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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-16 · Heft 975 (16.10.1921) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 975 (16.10.1921)
Date
1921-10-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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8SMV Wien, Sonntag Wiener Morge«zest«ng Inland. Der Burgenlaud-Konflikt. Zeichnet Sämtliche Bndapester Blätter befassen sich in Leit- ' .^eln mit dem in Venedig getroffenen?lb kommen. Sie weisen ün allgemeinen darauf Hin, daß dieses Ablomnren einen diplomatischen Erfolg der ungarischen .Regierung bedeute. Der „P-ster Lloyd" sagt, die ungarischen Unterhändler bringen die erfreuliche Gewißheit mit, daß Oedenburg dem Vaterland, dem es ein Jalirtausend hindurch angehört habe, erhalten bleibe. Ministerpräsident Graf Bethlen erklärte dem Verrretcr des Ungarischen Telegraphen - Korrespondenzen ryaus über das M körn men von Venedig: Nachdem wir die Vereinbarung abgeschlossen haben, will ich sie auch in loyaler Weise durchführen. Wir vertrauen fest darauf, daß die notwendig wehrenden Detail- Vereinbarungen dazu beitragen werden, daß die Oesterreich gegenüber entstandenen Gegensätze ausgeglichen werden. Das Wohlwollen, das sich seitens Italiens tun.dgegeben Hai, ist vom Standpunkt unserer auswärtigen Politik von hohem Werte. Wie uns mitgeteilt wird, wird Bundeskanzler S^ober mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Doktor Benasch am 24. d. M. in Budweis zusammen- MrNck S Lllanp ttr eff er von je wa 5,000.000 Jedes Los gewinnt! Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und einkommensteuerfrei : Kein Legitimationszwang! m S Zeichnungspreis: ■ ML M.BTO für ein ganzes Los und : ML 3013» für ein Viertellos. ■ ■ ■ ■ ■ B n ■ ■ ■ ■ ■ ■ m B ■ ■ B n ■ ■ ■BBBBHBBBHBBBBBBBBBB9BBBBB1BBBBB unsren.! ■ Die ungarische Delegation ist gestern früh ans Venedig in Wien eiugetroffen. Es ist wahrscheinlich, daß Graf Bethlen und Graf Ban ff y während ihres Aufenthaltes in Wien eine persönliche Fühlungnahme mit Bundeskanzler Schober suchen werden. Bundeskanzler Schober äußerte vor der Unter- Zeichnung des Protokolls über die Vereinbarung in Venedig zum Sonderberichterstatter des Ungarischen Tel-graphen-Korrespvndenz-Bureaus, das Ergebnis der Konferenz habe gezeigt, daß die Vertreter der beiden Staaten von dem Bestreben erfüllt seien, die jetzt vorübergehend ein getretene Verstimmung zu beseitigen. Wir hasten zuversichtlich, sagte der Bundeskanzler, baß sich das Verhältnis zwischen Oesterreich und Ungarn in freundschaftlicher Weise entwickeln und ansbauen lassen werde. EepreffuAZsrazzieK der rnagyarischerr Banden. Tie ungarischen Banden in Mstungarn und'ganz besonders die sogenannte Franzstädter-Grupp-, welche aus den dunkelsten Gestalten der Budapester Franzstadt besteht, benehmen sich in der letzten Zeit tatsächlich so, wie wenn sie damit rechnen würden, das Land bald verlassen zu müssen, und raffen Geld und Wertsachen zusammen, wo sie sie erreichen könnstm Hauptsächlich werden Juden, jüdische Anstalten und Gemeinden gebrandschätzt. Am Jom-Kipnr- Bvrabend forderten die Banden von dem Vorstand biz Eisenstädter Kultus gemeinde einen sogenannten Friedenspreis von einer Million Kronen, unter der. Drohung, daß, wenn diese nicht erck-gt würden, am Jom-Kipur - Tage sämtliche jüdischen Geschäft rrnd Wohnungen geplündert würd eu. Die jüdische Bevölkerlmg war jedoch nur in der Lag», den Betrag von 400.000 Kronen aufzubringen, und Es ist doch klar, daß es Fanni ist. Du wirst doch! uickn telegraphiererk, wenn eins andere Frau entbindet! Zweitens: Glücklich'. Was denn? Nicht glücklich? Wenn es, Sott bewahre, nicht glücklich gewesen wäre. Hättest du da telegraphiert? Weiter.- Entbunden. Was denn, ist das Kind vom Himmel herabgefallen? Und danm" wozu schreibst du: Sohn? Es ist doch klar, wenn man 'ich freut und wenn man telegraphiert, so ist es wahrscheinlich ein Sohn. Bei einer Tochter wäre doch' die Frcude nicht so groß." In diesen Sack voll Rosinkes mit Mändlen kann nmn blind hineingreifen und, findet immer allerhand Erkeiterndes. So die Geschichte, welche Olschvanger es hat Mühe und Ueberredung gekostet, den Kommandanten der in Eisenstadt hausenden Freischärlertruppen zu einer Fristerstreckung für die Einlieferung des Restbetrages zu bewegen. In Kobersdvrf und in anderen Städten wurden Juden aus den Synagogen geholt und zum Holzhacken Und anderen Arbeiten kommandiert. Bor einigen Tagen wurde die Spitzersche Lederfabrik Don den Vertrauensmännern Friedrichs heimgesucht, welche nahezu das gesamte vorhandene Lede-material beschlagnahmten. Nach der Hausdurchsuchung wurden mehrere Angestellte der Fabrik Verschleppt. Mt Ausnahme eines jüdischen Angestellten namens Schindler wurden die weg geschleppten Angestellten nach schweren Mißhandlungen wieder yeinrgeschickt. Von Schindler fehlt seitdem jede Spur und seine Angehörigen rechnen bereits mit der traurigen Tatsache, daß Schindler, der offenbar sich der Hausdurchsuchung entgegengestrllte, aus dem Wege geräumt wurde. Oszterehrrrg ssK mit der ErrLwaffnrmg d§r BaRden betrsmt Werden. Aus Budapest wird uns berichtet: Die Ergebnisse der Konferenz in Venedig werden hier mit großer Be fr ied i g u n g zur Kenntnis genommen., In hiesigen politischen Kressen wird mit Bestimmtheit angenommen, daß die Entwaffnung der Banden und die Räumung Westrmgarns von den Aufständischen innerhalb der cm Uebereinkommen. von Venedig ftstgefetzten Frist gelingen werbe. Diese Aktion soll unter der Führung Oszlenburgs und. seiner Genbarmerie- Lruspe durchgesührt werden. Die Gendarmerieabteilung Oszrenönrgs ist bekanntlich auch nach dem formellen Abzug der ungarischen regulären Truppen aus Westungarn als Ordnungspvlizei in Oedenburg verblieben Und einem interalliierten 'Kommando unterstellt worden. Man nimmt in Ungarn an, daß O s z t e n b u r g und seine Leute, welche mit der Bevölkerung und den Aufständischen in ständiger Fühlung stehen, die geeignetsten Organe wären, di- Aufständischen davon zu'überzeugen, daß weitere Aktionen ihrerseits in Weftungarn für ganz Ungarn von katastrophaler Wirkung wären, und sie dazu zu bewegen, das Burgenland zu räumen. Der Nerze errZLische Gesandte ist Wien. Wie verlautet, dürfte Ho«. Aretas Akers- Doüglas an Stelle des abberufenen Hon. Francis O. Lmdley zum englischen Gesandte« in Wie» ernannt werdm. „Philosophie" betitelt hat. Ein schüchterner junger Mann, welcher seine künftige Braut „beschauen" fuhr, wurde von seinem Vater darüber belehrt, er möge mit seiner Zukünftigen, um Eindruck zu machen, zuerst von Liebe sprechen, dann über Familienangelegenheiten und zuletzt ein wenig über Philosophie. Als nun bei der Beschau die jungen Leute allein gelassen wurden^ begann der junge Mann nach' dem Rezept des Vaters sein Gespräch. Er hob am: „Lieben sie Nudeln mit? Käse?" Die Braut antwortete: „Ja." Daun fragte der junge Mann: „Haben Sie einen Bruder?" — „Nein!" antwortete die Braut. Da stellte der junge Mann die dritte Frage; da er dis Zeit für Philosophie gekommen sah: „Wenn sie einen Bruber hätten, würde er Nudeln mit Käse lieben?" Diese? Gespräch' ist übrigens in einer bekannten englischen Komödie aus der Mitte des neunzehnten Jahrhundert „Der Cousin aus Amerika" verwendet worden. Es wäre nicht uninteressant, festzustellen, ob hier Beeinflussung vorliegt. Eure Sammlung von Volksliedern heiteren Inhalts schließ:, das Buch ab. Die meisten such voll von Lebensfreude und Frohsinn. Eine Anzahl chassidischer Liedchen findet sich darunter. So ist das Werk Olschvangers ein wertvolles Stück jüdischer Folklore, die Kunde gibt vom lebensbejahenden, mitteilsamen jüdischen Witz, dem echten jüdiick^n Witz, der das jüdische Leben wiber- 'pirgelt. Wie,:. Siegfried 3.ch,mit. Arbeiterkammer. Im Sitzrudgssaal der Wiener Arbrüerkammer rvrrr^e am 14. und Io. Oktober die erste gemeinsame Besprechung der Vorstände aller österreichischen Arbciterkammern unter dem Vorsitze des Präsidenten Domes (Wien), Sch erbe in .(Innsbruck) und'Stieß (Feldkirch) abgehalten. Neben vorwiegend organisatorischen Fragen^befaßte, sich der Kanrmertag auch eingehend .mit der wirtschaftlichen. Dag« des Staates und beschloß eine Resolution zugunsten des sozlalbemokratischen Finanzplanes, in der unter anderem ansgeführt wird: „Die Arbeiterkammern sind sich' der Notwendigkeit bewußt, an dem Abbau der tiefliegenden wirtschaftlichen und finanziellen Schäden, unter denen insbesondere die Arbeiter, Angestellten nnd Beamten dieses Staates leiden. Der Kaminertag erhebt die Forderung, die Gesundung des öffentlichen Haushaltes unter allen Umständen durch ein sozial aufgcbmlt:s Programm von Fiua ^maßregeln zu vollziehen. Hiezu gehört in erster Lucke die ungeminoerte. Erhaltung des R.eal-' e.i nlcin iiicit ü des Arbeiters ltui» Augestelltcn, die kruder minderte Erhaltung der sozialpolick ich nr Grundgesetze, rvie des Achistundentagges:ckes, zu desserc A'bau die österreichische ALÜLiterfchaft unter keinerlei Borwändeu ihre Zustimmung erteilen wird, die Beiüehalturlg des Systems der staatlicher» Bewirtschaftung der wichtigsten LebensmittÄ, das allerdings den. ^r^nwärsig kritischer Finanzverhältnissen angepaßt werden muß.! 16. Sfiföet 1921 —... ..... Telegramme. Der MatlSnder Sozialistenkoxgrrtz. . Mailond, 16. Oktober. (Stefani.) I« der heutige« Gitznnß des Sozro!lsteuksngressk6 trat de» Bertrrter de- AL-t«emtt> ArbeitSverbandeS für dir Einheit der Partei «m. % * t <t d.i wendete sich unter lebhaftem Beifall gegen de» Gedankm ein« maximalistrschen Aktion. Er betonte, daß es «nter U«st8«dr« Pflicht der Partei sei» könne, an der Regiervng teilzunrhmen. BaratanoundLazzari sprachen sich gegen die . Teilnahme an der Regierung auS. Modigliani lobte Lenin und Trotzkij. dir Über Italien schlecht Unterrichtet worden seieu. I« weitere« Derlanfe seiner Ausführungen verteidigte er den zwischen Faizistr« «nd dm Sozialisten geschloffenen Pakt, dessen große meralijcheDedentnng er hervorhob. ck Mailand. 15. Oktober. (Stefane.) Der Soziallsienkongrrß hielt eine Nacktsiynng ab, in der die Abstimmung über dir vorliegendr» Resolutionen voraen' mmen wurde. Es erhielt die Resolution Scrrati-Baratano (Einheittmaximalistm) 47.628 Stimmen, die Resolution Turaü-Baldefi (Anhänger der Konzmtratron) 19.916, die Resolucko« Aleffaudri-Zrlocchi (Mittelpartei) 8V30 und die Resolntion Maffl-Lazzari (Seieffonisten) 6763 Stimmm. Die bolschewikische Lüge. Helfingfors, 15. Oktober. (Tel.-Komp.) Nach einer Erklärung des finnischen Gesandten in Moskau. Gyllenboegen, erfolgt der Uebergang zm bürgerlichen Wirtschaft in Rußland mit großer Schnelligkeit. Die Einführung des neuen Wirtschafts- Programms bedeutet eine bürgerliche Orientierung der Sowjetbehörden, die gefiiefientlich unter kommunifüscher Maske gehalten wird. Die Shs«L«rrg-Frage. London, 15. Oktober. (Wolff.) Nach einer Exchange-Meldung aus Washington hat fich Japan an die Vereinigten Staaten mit dem Ersuchm gewendet, m der Shanttmg-Frage zwischen Japan rmd China zu vermitteln. Em Krankenhaus in Flamme». Kattorvitz, 14. Oktober. (Wolff.) Sett dem späten Nachmittag steht das fiädüsche Krankenhaus i« Flammen. Infolge des heftigen Sturmes hat sich die Feuersbrunst über alle Gebäude und N e b e n r ä um l i ch k e i t e n rasch ausgedehnt. Hiezu kommt, daß großer Wassermangel herrscht, so daß die Löscharbeiten sehr erschwert sind. Der Schaden läßt sich zur Stunde noch nicht übersehen. Der rassische Gelehrtenkongreb in Prag. Prag, 15. Oktober. (Privat.) - Der Kongreß der Repräsentanten der russischen akademischen Gruppen, welcher am 10. d. M. in Attweson-, heit zahlreicher russischer Gelehrter aus ganz Europa und unter reger Beteiligung der tschechischen wissen-, schaftlichen Welt eröffnet wurde,, hat zu seinem Vorsitzenden Professor D>r. Lvtnaschankvw gewählt. Vor Eingang in die Tagesordnung befaßten sich! die Redner mit der schweren Lage der. in Rußland gebliebener, russischen Gelehrten und Akademikier. Es wurde eine Sympathiekundgebung an dieselbe^ angenommen, in welcher gesagt wird r De« Kongreß entbietet über die bolschjewikischen Schranke« hinweg den Arbeitern der russischen Wissenschaft seinen herzlichsten Gruß. Die Professoren itnfc Gelehrten der russischen Hochschulen haben selbst unter Gefährdung ihres Lebens den heiligen Eifer der wahren wissenschaftlichen Forschung bewahrt Und es muß der Tag kunnren, an dem die Russen bas bvlschewikische Joch ab schütteln, zur Ordnung des Kulturlebens und zm akademischen Lehrfreiheit znrückkehvsn werden. Ei» »»ttsemltischer Theaterexzetz «»f der Warschasrr Bühne. Aus Warschau schreibt man uns: Am 13.d.M. abends, nach dem Versöhnungstage, wurde im Großen Theater in Warschau die Vorstellung mit einer kulturell besonders hochstehenden Manifestation von der Bühne herab beschlossen. Man gab dos Ballett „Jwj der Schenke" und und dabei nahmen die Schauspieler! den Anlaß wahr, den sogenannten „Ma-juftß"-TanK> in höhnend-karritierender Weise zum Besten zu geben.: Die jüdischen. Theaterbesucher protestierten mit laute«' Entrüstungsrufen gegen diese unkultivierte Verhöhnung, des Judentums, es wurde gepfiffen, mit dein Füßew getrampelt und -man hörte Ruse wie: „Schande!"? „Vorhang nieder!" und dergleichen. Das polnische Publikum, besonders in den Logen und im. Parkett,-gab!^ seinem Bewußtsein für nationale Würde dadurch Ausdruck, daßes „Nieder mit den Juden!", „Nochmals, Herr Ma-jufeß-tDanz!" schrie. Polizei schritt ein und' verhaftete auf der Galerie zehn jüdische junge Leute, wegen Ruhestörung. Die Vorstellung ging dann — das jüdische Publikum hatte sich, indessen zum Zeichen des'Protests entfernt — ungestört weiter; der Ma-juseß- Dauz.wurde über allseitiges Verlangen mit allen höhnenden Einzelheiten wiederholt. D,ie „Ruhestörer"- iverden zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden. Dringender wäre es, daß gegen die Akteure best i Warschauer Stadttheaters wegen Aufreizung einer j Klasse der polnischen Vevülletzmg gegen die andere em-- i geschritten würde.

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