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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-10 · Heft 970 (10.10.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 970 (10.10.1921)
Date
1921-10-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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‘item Wie» Montag Wienre ssrorge»Aermng 10. Oktober 1921 Seite 8 Gretzrr Kaffeneinbruch in einem Wiener Bankhaus. Heute nacht» wurde in der Bank und Wechselstube Max Witrovskh, I., Bankaasse L, ei« K.isseneinbrnch verübt, bei dem den Tätern, die mit den Ortsverhältmffen sehr gut vertraut gewe sen zu sein scheine», eine au-giebige Beute in die Hände fiel. Die Täter hall« die Kaffe durch Bloßlegen der drei Schlösser geöffnet. Das; die Einbrecher mit den Ort-ver- Mltniffui vertraut waren, beweist der Umstand, daß ffe die Türen hem Lokal mittels Nachschlüssel ösfticken und bei dem Vertaffen wieder absperrlen. Sie erbeuteten drei Scheck-, und zwar einen Verwechslirngsscheck deS Wiener Bankvereines auf K 455.000, einen Scheck des Bankhaus- Merö & Vamosz über K 500.000, e nen Scheck des Banthauses Deiches & Cie. über K 211.600. Außerdem nahmen sie an Bargeld «nd Valuten mir: L fiüO.COO, 600.000 polnische Mark. Kß b 00, HOO Lire, 500 deutsche Reichs« mark, 180 östcrreichi che ungestempelte Vanknoie» zu je L 1000, 7 österreichische ungestempelte Banknoten m je K 10000, 68 entwerte e österreichische Banknoten 3« je K 1000 mit falschem nu?an- 'chen Stempel und 1000 uugan che Kronen. Der Gesamtwert beträgt -- bic Schecks ausgenommen — L 1.800.000. Auf dem Tatorte fanden sich Obcrkommiffär Dr- Weiser mit/: Kriminalbeamte« Bezirks nspektor Roman Wolf ein. Sie nahmen den Tatbestand auf. Enzedrnngen sind die Einbrecher durch die Hintere Einganestkre, die in den Hof iührt. Sie baden sie Mit Nachschlüssel geöffnet. An der äußeren EingangStüre sind zwei Schlöffer angebracht, ein einfaches und ein basische». Die Doppeltüre, die dann kommt, hat nur ein einfache» Schloß. Alle diffe Schlöffer sind mit Nachschlüsseln geöffnet worden Das Geschäft testcht aus drer Räumen. Die Täter kamen durch die Doppeltüre zurrst in da» Bureau und von dort aus m de» e gcntlrchen Kaffenranm. In den Parteicnranm dürften sie nicht gekommen sein. Im Kaffenranm sp> engten sie die eiserne Kaffe mit ihrer 3 mm dicken Pall'.eruug durch Vloßlegen der drei Schlösser auf; dann sprengte« sie de« Tresor auf. Ihm entnahmen sie Geld, Valuten «nd Schecks. Vom Kafseirraum iührt eine Alarmglocke i« die Wohnung der Hausbesorgerin Josestne Mrindl. Die Leitung der elektrischen Glocke haben iic au Liner Mauerdurchiühinnc, durchschnitten. Obwohl rin Durchschneiden in kaum Mannshöhe möglich war, scheinen sich die Einbrecher davor deshalb geiürchtet zu haben, weck sie mutmaßten, sie könnten etwas umstvßen. Deshalb hat einer »inen Mancrvoriprung bestiegen und die Leitung i« größerer, als Manueshöhe durchschnitte«. Man sieht ans dem Vorsprung noch die Zrhengbdrücke de» Täters, der barfuß gearbeitet haben muß. Auf dem Tatorte ließen die Täter Einbruch-Werkzeuge, wie Brecheisen, Reißzanren, Gchneidezangen und eiu Messer zurück. E» fand sich auch verstreuter Pfeffer vor; offenbar hatten die Täter im Sinne, wenn sie überrascht würden, dm Pfcfftr dem Emtretenden inS Gesicht z« streuen. Es ist wahr- 'chemschlich, da» sie sich vor Toriperre in» Hau» geschlichen habe«. Asm Brrkamf vm Waren in sreMÄen : BsLnten in Wien. Pr»rg, S. Oktober, (privat.) Dre „Tribuna"^ schreibt! Die Tatsache, daß sehr viele G«> chiiftsleute in W i b n von ihren Kunde» tschecho-slowakische Kronen zur Bezahlung der Ware verlangen, wobei sie sich darauf berufen,, daß sie die Ware auS der Tschechv-Slowakei beziehen müffrn, verdient die brso dere Aufmcrksamke t unsere» FiuanzmmistcrmmS. Wenn e» sich um rme varübkrgehende Erscheinung handln würde, verursacht durch die Angst vor einer Abstempelung der österreichischen Kronen, so wäre die Sache nicht so arg, doch ist es bei der gegenwärtigen finanziellen Lage OesteinichS nicht ausgeschlossen, daß eine un- Volksoper. »G e n e s i u s". Oper in drei Aufzügen. Dichtung (mit Benützung der Operndichtuug »GeminimruS" von H. Herrig) und Musik von Felix Weingartner. Drei Jahrzehnte hat Weingartners Jugeudwerk gebraucht, um auf feinem Zuge über die deutsch?« Bühnen nach Wien r» gckangen. Genesius, der bei ühmte Schauspieler Kaiser Diokletians, der Liebling der Frauen, der zur Zeit der Christenverfolgungr» eine Christi« liebt und voll Verachtung de» ildiichen Lebens mit ihr freiwillig den Flammentod teilt, ist inzwischen um 30 Jahre aller geworden unc> die mitlcidlöse Zeit hat dieser Musik tiefe Furche« inS Antlitz gegraben. Als der junge Weingartner feine', „E^esm^" schuf, waren wenige Jahre seit dem Äsode des Bayreuther .Älleistei» dahingrgangcn. Parzifalklänge schwirrten noch in der musikalischen Atmosphäre ««her und die Erlösunasivee war ein weithin leuchtendes Symbol. Heute können w'r uns freilich kaum mehr die richtige Vorstellung von dem Wagner-Fauatismus jener Epoche machen, der de« gläubigen Musiier Wagner-Jdeen «nd Wagner-Motive geradezu ins Gefühl zchang. Wie der Parzifal singt auch der Genestuvon „deS Welterlöierö Wunden" und von der »Schar der treue» GlaubenSstreiier", Parziialweihe wechselt mit lyrischen Melodien, die Mendelssohns „Athalia" »nd »Lobgrsang" abgelauscht sind, himmlisch« uiid irdische Liebe, Heidentum und Christentum sind hier lauge vor NougnäS' „Quo vadis?" mit Geschick einander gegmübergestellt. Heldentum und Christentum haben ja Weingartner immer wieder beschäftigt, wovon sei« zweiteiliges DrWa „Golgatha", seine im indischen Geiste dem Parzifal verwandte Erstlingsoper „Sakuntala" und seine »Gefilde del Mligrü" Zeugnis abltgeu, i» denen Wotan und Wunsch«aid in Walhalls Wonnen vereinigt sind. Der Macht de» »Ringes" ist üc^Wtg^Kdmponift in der Leitmotivik »nd Deklamaäo» wie in den BrÜnhiiden-Schreien des letzten AkleS Vers allen; er liebäugelt aber auch mit der „Großen Oper", bringt Theater auf dem T -aler und hält sich in den Chöre«, in den prunkvollen Auszügen-und Ävlksszenen an erprobte Opernvorbildcr. Man mag heute, in der Aera Schrekernutz SchönberzS, über diesen ungleichen Bund von Mnsildrama, Oratorium und Großer Oper lächeln, immerhin war, der »GenesiuS". dit kräftige und ehrgeizige Musik eines junge» genialen anima-,--«**■ ii w^i«waroi!a»:'4^ '«MaaMBaiuggw^^ Almanaoh auf das JaSn« 8882 (V. Jahrgang) Redigiert von Otto Ab eies und Ludwig BaSo Das reich illustrierte, vornehm ausgestattete zionistische Jahrbuch ist eine wichtige, über den Stand der jüdischen Bewegung orientierende Publikation, die auch zu allen brennenden Fragen Palästinas und der Diaspora Steilung nimmt. Jüdisches Kaiend'ariwmsa ¥«sr!&g „WSciner Preis eine» Exemplars: Für Oesterreich und Polen mit Postzustollung K 150, für die Tscbocho-Slöwakei tschech, K 16, für Deutschland Mk, 16, für Jugoslawien Dinar 10, für Holland holl. L. 1 für das übrige Ausland 3 Schweizer Franken. 56& Bestellung'fMi an die „Wiener ioroeazeitims“ iL“ oder au 4io BuchhQitägung Rotenturmstrassa 22 werde» nwr s?euren Vor« an8b$zaliilitttg effiiektulert, günstige Rückwirkung auf unseren Vorrat an flüffigen Geldmitteln sich bemerkbar macken und eine Knappheit auf unserem Geldmarkt emtli/ien würde. Das können wir aber jetzt nicht branden. Deshalb Achtung vor den Spekulautm * HilfskroMitee für Lie «kraArfchen PsgroMvPfev, Wien, 1., Eeitettsretteusssie 2/II. (Ausweis Nr. 5.) Sammlung Halversohn: Josef N a s o n K 1600, Dollar Frschl3.0, F u h r m a u u und M- L a ch s je 200, Ä. B. M F e i n b e r g, Ing. G e s ch l. Dr. K o r a r n o »- i k i, L ö w e n s o h n, N. Hl, A. S ch e r und S \ r t e» je 100, Samuel Noch mm t l, I( 90. I. B e r s o n, V e r ns o h n. D a n z i n g e r, M. G r ü s ch k o, K o r n m e h l, I. L e r n e r, Z. O r l o w s k y und SusmannjeLSO luid Dr. R a'u ch w e r g e r K 40; zusammen K 3030. — S> mnilung Gn'ela R e i ch s f e l d: Hermann R e i ch s f e l d K 2010, N. N. K 131, N. M a n n, Akoriz R e i ch s f e l d. Frieda Schreier und Adolf S ck w arz je L 100, JosefZrmbler i< 60, B u ch s b a u m, S y l'l a, G a l l e i, B. K u b i 8, N. N. N N., Adolf R o s e u b a » m, Dr. Adolf Schächter, S ch w i n d e r und Z o l l s ch a n je K 50, Schwarz K 34, N. N. und Frau S i m v'n je i( 30, P ä ch l e r K 25, Wilhelm Blum. Braurr, H o l g h a ck e r. K l a r f e l d, Raab, Ä a n k a, R a p p a p o r t und Ignaz Stern je K 20, «isammen K 1500. Sammlung Pfeffer anläßlich Hochzeit Hecht -Rottenverg: Louis H e ch t und Frau K 1000, Markus Horowitz K 200, Eisenstein. Fra« Hauslinger,. Herzberg, M. R., O^latz. Familie Pfeffer Retter» «nd Fran Schwebet je L 100, Hermann Schader 30, B a d i a n, B l u m e n t h a l, F i s ch m a n n, Dr. Hauer, Isidor Kleiner, Jakob Kleiner, Kollnik, Joscf Rips. R o D. Schächter s e n z w e i g und Moritz Nuß je K 20, K 10, zusammen K 22-0. Santmlung Ra b brn er H e s ch e l: K s ch o n k o,> .lkarschau. K 180.. Isidor Wnrmbrand und Leo W n r m b r a n d je L100 znsammc uan K 111.SS2 f * „ * Die Enthüllung der Gedenktafel Bruckners. Gestern um; 12 Uhr mittags fand im oberen B.'lvetzcre in AniveseuheiL des!' Bundcslanzlcrs.diefe erliche Enthüllung drrBuickper-Gedcr/ta^lstatt.. Der'Obmann bet Bruüner-Veieinigung, Ingenieur S o e s e r, hielt! die Gedenkrede. * VerchafSurrK de» „Profeffers Dr. Döderl»in".i Lauge hat sich der Hochsiavlrr „Gynäkologe Profeffsr Dr. Hans. Joachim Döderleiu" nicht der Freiheit -rrffenen können- "Der Gauner, der sich als der Schloffergehilie Hermann Ed.mr»! M i ch a. e l i ß entpuppte, ist einer ch'stkrn hier vugelaugten Meldung der Gendarmerie zufolge in Wels verhaftet «w«?, Michaelis,^ der im Vorjahre an Hebammen als falscher Amt^aizr Erpressungen verühte,^ dann anbesngt die ärztliche Praxis ausgeübr, durch, eine Operation sich' die Wöglichkeit eincs freien Aufenthaltes in Gosaümühl ve:s;Lafft und dann aus Wien eine , Döb,lnger Kaufmannstochtec entführt hat und mit ihr nach Wels geflohen ist, war am 4. d. M. von dort Mf. zwei Tage" verschwunden. Es war schwer auzur.ebmen, daß er dabin zurück-, kehren werde., Das schemt nun doch der Fall gewejen m sein', denn Michaelis warde gestern, wie elwähnt, verhaftet. Cr wird nach Wien gebracht werden. ftatL Schskolahe. Der Gauner, der den Parisien statt Schotoladelrsten solche mit Sand vrrraust, hat geifern wieder ein Opfer in der in der SimMmnser Hauptstraße 169 wohnhatterr' Helen? Handlos gefunden, der er eme Kiste verkaulte, die stack Scho'olade 25,kg Sand enthielt und kl 7500 kostete. Er nsriMe - sich „Mundl", ist etwa 28 Jahre alt, brünett, , hat »chgühW« Zähne, Narbe am Hals und eme starke'Narbe cm der llulln Wan-i«». * Was qSes gkftohlrn wirtz. Samstast .ngchnsittGs f wurde in dem Geschäft des Kürschners Simon' Paulff, XVttt/, Währingerstraße 22, der Emilie Wundl)H., Wallmobeugaffe 11 wohnhaft, eine tieischwarchaarige, sehr glänzende Sfimk»-- stola mit wechem Kopf und Hermelmfuiter un Werte von ^rka K 2^0,00') gestohlen. Auf die Wiedererlangung ist eine Prämie von K 5000 ausgesctzt. — Am 30. v. M. ist bei der Firma Franz Hih§, I., Kärntnerstraßr 25, ein goldener schwerer Herienriug mit eineM erblengioßen Brillantenbkiderssjts mit ie einem tlrinen Smaragd umgeben, illl.Werie von 200M9 aus uNLiklärliche Weise, verschwundcu. — Nachts zum 8. d. M. drangen Einbrecher in die Leichenhalle des Lainzer Versorgungs- Hauses und stahlen ein 20 dis 30 m8 . umfassendes schwarzes Spalimurh im Werte von beiläufig L 30.000. Van den Tätern sl.hlt jede Spur. ' . .Woja" ^... '; WistschLftLiche Organisation der jüdischem stellten^ In der Abgabestelle^lll.. Estevlatz 4 (GoffenlokaO, werdenan die Mitglieder am Montag den 10. und Donnerstag de». 13. d. M., folgende Lebensmittel abgegeben: Welznifeinmeli! und Welieabrotmehl 1 kg -p»r Mitglied Kartoff.ln. Bohnei', iärbig. Kuuerol 1 kZ per Familie, Kaffee, SantoS. uu.;edr mnt. Bl'mtsalz. Kondensmilch (aczuckerle sttestlv Dor'ck L 'cerpa'": Sardinen, norwegisch, und diverse Bcha-fSarrilll. ^ert new u .r» schtie sr l ich .von */r» b >. s 7 U h.r -umlmurr tan anderen Tagen gesvörtt). Ohne Mitgliedskarte' 'knne Äk'g'rde'.' Transvoitgffäße mitbrmgen. Brisfkchftett der MsdorktiVA. Hilfe. UuS ist bisher nichts bekannt geworden, daß dü. genannten Botschaften solche TrauspSlte auf eigene Kosten vornehmen. Frsgen Sie übrigens bei der argentinischen Gesandtschaft nach. Bor Brasilien wird allgemein gewa nt. — Nitra. Es gibt Sorten von Kunsthonig, welche schr schwer alssolche feststellbar sind. Sie müssen die Prüfung einem Chemiker übergeben.; ~ Be« Ami. Bcsieu Dank! Lewer nicht geeignet. Meister», zu einer Zeit, da Richard Strauß noch kaum über dre Anfänge hinaus gediehen war, des Erfolges sicher. Zu spät, ohne künstlerische Notwendigkeit, ist «un die Oper nach Wien gelangt und eS ist heute eine „unzeitgemäße Betrachtung", sie noch unter die kritische Lupe zn uchmen. Da» Publikum der Wicner Ersta«fführ»ng schien von diesem ^Anachronismus" nichts zu merkm und das Werk herrlich wie am ersten Tag z« finden. Fel.p Meinzartner, von der Regie deS Herrn M a r k o f S k h wirkungsvoll unterstützt, war am Dirigentenpult der beste Anwalt i» eigener Sache; auch die Bühninleisiungen von Fräulein Rantzau als Prlagia, Frau G e l t e r als Claudia und Herrn Brand als Cyprianus verdienen alles Lob; etwas derb geriet der markige GenesiuS deS Herrn L u ß m a » n «nd Herr Grnder-Guntram als Kaiser Diokletian ließ die volle Majestät in Stimme und Erscheinung vermiffen. Im Ganzen hatte die Darstellung den rechten Zug, Weingartner und seine Künstler wurden immer wieder vor den Vorhang grjvbelt und so gestaltete sich die verspätete Erstaufführung äußerlich za eine« Triumph für den Kompomsteu und sein Werk. Dr. Erwin F e l h e r. Konzerte. Das «usikalische Wien feiert die 2b. Wi derkehr des Todestages Anton Bruckners, des Nachfahren Beethovens und Schuberts im Reiche der Symphonik. Kapellmeister Dr. Ludwig Kaiser eröffnete de». Reigen der Festkonzerte mit einer wohl» abgetöntcu, stimmungsvollen Aufführung der L-äur-Siusonie, der die Erstaufführung ber G-molkSChtöcrtüre, eines bisher unveröffentlichten Jugendwerkes, vorausging. Die seierliche Einleitung, daö Streben »ach Glanz, die prachtvolle Führung des Hornes, die naive Freude am Volkstümlichen laffen hier bereits in der Keimzelle erkennen, wa» sich späler zur herrlichsten Fracht entfaltet hat, aber auch eine trotz aller Kurze vorhandene Weitschweifigkeit und Unübersichtltchkeit, episodisches Beiwerk und manche Klang* häufnngen im Orchester sind echtester Bruckner. Der herzliche Beifall galt wohl weniger dem Werke als dem Andenken des großen Symphoiitkers. Die von Dr. HauS P l e s r geleiteten Orchesterkonzerte sind bereits mr fteisi iflcr, wMommene» Eiurichtuna aevorde». Ebrlicke Kunstbegeisterung ist dem jungen Dirigenten nachzurühmeu, de«, rS freilich an der feinere« Klangdifferenziernug mitunter gebricht- Bri der Erstaufführung von Skrjabins- „Pofcme de rextase" erwies er sich als geschickter Beherrscher mächriger Klangm^ssen. Klang, nichts als Klang, keuuzeichner diese phantastische Schöpfung Skrjabines, in der er noch mehr als in seinem „le divine pofeme" dem jmigftanzösischen Einsiuffe verfallen ist. Keine Extair. in der man „ertrinken, versinken" möchte, sondern bei aller Virtuosität erklügelte Farbenmtschungen, die immer greller, immer wüster werden. Dieser Klangorgie war Brahms edleS B-dur-Klavirrkouzert vvrausgrgangru, von Eduard Steuermann, dem .Vorkämpfer der Moderne, mit techmjcher Meisterschaft in klarstem, plastischem Aufbau zum Vortrage gebracht. Der Sturm der Pianisten auf die Konzertfüle hat wieder begonnen. Einen Gewinn bedeutet die Btkanntschaft «it der australischen Pianistin Madalah M a s s o n, die in wrldti» Dahinstürmen alle Schwierigkeiten von Tschaikowskys 6-äm- Phantasie für Klavier und Orchester'bewältigte. Auch der junge Miczyslaw Münz ist technisch weit voraeschntten, kein remparamentvolles Spiel verrät musikalische» Empfinden und selbstständiges, tönstlerische» Denk'«. Ein mterkssonteS Progn-mm absolvierte der treffliche Pianist Leo S i r o r a. Weniger briannte Klavierstücke von Rubtnstein und Liszt spielte er mit ausg - zeichneter Technik, freilich mit kühler Distanz und nachlässiger Eleganz. Auch Frau Äntoni: Geiger-Eichhoruhatfich diesmal vorwiegend für technische Probllnre inckressiert. Fräulem Gertrud Z e r n e r nutete für ihrcn sultivieiteu Beethoven-Vortrag lehhasten Beifall. Roll Seelenadel sang Richard M a v r BrahmS vier rrnße Gesänge: ^Wcr böte ihnen als Mkifl>r dcs Viedes Truh.E Auch die Altstimme von Fräulein Rtsetta Deutsch, die nnlz manches zu lernen hat, schöpft aus der Tiefe deS Grmüts. — Fritz Kreisler, der sich im fernen Weste» 'sietals Oesievreichee gefühlt hat, ist in seiner alten. H:imat mit jener Herz licht eit ausgenommen worden, die in gleicher Weise dem warmherzigen Philanthropen wie dem großen wutterischen Kün'der galt. In seinem warme», einschmeichelnde«, ^eichtbebenden To», wie in der schlichten Gtöße, «it der er Beethoven spielt, ist er ei« idealtt. Repräsentaut der. Wiener Gugerschule. i '.Dr- Erwin F e l b e r.

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