Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 988 (29.10.1921)
- Date
- 1921-10-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oktober. , Der Parteitag der österreichischen Zionisten, welcher heute abends eröffnet wird, steht vor einer programmatisch geklärten Situation. Der abgelaufene Kongreß hat die wichtigsten Probleme der zionistischen Gegenwart,, zumindest jene, . welche , sich auf Programm und Praxis der Arbeit beziehen und nicht die sächlichen Fragen des palästinensischen Wiederaufbaues betreffen, genügend .geklärt und eine gereinigte Atmosphäre sowie klare.Richtlinien für die künftige Zionistische. Arbeit geschaffen. Das . programmatische Festhalten 'an dem bisherigen' nationalen Charakter der Bewegung, die Betonung der inneren Einheit des ffidifchen Gesamtproblems und des unlöslichen Zusammenhangs zwischen Palästina und , der Galüth, dies sowie die Feststellung der kulturellen Aufgäben der zionlfti'chen Tätigkeit und der gewaltigen budgetären Auforderungen für das Aufbauwerk in. Erez. Israel stellen den festumrissenen Rahmen dar. innerhalb dessen sich die künftige Arbeit bewegen muß. Der österreichische Zionismus?' zu dessen besten Traditionen ein gesunder Radikalismus gehört, .er*, kenn! in jenen Beschlüssen des Kongresses Geist vom .eigenen Geiste und es ist nichts in ihnen enthalten, das. ihn. vor die unbequeme Mfggbe, des.Urnlernens Tellen müßte. Die Zionisten in Oesterreich halten, seit langem ..mit. ayer ^Entschiedenheit, an hem Grundsatz sMchaß ^lunchie GWltungKM^KMtülM?En fc-jen' BWegÜng? welcher sie 'über/ 'das. Wesen eines jirdl/chev. KMwerLes weit hmaushebt, die Schwungj)U lassen .... . Har hüMerzuleften. /d., 7 / . T;..* : 'iy_ Die 'Arbeit.1 welche also der bevvrstehendestPartei- W leisten st soll,„ wird. mehr ./prüktischew als pro- -MmmMrhenst Charakter zu Hagen . hüben. Eines näferer, schwierigsten Probleme bildet der Ausbau innerer zionistischen. O r g a n i fä t r o n. Wir haben ü. in zäher Arbeit dahin gebracht, haß ein großer Teil :pn Juden Oesterreichs, alle, jene Kreise, Welche.noch einen inneren .Zusammenhäng mstdem Gesamtjudentum empfinden und an eine größere jüdische Zükuüst. glauben, hertte. ans zionistischer Seite stehen. Wir wissen die Massen hinter uns und wenn wir nicht die Mehrheit für uns Hoden, jo wissen wir die erdrückende Majorität jener in unserem Lager, welche für eine jüdische AK tiv ir ä t überhaupt noch m Betracht kommen. Aber die Zchntaüsende vvn Wiener Juden, welche die zioniüstche Bewegung zu den Ihren zählen kann, sind bisher nicht in der erforderlichen Weise organisatorisch ersaßt. Der Rahmen der Organisation wird fester gefügt und. ihr Netz viel dichter geflochten werden müssen, wenn die zionistische Arbeit erfolgreich sein soll. Das vor einem Jahre geschloffene Organisationssystem stellt die geeignete Form dar, auf der sich weiterbauen läßt, aber nun gilt es, sie mit dem lebendigen Inhalt zu erfüllen. Dies wird freilich keinerlei Beschluß allein zu besorgen vermögen, sondern die Erkenntnis, daß in größerem Maße als bisher der Parteileitung Arbeitskräfte zur Verfügung stehen müssen. Es geht darum, die Zionisten Wiens aus der Beschaulichkeit, in die sie vielfach verfallen sind, aufzurütteln. Die Größe unserer Aufgabe wächst und mit ihr müffen unsere Anstrengungen Schritt halten. Die besten Absichten müffen zerschellen, wenn die Kräfte nicht vorhanden sind, um die ergangenen Weisungen auszuführen.. Dafür bietet die Tätigkeit der bisherigen österreichischen Parteileitung den besten Beleg. An Anstrengungen vo« ihrer Seite hat es nicht gefehlt, wohl aber an dem Echo für die ergangenen Parole«. In Oesterreich hat man im allgemeinen wenig organisatorische Fähigkeiten und keinen Sinn für die Notwendigkeit festen organisatorischen Gefüges. Die Zionisten Oesterreichs werden aufhören müffen, die eigene Organisation als ein Aschenbrödel zu behandeln, und werden darangehen müffen, einen Parteifondr zu schaffen, welcher her Organisation die nötige materielle Basis schaffen M. Sie werden i?*F*M*v müffen, daß keinerlei systenmuifto ■ ' wlcmae diese Fordermroen nichi. «liii' Ungarn m«tz den Friederisvertrag erfüllen. Prag, 28. Oktober. (Tschecho-flow. Preßbur.) Der Präsident der Republik empfing heute vormittags, am dritten Jahrestag der staatlichen Selbständigkeit der tschecho-flowakischen Republik, das diplomatische Korps, die Vertreter des Abgeordnetenhauses und des Senats der Nationalversammlung, die Mitglieder des Kabinetts, Vertreter der Armee und eine Deputation des tschecho-flowakischen Nationalraies in Gegenwart des Ministerpräsidenten Dr. B e n es ch und des Kanzlers Dr. S ch a m a l in feierlicher Audienz. Im Namen des diplomatischen Korps hielt der Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika R. C r a n e eine Ansprache, in der er die tschechoslowakische Nation beglückwünschte und seiner Freude angesichts der vollständigen Genesung des Präsidenten Ausdruck gab: Gerade am Vorabend dieses Nationalfeiertages, erklärte Eraneist es zu Ereignissen gekomipen, die den Horizont von Zentraleuropa verdunkeln könnten. Man kann aber hoffen, daß der Friede, dem sich 'Ihre Regierung und!-Ihr'Land mit Ergebenheit gewidmet haben, gewahrt werde gemäß dem Gesetzeder.Nationen und den Rechten der Völker. In Für Me^fMstMWöndllAjEM^^^ im Einvernehmen mit der g r o ß e n E n t e n t e vorgehen werden. Ich habe schon öfters erklärt, daß es sich uns um die. Ausrechterhaltung der A u t o r it ä t der.Ente.nte für Europa harrd^elt. In diesem Sinne haben wir während, des Krieges und nach dem Kriege gehandelt, und au?i diesem Bestreben ist die kleine Entente hervorgegangen. Diese war von den Verhältnissen in Mitteleuropa direkt diKtiert.Dadurch erklärt sich ihre Einmütigkeit in allen ernsten Fragen, welche die Organisation Mitteleuropas betreffen. Wir wollen den Frieden, wir wollen nicht den Krieg. Das ehrlose und unmännliche B o rg e h e n d e s Ex K aise rs b e weist für denkende Politiker, von welcher politischen I n h a l t s l o s i g k e i t die karlistisch-monarchistische Bewegung ist und wie sehr die politischen Ratgeber Karls die politische Situation mißverstehen. Seine monarchistischen Anhänger können sich nun Rechenschaft darüber abgeben, daß Karl nicht nur sich selbst, sondern gerade auch sein eigenes Prinzip, den Monarchismus, kompromittiert hat. Qui mange des Habsbonrg?, en raeurt. Auf die Ansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses erwiderte der Präsident Dr.Mafaryk: Die Nationalversammlung ist in der Republik, der politische Hauptfaktor. Wir haben eine parlamentarische Regierung, die nichts getan hat und nichts Um wird, wovon die Nationalversammlung mcht Kenntnis hätte. Unsere Republik bedeutet Frieden. Wir w o l 11n nicht den Krieg, wir haben ihn nicht v o r b e r e i t e t, wir wollen ihn nicht. Wir waren jedoch vorsichtig, und aüf der Wacht und darum waren wir, wie die Ereignisse beweisen, nicht überrascht. Wir hegen keine Wie richtig dies ist, geht aus einem Ueberblick über das bisher für den Keren. Hajeffod Geleistete ' hervor, welcher eines der wichtigsten Probleme des Parteitages bilden soll. Trotz aller Anstrengungen ist es bisher nicht gelungen, in den Zionisten Oesterreichs jene Opferwilligkeit und Bereitschaft auszulöse», welche allein den Prüfstein für den Ernst der Gesinnung bilden: kan«, und es ist selbstverständlich, daß' die großzügige Propaganda- und Sammelarbeit für unseren großen Ausbaufonds nicht angegangen werden kann, bevor jene, die zuerst heranmüssen, die Zionisten selbst, in vollem Maße ihre Dflicht erfüllt haben. Der Parteitag wird die Aufgabe haben, in dieser Hinsicht strenge Beschlüsse! von absoluter Verbindlichkeit zu fassen und allen Parteigckrgern die sofortige BeitraasLeistung für den Keren Äajessod iw Sinne Eroberungsabsichten gegen Magyarien. Nur müssen wir. beharren, daß die m a g y a r i s che R etz i e r u n g endlich die Z w e i d e u t i g k e i t e n ä u f g e b e. Wir sind in der inneren wie in der äußeren Politik für eine v e r st ä n d i g e, ehrenhaft e P o I i 11 k. V er ständige und eh rl i ch e L e u t e können mannhaft auch über . die schwierigste n P ro b l em e o h n e Kr it y einig w e r b e n. Wir b e st e hen auf den v e x* ein b arten Fried ensvertr 8 g? und fordern ihre loyale Erfüllung. Wir sind einic nt der Entente, weil wir eben nichts anderes als was mit ihr abgeschlossen worden ist. Natürlich h e rr s ch r zwischen nrns, Iugoflawien ünd R u m 8 nie n o o I I kommenes . E i n p e rnehmen. Das Einvemehmen der drei Mitglieder der kleinen, Entente ist deshalb so natürlich, urch selbstverständlich, well, aus der Erkenntnisder Furch den Krieg gegebenen mitteleuropäischtn .BertzDniffe ejrtstanden. Dje Mob i l i f i e r u n g b e b e:ii t c ti n o ch nicht d e n K r i e g: sie ist aber eine feft?; ernste Aktion, nicht nux in militärischem, sondern--auch! in-.polllischsm..Sinne, - Sie ist eine große Betastuno^- ptobei' 'Ünsire^MloMifiening war notwenWj! und' H'A bereit s e ine n -b e d t u t enden T e i l unseres Programms erfüllt. Unseren Alliierten ist es bekannt, daß die Budapester Regierung durc^ unsere Mobilisierung^ veranlaßt wurde, zu einer rascheren Lösung der Karl-Affäre zu schreiten. Unsere Mobilisierung .und unsere Entschiedenheit bedeuten also einen großen politischen Erfolg. Ich sehe' der Entwicklung und der Beendigung d er st arlist is ch en Af f.är e mit Ruhe entgegen. Unsere Republik wird im Innern und nach außenhin durch sie gekräftigt werden. Unsere Feinde halfen uns nur durch ihre Propaganda und ihre Aktionen gegen uns können uns Leinen Schaden zufügen, da wir dar Unberechtigte und Unwahre derselben zu enthüllen und zu entkräften vermögen, und gerade dadurch geben sie Europa ständig, neue Beweise dafür, daß unser Staat eine natürliche, historisch gegebene Schöpsuns^ und eine Bürgschaft des Friedens und der Ordnung in Mitteleuropa ist. England gegen ein AttimaLnw an Angar». Londo«, 28. Oktober. Das, Reutersche Bureau erfährt, daß im Foreign Office von einem Ultimatum der kleinen Entente an Ungarn nichts, bekannt sei. Man sei durchaus der Ansicht, daß der vormalige Kaiser entweder abdanken oder offiziell entthront werden muffe. In dieser Frage stimmen die große und die kleine Entente übereil Die englische Ansicht gehe dahin, daß für ein Ultimatum keine Notwendigkeit bestehe, da die Frage auf friedlich em Wege gelöst werden könne. Man sei der Meinung, daß der Friede aufrechterhalten werden müsse und daß eine finLnzielle oder territoriale Kompensation auf Kosten Ungarns mit i dem Friedensvertrag.nicht vereinbar fei. ■mm Ti... der in Karlsbad gefaßten Beschlüsse aufzutragen. Es sind Fragen vorwiegend praktischer Natur, welche diese Konferenz zu regeln hat, aber auf ihrer Erledigung beruht unsere gesamte weitere Tätigkeit, die systematische, Propaganda und die Arbeit der Volks-, sowie der viel zu wenig gründlich betriebenen Jugenderziehung ■ uitb ebenso der Ausbau unseres Schulwerks, die Arbeit der Berufsumschichtung und der Hebräisierung. Nur wenn wir der Organisation geben, was sie braucht. werden alle diese Forderungen erfüllt werden können, welche an das Funktionieren eines Parteiapparats gebunden sind, der kein mechanisches und geiftttziendes Instrument sein» sonder». Leu realen Unterbau bieten soll, aus dem sich die -esamte Tätigkeit der nationalen Regeneration und speziell der Ärbert iü? BaWiua entfalle« Lau». . f l «r._.^ ..J> *.^nrn- 3