Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-11-05 · Heft 995 (5.11.1921) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 995 (5.11.1921)
Date
1921-11-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980074--09286-2995520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sit 995 Wirrt VamsmF «?►*-—•- Wiener Morgen-ettuns 5. November 1921 Seite 3 ungarischer Banden hinter Drahtvsrhauen und Schützen-, ., beckungen mit geladenem Gewehr seinen Dienst versieht. Was sagt die Bevölkerung zn dieser nnentwegte-l Arbeit, bas Bunbesheer für-seine militärischen Zwecke in ernster .Zeit unbrarrchbar zu machen?" ' *' ^Adcin^darf auf das -angerufene Urteil der Bevöl- . HtzMig umso gespannter seilt, weil' diese Brandmarkung . -der „ReichsP-ost"-Fcl'0nie vorn Donnerstag im „Michschost^-Äbendbldlt von: Freitag» zu fiitbert ist — mit der -Adresse'an. die bösen Sozialdemokraten, denen von. hen' Befürwortern der Fronteinrollnng 24 Stunden später vorgeworsen wird:. „Jeder Ansatz soldatischer Disziplin, selbst wenn sich das Bundesheer m - ernster' Situation befindet und die Abwehr von Bandenüberfällen ans österreichisches Gebiet verhindert, um einen der wichtigsten Lebensnerven. der sozialdemokratisch regierten Hauptstadt zu schuhen, ist dsn marxistischen Führern verhaßt." Diese Art, eine gegnerische Partei zu bekämpfen, noch dazu in einer Zeit, in dep die Gefährdung der österreichischen Grenzen all-e Politiker von wirklichem Verantwortungsgefühl/ zur unbedingten Einigkeit nach außen zwingen müßte, schlägt wohl so ziemlich alles, was selbst die skeptischesten Beurteiler des Wertes der 'üön der ,-Reichspost" vertretenen „sittlich-religiösen" ' Kultur von dieser Seite an Zynismus zu erwarten pflegen. TelegMMMS. DieKeren-Hajefiod-ErfolgeinAMerLLa New-Pork, 1. November. (Jüd.. Korr.-Bureau.) Den neuesten Mitteilungen des Keren Hajessod-Bureaus,. zufolge betragen die Thora-Spenden für den Keren Hajessod während der. beiden großen Feiertage rund eine Million Dollar. Bishersind auf mehr als;750.000 ^Dollar schriftliche Anmeldungen eingelansen. Tin Gesetz gegen Antisemitismus in *. Amerika. .,*r- Mew-Dvrk, 1. November. (Jüd. Korr-Bureau.) /.Auf Initiative der Organisation der demobilisierten jüdischen Soldaten in Philadelphia soll demnächst im amerikanischen Kongreß eine G ese tz e s v v r l a g e gegen die Verbreitung von antisemitischer Literatur, sowie gegen die Annahme solcher Pamphlete ^durchs die.Post emgebracht werden. Mehrere Kongreß- -Männer versprachen ihr Möglichstes für die Annahme ^dieser Vorlage durch den Kongreß zu tun. Hie jüdische« Arbeiter Amerika« für da« hungernde Nutzland. y-J 8Lew-D»rk, 1. November. '(Jüd. Korr.-Bureau.)!Das erste Hilfsschiff mit Lebensmitteln für das. 'hungernde Rußland, hat bereits den Mw-Vorker' Hasen verlassen und soll in vierzehn Tagen einen baltischen Hafen anlausen. Die Lebensmittel wurden von der Gewerkschaft der Kleid er mache r, die fast aus schließ-. W aus jüdischen Arbeitern besteht, aufgebracht. Neduzierung der «esopotumische» G rniso«. - Land»«, 1. Novembe,. (Jüd. Korr.-Bur.) Auf ei«r Anfrage im Unterhause erklärte der ÜnlerstaatSlekletär skr Kolonim. Mv E. W o o d, daß die nlesopotarmsche Garmsrn bereits ans ei« Drittel des früheren Stande» herabgesetzt wurde. Dev unbekannte Soldat in Amerika. Washington, 4. November. (Tel.-Komp.) Präsident Harbins hat eine Proklamation erlassen, am 11. d. M. während zwei Minuten, von 12 Uhr bis 12 Uhr 2Minuten, mit der Arbeit aufz u h ö r e n. Er befahl außerdem, daß die amerikanische Flagge in der ganzen Welt an diesem Tage auf Halbmast gesetzt werde. Die Proklamation bezieht sich darauf, daß an diesem Tage der unbekannte amerikarrischeSoldat begraben wurde. Ein Anschlag auf den japanischen Ministerpräsidenten. London, 4. November. (Wolfs.) Zeitungs- - Meldungen aus Washington zufolge berichtet die amerikanische Botschaft in Tokio, daß auf den japanischen Ministerpräsidenten in einem Bahnhof in Tokio ein Anschlag verübt worden sei. Der Ministerpräsident soll tot sein. Außenminister Skirmunt in Prag. Präs» 4. November. Der polnische Minister des Aeußern S k i r m u n t ist heute abends hier ange> kommen. Zu seiner Begrüßung hatten sich in Vertretung des Präsidenten der Republik Kanzler Dr. Schamal, ferner Ministerpräsident Dr. Benesch mit allen Kabinettsmitgliedern eingefunden. Aktive Handelsbilanz der Tschecho- Slowakei. Prag, 4. November. In der heutigen Sitzung des Budgetausschufses erklärte Handelsmintster Nooak unter anderem, daß die tschecho-slowakische Handelsbilanz seit 1. Männer bis Ende September dieses Jahres ein Aktioum von mehr als 298 Millionen * Kronen aufweist. Die kleine Entente und Ungarn. 'In der gestrigen Pressekonferenz wurde durch beu Hofrat Ludwig eine Erklärung abgegeben, welche dir neue Komödie der Horthy-Regierung in der Burgenland- Frage beleuchtet. Ungarn hat die im 'Abkommen von Venedig vorgesehenen Besprechungen bis zur Stunde nicht, ausgenommen, ivill aber jetzt mit Hilfe der von ihr beherrschten und terrorisierten Generalskommission, in Oedenburg die Volksabstimmung irr Oedenburg fälschen; die Vorbereitungen leitet Hejjas; das genügt, um die Sache zn erklären., Seit Mittwoch befinden sich unter dem Korinnaudo .Hejjas' etwa tausend Aufständische in Oedenburg, welche auf Lastautos aus Csorna gebracht wurden.. Gleich, nach dem Einmarsch" der Freischärler begann die Stadthauptmannschaft von Oedenburg mit den Vorarbeiten für die Volksabstimmung. Sowohl durch Mauerauschläge als auch durch: die Lokalblätter wurde die Bevölkerung aufgefordert, die Adressen aller Personen den Behörden bekanntzzugeben, die vor dem 1. November, 1900. in.Oedenburg,' oder dessen nächster Urrigebimg geboren .wurden und. se'tdeln fortgezogen sind. Die ungarischen Behörden verfügen den unentgeltlichen Transport dieser Personenfür die Zeit der Abstimmung. In der Zentralkanzlei des Hejjas befindet sich eine eigene Abteilung unter der Leitung des aufständischen LantnanLs Emmerich N a g h zu hem Zwecke, verläßlichen^-AEändischen Zeugnisse auszustellen, daß sie für die VoMabstimmung stimmberechtigt sei ui . Diesen Personen Mlt der Stadthauptmann Petkovics dieersorderlicheu Legitimationspap'ere aus. Die österreichische Regierung erklärt nun, daß eine so vorbereitete Abstimmung sM sie bedeutungslos sei. Sie wird dieses Plebiszit, dessen Ausgang doch für niemand zweifellos sein kann, nicht akzeptieren. Wie aus London gemeldet wird, haben die Mächte die ungarische Regierung aufgewrdert, ihren Einfluß auf die Auflösung S^er Banden geltend zu machen, die sich noch in großer Anzahl im Burgenland befinden. Es ist nicht anzLnehmen, daß sich Bethlen oder Hejjas um diesen Auftrag kümmern werden. In einem Artikel zur ungarischen Entwaffnungsfrage billigt. „Daily Telegraph" die Forderung der ' kleinen Entente, an der Entwaffnung Ungarns durch eigene Kontro llorgans mitzüwirken. Diesen Wunssch — schreibt das Blatt — hätten die Nachbarstaaten Ungarns niemals erhöben, können, wenn die militärischen Vertrauensmänner der Entente stricht die ohne Zweifel schweren Versäumnisse in der- Erfüllung ihrer Pflicht begangen hätten. Einige dieser? Mitglieder der Militärmission weigerten sich direkt, die ihnen erteilten Aufträge durchzuführen. Man kann - unmöglich ohneweiters an der Tatsache Vorbeigehen,' daß Marschall Fvch bereits zweimal dis Durchführung der Entwaffnung angeordnet hat, jedoch ohne Erfolg. Wir müssen auch daran erinnern — führt das Blatt weiter aus — daß, als Ungarn, entgegen dem Verbot der Botschafterkonfersnz, neue Altersjahrgänge einberief, die ungarische Regierung auf eine Einwendung der Ententevertrster erwiderte, daß. der den Vorsitz führende italienische General Znccari selbst der Regierung bekanntgab, daß er keine rlei Grund für eine unverzügliche Abrüstung sehe. Diese Haltung des italieni-' scheu Generals wird durch den in einem Teile der italienischen Presse eingenommenen Standpunkt, erklärlich. Diese Presse verkündet, daß Ungarn wegen' der slawischen Gefahr nicht entwaffnet werden dürfe. Unter solchen Umständen sei es kein Wunder, daß die! kleine Entente den'Vertretern der Großmächte in dieser Frage kein Vertrauen mehr "entgegenbringe. Die kleine Entente setzt ihre Bemühungen fort, ihre Forderungen ans unblutigem Wege durch-' zudrücken. Aber es wird immer offenkundiger, baß Rumänien seine eigenen Wege geht und das Ziel der Personalunion mit Ungarn nicht aus dem Äuge-verliert. Die kleine Entente hat denn auch bereits die Forderung nach Kosteriersatz ans ihrer Liste streichen müssen. Sie hat auch von den Mächten den Auftrag zur Abrüstung erhalten. An' der ungarischen Nationalversammlung gelangte bas Gesetz über dir Absetzung' Karls und das Prinzip der freien Königswahl zur Erledigung. Graf Bethlen, der die Vorlage begründete, verwahrte sich gegen die Einmengung des Auslands. Er sagte unter anderem: Feierlich müsse Verwahrung erhoben werden nicht. Kur gegen die Einmengung in innere Angelegenheiten,! sondern auch dagegen, daß viel' weitergehende, mit der Frage nur in losem Zusammenhang stehende, gegen den Trianoner Vertrag verstoßende Forderungen' gestellt wurden. Redner wolle sich nicht mit dem statt-' gefundenen diplomatischen Notenwechsel ausführlich be-. fassen. Er erwähne nur, daß zum Beispiel vost einer! Entwaffnung ' die Rebe war. Diese Forderung bedeute entweder, daß die im Trianoner Vertrag enthaltene Entwaffnung durchgeführt werde in dem Maße, wie es in dem Vertrag vorgeschrieben sei, oder aber handle es sich' darum, daß besondere Forderungen aufgestellt werden, wahrscheinlich solche, die das früher bestimmte- Maß, überschreiten. - Der Graf ist also der Ansicht, daß die Entlassung der bewaffneten Räuber gegen den Friedensverttag verstoße- . Sodann ergriff . Graf Albert Apponyi das Wort. Er besaßt sich zunächst mit der Verletzungder Bestimmungen des Friedensvertrages von Tricmon. 8 73 dieses Vertrages bestimme die Unab h än-gi gfeit und die Unantastbarkeit Ungarns. Es gebe, in. der Weltgeschichte keinen schärferen Hohn, als wenn ein Prinzip zur Gesetzeskraft erhoben werde, andererseits jedoch das gleiche Prinzip ans Schritt und Tritt jenem gegenüber verletzt -weiche, von dem man die- Einhaltung des Vertrages fordere. Der .Friedens» vertrag von Trianon enthalte ferner auch den V ölkerbundpakt. Sin jeder Versuch' oder ein« Androhung' bewaffneten Einschreitens ist eine flagrante Verletzung des. Völkerbundvertrages, wogegen mit solcher Kraft protestiert werden muH, daß es auchüber die Grenzen, des Landes vernommen wird. (Stürmischer. Beifall.) Redner frage d'ie Signatarmächte, denen der Völkerbund als ein versöhnender Gedanke vorschwebte, ob' sie diesen Gedanken ernst nehmen oder sichdareinfindeir würden, daß er sichals Betrug und Humbug entpuppt. (Stürmischer Beifall.) Wenn nicht, so müßten eben die Schöpfer des Völkerbundvertrages in erster Reihe dafür sorgen, daß der Völkerbund ernstgeuommeu werde. Eine zweite Verletzung des Friedensvertrages bedeute die Forderung der kleinen Entente bezüglich ihrer Teilnahme-an der Entwaf snung. i Jede über die Erfüllung -des Friedeusvertragesj hinausgehende Forderung ist eine Verletzung des! Friedensvertrages.! Anläßlich der Friedensverhandlungen hätte die Entente Gelegenheit gehabt, dio Frage der Staatssorm zu berühren. Sie hätte sich in der Personal- ' frage aussprechen und den Ausschluß der DynaM fordern können. Ml dies sei nicht geschehen. ' '' Graf Appvnyi erklärt ferner, daß niemand,die jüngsten bedauerlichen Ereignisse so tiefbeklage, Wie er und niemand sich' mehr zu beklagen habe alÄ die Legitimisten. Viele gute Patrioten seien in einen schweren Gewissensk-onslikt verstrickt und. man müsse die individuellen Entschlüsse mit historischem Maße messen, denn Patrioten von bestem Glauben könnten' diesen oder jenen Standpunkt für die Interessen des Vaterlandes als nützlich erachten. Die Regierung sei der Stimme ihres Gewissens gefolgt mrö habe' Maßnahmen getroffen, von denen sie voraussetze, daß sie im Interesse des Landes unerläßlich seien. Sie habe, die Rückkehr des Königs mit bewaffneter Gewalt verhindert. Dies hätten die Nachbarländer mit größter. Beruhigung und Befriedigun-g zur Kenntnis nehmen müssen, da ja die ungarische Nation ans eigenem Antrieb emen Standpunkt einnahm, wie sie es forderten. Sie haben sich jedoch damit nicht begnügt. Es.handle sich nunmehr nicht nur um die Ehre und' .Würde des Landes, sondern um die persönliche Sicherheit eines jeden ungarischen Staatsbürgers, da die Auslieferung eines Ungarn, nämlich des Königs, gefordert werde. Die Regierung habe dem Zwange, nicht widerstehen können. Redner halte es jedoch für seine Pslicht, sich nicht nur im Interesse aller ungarischen Staatsbürger dagegen zu verwahren, sondern auch d-em brennenden Schmerze aller Ungarn darMr Ausdruck -zir verleihen, daß die Rechtssicherheit ungarischer Staatsbürger und der Glanz und das Ansehen dev die Nation verkörpernden ungarischen heiligen Krone Abbruch gelitten haben. Er hoffe, daß in dieser Frage kein Unterschied zwischen Ungarn und Ungarn sein könne. . ßkedner besaßt sich dann mit der Beschuldigung, daß König Karl an der Spitze österreichischer und tschechischer Truppen zurückgekehrt sei. (Großer Lärm und Widerspruch. Me Präsident mahnt zur Ruhe.) Graf Apponyi erklärt,- er gebe zu, daß sich vielleicht einige österreichische Offiziere, in d^r Begleitung des Königs befunden haben,, doch seien diese auf Wunsch des Königs in Oedenburg zurückgeblieben. Graf Apponyi verliest hierauf »eine Erklärung, in der es heißt, hie D'ethronisatwnsvvrlage weiche von den Bahnen der alten ungarischen Verfassung, ab und greife die Institution des ungarischen nationalen Königtums in ihren Grundlagen, an. Mich beu Gesetzartikel I vom Jahre 1920 biete hie für keinen Rechtstitel, da er keinesfalls den Umsturz der alten ungarischen VersrstklsssiF unji billigst im Warenhaus Brüder Schiffmann fclÄS4?: En detail

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.