Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 989 (30.10.1921)
- Date
- 1921-10-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wrik 1 Sttfit, conmaß WLHrand di« militärischen Vorbereitungen in der ikschecho-Slowakei, Jugvsklwien und Rumänien ihren Fortgang nehme«, hat sich die große Entente doch entschlossen, ihrer Intervention bloß den Zweck der Vermeidung des Krieges vorzuschreibrn. Die z>vei Kardinalsvrderungen noch endgültiger Regelung der Hahsburger- Frage und der Entwaffnung Ungarns stehen heute auch, schon auf Lem Programm der Großmächte. Herr Pasie„der in Paris weilt, hat von dort «ns hem Gesandten S. H. S-Staates m Budapest den Auftrag erteilt, das Ultimatum noch nicht zu überreichen. Bezüglich der Thronentsagung des Exkönigs seien die Verhandlungen durch die ungarische Regierung im Gange, während die Mrüstung Ungarns durch die interallierte Kontrollkommission unter der Leitung des Generals Zuceari vorgenommen werden wird. Diese Kommission sei endlich mit ihren Vorbereitungen fertig und werde Ungarn nicht besser behandeln als Deutschland und Oesterreich. Die große Presse der Ententestaaten setzt sich kräftig für Horthh ein. So enthält die „Times" vc . 28. d. M. einen Leitartikel, der das Vorgehen der kleinen Entente gegen Ungarn als aggressiv verurteilt und die Ueberzeugung ausspricht, daß die Groß- «äch'7 eine Störung des Friedens verhindern werden! Nach den aus den Staaten der kleinen Entente vorliegenden Nachrichten ist anzunehmen, daß betreffend Überreichung des Ultimatums mit einer Verschiebung auf heute oder morgen zu rechnen ist. Diese Verschiebung wird einerseits mit der Einwirkung der Großmächte, andererseits mit den Erfordernissen der Mobilisierung begründet. , Oesterreich selbst hat weder an. der Beschleunigung der Ueberreichung des Ultimatums, noch überhaupt an einer Ueberreichung ein Interesse. Die Interessen Oesterreichs, sind aust^sießlich die Abrüstung Ungarns gemäß den Bestimgen des Friedensvertrages und eine 'solche Durchfüyrung der Volksab stimmung im Oedenburger Gebiet, daß die volle Freiheit des Volkswillens gewährleistet ist. Es muß übrigens bezüglich des Beschlusses der Botschafterkonfevenz, der das Abkommen von Venedig gutheißt, hervorgehoben werden, daß dieser Beschluß nur prinzipiell gefaßt ist. Die Zustimmung hat nur die Bedeutung einer künftigen Billigung der zwischen Oesterreich und Ungarn in weiteren Verhandlungen herbeizuführenden Einigung. Oesterreich behält durch diesen Beschluß der Botschafterkonferenz die volle Rechtsfrethvit, mit Ungarn über die Sicherungen bei der Volksabstimmung zu verhandeln und auf solchen Sicherungen zu bestehen. Die Verhandlungen mit dem Exkönig Karl dauern noch an. Sie werden vom Hofrat Kania und dem Fiirstprimas C ser no ch geführt, dem Kirchenfürsten, der Karl gekrönt und erst jüngst in einer seiner Reden zur Königsfrage erklärt. hat: „Solange Karl lebt, werde ich auf keines anderen Haupt die Krone des heiligen Stephan setzen!" Dev Exkönig weigert sich, das Abdankungsprotokoll zu unterzeichnen. Sollte er bei seiner Weigerung beharren, so müßte die Nationalversammlung zusarnmentreden, um die Absetzung der Dynastie auszusprschen. Die Botschafterkonferenz soll sich für die Insel Madeira als zukünftigen Aufenthaltsort des Exkönigs ausgesprochen haben, falls Portugal keine Einwendungen erhebt. Heute soll das exkönigliche Paar aus einen englischen Monitor gebracht werden. Andressy, Rakovszky und Dc. Gratz bt» ft:;':en sich im Gefängnis des Pester Landb-rztrkes. Sie haben dort drei gesonderte Zimmer und geneben auch sonstige Erleichterungen. Sie durften eigene Betten und Gebrauchsgegenstände dort unterbring-rn. tzlls erster unter den bekannten Legitünisten, die nach dem Zusammenbruch des Karl-Putsches sich zu Wort« melden, befindet . sich der Schwiegersohn des Grasen Andrassy, Markgras Pallavicini. Als eisr^as Mitglied der christlichnationalen Part-ri gehörte er zu den lautesten Stützen des heutigen Kurses und versäumte nie eine Gelegenheit, die Oktoberrevolution zu verdammen und gegen die sogenannte destruktive Presse auszutreten. Dieser selbe Markgraf Pallavicini, dem heute natürlich alle Blätter des Kurses verschlossen sind, äußert sich im oppositionellen Blatte „A Vilag" und schließt wie folgt: „Ich habe bereits Ladislaus Lu 5a cs um Verzeihung gebeten und ich glaube schier, daß ich auch die Oktobristen und auch Batthyatth um Verzeihung bitten werde." Zum Verständnis dieser Erklärung sei daran erinnert, daß vor mehrevrn Monate^ Graf Batthyany über Antrag des Markgrafen Pallavicini wegen dessen Stellungnahme gegen die Auswüchse des christlichen Kurses aus dem aristokratischen Nationalkasino ausgeschlossen wurde. Der „Temps" gegen die HabsLu rLLr, Paris, 29. Oktober. Der „Temp s* erklärt itr einer Polemik, man könne nicht scharf genug der Zumutung entgegentretett, daß Frankreich heimlich den Exkaiser Karl unterstütze. Das Blatt hofft, daß die Alliierten sich nicht begnügen werden, die Absetzung Karls zu verlangen, sondern die ungarische Äegietuttg verhalten werden, die A b s e tz u n g der ganzen D y n a st i e auszusprechen, wie dies die kleine Entente wünsche. Wiener TOCwgengeitttttg Das Ultimatum der kleinen Entente. Gra;, 29. Oktober. Die Grazer „% a g t s p o ftmeldet aus Laibach: Die Korrekturnote zum Ultimatum ist aus Prag eingelangt. Die Prager Negierung soll im allgemeinen bezüglich des Inhalts des Ultimarums mit Belgrad einverstanden sein, doch verlautet, daß sie besondere Punkte aufjtelle, und zwar: 1. Die Nationalversammlung in Budapest muß prinzipielle Erklärungen bezüglich der Absetzung Karls abgeben. 2. Unbedingte Durchführung oes Trignoner Vertrages. 3. Nichtanerkennung irgend eines Arrangements. 4. Schadenersatzleistung gegenüber der Tschecho-Slowakei und Jugoslawien bezüglich der Mobilisierungskosten. 5. Als Kompensation werden der Tschechy- Slowakei Bergwerke an der Grenze und Jugoslawien die Kohlenbergwerke in Fünfkirchen übergeben werden. 6. Vollständige Entwaffnung Ungarns unter einer besonderen Kommission, die von der kleinen Entente zusammengestellt werden soll. 7. Alle Führer der karlistischen Bewegung, die tschecho-slowakische oder jugoslawische Staatsbürger sind, sollen der kleinen Entente übergeben werden. 8. Antwort Ungarns binnen 48 Stunden. Für den Fall det Annahme des Ultimatums Verfaffung eines Protokolls, für den Fall'der Nichtannahme sofortige militärische Aktion durch die kleine Entente. — Aus Bukarest ist bis heute früh noch keine endgültige Zustimmung zum Ultimatum eingetroffen. Man erwartet die Antwort während des heutigen Tages. Die Einberufungen in Jugoslawien. Laibach. 29. Oktober. (Kore-Bur. Laibach.) Wie die Blätter aus Belgrad melden, hat der Ministrrrat in seiner gestrigen Abendsitzung beschlossen, drei Jahrgänge der zweiten und dritten Armeekorps zu einer sechswöchigen Waffenllbung einzuberufen, wie dies hinsichtlich der Jahrgänge der ersten und vierten Armeekorps bereits vor einigen Tagen angeordnet wurde. Die Einberufung der Rekruten ist verschoben worden. » Rumäniens militärische Vorbereitungen. Prag. 29. Oktober. Das Tschecho-slowakische Preßbmeau meldet aus B u k a r e st: Die rumänische Regierung beriet wiederholt über die durch die Ereignisse in Ungarn geschaffene Lage und Über d!e daraus sich ergebenden militärischen Maßnahmen. Es wurden Vorbereitungen getroffen, um nötigenfalls an der Grenze einige Divisionen aufstellen zu können. Eine polnische Erklärung. Warschau, 29. Oktober. (»Polnische Stimmm*.) Wie von unterrichteter Seite gemeldet wnd, erhielt der ptzMcsche Gesandte;n Budapest. S z e m K r k, den Auftrag, der ungarischen Regieimig mnzmeilm, daß das Holm che Kab.nckt dir Rückkehr Könla Karls nick, Ungarn als e.ne ernste Gefahr für den europäische« Frieden ansehe. Die Opfer des Putsche». Nach einer Meldung der Korrespondenz Herzog waren bei den Kämpfen der karlistischen Truppen mit den Horlhyschen bei B u d a ö r s und Komom insgesamt auf beiden Seiten 300 Tote und eine große Anzahl Verletzter zu beklagen. — Gestern vormittags hat in Budapest unter militärischen Ehren das Begräbnis dieser Opfer stattgefunden. Der Leichenfeier wohnten bei Reichsverweser H o r t h y, Erzherzog Joses und Erzherzog Josef Franz, sämtliche Mitgliedes der Regierung mit dem Ministerpräsidenten Grafen B e t h! e n an oer Spitze, eine Abordnung der Nationalversammlung, die Generalität unter Führung des Platzkommandantm Feldttiarschalleuttiants Sarkany, des Professorenkvllegiums der Budapester Universität und Vertreter der akademischen Iugendvtteine Die Botschäfteekonfeeenz hat es eilig. Patis, 29. Oktober. (Havas) Die Botschafter- Konferenz verständigte die Vertreter Oesterreichs und Ungarns, daß sie > das Protokoll von Venedig genehmigt habe. Der Eisenbahnverkehr mit Sesterteich. Budapest, 29. Oktober. (Ung. Tel-Korr.-Bur.) Der Eisenbahnverkehr nach Oesterreich über Ebenfurt ist wieder ausgenommen worden. Mit den übrigen Nachbarstaaten ist der Verkehr eingestellt. Nach Madeira. Paris, 29. Oktober. (Tel.-Kowp.) Der „Petit Pakistan" erfährt aus London, daß dii englische Ae» gitkung bei der portugiesischen bereits Schritte Unter» Nömrnen hat. um die Zustimmung Portugals zur Internierung Ex-Kötrtg K ä r l s auf der Insel Madeira zu erwirken. . , 30. Oktober 1921 jfc, $89 Ein Darrkeneirrbrrrch in Steiermark. Wien, 29. Oktober. Amtlich wich gemeldet: Gestern nachts wurde eine eigene Patrouille auf steirischem Boden südöstlich vonFriehberg yon einer ungarischen Bande angesallen. Pie Bande wurde vertrieben. Wir sich Horthy einen Sieg fahriziert. Budapest, 29. Oktober. Das Ungarische Telygraphen-Korrespondenz-Bureau meldet aus Oedenburg: Die in Sauer brunn eingebro ch enen österreichischen Truppen sind mst den Aufständischen zusammengestotzen. Nach kurzem heftigen Kampf wurden die Oesterreicher in die Flucht gejagt. Die Aufständischen haben keine Verluste. Wieviele Personen österreichischerseits am Kampfe teilnahmen und wieviele Verletzte sie haben, ist unbekannt. Während des Gefechtes ichossen die Oefterceicher auf den in Sauerbrunn hallenden Personenzug, so daß der Zug vor der Abfahrtszeit nach Retfalu dirigiert werden mußte, um dort die. regelmäßige Abfahrtszeit abzuwarten, Hiezu wird dem Telegraphen - Korrespondenz- Bureau von zuständiger Seite mitgeteilt: Am 28. Oktober wurde gegen 4 Uhr nachmittags eine öfters reichische Patrouille westlich von Sauerbrunn auf österreichischem Boden von etwa 20 bewaffneten Magyaren angeschossen. Das Feuer wurde erwidert. Auf eigener Seite sind keine Verluste zu verzeichnen. Es wurde kein Eisenbahnzug gesichtet und auch nicht beschossen. Die Meldung des Ungarischen Korrespondenz - Bureaus zeigt zur Gänze die bekannt tendenziöse Schreibweise, durch die magyarisches in österreichisches Unrecht umgedeutet werden soll. Die Rettungsaktion für die Wiener Universität. Lr—. Wie«, ro. Oktober. In den allgemeinen wirtschaftlichen Nöten, in denen sich die österreichische Republik befindet, geht dem Kulturmenschen die besondere Not der Wiener Universität, der uralten Statte wissenschaftlicher Forschung, besonders nahe. Ihr Notschrei, der von Zeit zu Zeit immer schriller und immer eindringlicher ertönt, soll und wird nicht überhöht werden. In dev letzten Zeit wiederholen sich die Gefahrsignale dieser kulturellen Republik und es ist, begreiflich, daß die verschiedensten Pläne.zur Rettung der Wiener Universität auftauchen und zur Diskussion gestellt werden. Wir stimmen ohneweiters der aus den Kreisen der Wiener Universitätsprofessoren wiederholt laut gewordenen Ansicht zu, daß die W'ener Universität ans sich selbst letaus! nicht gerettet werden könne, und daß, wenn von außen her keine Rettung kommt, die Wiener Universität verelenden und dann völlig prgrundegehen, für alle Fälle aber ihre Stellung als bedeutendste und angcsehendste Hochschule des Kontinents einbüßen müsse. Die Sicherstellung der Existenz der Wiener Universität ist eine leben sw ich tigeFragesürWien, dessen Zukunft unter anderen auch von der Bedingung abhängt, daß es nach wie vor ein Anziehungspunkt als Kulturzentrum und als Stätte höherer Ausbildung bleiben will. Gegenwärtig wird ein vom Regiermrgsrat Klebinder vorgelegter Plan zur Rettung der Wiener Universität vielfach erörtert. Dieser Plan besteht iitti wesentlichen darin, baß in allen großen Städten und Kulturzentren des Auslandes sogenannte Rettung sko mite es zur Erhaltung der Wiener Universität gebildet werben. Die Wiener akademischen Kreise bringen diesem Plan Sympathien entgegen und Rektor Riehl rechnet bei Ausführung dieses Plans hauptsächlich auf die im überseeischen Ausland wohnenden Oesterreicher und Wiener, so baß wir, wie Seine Magnifizenz besonders betontquasi unsere Landsleute um Hilfe angehen. Wir stimmen selbstverständlich jedem Plane zn und sind bereit, jeder Aktion, welche die Rettung der Wiener Universität zum Ziele hat, gerne unsere Unterstützung zu leihen, wenn wir die Gewißheit erhielten, daß biejenigerr Kreise im Auslande, zu. welcher: wir sprechen, ihre Beiträge tatsächlich zur Förderung der^ unparteiischen und Vorurteilsfreien Wissenschaft < und nicht für eine Brutstätte des Vorurteils vollen RasseUatttisemitismus hergeben. Es ist vhnei Zweifel wahr, was Hofvat Dr. Konelius Doelier^ sagt, „daß es keilte Stabt der Welt gebe, in die- Vicht der Ruf unserer Alina nlüter gedrungen ist, in dev. nicht Mänuet, die den Geist der Wissenschaft aus Wien empfangen haben, leben würden". Aber der über^ wiegende Teil dieser Ausländer, vher im Auslande lebender ehe,naliger Oesterreicher gehört dem jüdischen Volte an. Und wenn sie dem Rufe, ihre Altna water fiii retten, Folge leisten, tun sie das in der Voraussetzung, daß diese Hochschule auch heute noch eine Stätte ist, die ail-än Wissenschaftsbeflissenen ohne Usttetschiid der. Volkszugehörigkeit in ltMngsschräukMn Maße zttgäuglich ist. Sie wissem nicht, daß an der Universität heute immer mehr Und' . Mhr de« Geist des MssenüUtisemitismus unter LehreM , Mb HökekN m Mn Geist m WwNet'WisfenschaftlW vStbrättgt Mb öerbilnkslt. Wir würben uns eiiier- Pfttchtbotgssferiheit gegen hts Ehre unseres Volkes, die iügiäglich äitf WienSi üküdbNltsclM Babe» in wvhr oder