Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 975 (16.10.1921)
- Date
- 1921-10-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«r *7S* «far, Gomita- . rvLe«e» M»»s«Azettrms ____ia—mwTUfn'iir"’**--. '•"f»ir#*J~^Tr~ii — ■ - -- ■■■--■■ .» „.m-ta:, Das englische Mandat für I Palästina. Der endgültige Entwurf. Wle gemeldet, erschien anfangs Septembtzr tzteichgeitig mit dem Jahresbericht von Herbert Samuel ein Weißbuch der englischen Regierung, welches die endgültigen Entwürfe für die Mandate für Mesopotamien und Palästina mitleilt, wie sie dem Völkerbundrate unterbreitet wurden. Der endgültige Entwurf des Mandats für Palästina enthält gegenüber dem früher veröffentlichten Entwurf einige Mnhvrnugen. Diese sind: Artikel 16: Frühere Fassung: Der Mandatar soll befugt sein, über die Mrssionsunternehmnngen in Palästina eine solche Aufsicht auszuüben, wie sie für die Aufrech Lerhaltung der öffentlichen Ordnung und guter Verwaltung erforderlich ist. Eine solche Aufsicht vorausgesetzt-4 sollen in Palästina keine Maßnahmen getroffen werden, um xine solche Einrichtung zu hindern oder zu stören oder Unterschiebe zu machen in der Behandlung Irgendeines Missionärs wegen feiner Religion oder Staatsangehörigkeit. Reue Fassung: Me Mandatar soll vtzfiigt sein, über dK religiösen oder wohltätigen Körperschaften in Palästina' eine solche Aufsicht auszuüben, wie sie für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und guter Verwaltung erforderlich ist. Eine solche Aufsicht' vorausgesetzt, sollen in Palästina keine Maßnahmen' getroffen werden, um die Unternehmungen solcher Körperschaft zu hindern oder zu stören oder Unterschiede zu machen in her Behänd lang irgendeines Vertreters oder Mitgliedes derselben wegen feiner Religion oder Staatsangehörigkeit. Artikel 17: ‘ Frühere Fassung: Di« Verwaltung von Palästina kann auf freiwilliger Grundlage die zur Erhaltung von Frieden und Ordnung sowie die zur .Verteidigung des Laubes notwendigen Kräfte organisieren, jedoch unter der Aufsicht des Mandatars, welcher sie nicht für andere als di« oben angeführten Zwecke verwenden soll,- außer mit Zustimmung der Verwaltung von Palästina und ausgenourmen für solche Zwecke sollen kein« militärischen, Marine- oder Luftstreltkräste durch die Verwaltung von Palästina ausgestellt oder rmterhalten werden. Nichts in diesem Artikel schließt die Möglich wit' aus, daß die Verwaltung Palästinas zu Len Kosten der Streitkräfte beiträgt, di« von hem Mandatar in Paka- . stina unterhalten werden. Der Mandatar soll berechtigt sein, die Straßen, Eisenbahnen und Hafen von Palästina für die Beförderung von Truppen und für di« Zufuhr von Heiz«, und Nahrungsmitteln zu benützen. Neue Fassung: Die Verwaltung von Palästina kann auf freiwilliger Grundlage die zur Erhaltung von Frieden und Ordnung sowie zur Verteidigung des Landes notwendigen Kräfte organisieren, jedoch unter der Aufsicht des Mandatars, doch soll sie sie nicht für anders als die oben angeführten' Zwecke verwenden, außer mit der Zustimmung des Mandatars. Ausgenommen für solche Zwecke fällen keine militärischem Marine- oder Luftstreitkräfte durch, die Verwaltung von Palästina ausgestellt aber unterhalten warben. Nichts in diesem Artikel schließt die MöglichMk aus, daß die Verwaltung Palästinas. zu den Kosten der Streitkräfte beiträgt, die von dem Mandatar unterhalten werden. Der Mandatar soll berechtigt sein, jederzeit die! Straßen, Eisenbahnen und Hasen von Palästina für die Beförderung von Teilender b e w a f f n « # n Macht und für di« Zuführ von tzejz- und Uahrrmgsmitteln zu benützen. Artikel 18 (1. Absatz): .. Frühere Fassung: Der Mandatar muß dafür' sorgen, daß in Palästina kein Unterschied zu rmgünswii s der Staatsangehörigen irgendeines der dem Völkerbund als Mitglied angehörenden Staates (unter Einschluß der nach den Gesetzen dieser Staaten eingetragenen^ Gesellschaften) im Vergleich zu den Angehörigen des Mandatars oder irgendeines auswärtigen Staates gemacht : »Seche.' fofcjfelt* eC PH um Besteunimg,., Handel oder Schiffahrt, Ausübung von Industrie und Gewerbe oder Behandlung von Schiffen und L ü s t f a h rzeugen haandelt. ' Neue Fassung: Der Mandatar muß dafür sorgen, baß in Palästina kein Unterschied zu ungrmsten der Staatsangehörigen irgendeines vor dem Völkerbund« als Mitglied angehörenden Staates (unter Einschluß brr nach den Gesetzen dieser Staaten eingetragenen Gesellschaften) im Vergleich ztr den Angehörigen deK Mandatars oder irgendeines -auswärtigen Staates gemacht werde, svtveit es sich um Besteuerung, Handel oder Schiffahrt, Ausübung von Industrie und Gewerbe oder Behandlung von Haudelö fahr zen i-vn oder Zivilflugzeugen handelt. Artikel 25 (neu eingefügt): In den zwischen dem Jordan und der endgültig sZstgefetzten Ostgrenze PaiästiiiaS lwgcnbeu Gebieten soll der Marldatar bas Recht haben, die Anwendung' jener Bestimmungen dieses Mandats aufzufchieHen oder zurückzuhalten, welch« er als auf bi« bestehenden lokalen Bedingungen unanwendbar erachtet, und Vorsorge für di« Verwaltung der Gebiete zu. treffen, wie er es für diese Bedingungen angemessen hält, vorausgesetzt, daß nichts unternommen wirb, was mit den Bestrebungen der Artikel 15, 16 und 18 vereinbar ist. Die bisherigen Artikel' 25 * 26, 27 erhalten nunmehr die Bezeichnung 26, 27, 28. Artikel 28 (früher 87,1. Absatz): Frühere Fassung: Im Falle des Ablaufes des Mandats, das durch diese Erklärung dem Mandatar übertragen wird, soll der Rat des Völkerbundes diejenigen Einrichtungen treffen, div nottvenhig er- 16. Oktober Seite 8) scheinen, um dauernd unter der Garantie des BundeA die durch die Artikel 13 Md 14 gesicherten Rechte zu gewährleisten und unter bsk Garantie des Bundes Sicherheit M schaffen, daß die RegierMg von Palästina die finanziellen Verpflichtungen voll erfüllen wird, di« durch die Verwaltung von .Palästina während der Mandatsperjobe rechtmäßig eingegangen worben sind., Neue Fassung: Im Fall« des Ablaufes des' Mandats, das durch diese Erklärung dem Mandatar übertrag«» wird, soll der Rat des Völkerbundes diejenigen Einrichtungen treffen, di« notwendig erscheinen, um dauernd unter'der Garattlie des Bundes die. dutchl die Artikel 13 und 14 geficherten Rechte zu gewährleisten und unter der Garantie des Bundes Sicherheit zu schaffen, daß die Regierung von Palästina die finanziellen Verpflichtungen voll erfüllen wirb, die durch die Verwaltung von Palästina während der Mandats- Periode eingegangen worben sind, e i n sch l i e ß l i ch der Rech'e öffentlicher Angestellten auf Pensionen oder Gehälter.. Die Direktsten Kerrn Man meldet uns: Der ZioUistenkongveß in Karlsbad hat bekanntlich einen Finanz- und Wirtschaftsrat gSivühlt, der aus den folgenden Personen besteht: Dr. Berthold Feiwel. Dr. Georg Halpern, I. Ä. Naiditfch, Ing. S- Kaplansky, Doktor Arnold Barth. S. Schocken jun., Peter G ch w Si he r. Aus diesem Finanz« und Wirtschaftsrat haben die Herren Dv. sZeiwel, Dr.-Ha-uern und.J. A- Naiditsch in der ExekNiiuc der zionistischen Organisation Sitz und Stimme bei der Behandlung ökoyvrniscker Fragen. Für die Bildung d«o Direktoriums, des Keren Hajefsod wurde vorn Kongreß bestimmt, daß die Exelulive--im Einvjkrnelnueu mit dem großen Aktwnskonmeo zunächst drei bis fünf Mitglieder des Direktoriums auS den Mitgliedern des Finanz- und Wtttschaftsraies zu entsenden habe. Demgemäß wurden die Herren Dr. Feiwel, Dr. Halpern, I. M. Naid itsch', Dr. Barth und Ingenieur Kaplansky zu Direktorew des Keren Hastfiod üeMlt. Eine ebenso große Anzadl von Direktoren wird nach den Kongreßb'eschlüssen vorn Couneil de > §teren Hajessod als der Vertretung der Zcrcifiiatsinhaler ^inzusetzen sein. Dem Beschluß -.-es .Kongresses zufolge ^oll die Bildung des Couneil Ende 192 2 eingelei.et s?in. BiS zu diessrn Zeitpunkt find di« vom Eonneil zu besetzenden Direktorstelleu provisorisch von der F>?- kutiv« der zwnistischeu Organisation yi besetzen. D'e Exekutive hat für die Besetzung. dieser Stellen dein Großen Mionskomitee di« Herren Dr.Schinarj aü u Lev in, B. Jabo Lin f k tz. Hilel chlatopolskp und Israel Siefs vyrgeschlagen und hiefür die Zustinimnng des Aktionskomitees gefunden. ' Das Direktorium des Ke:eu Hai«'svd besteht deinnach' aus den Herren Dr. Berthold Feiivel, Dr. Georg Halpern, I. A. Naiditsch, Ing. S. Kaplansky, Doktor Arnold Barth und den Herren Dr. Schu'.arjahu Lenin, B. Jabotinsky, Hilel Ztatopolsky und Israel Sieff. »SS ausgesucht Beste 8m Hm&’resi'' u* Stamme- Stoffe« fämdQn Sie ßsra (gQmstSgsfiea bal Kaen s Fried,1Wien PÄÄ Jüdischer Witz. . Der jüdisch« Witz hat Kn der ganzen Welt ein« bestimmte Marke. Was ihn auszeichnet, ist nicht leicht zu bestimmen. .Sein wichtigstes Merkmal ist wohl die überraschend große Möglichkeit der .Assoziation von entfernten Vorstellungen und Bildern, auf der. das Ueberwältigende, das Komische überhmlpt beruht. Diese reiche Möglichkeit der Assoziation hat der Jude einerseits daher, baß seit Jahrhunderten sein Denkm stark anst,Bildsymbol« gerichtet ist, andererseits aber ist die AssöziaLivnsmöglichkeit dadurch reicher, baß der Jude für gewöhnlich' den Inhalt feines Denkens und seiner Vorstellungen in mindestensdrei Sprachen zum Ausdruck, bringen kann. Der Jude des Ostens — und er ist es, welcher dem jüdischen Witz seine charakteristische Prägung gegeben hat — beherrscht außer der Volks-' sprach« des täglickM Umganges auch das Hebräische mit seinen starken Bildsymbolen sowie mindestens eine Landessprache. Dadurch ergehen sich aus drei VorstellungZkreisen hergeholte .Assoziationen, welche in überraschendster Wejse. wirksam werden, können. Was den echten jüdischen Witz aber außerdem besonders aüszeichnet. ist seine im Grunde stets didaktische Art. Der jü'-ische Witz geht in (einer Wirkung nicht so sehe auf die Ueberrumpct'.lug durch Esprit nu> als vielmehr auf etivas mittelbar Belehrendes. Unmerklich steckt in jedem jüdischen Witz eigentlich eint Lehre. Darum teilt sich der Jude im Witz mehr mit als 'jeder andere. Das ist mit ein Grund dafür, baß der jüdisch^ Witz in der gesamten humoristischen Wel!-- literatureine besonders charakteristische. Stelle innehat. Dieses belehrende Mitte-ilungsbedürfniZ, das sich im jüdischen Witz ausdrückt, gibt ihm gleichzeitig etwas Gemütvolles, Anheinivlndes, aber auch häufig etwas Wehmütiges, erlvas von jener Selbstironie, welche dort, wd der jüdische Witz von eritjudeten Juden geübt wird, sein Hauptcharakteristikum bildet. Dieses Mitteilungsbebü"f n) bringt es auch mit sich,, daß der Jude, wie niau' giri'.'ötznlich sagt, i.über alles einen Witz machen" kann. Das bedeutet, daß er imstande ist, alle Formen seines Lehens Und seiner Existenz im Witz zmir Ausdruck zu bringen. Darum ist auch der. Misch« Witz viel individueller als jeder andere. Er ist weniger Klassen- und Typenwitz als vielmehr' Witz über die einzelne seelisch« Eigenart. Auch das hebt ihn besonders hervor. Ans dieser: Gründen ist der jüdische Witz aut stärksten- und reichhaltigsten dort, wo das jüdisch« Leben in seinen Formen und seiner Eigeiiart am stärksten ist, im.jüdischen Osten. Der Witz her OstjudM hat ungeheuren Reichtum und in ihn: offenbart sich das ganze Mische Leben des Ostens. Der jüdische Witz des Ostens ist ein gewaltiges Stück Folklore. Ihn literarisch' festzuhalten, wurde bisher nur wenig versucht! und dabei wurde dem.s o l k l >o r i st i s ch e n Moment viel zu wertig Aufmerksamkeit^ zugeivendet. Es ist daher sehr wertvoll, daß die schweizerische- Mommlfftort für jüdische Volkskunde das.Erscheinen eines Werkes ermöglicht hat, welches durch Saurmlung von Geschichten und Liedern, Sprichwörtern, Redensarten und Rätseln den jüdischen Witz solkloristisch verwertet. Di« Sammlung führt den guten jüdischen Titel „Rosinkes mit Mandlen"*) nach dem uralten Mischen Wiegenlied,, das da lautet: Unter jingeles wigele Stejt a klajn wajß zigel«: sZigel« w«t soren. handlen - - - . ' Nosinkes mit Mandlen. Dojre, tojre in kepele, Kasche, knsche in tepete: WuS is di beste schojre? Jingale w«t lernen tojre!... Sie stamnrt von Dr. Immanuel Olschvangex, welcher in dev Schweiz die Geschichten nnd Lieder, von Inden airs Rußland und Galizien sich erzähl«!: ließ und fic in sehr guter ErzählungZform — zu einem ■*) Jo pinkes mit M and len". Aus der Volks., litekatrw der -Ostjndsm" acssnmrslt. von Dr. /JmAMnet O l lch v an g er Basel 1920, Verlag der Schweizerische^ Ge stllschasr jür VoMkunde. jüdischen Witz gehört auch die richtige Erzählungsforrrr — wiedergab. Er erzählt die Geschichten im litauischjüdischen Dialekt, welcher schon an und für sich durch seine lustige. Färbung zum Erzählen jüdischer Witze besonders geeignet ist. Di« Transskription ist in lateinischen Lettern, mit einem vorsichtigen' phonetischen Transskriptionssystem und guten erklärenden Berner' küngön. Eine historische und grarnmatikatische Einleitung von' Wert geht der Sammlung voran. Die Sammlung Olschvangers, welcher sich setzt .n Captown aushält, stellt einen reichen Schatz von Humor dar, ist aber auch ein wertvoller.historisch--solkroristischer Spiegel des jüdischen Lebens und der Seele des jüdischen Ostens. Aus einer solchen Mengevon „Nosmkes mit Mandlen" (das Buch hat fast 300 Seiten) die besten Rosinen auszuklauben, ist nicht gar leicht. Es ist uraltes und auch ultramodernes Gut an jüdischem Witz'darin. Ein paar Beispiele für viele: Ein -Trupp, Arrestanten wurde durch die Stadt ins Gefängnis ge-, führt. Darunter befanden sich einige Inden. Die Jndenweiber auf dev Straße waren neugierig und fragteneinen von den jüdischen Arrestanten: „Warum sprrri? man dich ein?" Darauf er: „Wegen einer Paßgesch ichte." Di« Weiber fangen an zu jannnern: „O, nebbich, wegen einer Paßgeschichte!" Dann fragen sie-einen zweiten Juden: „Warum sperrt man dich ein?" — „Wegen einer Militärsache." — Wieder meinen die Weiber: „O. nebbich, wegen einer MMärsache!" Und sie wenden sich, an einen dritten, einen kräftigen Burschen, und fragen ihn: „Warum wirst du eingesperrt?" Und antwortet: „Ich bin nebbich ein Dieb!" ' Wie man ein Tslegranrm kürzt, darüber gibt es folgendes Geschichtchen: Eine junge Frau lwur-n ein Söhuchen. Ihr Mann trollte das freudige Ereig/.is seiner Mutter telegraphisch nfitteileu und setzte folgend« Depesche aus: „Fanui glücklich en.tbnndrn Sohn." Er zeigt bas Telegramm s inem Schwiegervater, d-rr aber schüttelt mißbilligend den Kaps und sag!«: „Ein. ordentlicher Kaufinann telegraphiert nicht so lange Depeschert. Sieh nur her, wieviel überflns.'iZ? Wor.e du grschrieben hast. -Ersten.-: Fauni; na. soll 1a netze .?