habsburger zu erfüllen, und habe zur Kenntnis gebracht, daß sie ein eigenes Gesetz gegen die g r o ß habsburgische A g i t at! o n erlassen werde. Die Dotschasterkonserenz teile dies der kleinen Entente offiziell mit und betrachte diesen Akt als einen internationalen. der als solcher alle interessierten Sraaten fester und stärker binde als irgend ein internes Gesetz. Karl in Madeira. 2***9)», 10. November. (Flinkwrnch.) Die v lbiindetrn Regierungen habe« dec Ncge'.nns von Poüngsl für die rasche Erteilung de-: Anfik'thattßdewchisung für Exkaiser Kar l aus M « d e i r a ihre« Dank ansgriprochen. Der Exkaiser hat erklärt, daß rr bü erstem ge<wungcn n Aufenthalt in ejnem siemdrn Lande die K o st e n nicht bestreiten könne. Einstweilen wird die englische Neuerung ihm einen! lein e n Kredit eröffnen; doch soll die Ängelegenheit vom Dotichafterrat erledigt werden. Die geplante Zerst»rung der deutsche» AnLastriewerd«. Berlin, 10. November. Zu Beginn der heutigen WrchstagSsitzung begründete Abgeordneter Hoch (Sozialdemokrat) eine Interpellation betreffs ddr durch Pie Entente bedrohten Deutschen Werke. Die Zerstörungsarbeiten, die aus Veranlassung der interalliierten Militärkontrollkommission ausgesührt worden seien, hätten allein 37 Millionen an Arbeitslohn erfordert, . ohne die zerstörten Werte selbst mit. einzurechnen.' Deutschland steht, sagte Redner, am Eich« seiner, wirtschaftlichen Kraft. Das rufen wir der stanzen Welt zu. Solche Eingriffe werden ba§ Ende bei deutschen Wirtschaft noch beschleunigen. Wir sind nach Kräften bemüht, die Anforderungen des Friehensver-. träges' zu erfüllen, wir haben aber keinen Anlaß, darüber hinauszugehen. Die Regierung möge der Oesfentlichkeit Aufklärung über zu weitreichende. Anvrderungen der Entente geben. ' . Reichsschatznrinister Bauer 'fchilderte das Zustandekommen der Deutschen Werke, rvelche die Militärbeiriebe zu privaten umgestaltet haben und sagte: .Das Hanguer Werk „Wolfgang" soll vom Erdboden verschwinden, die vier Eisenbahnanlagen, Kanalisation und dergleichen zerstört werden. In Erfurt und Haselhorst ist die Anfertigung von Jagdwaffen direkt im Einvernehmen mit der Entente erfolgt. Die Kontrollkommission hätte den Betrieb nicht nur genehmigt, sondern auch die Anlagen und das Waffenlager für den Absatz an.das Ausland zugelassen. Es ist demgemäß, als ob ein gewisser Handelsneid für das plötzliche ungerechtfertigte Verbot in Rechnung zu stellen sei. In Spandau'sollen alle Laboratorien vernichtet und sogar die Schuhwälle abgetragen werden. Der Wert der zu ■ zerstörenden Maschinen beträgt rund 10 Millionen Goldmark. Diese Forderungen gehen über alles Maß des! Zulässigen hinaus. Die Regierung steht seit bveij Jahren im schweren Ringen mit der Kontrollkommission^ Es ist ihr in einzelnen Punkten gelungen, Erleichterungen zu erlangen. Jnr gegenwärtigen Falle hat bi» Regierung bei der BotschasterkonPrenz mündlich» Vorstellungen erhoben, zu denen wir umsomehr getrieben! wurden, als die Arbeiterschaft erklärte: Wir rühre» keinen Finger rnehr für die Zerstörung. Angesichts der Tatsache, daß solche Werke geradezu mit der Ge^ uehmigung der Entente ins Leben getreten sind, triffst die Entente die moralische SchuK) dafür, baß dieses! klare Recht zu einer Katastrophe verdreht worden. ist> (Beifall.) In der darauffolgenden Debatte traten die Führ«! der einzelnen Parteien einstimmig der Airsicht des! Ministers bei und forderten, daß die RegDrmrng uichtzj! unterlasse, was die Zerstörung verhindern köttne. Die Berliner KsUferenze» »egen h»e Kredithilfe. ■£:*- Berlin, 10. November. Heute vormittags vegannen die angekündigten Besprechungen des A e ich ss Kanzlers mit den Vertretern der Industrie und der Banken über die Frage der Kredithilfe. Die Reparatto«»k»m«isfio« 1« Berk«, Berlin, 10. November. Die in Berlin weilenden Mitglieder der Reparationskommission haben sich zunächst darauf beschrankt, mit dem aus Grund deü Londoner Ultimatums eingerichteten Garantietomiteö und den sonstigen Vertretern der Alliierten in Berks Fühlung zu nehmen. Grge« den Kommunismus in Pole«, Warschau, 10. November. (Funkspruch.) Der Ministecrat hat in seiner Sitzung vom 7. d. M. de« Minister des Innern bevollmächtigt, die kommuMische Agitation im Wege administrativer B e t* otbnungcn zu bekämpfen. Dombski demisfioniert? Warschau, 10. November. (Funkspruch.) Zn Landlagskreisen verlautet, daß der Vizeminister des Aeußern Johann D o m b s s k i seine Demission gebe« werde. Die antibolschewikische Erheb«ng i« Südwestrutzland. Londo», 10. November. (Trl'-Komp.) Dem e»MW» Außenamt zugeganarnrn Melsungen zufolge soll in Südwestmßland eine anridolschrwitische Erhebung auSgebrochen sein, üb« deren Umsaus Einzelheiten noch auSstehen. (Wir habe« darüber beieits berichtet und die Einnahme von Kamenetz-Podolsk Proskmvw mitgeteilt.) Der ^Ukrainische PrestediensiE meldet a»r T arno»; Das „Jüdifche Prestebureau" beuchtet, daß lm Verbände d« uUamischen Am stand ischen im Rayon Balta em ausschließlich aus Juden bestehendes Reg'M-nt gegen die Bolschewiken kämpft. Das Regiment, dar sich bisher in allen Kämpfe» glänzend geschlagen bat. wird von einem jüdische» Arzt MMMttf Rabinowitsch geehrt. , Tagesbericht. Großdestscher Weltschmerz. Dr. Riehl muß mit tiefem Schmerze erkennen, d'aß trotz seiner Warnung sogar die ,/DLuLschösterreichifche Tageszeitung" den „jüdischen Trennungs- Manövern" in der Burgenlartd-AfsävL auf,'itzt. Sie jammert, daß „Ungarn arbeitet — Oesterreich schläft"' und vermeidet nur das Geständnis, daß es vor allem die deutschen Antisemiten gewesen sind, die die österreichische Oefsrntlichkeit mit der Versicherung einzulullen versuchten, das Schlagwort vom weißen Terror sei jüdischer Schwindel. Jetzt freilich, angesichts der ungarischer: ,Morbereitungerl" zu der sanwsen Abstimmung um Oedenburg muß das großdeutsche Organ mit Bedauern seststrllen, daß sich „im Lairde des weißen Terrors" nieinand zumucksen traut. .-Aus einmal gibt es also so etwas! Und dvrse niedevschmetternde Entdeckung hat die Deutschnaüonalen plötzkich so empfindlich gemacht, daß sie sich nicht nur! über die großen Ausschreitungen der Betyaren, sondern stuch über relativ harmlose Taktlosigkeiten der Ämeri-- kaner aufiegen. Ihr Wiener Hauptorgan klagt:' .Für alle amelik-mrssinn KrlroSteilnchmrr wuchs «Wß Bronzemedaille hrrgrstrllt. Auf der Rückseite entehre» sich, di« Ammkmer durch du Brschimpiung Pest GemerS folgendermaßen: q'l'ks great war for cmlization.- (Der arotze ^üwl für die Kultur.) Es folgen dann die Namen und Staaten^ die sich rulommenlaten: .1a eouib tdv Loads an«l to selleoll tds Hun-Cultur." (Um den Boche zu verscheuchen und die hunnische Kultur auszuhalten.) Als Deutschamerikaner sich darüber beim Kliegsmmistcr (Lservtary oi var) beschwerten —. John W. Wells heißt dieser Edelmensch?— streckteer die . karierten langen amerikanischen Beine aus dem Klubsessel durch tue Stube hin und kaute aus feinem Munde dee Antwort hervor: „Dre Inschrift ist keine Unzremlrchkett" vo impropristy). Das genügt dach wohl!" Äs ist ein seltsamer Anblick, Leute, deren Geistigkeit in dem berüchtigten „Mesbächer Anzeige den Re®@nmäntel iTSiS Broder Schiffmann ros