Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 991 (1.11.1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 991 Syien, Dienstag Wientz Msrse»zeit»«g 1. November 1921 Seite S f. 2; Desgl-eichen haben die Steuereinhebangsstellen den Steuerpflichtigen ilber Ansuchen, den Betrag der von ihnen Mr die Jahre 192D:r tiitb 1921 bereits geleisteten - Vörein'zahlungen, -ferner ' deck Erwerbsteuerpflichtigenauch das Ausmaß der für. die Jahre 1920 und 1921 geltenden Zuschläge bebänntzugeben. 3. Die Steueremheblmgsstelleir haben die im Sinne -hles StetlervoreinWlungsgesetzesgeleisteten^ Zählungen schon äußerlich als solche zu --kennzeichnen (etwa durch Beisetzung - 'des-''Buchstaben- ^,W). Die -durch das rSteuervoreinzah'kungsgeietz anftrlegtckl Zahlungsverpflichtungen gelten' auch insoweit für erfüllt, als die auf' Grund '-dieses Gesetzes - geleisteten Einzahlungen gemäß ' den bestehenden Vorschriften auf Rückstände früherer Jahre zu verrechnen ' sind. 4. Vöreiüzahlungen für die Jahre 1920 und. 1921, die nach"dem 1. Dezember 1921 noch nn- Lerichtigt aushaföen, sind, falls eine Stundung nicht gewährt würdet ungesäumt einschließlich der aufgelaufenen'Verzugszinsen eirizickreiben (§ 5 des Sleuervoreinzahlüngsgesetzes im Zusammenhang mit § 2> erster Absatz, und § .20, vierter Absatz, des Einhebungsgesetzes). Y-y1' :;Artikel- 8. '; * - 1. Bereits - bewilligte Stundungen bletben. grundsätzlich - nür i hWWlich der einfachen Voreinzahlungsgehühr aufrecht,' . - '- 'y 2. Stundungen aus Anlaß des Steuervoreinzahluttgsgesetzes' find nur zu. bewilligen, wenn der Steuerpflichtige. Wn überzeugenden Nachweis erbringt, daß ihm trotz weitestgehender Verehrungen ohne Stündung eine empfindliche, nicht mehr^gntzumachende Gefährdung seiner Lebensführung oder seines Geschäfts-, beMebes. erwachsen würde, oder haß andere, ganz besonders rücksichtswurbige Gründe gegenben sind. Auch in solchen' Fällen ist die Stundung jedoch auf den unbedingt gebotenen Betrag einznfchränbtn und höchstens für diü' Hälfte s dieses Steuerbetruges und bis zum 3l. Dezember des JähreH 1921 zu bewilligen. ' . , Artikel 9. Die Bestimmungen über die Voteinzahlangen für die Jahre 1920 und 1921 gelten, insolange die Beulessung für das.Jahr 1920 nicht erfolgt ist, auch hinsichtlich der Voreinzahlungen, für das Jahr 1922. Diese Voreinzah lungert sind - jedoch nicht bis zum 15. November 1921, sondern erst in den allge-.neinen gesetzlichen! ^erulinen zu leisten. . Lelegramme. Ra-Hiner Kornfeld —- «merikanischet Gesandter in Persien. Lands», 31. Oktober. (Funk'pruch.) Zum amerikanischen Gesandten i» T e her a n wurde der Rabbiner Josef Korn» selb ans Ohio ernannt. Albanische Meldungen Aber eine jugoslawische Offensive. Balo»», 30. Oktober. Von amtlicher japanischer Seite wird folgende Nachücht verbreitet: Nach heftigem, am 26. d. M. eröffneten Bombardement haben beträchtliche jugoslawische Streit» kr äste unsere schwachen Abteilungen, die westlich des Dorfes Mohur sich befanden, angegriffen und verdrängt. Die Offensive halt mit großer Heftigkeit an. Einigung im Ostraner Revier. Prag, 31. Oktober. »Pravo Lldu* meldet, daß bezüglich .der. Lohnsrage im Ostrau-Karwiner Revier eme vorläuffge Einigung zustande gekommen sei. Der Kollektivvcrtrag und die Löhne -bleiben bis Ende dieses Jahres unverändert in Geltung. Dafür werden die Bergleute im November und Dezember ihre Arbeitsleistung um 10*/« erhöhen, wodurch eine Herabsetzung der Koks» und Kohlenpreise um K 5 bis 10für den Metrrzenmer erzielt werden soll. Hunger in der Krim. . SNoSka», 31. Oktober. (Funlspruch-) Infolge gänziicht,.- Mißernte wurde apch die Krim m die Hungrrgrbiete aus' -genommen. Oestrrreichische Arbeiter str Rußland. , Moskau, 31. Oktober. (Funlspruch.) Die oster. :r e t ch r s ch e n A r b e r t e r haben dem russischen Vertreter •für die Hungernden des Wolgagebictes 7000 leg Medikamente Instrumente und Verbandstoffe Übergeben. Revolution in Paraguay. 'London, 3r. Ostober. (Funlspkuch.) Nach unbestäügten Nachrichten aus Buenos AereS sti in Paraguay eine Revolution auSgebrychen. Die Regierung hat sich uach Argentinien geflüchtet. . f / . Eawiukow abgeschoben, Balachowicz verhaftet. . Mo§?a«. 31. Oktober. (Funlspruch.)'Der aus Polen auSgtwiescne General S a w i n k o w ist am 26. Oktober, mst Wgzmg ans Paris kommend, i« War sch a u eingetroffen. Avec Tage darauswu-.de er pol'-e-lich abgeschoben. Gegnäl Verla ch ow icz bestndet sich in Polizeigewahrsam. Illll Die Generaldebatte. In der So»u»tagnäch»nittagss»tzung wurde die Debatte über die Tätigkeitsberichte der Parteileitung durch ge führt. Präsident Dr. Desider Friebtnanit eröfsnele die Sitzung um 4 Uhr 20 Min. nachmittags und brachte eine -Zuschrift des ff A f a b c tjt i sch e n L a n.d e s v e r b a n des zur Verlesung, taut ivckcher dieser auf lein Parteitag durch 25 Delegierte, die sich zu cittem Klub verei'.rigt haben, vertretenisti J-in Namen des Legi t i m ations a u sschus f e s berichtet dessen Obmann Gemeinderat Dr.P lasch kes,^daß 162 Mandate, angemcldct wurden; von diesen hat der Legitimationsausschuß zwei Wiener Mandate und vierPreviuz- , Mandate, nicht v e-r i f i z »er t,- da - die Pärteist-euer nicht entrichtet und für den Keren Hajesjod nich t gezeichnet wurde. Ueber Antrag des .Parteisekretärs Doktor W e in e.r hat der Parteitag die Provinzmandat: a n erkannt.' Im übrigen wurde der Bericht des Legitiinati-onsausschusses zur Kenntnis gencimne-n. , Als erster. Redner ergve'ft in' der Generaldebatte Delegierter- Dr. L a z a r v w i t s ch (Shibeitsgrmeinfchoft) da? Wort. Die* einleitend:»» Worte seiner Rede,-welche sich gegen .den Parteisekretär wenden, rissen lebhafte Unruhe und Zwischenrufe im -S^ale hervor, deren das -'Präsidium erst durch Erteilung von-zwet 'Ordnungsruf.'« Herr wird. Im, weiteren Verlauf seiner Darlegungen führt Redner aus: In den Berichten der Leitung ist das Zugeständnis, gemacht, daß nichts getan worden Ist. In der Organisation ist dazu starre Handhaben' des Territorialprinzips d:r Bezirks,'(kitonoi»> die allerdings ber der politischen Arbeit »vertvoll sind, zu bemängeln. Daß-man sage, über den Keren-Hajesfod sei nicht viel zu sagen, beweist, daß in diesem Belange nichts getan wurde. Die Politik -ist .unorganisiert besorgt worden.. Die Leitung hat selbst zugegebendaß fte in der Frage der Heranziehung -der Jugend und d:r Frauen ratlos dastehe; das ist beschämend. Die bisherigen Arbeitsmethode»» haben versagt. Die Zionistische Arbeitsg-emeinschast strebt nun die Einführung von Arbeitsmethoden an, welche nicht mechanisch an starren Dogmen festhalten, sondern bei deren Durchführung Seele und jüdisches Lebenwalten. Nachdem über Antrag des Delegierten G rüner (Graz) die Redezeit in dev'Tü»eräl6cEtte'''äuf 15 Minuten beschränkt worden ist, führt Dr. Tartakower (Hitachdnth) aus: Wir haben, nicht alles getan, was aus dem Sieg des nationalen Gedankens auf dein Zionistenkongreß gefolgert werden muß. Während das Verhältnis zur Palästina-Arbeit im Gegensatz zu früher ein ernstes geworden ist, ist die Kulturarbeit vernachlässigt worden. Die Kulturarbeit ist daher außerhalb der Organisation geleistet worden. Ebenso ist eZ in der wichtigen Frage der sozialen Umschichtung, in welcher nur der Jüdische Natronalrat Wesentliches geleistet hat. Heute ist in der Beivegung eine Präpöndercmz der Politik vorhanden. Niemand - von uns ist Gegner der Politik, aber sie darf nicht die übrige Arbeit verdrängen. Die jüdischen Mandatare müssen der Organisation über ihr Tun Rede stehen, daher soll innerhalb des Landeskomitees eine politische Kommission gebildet werden. Redner bemängelt, daß die „Morgenzeitung" den Berichten aus Palästina und der hebräischen Literatur zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Er warnt ferner vor persönlichen Kampfmethoden und vor Ausspielung von Ost Und West. Zur Arbeit braucht man das ganze Volk. Für die Durchführung der schweren Arbeit, die uns bevorsteht, könne die Möglichkeit der Bildung von Föderationen nur Vorteile bringen.. (Lebhafter. Beifall.) Delegierter Rab »nowitsch wünscht innigeren Kontakt zwischen der Leitung und den Bezirkssektionen -durch ständige Obmännerkonferenzen im Beisein-von Vertretern des Landeskomitees; in der Keren-.Hajess>od-Arbeit habe man viel kostbare Zeit unausgenützt verstreichen lassen. Dr. Kiwe (Akademischer Landesverband) weist darauf hin, daß die- Opposition der Arbeitsgemeinschaft nicht rein sachlich ist, sondern sich vielfach gegen eine bestimmte Psrson im Landeskomitee richte. Redner spricht sich gegen Kunmlierung verschiedener Aemter in einer Hand aus und wünscht Fluktuation. in der Besetzung von Ressorts und Aemtern, serirer Trennung des politischen Ressorts vom Organ'isationsressorts. Dr. Sanel Beer (Arbeitsgemeinschaft) beklagt, daß ber I n.d if ch e S ch u l v e r e t it nicht /von der 'Organisätiio.t entsprechend unterstützt tverde, und richtet Borwürse gegen Frau Anitta Müller, welche die Beschafsung eines Gebäudes für den Schulverein gehindert habe. - Dr. Steinberg (Hi'tachduth) be/pricht das Verhältnis, der Hitachduth nnd der anderen Fraktionen zur zionistischen Parier und spricht sich dafür aus, daßdie verschiedenen Fraktionen zur Mtarbeit.herangezygen werden. Die zionistische Oeffentlichkeit werde von deni, was geschieht, zu wenig informiert; es müßten für alle Teile der zionistischen Arbeit Ressortk-ommissionen gebildet ioerden. Die Leitung hat, seit das jüdische Jugendheim vor fast drei Jahre»! einging, Nichts unternommen, um eine ähnliche Institution - zu schaffen. Die Parteiorganisation, ist bei uns zu bürgerlich; sie »nuß xevolu- , tionären Geist in sich haben; dann wird sie die Jugend an sich ziehen. Die Hitachdnth hat die Rolle/des Gewissens der Partei auf sich' genomyien. . j Dr. Wol/°mann schlägt im NämeN.des Permaue.rzailsschusses die Wahl einer politischen, einer Organisati-onskonlmiffion, Finanzkornmission, Palästina^ und Rationalfoniskommission, Keren-Hajessod-Koininission, einer Kommission für. Jugendarbeit und einer Kommission für Kulturarbeit vo'r.1 Die Wahlvorschläge des Permanenzansschufses werden per-. Akklaination angenommen. , , ' Dr. Margulies weist in einertatsächlichen Be-f richtig,nrg die Angriffe gegen Frau Anitta Müller zurück und! stellt fest, daß'das jüdisch: Schulwerk vom Jüdischen National-, rat begrünöet wurde und unter Leitung eines mit dev- Parteileitung eng verbundenen Kuratoriums steht. i Delegierter Gold sch m ^ed t : Wir müssen die p ositivenf Leistungen der Parteileitung, besonders ihre Tätigkeit aus -dem Kongreß, dankbar anerkennen. Die Organisati-on ist! freilich nicht im richtigen Fahrwasser; es fehlt den Bezirks- ' sektionen an Geld. Saniert muß werden, aber wir all: wollen! sanieren, nicht nur einzelne, und die Mitarbeit der einzelmsti darf nicht davon abhängen, ob einer loder der andere inder Leitung sitzt. . . : - .» Delegierter Dr. Wersl: Die Tätigkeit Strickersl auf dein Kongreß zeigt, daß er in die Exekutive, gehört.! . Neben diesen Erfolgen über sind Mißerfolge da, welch: dadurch' entstanden sind, daß wir glauben, wir hätteir eine Partei- , organisation. Wir haben aber keine, weil "man gewisse Kreise abstößt, welche sich der mechanisierten Bezirksschäblone nichtanschließen. Man darf von der Partei sch ab loneabweichende Meinungen nicht in der Presse und der Oeffentlichkeit verschweigen. Dadurch wird die Jugend abgestoßen. Man mußder Jugend ein Ideal geben: das ist der Judenstaat. U»Df. das Instrument, welches ihn schaffen ' soll, - . der Jüdische . Nationalfonds, wird von der Partei bagatellisiert. (Widerspruch.)! Delegierte Frau Berta Berge r beantragt, die Frauen-' arbeit energisch in Angriff zu nehinen, welcher in allen-! , politischen Organisationen große Wichtigkeit zukoimnt. J»n Zionismus a.ber wurden die Frauen zu wenig heran gezogen.! In jeder Bezirkssektionsollen Frauengruppen .gebildet »verde>;> f die dann zu einem Verband Zusammenzuschließen sind.'- Bei fall-.)',- „ Delegierter 'Schächter (Arbeitsgemeinschaft): In 'der Leitung haben von fünfzehn Personen nur Zwei 'oder drei, gearbeitet. Man vernachlässigt den Kontakt mit der Masse und mit der Jugend. Drese vor allem muß jüdisch erzogenwerden, um Anschluß an die Idee zu finden'. -! ' Delegierter Dr. Körner weist auf die Erzieherischen; Erfolge der Hakoah unter der jüdischen Jugend W'uns gerade in nationaler Beziehung hm. Dafür sei Beweis, daß bereits' 64 Hakoahner als Chaluzim riach Palästina gegangen seien.! Delegierter Dr. Menzel. (Linz): Wenn es sich untein politisch-wirtschaftliches Programm handelt,. daun gibt, es für ein Volk, das ein wirkliches Polk sein will, keine einheitliche Politik. Daher darf man den Zionismus nicht zu einer bürgerlichen Nationalpartei verkleinern. Die Politikist nicht das Um und Auf; da sie die übrige Tätigkeit aufgefressen hat, bleibt die JugÄch stumm; denn die JugenÄ-: verträgt keine Verkleinerung des Ideals. ' j Delegierter Dr. Fast gibt der Ansicht Aispruck, drs^ inan praktisch arbeiten soll; der Nationalismus, welcher sich'- in Kampfformen ausdrückt, soll vermiede»! werden. Man »nußferner versuchen, Anschluß.ans jüdische Kapital zu finden.' Ueber Antrag Dr. Schali.t beschließt der Parieitag Schluß der Debatte und Wahl von ztvei Gerleralrednern. Nach ei»»er Pause von zehn MinutM, während der die.Wahl vorgerroimnen wird, erhält das Wort v. 1 Delegierter Ing. F re un dl r'ch.(Generalredner kontra);- Wir streben alle zu eine»n Ziel, aber wir haben verschiedene! Wege; die ArbeitsgeureinschafL will ihre Methoden, di: siefür gut hält, rein sachlich, klarlegen. Die.beide»»'-Attivpoßen. der bisherigen Leitung, Kongreß und Politik, sind wohl an-, ».»»erkennen, aber die Erfolge bleiben auch hier .hinter dens Erwarümgen zurück. Unsere Delegation auf dern Kongreß'- Nwr wohl an Bedeuturig stark, aber. nicht. a»». Zahl, da zutvenig Schekel gesammelt. w»rrden. In der Politik wurde»»! nicht alle Möglichkeiten ansgniützt, da bei. de»»», bisherigen- System die Mandatare überhäuft sind. Die politische Tätigkeit ist in keine einheitliche, For»n gebracht. . Die Mandatare »nüssen in einem Klub, züsamtnengefaßt werden. (Zwischenruf: Der besteht seit zwer ,Jahren-!) Was man . in der Politik'; geleistet.hat, ist auf Kosten der anderen ziönistischm Arbeit geschehen. Wenn man darüber klagt, daß. es a»». Mittelnfehlt, uin das Budget aufzubringen, .so liegt die Ursache darir»,,! daß die Leitung nicht den Kontakt mit der Masse.hat.. Der! Arbeitsge»neinschast ist es an eurem Tage grluugch»;! 300.000 Kronen aufznbrmgen, die sie der Parteileitung.zur. Verfügung stellt. Das System der Arbeit ist..falsch; ein! starres Schein« herrscht statt organischer, lebendiger Arbeit.» Es muß pulsierendes jüdisches Leben durch unsere Arbeit geschaffen werden. Ein lebendiger.Impuls.r»»uß in die Arbeit; ko»nn»e»k. Zwischen der Leiturtg m»d den Bezirksorgauisatio»»ens m»»ß ein Zwischenglied in der Form ei»«s Lokalkomitees in Herren* u. linden Sie ein Damenatoff en Kapl SchwaPZ St LZ