Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 996 (6.11.1921)
- Date
- 1921-11-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ö. November l»n Men. Sonntag ^eaey MvrgLr^erntng 'N/. 996 Rund um Washington.! Niunnehr, wenige Tage vor der Eröffnung der Konferenz *?t Wcishingtvn, treten die Blätter der führenden Mächte auS der Ncsrrve heraus und . auS ihren Aenßernngen ist zu crscimr, düs; ungeheure Schwierigkeiten vorsiegcn, deren Hc&ei'iuinbunß kaum gelingen dürfte., Das führende Blatt der Bereinigten Staaten, „New York tzerald", schreibt: . „So lächerlich es auch den Menschen außerhalb Amerikas erscheinen mag, ist es doch absolut sicher, daß alle Amerikaner der Minrmg sind, die Konferenz werde alte Kriege für immer unmöglich machen und alle Völker rr-fjlvs entwaffnen. Anläßlich der Eröffnung der Konferenz finden überall Bittgottesdienste statt. Eine intensive Propaganda, wie anläßlich des AntialkoHolgesetzes, wird überall entfaltet. Wem» es der Regierung Harding nicht gelingen wird, die Welt zu entwaffnen, dann wird man mit vernichtender Kritik über sie herfallen. Man ist in gewissen Kreisen überzeugt, daß Amerika alle anderen zwingen kann, wenn man nur energisch vorgeht. Andererseits gehen wir direkt in einen Krieg mit Japan. Wir verlangen tatsächlich, daß Japan aus China - und Sibirien verschwinden soll. Wir werden in dieser Frage keinerlet Kompromiß schließen. Die ganze Welt, in erster Linie Japan, muß sich unserem Willen beugen. Wenn die Regierung Harding den Japanern das geringste Zugeständnis macht, ist es um sie geschehen. Die republikanische Parter (Harding-Partei) hat schon anläßlich des Nachqcbens in der Schautung-Frage zu viel Lärm geschlagen, als baß sie jetzt noch irgendein Kompromiß dulden konnte. Und schließlich regen sich auch schon die Demokraten (Wilson-Partei), welche mit Schadenfreude die Schwierigkeiten unterstreich«:." Das Blatt fügt hinzu, daß Wilson wieder gesund x-kwrden ist. und am 11. November ber der Feier beS Gedenktages des Waffenstillstandes die Kampagne gegen Harding und die Konferenz, welche er, nicht mit Unrecht, als verzerrte Nachahmung seines vietgeschmähterr Völkerbundes bezeichnet, aicfnehmerc will. Dis Regierung Harding spielt also, wie man sieht, va banque. Werm sich nicht alle Völker blind ihrem Willen unterwerfen, stürzt sie, die Konferenz geht resultatlos auseinander und es gibt Krieg mit' Japan. Ein vielversprechender Anfang! Die Londoner „Times" lassen wieder erkennen, daß England nicht gewillt ist, strikte Forderungen glatt anzunehmen, und schreibt: „Jede Macht sollte es vermeiden, endgültige Forderungen aufzustellen, bevor sie sich mit den andren Mächten ausgesprochen hat. Der Erfolg der Konferenz hängt davon ab, daß keine Regierung ihren Delegierten ein imperatives Mandat in gewissen Fragen und festgebundene Richtlurien gibt." . v , ' . Man kann an dieser Aeußerung bin Gegensatz zwischen den amerikanischen und englischen Wünschen und Zündsätzen bezüglich der Konferenz erkennen. Um die Schwierigkeiten nachdrücklich hervorzuheben, bringt das Blatt die Aeußerung des japanischen Delegierten Prinz Tokugawa: „Ich hoffe, daß die zwischen China und Japan schuldenden Fragen auf der Konferenz nicht; diskutiert werden. Es ist tatsächlich besser, den beider interessier tu L Ludern die Sorge um die Bereinigung dieser Fragen zu überlassen."?•’ Das ist leicht übersetzbares Japanisch. -i$Me 7,Times" unterstreichen diese Ausführungen mit Vergnügen, obzwar sie den Zweck, um dessentwillen Amerika die Konferenz einbcrnseu hat, negier«:. Die englische Presse widmet übrigens auch der Stellung Frankreichs auf der Konferenz argwöhnische Beachtung. Frankreich hat sich, zwei Ziele gesteckt. Es will ein Bündnis mit Amerika erreichen und Garantie der Waffenhilfe gegen Deutschland. Dann aber will es als an der Frage des Stillen Ozeans nicht beteiligte Macht die Nolle des Schiedsrichters und damit die alte führende Stellung in der Weltpolitik an sich reißen. Darum fährt Bciand selbst nach Washington. Die Kunde, daß Lloyd George zu Hause bleiben will, hat in Paris Entzücken ausgelöst, aber diese laute Freude hat wiederum London stutzig gemacht. Die englischen Blätter fordern nun kategorisch, daß Lloyd George trotz der traurigen Lage in Irland fährt. Looyd George wird auch fahren, allerdings etwas später. Der „Observer" schreibt dazu: „Wir betrachten die Verzögerung der Reise unseres Premierministers als ein Unglück für die ganze Welt. Köinlte man nicht d:e Konferenz nach Eröffnung auf zw«: Wochen vertagen, um Lloyd George zu erwarten? In seiner Abwesenheit würde Briand die europäische Hauptfigur sein. Er wird die Rolle spielen, tvelche eigentlich dem englischen Premier: zukommt, und wird die Seele der Bewegung werden. Wir würben es bitter beklagen, wenn solcherart England um die Stellung gebracht würde, die es gemäß seinen Interessen und seiner Tradition einzilnehmen hat." Wie man sieht, gibt es überall Sonderinteressen, Wünsche, b:e einander zuwiderlaufen, Eifersucht und Habsucht. Don selbstlosLN Wünschen nach Frieden, nach Versöhnung und Entwah'nung der Welt hört man bei der Einleitung dieser ..Abrüstungskonferenz" wenig. Japan wünscht eine neue Entente. Paris, 4. November.. Die japanischen Delegierten für die Washingtoner Konferenz erklärten dem Chefredakteur des „Matin", L a u z a nn e, Japan se: bereit, nötigenfalls das englisch-japanische Bündnis aufzulösen. Wenn sich ergeben sollie, daß der Friede :'m Stillen Ozean durch eine Entente von vier Mächten besser sichergestellt werde als durch das englisch-japanische Bündnis, würde Japan einer solchen Entente beitreten. Die Augst der Staate» voreinander L-oNdon, L. November. (Wolfs.) Zu dem von den amcv iranischen Delegierten vorbereiteten Abrüstungsplan schreibt „Daily Chronicle" in seinem heutigen Leitartikel, es sei klar, daß die Nationen weder ihre Flotten noch auch ihre Landheeve aus anderen als Sparsamkeitsgründen herabsetzen würden, auch nicht auf das Versprechen gegenseitiger Rüstungsbeschränkungen hin. Eine Vereinbarung könnte daher nur erzielt werden, wenn vorher durch andere Uebereinkomrn«: den betreffenden Nationen ein Grund gegeben werde, ihre Furcht vor den Gefahren» gegen die sie bisher Die Absetzung i Karl tmfc Zita unter Eskorte. BitlEst, 4. November. (Orient Radio.) Exkönig Karl und Exkönigin Zita haben heute früh O rsov a in einem Souderzug verlassen und werden abends in Galatz aukonmien, ohne Bukarest zu berühren. Sie werden unverzüglich auf das englische Kriegsschiff „Cardiff gebracht werden. Die Reist zu Land hat ihren Grund in dem niedrizen Wasserstanh der Donau, der das englische Kanouboot daran hindert, b:S Galatz: zu fahren. Der Exkönig wird durch englische Polizeibeamte bervacht. Der Kreuzer „Cardiff" wird von vier rumänischen Wach to.rped o b o n len geleitet werden. Ans Wiedersehen! Budapest, 5. November. Exkönig Karl hossl. wie aus einer jetzt bekannt gewordenen Aeußerung hervorgeht, noch immer, nach Ungarn zurücksehren zu können. Als er den ungarischen Eisenbahnzug verließ, um den englischen Monitor zu besteigen, nahm er vom Kondukteur mit folgenden Worten Abschied: „Au' W'-'dersehen in zwei Monaten!" Rach Gibraltar. K»ksta»ti»opel, 5. November. (HavaS.) Dcr i'.dje Krcuier „Cardiff" ist gestern nach der Douaumü<du«g abgegangni, um Exkönig Ksrl und Exkönigin Zckr an Bord zn nehmen und sie n a ch G i b r a l t a r z» bringen. Die Kinder des Exkönigs kommen nach Wartegg. Hertespei«. S. November. (Schweiz. Dev.-Ag.) Nachdem das Gswlge des Exkaisers Karl Hertmstrin vrrlaffm hat, werden nun auL seine Kinder ihren Aufenthaltsort am Dieswaldstärrcr-- s«e ve:lasten, um sich m Begleitung der Ercherzogin Maria Theresia mit Hr,Amman, der Regierung deS Kantons St. Gallen vorläufig nach Schloß Warlegg beiRovchach zu begeben. An diesem Schlöffe da! dekauvillch der clremallge Herricher Ostrrreich- UngarnS m.t (einet Farml-e, als er nach der Revolution m die Schwell kam, zuerst Aufenhall genommen, bevor er nach Pr^nins üb echote. Isabella gegen Karl. Dem „Poster Lloyd" zufolge hat die Erzherzogin' Isabella der Gattin des R-richsverwestrs Admiral Horthh den Betrag von 100.000 Kronen als Unterstützung für die Verwundeten und die Hinterbliebenen der Gefallenen der Kämpst bei Budaörs übergeben. Besonders sollen di» „heldenmütigen Universitätshörer" unterstützt werden, di-r bekanntlich den Kampf gegen Karl entschieden haben. — Wie erinnerlich, will Isabelle ihren Sohn Albrecht mit einer Tochter Horthys verheiraten und aus den ungarischen Thron bringen. Graf Arrdraffy enthaftet. Budapest, 5. November. Nach einer Meldung des „Az Ujsckg" soll die bisherige Untersuchung gegen den Grasen Julius Nndrassy ergeben haben, daß er nur durch einen Zufall in den letzten Königs- Putsch verwickelt wurde, da er sich nur bei der Taust seines Enkelkindes in Denessa bei Oedenburg befand. Graf Andrassy wurde infolgedessen auf freien Fuß. gesetzt. Gegen die übrigen Beschuldigten wird das Verfahren fortgesetzt. Schwierigkeiten für Horthy. Preftburg, 5. November. Nachrichten aus Ungarn besagen, daß sich dort die Situation mit jedem Augenblick mehr verschärft. Die Position Horthys scheint sehr gefährdet, da sowohl die Legitimisten wie die kleinen Landwirte gegen ihn arbeiten. Es heißt, daß Horthy versuchen will, den Sturm durch Ernennung eines Reformministeriums zu beschwören. Ausnahmszirstand in Therestspel. Graz, 5. November. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: Die jugoslawische Regierung hat entlang der ungarischen Grenze strenge Maßnahmen getroffen. In Maria-Theresiopel wurde der Aus na h ms z.u st and proklamiert. Die Entthronung. Blckapest, 5. November. (Nationalversammlung. Bericht des Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Präsident Gaal macht dem Hause Mitteilung von einem Schreiben des Abgeordneten Beniczky, worin dieser die Verletzung seines Jmmunitätsrechtes anmeldet. Das Schreiben wird an den Jmmunitätsausschuß geleitet. Abgeordneter Andreas Gaal erklärt in persönlicher Sache, daß er, obwohl die gegen ihn erhobenen Anklagen wegen Amtsbestechung von seiten der kompetenten Behörden für gänzlich ubegründet befunden worden seien, dennoch ersuchen müsst, die Angelegenheit an den Jnkompatibilitätsausschuß zu verweisen. Das Haus beschließt in diesem Sim:e. Hierauf wurde die Debatte über den Gesetzentwurf, betreffend das Erlöschen der tzerrfcherrechte &«***» TV. und der Erbfolge des Hauses Habs bürg fortgesetzt. Llbgeordneter Ras sah (oppositionell) erklärt, die Restauration der Habsburger wäre gleichbedeutend mit dem Bestreben, die alte Monarchie wieder aufzurichten. Die Folge dieses Unternehmens würde ein langsames Dahinsiöchen, unter Umstünde« rer Habsbrrrger. aber auch eine rasche Vernicht ung der Nation sein. Die Nation würde in dem Rahmen der alterx! Monarchie wohl ihre territoriale Integrität gewinnen,' ihra politische Integrität dagegen verlieren. Di«( Zwangslage, ln der sich! Ungarn: befinde, könne dies Rechtswirksamkeit des zu erbringenden Gesetzes keineswegs beeinträchtigen. Redner beklagt es, baß der Mangels, an Energie der gegenwärtigen und der frühere,: Regierung zur Herbeiführung dieser Zwangslasst beige^ tragen hahe. Redner wünscht, daß in dem G-sthestex^ RechiStitel und Motive der Entthronung aufgenommenj werden. *- Abgeordnete Margarete Slach'ta schließt sich den: Erklärungen des Grafen Apponyi an. Rednerin wird!, bei einer Bemerknns; hinsichtlich her Kompetenz bep Nationalversammlung vom Präsidenten unterhrockstn,! der darauf aufmerksam macht, daß alle Gesetzt ohne Unterschied rechtsgültig sind und to# unter den Gesetzen bezüglich ihrer legislatorische,: Kom<! petenz keine Auswahl getroffen werden könne. In Fprt-- setzung ihrer Rede erklärte Mgeordnete Slachta, der' Appetit der kleiner: Entente:n:hmv gefährliche Dimensionen an. Sie verliest eine Erklärung des christlichnationalen Frauenverbandes, worin diestp gegen fremde Einmischung, protestiert und die Mütter der Ententeläuder aufruft, ihre Kinderi. von der Sitten Verrohung des 'J.mpe^i,g< lismus zu befreien. Mgeordneter Palla (oppositionell) erklärt, baß! mit der Entthronung i der Habsburger ein altev Wunsch des ungarischen Volkes in Erfüllung gehe/ Mer echte Ungar möge sich von Herzen freuen, daß! ein Zeitalter zu Ende gehe, bas dem Lande und dem' Volke große Prüfungen auferlegt habe. Abgeordneter Dön: ötör '(Parte: der kleinem Landwirte) gibt seiner Freude, über die En st! thronung der Habsburger Ausdruck. Die Habsburger hätten sich zuerst bemüht, mit der Ausrottung des Ungartums Erfolge zu erzielen, und stieu„ als ihnen dies nicht gelang, zur Politik der wirtschast-i lichen Ausbeutung des Landes übergeaangen. Leider habe es immer ■ Schandmaghare» gegeben, die ihnen in diesem Bestrebe Gefolgschaft geleistet haben. Ungarn brauche einen König, der dem Lande das Wohlwollen der großen westlichen Mächte,' zurückgewinne. Karl könne diese Aufgabe nicht erfüllen. Das ungarische Volk habe im Herzen längst' das Urteil über diesen Konto gefällt imtb der vorliegend^ Gesetzentwurf sei nur die formelle Vollstreckung dieses Urteils. (Beifall bei der Partei der Minen LariLwirte.)i , . Hierauf wurde die Generaldebatte ge^ schlossen. Vor der Abstimmung verließen einige Mit-! glieder der Legitimisten, der Christlichnatio-c ualen und der Friedrich-Partei den Saal. Der? Gesetzentwurf wurde sodann mit der Resolution Kvcst^ die gegen jede fremde Einmischung in Ungarns inneres^ Angelegenheiten Mrwahrilng einlegt, einstimmig angenommen. Ein Antrag des Abgeordneten Rup< pert bezüglich' der Jnartikulierung des vom brecziner Parlament im Jahre 1849 ausgesprochenen Thvonverlustes der Habsburger wurde 'abgelehnt. '! 'l '!!^I Die Nationalversammlung hat nach Abführung der Spezialdebatte den Gesetzentwurf, betreffend den Thronverlust des Königs Karl und des Hauses Habsburg/ in erster und zweiter Lesung angenommen. ' Die Friedrich-Güter in der Tschechow Slowakei. Wie aus Prag mitgeteilt wird, wurden die Gütev. des ehemaligen Erzherzogs Friedrich auf Grund: des Friedensvertrages und des Gesetzes vom 12. August! 1921 Eigentum der tschecho-flvwakischrn Republik. Die Volksabstimmung in Oedeuburg. Die ungarische Korrespondenz „Eft Europe" ver-! breitet die Nachricht, daß di,» Volksabstimmung in Oedenburg am 12. November stattfiuden werde. An' hiesiger informierter Stelle rvird uns hiezu mitgetcitt/ Eine derartige Volksabstimmung hätte für Oesterreich keinerlei Bedeutung und würde von uns nicht an-! erkannt werden. wäre vollständig 1 Wider das Protokoll von Venedig uub wäre nur als eine Privatabstimmung Ungarns zu! betrachten. j Die vorgestern mitgeteilte Protesterklärung gegen die Einleitung einer Volksabstimmung inOcden-! bürg ohne Gewährung> von Garantien imb ohne jede Mttvirlwngsmöglichkeit Oesterreichs wurde in Form einer Note durch unsere Vertreter in Paris, London imb'j Rom den Mächten überreicht. | Von amtlicher Stelle werben wir ersucht, die übers die Kosten unseres Grenzschutzes zirkulierenden Mel-' düngen richtigzustellen: Die bisherigen 5kosten unseres! Grenzschutzes betragen keinestvegs 13 Mlliarden. In: ganzen besteht unser Grenzschutz aus insgesamt 18.000 Mann Gendarmerie und Reichswehr. Di« Kosten hiesitr belaufen sich für die Zeit vom 1. S^i tember bis 1. November auf insgesamt 700 Millionen Kronen; hierin sind sämtliche Mfwenbungen für Einguartie»^ rung, Benzinverbmvch uv». teMAsti