Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 979 (20.10.1921)
- Date
- 1921-10-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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_ ■ »vV L V* MAe 4'' Wien. Vvnnerslaß Wiener Mersenzettmeg /20. Oktober 1921 M. 979, - - - ... -- ■ «-•• -> Tagesbericht. Mitteilungen aus best Publikum. ProfeffSV Gotthard Deutsch gestorben. Ei»ei««ati, 17. Oktober. (Iüd. Korr.-Bur.) Der hervorragende jüdische Gelehrte und Historiker Pro fesso i' G o t th ard Deutsch ist hier in vorgerücktem Mer gestorben. Gotthard Deutsch war gebürtiger Mährer und absolvierte die theologische Lehranstalt in Breslau. Ec gehörte der Richtung r>e§ Reform-Judentums an und wurde, nachdem er in Böhmen und Mähren als Rabbiner und Religionslehrer gewirkt baite, vor längeren Jahre« an das Radbmetstminar Nflch Cincinnati kernfcnwo.er als Profrssor und Bibliolh:?ar tätig war. Deutsch-war ein Mann von großer Gelehrsamkeit und beherrschte, von einem seltenen Gedächtnis unterstützt, weite.G. biete Mischen Winens.vEv 'hat. -verschiedene wissen-chaWche Werke verfaßt,, e-i: namentlich durch das darin, angrhäuste Material .von Wert 'ind. so unter anderem eine Schrift über die Juden in Derüsch- :md. Seine-kle nc Schrr't über Gr atz, zu dessen hundertsten G! urtsll-g Zcschriebrn, erscheint gegenwärtig in hebräischer Uebrr- 'euung. Eure. Zeirlang gab Deutsch auch eine jüdische Zeitschrift in ternscher Sprache heraus. Er war einer der Herausgeber, der .Z^wisd,..Enehcloprdia".'und zahlreiche Artikel in dem jüdischen ..Sv.ndard.Work* .entstammen seiner. Feder. Deutsch bewahrte auch für alle Vorgang: im jüdischen ',-e;:n der Gegenwart ein lebendiges Interesse und dir letzte Rümmer des „Hebrew-Standard" bringt'von ihm eine ausfuhr irche Urbersicht über das vbgelaufene jübr'che Jahr, in welcher der Sta'.rdder .-zionistischen Arbeit einen breiten Raum einnimmt. Unser Blatt brachte, vor wrn'gen Wochen eine Zuschrift von Tn-?r. Deutsch, in welcher er irr inleressanier Weise in sie Diskussion . über ei« jüdisch-ethhmologlschts Thema einariff. Am Haager Zionisterrkongreß nahm Professor Deutsch als Gast teil. -Die jüdische' Renaissancebrwegung erweckte fein leidenschMichsses Interesse und wenngleich er sich der polnischen TiibLse -dernhirlt, blieb ihm kaum eine Phase in der an G-schch, ninen;u reichen ssonistischrn Entwicklung fremd. Die BaLfordersng durch den Brmdrs- Wohnrmd SiedlsrngsfonLs. Bisher vorgelegte Bauprojekte i» der Hohe von 2 '. Miüiardeu. Schaffnüg von rnnd .Wüv Wohunrigeu. Boin Bkrndks-Wohn- ' «rid Sirdlungsfonds wurde bisher. an 51 vrefchredene gemeinnützig!- Bau-, Wohn- und SiedlüngsqenJssrnschäste« und sonstige gemeinniitzig? Bauver'einigungf» W'.c ott '18 Gemrrnben Äredichtlfe» gewährt. Diese betrafen 148 Bruprojekre, dir i» 71 Siedlungen und 77 andere Baw tut rungtu zetfällen.' Die' Gesacktbaukosiru für diese 5(0 r W»h-. ntr.rgc». Kelaüfr» sich aus 2.4 Milliarde» Krone». .Bürgschaften «nrdr» vorä Fonds ' üi'efür Zngesichert für 1.9 Millia'tdm, di^ einen Annuitätendienst von 152 Millioue« Kroyen nford.eru.i Gesaut wird 'für- 'alle' Kreise der mmderdem'-tletterr Bevölke ung, >o insbesondere' für Kriegsbrschädigt', Eiseniahuer. Post« it*> Teteoraphenungestellte, Angestellte und Arbeiter ik Privr.ibetrtr'een, zu welchem schüfe sich auch' aus Ui'.ternehmerkreisea gemeinnützise Daurrrclnigungen gebilcet babrn. Was Wien anbelangt, so beftci-cn 47 vv» Bundesfonds geförderte Projekte, von welchen aut die -Lrmrinm'itztg» Lleiugartku-Siedllingsgenossenschast Hetzendors allein 23 entfallen. LIEBHABERPREISE für Perlen, Brillanten, Golddoaen, Silber etczahlt Juwelier SKabinowltacli, l., MAHLERSTRASSE 5 II., HOLLAH OSTRASSE 3, nr Rr. 3 (frühare Mäximlllanstr.) Tel. 8541 (frlihera Stephanlettrassa) im algeaen Haase Haltaitalla' Operariug, .Zup. Kärninerrtr. Tel. 45-1-46 Samatag gaiahlassea. . L4k2 lanaohte aaf Straaaenubr und auf Hau« Nr. 3 Köllns-und Jnstiztalare nnd Barette liefert in schönster Ansführunpdie bekannteste Speztalliraia RUDOLF GOLDSTEiffl Oegrinüat 1866 135 Telephon 45-6-39 WOLU UND SEIDENJACKEN „STRUBPFWELT“ VII., Kirchengasse Nr. 12 (Ecke Lindengasse) «so Fernruf 35238 jajs:., — Ei« mysteriöses Liebesdrama. In dem Haufe 9. Bezirk, Fuchstallergasfe 10, wiohNte seit längerer Zeit die 34jährige Ingenieurswitwe Mathilde Pick, deren Gatte vor sechs Monaten gestorben war, allein in ihrer sehr elegant eingerichteten Wohnung. Die Frau, die ziemlich vermögend gewesen war, pflegte sehr wenig Verkehr nnd hatte in. ihrer Wohnung nicht einmal ein Dienstmädchen zu ihrer Verfügung. Seit dem Tode ihres Gatten wurde sie wiederholt von. dem Major a. D. Ingenieur Ludwig Barabas von Lisznyo, einem zirka 40jährigen Mann, in ihrer Wohnung ausgesucht, und wurde auch wiederholt von Hauspartelen in seiner Begleitung gesehen. Während nun früher dje beiden sehr heiter und in anregendem Gespräch in das Haus der Frau.Pick zurückzukehren pflegten, nahmen die Hauspartereu in der letzten Zeit wahr, daß,die Frau sehr verstört geworden -. war. Man hörte wiederholt aus der Wohnung erregte Worte, doch beachtete man. sie nicht weiter.. Gestern, nachmittags um 4 Uhr waren beide in ziemlich verstörtem, Ausland in die Wohnung der Frän Pick gekommen, hatten sich emgespevrt und die Cingängstür mit der i Schutzketke'versichert. Gegen dreiviertel 6 Uhr abends hörte eine Beamtin in einem an die Wand der Mahnung angrenzenlbün Bureau einen erregten Wortwechsel und ein Klopsen an der Wazndi das aber plötzlich verstummte.' Gestern machte ein Herr aus einer dem Hause gegenüberliegenden Wo-htmntz in der Sechsschimmelgasse von. seinem Fenster-' <ms,L-has--^Hm--. gerade Einblick in die Küche der WvhnnTtg der Frau Pick gewährte, eilwe furchtbare Entdeckung. Als gerade die Soniwe den Jnnenraum der Küche beleuchtete,, sah er-, zufällig muL dem Herd .der Küche, einen aleblosen Frauenkörper mit heraohängenden Füßen liegen. Er verständiAe sofort einein Wachmann und es wurdet die 'Wohnung gewaltsam geöfstret. Als man in die mit Leuchtgas erfüllte Küche drang, fand man tatsächlich Frau Pick im Zustand der Totenstarre ruf dem- Herd liegen. Neben ihr lag der Schlauch des geöffneten Gaskochers, der anscheinend ihrer Hand entglitten, war, welcher Umstand darauf schließen läßt, daß sie das Gas 'direkt hat in den Mund einströmen lassen. Im.Salon der Wohnung fand man den Ingenieur auf. dem Fußboden ans einem Polster liegend mit einer Einschußwuiwe in der linken Brustfelle, ebenfalls im Zustande ' der Totenstarre, auf. Wahrend Nun bei der Fra« wrbÄkutzk Selbstmord 'vorliegt, dürfte es sich bei dem Ingenieur um einen Mord handeln, dessen Ursache nicht ganz aufgeklärt ist. Es handelt sich um keinen Nahschuß, nachdem das Projektil, bei seinem Eindringen in den Körper durch Rock und Weste giyg, nicht die germgste Senkung zurückließ. Der Kopf war auf ein reines, weißes Kopfpolster gebettet, baS allem Anschein nach ihm erst nach seinem Tobe baruntergelegt worden ist. Nachdem sonst niemand in der Wohnung weilte, kam: nur Frau Pick in Betracht, kommen. Aus dem in der Nähe seiner linken Seite liegenden Revolver waren fünf Schüsse abgefcuert worden und man fand oberhalb der Leiche des Ingenieurs emen- Einschuß im Türstock und auch im Speisezimmer fand inan ein abgeschossenes Projektil und^ abgefallener Mörtel an den Wänden des Speisezimmers ließ' auf abgefeuerte. Schüsse, schließen., Man nimmt an, daß es vor dem Tode der beiden einen Kampf gegeben hat, nachdem der -Teppich stark zerknüllt und ein Teil der Wände in Fußhöhe abgeschürft ist. Man machte noch' eine interessante Entdeckung. Neben der Leiche des Mannes lag ein Teil eines Spazierstockes, mit einem Totschläger aus Drahtseil versehen, während die Scheibe des Stockes in einige« Entfernung, anscheinend weggeschleudert, am Bodeit lag. Bon anderer Seite erfahren wir: Die letzten Ursachen des Dramas, das sich.ohne Zeugen abgespielt hat, sind noch Unbekannt und werden wohl kaum je aufgehellt werden, ebensowenig die Natur der Beziehungen. Daß ein! Bruch zwischen Major von Barabas und Früu Pick bevorstand, kan« als sicher gelten. Dafür spricht ein Brief, der von! der Hand dev Frau herrührt nnd in der Labe ihres Schreibtisches gn* funden wurde. - - Frau Pick war wohl jetzt eine elegante Dame, die ijidnSU zuhalten verstand;- sie ist aber aus kleinen Verhältnissen hervorgegangen. Früher war sie Köchin! und hat Nowotny geheißen. Erst durch die Heirat mit dem Ingenieur Pick ist sie bemittelt geworden. Sie trug sich elegant, konnte aber ihre' mangelnde Erziehung nie verleugnen. Sie sprach! nicht korrekt und war auch der Orthographie — was auch ihre Briefe zeigen — nicht ganz mächtig. Major von Barabas' hat sich, wie man hört, mit der Vermittlung von. Realitätengeschäften seirten Unterhalt zu verdienen gesucht. Besonders gut scheint es ihm nicht gegangen zu sein und es ist anzwnehmen, daß ihn Frau Pick hie und da materiell untere' stützt hat.. __ * ZnbilSrrm Be« Zehnda». Der hervorragendste bebräi'che Sprachgelehrte. Eliefer Ben Jeh«da, feierte d»S JitbilLnm seines 40jährigr« AvfenthalteS in Palästina. Seit 40 Jahren arbeitet Ben Jehuda unermüdlich an seine« „Thesaurus 1 i n g u a e H e b r a i c a e“, baS ei« Wrrk von epochaler Bedeutung darstM. hofft, daß er in drei Jahren das Werk z» Ende geführtyaben wird. * Personalnachricht. Schriftsteller HanS Karl' G r a n e n b e r g hat sich mit Fräulein Ellh E i t r » n (Mährisch-Ostrau) verlobt. * Czernichowski erkrankt. Dem Femsalemer- .Haares zufolge erhielt Dr. Klausner ein Schreiben aus Odessa, daß der DichterSaul Czernichowski ernstlich erkrankt ist, weshalb er seine Reise »ach Palästina verschiebe» mußte, obwohl er die A u s r e i s e b e »i N i a « » g der Eowjetregierun, bereits erhalte« hat. * Sonderbares B»r,ehe» eine- Bmtkh««se». Man schreibt «ns: Ende August l. I. wurde dem Dankhause Otto' Hoffman« & C o. I., Herrrngaffe 10. der Betrag von! 94 Pfund ins Depot gegeben. Als der Hinterleger Ende September das Geld vom Bankhaus« zurückvcrlangte, . erhielt er anstatt der Plund — Ausreden und Vertröstungen. Da er de« GeschäftSleben fremd gegenüdersteht — das Geld gehört einer gemeinnützigen ausländischen Organisat'.ou — glaubte die Bankfirma, sich alles erlaube» zu können. Erst hieß es. das Geld sei »egen' der Ueberfiedlung in Versteh geraten, dann, es sei irrtümlich verkauft, schließlich, es sei veruntreut und zu allerletzt, es sei gestohlen worden. Zahlen aber will die Firma O:to Hoffmann & Co. nicht, offenbar weil eS b-ezn nie zu spät wird «nd sich vielleicht später ei» ^günsttgerer" Kurs ergeben könnte. Inzwischen mag der Hinterleger in der Wiens ""üü!tz!!» Stoff hausStadt-Restenmesse itfwr Q aalitfätisware ■■■MHeaBnMm i'i Wßiilbnrfl(J3SS6 10*12 i-, AdlörflaSSG 5 Operulheater ■'oiiut cljtctt Male „Der Kuhreigen". Mt.!italisches S'vallspie'5 in' drei Aufzügen. Dichtung nach der Novelle „Die Üeine MancheMrr" von Rudolf Hans Bartsch von Rschärd' Batka. Musil von Wilhelm Kienzl.) Irr schönen JugendLagerr schuf Wilhelm Kienzl seinen „Cvangeliumun". Nach kurzem Liebesglück und lmtger unuerschu(deter-Kerkerhnst zieht dort Matthias von. Ort zu Ort und perkündee das Wort Gottes: „Selig sind, nie Verfolgung leiben". Gleich einem wunderbaren ib'iclnuum folgen die Kinder ihm nach und an solch rin.-rt. wunderbaren Spielmann geumhnt auch Primus L i^rrler in-Kieuzls „Kuhreigen". Er hat die harte Faust und.das-^vei-che Gemüt uns träumt in seiner. Kaserne von eurer blonden.-Fee mit Stimme süß wie Maieng'.ocken! In seinem Herzensschrein hütet er den „Kuhoas wehmütige. Heimutlird „Zu -Straßburg au der S-yanz", dessen- Gesang bei Todesstrafe - verb.ten ist. da-es die Soldaten.-einst mit unheimlicher vom: Regiment weg in die Heimat zwang. Auch ohne., das Lied zu singen^ denkt Lr an seine, AvpenEer Berge und an "sein Vaterhaus; doch da die unterstehende Sonne golden-durch die Wolken bricht, rsi iert er alle Fassung, stimmt die traurige Weise an und feine Kameraden falten mächtig im! Chor ein. Rur dir Fürbitte der schönen Blanchefteur Massimelle b -üm '"Könitz rettet ihn vom sicheren Tode. D'.i« i chentzlustige Marquise, lebt im Genuß des Augenblicks nun sehnt sich'nach einem Schäferstündchen mit dem chnnucken Burschen aus dem Volke, doch er liebt dis .Narsiuise aus reinem, über strömendem Herzen und geht von ihr, da er sie nicht ganz uttb' für immer besitzen darf.,' 'Inzwischen bricht die französische Revolution aus, ZtanMfleur tvird zum Tode verurteilt und Primus vom T;: rekhMiumiqzum. Kapitänernannt. ,Er bietet her geliebt^Atau sseiüe "Hänö'aü, Uch sie vorn 'Klötze zu^ befreien, doch ihr Adelsstöl', weljrt sich dagegen, dem schlichten Manne zum Altar zu folgen. Ein letzter Tanz vereinigt die beiden, dann schreitet sie mit hoheitsvoltem Lächeln zum Blutgerüst. Richard Batka hat Rudolf Hanz Bartsch' reizvolle Novelle „Die kleine Btanchefleur" zu einem recht wirksamen Opernlibretbo umgestaltet, das bereits an der B-olksoper seine Schuldigkeit getan, hat. Der Text, der Oper bessere Hälfte, bringt abwechslungsreiche Szenen aus dem'Höf- und Gesellschüftslebsn, aus dem 5iasernenniüien uttb vonk Rsvdlulionstribunal. All dies, zieht auch in der Musik ivie in einem hübschen Bilderbuch vorüber^ aber der Glaube an die Echtheit dieser Bilder will sich' nicht ein stellen. Man traut vor'allem her.gut bürgerlichen Weise des Kuhreigen, die Kienzl anscheinend aus älteren musikalischen Volksbeständen übernvimnetr hckt, nicht die zaubergeivaltige Wirkung zu, es der. Weise des Stromgoties, dem Glöckchen der Zauberflöte oder denr Horn Oberons gleich' zutun. Die Romantik-des Kasernentebens erscheint ■ in der COhtfif’ ebenso verblaßt wie die höfische Pracht des königlichen Prunkgemaches. Nnd nun gar der beharrlich! festgehaltene PastoralcharalKr! Blanchefteur singt von „Hirt und Hirtin", „halb nach Watteau, halb nach! Rousseau"; das Alphorn tönt auch! hier, doch wir sehen weder Dämon noch Phyllis und empfinden nichts von Hirtenparadies und Almenhütteu.' — Welche' Fülle musiHrantatischer Möglichkeiten läge in der Schlußszene,' in der die im Tetnple gefangenen Herren und' Damen wie auf einem Vulkan tanzend, angesichts des Todes noch ein letztes' Mal im Menuett-dahinschweben. Doch auch stier will die Musik, nicht rascher pulsieren, sie bleibt leidenschaftslos und würdig., gleich! dem Menuett dieser vornehmen Gesellschaft. Und "fw fehlt auch den Revolutionsszenen trotz wirren Lärmens und wüsten Tobens der Marsaillaise jedes ursprüngliche dramatische Leven. Was vor zehn Jahren für die Bolksoper recht war, / ist, heute für -das. Opernhaus, nicht mehr, billig -und bei aller ' Synttzathie für Wilhelm - Kieuzl', dtzn. -,öftbcwahrten Komponisten und ' ausgezeichneten .MÜsikjchriftsteller, törtnen wir nicht mit unserer Meinung zurückhalten, daß der „Mhreigen" bereits über die erste Jugendfrische hinaus ist und seine Farben wesentlich verblaßt sind. Mit seinen artigen Liedern und Tänzen hat sich hier Kienzl bewußt zur öfteren Oper zurückgewendet und bietet sein Bestes in der Volkstümlichkeit der Musik, die freilich mitunter überstark betont wird und in d^N frischen Chören hart ans liedertaselmäßigs an grenzt.' Unmittelbar nach Bittners „'Kohlstahmerin" hat nun die Operndirektion Kienzls „Kuhreigen" dem. Repertoire einverleibt. Wir glauben nicht, baß die neue Oper dem' Hause den heißersehnten Kassenerfolg bringen wird Und kennen keine künstlerischen Gründe, diis diese „Bereicherung" des ^Spielplanes rechtfertigen', insolange Pfitzner, Schreker und andere Repräsentauien der Moderne ckein' dauerndes Heimatrecht im „Opernhaus gefunden haben. Es ist freilich! eine leichtere und bequemere Methode, „Kohlhäymerin" und „Kuhreigen" aufzuführen als die „Rose vom Liebesgarten" neu einzustudieren oder den Schlvierigkeiten von Schrekers „Schatzgräber" gerecht zu werden. ^Kapellmeister'.Alwin, der sich um die Aufnahme des Werkes'bemüht hatte, leitete auch' die wenig ausgeglichene. Aufführung. Für eine stilgerechte Inszenierung hatte Herr Whmetal gesorgt. Sehr hübsch geriet der Aufmarsch' des Hofes in das Schlafgemach des Königs, weniger glücklich' das Massenaufgebot des dritten Aktes. Von. den Sängern war Fräulein L'v hm ann als Btanchefleur wie immer ganz Wärme und Jnnigkert. Auch' in der'Darstellung betonte sie weit mehr stas . liebende Weib als die tändelnde Schäferin. Herr Hy-fer als Primus, schauspielerisch! noch etwas indifferent, erinnert, ’tiiii seinem baritonal gefärbten Depor an den jungen Schmedes. In kleineren Partien bewährten sich die Damen .Anday und Pirchhoff, die Herren B e t e 11 io, Norbert, Manoward a und .Kre.uw. Gleichgültig wie die .Aufführung war auch . die Aufnastme darch! das-Publikum, worüber der j-orte ' Beifübt einer kleinen MdiderheLt nicht stinwe.-zmäuichen vermochte. Dr. Erwin Felber.!