Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 969 (9.10.1921)
- Date
- 1921-10-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 909 vonnrai Witucv B»»rge«zett»«s ——^>-^ —'■■■" - -’ - Trafri-.n «r.- -> H.VT.~ J.: ' .1 - - - foickenr der inenschheiLlich-ethisch>»! 'Gehall. Nicht um ■pit Embleme geht es uns, sondern um die Schaffung ÄneS freien, selbstbestrmmrndenautvchthonen, das heißt in der eigenen 'Scholle' verwurzelten Volkes, das sich 'irr ungehemmtem Schassen sein ^genes nationales und kulturelles LeÄn baut, so erst feilte letzte 'Bestimmung ««.füllt und d!rrrch die Form kraft seines von. allen Hemmungen entbundenen Geistrs das äußere und innere Antlitz jener Länder urch allmählich..auch der übrigen. Welt Umzugestalten vermag. In dieser, von den politischen Miasmen gereinigten Atmosphäre, wird dann auch die Frage nach, de« Mehrheit im.Laude Wie nach dev staatlichen Form des Zusammenlebens.. 'ilfße ihr' heute zuge'messene Bedeutung verlieren. < Das ivirb freilich nicht heUte geschehen und nicht morgen, über die allgemeine Entwicklung wird diesen Weg ebenso wie für Europa auch für den Orient Vorzeichen. ' Konzertbuceau des „Har nach“ Wien, IJ., Taborstrasse 1—8 Sonntag, 16. Oktober, 3 Uhr nachmittags Mittlerer Konzerthaussaal Festakademie des ^Hamacii11 Mitwirkend: Miriam Schnabel-Hoeflich (Rezitation) Prof. Julius Wolfsohn (Klavier) Gerson Margulies (Gesang) Karten an der Kasse der „Wiener Morgenzeitung“, Kartenbureäu „Aida“, IL, Taborstrasse 6, Buchhandlung Löwit, I., Rotenturinstrasse 22, und an der Konzerthauskasse, III., Lotbringerstrasse. 515 f. Lord Robert CecU. /• Nach englischen Meldun^sn wirdLord.Ho b e x t He.cil an dem in den nächst^ Tagen in Wien..staitsirtdendeu Kongreß der Söl kerbundligen teilnchmen. Aber selbst, wenn Lord Robert nicht persvnlich nach Wien kommen sollte, wird jeder der Kongreßteilnehmer während der Beratungen an ihn'als ernenn vielleicht den ersten Schöpfer dr's Völkerbnüdgedankens, jedenfalls aber an ihn als den Initiator der Völker--' bundligen denken müssen. Lord Robert Cecift hat sick/ den Völkerbund allerdings ganz anders gedacht, als kt sich bisher zeigt und entwickelt. Und '.gerade,weil, er sk dem Völkerbund in seiner,, heutigen Gestaltung nicht. rÄs Ideal einer Bertxetung der Mlker der Welt als ein *Jti€ entsprechenden Machtmitteln aus gestattetes Jststrsrment des Friedens nicht nur zwischen den Staaten,'spnder auch'' unter den Völkern erblickt, will er' im Äege der.agitatorischen Arbeit der Völlerbundligen Len Völkerbund selbst zu dein gestalten, was er eigentlich sein sollte nüd ihn gleichzeitig gegen die reaktionären Feinde des Völkerbundes, die sein Ansehen herabzusetzen und seine Autorität zu untergraben suchen, schützen. 'Dieser Gedanke kommt in allen Reden Lord Robert Cecils im Völkerbund selbst zum .Ausdruck. 6 ' Lord Robert Cecil stammt aus der alten engtischen Adelsfamilie der Salisburys, sein Stammvater William war Minister jn der Elisabethinifchen Epoche. Er selbst übt sein Recht, als Lord im Oberhaus zü sitzen, nicht aus und sitzt im Unterhaus, wo er sich, bei alten Parteien des größten Ansehens erfreut, so.daß' ot’; so oft sich die Lage des englischen Kabinetts kritisch! gestaltet, stets als einer der ersten für den Premierposten genannt wird. ' ' / . Lord Robert Cecil ist Zivni st. Er gehört nicht zu jener Sorte von nichtjüd.ischen Freunden, des Zionismus, die dem Zionismus nur theoretisch' Sympathien entgegenbringen, er Trennt sich' vielmehr Mt Recht selbst einen Zionisten, und über seine Initiative entstand im Eygland der Klub zionistischer Parlamentarier, der fast ausschließlich aus mchtjüdischen Mitgliedern beider Häuser besteht. Dieser Klub zionistischer Parlamentarier richtete an die Konferenz in. San R e m o das denkwürdige eindringliche Telegramm, in ruülchern die Forderung gestellt wurde, daß die Balfour- - Deklaration in den Friedensvertrag mit der Türkei äufzunrhmen sei und einen integrierenden Bestand teil des Friedensvertrages bilden möge. Wie tief in Lord Robert Cecil die zionistische Ueberzeugung wurzelt und wie sehr er in der englischen Oesftntlichkeitals Zionist bekannt ist, zeigt eine Episode,, die vom Führer der englischen Arbeiterpartei, Oberst Wedgwood, erzählt wurde. Anläßlich der'unrühmlichen Peßach-Unruhen, bei welchen Jabotinsk y verhaftet wurde, eilte Oberst Wedgwood zu Lord Cecil, und ries entsetzt: „In Palästina ist etwas Schmachvolles für England geschehen. Sind Sie denn .kein Zionist mehr, Lord, daß' Sie das ruhig mitansehen könnest?" Lord. Robert wies die Zumutung, dem Zionismus untreu geworden zu sein, mit Entrüstung zurück, und man erinnert sich noch seiner Mtionen in dieser Angelegenheit. Dieser tiefe Glaube Lord Robert Cecils.wird mit seinem unerschütterlichen Glauben an die Bibel c-Märt. Nack seiner innersten Ueberzeugung kann die so schwer krank' Seele der Menschheit erst dann gesund werden, wenn das jüdische Volk wieder in den Besitz seiner Heimat Palästina gelangt sein wird. Dieser seiner Ueberzeugung hat Robert Cecil nicht nur im Zusammenhang mit der Balfour-Deklaration, sonder« bei fever Gelegenheit im Parlament und in politischen Versammlungen unumwunden und mit Wärme .Ausdruck gegeben. Seine erste große zionistisch?! Rede hielt Aoürrt Cecil in dem großen Meeting im Londoner Opera-House im Jahre 1917 und noch' in aller Erinnerung lebt der tiefe Eindruck, den seine Rede in der grandiosen Versammlung in der Albert-Hall in London im Frühjahr 1920 geübt hat. ' Nicht nur die Wiener Zionisten, sonderst das gesamte'österreichische Judentum hat allen Grund, diesem großen, gesinnungsstarken Freund unseres Volkes dankbar zu sein und wird ihm, wenn er nach' Wien kommt, aus vollem Herzen einen ehrlichen WillkonMgruß entbieten. Araber und Juden in Palästina. I e r u s a l e m, im September P21. .Der Direktor des Lehrerinnenseminarsin Jaffa, . Dr. I. E p st t in, der schon vor Jahrzehnten als erster die Arabersrage in der hebräischen Kresse behandelt hat, veröffentlicht in den beiden hebräischen Tageszeitungen Palästinas gleichzeitig einen .Artikel über-die Araber-, fragen dem' wir' das solgekde' enLnehinen: -. . .. Im Lause der vierzig Jühre,s. s«it der Jischub besteht, chaben wir', nicht aufgehört, über alle möglichen gesellschaftlichen Fragen nachzudenken, welche mit ihm. Zusammenhängen; aber eine Angelegenheit haben wir ganz vernachlässigt, das' Volk, das in Palästina wohnt und in dessen Mitte wir uns ansiedeln werden. Als am zionistischen Horizont die Politik erschien, setzten wir unser ganzes Zutrauen nur auf die Herrschenden, das Volk aber vergaßen wir ganz, und erst recht vergaßen wir, daß wir es sticht mit 600.000 Arabern in. Palästina zu tun haben, sondern mit Mil- , krönen ihrer Brüder in den angrenzenden Ländern. Der einzige unter uns, der an die Frage gedacht hat, fotir Baron Rothschild. Er verlangte immer von seinen Beanrten und' den Kolonisten, mit best' Arabern freundlich umzugehen; bei seinen Besuchen bemühte er sich immer, ihnen Zeichen seiner Freundschaft zu geben; und noch einen wichtigen Grundsatz befolgte der Baron: langsam Md ohne Lärm vorzugehen. Die Balfour-Deklaration hat uns erst recht die Araberfrage vogessen lassen. Wie groß war.der Irrtum! Wenn es schon unter türRscher Herrschaft unmöglich war, sich auf die Regierung zu . stutzen, und wir immer direkte Beziehungen zu den Nachbarn suchen mußten, um wieviel mehr Mt dies heute, wo der'Krieg die! nationale Entwicklung der Völker gewaltig gefördert und' gleichzeitig die Autorität der großen Mächte bedeutend erschüttert hat; denn die kleinen Völker sehen, wie die großen Mächte um ihre Gunst buhlen. Nun können wir freilich' mit Recht darauf hintveisen, daß wir vom Beginn unserer Kolonisation den Landesbewohnern nur Segen, Reichtum und 1 Kultur gebracht haben; aber wenn wir darangehen, in Massen zu kolonisieren, kann das arabische Volk leicht glauben, daß wir kommen, um es zu verdrängen. .. Mit marktschreierischer Verkündigung unserer großen Absichten jagen wir ihnen nur Furcht ein. Wir staunen, daß das arabische Volk der antijüdischeni Agitation Gehör schenkt; aber was haben wir getan, um es über unsere wahren Absichten aufzuklären? Wir' glauben an unser historisches Recht, aber die anderen wissen nichts von unserer jahrtausendealten Sehnsucht. Sie betrachten Palästina als einen Besitz, den wir vor zwanzig Jahrhunderten aufgegeben haben und der längst neue Eigentümer gefunden hat. Wir haben nichts getan, um denr Volke, dieses Landes in seiner Sprache und entsprechend seiner Fassungskraft zu sagen, was wir wollen. Wir beklagen uns über die englischen: Beamten, die unsere Angelegenheiten nicht vertrete«, aber was haben wir getan, um auch' uns sie von der Gerechtigkeit und Reinheit unserer Bestrebungen! zu überzeugen? Die großen Regierungen gründen im Osten Zeitungen, betreiben Propaganda und wir schweigen, während in Beirut, Damaskus, Kairo und Mexandrien die Zionisten täglich von einer vergifteten Presse verunglimpft werden. Wir sagen, die Christen und Franzosen sind unser« Feinde; aber gibt es nicht auch unter ihnerr ehrlich« Menschen, die den Zionismus zu würdigen wüßten, wenn sie ihn verständen? Bis heute haben wir — dies wird immer ein Zeichen unserer politischen Unfähigkeit bleiben — in arabischer Sprache auch nicht ein einziges Heft über unsere nationale Bewegung, und bi« zionistische Literatur in französischer imb englischer Sprache ist hier ganz unbekannt. Dafür sind unser« Zeitungen voll von Megrammen über Mische Regimenter. Wir müssen dem arabischen Volke folgende Bsr- Mäge machen: : ' . 1. Politiische, materielle und Moralische Hilfe für seine nationale Entwick- 9. OLWvec 1S21 Lung in allen.Ländern. Unser politischer Ei»-, fluß in den westlichen Ländern ist.für das arabiWq Volk sehr wichtig. ß 27 O tko no mische H i lfe für die Araber stin-as durch Gründung von Vorschuß kassen «chi medizinische Hilfe in den'Städten.Md in dav! Nähe, der Kolonien. ' ", \ ' 3. Soziale An nähe ru n g. . Lernen wir. di«, Sprache dieses Volkes, ziehen wir es an uns. heran.' . . Der erste Schritt zur Verwirklichung dieser Forderungen muß die Gründung einer Orgastis atro n . sein? Diese Organisation wird sich zunächst'Mit 'unserer Freunden unter den .Arabern in Verbindung setzen, ein« gesunde und hochstehende arabische P r e s s e schassen, populäre Broschüren drucken, auf die zionistische 'Organisation Einfluß ansüben, die Neuangekommenen .Ein-' Wanderer über Sitten und Gebräuche: der Araber ausklären. Sie wird jüdisch-arabische Klubs gründen, in denen Vorträge und Vorlesungen in beiden Sprachen stattfinden werden, sie wird hebräische.Kurse für Araber und arabische Kurse für Juden einrichchn. .Die Ideale unserer Propheten über das Zusammen-, leben der Völker sind unsere besten Waffen im nationalen Kampf- ' „ . . So weit Jizchak Epstein; seine .Anregung ist beson». ders von R a d l e r - F e l d m a n n, dem Redakteur der. misrachistischen Wochenschrift „H a t 0 r",' ausgegrissen^ worden, der sich schon seit Monaten . um eine, vernünftige arabische. Politik der Zionisten bemüht. 'Er), schreibt in, einem'' Leitartikel seiner Zeitschrift: „Int Waad:'Haleumi und noch vorher im Waad Hasmani war; eine kleine . Müroritüt, hie seit jeher mit Hart^ näckigkeit' dem. Lionismus eine lokale Orientierung zu. ' geben versuchte; aber sie wurde verlacht, das Arabische . wurde aus manchen Schulen entfernt und wir habe» uns um Sprache und Kultur des Arabischen Volkes , nicht gekümmert. .Was für ein Puch ist .bei uns über' das Leben der Araber geschrieben worden, welchje Referats haben wir gehört? Sicherlich' gibt es auch im Leben dieses Volkes Wandlungen; erfahren wir etwas darüber? Es ist keine'Uebertreibung, zu sagen, daß wir mehr ) bekannt sind mit den Verhältnissen in Skandinavien, ja selbst in Japan oder China, als mit dem . Leben des) Volkes, mit dem wir in täglicher Berührung sind. Der einzige Dtann, her auf eine Verständigung hin-- arbeitete/ war Herr Kalwaryjski von. der .Jca. .Aber kann eine derart wichtige .Angelegenheit dem noch so guten Willen eines einzigen Menschen attvsrLrmck werden? Noch stehen wir am Scheideweg«, noch können wir Versäumtes nachholen; aber es ist die letzte Stunde./ Die beiden Artikel von Epstein und Rad.ler-. Feldmann haben ftarM Aussehen erregt und dürften der Anlaß zu weiteren Diskussio»ierr sein. Gewerkschaftliche Freiheit in Ungarn. Eine Enquete des Internationalen Arbeitsamtes. Die in der gesamten Presse erörtertert und in emem Teile derselben mit Entrüstung kommentierten' Gewalttaten und Verfolgimgen des Horthy-Regimes lenkte« die Aufmerksamkeit Europas aufdie Vorgänge in Ungarn. Die ungarische Regierung sah sich hiedurch veranlaßt, ein Ersuchen an das Internationale Arbeitsamt in Genf zwecks Entsendung einer D'elrgaLion, die sich durch persönliche Erfahrung von den gwben Ungenauigkeiten (Grossieres inexaetitudes) der tendenziösen Gerüchte über den angeblichen Weißen Terror überzeugen könnte, zu richten. Das Internationale Arbeitsamt, das kein politisches Organ ist, übernahm HM Mission mit dem Vorbehglt, daß die Erhebung sich. * schränken sollte, ftstzustellen, ob und in welchem Maße das durch den Abschnitt XIII des Versailler Friedensvertrages gavantierte Prinzip der gewerkschaftlichen Freiheit und das durch Artikel 427 gewährleistete „Recht des Zusammensch.lnfses zu allen rechtmäßigen Zwecken sowohl für ^Arbeiter als auch für Arbeitgeber" geachtet wird. Die Mitglieder her Delegation sind mit einer Fülle von Dokumenten versehen zurückgedehrt. Der unter dem Titel „Uebe« die gewerkschaftliche Freiheit Iw Ungarn" jüngst in Drück erschienene Bericht enthält außer einer reichen Urkundensammlnng ijber' die gewerkschaftliche Bewegung in Ungarn von 1914 bis 1920 eine präzise Darlegung der ungarischen Gesetzgebung vor und während des Krieges und nachher in bezug aus Koalitionsfreiheit, Vereinsrecht und.Streikrecht, vervollständigt durch Beispiele über Interpretierung und Anwendung derselben, je nach den Epochen, Individuen und Organisationen. Außerdem enthält es die Beschwerden w Denkschriften der Gewerkschaften über die Lage und die diesbezüglichen Antworten der Regierimg. Die Enquete umfaßte Budapest, die Kohlenbecken Salgotarjan und Tatabanya und . die Stadt Szeged, die dem kommunistischen Regime nichf unterlegen war. . Es ist das Muster einer unparteiischen Erhebung und der ohne Hinznfngung eines Kommentars ganz unpersönlich und objektiv veröffentlichte Bericht gereicht Allen voran in Preisen mul Qualität «WMWß>WnWWO»W>»WW»W»IWI»WW«W>U!«n»«Ml»VV«W>W»WW»WWa»WMM ist und bleibt die Stadt’Resten» messe. Grösstes Lager in Stoffen für Anzüge, Kostüme, Raglans und Winterröcke 1«» M-Mne U WlÜbuiftB-10-12. U Bto|, S