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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-10 · Heft 970 (10.10.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 970 (10.10.1921)
Date
1921-10-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ministerpräsident Brian d hielt heute nachmittags bei einem zu seinen Ehren veranstalteten Bankett in. Saint-Nazaire eine . Rede, worin er ausführte: Man habe gesagt, wenn er , ,> Briands gewisse Konzessionen verweigern werde, ^ckönne Frankreich einen besseren Nutzen ou'. seinem . S'.eac ziehen. Frankreich habe die grössten Opfer ge- . iMcht, Es habe ein Anrecht auf volle Reparation ... . feiner Schäden. Er habe aber gedacht, daß Frank- .... reich .• nach dem 61 e g t; ei.n A nie ch t auf ^Frieden . habe und ein. Anrecht darauf, in der .... M e l Le in tnt r st enP X a tz einzunehmen. . Märe dem nicht so, dann seien , die Männer, die . t Frankreich regieren, nicht auf der Höhe , ihr er Ausgabe. Er habe die Regierung übernommen, in der. Absicht, . den Frieden für Frankreich ficherzustellen.. Das fei vielleicht keine Politik, die Ne. Masten, begeistere, . aber sie führe wenigstens nicht zu Eventualitäten, aus denen die Länder oft ruiniert herauskämen. Während der Friedensveryandlungen habe Frankreich Konzessionen also die guten Franzosen, die Ä^WiedensvertzMdlünM gefsihrt hätten, gezwungen ' WpM wäM' sich damit abzüfinden, dann Wßren sie die elementare Intelligenz besitzen, M begreifen, daß er, der erst zwei Jahre nach Abschluß hsp Waffenstillftander zur Regierung gelangt sei, ohne He yollKommeneß Instrument, in Händen zu haben, kein vollkommener Werk habe schaffen können. Wie Hn. Vorgänger. habe er, um die Ausführung des Kiedeysvertrages möglich zu machen, im vollen Ein- He r jt a n d n i 5 mit Franke e ich r Alliierten Handeln,müssen. Ohne diese 6 01id a rit St wäre S^e AusWrung . des B e r t r a g e s unmöglich. Niemals jedoch könne Frankreich alles erlangen, war nHln ihm f ch u l d t t, weil es Dinge gebe, die «an cht.be za hl eit k üitn e.;; Briand lehnte es ab, sich auf Prophezeiungen elpzulasten.. Um den schlechten Willen des deutschen PLUarismus z« besiegen, habe seine Regierung die Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort beschlossen Dies seien Ereignisse von großer Bedeutung, die der Regierung nicht. auf das Aküvkonto gebucht Äerderr, während man von ihrem Debet großes Aufheben mache. Wenn man an 1871 erinnere, so vergesse man, daß der letzte Krieg alle finanziellen und Hinscha.stlichen Vorstellungen umgestoßen habe. Man vergesse, daß die Forderungen Frankreichs durch das Schwanken des Wechselkurses ungeheuer vermehrt worden seien. Wie kann man da behaupten, die jdrderungen Frankreichs seien verstümmelt worden lind die Regierung habe nicht ihre Schuldigkeit getan? Die Mobilisierung der Iahresklasse 1919 habe die Regierung nicht leichten Herzens unteruommen. Das Ergebnis habe gezeigt, daß sie gerechtfertigt gewesen sei, denn am Tage des Friedensschlusses von Frankfurt a. M. habe her deutsche Reichstag die Niederlage Deutschlands anerkannt. Hätte man die Iahresklaste« 1919 noch langer draußen gelassen, dann hätte man den Kriegszustand »»nötig verlängert. Seitdem habe Deut sch l a n d gewissenhafter als in der Vergangenheit feine Verpflicht u n ge n eyr füllt. . Es habe entwaffnet. Frankreich halte an seinen. Bündnissen, fest. Die Regierung aber vergeffe nicht, daß nicht allein Franzosen ihr Blut für die Freiheit Frankreichs vergoffen haben. Frankreich werde, ohne etwas von seinem Recht auf Sicherheit aufzugeben, nicht vergeben, was ch den Mimten schulde. Jetzt sei Frankreich nach Aebersee. eingeladen. Wan werde hingehen, um eine Kankaspfstcht zu erfüllen und um einer Pflicht tzraenirbek-, Frankreich nachznhommen. Frankreich muffe gerüstet bleiben, so lauge, seine Sicher- «ftt «üHbkieM ja. Staoiteicb Me ein Anrecht aus Reparationen und. seine Sicherhe . In dieser Hinsicht werde die Regierung keinen Augenblick nachgeben. Die f r a n z ö s i s ch e .R e g i e r u n g habe Vertrauen zur ge gen w ä r t i g e n d e n t s ch e n R c g i e r u n g. In der Kaminer werde sich Briand darüber auszusprechen haben. Werm ein genialer Geist das Geheimnis, besitze, alles bester zu machen als er (Briand), werde er ihm sofort Platz, machen. Er klebe nicht an seinem Posten. Aber bis i zu diesem Beweis und solange er^.diie'Marke uo'ch^ nicht im sicheren Hasen h.äbe, wolle ar am Steuer bleiben. __: 1 Tie interrmtiormle Hilsskgrrferenz für Zr«tzlaAd. Brüssel, 9. Oktober. (Wolff.) Die internationale HilssKonferenz für Rußland hat fünf Resolutionen angenommen und damit ihre Arbeit beendet Pie erste Resolution erklärh daß die durch die Hungersnot heroorgerufenen BerheerüngOr ^ANter her russischen Bevölkerung derart schwer sind, daß die Konferenz ein sofortiges materielles und finanzielles Zusammenarbeiten der verschiedenen Regierungen für notwendig hält, um durch ein ausschließlich humanitäres und charitatives Hilfswerk die privaten Organisationen zu unterstützen; eine strenge Kontrolle durch die Vertretungen der Mächte in Rußland ist unerläßlich. Die zweite Resolution bestimmt, daß die Regierungen und private» Organisationen . aufgesordert werden, sollen, sich bis zum 1. November über die Wichtigkeit ihres Zusammenarbeitens zu äußern. Die dritte Entschließung sieht vor, daß eine Mission nach Rußland entsendet «erde, um über die tatsächliche Lage Bericht zu erstatten. Die vierte Entschließung lenkt die Aufmerksamkeit der Fürsorge des Roten Kreuzes auf die Rettung der großen Zahl russischer Kinder, und zwar durch Methoden, die die Gesellschaften vom Roten Kreuz für die besten halten. Die fünfte Entschließung erklärt, daß vor Gewährung von Krediten die Regierungen die Anerkennung der bestehenden Schulde» und der anderen Verpflichtungen, die aus der Verantwortlichkeit der ruffichen Regierung resultieren, durch die Sowjetregierung fordern werden. Außerdem sollen entsprechende Garantien für alle gewährten Kredite gegeben werden. Die Konferenz legt. Wert daraus, zu erklären, daß sie sich bei diesen Befchlüffen von der Verfolgung -keines politischen Zieles habe leiten lasten und daß die Mittel, deren Anwendung sie verkündet, die einzigen feien, die Garantien für die Linderung des Elends in Rußland und für die Vorbeugung einer Wiederholung bieten. Die italienische Delegation machte hinsichtlich der Anerkennung der Schulden durch die Sowjetregierung Vorbehalte. , . Wie verlautet, werde die Konferenz wiede^ zusammentreten, wenn neue Entscheidungen notwendig werden. Die Konferenz von Venedig. B«»desk«nzler Schober a-gereift. . Wien, 9. Oktober. Gestern abends ist Bundeskanzler Schober in Begleitungdes Sektionschefs Oppenheimer, des Ministerialrats Dr. Duffek- und des Kanzleidirektors B 0 d 0 vom Südbahnhof nach Venedig abgereist. Vizekanzler Breisky übernimmt während der Abi' esenhejt des Bundeskanzlers die Führung der Geschäfte. Tic Leitung deS inneren Dienstes im Ministerium für dem Wandten P 0 z a t s ch e r.. übMMW. Die Ungarischen UnterhLn-ler. Budapest, 9. Oktober. (U. T.-K.-B.) -Ministerprüfident Gros Bethlen und Minister des Aeußern Graf B a n s f v sind als Delegierte -dex ungarischen Regierung heute abends nach Venedig abgerM. In ihrer 1 'Begleitung befinden sich der frühere StäätsfEetär Tibvr Szitovszky und der Leiter der pvlitifHen" Sektion; des Außenministeriums Legationsrat Grast Khuen-- H e d e r v a r y. An den Verhandlungen in Venedig wird auch der Budapester italienische Gesandte Prinz Cästagnett 0 teilnehmen. . ' "-'--U-' Von diplomatischer Seite erführt die Korrespondenz Herzog: Jin Zusammenhang mit der Konferenz von Venedig berichtet ein Teil der ungarischen Presse in höhnischer Weise über ^Versuche der österreichischen Regierung, das Zustandekommen der Konferenz zu vereiteln". Diese ungarischen, offenbar inspirierten Darstellungen bedeuten eine ganz bestimmten'. Zwecken dienende Fälschung des Sachverhalts. Die. österreichische Regierung hat sogleich der Abhaltung einer solchen ' Konferenz zugestimmt, sie hat sich nicht damit begnügt, sondern sofort die Voraussetzungen genau gekennzeichnet, unter-welchen hier die Konferenz aussichtsvoll erschiene, indem - sie aus die Notwendigkeit einer wirlichen Räumung des Burgenlander vor jeder meritorischen Behandluistg der strittigen Frage hinwies. Die Verschiebung ' der Konferenz ist, wie durch übereinstimmende Meldungen der internationalen Presse bestätigt wird, auf formale, inzwischen beseitigte Bedenken der englischen Regierung zurückzusühren. Bei dieser Gelegenheit muß aber bemerkt «erden, daß die ungarische Preffe durch die. M,, Me sie. die Konferenz als eine für das unganfM-iDWeffe-, vorteilhafte, für das österreichische JnKreM'ungünstige diplomatische Aktion behandelt, in beleidigender Weise den unparteiischen Charakter der vermittelnden Mächte in Frage stellt und die Sache der Konferenz komv; omittiert. Die BurgenlSrchler geAe» HW MoRarchifte». 'st MW. Gestern vormittags fand in der Bolkshalle eine von den Mheitlichen bürgenländischen Organisationen^ -veranstaltete Massenversammlung statt; da die Halle sich als zu klein erwies, wurde am. Rathausplatze eine.zwejkeHersammlung abgehalten. Im Saale sprachen L e s e r, T i l l und Mosler. Sämtliche Redner protestierten Men die dilatorische Behandlung der Frage des Anschlusses des Burgenlandes von seiten der Entente. Die Forderungen: der Versammlung wurden in emer Resolution^ niedergelegt, welche nach Schluß der Versammlung dem Bundeskanzler sowie den Vertretern der interalliierten:Mgchte überreicht wurde. Die Versammlung sprach auch entschiedenen Protest dagegen aus, daß das Burgenland als Sprungbrett der Karlisten benützt werde. Nationalrat Dr. Ellenbogen wendete sich in längerer Rede'gegeu die Preisgebung der Bestimmungen des St. Mrmamer Vertrages und kam anch auf die m Wien umlWerchen monarchistischen Putschgerüchte zu sprechen, wobei er erkürte: . Mngesagte Putsche und Revolutionen gehen bekanntlich nicht los. Die Herrschaften, die jetzt hier die Verschwörer spielen wollen, sind noch sehr ungeübt. Wir wissen genau, was in ihren Versammlungen vorgcht.^ wir kennen jedes Schriftstück und alle ihre geheimen Losungsworte. Diese naiven Herren find nicht geeignet- Pnffche zu fabrizieren. Aber eines will ich hier bemerken : . Dös. verbrecherische Treiben der' Herrm Hüssärek, Wiesner, Schager und Resseguier wird die Arbeiterschaft sich nicht mehr lange bieten lasten, Wenn diese Herrschaften mit uns spielen wollen, werden /sie die proletarischen Fäuste zu spuren bekommen! Wir sind , aus alles mit allen Mitteln und für jegliche Fälle gerüstet!" ,Jn der Resolution wird gegen Äe Verschleppung der burgenländischen Angelegenheit Protest erhoben, insbesondere gegen die Duldung der monarchistischen Umtriebe von ungarischer Seite. Die Versämmlnng besteht auf der Ablehnung aller Sonderwünsche oder neuer'Verhandbrngen mit Ungarn. Sie erhebt Protest gegen-die Drangsalierung -het Burgenländler durch die ungarischen Horden. In Anbetracht der bedrohliche« - Situation und Gefährdung der Republik von feite» der magyarischen Banden fordern die Burgenländler -von, der Negierung, die sich freiwillig meldenden BnrgenlsiWer in die Reichswehr fMct emttihe» m laßen. ~ , : \ /■ 1

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