Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 988 (29.10.1921)
- Date
- 1921-10-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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0*TfT2 Men. Samstag Zur Konferenz in Washington. Frankreich will Schutz gegen Deutschland. — Die Kriegrschulden — E nna «nd Sibirien. Aus Paris wird uns gemeldet: Frankreich beabsichtigt. die Frage des seinerzeit geplagten und dann saltengeiassenen j-ii chen Ai eia Vng* knb uub Frankreich in Washi^g an zur Spruchs zu bringen. In Beantwortung einer im Parlament an ihn >rerichteten Interpellation hat sich der Ministerprüsi'e:t B riaud in diesem Sinne au?g sprachen. Am 23, ftaui 1919 haben Wilson und Lloyd George einen Pakt w nt«'fertigt, welcher ihre Staaten verpf ich'.et, Frankreich sofort zu Hilfe zu kommen. trenn es von Deutschland ohne tristi e: Grund angegriffen wird. Der an.eri- Sanische Kongreß hat bit Ratifikation des Vertrages verweigert, wodurch derselbe annuliert erscheint. Briand hat nun erklärt, daß er die Anerkennung des Vertrages durch Amerika in der allen oder einer neuen Form als Vorbedingung'dafür fordern wird, daß Frankreich au irgendeiner Abrüstung trilnehrne. Briand sch oß mit den Worten: „Wenn qlle> Gavautien dafür gegeben we'den, daß Frankreich nichts zu fürchten hat, dann wird Frankreich heim Abrösten nicht der letzte sein." Die in hiesigen und Londoner Blättern verbreitete 9?achricht, daß England zu Beginn der Konferenz den Antrag stellen wird, Amerika möge den Mijtzr.en die Schulten erlassen, wird von Reuter dementiert. Die amerikanischen BMder berichten hiezu, daß die Bcr'Hinigtsn Staaten nicht zulassen wollen, daß von den Schulden überhaupt gesprochen werte. In eing^veihten Kreisen wird htezu ken eckt, daß nicht! destoweniger hinter geschlossenen Tü.eu über die Schulden verhandelt werden wird, und zwar von amerikanischer Seile. Die politische Gruppe Um Borah und Genossen will ie.l erschienenen M'ichen mit strenger Entreibung drohen, wenn sie sich den amerikanischen, gegen Japan schielen Plänen nicht gez.e'gt zeigen sollten. Vamerikanischer Seite wird die Frage Chinas und Sibiriens als maßgebend für alle weiter'«» Verhandlungen in den Vordergrund gestellt werben. Amerikas Forderungen lauten: Offene Tür in China und Rußland, wirtschaftliche Gle'chstellung aller Mächte in diesen beiden Ländern Und Anerlennung der politischen Unverletzlichk.il Chinas und Rußlands. Nach Annahme dieser Forderungen wollen d'e ame.'i'anischen Marinesachverständigen Vorschläge für die Herabsetzung der Seerüstungen vorlegen. Aus alldem ist zu ersehen, daß die Konferenz nur dann zu entscheidenden Beschlüssen kommen könnte, wenn sie mit Amerika gegen Japan vorgeht. Es scheint aber ausgeschlossen, daß England in btejet Richtung Mitwirken wird. Politische Rundschau. Das «e«e Kabinett wirth Wie bereis berichtet, hat sich am Mittwoch das neue Kabinett Wrrth dem deutsche« Reichstag vorgestellt. Di« Debatte über die Regierungserklärung verlief sehr gemäßigt. Man hatte von. den Deutsch nationalen eine scharf« Attacke gegen Dr. Wirth erwartet, die blieb yus. A lerdingS haben sie ein ausdrückliches Mißtrauensvotum beantragt und Abgeordneter Hergt begründete eS damit, daß oie Politik der Regierung nur .Nachgiebigkeit kenne, während Widerstand in Deutschlands Interesse läge. Nachdem Dykboe Schückerrng namens der Demokraten der Entsandung des Aerhandlungskornnrissärs unter der Voraussetzung, daß darin keine Anerkennung der oberschlesischen Lösung liege, zugestimmt hatte, und namens der Unabhängige« Breitscheid das Verhalten der Demokraten scharf kritisierte, tpeil sie das Kabinett Wirth in sinnloser Weise gestürzt haben, erfolgte -nach 11 Uhr nachts die Abstimmung über den Vertrauensantrag Marx-Wels, wober 371 Stimmen abgegeben wurden, davon 830 für, 138 gegen den Antrag, 9 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Es ist eins groß« Mehrheit für die Regierung, di« aus d?r alten Koalition «nd aus den Unabhängigen besteht. Bkrtra»e«»vote« ftze Brw«s. Die französische Kamme« hat am Mittwoch die Inter- ^-liirüonsdebatts über die RoMmigspolitik nach «inn Schlußrede Briands be-ndigt, hex namens de« Regierung erklärte, eine Tagesordnung des Linksradikalen Mgnevut snzu» nehmen, in per es heißt, daß „W Kamme« di» Erklärungen sec Negierung billige und ihr das Perwauen ausspreche, saß sie das Prestige Frankreichs im Ausland tzeriLmigeu und den Fried kn. im Jnntzrn des Latches aufrechterhalten" werhe, Prese Tagesordnung wurde mit 400 gegen 90 Stimmen angenommen. Der Senat nahm am folgenden Tage nach den Erklärungen h«s Minister- Präsidenten Briand mit -01 gegen 9 Stimmen «ine Pqyesff oconung Berard an, in dex es heißt: In dW Augenblick, od sich Mlnifterpräsibent Briand nach Washington hegibf, v> sichert ihn der Senat fsfM BerfvauenI und zähst auf i!n«, daß er dis Rechte, Interessen unh hje Sicherheit Frank- -'"ich., verteidigen und dm Grundsätzen des Friedens, ser Gerechtigkeit und her Freiheit, Hst die Grundsätze her Republik sind, zum Siege verhelfen werda. Ba»d««lip i« Marscka« Aus Marsch an schreibt man Ups: Auf s»cher Mftz vurch hie mtitel- und psteuxopäischirn Gtnatqn ist brr b-^anuttz Jiaanzmalm Bauderllp, PrMimt der Ratwimt Uiys Wks«er MörAettzeit««g 297Oltiöber^ISL 1 Rr. WS An. nnsere gsehrte« ' Abonnenten! Ab 1. November beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung*. Wir ersuchen, die Vezugsqebühren umgehend zu überweisen, damit in der Zusendung des Blattes deine Unterbrechung elntrete. Ab 1. November treten folgende Bezugspreise in Kraft: A?-0!§neMSqt fKv Wie« WkoUn t’tti Ä®XPcbit cbtt in den V<rschle'Wiim) MSUÄUirtz Lkr. 300.— Sefterreittc Monatlich . , . . ..S«0- Tschechv-Skorynbei Wonntlich.KS 18.— Vo'eK monatlich . .psln. Mqvtz 500. — l>Lgostawien monatlich ........ Dinar 15.— Deutfchtand „ ..Mark 20.— Rumänien „ - . ........ Lei SO, — Bulgarien „ , .Lewa SO, - HovnBd .. .ho«, fl. 1.50 Schweiz .. FrcS. s — Gng!and n ......... sh 3. — Italien w . Lire Ameeiha n .Dollar —50 Frqnstxeich, Belgien monatlich..... 0 — EivZ erve vfchleib preis ad S0. Oht-per in Wie« Kr. H.«-, Zahlstellen: Heperreichifche- Pvftfpavhqflenksnty fWlen) 1S0.SSS Tfchecho-slow. Postsparkassenkonto (Prag) 50.351. Polnisches Postspayhqsieukrontj» (Warschau) 1S0.227. Deutsches Postscheckkonto (Berlins 108.722. AllmLnien <Ezernswitz>: Allgemeine Dep-fitenbank» Filiale ikzernvusiK. Ingoftswien: Postsvardsflenhonto (ttgvattri 40.085 Italien: Sooieti Itsllena dt Crsdtio eomtaerolsl«, Lriest Via '«Imlnl 80. Die V^rryaltttttg dsr ^Wiener Morge»z«?trr«g" «iti, H., SLsdschpatz« 1-3. Telephone 43-3-10, 44.0-88. *mamämn^.'-~—T€s\\Hl|^|lH|||i'H1liTWIMfflH IM ■WWlIHHlJytfHyniWriTWTMWIffMBiM Bane of Rcw York in Warschau awgelangt. Wir er Vertretern der Presse mitteilte. beabslck-tigt er an der Konferenz der Sukzessionsstaaten in Porto rose teilzunehmen, und hat ihr sein Projekt wegen Verbesserung der Valuta dieser Staaten bereits überreicht. Bei dieser Gelegenheit dementierte Vanderlip energisch die von der Presse verschiedener Länder gebrachten Mitteilungen» daß er irgendwelche geschäftlichen Transaktionen mit den Bolschc,v?kc:n abgeschlossen habe. _ Inland. Brm-esrat. Vorsitzender Lukas eröffnet die Sitzung mn 14 Uhr nachmittags. Der Bundesrqj: beschließt, gegen folgende Gesetzesbeschlüsse des Nationalrates kern« Einwendung zu erhebe«; Die NI.. Novelle zum Pensunsversicherungsgesetz, das ll. Kriegsanleihe-Uebernahmsgesetz (Berichterstatter Bi» baumer), daS Punzierungsgesetz (Berichterstatter Starhemberg) und das Gesetz, betreffe,ch Erhöhung von GeldauSgebingsleistungen (Berichterstatter Dr. Aienböck). Bundesrät« Hartmann und Genosss« überreichen eine Aufrayr a sich:« L-'iter des Unterrichtsministeriums, worin dieser ausgrsyrdert wird, den Universitätsprofessoren die Differenz zwischen den wirklich flüssig gemachten Bezüge« und den nach drm Besoldungsgesetz erhöhten Bezügen für die Heit vom Mörz biS Juli sofort auSzuhezahlen. Liqvidatto» der Sachdemoblttster»««. Offrzlell wirh perlauivart, daß die Sachdemobilisiernng, welche mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpsrn hatte, ihre Arbeit so weit gefördert hat, daß die Freigabe dev Depots bevorsteht. Andererseits ist die Verwertung der in her Verwaltung der Hanptanstalt für Suchd:mobilisierung swheMn Güter schon so mit USWschkltten, daß nur mH? relativ geringfügig« Bestände erühxigen, die eine weitere Ausrechterhaltung umsungrefchen, bei der sieiMden Tendenz der Löhne und RegMnslagen immer kostspieliger werdenden hipparaws der Hanptgnstslt für Sachdemsbikisterung nicht mehr alZ gerechtfertigt erscheinen ließen. Infolgedessen habe das Bundesmmisteripn, für Handel und Gewerbe die Liquidierung der Haupiqnstqlt für Vachdemyhilisiernng yn- MchM, welche längstens hig End« Juni 192Z be-! pchigt sein fall, — Die Sachdemobisisierung bedeutet wohl Mes der hranxigsten KaPi^l der öffentlichen Mißwirtschaft in Oesterreich, von der erst letztens der Prozeß gegen die Tabakhändler ehr deutliches Bild «ntvoklt hat. Die EvhShu^r, der Alkohslfterer. tzsm Finanz- und Budgetausschnh gelangte gestern di« Getrst nkesteurrnavelle! zur Verhandlung, Mg«-che newr Dr, Bauer steifte den Antrag, Hw Verhandlung der Gsträstkesteuernoyttw his zu den Beratungen über das Bu>idesfinanzyorsassungsgesetz zu veeiagen, Er beWrkW, WkM MSN eine Erhöhung der Tlfkoh'alsteuer vornehmen will, benütze man nnmer als Argument die Schädlichkeit des U-fohülgennsses, als ob man durch M« Erhöhung bep Sw»«« wirklich dem Alkphol wirksam bekämpfen könnte. Die Regierung erwart« auch tatsächlich van der ßuhöhung her G-ttkünkgsteue« kein« Nßmhufj» Einschränkung tflS Alkehalgennsses, Daß Resultat dieser GwueMhöhnm Wiche wieder sein, daß hie Auw tptztzdem in berstlben Mqg« konsu'niE, kn haß sich für Dinae Latn GM. ützM hMst. Düs erste materielle Steuergesetz, das gemacht werden soll, ist nicht eine Belastung des Besitzes, sondern eine Erhöhung indirekter Steuern. Der Finanzminister wmdete sich gegen die Vertagung. Der Antrag Dr. Bauers wurd« abgelehnt und in die Sp:z'ald.batte eingegangen. Polen ltderflimmt den Schntz der Danzjger Staatsbürger. D'« hiesig« polnisch^ Ges.-rndtschaft teilt mit: lbsber Auftrag ihrer Regierung hat di« polnische Gesandtschaft dem Bunbesmlnistexium für äußere Ungelegenheilen «in« Verbalnote übermittelt, ist d«« mitgeteilt wird, daß die polnische Gesandtschaft in Ausführung des Artikels 2 der am 9. Noveurber 1990 zwifthzen Polen und der freien Stadt Danzig abgtschlo'senrn Konvention mit dem Schutze der auf dem Geb!»tt der österreichischen Bundesrepublik rveilendem Staatsangehörigen der freien Stadt Danzig betraut wurde. Dieser Schutz wird den Staatsbürgern der frei-m Stadt Danzig unter denselben Bedingungen zugesichert wie jenen der polnischen Republik. Telegramme. Ei« Appell Herbert Sam«rl» «Nb General Deede» a» da» amertkaaischr Indentu«,. - Mw-Ns^, A4. Dktohep. Der «ns Palästina zurMgeki'h te Rabbi Teitdlöaum änßerttz sich gegenüber, einem W trete« des jütischen Korrespon''enzbureansj mit großer Zuf^:lenheit über W Ergebnisse seines Be*, sucheZ in Palästina und teilte mit, daß her High Com-! missioner und sein Zivilse'retär, General DeeheZ mit ihm. längere Besprechungen über das bisherige Ber-j sagen der amerikanischen Judenheit beim Ausbau Palä-j stinas gepf'a eu ha"en. Sir Herb«^ Samuel erklärtes wenn dis amerikanischen Juden es aufrichtig mit dem, Ausbau von Erez Israel meinen, dann müssen sie! schleunigst an den Häuser bau und an die Erteilung! von Hypothekar-Krediten schreien. Dies, sei! eine si^e e Anlage und verspricht gleichzeitig eine schöne! Dividende. Die Anlage von Mpitalien auf diesem <§£-■ biete bie'e hie gleichen Sicherheiten wie die Kapitals-! investierung in len besten Unternehmun en anderer! Länder. Es sei rn.ehr als verwunderlich, daß die anreri-! tanischen Juden irnmer so viel vom Aufbau Palästinas^' reden, ohne daß sie bisher praktisch etwas Vlenv.tnd* wertes geleistet haben. General Deedes war'in seinen Vorwürfen der mnerikanischen Judenheit gegenüber womöglich noch schärfer. Er sagte: „Ihr seid nöch immer über die vom High Commrssioner verfügten Einwanderung?besch!ränkunl'en ungehalten, obwohl ihr für die ins Land Kommenden einfach nichts vorber^'i^t habt. Erez Israel könne man mit schönen Reden nicht ausbauen. Hätte die Regierung zufälligerweise den Straßenbau nicht in Angriff genommen, io müßten auch die bi?l'«r hier befindlichen Reueinwanderer in den Gassen Hungers sterben. Ein derartiger Zustand hätte zu einer Katastrophe führen müssen. Sagen Sie Ihren BEern in Amerika, je mehr Kapitalieir von ihnen ins Land unh je mehr Häuser von ihnen zur Aufnahlu« der Einwanderer gebaut werden, umse größer wird die Zahl der Immigranten sein, die täglich ins Land werden Hineinströmen können. Sorgen Sie nur für so viel Arbeit und Beschäftigung, als wir unsererseits bereit sind, Leut« ins Land hereinzulassen, Man höre aus soviel zu reden und beginne tatsächlich mit dem Aufbau, dann wird auch kein Grund Kr Furcht vor den Arabern sein, welche in den ledten zwei Jahren keine l«! Tätigkeit von seilen der amerikanischen Juden gesehen haben." Die Araber «nd de« Fio«isteakon?;r-tz. B«rusakvMe 25. Oktober. (Jüh. Korr-Bur.) Die arabische Zeitung „Carmel" schlägt vor, di« Bsrivstet her verschiedenen arabischen nationalen Vereine zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenzübe ufen, u'.n über die Stellung der Araber g-genMr Hein Zion'stenlo'ngrsß in Karlsbad zu heraian und zu den auf hem Aor.greß gefaßten BeschlülsW Stellung zu nehmen. Et« vk«ttger Z«fam«enst»ß in Grastttz 11 Tot« «ntz 10 VkkW»nv«te. Praa» LS. Oktober. (Ttchechaslow. Pretzhur«) Die Prefseybleilung des Winistermms für Nationalyer" ieihigung meldet: Gestern um 8 Uhr nachmittags kam in Graslitz eine militärische AWenzabteilung an, hie au* SS Mann und L Osstrimn bestand, Auf dem Bahnhose wurde die Abtsilung von einer großen Ansammlung der Bevölkerung erwartet, die die dalbaten mit Lärm empfing, fie umringt« und mit Steinen hewarß Du Mannschaft bewahrte ttotzdem Ruh» und Diszivlifl und reagierte nicht auf die Insulten, Als die Abieilung unter bedeutenden Hindernissen auf den Hauptplah gelangte, fielen ans den umliegenden Häusem zwei Schüsse. Das mt das Zeichen zum Angriff der versammelten Bevölkerung. die den Soldaten die Gewehr» zu entreißen begann. Der Kommandant der ÄbteilMg gab daraus ResM zum Gchtehem E* wurden »l f H e r! u n r n fl»töt»r uns sehn verwundet. Zm Gichernna der Ruhe über den poilüschen Bezirk Graslik das SLarwreckL verbüttgt.