Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 986 (27.10.1921)
- Date
- 1921-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis ^rtnn«er»tto»»preis«: fßitut »um ix bo »Tut'SffÄ ScxfUUitM«« <St«fif): r^onetUch. Smni Lv?^-. MU Vxfxttfxnk für Skx m* veperreichr . tlMN 340.— Lschech»-Li»w«k«i: . Mxxallich. .Ümm 18»— «ie»1«tjj,h»lich , 54.— ix 1ich«ch».sU>N»^ch»e «Ltz«X4 Uxßx«: M-mNttch. .»*,««, 70^— «ie»t»ljahrlich MjOw-» » «-«rtjchrr WttzrxxD. IxixMxtmr StMHrtU** . - ivtxar 15#—<1 *Si«txijLh»»tch . 4W-' Kronen Sinzelpreis S KrvneN tytlttt: { - - Z'.tnallty . . »larl SOßf*' ix Polxischer miß «•mtitfST^wuw* .«*i. _ 'dftiita: . Wr»m>tUch .... Met _ SixmSni«»: Mmmllich. ... Siet 96*- Schweiz ». d«r Urige SxiloU M«««l»ch. . . $nmc* 5^- RebeWimt x.Sid«t«tst?ati»x tü\*K .Be>,Taborstr. 1—» Leleph-x«! 44088, 4»»»» •* Uhr adexvS 9tt. »«8«, V«stspark,ff«i»»t, msß 0t t. 986 Wien, Donnerstag den 27. Oktober 1921 Jahrgang Erklärungen des Ministerpräsidenten Dr. Benesch. Prag, 26.Oktober. In der heutigen außerordentlichen Sitzung des Abgeordnetenhäuser gab Ministerpräsident Dr. Benesch eine Erklärung über dir Ereignisse der letzten Tage ad. Er stellte zunächst mir Genugtuung fest, wie rasch In der kurzen Fri st von drei Tagen seit der Ankunft Karls unter den Mitgliedern der Kleinen Entekte/ Einmütigkeit darüber erzielt wurde, daß der Äüsekthält Karls in Ungarn für sie ein vasvs Ml i sei und daß sie, wenn die.Angelegenheit nicht sofort durch friedliche Mittel und durch ein diplomatisches. Einschreiten erledigt werde, zu den energischesten Maßnahmenzu schreiten gezMngen sein würden. Diesem entschiedenen Standpunkte, erklärte Redner, haben sich auch" die Vertreter der großes Entente angtfchwsien. - Durch die Ried erläge der L a r! i ft i f ch e n T r u p p e n und - die - Gefangennahme des. E xk a i.sie.r s hat .sich die al l g tm e ln e Lage nicht -istn n g"6 t # Es handelt sich met" nicht um.die Person und die Dynasti e, sondern um weitaus mehr^ um 1 t i n gewiss e s Sch item in I entr al cur o p a und in Gu r o p a ü b t r h a ü p t und es wäre der größte M.hler, zu glauben, daß die Sache durch die E i n. MN c st u rr g e ines S ch u l di g e n er l e d*i g t W Gerade Hecke beginnen die e n t sch i e d e n st e n uM b e d e u'i s a mst e nVer h an d l un g e v Und Kd r b e-r eitun ge n, um-zu erzielen, daß sich We ..D i n g e . stich r nt e h r wiederholen. H besteht kein Zweifel, baß bef der Geltendmachung N , Fr.WestsojrtLräge.->-Feh'ler geschehen sind. -Es ist wahr, daß; »tan in ■ dieser Beziehung g ege n U n g a r n n t ch t f o e n e r g rfch vorgegangen isst wiächs hatte fein sollest. Tatsache ist, daß die irstMrische Gefahr im Westen unterschätzt wurde, daß lstan die innere Situation Ungarns nicht kannte und mcht sah, daß Ungarn von der politischen und sozialen Mvolutiön in Mitteftüropa am wenigsten berührt war. Die magyarischen Politiker haben im Auslande die phantastischesten Gerüchte über uns, Rumänien sind Jugoslawien verbreitet, um das Vertrauen zu Uns zu erschüttern. Daß sich dar Abenteuer ein zweitesma! wiederholen konnte, ist insbesondere darin begründet, daß man die Situation m den neuen Staaten nicht kannte, daß «an zu ihnen nicht das Vertrauen hatte, sie seien genug gefestigt und konsolidiert. Ich konstatiere mit großer Genugtuung, daß der Stand unserer Verwaltung, unserer Kommunikationen, imferer Finanzen und insbesondere unserer Truppen derart ist, daß wir mit der größten Ruhe allen Ereignissen entgegensetzen können. Die Mobilisier ungrvor der ei tunge n haben sich tob ello» vollzogen und es hat sich in diesem kritischen Augenblick nicht nur die Konsolidierung und Solidität der Lage in unserem Staate, sondern auch in -den anderen alliierte» Staaten gezeigt. Der Ministerpräsident erklärt sodann, er werde a l! e r t itn, damit die Liq u i d i.e r u n g der g e g e n w Lr t i g-e n Ereignisse mit den tz ü t l i chst e it Mitteln erfolge. Er werde bis an' die äußerste Grenze gehen, um nicht die energischesten Mittel anwenden zu müssen. Aber er müsse betonen, daß die Regierung vor den schärfsten und energischesten Maßnahmen nicht Halt. machen dür s e. (Stürmischer Beifall.) Unser Vorgehen, sagt Redner, wird in vollkommenem Einvernehmen mit den Mitgliedern der kleinen Entente sowie der großen Entente erfolgen. - . •> :;>J, NE - Mvve«. Dkw tMM^vrv'LLiW, -M»- -uisiK; o<:s. 'LiLUßc/n Dr.. B « u-u,.ch.rrklärd: -a«»n Jmgar K»rr«jpotth»ntiLU „MaLm", bp; neue ResrÄUrationZ- .versuch Karls veranlasse diekleine Elchmbe, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um in Zukunft jede "Aktion unmöglich zu machen, die die Konsolidierung Mitteleuropas verzögern öderen Gefahr bringen könnte. Die Tschecho-SÄtvaN werde,obgleich dm letzten Nachrichten aus Ungarn günstiger lauten, Tbfe Mobilisierung fort s e tz en. Die ungarische Regirrung scheine ihre Loyalität gegenüler den FrieLensverträgen letoesten zu wollen, aber mit Rücksicht auf die jetzige .Lage müsse man verlangen, baß sie den beweis nicht nur teilweise, sondern vollständig erbringe, möge es sich nun um die Ftage den Habsburger,--um die Entwaffnung-.ober'um Westungarn -Handeln. Durch die Mobilisierung utifo die örYlomaLischen Schritts wolle die tschecho-slvwakische Regierung -zur.. Sicherung der durch b.£ F r reden s v ertrage ge'chaff-tnsn Ordnung in Europa beitragen. Sie sei thiebei der 7länterstützung »der Msierten gewiß.... ^Man^ MlL---tzkeststu-ftHU' Habs- Ungarn De Mi L roa f f tt it n g sowie dte . L-ö sun g des b'u.r.gen l ä n d i s ch e n K'o st fl it k ts t verlangen.. Mast, rrme deutsche Kabinett. Berlin» 28. Oktober. Das Wölfische Bureau meldet: Das neue Kabinett setzt sich folgendermaßen zusammen: Reichskanzler und Minister des Aeußern — Dr. W i r t h (Zentrum), Vizekanzler und Schatzminister — Bauer (Mehrheitssozialist), Inneres — Dr. Köster (Sozialdemokrat), Reichsubehrminister — Getzler (Demokrat), Wirtschastsminister — Robert Schmied (Mehrheitssozialist), Ernährungsminister und gleichzeitig vorläufiger Reichssinanzmimster — Dr. Hermes (Zentrum), Postmmisier — G i e sb e r t (Zentrum), Arbeitsminister — Brau n. (Sozialdemokrat). Verkehrsminister — Gr o e n e r (Demokrat), Iustizmimsier Dr. R a d b r u ch (Sozialdemokrat). Das Ministerium für Wiederaufbau bleibt vorläufig unbesetzt. ' Berlin, 26. Oktober. (Tel-Komp.) Die heutige Reichstagssitzung wurde um V46 Uhr nachmittags vom Reichstagspräsidenten Löwe eröffnet. Gleich zu Beginn der Sitzung ergriff Reichskanzler Dr. Wirth das Wort und führte unter anderem aus: »Auf Grund des Auftrages des Reichspräsidenten habe ich die Bildung der Regierung übernommen, die ich Ihnen hiemit vorstelle/ Der Reichskanzler führte dann weiter aus: »Die neue Regierung hat in einer außerordentlich schweren Zeit die Geschäfte des Reiches übernommen. Als'ich mir nieine Mitarbeiter suchte, stand ich auf dem Standpunkt, daß es nicht angehe, das Schicksal des Vaterlandes .durch eine lange Krise der Regierungsbildung auf das Spiel zu setzen. Die Aufgabe, die als nächste und dringendste der neuen Regierung zur Lösung oorliegt, ist zugleich auch die ärgste und härteste, die einer Regierung zu teil werden karm. Es ist uns auserlegt, innerhalb kürzester Frist eine Stellungnahme zu der Entscheidung der Botschafterkonferenz über Oberschlesien zu finden und die mit einer solchen Stellungnahme verbundenen Entschlüsse dmchzusühren. Gleich der früheren Regierung halten wir die Entscheidung über Oberschlesien für ein Unrecht und für ein Unglück. Auch die neue Regierung ist der Meinung und betont es feierlich vor aller Welt, daß durch den Spruch der Botschafterkonferenz dem Deutschen Reiche und Oberschlesten schwerstes Unrecht Kugelügt wird. (Beifall.) Nach unserer Auffassung, die mit der aller gerecht Empfindenden identisch ist, verstößt der Beschluß «egen den klaren Wortlaut des Versailler Friedensvertrages und steht mü diesem Vertrag m schärfstem Widerspruch. Hilfe für Horthy. —y. Wik«, 27. Okcober. Herr Horthy nimmt Rache. Er läßt seine Landsknechte auf die Juden und auf seine politischen Gegner los.^ Staatsanwälte und Detektivs sind in Tätigkeit, die unbequemen Zeitungen demoliert der Pöbel, gegen die Juden Budapests sind die bewährten Räuberverbände der Erwachenden Ungarn und der Studenten mobil gemacht worden. Horthy will der ungarischen Gesellschaft seinen Sieg recht fest in die Erinnerung hämmern und da er jetzt die gute Position hat, gegeniiber den Karlisten die kleine und die große Entente hinter sich zu wissen, macht er ganze Arbeit. Die abenteuerliche Reise des Exkönigs hatte dem Horthy gezeigt, daß er .nirgends Sympathien besitzt. Alle Berichte aus Ungarn, die aus nichtoffiziöß Quelle kommen, stimmen darin überein, daß die chricht von der Ankunst des Exkönigs mit förmlichem Jubel ausgenommen worden war. Das gesamte Bürgertum und die geknebelte, ihrer Führer beraubte Arbeiterschaft hofften auf den. Sturz des Horthy und der MißrvüLschaft seiner in''alle einträgUchen Stellen eingemsieten Leutnants. Es zeigte , sich eine deutliche Scheidung Mischen Zivil und Militär: Das ZivU, bis auf die von Erpressung lebenden Erwachenden, war gegen Hörthy, das 'Militär für ihn. Die Entscheidung brächten die bewaffneten Banden. Horthy fitzt wieder fest ick Sattel. mtb ) kühltsein Mütchen an denen,- die aus seine Entfernung gehofft hatten, Paß er da zu. atzereK. an die Juden denkt, kann nicht wundernehmen. Sein Gesindel hat er bisher aus jüdischen^Taschen gezahlt und er hat erst vor kurze« ein^jüdisches Lösegeld von Hundert Millionen Kronen für den Szegedin« Oberrabbiner Löw eingesteckt. Nun kann er das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Er veranstaltet einen schönen Pogrom. Und Herr Hohler, der britische Oberkommissär, kann wieder an Lloyd George melde« : „Horthy is a gentleman!“? Die antisemitischen Exzesse der Horthy-Kanaille. deren Schauplatz vorgestern Budapest war, und die ,sich wahrscheickich noch fortgesetzt haben — die Nachrichtensperre ist inzwischen verschärft worden — waren zu erwarten. Es war selbstverständlich, daß das System der absoluten Kvntrollosigkeit sich nach seine« mit Jrjüfc des Auslandes errungenen Erfolg zunächst nach der Stelle des geringsten Widerstandes ausleben werde.- Die Juden Ungarns sind von aller Welt »«Wen und die Ententemijsionen, deren Hilfe vom Ausland her wiederholt angerüfen worden war, hatten Kein Interesse für die. jüdischen Opfer der Gegenrevoluüon. Da man nun den Pöbel der Straße am leichtesten in Bewegung bringt, wenn man ihm zuerst die Juden hinwirft, so hat Horthy eben auch jetzt dieses Rezept durch seine Mitlumpen befolgen lassen. Erst die Juden, dann die politischen Gegner. Es fragt sich, ob Horthy dieses Spiel noch lange treiben kann. Er hat etwas zu stark gesiegt und für das Ausland hat sich mit der Festsetzung des Ex-Königrpaares im Kloster Tihany sehr wenig geändert. Es hat eine monarchistische Partei eine andere besiegt. Unverändert, ja gestärkt ist das System, das, bar aller moralischen Hemmungen, ein Herd aller Revanchehetzen war, ist und bleibt, wenn ihm nicht der Garaus gemacht wird. Die Regierungen von Prag und Belgrad habey mit Recht alle ihre Maßregeln nicht gegen Karl von Habsbmg gerichtet, sondern gegen die bewaffnete Bande, die von'Horthy geführt wird und die zu einer Pest für ihr Volk geworden -ist. Es scheint, daß Ungarns gute Freunde wieder an der Arbeit sind, den Horchy vor dem GewUter zu schützen. England und Frankreich sollen in Belgrad' verlangt haben» daß allt militärischen Schritte gegen Ungarn unterbleiben. Der Erfolg dieser Demarche ist noch nicht bekannt. Doch wird gleichzeitig die all-, gemeine Mobilisierung aus Albanien berichtet, die sich nur gegen Jugoslawien richtet. Daß sie gerade jetzt kommt, ist nicht ohne Zusammenhang mü der ungarischen Frage.. Die magyarischen RLüber sollen durch die albamschen unterstützt werden. Wenn dieser Plan gelingt, dann lautet für Mitteleuropa die letzte Sjunde. %