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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-30 · Heft 989 (30.10.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 989 (30.10.1921)
Date
1921-10-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien Sormtas prlfftfasg lettische Bürger werden können, wmm sie im Lande, entweder zur Zeit der Gründung des ptttsche« Staates »to: bei 5eriagKausbruch, ihren festen Wohnsitz hatten. Diese Aveltekluntz de» Derminhängt damit zu- Mnmen, daß nach Kriegsausbruch viele Angehörige Ker heutigen MinderheitSnattonen in Lettland, unter «deren alle im damalige^ Kurland lebenden Juden, «Mt t*rt vertrieben und ins Inner« Rußlands verjchleppt wurden. Alle diese könne» nun in ihre lettische Heimat nicht zurückßehren. Die in Rußland tätigen Attischen Behörden haben' von ihrer Regierung die unverblümte Instruktion erhalten, fiemdstämmige Lettländer, insbesondere Juden, nicht nach Lettland zu lassen. Auch m Westeuropa lebende lettländische Staatsbürger, zunreist deutsche Balten, werden nicht in ihre Heimat zurückgelassen. Dazu kommt noch, daß durch die Agrargesetzgebung im Ausland lebende lettische Bürger nichtlettischer Nationalität in ihren Besitz gebracht werde«. D?e Enteignung betrifft aber auch eine Reihe von bisher den kulturellen und religiösen Bedürfnissen' i't; M nderheiten dienende Gebäude, wodurch besonders -russische religiöse Institutionen sowie das deutsch» und jüdische Schulwesen leide«. Die Regierung plant ähnliche Maßnahmen in bezug auf die kaufmännischen Organisatiorren, die sogenannten Börsenkomite-rs, welche lettifiziert werden und deren Stiftungen, besonders die zu Schulzwecken, ausschließlich der lettischen Nationalität künftig zugute kommen sollen. Die kaufmännischen Organisationen in Lettland sind von Angehörigen der Minderheitsnationen gebildet, wie denn überhaupt Handel und Gewerbe hauptsächlich von Angehörigen der Minoritäten in Lettland ausgeübt werden. Gerade auf dem Gebiet des Handels, des Bankroesens, des Handwerks und der Erwerbung von Grund und Boden ist eine Reihe von Maßnahmen der lettischen Regierung teils getroffen, teils geplant, welch; geradezu den Wirts chaftlichen Boykott der Minderheiten, besonders der Juden, bedeuten, so insbesondere wird die Erteilung von Handels Konzessionen von der lettischen Staatsbürgerschaft abhängig gemacht, waS im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten in der Erwerbung der Staatsbürgerschaft für nichtlettische Bürger der»n fast völligen Ausschluß auf dem Gebiete des Handels ufw. bedeutet. Schwierigkeiten aller Art erwachsen den Bürgern nichtlettischer Nationalität in Lettland dadurch, daß dortselbst eine vielen Bewohnern fremde Sprache zur Staatssprache geworden ist. Nicht nur Beamte, sondern auch kleine Angestellte und Arbeiter werden mit der. Motivierung, daß sie die lettische Sprache nicht fe:rrt£», aus dem Dienst, entlassen. Andererseits ist in Gebieten, wo viele Angehörige der Minderheiten znsamme.-lebrn, eine Verständigung zwischen den Behörden und der Bevölkerung sehr erschwert. Die Beamten sind nur zur Kenntnis der lettischen Sprache verpflichtet, obwohl zum Beispiel in Lettgalien gegen 80 Prozent der Bevölkerung die Staatssprache nicht beherrsch»«. Die Forderungen der Minderheiten in Lettland sehen demgemäß dahin, daß die besteheichen Jnstitutiortert und Organisationen der Minoritäten, welche kulturellen Zwecken dienen, ihrer Bestimmung erhalten bleiben und daß den Minoritäten ein entsprechender Anteil an d«n staatlichen, kulturellen Zwecken dienenden Institutionen gewährt werde, daß ferner Enteignungen' von Pr'vatle'itz nur in erwiesenem staatlichen Interesse i'nd gegen vollwertige Entschädigung vorgenvmmen n/erden dürfen. Zur Sicherung des kulturellen Standes der Minderheiten erscheint die Gewährung einer Autonomie für die Regelung der kulturellen Angelegenheiten, -'.«schließlich der sozialen Fürsorge, notwendig. Ten Minderheiten in Lettland ist wohl eine beschränkte Schulautonomie erteilt worden, doch hat die Praxis ge^igt, daß selbst diese beschränkt» Schulautonomie — da ihre Grenzen nur gegenüber der staatlichen Verwaltung und nicht gegenüber der örtlichen Selbstverwaltung ab gesteckt sind — nur fiktiven Wert hat. Eine Grundforderung der Minoritäten in Lettland und insbesondere der Juden ist natürlich die Abschaffung aller die Enttvicklung der nichtletttschen Nationalitäten hemmenden wirtschaftlichen und politischen Maßregelst. Gerade zur Kontrolle dafür ist die Forderung der lettischen Minderheiten auf Schaffung einer internationale« Instanz, an welche die Minoritäten Lettlands sich bei Berl^tzung der ihnen zustehenden Rechte wenden können, von besonderer Wichtigikeit. Englisch-ägyptischer Vertrag. Rom. 29. Oktober. (Funkspruch.) Der bevorstehende Abschluß des englisch-ägyptischen Abkommens bestätigt sich. Der Vertrag soll unter anderem folgende Bestimmungen enthalten: Die englischen Truppen verlaßen das Land; nur P o r t Said und die östliche Zone des Suez-Kanals bleiben von englischen Truppen besetzt. Aegypten wird eine eigeneAuslandsvertretunghaben. Alexandrien bleibt englischer Flottenstützpunkt. Im ägyptischen Sudan bleiben die gegenwärtigen Verhältnisse weiter bestehen. Wiener Morgemzettims ßO. Oktober 1921 Stt." 989 An unsere geehrten Abonnenten! Ab 1. November beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung*. Wir ersuchen, die Bezugsgebühren umgehend zu überweisen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Ab November treten folgende Bezugspreise in Kraft: '4P nimmt ent snr Tvre» fittm A'woiri» im Expedit oder in den V^rschleißsteUm) «vnattich Kr. Oesterreich monatlich..... - Tschecho-Slorvakei monatlich -.MR . . . . Kö. Poren monatlich.M pol». Mark Jugoslawien monatlich Deutschland Rumänien Bulgarien Holland Schweiz England Italien Amerika 360.— 300, — 18- 500.— 15.- 20.— 80.- 30.- 1.50 3- 3.- —.50 Frankreich, Belgien monatlich. Fre», 6.— : :: Dinar Mark Lei Lewa holl. fl. FreS. sd Lire Dakar Einzelverfchleitzprers ab 30. Oktober in Wien Kr. 14.—. Zahlstellen: Oesterreichifches Postfparkaflenkonto fWiek) 150.003 Tfchecho-slow. Postsparkaffenkonto (Prag) 50.351. Polnisches Postsparkaffenkonto (Warschau) 100.227. Deutsches Postscheckkonto (Berlin) 108.722. Nnmänien (Ezernowitz): Allgemeine Depvfitenbank» Filiale Jugoslawien: Postsparkaffenkonto (Agram) 40.085 Italic«: Lovlots (tallana dl ßredlto oammtrelali, Lrieft Via M&zzlni 30. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" Wien, ll., Tadorftratze 1—8. Telephone 43.3-10, 44.0.38. Politische ^RrmLschau. Die Wahlen in die Prager Knltusgemeinde. Am heutigen Tage finden die Wahlen in die Prager Kultusgemeinde statt, nachdem sich endlich die bisherige Kultusgemeinderepräsent-anz unter dem Zwängender Regierung veranlaßt gesehen hat, die Neuwahlen unter Zugrundelegung eines demokratischeren Wahlsystems "Vttszuschreiben, welches wohl verschiedene Mängel enthält, aber immerhin gegenüber dem früheren Zustand einen Fortschritt bedeutet. Die Jüdisch nationalen Prags find unter Führung des dortigen Mischen Nationalrats darangegangen, die Prager jüdische Wählerschaft aufzurütteln. Sie haben ein Gemeindeprogramm ausgestellt, welches namentlich Forderungen auf dem' Gebiete der sozialen Fürsorge, der Erziehung und nach entsprechender Besoldung der G«- meindebamten enthält. Selbstverständlich fordern sie die volle Gleichberechtigung der Ausländer im Wahlrecht und ebenso bas Wahlrecht für Frauen. Als Listenführer der jüdischnatiottalen Kandidatenliste, welche 35 Namen umfaßt, steht der. Präsident des Jüdischen Nationalrats für die Tschecho-SlowaVei, Dr. Ludwig Singer. Die Assinnlantengruppe, welche bisher die Führung in der Gemeinde innehatte, kandidiert unter der Firma einer Demokratischen" Partei. Auch, die Tschecho-Juden haben ihre Kandidatur angemeldet. dränge«. Ich schlage drei Wege vor, wie wir de« Ziyntpe» entgegenarbeiten können: Das erste Mittel ist, daß ket» Araber den Juden Land verkauft. Dies kann nur geschehen, wenn vor allem unsere Natioualtste» aufhören, Land zu verkaufen. Dadurch werde« die Juden im Lande Fremde bleiben. Heute steht es aber so, daß gerade die erklärten Gegner des Zynismus de« Zionisten Ländereien verlausen. Wer das überlegt, wird m verstehen, warum ich mich von aktiver Zusammenarbeit mit diesen Leuten zurückhalte. Andererseits beweist der Verkauf von Ländereien an die Zionisten, daß eS Unseren Nationalisten mit ihrer Gegnerschaft gegen den Zionismus nicht ernst ist und daß sie nur im Dienste Frankreichs gegen England arbeite». Man hat mich angegriffen, damit ich nicht die Möglichkeit habe, diese Tatsache der Oeffentlichkeit zu enthütlen. DaS zweite Mittel, wie wir de« Zionismus entgegenarbeite« können, ist die Aufklärung. Kämpfen wir gegen den Zionismus mit wissenschaftlichen Waffen. Gründen wir eine Schule für Ackerbau und eine Handwerksschule. Wenn unsere Bauern lerne«, ihr Land nach neuen Methoden zu bearbeiten, so werden sie nicht gezwungen sein, ihr Land zu verkaufen. Dann werden die Zionisten in unserem Lande wie die Vögel sein. Sie werden unser Wasser trinken und unsere Luft atmen, aber kein Land haben, und ihre Einwanderer werden nicht imstande sein, in den Städten mit europäisch auSgehildeten Handwerkern zu konkurrieren. Nichts von alldem ist geschehen. Unser« Nationalisten gleichen einem Kranken, der schreit: Hch protestiere gegen den Kopfschmerz, habt Erbarmen mit mir.' Und sie protestieren auch dagegen, wenn ich sage, hört aus zu schreien und ruft einen Arzt. Sie beschuldigen uns — Ibrahim Nascha r und den Redakteur von Marad al Schark und mich — daß wir 2H Trätet find. Ihre Absicht ist eS eben nicht, dem Vaterland zu dienen, sondern gegen die Juden zu schreien, damit di« Juden sie besänftige«. Und wenn sie gar «och sehen, daß die Regierung ihnen wohlgesinnt, erkennen sie, daß das Geschrei nützlich ist, und schreie« weiter. DaS dritte Mittel ist. ein moralisches. Wir beklagen uns über die Juden, daß.sie zusammenhalten. Warum tun wir es nicht?! Vor Monate« habe ich de» Scheich Kamil l a l Kaza w gebete», «ine Vermittlungsaktion unter uns zu übernehme»: aber sein» Versuche sind mißlungen. Der Grund liegt 1» der Kurzsichtigkeit der heutige« Altzionisten.. Die Folge der von Arabern gegen Acaber LUSgestreuten Verleumdungen ist «ine dreifache. Ein Teil von uns hat aller Politik entsagt und sich seinen Privatangelegenheiten gewidmet. Ein Teil hat sich im Stillen de« Juden angeschlossen und ein Teil hat dies in aller Oeffentlichkeit getan. Wir müssen von Worten zu Taten übergehen. So weit Abdulhad-r. Man wirb sich in Europa —• und vor allem in England — feine Charakteristik der jetzt in Londo » weilenden Araberführer merke» müsse»! Di« Frazr der Rückkehr der I«de» «ach Spante». „Manchester Guardian" bespricht die Bemühungen angesehener spanischer Kreise, die Juden zur Rückkehr nach Spanien zu bewegen, und drückt große Zweiftl aus, ob die Juden ohne ausreichende Bürgschaften seitens der spanischen Regierung und des Klerus solchen Einladungen folgen werden. Die jüngst erschienene Broschüre des spanischem Senators Dr. Angela P u l i d o strebt wohl die Wiedergutmachung des von Spanien seinerzeit an den Juden begangenen Verbrechens an und will eine Versöhnung zwischen Spanien und dem jüdischen Volke yerbeiführen, aber dir Juden werden sicherlich noch andere Beweise und Garantien verlangen. (I C. Sk) » Zar Arabrrsragr. A»ntze»m»ge« eines hervorrag<rrve« Nr-berS. Jerusalem, Oktober iSSi- Einer der wenigen europäisch gebildeten Araber von Palästina, Husslm i Abdulhadi, «in angesehener Bürger von Schehem und Mitglied b:i Staatsrates von Palästina, «xgreift in der Jerusalemer Tageszeitung ^3 in an ei Ara b" das Wort zur arabische« Frage. Abdulhadi war während der letzten Zeit Gegenstand heftiger Angriffe der Araber wegen seiner angeblich zionistenfreundlichen Haltung. Nunmehr schreibt er: „Ich bin der erste, der bereit ist, die Schädlichkeit des Zionismus zuzugestehen. Ich »»eiß, baß wir den Zionismus bekämpfen müssen. Mer wo sind die Kämpfer? Palästina ist in zwei Lager geteilt. Ein Teil glaubt, daß der Nutzen des Landes erfordert, mit den Engländern zu gehen, und ein Teil glaubt, daß wir uns mit Syrien unter dem französischen Protektorat vereinigen müssen. Der heutige Haß gegen den Zionismus ist nur eine Maske, unter der sich der Haß gegen di« englische Regrernng verbirgt. Der Lärm und baS Geschrei, das hie und da erhoben wird, die Lügen, welche verbreitet werde«, sind französisches Machwerk und suchen die englischen Parteigänger mit dem Argument zu treffen, daß sie Zionistenfteunde sind. Wären unsere Antizionisten wirkliche Ztonistengegner, so würden sie nicht sprechen, sondern handeln; sie würden sich nicht zum Ziele machen, angesehene Araber des Zionismus zu beschuldigen und so auS dem nationale« Lager zu In Spanien besteht seit längerer Zeck rw.c Bewegung, w.lmr darauf ab i lk. die Juden zur Einmandkrimg m das toft gänzlich von Juden unbewohnte Fand zu de,ankaffen. An der Spitze ditsrrBtwemma steht der angesehene Senator P u l i d o, welcher d-ese Idee v rschüdentlich literalisch vertreten hat. 8«r Konferenz von Washington. Die bevorstehende Konferenz von Washington, welche am 10. November, eröffnet werden soll, steht in den Ländern des Westens im Mittelpunkt M Interesses der politischen Kreis-. Die Westmächte sind schon darum an her Washingtoner Konferenz in besonderem Maße interessiert, weil nicht nur die Frage der Abrüstungen für sie von besonderer Bedeutung ist und die Diskussion der Probleme des Stille« Ozeans infolge der Forderungen Amerikas einerseits und der englisch-japanischen Abmachungen anderers.'itS besonderer Schwierigkeiten begegnen dürfte, sondern auch, weil das Programm der 5bonfrrenz, soweit Amerika in Frage kommt, noch immer nicht feststeht. Für Frankreich und Italien ist die Frage der Schulden <m die Bereinigten Staaten besoorderS brennend und man blickt auf dieser Seite gespannt auf. Hardings Entschließungen in der Angelegenheit der alliierten Schillden. Im amerikanischen Senat besteht eine nicht zu mrte'.schätzende Strömung, welche dahin' g>cht, rücksichtslos die Bezahlung der Schulden an Amerika zu fordern, weil nur die Stundung der Scl)ulden deir genannten Ländern, namentlich Frankreich, die Aufrechtcrhaltung einer Armee und di« Verzögerung der Mrüstuwg erj möglich«. Die Durchsetzung dieses Standpunktes wäre natür- I lich von Katastrophal«» Folgen für die genannten Länder. Kleider undPelzhaus ersten Ranoes JAG, MAYER ilSAn II Toborotpasso 44 vIoSFOIj II» Fernruf 41-6-34 i*osse Sperlgass© Ni*« 29 Fernruf 46*6-21; Glocken nasse 24 : Eigene Werkstätten für Kleider und Pelze

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