Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 969 (9.10.1921)
- Date
- 1921-10-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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r Cttfte 4 Wie^ vonnrag 'MKlt m»it|ai|emnt| ■^Wä~fs*tr y Oktober 1S2L m:m feen MissionSmrtgliederir töte auch bem ^ntevNätiiänaM Arbeitsamt, bos die Erhebungen veranstaltet hatte, zur beso^ven Ehre. Einige Auszüge aus Vieser» Bericht dürften b-M Leser die Bildung eines Urteils ermöglichen. Jrn Moment, als die Enquete in Ungarn stattsaNb, herrschte dort eine Art Staichrecht, welches das Brreins- und Versammlungsrecht beschränkte. Die Atmosphäre jener Zeit Wirb vielleicht am besten durch' den ministeriellen Erlaß gekennzeichnet, der jeden gegen die Herrschende soziale Ordnung gerichteten Per» such ,/Lm Keime zu ersticken". bestehlt. In seiner in der Provinz gehaltenen Rede dwht ^er Regent, alle, die ihm nicht opferbereit folgen»; u gründe zu rich ten. Nicht weniger charakteristisch ist . die Motivierung der Einführung der Prügelstrafe. Es heißt wövv tich: „Sie bietet den Borteil» baß sie der Mühe her C'interkerung enthebt und in der ■ Folge die Mber» ftlllung der gegenwärtig äußerst in Anspruch genommenen Gefängnisse verhindert." Den suspendierten oder aufgelösten Gewerkschaften widmet die Broschüre des HnteriMiottälett Arbeitsamtes ein besonderes Kapitel. Die D^teMM verlangte in jedem besonderen Falte eine Begründung der Regierung und befragte gleichzeitig dt- «Ungelösten l^iverkschaftett um ihre Meinung Er di» von ttek Regierung angegebenen Motivs. DteD Kapitel gehört zu den interessantesten. Während die Gründe der Regierung sehr schwach basiert Und ihre Angaben fthr vage sind, zeichnen sich tzte dev GewMsHüftM durch besondere Klarheit und Präzision aus. . - So entwllt die These der Ungarischen Bramtettorganisation, dm beschuü>igt wuchs, die Disziplin im Beamtenkörper Ungarns gÄvckert und die eingezahlten Beiträge vorschriftswidrig verwendet zu haben, in lnapften Worten ein ergreifendes Bild der Ber^lgun-- ccn, die ihre Mitglieder erduldet haben. ,Sie mußten sich — entgegen den Landtzsgeschen — 'einer Recht-, i^rrigungsprozedur über thr Verhakten während der Räteregierung unterziehen und alte Liberalen, Radi» taten usw. wurde« als nicht legitimiert einer Disziplinärlomnuslion, die aus den reakttottäLsten, klerikalsten Elementen bestand, Überwies-n. Diese Kommission suspendierte die Beamten, hielt ihre Gehälter zurück und leitete einen Geheimprozeß ein, wo die Zeugen-' a'nZsagen geheim und Berteidiger nicht ju.» lässig waren. Das Ende dieser Prozesse war 86Pvözent Entlassungen und 16 Prozent andere Disziplinarstrafen. Rekurse an ein unabhängiges Gericht waren nicht gestattet, was dev Landeskonstikution widerspricht. Mehrere tausend Beamte haben so unschuldigerweise ihre Stellung und Lebensmöglichkeiten verloren und sind samt ihren Familien zum Hungertod verurteilt. Die Widersprüche der weiteren, parallel veröffentlichten Thesen geben Litt sShk anschauliches Bild der tatsächlichen Situation. Die präziten, aus po sifivsn Angaben beruhenden Darlegungen der Gewerkschaften werden von der Negierung mit einigen Allgemeinheiten widerlegt. Im Besitz aller Angaben und Aussagen, schloß die Mission ihre Enquete in Budäpäst durch etm Unterredung mit den RegteruttgsverLretern über die zu ihrer Kennrttis gelangten Beschwerden. Die Antworten der Minister wäkeN sehr vage und allgemein gehalten. Man besaß nicht einmal die Statistik der genehmigten ober untersagten Versammlungen im. Bereich des Landes oder auch nur einer einzigen Stadt. Dev Direktor des Sicherheitsdienstes erklärt, er glqnbe nicht, daß man welche Bersammlungett in, der Provinz untersagt habe, wenigstens sei ihm nichts davon bekannt. Die hierüber versprochenen Informationen hat die Delegation bis heute nicht erhalten. Die Missionsmitglieder, die das Regime der militarisierten Gruben eingehend tennen kernen wollten, begaben sich in erster A-nhe in bas Kohlenbecken Täiabanya, aUs welches ihre Aufmerksamkeit burch die Schilderung der blutigen Begebenheiten und Gewalttaten, die sich dort abgespielt hatten, gslettkt wurde. Ueber die in Neda stehenden Gewaltakte wurde der Mission ein von vier Zeugen unterschrtebenes Protokoll übergeben. Ich lasse ein kurzes Resümee folgen: Den Grubenarbeitern von Tatavanya wurde am 1. Mat die Erlaubnis zu einem Umzug verweigert/ Der hieraus sich ergebende Konslikt, der zur Verhaftung mehrerer Arbeiter führte, wurde nur dank der. Bemühungen der Vertrau msmänner betg^legt. Dte fortgesetzten Vexaftonen seit-ns der Lokalbehörden und die Drohungen der Gendarmerie waren Mach nicht geeignet, die erregte Stimmung zu beruhigen. Die Er» vittemng der durch Mißbräuche, Rvheitsakte und tut* gerechte Lohnabzüge gereizten Arbeiter wuchs. Als auf einen Versuch zur Beschleunigung der Lohtivsrhandluu gen von der Grubenverwaltung die zynische Antwort erteilt wurde, ste sollen warten, uttb wenn sie nicht warten wollen, können sie mit dem Kopfe gegen die Wand rennen, wurde die Erregung unter den Arbeitern so groß, daß sie die Arbeit ntederlegten und sie bis zur Regelung.der jtehnfrage und der Abzüge nicht wieder ausnehmen wollten. Der Präsident' der Gewerkschaft, im Miköützü NüüövMnäe feihd LN^tztdÄstzMv Rosch-haschanah-Spende zu widmen? Noch ist es Zeit! das VersäuMte oder unzureichend Geleistete nkcluükölen 1 Reitet Palästina-Boden! FMdtzt «sw »äia mW llisrael! (Jüd. Nationälfonds, II., fäborstr. 59) BSllflf26t ctsü beiliegenden EflSSJCfiEifl 1 Fobor, der den Ernst dev Lage nicht verbannte und den Folgen Vorbeugen' wollte, ersuchte die Behörden, .den Vertrauensmännern Bewegungsfreiheit zu gewähren, damit sie sich' mit best Arbeitern verständigen und sie zur Wiederaufnahme der Arbeit beweg«« können. Dies wurde auch zugesichert, in der Tat jedoch et fett, da der Befehl erlassen 'würde, daß niemand sich aus der Straße aushälten dürfe. Ms am Abend drei TertraUeNZmännep bei Fodor erschienen, um ihm mit» zuieileu, daß es unmöglich war, sich, mit den Arbeitern Zu verständigen, da jeder, der sich aus die Straße wagte, mißhandelt wurde, drangen plötzlich zwölf Gendarmen ins Halts und. führten alle vier unter Drohungen ab. Fodor wurde vor einige Offiziere geführt, die ihn ohne Einleitung mit Ohrfeigen empfingen und seinen Kops, an die Mauer schlugen. Die-anderen. wurdM in brutalster Weise mit Fußtritten und KolbenschlSgen traktte'.t. fe.v.iit wurde wieder Fodor vorgensmmen und in. bestialischer Weise mißhandelt, bis er ohnmächtig umsank. Nicht anders erging es den. anderen. Mer nicht genug daran, wurden nach einer Pause, während welcher die Offiziere von ihrer Hmterarbeit ausruhten, Fodor.und die; anderen nun züm dritten Wale entschlich mißhandelt und .ihnen je fünfzig Stockhiebe verabreicht. Man sollte. glauben, daß damit, der Höhchünkt. der Bestialität erreicht war. 'Mer'E M einmal würden die «ns vielen. Wunden blutenden Opfer.voraesührt und die entmenschten. Offi-tere vergnügten sich,, die. chftlnje^ testen Qualen zu ersinnen, die wiederzuMn die Feder . Nachträglich warf man sie. ins -Gefängnis und suchte ste zur Aussage zu zwingen, daß die Arbeiterbewegung auf Instruktion der Partei er-, folgt, sei. . Auf dtestz Weise wurden die L v H n fr a ge n der Latabanhaer G rub« naa:beiter geregelt... - Nicht unerwähnt darf hier ein interesfantzr Zwischenfall btetben, der sich zu jener Zeit zrmug. Der Präsident der. Ortsgruppe wird eines Tages zur Gendavmertehauptmättnschsft vorgeladsn, wo ihm vom Haüptmann Dsth propontert wird, die Arbeiter für den Anschluß an eine große zu gründende Zentral- Partei, die das Land ins Geleise bringen wolle, zu gewinnen. Dte Nationalversammlung habe ihr Programm nicht ausgefüyrt, sönlit sollten die Arbeiter sich den Soldaten anschmßen; derMt könnten sie di« M ilitärdiktatur dekEren, was nicht nur die Muation .günstiger gestalten, sondern auch ten Arbeitern gestatten würde, Pogrome zu veranstalten, ohne dmden Gendarmen ober vom Militär daran gehindert zu werden. (Für die Werbearbeit wurde eine Belohnung in Aussicht gestellt.) ' Dieses kleine Fntemezzo wirst ein greM Licht auf die Zustände jener Zeit und macht so manches, bas unfaßbar schien, begreiflich. , Als die Delegierten im Laufe der Enquete ln -Da'abanya den Vertreter ter Wiiärkommandantur über die Vorfälle im Monat Mai intervellterten, gab er an, sich daran nicht zu erinnern, fügte jedoch hinzu: ,Hedenfalls wurden diese Gewalttaien juridisch nicht bewiesen." Dte gewissenhaften Erhebungen der Mission über die Arbeitsbedingungen in den militaristekten Kohlenbergwerken Sakgotarjan und Tatabanha erbringen den unanfechtbaren Beweis, baß die Rechte der Arbeiter aufs gröbste verletzt wurden. Die gegen sie erhobenen Beschuldigungen kommunistischer Umtriebe erwtesen sich sämtlich als Unbegründet. Das Ersuchen des ungarischen Ministerpräsidenten um Veranstaltung einer Enquete war ein Appell an die öffentliche Meinung der Welt. Das Internationale 1 Arbeitsamt überläßt der öffentlichen Meinung dis Beurteilung des rein objektiven Berichtes ihrer Wt artzetter. ' Genf. Rvneö U. Äxnahmr des LiinderbünL-, des Angls, bank« und »es Bankenkotttrollgefttze, Im Bundettat. Fs dw ß'rftÜM SjtzLNg des BüttLMirß wurde da» Gtfitz ÜM die DlhVttltMtz der Läudeidaük und der Äutzl-d auk ms A«Md genehmigt. BuudtskapzlK Schober ttauertt fiftf bitt Vötwürs, büß et uichl eilt Wölt des Ptöiests gkgin dev Druck der Entente gebraucht habt. »Lch tzläUbe,^ sagte er, ^verstchrrn zu konMn, büß Mlk nichts utlsyMpalhtschtr wäre, als der Träger boü Bv schastm zu st>N, dir, wenn auch nur Vöü tlkekk Teil unsres BMgenvfsm, so gebrütet werden könnten, als blette ich fremde« Jnitreffen. Ltbiglich die Ueberzeugung» daß diese Gesetze inhaltlich auch den österreichischen Interessen dienen» daßsie p h t i tisch wtt wirtschaftlich einen Borteil für Oesterreich bedeuten» haben mich veranlaßt, dit Eiklätung im Finüil-auSschnß ab-ngetzttt. Dit Gefetzt stellen sich i« ihrer heutlgen Form als das Ptodutt einer gemeinsamen hingebungsvollen Ardelt aller derjenigen Parlamentarier, die, wenn auch als Opposition und daher ablehnend, oder als Nkgierungspattel, aber ansättglich ablehnend und dann kritisch betrachtnd» doch jenen Fnhalt hervorgtzdracht bäbett. der es eipee ihrer Verantwortung bewußdn Negietunfl Mögl-ch macht, ste auch diesem hohen Hanse - ür Annahme zu empfehlen. Buttdksrat Hafner gab namens der Sozialdemokraten die Erklärung ad, daß ste Be bt Geletzesvorlagen üblehnea. Sie hielten sie sowohl im Lntereffe des Staates wie such Sek Bevölkerung für duichüus unannehmbar. Für die Großdeuischm legte Bundesrat Bitrbauckrr aus» iÜhrlich dar. warum seine Partei nunmlhr, nachdem die Gesetze eine wesentlich andere Gestalt angenommen halten, für deren Atti'ühme tintt'tie. Fn seinen weiteren Ausführungen rrillirte der Nrdner, mit Aüclstchi aufdieStärküngdesKarlls- MUS und dtebröhendeStäatskrise, dir jeden Augenblick üußmbiechett drüht, hätten es die Großdeutschen über stch gebracht, füv beide Geletzt eiNzMeteN. Jetzt fei keine Zeit >ör Pa,teikämpfe. da die Mäghartn gegen die Grundfesten de? Republik attrennen. Min möge über das Bnrgenländ nicht wütevv.khandrin und n i ch t zu den Vttbändlungen n ach Venedig gehen. Wenn der Berirag von T r i a n o n nicht erfüllt t't, dünn ist auch der von St. Gikmün in FktzlN m zerreißen/dann dürfen wir m hr denn je daraus Höffen, daß vre Bahn zuM Anschluß an das Deutsche Äeich steigemacht wird. Nach dem Schlußwort des Berichterstatters wurden t* beiden Vankgefetze gegen die Stimmen der Sozialdemokraten genehmigt. BundrSrat B iekbsnmer tcfettertc Iteuf übev d as Vankkukonttöllgesetz, das ebenfalls nach kurzer Debatte angenommen würde. Wien«, 8. Oktober. Die ^Poliiifchr KorrelpoNdenz" schreibt; Der bürtke chische Bundes, at hat beute die Geietze über die Sitzvetlegüng der Andersind brr Anglöbank sowie das von der Glößdeutscht« Voikspartri eingebrachit Bankenkonüöllgesetz in dritter Lesung eUcdigt. Die veriaffungSmäßige Verabschiedung dieser Gesetze. beb utet die Hinwegraum u«g eines schwere» Hindernisse» für die stnümpolltische Und wirtschaftliche EntwicklüngSmöglichkeit OkstekreichS. NunAchr ist die El Wartung der östettelchilchen Negierung gerechtsertigt, daß die pvllt scheu Faktoren .in England und Frankre ch MMNehr allen Ernstes darangetzr« werten, die jetzt schon seil steben Monat'» immer wilder nur vcrsprochene Kredltbilfs° aktiv» tfti- Oesteirrlch endlich z« emem rasche» und desriedlgendttt Abschluß zu billigen. Lirols Abfallsbestredsns««. «tohüadluuge» mlt Oe«tfchla»v. Uetchevtutsche^ Äbgeoevnete iw Ttevl. Berlin, 8. Oktober. (Tel.-Komp.) Wie vv» gut unterrichteter Seite verlautet, haben in letzt» Zeit mehrfach Vekhandlungen innekhalb der deutschen Relwstagsparteien stattaefunden. die sich mit der Tiroler Frage beschüstigen. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war» daß Vertreter mehrerer Parteien nach Tirol ab reisten, um die dortigen Verhktttnisse durch Augenschein Kennen zu lernen. Zn Tiroler eta* flußreichen Kreisen selbst macht sich eine Strömung oemerkbär, die auf den Anschluß an Bayern und damit an bas Deutsche Reich abzielt. Zwischen deutschen Amtssteüen und der Tiroltt Landesregierung haben in diesen Fragen schon u nv e r d kn d l tO e Besprechungen stattgesunden, ditz deutscherseits seibstverstttndlich unter Beachtung des Versailler Vertraaes, der Deutschland in diestk Mage bekanntlich bindet» geführt werden. Finanz-- und Büdgetuussqutz. Der ftihttttv und Budgk!üu»schuß hält DienStog dei. tl. d. M. ück 4 Uhe »achmiilügs m Sitzung. Tagesorduüngr Mitteilu«gen de» BütidtSministers für Klnaiiztii. Vom Finauzministevium. tzi»a»z«tn>sttt Dr. G ü r t t e t hat an de» tu $tab wrilrudk» D«. Wilhelm Rose» birg das telegraphisch! Ersuchen gerichtet, ehestens Nach Wim znrückzMrt», uni zu etnsi Rrgelung in bezug auf seine« Eintritt ,n» FinanzminlsteriMn zu tlüNßtn, W.e wir etsahren, st»d. die Schwierigkeiten, die dem Emtlitt Dt. Rosenbergs im Wege stehe», »och Nicht brboven Regenmäntel LWLLL Mr Schiffmann WSR^.'lLLS > :