Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 968 (8.10.1921)
- Date
- 1921-10-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wien Samstag Kerr will von Horthy Krise Gnade. BudEpeft, 7. Oktober. (Nng. Tel-Korr.-Bnr.) Der Präsident des Strafgerichishofes ließ hrnte de« z»« Tode der- «rkrille» Paul §rri vorführen «nd richtete an ihn die Frage, ob er, wenn « schon gegen das Todesurteil leinen Rekurs ergriffen Hobe, nicht mn seine Begnadigung ansuchen «solle. St 111 v e r n e i n t e d i e s. Der Präsident «ahm dieje Aenßerung zu Protokoll und forderte sodann den Verteidiger KeriS mittels Gerichtsbeschlusses ' aui, im Sinne der Strafprozeßordnung für eine» Klierte« binnen drei Tagen das Gnadengesuch einzureich-n. Der Präsident von Fiume. Fiume, 7. Oktober. In der ersten Sitzung der Volksvertretung des Freistaates Fiume «vrde der Führer der Autonormsienpartei Professor Mccardo Zanella rum StaatSvrastdenien gewählt. In seiner Programmrede betonte er, daß Fiume, entsprechend seiner Lage zwischen Italien und Jugoslawien, mir b iden Staaten in den besten Beziehnngrn leben muffe. Tagesbericht. Wiener Gemeinderat (Sitzung am 7. Oktober.) - * 5!! der gestrigen Sitzung führten die Tschechen K 11 ui e } ch und Machet anläßlich des Referats über sie Vorschrift für bis Büistellung und Verabreichung der Lehrmittel an Volks-und Bürgerschulen Beschwerde über sie Zurücksetzung tschechischer Schulen in dieser Frage. Machat' führte namentlich einzelne Schulen au, wo fttn Verhältnis zur Schülerzahl viel zu wenig Lehrkräfte vorhanden seien, daß sogar an diesen Schulen Lehrkräfte vorhanden seien, welche die tschechische Sprache .! nur mangelhaft beherrschen. Solche Zustände müssen zu einem'Streik der tschechischen Schulkinder führen. Gemeinderat K u n s ch a k bekämpfte die. Vorschrift grundsätzlich, weit »ine Vorschrift mit Einschränkungen — die Vorschrift sieht nämlich «ine gemeinsame Benützung von zu teuren Lehrmitteln durch .mehrere Schüler vor — zu Unzukömmlichkeitenführen müsse. plaGdrm noch einige Redner gesprochen hatten, wurde die Post angenommen, nachdem einige Znsatzanträge oer,gefchäftsordwungsmäßigen Behandlung zugewiesen worden warcn. Ein Antrag d^s Gemeinderates Doktor Bruno Po black, das folgende Referat, betreffend den Verkauf ■-'ön Al^eiseumaterial wegen der Kursschwankungen <urückzuweisen, wurde von der Majorität abgelehnt und sie Post hierauf angenommen. Eine schärft Aussprache entwickelte sich beim Referat pes Stadtrates Speiser über die Dienstanrechnung Leim Gruppenwechsel im Wege der Stellenbesetzung. Der Antrag lautete, daß Angestellten, welche im Wege der Stellenbefttzung eine Stelle irr der ziffernmäßig nächsthöheren oder zweithvheren Gruppe erlangen, sofern nach den geltenden Bestimmungen eine stapelweise Anrechnung stattzufiicken hat, für die Bemessung der Bezüge ein, beziehungsweise zwei Jahre jUgerechnet werden, jedoch in den Anfangsstufen nur uu 1er der Voraussetzung, daß sie mindestens.ein, be- .ieluutzoiveift ztvei Jahre in der bisherigen Gruppe eingesioNr gewesen waren. Rangsverbesserungen, die. sich ür sen 'Angestellten bei der Uebersetzung infolge Fehlens einer seiner bisherigen entsprechenden Stufe in d«r ncu-n Gruppe ergeben, werden auch die nach obigem zuzure-hnenden Jahre eingerechnet. Diese Grundsätze hat'-en auch schon für die Üeberführung in das neue ft'eyattschelna Anwendung M finden. Ter Christlichsvziale Untermüller brachte bei diesem Anlaß unter heftigem Protest der Sozialdemokraten oft BeschuLigung gegen Speiser vor, daß er zum Schaden dreier Beamter einen Akt zurückhalte, weil sie ihm nicht zu Gesicht stehen, und dadurch im Avancenrenr geschädigt würden. Im Verlauf seiner weiteren 'Huc-führuttgen beschuldig-. Unterniulftr die Sozialdemoe traien der Parteilichkeit in ihrer ganzen Verwaltung und der Terrorisierung aller, die nicht ihrer -Gesinnung siridl In schärfster Weift wendet sich Speiser in. reinem Schlußwort gegen Untermüller und erklärt, daß oft Geschichte von der Zurückhaltung des erwähnten l'.lenstückes glatt erfunden sei. Was den Gesinnungs- Terror der Sozialdemokraten antangt, so frage er: Wer hat bei oeu fttzten Wahlen darauf kandidiert, daß wir billigeres Mehl bekommen werden, .wer hat bei den i-rrieu Wahlen darauf kandidiert, daß in lwgarn schon -s ft. .Schlepper ^öereitsteh-rn, wenn hier eine christliche i'lsgftrung kommt? Ter Nattensänger von Hameln ist dürch Wien gewgen und hat aus seiner Pftise dir Geschichte vom billigen Mehl, von ungarischen Zuschüssen uitd Krediten uns vom Steigen der Krone gespielt'.. Wo ist dieses Lied jetzt hingekommen? Die christliche Partei hat m'iw Ursache, von diesen Dingen zu reden. In Wahr-, reit ist unter der christlich sozialen Regierung, dir uns "ls Netter des Volkes angeprieftn wurde, eine ungeheure Verschlechterung der Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung und eine Steigerung des Reichtums {■er Schieber entstanden. Wahr ist, daß die schlechte Lage von der christlichsozialen Partei zu verantworten ist. (Lebhafter Beifall bei der Majorität.) Der Antrag *>? riü-r:Witten wird hierauf angenommen. Die Errichtung -es Krematoriums., :.t lungere Debatte"zeitigt« das Referat über die •- lu.chtt.rg des Krematoriums, welches den Eerueinderat,' ..dov nüsderholt beschäftigt hat. Dftr vom Gemeinderat Wie»«M»p8e»K«ttmes' 8.'OLtobtt192L Nr.'968 Mitteilsugen aus dm Publikum, fannv kirnbeum 8imvn keiier 1l. ' XX. empkedlen siek als Verlobte Wien, im Oktober 1921 ZUR VERLOBUNG ihrer Freundin Fräulein Fanny Birnbaum m;i Herrn Simon Feuer gratulieren herzlichst Gisi Suhl und Familie Hochmann &«a ZUR VERLOBUNG unserer Schwester beziehungsweise Schwägerin l’rü'voin Else Ros^nslrelch mit Herrn Ernam;«'? Seif gratulieren wir herzlichst Isaak Grünberg und Frau M7i Streng rituell! 1W2 HOTEL RESTAURANT BAHSCMK Vorzügliche polnisch-ungarische Küche Wein- und Bierspezialitäten m Wien. II., Grosse ScbiflgaMe 3 I „STRDMPF1ELT“ VII., Kirchengasse Nr. 12 (Ecke Lindengasse) uo =•■== Fernruf 35238 - Siegel vertretene Antrag spricht einen Kredit von 40 Millionen Kronen an, dft Anlage soll nach dem preisgekrönten Entwurf des Innsbrucker Architekten.Holzme ist.er auf den Gründen des Neugebäudes errichtet werden. Gegen -die Errichtung des Krematoriums sprachen die Christlichsozialen, während der Tscheche Klimesch dafür eintrat. Schließlich wurde derReftrentenantrag mit den Stimmen der Maiorität angenommen und die Sitzung geschlossen. I«deR gegerr jL-ische Kiuder. Die Mikchtriulhalle der Soziale« Hi!s-grmeirrsch«ft Duitta Müller delogiert. Es scheint zur Gepflogenheit zu werden, wichtige FürsorgeinstituLe kurzerhand an die Luft zu setzen und ihren Betrieb dadurch' völlig zu hemmen. Zuerst galt es der Kinderheimstätte Prater und nun wurde die Milchtrinkhallezentrale zugunsten eines privaten Geschäftsunternehmens gerichtlich gesperrt. Gestern um. halb 3 Uhr nachmittags erschien in der Milchtrinkhallenzentrale eine amtliche Kommission, die. den gerichtlichen Befehl zur Räumung vorwies. Der Leiter der. Halle ersuchte, wenigstens die vorhandene Milch' ausgeben zu dürfen, was jedoch nicht gestattet wurde, so daß in den 20 Abgabestellen 6000 Kinde r an diesem Tage ke ine Milch erhalten konnten und diese verdirbt. Es ist keine Aussichtin absehbarer Zeit wieder die Abgabe von Milch vornehmen zu, können, da selbst dann, wenn ein Lokal aufzutreiben wäre) die zur Neuinvestierung notwendigen Millionen nicht zur Verfügung stehen. Bemerkenswert ist, daß an der Spitze des Konsortiums, welches die Delogierung veranlaßt hat, die Juden Jelhi n e k, Dr. Schle sin ger und Doktor Gel na y stehen. Es gehört fürwahr ein trauriger Akut dazu, bei der heutigen Not eine so lebenswichtige. Institution zu rauben. armen hungernden jüdischen Kindern G artLnsta-tkolo«isatian. . Ans dem 12. Zionistenkongreß in Karlsbad ist der Beschluß gefaßt , worden, der gartenstädtischen Kolonisation, die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden und ein besonderes Dezernat dafür einzurichten. Andere Kongreßbeschlüsft, gingen gleichfalls in der Richtung stärkerer Betoimng der städtischen Kolonisationsformen und der intensiveren Methoden der Landwirtschaft. Damit wird ein neues', aüssichtsvolles System in den Vordergrund gerückt, das lange' um Anerkennung gerungen hat. Nunmehr handelt es sich darum, es. schnellstens, zu verwirklichen. . G'artenstädtisch ist in unserem Falle jede Kombination städtischer und intensiv-landwirtschaftlicher Produktion. In manchen Gartenstädten wird.die städtische, in anderen die landwirtschaftliche Produktion überwiegen. Aber erst die Verbindung beider ergibt die Gartenstadt'. Diese Kombinationssorm ist den heutigen Berufen' der Juden weitgehend angepäßt. Aber sie dient auch der Ueberleitung zu demjenigen Maße an Landwirtschaft, daS wir anstrcben sollen. Es ist aber auch' ein sparsames Kolonisationssyste'ln — sparsam an Geld, an Boden und <r-i Zeit. Der .Geldbedarf dürfte — Lei aus nationalen Mitteln unterstützter Kolonisation. größeren UmfawgeS — sich pro Familie bis'auf 300 und auch auf 200 Pfund Sterling und wenigerrebnzieren lassem Dies Ware ein Fünftel bis etn Zehntel der bi-Zherigen «Ziffern für untMützte I.andMix.tlckaktlickc Kolynifatio«.. . . Der Bodenbedarf wird sich je «ach dem Einzelfalk — zum Beispiel bei bloßer Selbstverftrgmig mit Gemüse — innerhalb 100 Quadratmeter pw Kopf und auch ber. voller landwirtschaftlicher Selbstversorgung, beziehungsweise bei landwirtschaftlichem Hauptberuf, durchschnittlich innerhalb 1000 bis 2000 Quadratmeter halten lassen, a4so 0,5 bis 1 Hektar pro Familie gegenüber einer bisherigen Annahme von zirka 100 Dunam oder 9, Hektar bei landwirtschaftlicher Ansiedlung. ' Die Einkünfte werden bei den städtischen Erwerbszweige« (also bei den gewohnten Beruftn der gartenstädtischen Ansiedler)'vom ersten. Tage an beginnen, und dasselbe gilt für manche Zweige der Landwirtschaft, wie Hühnerzucht und Milchwirtschaft, während der Gemüsebau ■ bereits nach zrvei bis.'-drer Monaten aufängen' karin, Erträgnisse. zu liefern — alles selbstverständlich unter ausreichender Hinzuziehung von Fachleuten. Mit solchen Ersparnissen an Geld, Fläche und Zeit/ liegt diese neue Kolonisationsform im Möglichkeitsbereich einär sehr viel'breiteren Schicht als bisher. Die nationalen Fonds und die verfügbaren Ländereien reichen für das ^Fünffache (und mehr) der bisherigen Änsiedlerzifftrn. und auch die selbständige Kolonisation wird einer Mvergleichlich.größeren und breiteren Schicht des Volkes zugänglich gemacht als Lei Kostenziffern von .1000 bis 2000 Pfund Sterling und Landmassen von etwa 100 Dunam, ..die eine Volkshilft sowohl bei unterstützter wie bei selbständiger Kolonisation Mir für eine minimale Zahl von .Bottsgeuosftn in Betracht kommen lassen. « * V ., " Nunmehr handelt es sich darum, die (Interessenten für die neue Niederlassüngssorm gartenstädtischer >>Kolonisati»n zusaminenzusassen, und zwar nicht mir dieftnigens die jetzt oder später selbst übSrsiedelii wollen,, sondern auch solche, die sich auf/ geschästSmäßiger oder gemeinnütziger Grmidlage wahrscheinlich' viel besser durchführen als auf andereuWegen. Bodenerwerb, Erschließung von Terrains, Häuserbau. und Belieferung der Ansiedler -mit ihren Erfordernissen — alleS dies sind Dinge, die einer geschäftsmäßigen Betätigung Gelegenheit bieten und dabei' «r hohem Maße kolonisationsfördernd wirfttzr können. In erster Linie gilt dies für das Baugewerbe, daS im Serienbau, wie ihn .neue gartenstädtische Siedlungen verlangen, besondere wirtschaftliche EhäncAr hat. Diese geschäftsmäßige. Beteiligung 'an dem Bau von 'Gartenstädten kann von Privaten wie auch von der Genosseinschäst der Ansiedler selbst - airsgegrisferi werden. Besonders empffthlt sich die geschäftsmäßige Beteiligung denjenigen, , die später, selbst übersiedeln wollen und die sich damit auch ihre künftige Heim' statte vorberetten und verbilligen. Im nachstehenden ist ein Fragebogen zusammengefrellr, der dazu dienen soll, eine Uebersicht über die Interessenten zu gewinne», um den Beginn der neuen Kolonisationsform nach Möglichkeit zu beschleunigen. Die Antworterq werden selbstverständlich nur im Jnteresft des Ausstellers und vertraulich verwendet. - ' . - Fragebsge» für Gurte^stadtanfiedrer. t. Name (Vorname, Familie,ruame)? 2. Geburtsort und Wohnt and (.'ventuell wie laner /. 3. Alter? I. Gesundheitszustand? 5. Ob Frau und Kinder, deren Alter und Gesundheuszustand - 6. Ob Frau und Kinder berufstätig- Eventuell welche Berufe? (Eventuell besonderen Fragebogen ausfüllsn.) ,7. Ob Eltern oder Verwandte zu unterstützen sind? Wer von ihnen fährt mit? 8. Beruf vor dem Kriege? Selbständig oder angestellt? 9. Lebenshaltung? Eventuell Einkommen »der Verbrauchsziffern pro Woche oder Monat? 10. Beruf während des Krieges und seither? II. Ob jemals auf dem Lande gelebt? 12. Ob Landarbeit versteht? 13. Ob Seim Militär gedient (Formation, Dienstgrad) 1 1 14. Ob (im Militärdienst) in Organisation oder Arbeits. dienst tätig gewesen? Welche Zweige? 15. Ob kriegsgefangen gewesen («ventnelt dorti-^ Arbeit)? - 16. Bildungsgrad? 17. .Hebräische lkenntmsse (Lesen, Schreiben, Spr^eu)? 18. Andere Sprachen? 19. Eignung zu manueller Arbeit? Vorliebe für landwirtschaftliche oder gartenbauliche Betätigmlg? 80. Geplanter Berus ür Palästina? 21. Voraussichtlicher G.eldbestand in Palästina ii.ud Mbzug der Reisekosten? 22. Ob hier Güter oder Geschäfte oder so listige Quellt« ' zurückbleiben,. die für die Zukunft dauernde oder gelegen ft liche Einnahmen in Aussicht stellen? 23. Ob bereits in Palästina-gewesen? Wänin, wie lange? 24. :.Warum aus Palästina Kurückgetommen? 25. Ob Verwandte in-Palästina? - 26. Ob organisierter Zionist und seit wann? 27. Ob zu einer Siedlergruppe oder zu einer?j.\i ober Strömung im Zionismus gehörig? 28. Wann evenluÄl reisebereit »ach Palästinas * . Neben diesem Fragebogen für direkte Reflektanten, denen auch zweckdienliche Informationen über die Möglichkeit einer Fortsetzung ihres bisherigen Berufes usw. gegeben werden, ist es von besonderer Wichtigkeit, daß auch diejenigen ihre Adresse, Absichten und Möglichkeiten mitteilen, die bereit wären, auf geschäftsmäßiger oder gemeinnütziger Grundlage die Entwicklung der Gartenstadtkvlonisatisn zu fördern. Zuschriften erbeten m Davis. Arfttsch, S&cji» WHV, MrW- Uxe&bUti L