Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 986 (27.10.1921)
- Date
- 1921-10-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Orike 2 Wien. Donnerstag Wiener 27. OKtvdtt IM Politische Rundschau. Der polnische Handelsminister Lber -en wirtschaftlichen Boykott der Inden. Aus Warschau wird uns geschrrebe»; Wie bereits Ct* ticftfcet, hat die Konferenz der jüdischen Kaufleute Polens, weiche schon vor einiger ZNt!» Lemberg tagte, dein Handels- Ministerium ihre Resolutiouen, welche sich auf den wirt» sck, aftlichen Boykott der Iub « n bezreh«», wie er in der Organisierung Me HanbelZverbindungen mit Nuß iE» in den Bestrebungen auf N atrsnatisisrung beS poü» nischen Handels und litt Gesetz über die Zwangssonn» t a g s r n h e zutage tritt, in Form eines Memorandums ülerreicht. Dom Handelsministerium ist nun an den Zentral» verband der jüdischen Kaufleut« ein« Antwort eingelangt, in weicher ausgeführt wird, daß die Bestimmungen über den Warenverkehr mit dem Ausland, welche am 19. Just i'.)20 erlassen wurden, auch für den Handel mit Rußland und der Ukraine Geltung haben; danach sei keine Möglich» leir gegeben, um Konsortien oder bestimmten Gruppen Halldelöprivilegien zu geben. Bezüglich Mk ttt dem Memorandum erwähnten Bestrebungen auf Nationalisierung des Handels wünscht das Ministerium die Angabe VöN konkreten Füllen, um bei vorgekommenen und vorkommenden Ungesetzlichkeiten die nötigen Schritte tun zu können. Der Forderung nach einer Novell«, welche die Arbeitszeit in Haydel, Industrie und Gewerbe regelt, werde durch die entsprechenden Vorschlüge des Finanzministers zur Verbesserung der Finanzlage Rechnung getragen werden. Wie sachlich die Antwort des Handelsministeriums ist, geht aus ihrem letzten Teil besonders deutlich hervor« die Forderung der Lembergsr Konferenz bezog sich daräuf, büß durch eine Novelle zum Gesetze über die Arbeitszeiten hts Zwangs s onniagsruhe für die Mische» Handel-und Gewerb.'unt?rnehmungen, welche am Sabbat feiern, aufgehobeit werde; d Vorschläge des Ftttattzministers Michülski über die Aer. .mg b:z Arbeitszeit besage» jedöch, büß die ächtstündige Arbeitszeit verlängert werbe, und dürften übrige»- an dem Widerstand der Arbeiterschaft scheitern. Der Hinweis aus diese Vorschläge ist also keine Antwort auf die Forderungen der jüdischen Kausleute und ebenso sieht es mit de» anderen Punkten der Antwort aüs. Politische Krise in Belgien. Aus Brüssel, 34. b. M.. wirb uns geschrieben: In iziner stürmischen Sitzung der Kammer ist die Krise zum Äusbrüch gekommen, und zwar aus Anlaß de< B.ra.uugen über die Wehrpflicht. Die Sozialisten fordern die sechsmonatige Dienstpflicht, während die bürgerlichen Parteien eine solche von 15 Monaten beschließen wollen. Die Mehrheit de; Minister treten unter dem Einfluß der französischen Negierung, welche die Stärkung der belgischen Armee anstrebt, für die längere Dienstzeit ein, während die sozialistischen Minister, vor allen Vanbervelde, unter keine« Bedingung nachgeben wollen. In der letzten Sitzung Ist es zum vffentti Bruch -wischen Bandervelbe und der Negierung gekommen. Die bürgerliche Mehrheit, Liberale und Katholiken, nahm eine Entschließung an, welche den liberale» Und latty»> tischen Ministern das Vertrauen und dem sozialistischen Minister Bandervelbe das Mißtrauen aussprtcht, weil er an Kundgebungen gegen die Armee teilgenommen hat. Die Sozialisten wollten durch Lärmen und durch das Gingen, der „Internationale" die Abstimmung verhindern, die aler schließ« lich stattsand und 93 bürgerliche gegen 97 sozialtstlsche Stimme,: ergab. Die Neuwahlen finden am 29. November statt. Di« Sozialisten hoffen, mit der Parole der sechsmonatigen Dienstpflicht den Kampf zu gewinnen Und Wollen mit Hilfe der Blänren, denen sie di« Trennung der Armee in wallonische (französisch-sprachige) und vlämisch« Regiment« zngesagt habe«, eine Regierung mit Ausschluß d«r Liberalen und Katholiken bilden. Die BerhaAvlrmge« wegen eines englisch-deutschen Abkommens. Berlin. 26. Oktober. Wie die Blätter melden, i'i der Präsident der Reichsbank Häven st ein mit mehreren Mitgliedern des BerwalLungsrales der Äerchsbünk nach London abgereist, m er die Verhandlungen über das wirtschaftliche- und finanzielle Abkommen führen wird. Der Besuch gilt, in erster Linie der Fortführung der Besprechungen mit dem Londoner Bankhaus Ro 1 hschil 8, die Lord Rothschild vor einigen Tagen persönlich in Berlin eittgelerret hat und die aus eine enalisch-anitrikaiiische Kreditanleihe für die AeparationszaMirgen Hinzielen. Jüdische Auswanderung aus Sswjetrußland. Wnfta'siinstzÄ. 23. Oktober. (Md. ftötr.4Btl?.) Es Anzeichen da,ür vorhanden, daß die Sowjet- -^isrung ihr Versprechen, die Auswattdsvek gewisser Kategorien zu begünstigen, tatsächlich tzlUlö-S. Seit einer gewissem Heit tbesisn h'.er kleine Auswanderertruvps fit; die Schaar en-Mee -tzä «tt hal-ptiächlich aber über Äaturn ein. Laut Aussage« der B"t.e.senden, besiehe sich die Erlaubnis zum Mrm'se.'t re? Lawes nur aus Fraueu, Ander und Greise, die d-rc Somjet-esiieruug Nüchlvkiien können, daß sie sich zu ihren Oerwaudten im Uü blande * begebe u. Es ist zu erwarten. daß diese Äuswauderuna in lmzsm größere Au^ehnuna annehmen wird. . , An Ausere geehrten Abonnenten! Ab 1. November beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung". Wir ersuchen, die Dezugsgebühren umgehend zu überweisen, damit in der Zusendung der Blattes keine Unterbrechung eintreie. Ab 1. November treten folgende Bezugspreise in Kraft: A? vnnement ftt* Wie« s.mm A''ba^n im oder in den SMdjteifcftelUii) «oUnttich Kr. 8Ü0. — Osstevreim monatlich. .......... .. ÄÖ£>, “• Tschecho-Stowabei MoNNtlich \ ÄÜ 18 — Boren monatlich.pol«. Mark 500 — Jugoslawien monatlich.Di«Sv 15.— Deutschland „ . .. Mark 20. — Rumänien „ .' Lei 30. — Bulgür vn * . . * * * . i . . Lkw« 80,*» toUand „• ......... holl. st. 1.60 chweiz Fvrs, 8." England a ■ : t , ■ , s . « sh 3, **■ Italien „ ......... Lire 0. Amerika „ .DoAar —50 Frankreich, Belgien monatlich. Fres. 6 — Ei«-, elher schleif, Pike iS ob SV. Oktober in Wien Kr. 14.-. Zahlstellen: Oesterreichisches Postsparkasienkonto (Wien) 150.803 Tschecho-slorv. Postfparkasfenkonto (Prag) 50,361. Polnisches Postsparkassenkonto <Warschau> 100.221. De«tiches Postscheckkonto (Berlin) 108 722, Rumänien (Czernowitz) - Allgemeine Depofitenban?» Fitrült Ezerstowitz. Jugoslawien: Postfparkaisenkonto (Agram) 40.0L9 Italien- Svöieiz!is!!s«a dt Credita cem«öpe!«lc, Dkiest VU Müzlnl SO. Gie Bsrwakitt«s sse.»Wiener Msr§etezErtieK" Wie«, tt.> La'ksvste-tz« 1--3. Lelephone 43.S-10, ^4-0-88. Inland. Der neue Ll)sMrTiavÄen-ÄrLdlt. Der Finanzausschuß hat gestern bl« Regieruiigsvorlags, betröffend die Ermächttgung zue Aufnahme eines n.uurlichc« Kreditvon 20 Milliarden Kronen, berat-n und de« C«twurf angenommen. Die französische Negiernng und dt« Krevitaktto«. . Gin* Erktärnng des Göf-ndte« Leledve.P»ntatis. Die christlich soziale Kocresp-ondenz Austria meldet: Der hiesige französische Gesandt« Lesevre-Pontalis hät namens der französ'schen Negierung der österreichisch.« Regierung mitgeteilt, daß seine Regierung bereit ist, der östevreichtschen Negierung, unverzüglich einen Vorschuß IM« 260.000 Pfund Sterling rrnf die. vorhergesehenen Kredite zu geben. Die Brtktige werben i» Wien in der Länderbank deponiert und solle» gegen Sch atz scheine auf Grund der Berpfltchtung, fie bet der desitiiüven Kreditgewährung zurückzuzahlen, übergeben werden. Die Regierung der französischen Republik, welche die Initiative zu den Hilfsmaßnahmen «kgrtsftn hat, ser weit davon entfernt, sich an der Oesterreich zu leistenden Hilfe als desinteressiert zu erklären, sie werde vielmehr ihrem Programm getreu bleibeir. Die Bedeutung bisier Versicherung kurz vor der Abreise des französischen Miilistetpräsidenden Brtand nach de« Vereinigten Staaten könne niemand entgehe«, umsomehr, als Bciand gemäß seiner Ankündigung bet de« Regierung in Washington die Derteidigung der österreichischen Interessen persönlich übernehmen wird. Dl« Konferenz von Portorose. No«, 29. Oktober. (Stefan!.) Die inrr vtsiammkütn Delrgürten der Ksnsirenz von % d 11 o t 6 f t haben M t Rücksicht daraus, daß mehrere Lelegierte auS verschiedene« Gründen ihr« Abreise der'chieben muhten, den Zniamuttns tust der Konülknz kndgüitig au! d,n W. Oiteber av'-e tiitiit Wien, 26. Oktober. Wie fcte ,HolttischS^ Korrespondenz" meldet, sind heute abends die österreichischen, poknischtzn und ungürtschrii Delegi-rtsn zur Konftrenz nach- Poktoroft ubgereist. Zu gbsickM Zeit hoi m sich auch die Giene« EntSnteveLtvöLSr, die an der KonMnz tellneymett, noch Portonosö begeb'stt. Prs^ 26. Oktsbet. (Tschechü'stötp. Pkchbltt.) Die tichechStslowaKischt Delettanon für die Kottftttkz von Ponorose reist mvtM abends von hier ab. Stochmal» die Kooftlstoesoertreter im Wiener Landcsschnlrat. gm Ausschuß sür Erziehung und unterricht wmU geslM bas Gesetz, betress-sttd ASändernug dvs G ch u la u f s i ch L s g s s g tz « s für NiehstSster"Älch, refftiN vom Wt'Malrat ursprüitIlich btzschlosfötte Mrm dse BundcZM zum zweiten MülL Einspruch. St» Men hottö, in BÄLatüng gSPyen. Abgeordneter Hnnsch o\ bvanLragts feil AnnüM« des GM«S in der vom Mtiisnattat beschlossenött KüssUNg. <Tstttl<il-..^ Mt koNsessiSttSv-rttSM <4n MMtzsch ulrat.) WgSörbnötLr Glöekel stellt U& Anrmg, aus km GkkMufsiHtKMötz bi« Attrstuttg der OoMitouen kin LsndsSschLkrsL zu sttmütieM. M SS» .— Der Antrag Ku n schak würbe ab gelehnt, da< Antrag Glöckel mit den Stimmen der Gozialdemokratel und Großdeutsch^n zum Beschluß erhoben. Zum Te.ichterstatter für das HauS wurde Abgeordneter Glötkel bestimmt. Abgeordi^t^r KUnschak meldet« seinen Antrag als MinderheitSvvtum an. Der ntederösterreichische Landtag skr die Kepubiik. In der gestrigen Sitzung des Landtages von Niede'.öst«rreich hielt Lattteshaupunann Ma y«r eine Rede, in welcher «r den B-rschlüß de« Landesregierung mitjeisi.», sich unbedingt Nus den BodeN d«r Republik zu stellen. Er schloß mit einem Hoch auf die NepMik. Herauf wurde zur Tagrsochnung übergegangen und nach fast Lel-atteloser Beratung einzelnen Gön^ind«n Ilm logen und Darlehen bewilligt. Ein« größere Debatte fand negen angeblicher Mißstände in der Ackrrbauschule in Edelhof statt, zu deren Aufklärung die Landesregierung aufgesordert wurde, die strengste Untersuchung einzultziten und ehestens Bericht zu erstatten. . St« magoartschrr Urbrrfalltn Parndorf. Wien, 26. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Gestern nachmittags überfiel eine starke ungarische Bande in Parnborf eine von den Sicherungslruppen bei Bruck an der Leitha nach Parndorf zur Einbringung eines von de« Freischärlern zurückgelassenen MinenwerserS vargesendete Patrouille« Hiebei wurden ein HauptmäNN und fünf Wehrmänne« Von Freischärlern gefangen. Rach den bisherige« Meldungen sind die Gefangenen in Parndorf unverletzt uud sonst kerne Verluste etngetreterr. Die Hejjas-BSÄdite« itr Oedenvrrvg. Budapest» 26. Oktober. Seit heute mittag» ist Oedenburg von Banden unter dem Kommando de» Oberleutnanis Hejfas besetzt. Hejjar hat die in Oedenburg befindlichen Legirimisten emmaffnet. Zn Budapest wurde ein amtliche« Communiquö verbreitet, in dem die Tätigkeit de» Oberleutnants Hejja» gegen die Putschisten lobend hecoorgehoben und mitgeteilt wird, daß er sich derzeit in Oedenburg befinde und bereit sei, die Stadt beim Eintreffen der zur Aufrechterhaltung der Ordnung erforderlichen verläßlichen Kräfte wieder zu raumen und sie der Generalskommisstou zur Verfügung zu stellen. WStett der Hejick»-Bande« in Eisenftadt nnd in Mattersdorf. Wlener-RMrftNdt, 26. Dkbobcr. (Priv.-T«l.) In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben ble Hejjas-Banden, bevor sie abgezogen sind, um sich den gegen Budapest marschierenden Königstruppen anzuschließen, in Eise«stabt fürchterlich gehaust. Zuerst drangen die Banditen in die Le^exfavrik Leopold" Sprtzer ein und plünderten dessen Wohnung vollständig aus. Dis Familie Spitzer mußte flüchten, ihre ganz» Habe zucücklasfeud. Einen Beamten der Firma prügelte« sie mit den Gewehrkolben tot. Den Kellermeister Gabriel der Weingroßhandlung Wolf mißhandelten sie schwer und nahmen ihm 40.000 Kronen ab. Insgesamt mußten die Juden von Eistilstadt 300.000 Kronen erlegen. Bo« ihrem Abzug van Eksenstabt dränge« sie noch in di« Gast- und Kaffeehäuser ein und singen all« wehrfähigen Männer ohne Unterschieb der Konfession zusammen und zwange» sie, sich ihnen anzuschließen. Dagleiche geschah aus der Straße, Auch schleppte» fie eine ganze Reihe junger Mädchen mit, angeblich zum Kochen und Wäschewaschen. Schließlich führten sie Pferd« und Wage« fort, soviel Ihnen in di« Hände sielen. Sin« große Zahl VW Ortsbewohner« ist aus Sisenstadi geflüchtet. In MatterSborf erschiene« dl« Bandit«« im Gnschäfte des KultnSvorsteherS GprlnzeleS und erpreßten von ihm Stoff« auf Anzüge. Ais er sich beim Kommandanten beschwert«, kamen sechs Banditen und schlugen ihn derart, daß er schwerkrnnk darnieberltegt. An der .Grenze bet Reubörft und Neufeld herrscht Ruhe. Italienische Stimmungsmache gegen Sefteereich. lviMtzesi, 25. Vttob«r. (ltiig. <#««.) De, ÜMiiitche Gesandte Psittz Castagnsttä äußer.« sich etuem B« ichievstaltzec m „Mü .tM Hirlao" l.e e..ü «Li Meiner Ansicht «ach besteht -wische« dem Wstaurutionsversuch und der westungarischeu Frage keinerlei Zusammenhang. Ich kaun meinS seits der subleksive» Ansicht Ausdruck gckbeu, daß bas Äbkomtueu von Wnedig sin« v>ön de« letzten Sreiguisseil völlig zu sondernde "AttgelS^enheit ist und büß die vereitelte Konspiration auf bereit unveränderten Fortbestand Keinen Einfluß hübe» dünn. Ich hoffe, daß es gelingen wirb, die im jAvufe b«r WrlMdlungstt in Venedig getMsfenSn Ber-- t«invatU'»gsN voll kommen aufrechtzuerhattett. aar— - 'ttititf ttf ii MitUtster»»« w «U>m»te« Sr«,, SS. Oklübe«. Hw - ,.i.b aus Belgrad gement' ^achrisi.M üüß Ai a .si'n büiüM, daß die all'ünischs AregiÄmng in Lira na ei^s allgemeine Mobilisierung aller Män..ec vhu« Utttcksichisd d«s Alters attssMmr Habs,