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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-30 · Heft 989 (30.10.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 989 (30.10.1921)
Date
1921-10-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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.weniger verhüllter Form und oft in brutaler Meise verletzt wird, schuldig machen, wenn wir unsere Volksgerioiseu über Oie wahven Zustände im Wien«.Loch- «chnlleben ini unklaren ließen. Wir wollen nicht, daß sich in Wien auf dem Gebiete des geistige« Nahrungshilfswesens dasselbe wiederhole, was sich in Budapest mit den ausschließlich von amerikanischen Juden stammenden Hilfsgeldern für die Budapester armen Kinder ergeben hat. Dort hat der antisemitische Bürgermeister esmit seiner christlichnationalen Ehre für vereinbar gehaltert, die ausschließlich jüdischen Millionen ausschließlich für christliche Kinder, mitunter auch für solche, vre der Unterstützung nicht bedurften, zu verwenden. Wir wollen nicht/ das mit jüdischem Geld auch nur geistige Waffen gxgen die Juden geschminkt werden, .und aus jüdischen Mitteln eine antisemitisch-arische Kmippelgarde mit Universitätsdiplom herangebildet werde. .'Wir sind überzeugt, baßwenn der oben bezeichnet« Plan -zur Durchführung gelangt, hinsichtlich der Aoressaten, welche in den Rettungsdienst für hie Wiener Universität gestellt werden sollen, sicherlich der N n m e r n s clausus leine Anwendung findet. Unsere- Bolis genossen in der ganzen Welt werden, lygischerweise an ihre Mitarbeit bei der Rettungsaktion die Bedingung knüpfen, daß auch in der Verwendung derz von. ihnen aufgebrachten Gelder der heute an der Wienev Ünivexsiiät gehandhabte und fast ausschließlich, ge gen. Juden in Anwendung gebrachte Numerus clausus mlsgeschaltet werde/ Wir wollen gerne bei.der Rettung der Wiener Universität mittun und unsere Vo.llögeno-ssen im Auslände airfrufen, ihre besten Kräftezugunsten dieser Aktion einzusetzen, wenn uns vorher in einwandfreier Form die Gewähr dafür geboten wird, baß wir mit dieser unserer Arbeit nicht eine Ehrüisig- VQit gegen uns selbst begehen und die Wiener. Universität . wieder das wird, w as sie einst war und was sie /auch! in Zukunft bleiben muß, wenn sie überhaupt sein, will, dU Alma mater aller, die keinen Unterschieb-zwischerr' Jüngcrnr macht und sie alle zu wahren' Kullurnlenschen erzieht.. __ Die j»goslawischen HanLeSsverLrLge. Laibach, 29. Oktober. (Privat.) Der Handelsnertrag mit Oesterreich, ber provisorisch bis Ende Oktober verlängert worden war, ist bis auf weiterer erstreckt worden. Das Handelsübereinkommen mit Deutschland wird auf vier Monate verlängert. — Italien hat die Einfuhr von Kartoffeln aus Jugoslawien verboten. Englands Schuld an Amerika. London, 29. Oktober. (Tel -Komp.) Auf eine Anfrage im d'unam-iit erklärte der Frnanüekretär, daß die Schuld Groß-» britann-enS an die Bereinigten Staaten 14 Millarden 166,318.354 Millionen Dollar betrage. Demission des portugiesischen Präsidenten. Pari«, 29. Oktober. (Tel.-Komp,) Der »Malm* erfährt ■iüä Llssabon, daß der P r ä s i d e« t der portugiesischen Re« publik demissioniert habe. Das Parlament werde demnächst z«- 'ammenberufen »erden und Neuwahlen ausschreiben. Die gegenwärtige Regierung wild durch emKvalitivnSkabineit ersetzt, dessen Mitglieder durch den Präsidenten der Republik ernannt werden. Der Ministerpräsident darf keiner politischen Parlei ««gehören- Weder weiße, noch rote Diktaturl Lyon. 29. Oktober. (Tel.-Komp.) Am Schluffe des zweiten LitzungstapeS der radikalen Partei Frankreichs wurde ein Antrag deS Abgeordneten Archimbaud angenommen, der das Programm der Partei folgendermaßen umschreibt: Weder w e r ß e. noch rote D i k 1 a t u r, weder Reakuon, noch fftevoluüon, weder Rom, noch Moskau! Es wurde ferner deschloffen, den Namen der Partei in »Radikalsozialistische Partei*' adznändnn. Das Attentat auf Pilsndski. Lemberg, 29. Oktober. (Tel.-Komp.) Unter dem Verdacht der Mitschuld an dem Attentat gegen P t Is.u dski wurde hier der bekannte ukrainische Rechtsanwalt Dr. Stephan Daran verhaftet. Der Zwischenfall von Grasli^. Prag, 28. Oktober. Ueber die Vorfälle in Hcaslitz liegt bisher bloß die erste amtliche Meldung vor. Der ^Tribuns" zufolge fanden sich Abgeordnete und Senatoren des deutschen parlamentarischen Verbandes beim Ministerpräsidenten ein, um mit ihm über die Ereignisse in Graslitz und andere mit der gegenwärtigen Lage zusammenhängende^ Fragen zu verhandeln. (In Graslitz wurden vorgestern elf Deutsche bei einem Zusammenstoß mit dem tschechischen Militär erschossen.) Prozeß gegen Michael Karolyi? Budapest, 29. Oktober. (Ung. Tel.-Korr.-Bm.) Montag beginnt vor dem Budapester Gerichtsbof der Prozeß gegen den Grafen Michael Karolyi auf Grund des Gesetzes, betreffend die oermögensrechlliche Verantwortung von Hochverrätern. ie erste MesmsmMz iles Wirt 1*4J IJ IHM ' Am 13. b. M. fatdb m London die «rlste Jahresversammlung des Wirtschaftsrates (Economic Board) sü« Palästina statt. Den Vorsitz führte Sir Robert Va le y- Cahn, welcher an Stelle des am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden des Exekutivkomitees, Minister Alfred Mond, die von Mond verfaßte» pwgramrnatischen Erklärungen ab gab. Darin wirb ausgeführt, daß der Wirtschaftsvat für seine Tätigkeit die Mitwirkung aller brauche. Sir Mond rechnet damit, daß jeder englische Jude es als besondere Verpflichtung fühle, der britischen Regierung und der britischen Nation in der Ausführung der schweren Aufgabe, welche sie für die Juden der ganzen Welt auf sich genommen, haben, beizustehen. Der erste Weg, um die Balfour- Deklaration mit Erfolg durchführen zu können, sei die Schaffung von wirtschaftlich gesunden Unternehmungen in Palästina, wie die Ausnützung der Wasserkraft, der Bau von Häfen- und Häusern, die Gründung von Kreditanstalten, Schaffung von Industrien und dergleichen. Dazu seien große Kapitalien nötig, welche man jedoch erhalten könne, wenn die Mitglieder die Ueberzeugung; haben, daß die Unternehmungen auf gesunden Grundlagen geschaffen und richtig verwaltet werden. Dafür zu sorgen, sei Sache des Economic Board. Dieser soll auf 50. Mitglieder ergänzt werden, weshalb eine Werbnngsaktion notwendig sei. Das zweite Prinzip des Wirtschaftsrates sei das der Zusammenarbeit mit anderen Körperschaften und der Koordination alter Arbeiten, welche sich auf heu Aufbau der Palästina- Wirtschaft beziehen. Daher begrüßt der Board die Vertreter der zionistischen Organisation und der .Jea, welche ihre Mitwirkung zugesagt haben.. Es liege auch eine Zusage auf Mitarbeit von ameri kan ischen Körperschaften mit gleichen Aufgaben und Anschauungen vor.. Zum Arbeitsprvgrarnm wurde ausgeführt, daß Palästina, wie bekannt. am meisten elektrische und Wasserkraft benötige; diese kann aus dem Jordan und anderen Flüssen erhalten werden, sowie durch den Ausbau der Häfen. Unternehmungen dieser Art sind also besonders wichtig und zugleich auch produktiv im vollen Sinne des Wortes. Demgemäß wird das Rnthenberg-Projekt einer großen elektrischen Kraftstation konkrete Form annehmen, sobald die nötigen Kapitalien aufgebracht werden können. Der Hafenausbau ist auch' schon der Verwirklichung näher-- gerückt und man hofft in Kürze zu den Borbereitungsarbeiten der Bodenuntersuchung und dergleichen schreiten zu können. Der Wirtschaftsrat wird bei diesen beiden großen Unternehmungen wichtige Funktionen auszuüben haben. UeberdieS Kegen ihm eine Anzahl Mineree Projekte vor, welche die Grundlage für die Entwicklung bestimmter Industrien bilden könne». Um diese per-- schiiürenen Projekte zu verwirklichen, hat der Board die Gründung einer Gesellschaft unter dem Namen Pa lest ine Company mit einem Stammkapital von 200.000 Pfund beschlossen. Aufgabe dieser Gesellschaft ist die Finanzierung aller dieser Jndustrirprojekte, sobald sie an Ort und Stelle begutachtet sind. Zn dsr wichtigsten unter ihnen gehören HänserLauunternehmuM' gen, ferner eine Import- und Exportgesellschast, zwecks - Ein- Und Ausfuhr von Waren, sowie speziell der Ausfuhr von Palästina nach Transjordanien. Die Schaffung einer solchen Gesellschaft liegt im Interesse her palästinensischen Regierung, die muh bereit ist, mit ihr einen Vertrag auf Durchführung von Post- und Militärtransporten nach Transjorbamen zu schließen. Ferner wird die Produktion von verschiedenen Artikeln, welche bisher emgeführt werden, wie zum Beispiel Salz, beabsichtigt. Zn einer Unternehmung für Salzgewinnung sind 40.00.0 Pfund notwendig, davon steuert die- Hälfte die Jca bei. „Es ist kein Zweifel — schloß Sir Cahn — daß die Körperschaft, welche rentable Industrien in Palästina schaffen wird, damit der Mischen und der britischen Sache einen großen Dienst erweist."* Nach den Ausführungen Sir Cahns ergriff James Rothschild das Wort und drückte dem Vorsitzenden der Tagung den Dank für seinen reg»rn Anteil an der Organisierung des Board und der- Palestine Company aus. Er teilte ferner mit, daß Sir Herbert Samuel ihm in Palästina gesagt habe, er wünsche sehr, baß englische Juden leitenden Anteil an der Ausführung aller vorgeschlagenen Projekts nehmen, da. sie die finanziellen und politischen Schwierigkeibsu der palästinensischen Mandatsregierung kennen und ihr mit allen Mitteln behilflich sein sollen.' Auf Anfragen der Herren Selig mann und Sir Wolf Cu ck teilt« der Vorsitzende mit, daß der Londoner Wirtschaftsvat mit dem amerikanischen Board in regem Kontakt stehe. Zum Schlüsse legte er der Versammlung eine Darrkresolution an James Rothschild vor, die einstimmig angenommen wurde. In das Exekutivkomitee des Wirtschaftsrates wurden gewählt: Minister Alfred Mond, Sir Stuart Samuel, Sir Robert Valey-Cahn, Albert Be lisch«, Baron James' de Rothschild, Leonhard L. Cohen, A. E. b'Avigbyr, Gvldsmith (Vertreter der Jca) und Josef Coden (Vertreter der zionistischen Organisation). Die Lage der Minoritäten in Lettland. Der lettische Staat, welcher beim „ Zerfall des Zarenreiches aus der alten russischen Provinz Kurland und einem Derbe des Gouvernements Livland sich, bildete, ist ein Nationalitätenstaat. Dennoch werden in Lettland die Rechte der nationalen Minderheiten — dies sind dort Deutsche, Russen und Juden — nicht nur nicht beachtet, sondern es herrscht in diesem Kleinstaat, der vor kurzem für würdig gefunden wurde, in den Völkerbund ausgenommen zu werden, ein System der Unterdrückung der .rytronalen Minderheiten, welche durch allerlei unduldsame Verordnungen in ihrer nationalen und wirtschaftlichen! Entwicklung gehemmt und gestört werben. Ueber die Lage der nationalen Minderheiten, besonders der als die Gruppe des schwächsten Widerstandes am schwersten getroffenen Juden in Lettland, erhalten wir von nichtjüdischer, also in Sachen der Juden gewiß nicht voreingenommener Seite sehr interessante Aufschlüsse, welche zeigen, wie notwendig die Verstärkung des Sch^ S der nationalen Minderheiten von außenher ist, über welche bei der Wiener Tagung der Völkerbundligen gesprochen wurde. Doktor Paul Schiemann, Chefredakteur der „Rigaischen Rundschau", Mitglied der lettischen Konstituante und als solches Vertreter der Deutschen in Lettland, welcher bei der Wiener Tagung der Völkerbundligen die drei nationalen Minoritäten in Lettland (Deutsche, Russen und Juden) vertrat, stellte uns reichhaltiges Material zur Verfügung, welches die in unserem Blatte schon oftmals besprochenen unhaltbaren Verhältnisse der nationale» Minderheiten, besonders der Juden, in Lettland deutlich aufzeigt. Dr. Schiemann weist vor allem auf die Schwierigkeit der Erwerbung der Staatsangehörigkeit in Lettland für die Angehörigen der Minoritätsnationen hin. Die lettische Gesetzgebung gesteht nur solche» ehemals russischen Untertanen das Bürgerrecht zu, welche aus dein Lande stammen und entsprechend der komplizierten ständischen Apparate des alten Rußland in eine der örtlichen' Stanheskorpvrativnen eingeschrieben waren. Diese Bestimmung bringt es mit> sich, dgß nur Personen, NHfthe seit dent Jahre 18 8 4 ununterbrochen in Lettland wohnen, Staatsbürger werden können, sofern? sic nicht Letten sind. Alle anderen gelten als Ausländer, werden in ihren Rechten beschränkt und sind stets dort der Ausweisung bedroht. Das Wohnrecht für solche „Ausländer", welche oft schon 20 bis 30 Jahre in Lettland wohnen, ist an eine Aufenthaltsbewillignng gebunden, die sehr schwer zu erlangen ist. Ist sie erteilt worden, so hat der zum Wohnrecht zugelassene „Auslarcker" 200 Rubel per Kopf und Woche für die Gestattung des Aufenthalts zu zahlen.- Letztens ist durch Ministerialerlaß Ausländern die Aufenthaltsbewillignng für Riga und Libau a priori abgesprvchen worden, wo-, durch das alte zaristische System des Ansiedlung §-> rahons wieder eingeführt wirb. Was die letztere Bestimmung insbesondere für die Inden bedeutet,,. ist daraus zu ermessen, daß Riga und Libau die einzigen bedeutenden Handelsstädte Lettlands find. Das Bürgerschastsgesetz in Lettlartd bringt es mit sich, daß bereits seit Jahren ansässige Personen nichtlettischer Nationalität, welche seinerzeit als russische Staatsbürger in dem heute lettischen Gebiet Land gelaust oder gepachtet haben, nunmehr als „Ausländer" von ihrem Grund Und Boden Vertrieben werden. Von dieser Sßcx*- fügnng werden insbesondere die deutschen Bauern betroffen. In einem an den Völkerbund gerichteten Memorandum der drei nationalen Minderheiten Lettlands wird daher gefordert, baß im Vertrag mit Lettland, ähnlich dem bulgarische» Fri-Äensvertvag oder dem Vertrag zwischen der Entente und Pole», ein Artikel ausgenommen werden soll, dnrch den alle ehemals russischen Staatsangehörigen — soweit sie keine fremde Staatsbürgerschaft erworben habe» — durch einfache Willens- Regenmäntel erstklassig: und billigst im Warenhaus Brüder Schiffmann

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