Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 996 (6.11.1921)
- Date
- 1921-11-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Derre 4 aoxcti eomirag Der japanische Ministerpräsident ermordet. Im gestrigen Frühblatt hoben wir nach einer Washingtoner Depesche das Attentat aut den japanischen Minssierprästdmten Hora mitaete.lt. Der Minister wir,erst vor kurzem zum Führer d-.r jw rni'chen Drlega'ion auf der Washingtene: Konferenz ernannt worden. Erne N?w>Norker.Meldung schreibt bas Attentat tiser narionallstischen Gruppe zu, die -sich „der .starke A r m* nennt. Es ist ai>er tnel eher anzunrhmen, daß das Attenlal in Len best gm sozialen Kämpfen seinefl Grund Hut, die tut eulrm Jahre in Japan anbauem- Der Taler ist 19 Jahre alt und wird als exaltiert geschrtdrrt. Heber die Tat wird aus Tokio ^euchict: Tokio, 4. November. (Reuter.) Die Ermv'dung deS Min/sterpräsidenten Hora im Bahnhof von Tok o erfolgte um '/,3 Uhr abends, als er zu einer polidsch-m ^eesammlung nach Kio o 'obren wollte. Der Mörder stieß ihm einen kurzen S ä b e l rn die Brust. Um 10 Uhr erlag Harn seiner Verletzung. D r Mörder wurde verhaftet. Der Attentäter. London, 3. November. (Tcl.-Konip.) Eie ans Tokio lerichtet wird, ist der Mörder deS Minister äsld.m:en H a r a verhasret worden. Es l»ande!t stch um einen jungen Koreaner, der sich im Wartesaal dr-llrr Klaffe vu-Mck» Patte und den Ministerpräsidenten überfiel, als dieser den Zug r.adj Kioto besteigen wollte. Demission der jspanischerr Begier««-. Tokio, L. Noveinb-r. (Wolfs) In einer Kabrnettssttzuna. t>le heute morgens statttLuo, bat das Mm-st^ium seinen R ir cktritt erklärt. . Die Verfassung für Palästina. Jerusalem, 2. November. r'Jüd. Korr.-Bur.) Der Leiiec des Jastizlekretariats bei der. patäftlnenstichen Rkgmnns, Mr. Norman B e n t« l ch, ist aus Lon»o«, wo er m Angelegenheit der Verfassung für Palüstrna mehrere Monate geweilt hatte, hrerher zmückgetrhrr. Irland gibt »ach. Lor.don, 5. November. (TeK-Komp.) Hier versautet mit großer Bestimmtheit, daß. dieirische Delegation der englischen Regiernngsbommission einen neuen Vorschlag unterbreitet habe, wonach die Sinnfeiner bereit seien, das Prinzip des Weiterbestrhens von Irland im Rahmen de» britischen Reiches anzunehmen, ferner die englische Seekontrolle an den Küsten Irlands anruerkennen und die Verteidigung des britischen Reiches finanziell zu unterstützen, allerdings nur unter der Bedingung, daß die Verfassung der Dominien Irland in seiner Gesamtheit und nicht nur einem seiner Teile .zugestanden werde. Ulster soll weiterhin die Rechte des Homerule-Grletzes'genießen und'berechtigt sein, von der englischen Regierung die Garantie' für eine Unterstützung zu erhalten, falls die katholische Majorität versuchen würde, die protestantische Minderheit zu unterdrücken. _ Aus der „Ordmmgszrlle* Bayer«. NntifemitenversAmml»«» mit Schießerei. München, 4. November. Wie die „Neuesten Nachrichten" Inrldrn. ist es in einer gestern abends abg-haltmeu Versammlung der nationalsozialistischen Partei zu große« Tumultszenen gelormnm, wobei mit Stühlen rugeschlagrn und auch mehrere Schüsse abgfeuert «urdrn. 20 bis 30 Personen wurden verletzt. Der Saal mußte von der Polizei geräumt werden. — D e nationalsozmlistische Partei in Bayern d-t mit sozialen Besircbunaen nichts zu tun. Sie besteht aus Söldlingen dir Si nnes, Ludendorfis und anderen und propagert eine Mm dhetze grgru alle freiheitlich Gesinnten, vor allem aber gegen die Juden. Alle wüste» arrti'emitischen Au-tchreitungrn, an denen Bayern jetzt so reich rst, werden von ihr inszeniert. Deutsche Arbeiter i« Frankreich. Paris, 5. November. (Funkpruch/ Die Bürgermeister /ud Gewerkschaftsführer aus de» elf Ortschaften des BoewkeS von Cbaulnes haben die Verwendung deutscher Arbeitskräfte bei dem Wiederaufbau ihrer Ortfchafte« angenommen. Arrfhebung vs« Ausfuhrverbote« i« Pole«. Warscha», 5. November. (Tel.-Komp.) Das polnische Exportsystem soü in der nächsten Feit einer grundlegenden Aenderung unterzogen werden. Eine ganze Reihe von Exportverboten wird ausgehoben. Die albanische Frage. Graz, 5. November. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: Die albanische Frag'2 ist in ein kritisches Stadium getreten. Die Belgrader Regierung beabsichtigt, . im heutigen Ministerrat «entsprechende Anträge zu stellen, damit die Grenzfrage endgültig gelöst werde. Nach Berichten von der albanischen Front haben die jugoslawischen Truppen die Demarkationslinie vom Jahre 1918 besetzt. Kleider-unäPelzhaus ersten Ranges mBssäsuE&asaa ameiter «r»rZerrzeir«ny v. ytöbcmofr 1921 Nr. 996 Protest Englands gegen den franzSfischtürkischen Vertrag. Paris, f>, November. N>rch Meldungen aus London soll di; englische Regierung die Absicht haben, gegen de» Vertrag. F r a n k r e i ch s mit der Türkei z» protestieren, und C v r z v n bält dieses Abkomme» tür eine Verletzung deö Bündnisses »wischen England und Fvsukreich. Er brdouptet, daß der Abgesandte, der die Verhandlungen in Angora geführt Hobe, seine Bewgviffweit überschütten habe. Er habe lediglich die Anlgabe gehabt, Über den An-tamch von KnegsgefaußeM zu verhandeln. Er habe statt desim v^l writeegehende Abkommen getroffen, die auch in das emRche Interessengebiet übcrgressen. Kein Msratortn« in Rumänien. B«k«reht, 4. November. (Or^eut-Radto? Von der Erlaffung eines Moratoriums für die auswärtigen Schulden wnrde endgültig Abstand genommen. Erkchußerte Einreise nach JLalLen. I««sbrrrck, S November. Die morgigen Blätter veröffentlichen eine MiLteilurm des Pressedienstes des GenerMommissansts für Südlnol, wonach von nun an Ausländer, mögen fie auf italienischem Boden bereits eine Beschäftigung haben oder erst eine solche suchen, Leine Einreisebewilligung ohne Zustimmung des Ministeriums des Aeußem erhalten. Zuland. Die Konferenz von PorLoroie. Das Va»dertie»sche Vaust^r.-sjeitt. — Evwvt1vv«»g des Vertz«»vi«AAsser»pva«ms. Aus Porto rose, 3. November, wird utts berichtet: Die Arbeiten der Kommissionen schreiten langsam vorwärts. Insbesondere trifft dies für die ökonomische und für die Transportkommission-Krdenn es ist schwer, für Staaten, die verschiedene Interessen haben,. eine ökonomische.Formel zu finden, die der Handelspolitik aller entspricht. Die Transportkommission schritt nach; längerer Debatte, zur Verhandlung über die Aufteilung des. gemeinschaftlichen österreichisch-ungarischen Wagenparks und über den Leihverkehr der Spezialwatzen. Rege. Teilnahme an der Kommission bewies der englische Delegierte Francis Dent und der französische Delegierte, desgleichen fehlt niemals der amerikanische.Oberst Smith// Dain Portowse zum ersten Male Vertreter der Staaten zusarmnsrrgelreten..sind, um Fragen zu verhandeln, für welche eine allen Beteiligten entsprechende Lösung gefunden werden soll, ist die Konferenz über die Generaldebatte noch nicht heraus gekommen. Es zeigt sichdaß dW vvrgeleg'te Programm nicht genügt und noch immer -erweitert wird. ^Die Delegationen der verschieden«» Staaten werden durch neuankommende Delegierte verstärkt. Lebhaftes Interesse rief das bereits früher veröffentlichte Projekt Vassrderlists der.Errichtung^einer europäischen Bank hervor. Die Delegierten erwarben weitere Einzelheiten über die Möglichkeit, der Errichtung dieses Instituts. Das Projekt läßt keine Verbindung der Bank mit Privatleuten zu, vielmehr könnten bloß wieder Banken oder Staaten ihre Kom-, mittentrn werden. Ein Teil des Reingewinnes würde, den Regierungen der einzelnen Staaten zugewissen werden. Ihr Kapital würde aus Münzeinheiten bestehen, die dem Dollar gleichwertig find, oder aus anderen grundlegenden guten Valuten. Das Kapital wird unter gewissen Garantien seitens der europäische« Staaten in Amerika beschafft werden können. Für bi« Institute dieser Bank würbe in den europäischen Staaten das Recht der Exterritorialität beansprucht werden. Vanderlip ist überzeugt, daß bas Greshamprinzip, «ine schlechte Valuta vertreibe dis gute, durch diese Bank in den Beweis verkehrt würbe, daß bis gute Valuta dieser Bank die schlechte Valuta vertreiben werde. Die Errichtung dieser Bank soll kein Almosen Amerikas für Europa» sondern ein Werk des Zusmnmvnarbeitens Amerikas und Europas werden. Attfhed«»5 der Ei»- «md A«sf»hroerbste. Psrtorvse. 4. November. Die DirtschastSsonemission hat. wie bereits gr«k!det, einen Antrag deS Sektionschefs Schüller und des tschecho.slowakischen Delegierten Geiavdten Fierling er emftrmmig avgeaommen, der bahingebt, daß Linnen einer bestimmten Feist, wahrscheinlich vier ViS sechs Monate», dieE i n f .u - r- « « d Ausfuhrverbote zvischen dm Nachfolgefiaatm im all- Stweinen, mit Ausnahme insbesondere von Monspolgegenständm und noch staatlich bewirrschastete« Daren, beseitigt wecdm sollen. ES verpflichten sich ferner alle Staaten, untereinander Handelsverträge ans der Grundlage prinzipiell VerbotsfreienBerkerhrSzu schließe«. Schwieriger gestalteten sich die Dsrhandlungrn in der E i s enbahnkommission, in der insbesondere die «och »melösten Fragen der prov^onsche» und definitiven Wagmaufteilung hinderlich sind. Bei der P o st handelt eS sich vorläufig vor allem um Herabsttzung der Trausugebührea, die in manchen Staaten unverhältnismäßig hoch fiud. EinsteLnng der Staatsznschüffe s«r die Renne«. . Wie in politischen- Kreisen: verlautet, will biejs Regierung die Post van 60 Millionen Kronen als!- Subvention für die Rennstallbesitzer nicht mehr ül dasi Budget ein stellen. Damit würbe die FinanzvecwattuN g' dein Sinne des im Vorjahre eingebrachten Antrages des?. Abgeordneten Stricker entsprechen. DaS Schicksal dieses Antrages, der sämtliche Turfschwinbber in Be-! wögung brachte, ist bekannt. Abgeordneter Strickes hatte die Erhöhung der Rennwettsteuer Le^ antragt. Bei der Abstimnmng ergab.sich eine kleines Majorität. Infolge des.Lärms der Rennintervssenten.' setzten die Christlichsozialen die Reassumieruiig des' Antrags durch, der bei neuerlicher Abstimmung infolge der absichtlichen Abstinenz einiger f o z ia l d e m 0 k r tisch er Abgeordnete, abgelehnt wurde. Hsuie erzählt die „Arbeiter-Zeitung", daß in den letzten Jahven all« derartigen Anträge von den bürgerlichen Par-i teien abgelehnt worden seien, während die Christlichsozialen darüber trauew, daß ihr Parteigenosse als- Finanzminister die Subvention überhaupt streichen will? Die Getreidevrrkorgung Oesterreich» gesichert. .'N^ Wie« 5. Novt«ber. Dir »l-oIiMdjt i« Besprechung des Budgets mit, daß es znm ersten Male ohne besondere Sicherstellungen gelungen iss, die Betreib *», Versorgung «nd auch einen großen Teil der übrigen Lebensmittelversorgung auf mehrere Monate hinaus zu gewährleisten. Die bereits vom Nationalrrt genehmigten Gesetze, die notwendige Einstellung der Zuschüsse,' der Beamtene»bbm und die sonstigen Maßnahmen weiden in, ihrer e« d g ü l t i g «t Wirkung das Defizit des Staates^ beheben und daS Äertranen der Bevölkerung in den Staat umfrmehr festigen, als diese dmch die von ihr übernommenen? Opfer in erster Linie zur aktiven Mitwirkung b^.der Herbei-' sührung geordneter Finanzvechaltnisse berufen ist. s - Seipel AVer die Sanierung. Absteor^meter Dr. Seipel übe« die staatsfiüanzieLe Lage. , . l'r.' Der'Parteirat der Wrrner Ehristlichsozialen hielt gestern' unser dem Vorsitze Dr. W eiskirchnerS eine mehrstündige; Sitzung üb. Abgeordneter Dr. Seipel sprach, über die^ Teuerungserscheinungen und deren Zu-' sammenhangmitdergesamienvolkSwirt-^ 'chaftlichen und staatsfinanziellenLase.I Er legte ausführlich den Sanierungsplan des neuen Finanz-' Ministers dar, der eine Reihe von tatkräftigen Maßnahmen um-s faßt, die ihren Schwerpunkt in der Selbsthilfe unseres Staates^ habe«, ohne habet allerdings auf die Kredithilte des Auslandes: verzichte» zu könue». Zur Herstellung des Gleichgewichtes mr; Staatshavshalt ist ein radikaler Abbau d^e r? L e b e n S m i t t e 1 z u s ch ü s s e und ein Ausbau der! Steuern brs zu dem Maße, daß durch ihr Erträgnis daS Defizit deS Staates voll desrikigt wird, uneitaßlich. Der Rednerhob zvm Schluffe die Anzeichen einer Wendung zum Besseren, die trotz aller sich augenblicklich «och steigernden^ Not dennoch vorhanden sind, hervor und gab der Uebrrzeugnng! Ausdruck, daß die gegeawärtigr Notlage nur ein Durchgang znl rträglichn» LebenSbediuguygm für unser Volk ist. " Da» hollSndische Pfanheeih!. Wie verlautet, hat sich H o l l a n d im Prinzip Bcicit ft«, llart, auf sei» Pfandrecht gegen Oesterreich zu verzichten. handelt sich hiebei selbstverständlich um die Pfandrechte, biej Holland a»S der Gewährung von K re d i t e n a.n D c ft e r*j reich zusteherr, vornehmlich um dm sogenannten „Rmn"» Kredit. AuS dem Friedensvertrag erwachse» Holland selbstverstündlich keinerlei Rechte gegenüber Oesterreich, a% aöu$ ferne; Pfandrechte. r -;V Der nene italienische Gesandte in - S8te«. /M. Der«, 6. November. (Schweiz. Dep.-Agmt.) Der von seinem Posten m Bern scheidende italienische Gesandte Orsini- Barone hat dem Bnndesprasidrnten sein Abderusuugs-1 schreibm überreicht. Er wird, wie bereits gemeldet, stch nacht Wim begebt«, «nt das Königreich Italien hxi,hKr Hlerreichische»j Rtpudlik zu verttete«. Aufheb»ng der sta»t!iche» K»hlen« bewtrtschast»ng. Bekanntlich war vom Handelsministerium brr Termin föih die Aufhebung der staatlichm Kohlendewirtschaskung mit 1. März 1922 festgesetzt worden. Vor k»rzem jedoch trat«» die inlcindischmi Brrgbauunternehmungen au die Regierung mit dr« Begehre« «ach sofortiger Aufhcbicng der'staatlichm Kohlenwirtschaft heran.s Zur Klaamg der Frage sand am 4. d. M. im Mmstrrivm sär Handel eine Besprechung statt, z« der »ehe» dm Vertretern der inländischen Drrgbaumttemehmungen such jme der heb kniendsten' Kousumenteqgruppe», iusdesondttt der Audustrie, geladen waren.; Die Beratung ergab, daß sich die Industrie dem Verlangen der inländischen Kohlenprodutdon anschloß und einmütig ' für sofortige Ausheßnug der staatlichen Kohle« b e wirts chastnng eintrat. Die Regierung hat beschlostm, die staatliche Kohlmdewiaschastmtg mit 81. Do- •i zember 1921 aufzuhebe». HTflborslpasse 44 ■ Fernruf 41-6-34 Wien, Uro»«* Sparlg**«« Ni». 20 fyf Fernruf 48-8 21 SSBSSstllOOkeMMMM MSSSSS9 Und Pelze Eigene Werkstätten Kleider &