Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 968 (8.10.1921)
- Date
- 1921-10-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie«, Samstag Wiener M»rge«zeit«ng 8. Oktober 1921 Seite 3 Ar. 863 Lfronserenzen Herbert Samuels mit de« Araber», London, 6. Oktober. (Iüd. Korr.-Bur.) Wie aus Jerusalem gemeldet wird, hatte der Ober Kommissär am 29. September eine. neuerliche Be sprechung mit den Arabern, um ihre Ansichten über Schulfragen sowie über die Errichtung von Agrarbanken zu hören. Der Oberkommissär setzt seine Besprechungen mit den sührenden Mitgliedern der Gemeinden beider Völker fort und holt deren Ratschläge in bezug auf die Entwicklung des Landes ein. Jude« »erde« gezwuugr«, de» Sukkut zu eutmethe«. Marscha«, 6. Oktober. (Tel.d. „Wr. Morgenztg.*) Die Abgeordneten Färb ft ein, Dr. Thon. Hartglas und Konsorten brachten ln der letzten Sitzung des Parlaments eine Interpellation ein, welche sich auf ein sonderbares Vorgehen der RegierungspoltZei in der Stadt K u r o w bezieht. Die Polizei hat dort alle jüdischen K a u f l e u t e gezwungen, ihre Geschäfte am Sabbat zu öffnen, und erklärte, sie habe Auftrag von der Behörde, die Juden zur Oesinung ihrer Läden am Sabbat zu verhalten, andernfalls ihnen die Führung ihrer Handelsgewerbe verboten würde. Beschwerden an das Kreisamt blieben erfolglos. Die Interpellation verlangt energische Maßnahmen gegen solche Vergewaltigungen des religiösen Gewissens der jüd> ' sehen Bevölkerung. Die Schwierigkeiten der WSrLftrrrigsksnferenz. Paris, 7. Oktober. (Funkspruch.) »Matm" hebt die große Verantwortung hervor, die die zukünftigen Unterhändler bei der Konferenz von Washington haben werden. Im Falle eines Scheiterns der Abrüstung werde die republikanische Partei in den Vereinigten Staaten sicher eine mächtige Verstärkung der Seemacht verlangen. Andererseits werde auch die militärische Partei in Japan einen überwiegenden Einfluß in Japan erhalten. Es sei für den Frieden der Welt unbedingt notwendig, daß die Konferenz von Washington zu greifbaren Ergebnissen komme. Die ftanzöstschen Vertreter müßten zu diesem Zwecke große Anstrengungen machen, denn ein neuer Weltkrieg wäre für Frankreich, das den Frieden braucht, verhängnisvoll. ytmt englisch-irische Konferenzen. Load»», 7. Oktober. (Tel.-Kvmp.) Samstag werden oie Vertreter des irischen Parlaments in London eintressien. Die Konferenz soll Dienstag beginnen. Auf englischex»SeitL wird Lloyd George dev: Hauptsprecher setn.:'Es§wirb versichert, daß de Valero die irische Delegation nicht führen werde, sondern in Irland zu bleiben gedenkt. Amerikanisch-deutsche Anleihe- Verhandlungen. Berlin, 7. Oktober. Wie gemeldet wird, finden derzeit Auleiheverhandlungen mit zwei amerikanischenBankgrüppen statt. Gestern traf die Mitteilung einer drittes», amerikanischen Finanzgruppe ein, wonach zwei Finanzleute nach Derliu kommen würden, um über eine amerikanische Anleihe zu nnierhandeln. Wie das Blatt weiter mitteilt, stehen deutsche Jndustriekreife auch init Vertretern der valutastärksten Länder Europas in Unterhandlmrg. Auch diese Air ge legen heit soll sich günstig entwickeln. Der BanKenKredit für das Reich. Berlin, 7. Oktober. Banken, Hmrdel und Finanzwirtschaft haben besondere Kommissionen gebildet, die die Frage des K'reditangebvtes an idas Reich bearbeite« sollen. Diese drei Ausschüsse werdeir gemeinsam mit dem Ausschuß des Ncichsverbandes der Industrie in der nächsten Woche mit dein Reichskanzler verhandeln. Gestern fand im ReichSfinanz-- ,Ministerium eine Sitzung über die Frage des KreditairgebotrS statt. ES wurden bereits bestimmte Plärre für die Durchführung d-.'-:> Angebotes vorgelegt. - Maßuayudr« i« vberschlefie«. Pa-ci^, 7. Oktober. (Del.-Komp.) ES verlautet, daß hier morgen eine neue Konferenz über Oberschlesieu stattfinden werbe. Während der. Völkerbund seine Entscheidung vorbereitet, werden die Regierungen Frankreichs, Englands und Italiens durch ihre Botschafter die Maßnahmen untersuchen lassen, die eventuell zur Anwendung gelangen sollen, um dio einander widerstrebenden Gruppen in Oberschlesien zu zwingen, di« Entscheidung der Alliierten arizuerkenne'n. '' .Die Verhandlungen zivkschen Rußland und RnMänie« abgebrochen. 7. Oktober. (Tel. d. »Wr. Morgen- .'e:!llnq".) Mitte September begannen in Warschau die Verhandlungen zwischen dem Delegierten Rumünienö Fil aliti und dem russischen Vertreter Kar ach an zur Bereinigung der zwischen beiden Jas reknßnieck MM Zchckr. Dr. Gürtler — FiuauMiutfter, Oberst Wächter — Heeresmiutster, Dr. Grünberger — Handelsminister. Die Auswechslungen im Kabinett Schober wurden gestern vollzogen. Sie wurden schließlich auf drei Ressorts beschränkt, da die Großdeutschen einer tv?ltergcheriden Parlamentarisierung der Regierung abgeneigt waren und jeder Versuch, . auch das Ministerium des Innerst und bas Amt für soziale Fürsorge in die Rekonstruktion einzubeziehm, bas ohnehin nicht allzu feste Gefüge des im Umbau begriffenen Kabinetts noch mehr gelockert hätte. Das Finanzministerium ist auf Dr. Gürtler gekommen. Er hat seine politische Karriere hti der deutschen Arbeiterpartei begonnen, für Wtlche.er im Jahre 1901 als Dnrchfallskandiimt bei den Reichsratswahle« des Jahres 1901 debütierte. Bis zu den Wahlen in die konstituierende Nationalversammlung war er strammer Deut sch,rationaler, seinerzeit ist er auch „Los von Rom" gegangen. Da ihn jedoch die Grazer Dnitschirationale« damals nicht als Listestführkr kandidieren wollten, ließ er sich von den Christlich sozialen als Wahlwcrber ausstellen und gslangLe so erstmalig zu einem Mandat. Die ChrtstlichsozialeN schickten ihn daun als Begleiter Dr. Renner's nach Saiut-G?rmam. Im Naional' rat fungierte Or. Gürtler in der letzten Zeit als Budget^ rcfercnt und galt als. Finanzsachmarm seiner Partei, weil er an der Grazer Universität einen Lehrstuhl für Finanz wifsenschast innehat und dort auch das statistische Seminar leitet. Aus die Mitarbeit des Direktors Dr. Rosenberg der Anglobank legt Dr. Gürtler großes Gewicht. D'e Wahl Dr. Rosenberg? zum Staatssekretär für Finanzen scheiterte jedoch an den antis-'nütischeu z^rstintten der Großdentschen. Man erwägt nun, Dr. R o s e n b e r g für die Leitung der Kredit sektton des FinanzininisterwinS zu gewinnen nnb den Sektwnschef S ch w a r z w ck t b miteiner auswärtigen Verwendung abzusiuden^ Ob dies möglich sein wird, wird sich erst nach der Rückkehr Dr. Rofenbergs ans P r a g> wohin dieser vorgestern ab gereist ist, erweisn«. Ginge es nach dm Großbeutschen, sv könnte Dr. Gürtler Dr. Rosenherg quasi als Hausjuden benützen, der ohne Dank seine Fähigkeiten dem Staate, beziehnngöweise dem neuen Fmanzmistifler znr Verfügung zu stellen hätte. Dr. Gürtler gilt als Mittelstandspolitiker und will sich im übrigen streng M das. mit den Finanzdelegisrten des Völkerbundes vereinbarte Programm halten. Er hat gestern seine Antrittsrede noch nicht gehalten und will mit ihr anscheinend noch bis zur Rückkehr Dr. Rvsonbergs zuwarten. Der new Heeresminister Oberst Wächter soll den Grvßde,rischen ziemlich nohestehen; er ist em vielfach dekorierter Offizier, kommandierte im Kriege das 88. (Verarme») Infanterieregiment. Dr. Grünberger wird nunmehr das Hanbelsressort leiten und gleichzeitig baS bisher von Ihm venvaltede Volksecnähruugsamt ahbosten. . Der bisherig« Heeresminister Bangoin, der nur ungern aus dem Amte geschieden ist, wurde zum Zivilkommissür im Buttdesministerium für Hcertvesen gewählt. Die Wahl der neuen Regierungsmitglieder ging in der herkömmlich gewordenen Art vor sich. Der Natioualrat erledigte zunächst das L6nderbattk-> das AngLvbacrk- und das auch in dritter Lesung. Hierauf wurde die Sitzung unterbrochen, um d.n Parteien und dem Hauptausschuß Zeit zur Erstattung d:.s VAslvorsthlages jür die neuen Regierungsmitglieder zu grö;,i- - Um 2 Uhr nahm Präsident Dr. WeiSkirchner die* Sitzung wieder auf. Abgeordneter Dr.. Seipel erstattete namens des HaubtauöschusftS den Wahlvorschlag, den Abgeordneten Dr. Gärtler zum Finanzminister, den Oberster Josei Wächter zum Bundesminister für Heerwesen und bau Bundesmimsler Dr. Alfred Grün berge« zum Bmidesrninister für Handel, Gewerbe, Industrie und Bauten zuwählen und ihn gtrichzeitig mit der Leitung des Bimdes- MinisteriumS für BölksernShrung zu beirauen. Bei der Abstimmung wurden 137 Stimmen abgegeben, 84 Stimmen lauteten für den Wahlbarschlag des Haupt' Zuschusses, 63 sozialdemokratische dagegen. Bundeskanzler Schober erklärte: ,Lsch habe-die Ehre, dem hohe« Hause milzuteilen, daß die neugewählten Minister die Wahl anuehnren."! / Anschließend daran teilte , der Präsident mit, daß die Zivilkommissäte im Bundesministsrinm für Heerwesen, die Abgeordneten Eblinger und Pwfessor Keil, ihre Stell« «iedtrgÄltzgt hätten. Das .Haus wählte hierauf die Äbgeord- . neten Bau goiu nnd Dr. Schür ff zu Zivilbommissären. < im Bundesmintsteriuch für Heerwesen. * Nächste Sitzung Donnerstag den 13. Oktober, 3 Uhr nachmittags. Nachmittags genehmigte der Bimdesrat eine Reihe belangloser Beschlüsse des Nationalrates. Die Verhandlung der Bank enge setze findet in einer für heute nachmittags anbemumten neuerliche», Sitzung des Bnndesrates statt. . Staate« schwebende« Fragen. Die Verhandlungen wurden jedoch gestern abgebrochen, da Filaliti erklärte, für titte Reihe von Fragen, die der russische Vertreter angeschnitten hatte, keine Instruktionen zu besitzen und erst dienöttgen Instruktionen von seiner Regierung einholen zu müssen. Tiue BöttrerdundkomWission geht u«ch Älbaui««. Bevn, r. Ott-ber. Der BZlkerbmldnN beschüftign sich am Dortuerstag «it fett Fragt fett Entsendung einer Ka « « i.ssion «ach Ä l b a n i e«. Er stimmte der Besteltuug einer fereigliedr-tzen Urttrssrlmngskommisston zu und fee* austratzte den Gmeralsekrettir mit Zustimmung der Präsidenten des Bölt'erbttndtules drei ünpmterische Persönlichkeit«« zur Ueber-» nähme der FunktisUe« dieser Kommstsio« zn ttsuche». Die Kommissivn soll vor dem 1> November in Albanien kintresien, darf aber ihr« Aibkilen nicht vor de« Beschlüsse» der Alliierte«, dercn A«Ssühr«»g sie zn überwachen hat. ans nehmen. Di« Kommission soll auch feüftellcr, oh sich in Ser Riihe dtc aihamschen Grenzen Ustruhen ereignm. Ahschlrch der tschechisch-plslNischeA Beeha«dL««Ze«. Praß, 7. Oktober. (Tschecho-slow. Preßbm.) In den.tschecho-slomMsch-polnischenVerhandlungen wurde, abgesehen von einigen Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Delegationen, in allen Punkten eine Einigung erzielt. Der Verteag ist aufder Grundlage der Meistbegünstigung ausgebaut. Die Post-, Telegraphen- und Telephonfragen sowie die VeterinLrangelegenheitm wurdm bereits durch" spezielle Abkommen erledigt. Da« Pragramm drs Lschecho-slo«akische« HandelsMiKisters. Pmst. 7. Oktober. (Tel.-Komp.) M»r Hckirdelsminister Ingenieur Nvvak gab heute den Journalisten Erklärungen über sein Programm. Dieses Programm wird folgende Punkte umfassen: Liquidation des Außenamtes, Revision der Handelsverträge mit Frankreich, Italien und.Deutschland, Abschließung eines Handelsvertrages mit Griechenland, Ausarbeitung des provisorischen autononmir Zolltarifcs, schnellste Aufhebung der s staatlicheri Bewirtschaftung, Ausgestaltung der Wasserwege und schließlich die Reform des Handelskammergesetzes und des Patentamtes. Zur Freigabe des Valutenhandels meinte der Minister, baß das, was jetzt in Berlin und Wirn geschehe, vor jeder U.nl>eivn;ienheit warnen soll. Eine BoKmucht für de« Minister für die Slowakei. Pr«g. 7. OlloKtr. (Tschecho-slow. Preßbur.) Das Mini« sterrstSptZfifeivm tM mit, daß die Neg'.«r«»ß drm Minister M i c » t a nach de» gesetzlichm Bestimmungen die Vollmacht 8« einer Verordnung erteilt hat, wodurch alles zur Aufrechterbaltung der Orfenyttz, Konsolidierung der B e r h 8! t n i s s r und Sicheru«- elntS ordentliche» Staatrleb-ius in der Slowalti Mtwmdige vrvanlaßt wird. Die Psrtei der kleine» Landwirte fordert die freie Königswahl. ÄrÄmPest' 7. Oktober. (Ung. Trl.-Korr.-Bür.) In der Heutigen Konferenz der Partei der kleinen Landwkrte wurde ei« Vvnr leitenden Ausschuß der ParE angenommener und vom Ackerbamninister Stephan Szabv-Eaghatad und Staatssekretär Majit unterschriebener Antrag des Abgeordneten Hencz unterbreitet, demzufolge die Partei fordert, daß das Erlöschen der pragmatischen Sanktion und damit das Wiedererstehen brr s reien Königswahl gesetzlich ausgesprochen und in Verbindung damit auch' die Machtsphäre des Königs gesetzlich g^reg^lt werde. Weiters sollen ein Wahlresormgesetz aus tu Grundlage des allgemeinen geheirnen Wahlrechtes geschaffen, die Arbeiter frage geregelt, die Boden re so r iugesetze durchgrsühri und endlich der Partei eine die Durchführung dieses Arbeitsprogramms garantierende Teilnahme an der Regierung zugesichert werden. Nach längerer Debatte, in welcher der Antrag prinzipiell gutgeheißen wurde, wurde beschlossen, den Antrag einer am 12. d. M. abznhaltenden neuerlichen Parjeikottferenz zur endMti^n Dcschlußfassung zu unterbreiten. Pronay ermordet? Steittamangsr-7. Oktober. (Ung. Bur.) „Vasarmegye* meldet: Gestern verbreitete sich das Gerücht, datz Oberstleutnant P r o n a y in Oberwarth (Felsö-Eör) ermordet worden sei. Dem Blatte wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß diese Nachricht jeder Grundlage entbehrt. erstklassig und bÜSigsit; im Warenhaus Brfid«r Schiffmann