Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 999 (9.11.1921)
- Date
- 1921-11-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2980078--09323-2995561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Geöte 4 4Bie« Mittrvoch Tagesbericht. Das Ergebnis der amerikanischen Keren-Hajessod-Kam^agne. Die Leittmg des Keren Hajessod in den Vereinigten Staaten . gibt bekannt, daß das Gesamtergebnis der Sammelaktion anläßlich des Neujahrsfestes 7 6 0.0 0 0 Do l l a r beträgt. Die Gesamt- Spende in Groß - New-Aork, die in 175 Synagogen gezeichnet wurde, beläuft sich .auf 205.977 Dollar; das bedeutet einen Durchschnitt von mehr als 1000 Dollar per Synagoge. Die Kampagne wurde in 159 Städten burchgeführt, wobei zu bemerken ist, daß einige Großstädte, wie Chicago und Philadelphia, die Aktion aus taktischen Gründe» — der Joint hat während der Feiertage ebenfalls gesammelt. — erst Anfang November einlei ren werden. — . Die Föderation der polnischen Juden in Amerika hat für ren 30. Oktober eine Spezialkonserenz einberufen, um über die Organisierung der Keren-Hajefsod- Arbeit 31t beschließen. Das ukrainische Hilfswerk. Die im Sommer des lausenden Jahres vom Hilfs- Verein der deutschen Juden in Deutschland eingeleitete Sammelaktion für die Pogromgeschädigten in der Ukraine nimmt enten guten Fortgang. Es lausen täglich Spenden vqn zahlreichen Gemeinden, bis in die. kleinsten herab, eiu. In großen Gemeinden, wie zum Beispiel in Frankfurt a. M., Breslau, Leipzig, ist die Sammlung mit größter Energie in die Wege geleitet worden. Gleichzeitig mit der Geldsammlung ist auch eine Kleider-, Wäsche- und Schuhzeugsammlung ciugeleilet n.-orden, gleichfalls mit sehr gutem Ergebnis. Es sind Maßnahmen getroffen worben, daß die bereits cingetaufen.ru Kisten mit Kleidungsstücken usw. sowie die in Kürze zu erwartenden größeren Sendungen durch Vermittlung dB Joint und seiner Organisationen in Polen und Rilmänien den Flüchtlingen aus der Ukraine zlikommen, die vom Notdürftigsten entblößt und obdachlos sich in diesen Ländern aufhalten. Sobald die Möglichkeit vorliegt, werden auch in der Ukraine selbst Kleidungsstücke zur Verteilimg gelallgen. Mm Hilfsvcrrin werden die ihm übersandten Sachen sofort nette rverschickt. Ein spezieller Delegierter des Hilfsverrins hat sich in Polen über die Verhältnisse insoriliiert und ein Zusammenarbeiten mit den für die Ukraine wirkenden Hilfsgesellschaften angebahnt, Die Verwendung der gesammelten Mittel soll sowohl in der Ukraine selbst wie auch in den Nachbarländern, iro sich zurzeit größere Ma:"en von llkrainischen Flüchtiingen an gesammelt haben, ins Werk ^gesetzt werden. Es Vttl Hilfe durch Anbei ts b e scha s f u n g geleistet werden. Den handwerkskundigen 'Flüchtlingen' werden We'-'k^uge und Arbettsmateria! geliefert werden, mit de en HUfe ihre Existenz wiedcraufgerichtet werden kann. Aus Berlin wird uns Weiler berichtet, die Sowjet- - reg'erung habe sich bereit erklärt, die Hilfstätigkeit für Die Flüchtlinge in den Gvenzgebieten am Du j'e st r zu gestatten. Die Hilfstätigkeit solle hauptsächlich auf die Kinder'fürsor ge gerichtet sein' und über die . beßarabische Grenze geleitet werden. Im'Zusammenhang damit hat das Berliner Departement.des Vereinigten Ernigrationskomitees Maßnahmen zur. Auf- '' nahine des Hilfswertes in den gerrannten Gebieten getroffen. Ern Vertreter des Komitees begibt, sich nach . Rumänien, um mit der rü m äni sch en Reg i cr u n g Verhandlungen, betreffs des Hilfswerkes . zugunsten der Flüchtlinge jenseits deZ'Dnsestr, anzükniipfen. (I. C. B.) Die »«sfische« Flüchtlinge in Pole«. Gemäß einer Verordnung der polnischen Regierung müssen die ukrainischen und russischen Flüchtlinge, die sich in den Grenzgebieten aufhalten, und im Besiß amerikanischer, beziehungsweise kanadischer Visas sind, innerhalb 14 Tagen Polen verlassen. Allen anderen wurde: «ine vierwöchige. Frist zum Verlassen des Landes gewährt, widrigenfalls sie den Bolschewiken ausgeliefert werden. Jüdische soziale Fürsorge. Von D». M.Lömy, Sekretär der Zentralstelle für Mische soziale Fürsorge. Unter dem Titel „Unser F ü r s 0 r g e k a m p s" bespricht Herr Siegfried Abeles in der „Wiener Morgenzeitung" vom 30. Oktober das jüdische Fürsorgewesen in Wien mrd übt unter anderem auch eine abfällige Kritik an der Tätigkeit der „Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge". Der Autor ist jedoch besonders hinsichtlich der Einrichtungen der „Zentralstelle" und ihre.' bistze-'igen Lüftungen auf dein Gebiete organisierter Fürsorge nicht genügend informiert. Es erscheint daher die im nachfolgenden an der Hand der Tatsache« gegebene Aufklärung und' Richtigstellung im allgemeinen Interesse geboten. Zweck und Aufgabe der „Zentralstelle für jüdischesoziale Fürsorge" bestehen im wesentlichsten darin: - 1. Als 'Auskunft^ und Beratungsstelle für Fürsorge-- bedürftige und Fürsorgepfleger (Vereine, Institutionen -.und' Einzelpersonen) zu dienen und : ' 3. durch Organisierung der Fürsorge, insbesondere durch Schaffung von V e r b ü n d e ndie auf den esnzelnen Fürsorge- - gebieten tätigen Vereine und Institutionen zu Arbeit-gemein-, schäften zu vereinigen, um eine einheitlichc und ^iveck- * Wiener Mvr<ie«zett«Äs dienliche Dürchsührung der nötigen Fürsorgeaktionen zu ermöglichen. Dcnr ersten Teil dieser Aufgaben dient der Zentralk ata st er der Zentralstelle, in welchen genaue Erhebungen über die Verhältnisse solcher Personen, die der Fürsorge bedürfen ober dieselbe bereits in Anspruch geironuueu haben, eingetragen werden. Dieser Kataster, der gegenwärtig mehr als 50.000 Blätter enthält und fortwährend erneuert und ergänzt wird, steht aUcu der „Zentralstelle" angeschlossenen Vereinen, Institutionen und Einzelpersonen kostenlos zur Verfügung. Ein weiterer Kataster hält alle Fürsotgestellen in Evidenz, -und die „Zentralstelle", deren Beratungs- und Aiiskniistsstelle sich einer großen Frequenz erfreut, ist-jederzeit in der Läge, sowohl dein HilsZuchenden als auch dem Hilst-, spendeirden zweckdienlich Rat und Auskunft zu erteilen. In der Organisation der einzelnen Fürsorgegrbiete hat die „Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge" .gleichfalls ein beachtenswrrsts Stück Arbeit geleistet. Im Rahmen der Zentralstelle wirken seit'Jahren der Kurverband, der Al ters f ü r f0r geverb an d, der Bekleidn n gs- Verba n d, in jüugftePZeit wnche der I u g e u d s ü r s0 r g ev erb and ongegliedert und hoffentlich wird es ' der „Zentralstelle" gelingen, nn Ausbau der von ihr angeftrebten Organisation der jüdisch-sozialen Fürsorge auch für die übrigen Fürsorgegebiets Arb.'itsgemeinichaften zu schaffen. Der Kur ver band erhält das israelitische Hospital für Lungenkranke in Gler'chenberg und ermöglicht durch Bewilligung beit natu hasten Beiträgen die. Unterbringung von Kurbedürstigen. in anderen Anrurid Heilanstalte-n. Die Mittel für diese Fürsorgcakti-ouen, die gegenwärtig gewaltige Summen beanspruchen, werden durch die Opstrwilligkeit der dem Kurverband «ugesrqlrsstnen Vereine und Institutionen sowie durch Heranziehung öffentlicher Fonds und privater Fürsorge beschafft. Dent Altcrss ü rs 0 r g cv e r b a n d obliegt btt' Fürsorge für notleidende jüdische Altersperf-oneit; Greise und Greisinnen, von deit-en die Mehrzahl einst bessere Tage gesehen hat, sind sti-us- -Schützlings. Die einen konnten die Anfnahine im Verforgüngshaus wegen stetigen Platzmangels Nicht finden, die anderen ziehen es vor, ihr karges Brot im eigener:, noch so dürftigen Heim zu genießen. Au diesen Bedrängten und Bedrückten betätigt sich die- Fürsorge des AllerSfürs0rgeverband-rs durch rücksichtsvolle Zusendung von monatlichen Re.trn und.B.fiellung von Pf.ett.m n-,r'o Pflsgrrinnecr, die ihnen hilfsbereit zur Seile stehen. Auch diese Fürsorgealtioneu werden nur durch selbstloses, einträchtiges und planmäßiges Zusainmentvirkeu der den! Verband ailgeschlos.enen' Vereine'und eifrige Propaganda b.ri edlen'Me-ttschensreundsn ermöglicht. ' - Was die Tätigkeitder Be kie i du n g s für sto r ge betrifft, so ist nicht -Sürsovgekamps", sondern ,-,Fürsorgearb-sit." unsere Devise. Es muß konstatiert werden,- 8äß iü i den Vorkriegszeiieu.. durch dis Organisation Ä? BÄkleiMngs-: Verbandes fast -'sÄn tliche-rrnpsteidettdeit 'jüdischen SchuMnder mit konrpletter B-ekleidirng bspächt werden kounteit und idaß auch während des Kri-rgesr-wir in der Nachkriegszeit, d-rsost -: größte Not über uns hereinbrach, wiederholt große Bestände an Schtlhen, Kieidungsstückeu unh SL-osstu beschafft.wurden, uyr sie der Fürsorge sür Aindmlund. Erwachst-.w. zuzuplhr>ul. An dieser Stelle set auch aus -dtt wiederholten Zuwendungen an Lebensmitteln - und-. Klciderm Hingechirsen, dis'.von ans- - ländijchen HilfSatrienrn im Wegsldsr^ ZeirtralstellL an jüdische. Institutionen abgegeben, wurden.- .... - . Der >Verband'fur jüd'sch-e Jngendfitrsn-ge" churbe änVerhalb des Rahmens der „Zenträlsielle" geschaffen. Mit großem sApplomö wurde er ins -Lrbe;l gemfen',- hat. aber die in - ahn .-.gesetzstn Hoffnungennicht erfüllt.. . Nach Kurzer - Zeit sah. sich die Leitung des Verbandes von ihren Mitarbeiterit verlassen imb strebte, im Sötnurer des heurigen JahreS die. Angliederung am die „Zentralstelle" 'an. Hler ist er nicht, wie Herr Abeles in seinem A.'trkel bemerkte, „selig.ent- - schlafen", sondenr ,er:, erwachte zu neuem Leben. Noch bevordie Neuk-onstituierung erfolgt war, hat er unter Mitwirkmg; der Zentralstell: am der Errichiuug-einer Ferienkolonie ' für. jüdische Kinder teilgeuoinmeu und kräftig dazu bei- - getragen, daß Hunderte von jüdischen Kindern über dien Sommer Erholung fmderr komtten. Das war der erste Schritt - nach längerem Siechtum und e§ wlrd sicherlich nicht der lctzte sein. s' Wenn trotz der geschilderten ernstön Bestrebungen bas jüdische Fürsorgervestn in Wien noch vieles zu wünschen übrig läßt, so liegt der Grund hiefüv. nicht in Mängeln und Fehlern der Organisation, sondern in - der erschreckenden Gtöße -des Elends und vor allem in der höchst bedauerlichen Tatsache, daß weite Kreise der Wienern jüdischen Bevölkerung der Fürsorge kalt' und teilnahmslos gegenüberstehen. Ihr - Jirteresse zu wecken, .sie an ihre sozialen Pflichten unermüdlich zu erinnem, sei die Aufgabe all jener, die Herz und Sinn .für. jüdische Fürsorge haben. Die „Zentralstelle für jüdische!soziale Fürsorge" ist ein neutraler Boden, ans dem jeder jüdische Mann und jede jüdische Frau ohne Rücksicht auf politische Stellung und religiöse Gesmnrmg arbeiten kann und soll._ Das Rechtsleben im Horthy-Staat. RechlsvMnb «« siebzig jüdische« Kaffer- «nd Gastha«-- besitzee«. ' Ans Bndapest wird ims berichbet: Die ungarisch« Registuntz setzt ihre Aktionen zur völligen Aussch-al-- j tungi.der Jndsnaus dem - wirtschaftlichen Leben iu> ibrntcklM Mise,fort. Jeder Vorwand ist ihr . gut genug,; fajtch wenigen Jpden,. die noch im Besitze irgend- ' rwelch-?-MnzeMöyvn ->sind- .< derßelhenzu berauben. .So., rmußte/ssch in den -tztzben:-»Tagen das Mchtsschutzbüresu. -ds:r Bud-ktpest-e^. jKvi.schen Gemeinde -in. Angelegelcheit. f einey -^nz-hl-M-p-i.s,ch e v,Hr-a-s. n aw W-'' 'gieruitg wenden, - welche diesen Trosilanten,"'wei1 ' sie' «. ulovemver vszi .r/.^m wsr& atu Jomkippur-Tage die Trafik geschlossen HMen, hW Konzession entzog, beziehungslveise mit großen @idS>4 strafen belegte. Die Le-ttümg des Rechtsschuhbitvüäusi täuscht sich wohl selbst nlicht über den EfM dieser^ Beschwerde, die? sicherlich dasselbe Schicksal vrMrvns wird, wie manche Vorstellung dieser Stelle in -bei}; letzten Zeit. Nun holt die Horthy-Negiernng zu einem!; ireu-en Schlag mt8v Siebzig jüdischen Kaffeeundii Gafthausbesitzern wurde die Konzession zum AusschanL geistiger Getränke entzogen, so daß ihnen sogar ver^ boten wird, ihren Gästen -einen Tee mit Rum z-u vevab^ reichen. Die sogenannte gesetzlich^. Grundlage für diesech neuerlichen Rechtsraub LiE>et Punkt 18 des Gesetzes^ artikels 4 vom Jahre 1921, über welchen seinerzeit'' eingehend berichtet wurde. In diesem Gesetze wird die Revision sämtlicher Zlonzessionen für das Schankgewerbo angeordnet und die - Einziehung dieser Rechte nicht Nur daun vorgenommen, wenn der Betressands den Exeku^ tivorganen als politisch unverläßlich erscheint, joitfcemj* auch dann, wenn der Konzessionsinhaber die nnga^' rische Staatsbürgerschaft erst nach demj- 31. Dezember 1900 erlangt hat oder wenn twtz der; Verläßlichkeit des Inhabers selbst dessen Vater oder) nächsten Verwandten sich als unverläßlich erwiesen habend Ans Grund dieses unerhörten Gesetzes wurde in Buda-,'- pest allein siebzig jüdisckM Besitzern sogenannter Schanks konzessionen dieses Recht entzogen. Wte> raffiniert aus< gedacht und geradezu ausschließlich . gegEen die Jiwvw gerichtet dieses Rechtsraubgesetz ist-, geht aus einey. Aeußerung hervor, die der Präsident der Budiaposterj^ Kafseesiedergenossenschaft, Moritz Reiner, einem Re-? dakteur des „A Nap" . gegenüber tat. -,Er sagte unter! anderem: „Der Nachweis der Zuständigkeit, wie isr-ini' diesem Falle' verlangt wird, ist überaus schwer Und fürjdie Juden beinahe, unmöglich. Im Sinne per Durchs snhruugsvervrdnung genügt es nicht, daß der Inhaber seine Zuständigkeit.nachweist es wird überdies knochi gefordert, daß er auch die Staats zu gehörigkeiß seines. Vaters Nachweise und für diesen Nachweis lvieder begnügt rnan sich nicht mit dem Heimatschein»! sondern verlangt den Geburtsschein des Vaters. ist in d.en meisten Fällen unmöglich. Da haben sie zunö Beispiel meinen Fall: Alein Vater wurde vor hundert Jahren in einen: - Dorse bei Kaschau geboren, wo eZj dauials überhaupt keine Matrikenführung gab. Ich' bin! daher völlig außerstande, einen Geburtschein mein^ Vaters beizubringen. So ergeht es auch den nunstM älterem jüdischen Kaffee- und Gasthausbesitzeru.« W j den ganz Modernen. i . Die ganz Modernen wohnen in der. Mgel irgiöndE -i,draüßeN<Z in einer Villenvorstadt, -zwischen ©attPitj. - Wnrigenschenlen luih,^ nicht.zu.vergessen: — n.öglichff ^MMiEo.Mlch.l.WMHaüerrl.^ Irgendein Mitglied berj .Familie ist.gewöhnlich blond-, was bei gewissen AhnUngs^ losen immer noch als-unbedmgt arisches. Rassenkerm^ zeichen gilt. Ist weit und breit Lein blondes Familen- Mitglied auszutreiben, das eine schwache Grundlage fiip „Wean atnm" ab geben könnte, so geb ärdet mau sich dafür nröglichst „über den Rassen". An die fatale Dat^ fache, daß sie schließlich' doch Juden sind, lassen sichj die Freien Weltbürger nur sehr ungern erinneych Dbrigens kleiden sie die Tatsache in die Forinel „mosaisches. Bekenntnis", obwohl d»rs Wort Bekermtnis gal nicht mehr schlechter verwendet worden^ könnte. Wer .sie daran gemahnt, daß sie Juden sind wie aM anderen, stößt auf eisige Abwehr jeder „Intimität, UM die öffentliche Erwähnung dieses Umstandes, wie sÄ in Namensverzeichnissen etwa erfolgt, erscheint ihn«st als „echt, jüdische" TaktlosigLeit. Wenn sie die letzÄ Brücke zu ihren Stammesgenossen nicht abbrechen, sm geschieht dasin der Regel nicht aus einem' winzige»« Mstchen'Treue, sondern nur aus Micksicht sür eineir altüm Water oder eine alte Mütter, die eben nicht „mit bm Zesi" gehen. Die ganz Modernen freilich, div gehtzW mit der Zeit, sie hasten, remvcn, jägen ihr sogar voraUM Dazu gehört vor allem, daß ihre Interessen grunb^ sätzlich unjüdisch sind. Beschäftigen sie sich mit sozialM -Fürsorge, wie es soviele Angehörige der besitzendem ^Kreise-jetzt tun (die Moderueir zählen immer zu bm Besitzenden), dann gehört ihre Anteilnahme immer dem christlichen Bedürftigen. Sie sagen wohl großartig» 'Mir gilt es gleich', ob der Arnre Jude oder CHE ist. Mer das ist nicht wahr. Sie bevorzugen grunb^ sätzlich die „Arier", das jüdische Elerch, das entsetze liche, erschütternde Elend der Kinder, der Kranken, der Greise spricht nicht zu ihren Herzen. Si« schwärme« für interkonfessionelle. Wohlfahrtspflege und übersehe« dabei nur die eine K'beinigLeit, baß den christlichen B^ dürftigen neben den allgemeinen auch' noch drr •Sftftow deren Fürsorgeinftitnte zur Verfügung stehen, dis Jud«^ also ebenfalls zur Ergänzung weiterer Unterstützung -bedürfen. > Mer was hilft das alles? Die ganz Modernes fühlen eben nichts, wenn das Elend der Notleidenden! nicht in den Formen des „christlichen Elends" auf-« tritt. Nur so Sonnte' es geschehen, daß man zu einer? Zeit, da man zum Teil höchst überflüssige „Labe^j : st-ationLn" an alliöü Straßenecken errichtete und diel ruhmreiche „Doppeldeckenuhrenaktion" einleiiet«, in ge^ wissen Kreisen vom. Herzzerreißenden Jammer der jüdi^ scheu Flüchtlinge ‘ nichts sah und nichts sehen wollte^ -Die „Wohltätigkitsdnme" ging lieber in das' Lagers : der Flüchtlinge aus dem Südeil und' kauderwelschte iÄ 'einem jammervollen Französisch-Jialienisch herum, «Hq ^sre sich ihrer Stam'iliesgenosseir -angenommen hätt«.