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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-10 · Heft 970 (10.10.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 970 (10.10.1921)
Date
1921-10-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Ve8e L Wie«, Montag Nach Schluß der Versammlung formierten sich die Teilnehmer zu einem Demonstrationszuge über die Ringstraße zum Schwarzenbergplatze, wo sich der Zug nach einer Ansprache des Sekretärs M o s l e r in Ruhe anflöste. * Der Bundeskanzler nahm die Resolutioneu der Burgenländler entgegen und erwiderte, daß die Regierung ihren Standpunkt in der burgenländjschen Frage zn wiederholten Malen bereits vor aller Oeffentlichkeit dargelegt habe und daß die Handlungen der Regierung jetzt darauf gerichtet sein werden, für die burgenländische Bevölkerung diesen Standpunkt in die Tat umzusetzen. _ Die Stabilisierung -er Wechselkurse. Lon on, 10. Oktober. (Tel.-Komp.) „Erchange Telegraph" meldet aus New-Pork, daß eine Gruppe New-Porker Nationalökonomen vom Repräsentantenhaus die Einberufung einer Konferenz verlangt habe, welche die Frage der Stabilisierung der Wechselkurse studieren hätte. Der türkisch-griechische Krieg. Achen, 8. Oktober. (Havas.) Bericht des griechischen Hauptquartiers vom 6. Oktober: An der Orylee- Front "haben unsere Streitkräfte feindliche Abteilungen nördlich von Bozdach bis über den Sangarios verfolgt. An der Front von Afium-Karahiffar haben unsere Truppen in schneidigem Angriff die Höhen von Intepe besetzt. Der Feind wurde im Süden, wo er unsere Linien zurückgedrängt hatte, bis über Solar hinaus?nrückgetrieben. Oberschlefien. Paris, 9. Oktober. (Wolff.) Nach einem Bericht drs Genfer Korrespondenten des „New DorkHerrld" liegt die EntfcheidunL des Völkerüundratesüber Oberschlesien den Mächten bereits vor. Diese hätten sich jedoch geweigert, ihren Vertretern im Völkerbundrat deren Billigung zu gestatten, falls nicht gewisse Abänderungen getroffen würben. Es verlaute, daß ein nichteuropäisches Mitglied des Völkerbundrates gedroht Hobe, sich von der ganzen Angelegenheit zurückzuziehen. Der Völkerbnndrat halte jetzt nur noch zum Ächeine Sitzungen ab. Inzwischen würden von den Mächten die Geheim der Handlungen über die v o r g e s ch l a g e n e L b s u n g fortgeführt. Dem „New Jork Herald" wird aus Genf über die ins Auge gefaßte und zum Gegenstand einer ''charfen Erörterung gewordene Lösung der oberscklesischen Frage berichtet, sie enthalte nicht nur gewisse Abänderungen derSsorza-Linie, sondern auch den Vorschlag, eine dreigliedrige Kommission des Völkerbundes einzusetzen, die etwaige wirtschaftliche Streitigkeiten beilegen soll. Die-Kommission soll aus einem Deutschen, einem Polen und einem Neutralen zusammengesetzt sein. Gerüchtweise verlautet, daß die englische Regierung in gewissen Einzelheiten Einwendungen gegen die vorgeschlagene Grenze erhoben habe. Diese Linie würde K ö n i g s h ü t t.e und Kattowitz an Polen fallen lassen, obwohl Lloyd George in Paris darauf bestanden hatte, daß sie Deutschland zugesprochen werden sollten. Revolution in Peru. Santiago, 9. Oktober. (Havas.) Nach hier aus Paz eingelangten Meldungen soll in den Departements Piura und Tumbes von Peru eine Revolution ausgebrochen sein. Plünderungen in Belfast. Belfast, 9. Oktober. (Reuter.) In der Stadt find zahlreiche Kaufläden geplündert worden. Englische Verstärkungen wurden abgesendet. Was die Frontkämpfer und Monarchisten planen. Die Bandenbewegung in Westungarn wurde in den jüngsten Tagen gerüchtweise als Präludium zu einem monarchistischen Putsch in Oesterreich bezeichnet. Die Regierung hat beruhigende Erklärungen dahin abgegeben, das; von der Gefahr eines solchen Putsches im Augenblick nicht gesprochen werden könne und es scheint auch, daß die Furcht der ohnedies erregten Bevölkerung vor einem blutigen Umsturz — mit Recht — schon geschwunden ist. Tatsache ist, daß auch beim Versuch eines monarchistischen Putsches ein Erfolg einer derartigen Mion durchaus fraglich erscheint. Jnterchant ist dü in der gestrigen Ausgabe der „Arbeiter-Zuckung" veröffentlichte Darstellung der Bestrebungen der Wiener Monarchisten und Frontkämpfer. Das sozialdemokratische Parteiorgan kündigt weitere Leröst nilichungen über die Aktionen der Monarchisten an. Fn dem betreffenden Artikel heißt es u. a.: ött der „Monarchistenpartei Oesterreichs", die von .; Generalmajor Novak, dem „Sektionschef" S ch a g e r und einem Herrn Wense geführt wird, sind gleichsam die „opportunistischen" Elemente vereinigt, die dem Gedanken des „PutscheS in Permanenz" mit einer gewist'eu Reserve gegenüberstchen. Beide Parteien unlerstebeu de« bekanrtteu Zentralkomitee, daß sich im Wiener Morgen zerrurrg Mitteilungen ans dem Publikum. Echte Jägerwäsche Albert StiSatsner, Wien, I., Kohlmessergasse 8 Palais Bcrchtold, Strudelhofgasse Nr. 11/13, aufgetan hafi in der. die staatsmännische Weisheit der abgetanen Größen der habsburgifchen Vergangenheit. ihre -Auferstehung findet. Es' sind dies der Fürst Johannes Liechtenstein, der frühere Graf R e s s e g u i e r, die ehemaligen Minister Ho mann und Hirssarek, der Oberst Hussarek, der Herr Teufel, der Generaloberst Roth-Limanowa, der GeneralstabSoberstlentnant Maljewacz, der Hofrat Wiesner, der frühere Hauptmann Heigl. Eine Gruppe des Putschkomitees, sie wird vom Grasen Gudenus, Hotel Herzoghof, geleitet, residiert in Baden. Zu den rührigsten Verfechtern des sofortigen LoSschlagens. zählt ein Herr Nowak- Arrienti (Meidling, Belghofergasse 4, 2. Stock), der die eigentliche Kampftrüppe organisiert; ihm zur Seite stehen einRichard Krejei (Landstraße,Rennweg 5) und der Baupolier Richard Hartwig (Margareten, Kriehubergasse 12 oder 17). Viel ernster als diese qusgesprocheneri monarchistischen Parteien ist hingegen die Vereinigung der Frontkämpfer, die in enger Verbindung mit ihnen steht und von ihnen, in der Hauptsache, vom Zentralkomitee finanziert wird. Ein Bild des Geistes, der bei den Frontkämpser'n herrscht, mag ein Sitzungsbericht, der uns vorliegt, entrollen. Wir erzählen zusammenfassend: Eine größere Gruppe der Frontkämpfer harte sich am 2. Oktober in Lärmers Gasthaus (Währing, Michaelerstraße Nr. 13) versammelt, um die Erfahrungen des „Sturmes" auf die Börse auszuwerten. Den Vorsitz. führte der invalide Offizier Merfort, als Referent fungierte der Oberstlentuant R eiß aus dem Triestingtal. Er forderte die Organisierung der „Truppe" nach bayrischem Muster in drei Gruppen: 1. Sturmgruppe, 2. mobile und stabile Truppe, 3. technische Leitung; dann werde es gehen! ES wurde daun auf das Thema „Losschlagen" eingegangen.-Hauptmann Kocik bewies, daß der Angriff aus die Börse schlecht vorbereitet gewesen sei; so darf es künftig nicht gemacht werden. Merfort meinte, daß im Ernstfall in erster Linie das Parlament zu besetzen sei, ^weil man dort alle Volksverräter gleich beisammen habe". Im übrigen teilte er' mit, daß Beschlüsse nur „höheren Ortes" gefaßt werden, wovon auch die „Direktiven" ihren Ausgang nehmen. Denn man dürfe, führte hierauf der Oberstleutnant Reis; auS, „nicht ziel- und planlos losschlagen". Das möge man geruhig dem Obersten Z e u ß überlassen, der den richtigen Moment schon finden wird; der Mann besitze nicht nur „starke Fäuste", sondern „verstehe auch loSzuschlagen." Und sollte der Vorstoß gelingen, dann, so meinte er weiter, „werden wir von den Ungarn nicht schlecht ausgenommen werden". Der Vollständigkeit halber sei noch bemerkt, daß in derselben Sitzung der Gendarmerieinspektor H a v e rn e k zum Redakteur und der Major Ehrberger' (oder Kerberger) zum organisatorischen Leiter bestimmt wurde. Wie also auS dem Bericht zu ersehen ist, sind die Frontkämpfer nur von dem einen Gedanken beseelt: so rasch als möglich „loszuschlagen". Dabei verrät dieser Bericht, wie im Übrigen alle Wahrnehmungen sowohl dieser als der anderen Gruppen noch einen sehr fühlbaren Mangel innerer organisatorischer Festigkeit und Entschlußkraft der Führung. Indes wird auch ihr „Losschlagen" zu einer ernsten Gefahr. Sie bilden das organisatorische Gerüst, das das plündernde und mordende Lumpengesindel im Ernstfall auffüllen soll, wobei in der phantastischen Vorstellung dieser Leute ein Einfall betyarischer Banden ihre Aktion zum „Siege" führen soll." * Der Artikel schließt mit folgender Warnung: „Es liegt nicht in unserer Macht, die Schwarz- Gelben am „Losschlagen", zu dem sie sich seit Jahr und Tag unter den Augen der Behörden und unter dem Schutze der Gerichte, die für jeden überführten Hochverräter den Freispruch bereithalten, rüsten, zu verhindern; aber es liegt in unserer Macht, sie mit blutigen Schädeln heimzuschicken.Die Bartholomäusnacht, die sie den Republikanern zuqedacht, wird zu eiuer Bartholomäusnacht der Monarchisten werden." Inland. Die handelspolitischen Maßnahme«. Die Korrespondenz Herwei meldet: Die von der Regierung geplanten finanzpolitischen Maßnahmen, die als ein Notstandsprogramm betrachtet werden und in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise eine unmittelbare Erleichterung schaffen sollen, werden bereits in den allernächsten Tagen im Verordnungswege erlaffen werden. Finanzminister Dr. Gürtler wird die Notwendigkeit dieser außerordentlichen Zwangsmaßnahmen, für deren Durchführung er sich bereits der Zustimmung allen Parteien des Nationalrates versichert hat, am Dienstag abends in der Sitzung des Finanzausschusses begründen. Für die beschleunigte Durchführung der Zwangsmaßuahrverr ist die ungeheure Vermehrung des 10. vruooer 192t Nr. 9/0 Banknotenumlaufes im letzten Monat maßgebend, die für die vierte Septemberwoche allein einen Betrag von über fünf Milliarden Kronen ausmacht. Dr. Rosenberg lehnt ab. Die „S. u. M.-Z." meldet aus Prag: Der Vizepräsident der Anglobank Dr. Rosenberg, der seit SamStag hier weilt, um die Verhandlungen über die Umwandlung der tfchecho-flowakischen Ariglobank-Filialen in eine eigene Aktiengesellschaft zu führen, hat sich seinen hiesigen Freunden gegenüber geäußert, daß er die ihm angcbotene Berufung in das Wiener Finanzministerium nicht anzunehmen gedenke. Auch in Wiener unterrichteten Kreisen liegen ähnliche Mitteilungen vor. Bekanntlich war ursprünglich geplant, Dr. Rosenberg mit dem Titel eines Staatssekretärs inS Finanzministerium zu berufen, was jedoch an der Opposition der Großdeutschen. scheiterte. Es wurde ihm daher das Anbot gemacht, als Scktionschef einzutreten. Ganz abgesehen von dieser Rangfraye ist aber für die Haltung Dr. RoseubergS zweifellos in erster Linie der Umstand maßgebend, daß das Programm des neuen Finanzministers Dr. Gürtler schon fertiggestellt wurde, ehe er zu demselben Stellung nehmen konnte. Es ist erklärlich, daß Dr. Rosenberg davor zurückfcheut, bei der Durchführung eines Programms miizu.virken, auf dessen Entstehung er keinen Einfluß nehmen konnte. Freie jüdische Volksbühne K.WLW-"«'' g"W E1SIK SOHEFTEL Tagesbericht Gestempelte Krone -.20 Centimes. Auszahlung Wien ** —28 CentLmes. 3« Zürich notierte: bk 5sterreichijchr Krone.... .-.28 -.28 am 8. Oktober) öftere, gestempelte Krone . . —'20 -.20 am 8 Oktobers sie tschechische Krone. . 6 - 6.— am 8. Oktober! die Mar?.. . 4.52 ( 4 58 am 8 Oktober' Äqram ......... . 2.25 225 am 8 Oktober) Bukarest. . 4 90 4.80 am 8 Oktober Budapest. . 0.84 0 85 8. Oktobers Warschau. . — 12 -.12 am 8. Oktober) Verhaftung des ehemaligen Stadtkommandanten von Budapest. SamStag nachmittags wurde der Orchest'rdirigent Dr. Phil. Paul Moor, nach Budapest zuständig, dem Wiener Landesgericht eingeliefert. Dr. Moor war unter der Regierung des Grafen K a r o l y i Stadtkommandant von Budapest gewesen und ist nach dem Sturze der Regierung aus Ungarn geflüchtet. Gegen Dr. Moor war hier eine Ameige wegen Notzucht erstattet worden. Dr. Moor steht auch im dringenden Verdachte, obwohl er verheiratet ist, Beziehungen zu einer Wienerin angeknüpft, ihr die Ehe und ein Engagement in Amerika versprochen und ihr gelegentlich eines Besuches in ihrer Wohnung einen Brillantring im Werte von 200.000 Kr. gestohlen zu haben. Arrest hat doch Selbstmord verübt. In Wien waren gestern neuerlick Gerüchte verbreitet, daß der Millionenbetrüger Andrea- R u e f f am Leben sei und fich in der Schweiz aufhalte. Man erzählte mit aller Bestimmtheit, die von Direktor Hahn für die Firma F. A, E n g e l unternommenen Nachforschungen hätten ergeben, daß Rueff in einem kleine» Schweizer Ort nächst der französischen Grenze lebe, daß aber seine Verhaftung auf Schwierigkeiten stoße. Der Chef < des Wiener Sicherheitsbureaus Hofrat Dr. Schulz teilt uns zu diesen Gerüchten mit: „Das Wiener Stcherheitsbureau hat sich schon vor einiger Zeit, als Gerüchte auftauchten, daß Rueff keinen Selbstmord verübt hätte, neuerlich um Auskunft nach der Schweiz gewendet. Die Schweizer Behörde har uns daraufhin einen offiziellen Bericht eingesandt, der eine ein geh ende Darstellung de- Selbstmorde- Rueffenthält. Rueff hatte sich in Begleitung eines jungen Kellners in Lausanne aufgehalten, von wo er unter Zurücklassung einer Hotelschuld verschwand. Später wurde er in einem kleinen Orte bei Lausanne ausgeforscht. Als er erkannte, daß es für ihn keine Flucht mehr gebe, erschoß er sich in seinem Hotelzimmer. Man fand ihn neben seinem Bette liegend tot auf. Dem Attest der Schweizer Behörde zufolge wurde die Person des Toten einwandfrei festgestellt. Daher erscheinen mir die neuerlichen Gerüchte über Rueff unglaubwürdig." Der alte Duim bietet einen Ausgleich an. Wie man uns mitteilt, erhielt ein Wiener Bankier Freitag abends ein Telegramm aus Amsterdam, worin ihm mitgeteilt wird, daß der Vater des flüchtigen Valutaspekulantcn Duim den Gläubigern seines SohneS 120.000 holländische Gulden zum »Ausgleich" angeboten Labe.

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