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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-23 · Heft 982 (23.10.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 982 (23.10.1921)
Date
1921-10-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ar. »82 SSieit, Sonntag >ienev MnrALnzLinmg 23. Oktober 1921 Seite S für die Erhaltung der Republik zu opfem. (Rufe: Hoch die Republik!) Ich habe mich informiert, welche Vorkehrungen getroffen worden sind, damit etwaigen Zwischenfällen begegnet «erden kann. Es sind alle Vorkehrungen getroffen worden, um etwaige Zwischenfälle zu vermeiden. Ich hoffe, daß dieses Abenteuer von nicht langer Dauer sein werde. (Lebhafter Beifall.) Die Beratungen der Parteien. Erklarrmge» des Bundeskanzlers. Wie die Korr. Herwei meldet, waren die Vorftdube sämtlicher Parteien bis in die Abendstunden im Parlament versammelt und wohnten an ihren Beratungen auch die übrigen in Wien anwesenden KlubmiLgllLdcr bei. Es wurde sehr eingehend die durch die Rückkehr des Exkaisers nach Ungarn geschaffene Lage erörtert. Im Laufe des Nachmittags erschienen die Vertreter sämüicher Parteien beim Bundeskanzler Schober, «m sich über den Stand der Dinge zu informieren und ihre Meinungen auszusprechen. Die gegenwärtige Situation wird von den Parlamentariern zwar als eine sehr ernste bezeichnet, jedoch betont, daß volle Ruhe bewahrt werden müsse, und wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß auch die Bevölkerung ihre Ruhe bewahre. Auch wurde die Meinung laut, daß nichts unternommen werden dürfe, was von ungarischer Seite als eine Provokation aufgefaßt werden könnte, und daß alles vorgekehrt werden müsse, damit die Ereignisse in Ungarn keinerlei Rückwirkungen auf Oe st erreich haben können. In dieser Hinsicht konnte der Bundeskanzler den Parteien die beruhigende Mitteilung machen, daß zum Schutze der Grenzen die notwendigen Maßnahmen getroffen wurden und daß auch alle Anordnungen an die unterstehenden Stellen zur Aufrechterhaltüng der Ruhe und O r d n u n g i m Innern ergangen sind. Die Auffassung, daß der Exkaiser sich einer mächtigen Unterstützung erfreue^ gewinnt immer mehr Boden, denn er hätte sicherlich die Rückkehr nicht gewagt, wenn er nicht gewiffe Zusicherungen bekommen und einen 1 starken Rückhalt für seine Plane hätte. Die Rücklrehr des Exkaisers fei diesmal für ihn eine weit gejahrvollere als wie der Osterarrsflug nach Stein- «mcmger, denn wenn es ihm nicht gelingt, seine Pläne zur Durchführung zu bringen, dann ist das Geringste, was ihm droht, feine Gefangennahme und feine Internierung durch die Staaten der kleinen Entente. Es wird nun erwartet, daß besonders die D?f ch echo - S lvwa k e i und Jugoslawien energische Maßnahmen planen, weil gerade für diese Staaten die monarchistische Gefahr eine weit größere ist als für Oesterreich. Don einer sofortigen Einberufung aller N a t i o n a l r ä t e wurde deshalb Abstand genowtmen, weil die Abgeordneten, die weiter entfernt wohnen, ohnehin nicht früher als bis Dienstag nach Wien kommen könne«, für welchen Tag bekanntlich der Nationalrat zu einer Vollsitzung embemfen wurde. In der nächste» Woche werden die Pärteiklubs i n Permanenz tage» und den Abgeordneten strenge Anwesen heitspflicht aufgetragen worden, da dies die gegenwärtige ernste Lage ersordert. In Wien sowohl, als auch in Wiener-Neustadt fanden im Laufe de« Vormittags Beratungen sozialdtmokraüscher Führer und der Arbeitergruppen statt, um Abwehrmsßnahmen zu besprechen. Ehristlichsozialer Wiener Pnrteirat. Heute ««chmitta»ß versammelte sich »ater dem Vorsitze der P Ssident.n Dr. W e i r k i r ch » e r dcr we.trre Partiirat der Wiener chr'.filich'ojicjlen Partei. Vor Eintritt ht die Ta-eSordnnns berichtete über Einladung .der Vorsitzenden Nationalrat Dr. Seipel über die d » r ch sie Änl » nft deSKini-iKarli« 11 it ja t n . fieschaffen e Lage. Der Parteirat teilte einmütig die Änifasiring, daß dieses Ereignis sir unS lediglich als a n ß e n- No t i t i s ch e s in Betracht komme.' Oesterreich habe keine» Ä n l a f>, sich i» dieseAngelegenheit'einznm eschen. Der Parteirat betrachte rS alt die wichtigste Auf" gt-be aller besonnenen Elemente in diesem Staate, dahin 3« daß dieses Ereignis keine Störung der ruhigen (Sntomd* hififj der un8 nach sich ziehe, insbesondere daß nicht unüberlegte Schutte «ns österreichischer Seile ungarische» Kreisen eine» Borronn* geben, Oesterreich> zu beunruhigen. 'Die Wiener Garnison Lonfignirrt. Seit gestern früh ist die Garnison Wien konsigniert. Dje Truppen befinden sich in voller Marschadjustierung islft Stahlhelmen in ihren Kasernen. Weiter wurden verschiedene öffentliche Aemter mit Abteilungen der Bundeswehr besetzt. Vorbereitungen der Tiroler Heimwehre«. Innsbruck, 22. Oktober. (K. H.) Abends fand in den Stadtsülen eine Versammlung der Vertreter der Heimwehren statt, in welcher eine Reihe von LUXUS- und STIL- M Mass,*e Kre,seJ' MÖBEL In grösster Auswahl MÖBELHAUS .MANNE 4M Qualitätsware WIEN, VII. Schottenfeldgasse 24 Telephon Nr. 39-1*08 Maßnahmen für den Fall eines Putfches beschlossen wurde. Innsbruck, 22. Oktober. Daß I h t « I <t n b" fchrribt in Besprechung der Rückkehr des Exkaisers Karl, werru Wien der Versuchung unterläge, wieder die Kailersiadt zu werden, so wäre dann der Augenblick gekommen, d'er T i r 0 t seiner eigenen Wegzugehen deitze. UeSer die Aufnahme der Meldung von der Rückkehr deS Exkaisers bei der Innsbrucker Bevölkerung gibt die »Neueste Zeitung" der Meinung Ausdruck, dass ein monarchistischer Putsch in Innsbruck kaum Aussicht auf Erfolg. haben dürfte. Die Bewachung der wenigen Innsbrucker Monarchisten sei bereits eingeleitet. Ein Grund zur Beunruhigung sei nicht gegeben. VerhafLmrg zweier Monarchistischer' Führer. Aus Innsbruck wird gemeldet: Im Zusammenhang mit der Anwesenheit der Exkaisers Karl inOedenburg und der eventuellen Gefahr eines monarchistischen Putsches in Oesterreich wurden die beiden Führer der hiesigen Monarchisten Verth und Peirera in Schutzhaft genommen. Dr. Reimer über die Lage. , Berlin, 22. Oktober. Der Abgeordnete Doktor Renner äußerte sich gegenüber einem Redakteur des „Vorwärts" über den Handstreich des Exkaisers Karl und erklärte, daß in der Republik Oesterreich nur wenige Personen sich zu dem monarchistischen Gedanken bekennen. Man fei des Bundesheeres, das allerdings schwach sei, vollkommen sicher und daher werde es den Karlisteir niemals gelingen, in Oesterreich zum Siege zu gelangen. Um feine Ansicht über die weitere Entwicklung der Angelegenheit befragt, erklärte Dr. Renner, daß sie auch davon beeinflußt werde, ob das Kompromiß von Venedig zustande komme oder scheitere.. Auf alle Fälle werde es zu einer Auseinandersetzung zwischen Ungarn und der kleinen Entente kommen. Die große Entente sei an der gegenwärtigen gefahrdrohenden Lage infolge ihres bisherigen Verhaltens schuld. Die Versündigung, die man an Oesterreich begangen habe, deffen Ansprüche auf das Burgenland dmchzusetzen man Unterlasten habe, habe eine Lage geschaffen, die den Frieden und die ruhige Entwicklung von ganz Mitteleuropa auf das schwerste bedrohe. . Oesterreich rmd der Pritsch. Die Nachricht von den Vorfällen m Oedenbnrg und von der Bildung einer Regierung durch Rakovszky und Andrassy hat in Wien die stärkste politische Wirkung ausgelöst. Der Ministerrat tagte fast ununterbrochen teils in der Wohnung des Kanzlers, teils im Ministerium des Aeußer«. Es wurde zunächst die Bewachung aller öffentlichen Gebäude und die schärfste Grenzsperre gegen Ungarn verfügt. Alle monarchistischen Persönlichkeiten wurden unter Kontrolle gestellt. Am Nachmittag traten die in Wien anwesenden Mitglieder der Parlamentsparteien zu Beratungen zusammen. Der Kreisarbeiterrat hatte schon in der Nacht eine Sitzung abgeh alte« und beschloffen, die Bereitschaft der Ordnerorganisation auszusprechen. Eine Bewaffnung der Arbeiterschaft ist bis zur Stunde nicht erfolgt. Es besteht in den politischen Kreisen die Ansicht, daß alle Anstrengungen darauf gerichtet sein müssen, in Oesterreich Ruhestörungen zu verhindern. Man saßt den Putsch des Exkönigs nicht als eine interne Angelegenheit Ungarns auf, sondern meint, daß die Entente jetzt das ihre zu tun habe, eine Konflagration zu unterbinden. Der Schlüssel der Situation liegt bei Italien, das zwischen den Habsburger» und den Jugoslawe» zu wählen hat. Erscheint der italienischen Regierung die jugoslawische Konsliktsgefahr als dringlicher, so wird er eine Vermittlung versuchen. Politische RuNdschau. ' (giite DisLrrssto« WeitzMarm—Rorira*. In seiner Schlußrede bei der Generaldebatte onft oem zwölften Ziomstenkongreß hatte Professor Weitz^ mann bekanntlich unter anderem erklärt, die poli-» tische Arbeit in Frankreichs sei ihm schwer gemaW worden, da gerade zur Zeit der Verhandlungen über die Grenzen Palästinas in einem Pariser zionistischen Winkelblättchen ein Artikel erschienen sei, fct welchem Dr. Weitzmann als Instrument und Agent Englandsder für die britischen imperialistischen..Interessen arbeite, bezeichnet wurde. Es handelt sich um eineH Artikel in „Le peuple juif". Dr. Akrx Nor da.» bezieht nun die erwähnte Stellte in ■ Weitzrnanns Kongreßrede auf sich und veröffentlicht iw Londoner. „I e w i s h C h r 0 n t c l e" einen Brief, in welchem «r gegen Weitzmann Stellung nimmt. In diesem Brief schreibt Nordau unter anderem: „Dr. Weitzmann behauptet, ich hätte mich! bemüht, in einem Artist in den Spalten des „Peuple Juists ihn als Instrument' Englands hinzustellen und seine Tätigkeit so darzustellen, als hätte er den Zionismus dazu benützt, um den . englischen Imperialismus. zm ■ maskieren, uiy das Gebiet von Palästina für England'. zu bekommen, weshalb er auch' als englischsr Agent ' bezeichnet worben wäre. Ich erkläre, daß ich!' über die Grenzen Palästinas in meinem Leben nie em Wort geschrieben oder in der Oefsentlichkeit gesprochen habe.. Ich habe niemals über die französische Regierung im Zusammenhang mit den Grenzen Palästinas gesprochen, oder geschrieben; niemals habe ich in der Oeffentlich-i feit oder privat ein einziges Wort des Tadels gegen ' Dr. Weitzmann gesagt, durch! das ich ihn als einen! Mann hingestellt hätte, der den Zionismus als Maske' für den britischen Imperialismus benützt, welcher bezweckt, Territorien .für England zu bekommen. Ich! habe auch' nie das Wort gebraucht, welches mit Recht? als Verleumdung gegen Dr. Weitzmann bezeichnet werden könnte, indem ich ihn einen englischen Agenten in der Maske eines zionistischen Führers nannte." Der ungerechtfertigte Angriff Dr. Weihmanns ans' Nordau falle also ans shn selbst, denn es sei ko in. Grund vorhanden gewesen, der ihn dazu berechtigt Härte. Brirmi» über feine auswärtige Politik, Paris, 22. Oktober. (Havas.) In Erwiderung auf die Interpellationen erklärte Ministerpräsident B riand in der gestrigen Sitzung der Kammer: In dem Augenblick, wo er sich anschicke, an einer ernsten' Konferenz teilzunehmen, werde er nicht mit einem; halben Vertrauen einer kleinen Majorität dorthin gehen.,- Frankreich, fügte der Ministerpräsident hinzu, ist stark'' bis an die äußerste Grenze, aber es muß den' Imponderabilien der Weltlage Rechnung tragen. Heilte habe Frankreich' das Reckt, in sich selbst Vertrauen zu haben. Es gehe der Wiedetaufrichtung und seiner; Sicherheit entgegen. Man könne nicht behaupten, daß' die Regierung nichts getan Habe, um Deutsch tan bi zu entwaffnen. Deutschland habe 36.000 Kanonen Und '4 Millionen Gewehre abgeliefert. Man könne'von - der Regierung nur verlangen, daß sie die Ueberwachnng ' und die Kontwlle vetlängere. Ministerpräsident Briand führte weiter aus, daß er die Vertreter beim Leipziger Gerichtshof zurück-- berufen habe. Der Obersts Rat' habe beschlossen, die!/ Frage der Kriegsschuldigen wieder a u f z u n eh m e n, die Frankreich in contumaciam abzuurjeilen bereit sei.:. Die Kommission von interalliierten Juristen, die nach' einer npöglichen gemeinsamen Aktion suchen; habe noch Minen Beschluß gefaßt. Bezüglich der O r i e n t p v l i t i! erklärte der Ministerpräsident, daß jede Ursache zu einer Beunrnhigunggeschwunden sei. Die Regierung von Angora habe sich bereit erklärt, die Grenze Ziliziens im Einver-- nehmen mit Frankreich zn bestimmen. Der Ministerpräsident zählte sodann die Vorteile auf, die S Y r ie « aus dem Nebereinkommen ziehen werde. Ministerpräsident Briand kam dann .nochmals ansdie Frage - der aus dem Gleichgewicht geratenen- Wechselkurse zu sprechen und sagte, trotz diesesi Umstandes dürfe man die von Deutschland 'erwarteten' Leistungen nicht aus denr Auge verlieren. Deutschland habe die erste Fälligkeit bezahlt. Wenn die deut-' scheu Staatskassen durch die lange Dauer des Krieges erschöpft wurden, so hätten sich, dafür Einzelpersonen' bereichert. Die Negierung Wirth habe den guten Willen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, und bemühe sich ernstlich, den Verpflichtungen bezüglich der Entwaffnung in budgetärer Beziehung zu entsprechen. Deutschland müsse in den .Goldmarkwert darsteNenden. fremden Devisen zahlen, Großindustrie rmd Hochfinanz,, die Gegner Wirtys seien, führen indessen Waren mÄ' Kapitalien aus und kaufen JnduMen und Zeitungen im Ausland auf und wollen so xwber den Bankrott. Deutschlands herbekführen. Aber -Frankreich! läßt sich, nicht düpieren. Ganz Deutschland haftet solidarisch! für seine Verpflichtungen: Wir müssen es" Deutschland erleichtern, den übernommenen Verpflichtungen nachzukommen. Gegenüber dem Vorwurf, daß Loucheur mit Rat Henau konfnriert habe, be- Regenmäntel erstklassig und bilBigst im Warenhaus Brüder Schiffmann

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