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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-23 · Heft 982 (23.10.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 982 (23.10.1921)
Date
1921-10-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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SSf« 8vi,m»i 'Mk 4 Wi MsrKe»A«tt««K tont« der Ministerpräsident, daß LouckMr im vvlwn ^Einvernehmen mit seinen Kollegen gehandelt habe. Die Abgeschlossenen wirtschaftlichen Abkommen sollen Deutschland, mit dein wir in Frieden leben können, gestatten, seine Schulden ab Anträgen. Die Vereinbarungen binden uns nicht, sie stellen eine Art Option dar und haben in den vernünftigen Kreisen Deutschlands; den besten Eindruck gemacht. - . Hierauf wiederholte der Ministerpräsident seinen Entschluß, Frankreich auf der Washingtoner Konferenz zu vertreten, wenn ihm die Kammer mit großer Mehrheit das Vertrauen votiere. Frankreich habe nicht das Recht, sich von dieser großen internationalen Konferenz ftrnzuhalten. Es lverve dort Lewcisen, daß es kein Friedensstörer sei, wie man oft sagen höre. - Eirre SprachexaffLre in Leipnik. Wie seinerzeit gemeldet, war in Leipnik an den r-Ältlichen Anschlagstaseln ein Aufruf angeschlagen, in welchem der jüdischen Öffentlichkeit für den Fall, daß sie durch ihr Deutschsprechen die'Oeffentlichkeit weiter provozierte, mit dem Abbruch der geschäftlichen Beziehungen gedroht wird. In dieser Angelegenheit hat der deutschdemokratische Klub der tschechischen Nationalversammlung eine Interpellation eingcbracht, in welcher darauf verwiesen wird, daß der Ausruf die Stampiglie der Stadtgemeinde trug, daß daher die Plakatierung ordnungsgemäß bewilligt worden sei. Es sei nicht bekannt, daß die Entfernung der gesetzwidrigen Aufrufe durchgeführt und die Verbreiter zur Verantwortung gezogen worden seien. Der Vorgang stelle eine Bedrohung der gesamten deutschen Bevölkerung Leipniks dar, der bas Deutschsprechen verboten werde. Die Interpellanten verlangen, daß die Schuldtragenden zur Verantwortung gezogen werden. -x General Smrrtr über die Ansfichte« des Zionismus. Johannesburg, 18. Oktober. (Jüd. Kvrr.-Bnr.) Auf Einladung Mr. Morris Alexanders, seine Ansichten über den Stand der Palästina-Frage zu äußern, antwortete General Smuts mit solgelrdem Schreiben: „sobald ich in London eingetwffen war, wurde ich, von den zionistischen Führern aufgesucht. Sie legbrn wir die unselige Lage dar, die sich, aus den Jaffaer Unruhen ergeben hat. Die Folge dieser Unruhen sei die Einstellung der zionistischen Einwanderung und die Gefährdung der ganzen Politik des nationalen Heims gewesen. Ich beriet mit ihnen über die notwendigen Schritte, um die Angelegenheiten wieder einmal auf den richtigen Stand zu bringen. Hie-rauf sah ich Mr. Churchill, mit dem wir die ganze Frage eingehend besprachen. Es sind befriedigende Zusicherungen in bezug auf die Zukunft gegeben worden. Die Politik des nationalen Heims wird in dem volle n Ausmaß, m welchem Palästina geeignet ist, Einwanderer zu absorbieren, durchgeführt werden und wird gute Chancen für die Zukunft bieten. Ich teilte dies Dr. Weitzmann mit und sagte ihm, baß die Zukunft nun hauptsächlich von dem Ausmaß abhängt, in dem die jüdischen Gemeinschaften der ganzen Welt finanziell vorbereite t sind, eine ihrem Herzen naheliegende Sache zu unterstützen, die ein« der großen Hofsnungs- und Gerechtigkeitsbvtschaften Ist, welche als Ergebnis des großen Krieges uns zuteil ovurden. Dr. Weitzmann war zufrieden und dankte mir in warmen Worten für mein Interesse an dieser Angelegen heit." - ■ (General EmutS, der Mimster-rästdint vou Britrsch-Südafrika, ist bekanntlich einer der eifrigste« Förderer der zionistischen Sacke. In allgemeiner Erinnerung ist die prachtvolle Rede, d c er über dal zionistische Problem in Johannesburg gehalten Hai.' Dr. Bszssrryi oder Pster Zndranee? Zwischen Budapester und Szegediner Blättern wirb jetzt ein interessanter, wie, sie behaupten, historischer Streit ausgefochten. Budapester Blatter behaupteten nämlich, daß die Abolition des Prozessier des Szegediner Oberrabbiners Dr. Immanuel Löw auf eine Unterredung Dr. Wilhelm Vazsonhis mit dem Ministerpräsidenten Grasen Bethlen zurückzuführen sei, in welcher Bethlen sich von der Unhaltbarkeit der gegen Dr. Löw erhobenen Anklagen überzeugt habe. Diese Behauptung will das dem Feldbischos Patxr Zadravee nahestehende Szegediner Blatt „Szeged" nicht ruhig hinnehmen. Es stellt auf Grund authentischer Quellen fest, daß nicht Dr. Vazsonyi, sondern der „gütige Bischof $o-ec Zadravee den Reichsvvrweser Ävrthy zur EinstetPng des Prozesses bewogen habe". Pater Zadravee sei ftacn dieser Darstellung aus eigener Erfahrung der kornpettenieste Zeuge dafür, mit welcher Hochachtung Oberrabbiuer Dr. Löw sich über die Persönlichkeit Horthys geäußert habe. Die persönlichen Informationen des Feldbischofs hätten ihre Wirkung auf den Reichs Verweser nicht ve-rfehlt, und so sei es oem gutherzigen Pater, „wie schon so oft", zu danken, daß diese gute Tat vollbracht wurde. An die geehrten Leser der Wiener Tageszeitungen! Die in der letzten Feit neuerlich eintzetretene enorme Verteuerung aller; zur Herstellung der Tageszeitungen notwendigen Rohmaterialien, insbesondere -die horrende Erhöhung der Papierpreise, sowie die fortgesetzte Steigerung der Gehalte und Löhne zwingen die Wiener Tageszeitungen, die Abonnements- und Verschleißpreife abermals zu erhöhen, um den Fortbestand derselben noch zu ermöglichen. Trotzdem die Kosten der Herstellung der Blätter eine fast 300fache Steigerung gegenüber dem Friedensstande erfahren haben, weist die Vereinigung der österreichischen Tageszeitungen darauf hin. daß die neue Erhöhung der Abonnements- und Verschleißpreise bloß eine rund 100fache Erhöhung der Vorkriegspreise beträgt. Die gefertigte Vereinigung hofft, daß die geehrte« Leser der Wiener Tageszeitungen die zwingenden und unabweisbaren Gründe für die Erhöhung der Abonnements- und Verschleißpreife würdigen werden, und gibt der Erwartung Ausdruck, daß die geehrten Abonnenten und Leser il)rer gewohnten Tageslektüre trotz der geänderten Berhältniffe ihre Anhänglichkeit bewahren werde«. Hochachtungsvoll i? Die Bereinigung der österreichischen TagKSZSstnnge«. * * * ' Demzufolge betragen unsere neuen Preise ab 1. November 1921: Abonnement fftt Wie» (zum Abholer» im Exvedit oder i« de« Brrschleißstelle») monatlich Kr. 360. — Oesterreich monatlich^ . * 360. — Tschecho-Slvwakei monatlich .Kö. 18.— Polen monatlich.pol». Mark 500. — Jugoslawien monatlich . .L-K-L» » - Dinar 15.— Deutschland „ . . -JL« . . Mark 20.— Rumänien „ . . f*% . . >. . Lei 30.- Bulgarion „ .Lewa 30.— Holland „ ...... . . holl. ff. 1.50 Schweiz . FreS. S.— England . n . .fc. sh 3. — Italien » . Lire 6.~ Amerika „ . V. . Dollar —.50 Frankreich, Belgien monatlich. . . . . Fres. 0.— Einzelverfchleitzpreis nb 3V. Oktober in Wien Kr. 14.-. v. Zahlstellen: Osstcrreichifches Pvftsparkaffenkonto (Wien) 150.693 Tschecho-jlaw. Pvftsparkaffenkonto (Prag) 5S.SS1. Polnische- Postfparkaffenkonto (Warschau) 190.227. Deutsches Postscheckkonto (Berlin) 108.722. Rumäuie» (Tzernowitz): Allgemein« Depofitenbank, Filiale Ezernowitz. Ingoslawieu: PostsparKaffeuKonto (Agram) 40.085 Itatie«: Lovlvt» Itallana dl Credtto commerclale, Triest VI» Mazzlni SO. Die Berwaltnng der „Wiener Morgenzeitung" Wien, II., Taborstraße 1—3. Telephon« 43.3-19, 44-0.38. Es ist geradezu unheimlich', wie krampfhaft sich dieser blutbefleckte Pater Zadravee und Reichsverweser Horthh, die nahezu zwei Jahre lang den Oberrabbiner Dr. Lö w, ohne sich zu rühren, in der Haft schmachten ließen, mit einem Male bemühen, ihre Gerechtigkeitsliebe gegen Juden zur Schau zu tragen. Der Fluch der böse« Tut. „Daily Graphic" berichtet von der Erfindung eines englischen Hruptmannes Live ns, der einen Apparat zum Schleudern von gistgashältigen Bomben konstruierte, welcher während des Krieges bei der englischen Armee, star^ Verwendung fand. Es handelte sich um eine Art von Bombenwerfern, welche, längs der SchützengEen angebracht, mittels eines, Systems von elek- . irischen Drähten entladen wurden. Während des Krieges wurden nicht weniger als 200.000 solcher Bomben losgelassen und der Erfinder berichtet, baß der erste Versuch gegen das.Dorf Beaumond-Ha mel unternommen wurde, wo sich große Unterstände für die deutschen Reserven befanden. An jenem ersten Tage wurden 90 solche^ Bomben losgelassen und der Erfolg ergab 300 bis 400 durch bas Gas getötete deutsche Soldaten. Interessant ist dabei, baß Hauptmann Livens seinen Gaswerser erfand, um die 1100 Opfer der „Lu sita nta" z u r äch en, unter welchen er eine Zeitlang auch seine Fr au vermutete, welche, Ameri- . kanerin von Geburt,, aus diesem Schiffe nach England zurückkehren sollte, aber mit einem anderen heimkehrte, weil sie keinen Platz auf der „Lusitania" fand. In jenen Tagen, da der Hauptmann seine Frau unter den Opfern der >*0ufHanta" wähnte, tat «r ein Gelübde, mindestens 1100 Deutsche zu töten, um die Opfer der „Lusitania" zu rächen, und wie man sieht, hat er reichlich sein Wort gehalten. W Mod» r-A >. 598 * i—.....**' "r i*"- " ■’- Znlayd. etftbtetag. Im Rathaus begänne« gestern die von Vü Mitglieds- Gemeinden mit 93 Vertreter« beschickte« Beratungen her 5. Hauptversammlung des Deutschöstcrreichischen'StädtebundeS. In feiner Eröffnungsansprache führte Bürgermeister Ren mann «uS: Die sprunghaft anwachsende» Ausgaben können mit den alten Mitteln der Umlagenwirtschaft nicht' mehr bedeckt werden. Aber auch die Dotationen und Dar-. lehen des Bundes haben sich als vollständig ungenügend er-> wiesen. Die Vertreter der Städte haben sich heute ver-; sammelt, um zu der Regierungsvorlage über die Teilung' d er Steuern zwischen dem Bund, den Ländern und den. Gemeinden Stellung zu nehmen. Obwohl nicht verkannt, werde« darf, daß die Vorschläge der Regierung gegenüber' dem früheren Zustand einen Fortschritt darstellen, will ich doch feststellen, daß andererseits eine Reihe von Bestimmungen in de» Entwürfen enthalten ist, die uns nicht befriedigen können. Hoffentlich, gelingt es, auch über diese Klippe hinweg' zukommen. Obmann der GeschSMeitun^ Vizebürgermeister Emmerling (Wie«), berichtete über die Tätigkeit des Bundes. Stadtrai Speiser (Wien) berichtete über die finanzielle Gebarung des StädtebundeS tat Jahre 1920. Amtsdtrekbor Dr. Plochl (Graz) bespricht die Aufgaben, die den Gemeinden bei der Durchführung ton Volkszählungen erwachse«, und stellt folgende« Dringlichkeitsantrag: Der Städtetag hält es für wünschenswert, die angevrbnete Volkszählung bis zur erfolgten Einverleibung des BurgenlanbeS aufzuschieben. Auf jeden Fall verlangt der Städtetag die Erlassung einer gesetzlichen Verfügung, dahingehend, baß für die nächste Volkszählung nicht nur die Auslagen für die den Bundesbehörden zugewiesenen Zählgeschäste, sondern auch für die de« Gemeinden obliegenden Einschlägigen Geschäfte vom Bundesschatz zu bestreite« sind. Nachdem sich Stadtrat Res'ch (Linz) für die Annahme des Antrages ausgesprochen hat, wird, dieser einstimmig angenommen. Gemeinderat Stein (Klosterneuburg) bespricht die Sorgen der Gemeinden bet Beschaffung von Brennmaterial und insbesondere die Auflassung der Holzlontingentierung. Er weist darauf hin, daß eS den Gemeinden nicht möglich sei, sich mit Kohle vorzusorgeu, da hiefür Akkreditive verlangt werden, die die Gemeinden Nicht aufk>ringen können. Er stellt folgenden Antrag: Die beteiligten. Bupdesstellen mögen daher: 1. die Holzkontingentierung aufrecht belassen und 3. den Gemeinderi für den §8ohlenbezug durch staatliche Bürgschaftsleistung für die Zahlungen beistehen. Diese Borkehrnngen find wegen der Jahreszeit und der Valutaverhältnisse dringerw zu erwirken. Der Antrag wird angenommen; die Beratungen werde» hierauf abgebroch«. , €t*btr«t Breit » er (Wien) «ab einen llrberblick über öie ßegenwärtige Finanzlage der Gemeinde» «nd stell!e die Fordrrnng ans, daß de« Gemeinden eine wirkliche maßgebende Einstnßnahme ans die Gestaltung der Stenern -«gestanden wird. Gemrinderat. Dr. Fischer (St. Pölten) begründet sodann anrfühtlich eine Entschließ»»-, deren Tenor ans eine «ehrsache Elhöhnng der Personalste»«, eine doppelte Erhöhung der Trwerbsteuer und der anderen vmlagrn hinausgeht. Nack eine« Schlnßwort des Reserenlen wird der Entschließung die Zustimmung erteilt. Gemeinderat E i ch (Dillach) gibt eine Anregung dahin« gehend, daß eine Besprechnng von Stadtetzertretern in Wohnungsfragen, betreffend de» Stand der Dohnmäglichküt, über das Mietrrschutzgesetz. hinsichtlich der Mietzinse und der WohnungSanfordernng und über die gerichtliche Kündigung stattfinden solle. West»«gar«. Budapest, 22. Oktober. (Ung. Trl.-Kokr.-D«.) Minister- Präsident Graf Bethlen erllärte de« Berichterstatter des j N e m > e d e l", er beabsichtige, die Nationalversammlu»,g erst einbernfen zu lasse», bis die wesiungarifche Frage gelöst sein werde. Die wesiungarifche Frage befinde sich gegenwärtig in dem Gtadiuttt, daß sämtliche Punktativne» des Abkowmrns von Venedig durchgefiihrt werden «üffrn. Sie österreichischem Delegierte« zur Interuatiuumle« Aröettskoufereuz. Die Dritte internationale ArbeitSkonferenz wird am 28. d. M. in Genf ihren Anfang nehmen. Die Tagesordnung umfaßt eine Reihe wichtiger Fragen, die auch für Oesterreich großes Interesse haben. Die ösierreichischt Delegation wurde derart zusammengesetzt, daß derselbe» alji Vertretet der Negierung Gektionschef Dr. Max 8 e d e 11 x «nb Hofrgt Franz Scholz, als Vertreter der Arbeitgeber Herr Odo Maria M e i ß l und als Vertreter der Arbeitnehmer Nationalrat Ferdinand H anus ch angeboren. Uebrrdres werden alt technisch« Berater Nationalrat Ferdinand S p a l o w s l y. Regierungsrat Josef Häusler und LandtagSabgeordneter HanS Morawitz an den Verhandlungen teilnehme«. Die Genannte» habe» die Reise narb Gens bereits an getreten. Enossgsdtaml« Seidenfutter 'JÄHSTE! 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