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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-11 · Heft 971 (11.10.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 971 (11.10.1921)
Date
1921-10-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 971 Wien Dienstag A5rerrer Morgerrzertnrrg 11. Oktober 1921 Seite 8 Monaten den Gegenstand lebhafter Erörterungen in der Presse, in politischen wie in Arbeitgeber- und Arbeitskreisen bilden. Besonders Frankreich nimmt scharf Stellung gegen die beantragte Einführung des Achtstundentages in der Landwirtschaft. Inland. DieStaatsfinanzen. i Heute abends wird der neue Finanzminister Doktor Gürtler im Finanzausschuß die an gekündeten Mitteilungen über die geplanten neuen- Steuern machen. Sein Finanzprogramnr wird er am Donnerstag in der Plenarsitzung des Nationalrates entwickeln. Früher sollen, so wird aus den Kreisen, die der RegierunK nahestehen, versichert, keinerlei Maßnahmen auf finanzpolitischem Gebiete durchgesührt wechen. Nach Meldung einer parlamentarischen Korrespondenz sollen die von dzer' Regierung geplanten finanzpolitischen Maßnahmen, die als Notstandspwgramm betrachtet werden und in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise eine unmittelbare Erleichterung schaffen sollen, bereits in den allernächsten Tagen im Verordnungsweg durchgesührt werden. . Finanzminiswr Dr. Gürtler wird die Notr<e»'digkeiL dieser außerordentlichen Zwangsmaßnahmen, für Heven Durchführung er sich bereits der Zustimmung aller Parteien des Nationalrates versichert hat, heute ist der Sitzung,' des Finanzausschusses begründen. Für d'e beschleunigte Durchführung der Zwangsmaßnahmen ist die Vermehrung des Banmolenumlaufs im letzten Monat maßgebend,/die für die vierte Septemberwoche Allein einen Betrag von mehr als fünf Milliarden -Kronen ausmacht. - " In dem Finanzprogramm Gürtlers spielt, .wie schon berich'tet, die Person des Genrralrates der Unglobank, Dr. Wilhelm Rosenberg, eine gewisse Rolle. Herr Gürtler will sich die Mitarbeit Dr. Nosenbergs sichern, ein Teil seiner Partei und di.; Großdeutschen stoßen sich an der jüdischen Zugehörigkeits Nosenbergs. Daß dieser sich den Beschimpfungen des antisemitischen Klüngels nicht gerne aussetzen möchte, ist selbstverständ- . li'.ch. .Doch wird offiziös mitgeteilt, daß er heute poch mit Dx. Gürtler Besprechungen haben wird. Nach einer durch Las Korrespondenzbureau verbreiteten Darstellung nimmt man an, daß Dr. Nosenberg, schon mit Rücksicht auf di>e Wichtigkeit der -in der allernächsten Zeit durch, ihn. weiterzuführenden auswärtigen Kreditve-r:hanHlü.ngen/ die übrigens nur einen Teil deS*Hm zugedachten großen Wirkungskreises darstellen, -pin-em . an. ihn ergehenden Rufe nicht unüberwindliche . <HhAieritzkeiten entgegenstellen' wrrde. Uebrigens ist FMpnzMnister Dr. Gürtler fest entschlossen, Doktor Noseuberg-bei seinem Eintritt in das Finanzministerium - soweit'entgegenzukommen, als es überhaupt innerhalb det durch die Verfassung gezogenen Grenzen möglich ist. Es muß weiters hervorgehoben werden, daß schon aus dem rein äußerlichen Umstande der Abwesenheit Dr. Nosenbergs von Wien die Erörterung des Finn n zplA/nes des Finauzminifters Dr. Gürtler mit Doktor' Rosenperg ni cht stattgefunden Haberl bannte. — . Das' 'heißt ans gut. deutsch: Geht.'s gut, dann war es Herr Gürtler, mißlingt es, dann hat der jüdische Beirat die'-Schuld:- Wie reimt sich aber die Berufung dieses Fudvn, mit' den neu entfachten Pogromhetzen der .den Ehristlichsozialen nicht so fernstehenden Frontkämpfern zusammen? Undwird Nosenberg mit dem Waber zu- ^ammenärbeiten können? < Berüchte Wer Me Sperre der Konti. Im Ausland waren gestern Gerüchte verbreitet, wonach die österreichische Finanzverwaltung in den nächsten Tagen eine Sperre aller Bankkonti plane, um sodann eine Iwangsanlejhe durchzuführen. Aus offiziellen Kreisen wird uns mitgeteilt, daß liefe Gerüchte unwahr sind. Die Konferenz von Venedig. Venedig, 10. Oktober. (Privat.) Die erste Konferenz drS österreichischen Bundeskanzlers Dr. Schober mit dem unparischen Ministerpräsidenten Grafen B a n f f h und dem italienischen Außenminister T o r r e t t a findet Dienstag, */,2 Uhr nachmittags, im Hotel Danieli statt. < Die P«tschgerüchte. Die »MonLagzeitung*, das Organ der Wiener Monarchisten, veröffentlicht Mitteilungen über Putfchabstchten des Organisators der Tiroler Heimwehre» D r. S t e i d l e, der zusammen mit den bayrischen Orgesch-Politikern Kahr. Kanzler, Zahnbrecher Mitte Oktober die selbständige Republik Tirol avsrusen wolle, die bei günstiger Gelegenheit an Bayern angeschlossen werden soll. Die vereinigten Gebiete sollen dann zu einem Königreich unter der Führung der Wittelsbacher ausgerufen werden. Gleichzeitig' werde in Salzburg ein'Schlag vorbereitet, der dieses Land vom österreichischen Bundes- Körper losreißen solle. Diese: Aktion solle die bei Freilassing untergebrachte Ehrhardt-Brigade durchführen, während den Steidle-Putsch mit Tirol die Heimwehren und die bei München stehende Slurmkompagnie »Tirol", die kürzlich in Verwendung stand, machen sollen. Dasselbe Blatt will ferner von verläßlicher Seite erfahren haben, daß seit ungefähr sechs Tagen sämtlichen sozialistischen Arbeitersport v e r e i n e n mit Zustimmung der Regierung Waisen ausgesolgt werden. Die sozialdemokratischen Führer hätten die Bewaffnung unter Hinweis auf zu igewörtigeirde monarchistische Putschabsichten durchgesetzt. _ Maßregeln gegen de« Ausverkauf Oesterreichs. Die großdeutschen Abgeordneten haben die Regierung ausgefordert, ein sofort in Kraft tretendes Ausfuhrverbot für sämtliche lebenswichtigen Bedarfsartikel Zu erlaffen. Weiters wird die Einführung einer scharfen Grenzkontrolle, allenfalls eine Grenzsperre gefordert. Die Personen, die ins Ausland schmuggeln, sollen mit dem Verfall der .gesamten mitgeführten Ware bestraft werden, außerdem soll mit hohen Geldstrafen gegen sie oorgegangerr werden. Bekanntlich wurde auch schon von den Jugoslawen ein gleiches Vorgehen angewendet. Die zu ergreifenden Notmaßregeln werden : nur für so lange in Geltung zu bleiben haben, bis i die derzeit ganz unmöglichen Valutaverhältniffe halbwegs geordnet sind. Eine Berliner Absage au Tirol. Berlin, 10. Oktqber. Wie der „Lokalanzeiger" meldet, sei man in den deutschen parlamentarischen Kreisen der Meinung, daß die deutschen Parteien unter keinen Umständen eine Loslösungsbewegung ' in Tirol unterstützen können. Man könne natürlich denTicolcm nicht vorschreiben, war sie zu tun hätten, aber man könne ihnen klarmachen, daß jetzt der Anschluß an das Deutsche Reich unmöglich sei. Was die Meldungen über einen Plan zur Proklamierung eines selbständigen Staates anlange, meint das Blatt, daß die Tiroler sich zu diesem Schritt nicht verleiten lasten werden,. wenn sie einsehen, daß die deutschen politischen Kreise nicht in der Lage sind, sich wegen der Tiroler Frage in Widerspruch mit den Bestimmungen des Fnedensvertrages SU letzen. _ Die „Wahrheit" über Westnngarn. Die deutschen Durchhalter in Berlin, die nicht genug über Vergewaltigung der deutschen Minderheit-n klagen können, bringen der westungarischen Bandrnbewegung eine merkwürdig liebevolle Beachtung und eine höchst charakteristische Sympathie entgegen. So schreibt in der „Deutschen Tageszeitung" ein in Westungarn ansässiger Reichsdeutscher und früherer Offizier, der, Ungarn Gerechtigkeit widerfahren lassen will, „das uns Deutschen im Weltkrieg ein treuer und wert> vollen Bundesgenosse gewesen ist und das noch' heute Deutsch-! land außerordentlich hochhält und wertschätzt": , j „Die sogenannte Bandenbewegung, aus der die österreichische Presse, eine „Banditenbewegung" gemacht hat, ist ein 'heroischer Freiheitskampf ideal gesinnter junger Leute, die sich aus W:stungar>r und dem übrigen Ungarn zusainmengesnnden haben, um mit s lbstverleugnendem Idealismus die Abtrennung Westungarns zu bekämpfen. In ' den Reihen dieser sogenannten Banden befindet sich die Blüte der gebildeten Jugend Westungarns, zahlreiche Adelige, Reserveoffiziere, Professoren, Lehrer, Studenten, die alle aus reiner Liebe zur Sache gekommen sind und sich von niemandem haben zurückhalten lassen." „Die Bandenbewegung in Westungarn läßt sich am besten mit den Freischaren Lützows Im Jahre '1813 vergleichen und wohnt ihr eine so starke ideale Kraft inne, baß die Bekämpfung dieser Bandenbrtvegung auf dem Wege der Gewalt wohl nur mit ungeheuren Opfern möglich wäre." Die „Deutsche Tageszeitung" und die gleichgesinnten Hetzer wissen wohl, weshalb sie für die Bändenbewognng der magyarischen Terroristen schwärmen, ^unter denen sich ja deutsche Orgesch-Leute aller Art befinden. Die Konferenz von Portorose. Rom, 10. Oktober. (Funkspruch.) Diplomatische Kreise glauben, daß infolge der Konferenz von Venedig die Konferenz von P o r t o t o f e zwischen den Nachfolgestaaten der alten österreichisch-ungarischen Monarchie eine Verzögerung erfahren werde. Zur Tagung der Völkerbund vereinigungen in Wien. Wie uns aus L o n d o n gemeldetwird, trifft die Nachricht, daß zur bevorstehenden Tagung der Völkerbundvereinigungen Lord Robert C e c i l nach Wien kommen werde, n i ch t zu. Telegramme. Gegen den syrisch-paLästinensischen Kongreß. Jerusalem, 8. Oktober. (Jüd. Korr.-Bur.) Die - hiesige arabische Tageszeitung „Aston Al Arab* tritt in einem Artikel der vom syrisch-arabischen Kongreß in Genf aufgenommenen Resolution, betreffend die Aufhebung der? englischen Mandats in Palästina,.; schärfstens entgegen. Das Blatt betont, daß das. arabische Volk die britische Politik unterstützen müsse und im Einvernehmen mit Lieser Politik zu arbeiten habe. Erhöhte Keren-HajessoÄ-TLLigkeiL in Amerika. Nerv-Pork, 8. Oktober. (Iüd. Korr.-Bur.) Die vom amerikanischen Keren-Hajessod-Komitee entfaltete energische Tätigkeit zugunsten des Keren Hajestod erstreckt sich auf über t a uf end Synagogen in Groß- New-2)ork und auf das ganze Land. Während der Feiertage sollen in sämtlichen Synagogen Reden für den Keren Hayestod gehalten werden. Die führenden jüdischen Organisationen veröffentlichen einen gemeinsamen Aufruf an das jüdische Volk. Die Presse veröffentlicht einen vön 300 Rabbinern gezeichneten Aufruf, in dem jeder Jude aüfgefordert wird, ein Zehntel für den Keren Hajeffod zu zahlen. Lettische Drangfaliernngen Riga, 4. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung.") Die lettische .Regierung führt trotz der gegenteiligen Versicherungen, die sie an die Adresse des Auslandes abgibt, ihren Kampf gegen die Juden unentwegt fort. Nunmehr ist ein Erlaß des Ministeriums des Innern herausgekommen, laut welchem es Ausländern verboten ist, in Riga und L i b a u, den zwei einzigen bedeutenden Orten Lettlands, zu wohnen. Auf die Vorstellungen der jüdischen Deputierte» beim Innenminister wurde von diesem der Bescheid erteilt, der Erlaß richte sich nicht gegen die Juden und bezwecke nur, der Wohnungsnot in den größeren Städten abzuhelfen. Demgegenüber wurde durch die juristische Kommission der Rigaer jüdischen Gemeinde festgesteüt, daß der Vermerk „Ansiedlung außer in Riga und Libau gestattet" nur auf Pässe von I u d e n gesetzt wird, ferner daß vielfach Juden, welche bereits feit Jahrzehnten in Riga ansässig sind, als „Ausländer" von dort ausgewiesen werden. Das russisch-polnische Abkommen. PZarscha«,!0. Oktober. (Tel.-Komp.) Nach achttägige« -Verhandlungen ist gestern zwischen dem Vizepräsidenten Dombskc und dem Warschauer Gesandten Sowjetrußlands Harachan eine Emisung über die weitere Durchführung des ,Rigaer Frredenö- . Vertrages zustande gekommen. Die russische Regierung hat sich verpflichtet, bis zum 2V. d. M. an Polen 10 Millionen Rubel in Gold ru bezahlen. Die polnische. Regierung hat sich bereit erklärt. Sä « i « kow, Petljura sowie alle Rüsten, die auf polnischem Gebiete gegen die Sowjetrepublik agitiere», aus Polen auszuweifen. Bndapester Bluffs. Budapest, 10. Oktober. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Wie die Abendblätter melden, wurde heute aus dem Kelenfölder Bahnhof eine aus 30 Personen bestehende Gruppe junger Leute, die sich nach Westungarn begeben wollten, um sich den Freischärlern anzuschließen, vom diensthabenden Detektiv aufgehalten und auf die Oberstaätsanwaltschaft gebracht Die jungen Leute wurden nach dem Verhör in ihre Zuständigkeitsorte in die Provinz zurückbefördert. Schiele in München verhaftet. 98««$«», .10. Oktober. (Wolfs.) Den Blättern zufolge ist der wegen HochverraiS im Zusammenhang mit dem Kapp* Putsch steckbrieflich verfolgte Arzt Georg Schiele a«s Naumburg in München verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte durch die bayrische Grenzpolizei in dem Augenblick, als Doktor Schiele versuchte, die Grenze bei Salzburg zu überschreiten, lieber seinen bisherigen Aufenthaltsort verweigerte der Verhaftete jede Auskunft. In Bayern scheint er sich jedoch »icht lange aufgehalten zu haben- Dr. Schiele hatte zusammm mit Kapp die, bekannte, gegen die Regierung Bethmau» gerichtete Denkschrift versaßt. Heute Beginn der englisch-irischen Konferenz. Londo», 10. Oktober. (Funkspruch.) Morgen vormittags wird die erste Zusammenkunft zwischen den Sinnfeinervertretern und den englischen Ministern in London stattfindeu. Die Stockung des Kohlenabsatzes. Mahrifch-Ostrnu, 10. Oktober. Wie bereits am Samstag in zwei Unteruehmuugen, wurde nunmehr auf vier Grube« des hiesigen Reviers der Berg- und Hkttenwerksgrsellfchaft wegen unzulänglichen Absatzes dis avf Widerruf die Samstagarbeil eingestellt. . Regenmäntel imiNLL Brüder Schiffmann WW2SW

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